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Full text of "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden"

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Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 


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Herausgegeben 



(Mit 4 Tafeln und 8 Abbildungen im Text.) 




Dresden. 

In Cofnmission von Wamatz & Lehmann, König!. Sachs. Hofbuchhändler, 


1898 . 





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Inhalt des Jahrganges 1892. 

I. Sitzungsberichte. 

I. Section für Zoologie S. B und 25. — Ebert, R.: Das Auge des Grotten- 

olois S. 25. — Schiller, K., und Thiele, J.: Neue Bereicherungen 
der sächsischen Fauna S. 25. — Thiele, J.: lieber Wurmmollusken 
S. 3; das Auge niederer Wirbelthiere, die primitivsten Metazoen S. 25. 
— Vetter, B.: Verstorbene Zoologen, über Rotatorien S. 4; erstes 
Menschenalter der Darwin’schen Theorie, Auge der Vetromyzon- Larve, 
Modell der Steinkoralle S. 25. — Neue Litteratur S. 3. 

II. Section für Botanik S. 4 und 25. — Drude, 0.: Plankton-Expedition, 
Besetzung botanischer Lehrstühle, verstorbene Botaniker, Führung 
durch den neuen K. Botanischen Garten S. 5; Bereicherungen der sächsi- 
schen Phanerogamen-Flora S. 25; Wüstenpflanzen und Succulenten S. 
29; Demonstration von Succulenten im K. Botanischen Garten S. 30. — 
Fritz sehe, F.: Vorkommen von Pirola chlorantha und von Epipogum 
Gmelini S. 29. — Naumann, A.: Mikroskopische Unterscheidung der 
Hölzer S. 5; Arten der Gattung Botrychium S. 29. — Schiller, K.: 
Bereicherung der sächsischen Kryptogamen-Flora S. 28. — Vetter, B.: 
Plankton-Expedition S. 5. — Neue Litteratur S. 29. — Zusammen- 
kunft mit dem thüringisch-botanischen Verein in Gera im Juni 1892 S. 6. 

III. Section für Mineralogie und Geologie S. 6 u. 30. — Bergt, W.: 
Gebirgsdruck und seine Wirkungen, Kiesel-Oolithe aus Pennsylvanien S. 
31. — Engelhardt, H. : Kreidepflanzen aus Böhmen, Tertiärpflanzen 
aus Schlesien, fossiler Giftzahn S. 8. — Francke, H. : Tektonisches 
Modell von Dr. R. Schäfer S. 30; Besprechung neuer mineralogisch- 
geologischer Werke S. 31; Quarzporphyr und Orthoklas (Mondstein) 
aus Schlesien S. 32. — Geinitz, H. B.: Krystalle von Kochsalz und 
von Hydrohalit, Geweihe des diluvialen Riesenhirsches S. 7; neue Auf- 
stellung des K. Mineralog.-geolog. und prähistor. Museums S. 8; Stru- 
delloch im Lomnitzkessel, Katastrophe von St. Gervais S. 30; Meteor- 
stein von Ensisheim, Gletschertöpfe aus Californien, neue Entdeck- 
ungen am Ichthyosaurus S. 31; Frau Prof. Zschau f S- 30. — Z sc hau, 
E. : Zeolithe aus dem Syenit des Plauen’schen Grundes S. 7 ; gangartige 
Kluftausfüllungen im Syenit des Plauen’schen Grundes S. 31. — Neue 
Litteratur S. 7 und 8. — Excursion in die Bahn-, Weisseritz- und 
Hafen-Anlagen bei Dresden-Friedrichstadt S. 8. 

IV. Section für prähistorische Forschungen S. 8 u. 32. — Deichmüller, 
J. : Gefäss mit Graphitmalerei von StetzschS. 10; Urnenfeld am Berliner 
Bahnhof in Dresden S. 12; vorgeschichtliche Sammlungen Italiens S. 
32; Vorlagen S. 11. — Döring, H. : Burgwälle von Alt-Oschatz und 
Leckwitz S. 8; slavische Herdstelle in Köblitz S. 11; prähistorische 
Funde aus der Lausitz S. 33; Vorlagen S. 10 u. 11. — Ebert, O.: 
Vorlagen S. 11. — Geinitz, H. B.: QuatrefagesfS.il. — Peuckert, 
A. : Vorlagen S. 11. — Neue Litteratur S. 11. — Excursion nach 
Cossebaude und Stetzsch S. 12. 

V. Section für Physik und Chemie S. 12 u. 34. — Förster, B : Demon- 

stration des Modells einer Gesteinsbohrmaschine S. 34. — Helm, G.: 
Schwankungen der Erdachse S. 12; Polhöhenbeobachtungen S. 34. — 
Hempel, W.: Kohlenstoffbestimmung im Eisen, neuer Messapparat 
für Gase, Verbrennung in Kohlensäureatmosphäre S. 15. — Krone, H. : 
Das Problem, in natürlichen Farben zu photographiren S. 34. — Ex- 
cursion zur Besichtigung des Blasewitz-Loschwitzer Elbbrückenbaues 
S. 34. 

VI. Section für Mathematik S. 16 u. 35. — Krause, M.: Bestimmung von 
Curvenlängen durch elliptische Integrale S. 16. — Rittershaus, Tr.: 
Zahnradübersetzungen mit unrunden Rädern S. 16. — Rohn, K.: Kno- 
tenpunkte bei den Flächen 3. Ordnung S. 16; Singularitäten bei 
Steiner’schen Flächen, geometrische Bemerkungen zu dem Mannes- 
mann’schen Walzverfahren S. 35. — Ulbricht, R.: Graphisch- analy- 
tische Behandlung elektrischer Wechselströme S. 16. — Witting, A.: 


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Ueber speeielle Steiner’sche Mächen und deren Modelle S. 35. — 
Zeuner, G.: Zur Thermodynamik der Atmosphäre S. 16. 

TU. Hauptversammlungen S. 16 u. 35. — Veränderungen im Mitglieder- 
bestände S. 19 u. 37. — Beamte der Isis im Jahre 1893 S. 38. — 
Kassenabschluss für 1891 S. 17 u. 21. — Voranschlag für 1892 S. 17 
u. 22. — Purgold-Stiftung S. 18. — Freiwillige Beiträge zur Gesell- 
schaftskasse S. 37. — Geschenke für die Bibliothek S. 18. — Verleg- 
ung der Bibliothek S. 17. — Bericht des Bibliothekars S. 39. — Lese- 
zirkel S. 17. — Ausfall von Hauptversammlungen S. 18. — Brehm- 
S chl egel-Denkmal S. 17. — Kilias-Denkmal S. 36. — Drude, 0.: 
Culturfähigkeit von Deutsch- Westafrika S. 18; Frithjof Nansens 
Nordpolar-Expedition S. 36; Reizerscheinungen im Pflanzenreich, Vor- 
lagen S. 37. — Geinitz, H. B.: Zweite Wasserwerksanlage für Dres- 
den S. 36. — H artig, E.: Auseinandersetzungen zwischen Wort, Be- 
griff und Gegenstand S. 17. — Naumann, A.: Ueber die Zwergbirke 
S. 18. — Ritters haus, Tr.: Anlage elektrischer Strassenbahnen S. 
36. — Rohn, K. : Abhängigkeit der Kugelanzahl von ihrer Anordnung 
in einem Hohlwürfel S. 17 u. 36; Gewichtsverhältnisse bei Füllung eines 
Cylinders mit grossen oder kleinen Kugeln S. 17; Acht-Damen-Problem 
auf dem Schachbrett, Vorgänge beim Mann esmann’scben Walz ver- 
fahren S. 36. — Ulbricht, R. : Fortschritte in der Anwendung der 
Elektrizität für Eisenbahnzwecke S. 35. — Vater, H.: Ursachen der 
Verschiedenheit der Krystalle derselben chemischen Verbindung S. 18. 
Excursion nach Dittersbach S. 18. 

II. Abhandlungen. 

Bergt, W. : Ueber einen Kieseloolith aus Pennsylvanien, mit Tafel IV, S. 115. 

Drude, 0.: Aufruf zur Anstellung neuer phänologischer Beobachtungen in 
Sachsen und Thüringen. S. 104. 

Drude, 0., und Naumann, A.: Die Ergebnisse der in Sachsen seit dem 
Jahre 1882 nach gemeinsamem Plane angestellten pflanzen-phänologi- 
schen Beobachtungen II. Theil. S. 76. 

Engelhar dt, H.: Ueber neue Tertiärpflanzen von Grünberg in Schlesien. S. 37. 

Geinitz, H. B.: Bericht über die neue Aufstellung in dem K. Mineralo- 
gischen Museum zu Dresden. S. 3. 

Geinitz, H. B.t Bohrversuche für eine neue Wasserwerksanlage auf Tolke- 
witzer Flur bei Dresden. S. 58. 

Meyer, A. B.: Ueber Bernstein-artiges prähistorisches Material von Sizilien 
und über Barmanischen Bernstein. S. 49. 

Meyer, A. B. ; Aquila rapax (Temm.) von Astrachan, nebst Bemerkungen 
über verwandte Formen, besonders Aquila boeki Hom. S. 67. 

Naumann, A. : Mittheilungen über die sächsischen Exemplare des Botry- 
chium rutifolium A. Br., mit Tafel III. S. 41. 

Reibisch, P.: Die conchyliologische Fauna der Galäpagos-Inseln, mit 
Tafel I — II und einer Karte im Text. S. 13. 

Reibisch, Th.: Verzeichniss der bisher in den diluvialen Mergeln von 
Cotta bei Dresden aufgefundenen Conchylien. S. 8. 

Reiche, K. : Ueber habituelle Aehnlichkeiten generell verschiedener Pflan- 
zen, mit 2 Abbildungen im Text. S. 33. 

Thiele, J. : Die primitivsten Metazoen. S. 54. 

Thiele, J.: Ueber das Kriechen der Schnecken. S. 72. 

Z sch au, E.: Bemerkungen über den Quarz im Syenit des Plauen’schen 
Grundes. S. 60. 


Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer 

Abhandlungen. 


Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungs- 
berichten auf besonderen Wunsch 25 Separatabzüge gratis, eine grössere 
Zahl gegen Erstattung der Herstellungskosten. 



2i aturwi ssen scha ftli ch en Gesellschaft 



in Dresden, 


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I. Section für Zoologie. 


Erste Sitzung am 21. Januar 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. B. Vetter. 
— Anwesend 16 Mitglieder. 

Dr. J. Thiele, Assistent am K. Zoologischen Museum in Dresden, 
überreicht zwei seiner Abhandlungen: „Die Stammesverwandtschaft der 
Mollusken“ und „Ueber Sinnesorgane der Seitenlinie und das Nervensystem 
von Mollusken“ als Geschenke für die Bibliothek der Gesellschaft und 

hält dann einen durch zahlreiche makro- und mikroskopische Objecte 
und Zeichnungen erläuterten Vortrag über Wurmmollusken. 

Unter Wurmmollusken sind die Amphineuren von Jhering’s zu verstehen, eine 
Bezeichnung, die weniger darum gewählt ist, weil diese Thieie in ihrem äusseren 
Habitus zum Theil Wurmähnlichkeit zeigen, als vielmehr wegen ihrer Organisations- 
verhältnisse, die in mehrfacher Hinsicht sehr von denen der eigentlichen Mollusken 
ab weichen. 

Die Gruppe der Amphineuren besteht aus den zwei Ordnungen der Solenogastres 
oder Aplacophora und der Cliitonidae oder Polyplacophora. 

Die Erster en sind wurmförmig, von einer mehr oderweniger mächtigen gallertigen 
Cuticularschicht mit eingelagerten Spicula bedeckt, die gewöhnlich eine ventrale Rinne 
mit einem zugeschärften Fältchen freilässt, und mit ausstülpbarem Rüssel, der meist 
eine schwache Reibplatte enthält, versehen. Der Darm zeigt regelmässige seitliche 
Aussackungen oder einen hinteren Blindsack ( Ghaetoderma ), der Enddarm führt in 
eine Kloake, in welcher Kiemen liegen, die bald gut entwickelt, bald kaum wahr- 
nehmbar sind. Auch münden in diese Kloake die Urogenitalorgane aus, deren vorderer 
Theil die Keimstoffe erzeugt, während der hintere in ein Pericard und Nephridien 
(Nieren! umgewandelt ist; in manchen Fällen finden sich Copulationsorgane, von 
denen der doppelte Penis besonders auffällig ist. Zwittrigkeit ist Regel. Das Nerven- 
system besteht meist aus einem Schlundringe mit verschiedenen Anschwellungen und 
4 Längsstämmen, 2 ventralen und 2 seitlichen, welche bald getrennt verlaufen, bald 
durch zahlreiche Commissuren Zusammenhängen ; hinten liegt über dem Darme eine 
gangliöse Anschwellung, in welche die seitlichen Stämme auslaufen ; ausserdem findet 
sich noch ein kleiner Schlundring. Als Sinnesorgane können teutakelartige Fäden 
in der Mundhöhle, keulenförmige Fortsätze der Hypodermis in der Cuticularschicht. 
eine hintere dorsale Einsenkung und wahrscheinlich die ventrale Hautfalte angesehen 
werden. Der Hautmuskelschlauch besteht aus einer Längs-, einer Ringmuskelschicht 
und zwei Diagonalfaserschichten; zwischen den Darmsäcken liegen regelmässige 
Querbündel, die von der Bauchmitte nach den Seiten verlaufen. Das arterielle Gefäss- 
system ist dorsal gelegen. 

Die Chitonen zeigen durch den ventralen Kriechfuss, der aus der ventralen 
Muskulatur hervorgegangen ist und der von einem mit Cuticula und Stacheln oder 
Platten bedeckten „Mantel“ umgeben wird, durch die Kalkschale, die aus 8 hinter 
einander gelegenen Stücken besteht, äusserlich mehr Aehnlichkeit mit Gastropoden. 
Dazu kommt das Vorhandensein einer gut entwickelten Radula, eines subradularen 
Sinnesorgans, das auch bei Dentalien vorkommt, von vorderen Eingeweideganglien, 
der gewundene Darm mit deutlicher Leber — alles Merkmale, die auf nahe Ver- 
wandtschaft mit den eigentlichen Mollusken hinweisen, unter denen namentlich die 
ältesten Gastropoden (Prosobranchier) mit den Chitonen noch manche weiteren Züge 
theilen; so ist vor Allem die Form des Nervensystems mit den strickleiterförmigen 
Pedalsträngen hervorzuheben. 


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Diesen übereinstimmenden Merkmalen stehen aber sehr einschneidende Unter- 
schiede gegenüber, so die Vielzahl der articulirenden Schalenstücke, die ausser den 
bei anderen Mollusken vorhandenen Schichten noch eine weitere enthalten und die 
von den „Aestheten“ durchzogen werden, der stacheltragende Körperrand, unter dem 
jederseits eine Reihe zahlreicher Kiemen steht, von denen jede einzelne einer solchen 
entspricht, wie sie bei Mollusken fast immer höchstens in der Zweizahl Vorkommen, und 
die ganz anders innervirt werden. Die seitlichen Nervenstämme der Amphineuren, ebenso 
das Subradularorgan, der kleine Schlundring und noch manches andere Organ finden 
nur bei einigen niederen Mollusken Aequivalente, die sich in der phyletischen Reihe 
bald rückbilden. 

Mit den Solenogastres stimmt vor Allem 'die Beschaffenheit des Nervensystems 
der Chitonen überein , beiden fehlen die bei den eigentlichen Mollusken verbreiteten 
Sinnesorgane (am Kopfe Tentakel und Augen, Otocysten, Kiemensinnesorgane) gänz- 
lich, sie haben ein mediodorsales arterielles Gefäss, neben welchem die Keimdrüsen 
liegen, und ventrale lacunäre Blutbahnen; endlich eine mit Hypodermisfortsätzen und 
Stacheln verbundene starke Cuticula. 

Dass die Solenogastres im Ganzen primitiver sind, beweist das Verhalten der 
Keimdrüse, des Darmtractus, der Muskulatur und das Vorkommen von Organen, 
welche die Solenogastres in erwachsenem Zustande, die Chitonen nur als Larven 
zeigen (vordere Fussdrüse, Bauchrinne). 

Die Amphineuren nehmen eine Mittelstellung zwischen Würmern und Mollusken 
ein, namentlich zeigen sie mit Polycladen durch die Darmsäcke mit dazwischen ver- 
laufenden Muskelbändern, die eine Metamerie andeuten, den dorsalen nach vorn 
gerichteten Blinddarm, den Hautmuskelschlauch, die Structur des Nervensystems 
Uebereinstimmungen , mit polychäten Anneliden durch die Form des Darmes, die 
cuticularisirte Haut mit zum Theil überraschend ähnlichen Stacheln, die Bauchrinne, 
die Anordnung des Nervensystems (Seitenlinie), das dorsale Gefäss. Die Anneliden 
stehen jedenfalls höher, wie hauptsächlich durch die vollkommene Metamerie der 
aus den Keimdrüsen hervorgegangenen Leibeshöhle dargethan wird. 

Auch die Larven der Amphineuren zeigen grosse Aehnlichkeit mit denen von 
Polycladen, Polychäten und Mollusken, und es kann nach Allem nicht zweifelhaft 
sein, dass die Wuimmollusken Uebergangsformen von niederen Würmern zu Mollusken 
darstellen, ähnlich wie es von Peripatus unter den Arthropoden allgemein ange- 
nommen wird. 


Zweite Sitzung am 17. März 1892. Vorsitzen der: Prof. Dr. B. Vetter. 
— Anwesend 32 Mitglieder. 

Der Vorsitzende gedenkt zunächst mehrerer kürzlich verstorbener 
Zoologen, giebt biographische Notizen über E. Brücke, II. W. Bates, 
N. Moseley und P. PI. Carpenter und 

hält dann einen Vortrag über Rotatorien. 

Die darin berührten Beziehungen der Räderthiere zur Trochophora- 
Larve erklärt Dr. J. Thiele in der Discussion für zweifelhaft. 


II. Section für Botanik. 


Erste Sitzung am 4. Februar 1892. (In Gemeinschaft mit der 
Section für Zoologie.) Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 
39 Mitglieder. 

Der Vorsitzende hält unter Vorlage der einschlagenden Schriften*) 


*) Brandt: Ueber die biologischen Untersuchungen der Plankton-Expedition. 
1889; Hackel: Plankton-Expedition. 1890; Hensen: Die Plankton-Expedition und 
HäckeTs Darwinismus. 1891. 


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eineu Vortrag über Namen, Zustandekommen, Zweck und Methoden 
der Plankton-Expedition. 

In einem weiteren Vortrage berichtet Prof. Dr. B. Vetter über die 
der Plankton - Expedition vorhergehenden ähnlichen Bestre- 
bungen und über die zoologischen Erfolge der Expedition. Der 
Vortragende zweifelt die Genauigkeit der Hensen’schen statistischen Me- 
thoden an, gestützt auf die Einwände Häckel’s. 


Zweite Sitzung am 24. März 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. 
— Anwesend 40 Mitglieder. 

Der Vorsitzende giebt zunächst einen Ueberblick über die Verände- 
rung in der Besetzung der botanischen Lehrstühle und über ver- 
storbene Botaniker, unter Ueberreichung eines von ihm verfassten 
Nekrologs von Prof. Schenk (aus den Ber. der deutsch, bot. Ges.). 

Hierauf hält Dr. A. Naumann einen Vortrag über die mikrosko- 
pische Unterscheidung der Hölzer. 

Der Vortragende bespricht nach Erörterung der chemischen Zusammensetzung 
des Holzes die mikroskopischen Unterschiede der mono- und dicotylen Hölzer 
und erläutert an der Hand des Noll’schen Demonstrationsapparates die Jahres- 
ringbildung. Nachdem die anatomischen Elemente des Holzes, Gefässe, Trachei'den, 
Parenchym, Markstrahlen erklärt sind, wird deren physiologische Function beleuchtet. 
Des Weiteren geht der Vortragende auf die technischen Eigenschaften des Holzes 
ein, um dann Genaueres über die mikroskopische Unterscheidung der einzelnen 
Holzarten mitzutheilen. Am Schlüsse des durch Vorlage von Tafeln und Holzproben 
illustrirten Vortrags weiden die mikroskopischen Eigenschaften an Glasphotogrammen 
mittelst Sciopticons erläutert. 


Dritte Sitzung am 2. Juni 1892 (im botanischen Garten). Vor- 
sitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 53 Mitglieder und Gäste. 

An diesem durch die Gunst der Witterung ausgezeichneten Tage 
fanden sich im neuen K. Botanischen Garten eine stattliche Anzahl 
von Freunden und Jüngern der scientia amabilis zusammen, um an der 
von Prof. Dr. 0. Drude geleiteten Besichtigung dieses neu errichteten 
und nunmehr seiner Vollendung nahen Institutes theilzunehmen. 

Von dem erhöhten Standpunkte des Alpinums aus, welches über die Neuanlagen 
einen ausgezeichneten Ueberblick gewährt, erläuterte Prof. Dr 0. Drude die Prin- 
cipien, nach welchen der neue botanische Garten angelegt ist. Er soll nicht nur 
eine einfache systematische Zusammenstellung der Gewächse aufweisen, sondern soll 
zugleich in die Florenreiche und in die hauptsächlichsten pflanzengeographischen 
Formationen Mitteleuropas einführen. 

Ganz besondere Freude gewährte allen Theilnehmern das Alpinum mit seinen 
im reichen Blüthenschmucke stehenden niedlichen Saxifragen, Gentianen und Alpen- 
stauden, von ganz besonderem Interesse war ein auf der Höhe im kleinen Massstabe 
angelegtes Krummholzmoor, wie es uns in unserem sächsischen Vaterlande in Zinn- 
wald oder Reitzenhain entgegentritt. Von dem vorzüglichen Gedeihen dieser Anlage 
legten die Blüthen von Eriphorum vaginatum und Andromeda polifolia, sowie die 
männlichen Kätzchen der Pinus montana ein erfreuliches Zeugniss ab. 

Weiteres freudiges Interesse erregte der Hinweis, dass auf dem Rieselfelde des 
Alpinums die Linnaea borealis, gleichsam den Geburtstag des Altmeisters der Botanik 
(28. Mai) feiernd, ihre reizenden Blüthen entfaltet hatte. 

Ein interessanter Rundgang durch den Garten machte zum Schluss die An- 
wesenden mit der Bestimmung der verschiedenen Quartiere bekannt (Ref. : N a um a nn.) 


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Die Zusammenkunft in Gera mit dem thüringisch-botanischen Verein 
und die daran angeknüpften botanischen Excursionen. 

Am Dienstag, den 7. Juni 1892, fand sich ein Dutzend Isis- 
Mitglieder, verstärkt durch correspondirende Mitglieder aus dem Vogtlande 
und aus Reuss, welche zum Theil auch dem Thüringer Verbände gleich- 
zeitig angehörten , im Hotel Frommater zu Gera mit den unter Prof. 
Hausknecht’s Präsidium vereinigten Thüringer Vereinsgenossen zu gemein- 
samer Sitzung und nachher zu fröhlichem Mahle zusammen. Der jetzige 
Vorsitzende unserer Gesellschaft, Prof. Dr. K. Rohn, hatte es sich nicht 
nehmen lassen, sich auch an diesem speciell der Botanik gewidmeten 
und vom Vorstande der botanischen Section geführten Ausfluge zu betheiligen. 

Ueber die wissenschaftlichen Mittheilungen wird später der thüringische Vereins- 
bericht referiren; hier sei nur erwähnt, dass von Seiten der „Isis“ Vorträge von Prof. 
Dr 0. Drude-Dresden und Dr. med. F. Naumann-Gera erfolgten, welche auf unsere 
Gesellschaftsschriften nachwirken werden. 

Am 8. Juni früh bewegte sich eine stattliche Excursion unter Führung unseres 
liebenswürdigen correspondirenden Mitgliedes Marinestabsarztes a. D. Dr F. Naumann 
von der Eisenbahnstation Crossen bei Gera zum Mühlberge hinauf und von da 
auf dem Ostufer der Elster nach Köstritz, um die interessante Hügelflora, den letzten 
Grenzposten der im Saalegebiet so viel reicher entwickelten thüringischen Genossen- 
schaften gegen Sachsen hin, aufzunehmen, insonderheit die Charakterarten Lithosper - 
mum purpureo-coeruleum , Melica ciliata, Viola mirabilis, dazu Orchis fusca, variegata , 
Anthericum etc. Bei dieser Gelegenheit wurde in Asperula tinctoria am Mühlberge 
ein die Flora des Elsterthales wesentlich bereichernder neuer Fund gemacht. 

Von Köstritz aus wanderten die Isis-Mitglieder westwärts durch das hohe Wald- 
gebiet, dessen Sandsteinboden das reiche Saalethal von den Elsterthal - Höhen ab- 
scheidet, nach Klosterlausnitz, wo Potentilla ( Tormentilla) procumbens Sibth. in den 
Gräben entwickelt ist und von Prof. Hausknecht demonstrirt wurde. Am andern 
Morgen (9. Juni) traf, wiederum von Gera kommend, der unermüdliche treue Führer 
Dr. Naumann bei dem kleiner gewordenen Kerne der Isis - Excursion ein, um 
mit ihr zur Saale bei Göschwitz, südlich Jena, zu fahren, von wo unser altes Mit- 
glied Apotheker Jonas aufgebrochen war, um mit Dr. Naumann zusammen 
hier die Führung in dem durch Natur- wie Botanisir - Schönheiten ausgezeichneten 
sonnenheissen Muschelkalkgebiete za übernehmen, die uns sogar den seltenen Anblick 
von blühendem Himantoglossum gewählte. Am Abend über Gera, wo sich die Gesell- 
schaft mit lebhaftestem Danke von Dr. Naumann verabschiedete, südwärts in 
das Vogtland zurückgekehrt, übernachteten die Isis -Mitglieder in Elsterberg und 
wurden am andern Morgen in liebenswürdigster Weise durch die vogtländischen 
correspondirenden Mitglieder Prof. Ludwig-Greiz, Dr. B achmann- Plauen und Civil- 
ingenieur Artzt- Plauen verstärkt, welche nunmehr in das Elster- und Triebthal die 
Führung übernahmen, wo namentlich der herrliche Standort von Saxifraga decipiens 
hohes Interesse erregte. Viele Seltenheiten für die dortige Gegend wurden an das 
Licht gezogen, da bekanntlich Herr Artzt als eifriger Florist des Vogtlandes nichts 
unaufgespürt lässt. So hatte sich auch hier noch ein reich lohnendes botanisches 
Interesse mit den landschaftlichen Schönheiten vereinigt, um auch diesen letzten 
Excursionstag zu einem bedeutsamen zu machen, bei dem höchstens das eine Be- 
dauern sich geltend machen konnte, nämlich dass die Excursion zu frühzeitig zu- 
sammengeschmolzen war , um die seltene Führung zugleich einem grösseren Jünger- 
kreise der Scientia amabilis zu Nutzen weiden zu lassen. Bei Schluss der Excursion 
dachten alle Theilnehmer mit festem Vorsatz: „Vivat sequens“. (Ref. : Drude.) 


III. Section für Mineralogie und Geologie. 


Erste Sitzung am 18. Februar 1892. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. — Anwesend 32 Mitglieder. 


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Prof. E. Z schau, der seit Jahrzehnten unermüdliche Forscher im Ge- 
biete des Plauenschen Grundes verbreitet sich eingehend über die von ihm 
im Syenit dort beobachteten Zeolithe, insbesondere den Laumontit, 
Phillipsit, Analzim, Hatrolith und Stilbit, und erläutert seinen 
Vortrag durch zahlreiche Fundstücke. 

Per Vorsitzende legt eine grosse Anzahl schöner Kry stalle von 
Kochsalz vor, sogenannte Schüsselchen oder Trichter, welche er Herrn 
Salinendirector Bergrath Bückert in Salzungen verdankt. Von besonderem 
Interesse erscheinen auch die von dem Letzteren beigefügten Krvstalle des 
Hyd rohalit = Na CI -|- 4 H 2 0, welcher in monoklinen Tafeln krystallisirt. 

An die letzteren schliesst Bergrath Rückert die Bemerkung an, dass dieselben 
bei — (7°— 8°) R. an der Oberfläche stehender oder langsam fliessender, fast gesät- 
tigter, 26procentiger Soole mit 1.204 spec Gew., im Freien an der Oberfläche aus- 
krystallisiren und ganze Flächen der schönsten wasserhellen Nadeln, Tafeln und 
Säulen bilden, die aber noch unter 0 0 zerfliessen, indem sich das chemisch gebundene 
Wasser vom Chlornatrium trennt und letzteres als mehlartiger Brei zurückbleibt. 
Durch rasches Austreiben des im Hydrohalit gebundenen Wassers auf einer ungefähr 
zur Kirschrothglut erhitzten Blechtafel gelingt es, die Form der Krystalle zu erhalten, 
wenn auch manches Bruchstück verloren geht, falls die Temperatur nicht richtig 
getroffen ist. Die übersandten Stücke sind zum Theil 8 Jahre alt. 

Jene Salz- Schüsselchen oder Trichter, deren pyramidale Flächen den Flächen eines 
Pyiamidenwürfels entsprechen, krystallisiren aus einer stark mutterlaugenhaltiger 
Soole bei einer Temperatur von 40 — 45° R. aus. Die grössten dieser Art, welche 
fast flach erscheinen, erzeugt man in den holländischen Salzraffinerien, welche eng- 
lisches Steinsalz in Seewasser auflösen und wieder versieden. Man benutzt sie, um 
schichtenweise zwischen Käse oder Fische gelegt zu werden, zum Einsalzen derselben, 
was gleichmässiger und günstiger wirken soll, als ein schichtenweises Einstreuen von 
feinem Salz. 

Das in der Mutterlauge bei deren Ansammlung in Bassins noch vorhandene 
Chlornatrium scheidet sich bei gewöhnlicher Temperatur in compacten Würfeln aus, 
welche dem Steinsalze gleichen, und auch Fasersalz bildet sich öfters, wenn Soole 
aus einer leckenden Pfanne in die Fugen des Mau er Werkes der Feuerung dringt. 
Schliesslich noch die Bemerkung, dass Kochsalz aus einer phosphorsäurehaltigen 
Lösung in Octaedern auskrystallisiren soll. 

Zur weiteren Vorlage gelangt durch den Vorsitzenden eine schätz- 
bare Schrift von H. Credner: „Die geologischen Verhältnisse der Stadt 
Leipzig“, mit geologischen Profilen. Sonderabdruck aus der Festschrift: 
Die Stadt Leipzig in sanitärer Beziehung. Leipzig 1891. 

Es steht zu erwarten, dass mit Hülfe der vielen in den letzten Jahren 
gemachten neuen Aufschlüsse und in Folge der Bemühungen des von Seiten 
der geologischen Landesuntersuchung mit Aufnahme des Dresdener Bodens 
betrauten Landesgeologen Dr. R. Beck auch für unser Dresden eine ähn- 
liche Arbeit bald veröffentlicht werden kann. 

Der Vorsitzende lenkt die Aufmerksamkeit noch auf einige neue Funde 
von Geweihen des diluvialen Riesenhirsches, welche von Prof. 
A. Nehring genau untersucht worden sind. (Vergl. Sitzungsbericht der 
Ges. naturf. Freunde zu Berlin, vom 20. Oct. 1891. — Potonie, Natur- 
wiss. Wochenschrift, 24. Januar 1892. — Deutsche Jäger -Zeitung, 7. 
Febr. 1892. 

Diese in der Gegend von Klinge unweit Cottbus und bei Worms a. Rh. aufge- 
fundenen Geweihe weichen von dem in dem Dresdener Museum befindlichen irischen 
Riesenhirsch Cervus euryceros Aldr. oder Megaceros Hibernicus Owen, der Art ab, dass 
Prof. Nehring sie als besondere Art Cervus Ruffii Nehr. oder mindestens als Cervus 
megaceros var. Ruffii Nehr. von dem normalen Riesenhirsch geschieden hat. 


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Schliesslich wird eine Schrift von Dr. W. Luzi: „Zur Kenntniss des 
Graphitkohlenstoffes“ (Ber. d. Deutsch, ehern. Ges., XXIV, Hft. 19, 1891) 
besprochen. 


Zweite Sitzung am 21. April 1892. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. — Anwesend 24 Mitglieder. 

Die Sitzung wird durch den Vorsitzenden mit einem Berichte über 
die neue Aufstellung in dem K. Mineralogischen Museum zu 
Dresden eröffnet (vergl. Abhandl. I), woran sich ein. Bericht des 
Dr. Deichmüller über die neue Anordnung der prähistorischen Abtheilung 
dieses Museums schliesst. 

Oberlehrer H. Engelhardt spricht über eine Sammlung böhmischer 
Kreidepflanzen des geologischen Instituts der deutschen Universität 
Prag, über welche von ihm eine Abhandlung erscheinen wird, über neue 
Tertiärpfla nzen von Grünberg i. Schl, (vergl. Abhandl. V) und über 
einen fossilen Giftzahn (vergl. Zoolog. Anzeig., 1892, Nr. 386). 

Zur Vorlage und Besprechung gelangen: 

W. Bergt: Beitrag zur Petrographie der Sierra Nevada de Santa Matta. Wien 1888; 

0. C. Marsh: Recent Polydactyle Horses; Discovery of Cretaceous Mammalia; 
the Skull of Torosaurus (Am er. Journ. of Science, Yol. XLIII, 1892); 

L. Rütimeyer: Die eoeäne Säugethierwelt von Egerkingen. Zürich 1891; 

H. Reu sch: Norges Geologiske Undersögelse (in: Det nordlige Norges geologi 
med bidrag of Dr. Teilet Dahll og 0. A. Corneliussen), Kristiania 1892, welche 
Schrift auf geologischer Karte und in Profilen das Vorkommen von jurassischen 
Kohlen auf der Insel Andoen nachweist. 


Exeursiou. 

Auf Wunsch •verschiedener Mitglieder wurde am 29. Juni 1892 eine 
Excursion zu den neuen, sehr interessanten Bahn-, Weisseritz- und 
Hafenanlagen bei Cotta und Friedrichstadt unternommen. 

Unter der ausgezeichneten Leitung der Herren Regierungsbaumeister Toller und 
Frommhold, sowie der des Herrn Stadtbauin spector Vetters wurden die Anlagen, 
sowie die mit ihnen in Verbindung stehenden Maschinen, auch die zum Tlieil inter- 
essanten geologischen Vorkommnisse und Funde einer eingehenden Besichtigung 
unterworfen. An dem Ausflug nahmen 22 Mitglieder Theil. 


IV. Section für prähistorische Forschungen. 


Erste Sitzung am 14. Januar 1892. Vorsitzender: Dr. J. Deich- 
m filier. — Anwesend 28 Mitglieder. 

Lehrer H. Döring erstattet Bericht über die von ihm an den Burg- 
wällen von Alt-0 schätz und Leckwitz a. d. E. vorgenommenen Aus- 
grabungen und Beobachtungen. 

Der schon von Preusker, Schuster und Behla erwähnte Burgwall von 
Alto schätz liegt l 1 ^ km südlich von der Stadt Oschatz, nahe bei dem Dorfe Alt- 
oschatz, auf einem Felsvorsprunge von etwa 25 m Höhe, und wird vom Döllnitzbache 
umflossen. Nach 0. zu flacht sich die Höhe ab und geht in ein Plateau über. Im 
N. und W. gewähren die berasten Steilgehänge und im g. die senkrechten Wände 


9 


ler in den Porphyrfelsen hineingetriebenen Steinbrüche einen natürlichen Schutz. 
Auf einem zwischen dem 1. und 2. Steinbruche stehengebliebenen Kamme führt ein 
schmaler Pfad zur Höhe hinauf, die nach 0. hin gegen das sich anschliessende Pla- 
teau durch drei Wälle gegen fein dliche Annäherung geschützt war. Der erste Wall 
hat eine Länge von 60 m, der zweite von 100 m und der dritte von 180 m. Die 
Höhe des ersten Walles betrug 5 m, die des zweiten 7 m, während der dritte Wall 
eingeebnet wurde und nur noch als flache Welle im Ackerlande zu erkennen ist. 
Der Raum zwischen dem ersten und zweiten Walle steht ebenfalls unter dem Pfluge, 
während der Innenraum und die beiden Wälle berast sind. Die Ackerfläche gehört 
zum Besitze des nahe gelegenen Berggutes. Auf den benachbarten Feldern wurden, 
nach Preusker, ehemals Urnen gefunden, die uns leider nicht erhalten sind. Es 
lässt sich sonach auch nicht feststellen, ob und in welcher Beziehung sie zu der 
sogenannten Schanze und ihren Bewohnern gestanden haben. General Schuster*) 
bezeichnet das Land, in welchem der Burgwall liegt, als Osterland und hält deshalb 
für wahrscheinlich, dass hier ein alter Opferplatz, der Ostara geweiht, gelegen habe. 
Die Bezeichnung „ Osterland“ ist nicht eine Flurbenennung, sondern gilt lediglich für 
die von der Schanze 2 1 /* km westlich gelegene Ruine; zudem dürfte dieselbe eher 
von dem Gebiete des Osterlandes, das nahe grenzte und seit dem 12. Jahrhunderte im 
Besitze der Meissner Markgrafen stand, abzuleiten sein. 

Nach den oben angeführten Andeutungen Schuster’s scheint genannter Autor an- 
zunehmen, dass der Burgwall zu Altoschatz germanischen Ursprunges sei. Der 
Vortragende vermag sich dieser Meinung nicht anzuschliessen, er hält vielmehr die 
Slaven für die Erbauer desselben. Infolge der durch den fortschreitenden Stein- 
bruchbetrieb wiederholt vorgenommenen Abschürfungen war es dem Vortragenden 
ermöglicht, die auflagernde Culturschicht in ihrem Aufbau kennen zu lernen und 
derselben zahlreiche Fundstücke zu entnehmen. Die dem Porphyrfelsen auflagernde 
Bodenschicht war in einer zwischen 0,80—2,40 m wechselnden Mächtigkeit aus Hu- 
mus, Asche, Holzkohle, gebrannten Lehmbrocken, Thierknochen und Gefässscherben 
gebildet. An den letzteren, welche der Vortragende auf Tafeln geordnet vorlegt, 
war aufs Deutlichste der von Virchow als Burgwalltypus bezeichnete Habitus zu er- 
kennen. Es zeigte sich das charakteristische slavische Wellenornament in der ver- 
schiedensten Anordnung, bald flach, bald steil, 3- bis 12fach gezogen. Ausser diesem 
Ornament traten noch als Verzierungen auf: wagerecht und senkrecht, sowie in 
schräger Kreuzung gezogene Parallelstreifen, ferner Strich- und Punktornamen fce und 
schräggestellte Nageleindrücke. An allen Gefässscherben zeigte sich der vorspringende, 
nach aussen umgelegte Rand. Das Material war grob und von meist grauer, selten 
weisser Farbe. An keinem der Scherben wurde eine Spur von Henkel entdeckt. — 
Die Vorgefundenen Thierknochen erwiesen sich als von Rind, Ziege, Schwein und 
Pferd herrührend. 

Die bis 2,40 m mächtigen Ab fällschichten mit slavischen Culturresten sprechen 
entschieden für eine lang andauernde Benutzung des Burgwalles durch die Slaven; 
da selbst in den dem Felsen direct auflagernden Bodenschichten bis jetzt nichts 
anderes als nur slavische Reste gefunden wurden, so darf wohl mit einigem Rechte 
vermuthet werden, dass die Slaven die Erbauer des Walles gewesen sind. 

Der slavische Ortsname Oschatz (urkundlich zuerst Ossec 1065) giebt uns leider 
keinen Anhalt bei Beantwortung der Frage nach den Erbauern des Walles, da weder 
die Ableitung von Wossec = Espe*'*), noch die von oseku — Verhau***) in clirecte 
Beziehung zum Wall gebracht werden kann. 

Der Vortragende berichtet ferner über den zwischen Meissen und Riesa auf dem 
rechten Elbufer gelegenen Burgwall von Leckwitz. Dieser vom Volksmunde 
ebenfalls als Schwedenschanze bezeichnete Wall erhebt sich auf einer felsigen Gneis- 
höhe, deren Steilwände der Elbe zugekehrt, also nach W. gerichtet sind, während 
im N., O. und S. die natürlichen Gehänge offenbar durch Menschenhand zur steilen 
Wallböschung erhöht wurden. Da der Höhenzug sich in nördlicher Richtung fort- 
setzt und also vom N. her eine Annäherung der Feinde am ehesten zu befürchten 
war, so erhöhte man nach dieser Seite hin die Umwallung ganz bedeutend. Die 
Schanze ist 85 m lang und 44 m. breit und, vom Fusse des Felsens im Steinbruche 
gemessen, 18 m hoch. Die Böschungen sind berast und die südliche ist mit Busch- 
werk bewachsen, während der Innenraum der Schanze unter dem Pfluge steht. Um 

*) Die alten Heidenschanzen Deutschlands, 1869. 

’■'*) C. S. Hoffmann, Chronik von Oschatz. 

*‘*) Dr. Hey, Die slavischen Ortsnamen des Königreichs Sachsen. 


10 


eine Einfahrt zu gewinnen, wurde der Wall auf der Nordseite durchbrochen Im 0. 
liegt l km entfernt das Dorf Leckwitz. 

Preusker* **) ), welcher die Schanze bereits erwähnt, hält sie für vorslavisch, 
also germanisch. Er deutet den Ortsnamen Leckwitz (urkundlich Gleekewitz) mit 
,,alte, im Ruin befindliche Warte“. Nach Dr. Hey ist jedoch Gleekewitz abzuleiten 
von gledkovici = „die Leute an der Warte“. 

Dem Vortragenden war es vergönnt, mit gütiger Bewilligung des Eigenthümers, 
Gasthofbesitzer Jentzsch in Leckwitz, auf dem Innenraum der Schanze an einigen 
Punkten einzugraben. Dabei zeigte sich die den Gneisfelsen bedeckende Culturschicht 
sehr reich an Beimengung von Asche, Holzkohle und gebrannten Lehmbrocken, ferner 
waren mehrfach Thierknochen (von Rind und Schwein) und Gefässscherben darin 
eingebettet. 

Es zeigte sich ganz in Uebereinstimmung mit den Scherben vom vorhergenannten 
Burgwall zu Altoschatz der Burgwalltypus hinsichtlich der Verzierungen, der Form, 
der Farbe etc., sodass auch diese Reste als slavische bezeichnet werden müssen. 
Von besonderem Interesse war ein auf dem Leckwitzer Burgwall gefundener Hand- 
mühlstein aus Granit. Da Scherben aus den tieferen Schichten denselben Charakter 
zeigten, so muss man wohl annehmen, dass der Wall ein Bauwerk der slavischen 
Periode ist. Er mag, wie der Handmühlstein vermuthen lässt, welcher anscheinend 
lange Zeit in Gebrauch war, eine bewohnte Stätte gewesen sein. 

Der Vortragende legt von beiden mehrerwähnten Burgwällen Modelle aus Thon 
vor. Er spricht sodann über die noch ungelöste Frage nach dem Zwecke der alten 
Burgwälle und bringt die Ansichten der verschiedensten Autoren, welche Forschungen 
im Dienste dieser Frage unternahmen, zum Vortrag. In ausführlicherer Weise ge- 
denkt er der Ansicht des Dr. Behla*'*), welcher einen vermittelnden Standpunkt ein- 
nimmt. Hiernach sind die Rundwälle nicht als eigens dazu angelegte Zufluchtsstätten 
aufzufassen. Damit wird nicht bestritten, dass die Bevölkerung in Zeiten der Noth 
sowohl in der vorgeschichtlichen , als in der geschichtlichen Zeit dorthin geflüch- 
tet ist. 

Die Ansicht, dass die Rundwälle nur als militärische Befestigungen anzusehen 
seien, ist einseitig. Die Wälle lassen sich überhaupt nicht einem einheitlichen Zwecke 
unterordnen, ihre Bestimmung war eine verschiedene. Die Rundwälle waren haupt- 
sächlich Versammlungsorte für religiöse Angelegenheiten. Da aber nach der reli- 
giösen Anschauung der Urzeit nichts unternommen wurde, ohne durch Opferung die 
Götter zu befragen, so wurden sie auch zu Gerichtssitzungen und politischen Volks- 
berathungen benutzt. Der kriegerische Zweck ist davon unzertrennlich und wird 
bewiesen durch das Aufbewahren der kriegerischen Feldzeichen und Fahnen in hei- 
ligen Hainen unter dem Schutze der Priester. Diese Feldzeichen und der Tempel- 
schatz bedurften des Schutzes und sind der Grund, warum wir die Heiligthümer an 
sichern Plätzen finden. Wie Garz und Arkona zeigen, wurden sie in Zeiten der Noth 
von selbst zu Vertheidigungsplätzen Da Bekehrung und Unterwerfung für die 
Heiden dasselbe bedeutete, so spielten die Wälle in der Bekehrungszeit eine mehr 
kriegerische Rolle. Und in dieser Zeit, wo es galt, die Heiligthümer und sich selbst 
zu schützen, mag auch diese oder jene Anlage aus rein militärischen Gründen er- 
richtet worden sein, ln einigen Rundwällen haben neben Tempel und Götzenbild 
auch die Priesterwohnungen gestanden. 

An der sich anschliessenden Discussion über den Zweck der Burgwälle 
betheiligen sich Lehrer A. Jentsch, Geh. Hofrath Dr. Geinitz und Haupt- 
mann G. Woldermann. 

Durch Lehrer H. Döring werden weiter vorgelegt: aus dem Urnen- 
felde von Stetzsch mehrere grössere Gefässe, aus dem Urnenfelde von 
Löbtau eine Reihe von Gefässen und mehrere Bronzenadeln, von Bau- 

4fL • 

meister Schreiber in Löbtau gesammelt, sowie Steingeräthe, welche in 
der Nähe dieses Urnenfeldes aufgefunden wurden. 

Dr. J. Deichmüller bespricht ein zweites Gefäss mit Graphit- 
malerei aus dem Urnenfelde von Stetzsch, welches Herr 0. Traut- 


*) Blicke in die vaterländische Vorzeit, 1841, Bd. III, S. 126. 

**) Dr. R. Behla, Die vorgeschichtlichen Rund wälle im östlichen Deutschland, 1888. 


11 


manu neuerdings der K. Prähistorischen Sammlung zum Geschenk 
gemacht hat. 

Aus derselben Sammlung kommen zur Ansicht: ein Steinhammer von 
Serkowitz bei Dresden, ein Steinbeil aus dem Forstrevier Seligstadt 
bei Stolpen und ein ähnliches, welches zwischen Schmilka und Schöna 
aus der Elbe gebaggert worden ist, ferner ein Armring und eine Zier- 
scheibe aus Bronze von der Rackeier Schanze bei Baruth und die 
Zeichnung eines in Weifa bei Bischofswerda ausgegrabenen Steinbeils. 

Geh. Hofrath Dr. Geinitz gedenkt des in Paris verstorbenen fran- 
zösischen Anthropologen Quatrefages und bespricht den 1. Jahrgang 
der „Revue mensuelle de Fecole d’anthropologie de Paris“, 1891, mit 
Abhandlungen von Broca, Laborde, Lefevre und G. de Mortillet. 


Zweite Sitzung am 10. März 1892. Vorsitzender: Dr. J. Deich- 
müller. — Anwesend 21 Mitglieder. 

Durch Geh. Hofrath Dr. Geinitz werden besprochen: 

J. Prestwich: On the primitive characters of the Flint implements of the Chalk 
Plateau of Kent, 1892; 

F. Ratzel: Die afrikanischen Bögen, ihre Verbreitung und Verwandtschaften, nebst 

einem Anhänge über die Bögen Neu-Guinea’s, der Veddah und der Negritos. 
Leipzig 1891; 

H. Schurtz: Die Wurfmesser der Neger, ein Beitrag zur Ethnographie Afrikas. 
Leiden 1889; 

G. de Mortillet: Classification palethnologique. Revue mens, de l’ecole d’anthro- 

pol. de Paris, 1, 1891; 

W. Conwentz: Notizen über das Vorkommen von Taxus baccata und Trapa na- 
tans L., mit Abhandl. von A. G. Nathorst. 

Lehrer H. Döring erläutert Zeichnungen von Gefässen aus dem 
Urnenfelde von Coswig und Funde aus einer spätslavischen Herd- 
stelle in Köblitz bei Cunewalde. 

In Köblitz bei Cunewalde, im Thale zwischen Czorneboh und Bileboh wurde 
während des Sommers 1890 auf dem Felde des Fabrikbesitzers E. Kalauch zum 
Zwecke des Wegebaues Erde entnommen, bei welcher Gelegenheit man auf Asche, 
gebrannten Lehmbewurf und Scherben stiess. Die Fundstelle liegt an der von der 
Bautzen-Spremberger Chaussee abzweigenden Strasse, gegenüber dem Kalauch’schen 
Fabrikgrundstück, am Eingänge zu einem Hohlwege , der als Feldweg dient. Die bis 
etwa 3 m über das Niveau der Strasse emporragende Erdwand bestand bis 2 1 | 2 m 
aus Lehm und zu ca. *| a m aus schwarzer Erde, welche mit Asche, Brocken von 
Holzkohle, gebranntem Lehmbewurf und Scherben durchsetzt war. Beim Nachgraben 
in der oberen Schicht wurden eine Anzahl Gefässscherben gesammelt, die deutlich 
das Wellenornament zeigten. Einige der gefundenen Scherben waren von geringerer 
Stärke und aus feinem, weissem Material geformt, sodass man nur ein verhältniss- 
mässig geringes Alter der prähistorischen Reste annehmen darf. Es liesse sich dem- 
nach die Fundstelle als spätslavische Herdstelle deuten. 

Institutslehrer A. Peuckert legt Steingeräthe von Pottenstein im 
fränkischen Jura, 

Taubstummenlehrer 0. Ebert Steinbeile von Ober- Gohlis unterhalb 
Dresden und das nun abgeschlossene Werk von M. Hörn es: „Die Ur- 
geschichte der Menschheit“, Wien 1891, vor. 

Dr. J. Deichmüller macht Mittheilung von der Aufdeckung eines 


Urnenfeldes in Dresden-Friedriehstadt, zwischen dem Berlinei 
Bahnhof und der Cottaer Strasse, zu beiden Seiten der Waltherstrasse. 

Die durch Vermittelung des K. Finanzministeriums von dort in die K. Prähisto- 
rische Sammlung gelangten Gefässe zeigen vorwiegend den Typus der Strehlener 
Urnen, einzelne erinnern an Formen, wie sie das Museum in grosser Zahl aus dem 
der frühesten La Tene-Zeit angehörigen Urnenfelde von Stetzsch besitzt. Es ist 
nicht ausgeschlossen, dass sich an der sehr ausgedehnten Fundstelle zwei getrennte, 
in verschiedenen Perioden angelegte Gräberfelder befunden haben. 

Exeursion. 

Am 12. Mai 1892 besichtigten 21 Mitglieder unter Führung von 
Lehrer H. Döring die auf der Liebenecke bei Cossebaude befindlichen 
Gefässe aus den Urnenfeldern von Stetzsch und von Coswig, sowie 
die von denselben Gräberfeldern durch Taubstummenlehrer 0. Ebert in 
Stetzsch zusammengestellte Sammlung von Gefässen. 


V. Section für Physik und Chemie. 


Erste Sitzung am 7. Januar 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. 
— Anwesend 42 Mitglieder. 

Prof. Dr. G. Helm spricht über die Schwankungen der Erdachse. 

Genaue Untersuchungen über die Aenderung, welche die Polhöhe eines Ortes im 
Laufe der Zeit erleidet, sind in das Arbeitsprogramm der Internationalen Erdmessung 
aufgenommen worden, wozu Fergola 18S8 in Rom die Anregung gab; besonders ist 
die Angelegenheit in der letzten Zeit zur wissenschaftlichen Tagesfrage geworden, 
da zu ihrer Klarstellung eine astronomische Expedition nach Honolulu ausgeführt 
wurde. 

Um sich über die Bewegung des Erdkörpers zu orientiren, muss man sich zu- 
nächst die beiden Sätze der theoretischen Mechanik vergegenwärtigen, die gewöhnlich 
als Satz von der Erhaltung des Schwerpunkts und Satz von der Erhaltung der 
Flächen bezeichnet werden. Diese Sätze werden von dem Vortragenden ausgesprochen, 
die einschlagenden Begriffe entwickelt und durch Versuche an zwei Apparaten er- 
läutert, die, im Wesentlichen nach Mach (Mechanik, S. 271 u. 275) construirt, aus 
der physikalischen Sammlung der K. Techn. Hochschule von Herrn Geh. Hofrath 
Toepler freundlichst für diese Demonstration zur Verfügung gestellt worden waren. 
Die angegebenen Sätze ermöglichen es, die Drehbewegung der Erde für sich allein 
zu betrachten, ohne Rücksicht auf das Fortschreiten ihres Schwerpunkts im Raume, 
und lassen erkennen, dass die Drehbewegung der Erde als eine Drehung um eine 
durch den Schwerpunkt gehende Achse von im Raum unveränderlicher Richtung auf- 
gefasst werden kann, so lange die äusseren Kräfte, die Anziehungen von Sonne und 
Mond, nicht merkliche Drehmomente ausüben. Diese nur durch solche Drehmomente 
zu verändernde Achse heisst die unveränderliche Achse U der Erde. 

Diese im Raume feste Achse bewegt sich aber in Bezug zum Erdkörper oder 
dieser gegen sie. Wird zunächst die Erde als starrer Körper angesehen, so kann 
man sich über ihre Bewegung um den Schwerpunkt mittels des von Poinsot in die 
Mechanik eingeführten Trägheitsellipsoids geometrische Klarheit verschaffen. Das 
Trägheitsellipsoid des Erdkörpers weicht gewiss nur wenig von der Gestalt eines ab- 
geplatteten Rotationsellipsoids ab. Die Bewegung jedes Körpers um seinen Schwer- 
punkt kann nun unter den angegebenen Voraussetzungen als gleitungsfreies Jlin- 
wälzen des Trägheitsellipsoids auf einer zur unveränderlichen Achse senkrechten Ebene 
beschrieben weiden. Dieses Ergebniss der Poinsot'schen Theorie wird vom Vortra- 
genden durch einige Versuche an der Schwungmaschine erläutert, indem z. B. ein 
Messingreif, der an einem Faden hing, in Rotation um diesen versetzt wurde. Hier- 
nach sind an der Erde auch unter den einfachsten Voraussetzungen, — - dass sie 


13 


nämlich ein starrer Körper sei, ein Rotationsellipsoid zum Trägheitsellipsoid habe 
und keinen äussere» Drehmomenten unterliege, — zweckmässiger Weise drei Achsen 
zu unterscheiden: die unveränderliche Achse U, deren Richtung im Raume verharrt, 
ferner eine Achse, die im Erdkörper festbleibt, mit diesem aber um jene sich dreht, 
etwa die Achse T des grössten Trägheitsmoments, endlich die Rotationsachse R, auf 
der alle im Augenblick in Ruhe befindlichen Punkte des Erdkörpers liegen und die 
sich in Hinsicht auf U, wie in Hinsicht auf T bewegt. Alle Lagen, die R der Reihe 
nach im Erdkörper einnimmt, liegen auf einem Rotationskegel um T, und alle Lagen, 
die R im Raume einnimmt, auf einem Rotationskegel um U. 

Um nun die Dauer eines solchen Umlaufs der Achse R zu bemessen, muss auf 
die Differentialgleichungen des rotirenden starren Körpers zurückgegangen werden, 
die Euler aufgestellt hat. Ist C das grösste Trägheitsmoment der Erde, also das 
in Bezug auf die Achse T oder auf die kleine Halbachse des Trägheitseliipsoids, fer- 
ner A das kleinste Trägheitsmoment der Erde, also ein auf eine äquatoreale Achse 
bezogenes, und hat die Winkelgeschwindigkeit der Erde um R nach der Achse T 
und zwei zu einander senkrechten äquatorealen Achsen die Componenten io, oq, oq, 
so ist 

. dcüj rr , . . . doq doj 

A -jjr = “ (C— A)w. oj 2 , A = (C— A)w. oq , — = 0. 

Demnach ändert sich w nicht, und es ist 

C A 

c-q = / cos — — — m. 't — r), oq = y cos — — 

A A 

wo unter / und r Integrationsconstanten zu verstehen sind. Die Rotationsachse R 
umwandert also die Achsen T und U in der Zeit 

2t i C-A 

Z — : — r — 

(!) A 

Die Vergleichung dieses Ergebnisses der theoretischen Mechanik mit der Er- 
fahrung ist nur möglich, wenn man das Verbältniss der Trägheitsmomente der Erde 
kennt. Physik und Technik bestimmen Trägheitsmomente durch Beobachtungen an 
Drehbewegungen. Ueber die Trägheitsmomente der Erde lässt sich auf diesem Wege 
kein Aufschluss gewinnen, wohl aber kann man aus den Anziehungen, die zwischen 
der Erde und der Sonne oder dem Monde wirken, die Kenntniss jener Grössen er- 
langen. Die Trägheitsmomente haben nämlich noch in einem anderen Zusammen- 
hänge Wichtigkeit für die Mechanik, als in der Drehungstheorie. Die von irgend 
einem Punkte auf einen Körper ausgeübte Anziehung lässt sich in erster Näherung 
duich die Anziehung seines Schwerpunkts ersetzen, wenn in diesem die Masse des 
Körpers vereinigt gedacht wird. In zweiter Näherung ist die anziehende Kraft von 
den Hauptträgheitsmomenten des Körpers abhängig. Wenn also Sonne und Mond 
auf die Erde anziehende Kräfte ausüben, die nicht genau durch den Erd Schwerpunkt 
gehen, so wird man aus deren Wirkungen auf die Trägheitsmomente der Erde 
schiiessen können. Würden die auf die Erde ausgeübten Kräfte durch ihren Schwer- 
punkt gehen, so würden sie kein Drehmoment um ihn ausüben, also die oben ein- 
geführte unveränderliche Achse U ihre Richtung im Raume nicht verändern. That- 
sächlich aber ändert die Erdachse ihre Richtung im Raume, d. h. die Achse U ist 
in Bewegung, wie die Erscheinungen der Präzession und Nutation zeigen. Aus den 
Beobachtungen über diese folgt die Grösse der sie verursachenden Drehmomente und 
hieraus hat sich ergeben 


M. (t- t ), 


C-A 

' C 


0,003272, 


also 


C— A 
A 


= 0,003283 = 


1 

304,0 


Es folgt weiter z = — - 304,6 oder z — 304,6 Sterntage = 303,8 mittlere Tage. 

O) 

In einem Jahre beschreibt also die Achse T um LI einen Bogen von 432°, 8. 

Die ersten Beobachtungen zur Bestätigung dieses Ergebnisses unternahm P eters 
1842/43 in Pulkowa. Es ergab sich, dass die Polhöhe von Pulkowa periodisch ver- 
änderlich war und zwar so, wie die Theorie es verlangt, als ob sich die Rotations- 
achse R um die in der Erde feste Achse T der grössten Trägheit in einem Kreis- 


14 


kegel bewegte und auf diesem im Jahre um 431 °,5 fortwanderte. Der Winkel zwischen 
T und R ergab sich yy", was nach unseren obigen Bezeichnungen das Verhältniss 

~ geben würde (1" entspricht auf der Erdoberfläche rund 30 m). Daraus folgt 

weiter auf Grund der vorhin skizzirten Poinsot’schen Drehungstheorie und der Eigen- 
schaften der Ellipse, dass der Winkel zwischen U und R verschwindend klein ist. 
Hiernach braucht man von den oben eingeführten drei Achsen die beiden U und R 
nicht weiter auseinanderzuhalten, während ihre Abweichung gegen die dritte T für 
die heutige Beobachtungskunst nicht mehr zu vernachlässigen ist. 

Die von Peters gefundene Grösse dieser Abweichung hat sich aber bei späteren 
Beobachtungen von Gylden und Nyren in Pulkowa nicht wieder ergeben, auch 
Maxwell’s Berechnungen aus Greenwicher Beobachtungen und andere Untersuch- 
ungen führten auf abweichende Resultate. 

Diese Abweichungen erklären sich nicht durch Berücksichtigung der bisher ver- 
nachlässigten Umstände, dass die Erde kein starrer Körper ist, also Ebbe und Fluth 
zeigt, dass ihr Trägheitsellipsoid ein wenig vom Rotationsellipsoid abweicht, oder 
dass äussere Drehmomente wirken. Auch plötzliche Massenverschiebungen, wie sie 
durch Erdbeben herbeigeführt werden können, erwiesen sich der Theorie nach von 
zu geringem Einflüsse auf die Lage der Erdachse, um jene Abweichungen in den 
Beobachtungen zu erklären. Dass säculare Veränderungen, wie z. B. eine allmähliche 
Vergletscherung Grönlands, die Erdachse verlegen können, auch hiermit die Hebung 
und Senkung der Meeresküsten im Zusammenhang steht, ist nicht ausgeschlossen 
(vergl. Helmert, Theorien der höheren Geodäsie, II, S. 445 ff.), doch reicht das 
Beobachtungsmaterial für weitergehende Schlüsse nicht aus und führt jedenfalls nicht 
auf periodische Aenderungen des Winkels RT, wie sie durch die Beobachtungen an- 
gedeutet scheinen. 

Periodische Massen Verschiebungen, also meteorologische Vorgänge, ändern zwar 
das Trägheitsellipsoid periodisch, aber der Einfluss auf die Lage der Achse schien 
nur gering. So berechnet Helmert, dass eine Schneebedeckung der Continente 

oberhalb 45° der Breite in einer Höhe , die yy m Regenhöhe entspräche, doch höch- 
stens nur yoo Secunde Achsenverschiebung bewirken würde. Neuerdings (Lamp, 
Astr. Nachr., 3014) ist auch auf die mit den Verschiebungen der barometrischen 
Maxima parallel gehenden Verschiebungen der grossen Meeresströmungen hingewiesen 
worden, als auf jährliche Massenverlegungen im Erdkörper von grösserem Betrage. 

Andererseits bestätigen sich die Vermuthungen nicht, dass etwa die Berechnungen 
der hier in Frage kommenden feinen astronomischen Beobachtungen auf zu un- 
sicheren Voraussetzungen beruhten; insbesondere erwiesen sich die möglichen Un- 
sicherheiten in der Aberrationsconstante, sowie in der Berücksichtigung meteoro- 
logischer Schwankungen der Luftschichtung und daher der Refraction als zu gering, 
um die Abweichungen zwischen den verschiedenen Beobachtungsreihen zu erklären. 
Neue Beobachtungen, die von vornherein auf möglichste Berücksichtigung solcher 
Fehlerquellen Bedacht nahmen, ergaben in der Zeit vom Herbst 1884 bis Frühling 
1885 eine Abnahme der Polhöhe von 0",4 in Berlin und 0",8 in Pulkowa (Küstner, 
Astr. Nachr., 2993), in der Zeit von Anfang October 1889 bis Ende Januar 1890 

eine Abnahme von rund y Secunde in Berlin, Potsdam und Prag (Alb recht, Be- 
richt in Verh. d. Int. Erdmessung 1890; Albrecht, Astr. Nachr., 3010). 

Eine schöne Aufklärung des Sachverhalts ist jüngst durch eine theoretische Be- 
merkung gelungen. Wenn ein Körper, der durch seine inneren Kräfte zu Schwing- 
ungen von der Schwingungszahl N befähigt ist, durch äussere, peiiodisch veränder- 
liche Kräfte zu Schwingungen von der Schwingungszahl N' gezwungen wird, so er- 
folgen diese mit um so geringerer Amplitude, je grösser die Abweichung der 
Schwingungszahlen N und N' ist, während bei N = N' die Amplitude mit den 
wiederholten Anregungen von aussen unbegrenzt wächst. Würde eine Anregung 
die Amplitude A ertheilen, so erzeugen die immer wiederholten Anregungen die 
Amplitude 

N 2 

N 2 - N /2 ' A ‘ 

Das wird im Vortrag für einen einfachen Fall theoretisch entwickelt und an dem 
Beispiel eines Pendels, dessen Aufhängepunkt in geeignetem Tempo hin- und her- 
geführt wurde, erläutert. 


15 


Radau hat nun diese Erwägung auf die Bewegung der Erde angewendet, deren 
Achse R sich in 308,8 Tagen um die im Erdkörper feste Achse T dreht, während 
meteorologische Veränderungen sich im Allgemeinen in 865,24 Tagen wiederholen. 
Da nun 803,8.6 sich von 365,24.5 nur um 3,4 unterscheidet , so verhalten sich die 
Perioden der beiden Veränderungen nahe wie 5 : 6 und N 2 — N /2 nahe N 2 , die 
Amplitude der Achsenschwankung wird also 3,3 mal so gross, als die der sie er- 
regenden Veränderung. Jene von Helmert berechneten 2 Hundertelsecunden Achsen- 
ablenkung, die durch einmalige Massenänderung herbeigeführt würden, werden 
also bei periodischer Wiederholung ihrer Verursachungen zu einer Polhöhenschwank- 
ung vom 6,6fachen Betrage, von 0,18 Secunden jährlich, vervielfältigt. 

Eine genauere Rechenschaft über den Vorgang gewähren die Differentialgleich- 
ung der Bewegung, wie sie sich für den Fall geringer Schwankungen der Gestalt und 
Lage des Trägheitsellipsoids im Erdkörper ergeben. Hat die Achse grösster Trägheit 
einmal die Lage T 0 und legt man zu dieser Richtung senkrecht eine Projectionsebene 
E, so wird, falls die Achse T längs eines Meridians infolge meteorologischer Vor- 
gänge hin- und herschwankt, von ihr in der Ebene E eine Gerade in dar Länge 2c 
beschrieben. Ist diese I-Achse, die zu ihr durch T 0 gelegte Senkrechte ??-Achse eines 
Coordinatensystems der Ebene E, so beschreibt die Achse R und mit ihr U auf der 
Ebene eine Epic} T kloide 


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wo k der mit dem oben benutzten % proportionale Radius des Kreises ist, den R 
um T beschreiben würde, wenn T ruhte. Für dieses Ergebniss Radau’ s (Comptes 
rendus, 1890) ist in weiterer Ausführung der Untersuchungen dieses Forschers von 
Hel mert (Astron. Nachr., 3014; eine graphische Darstellung gegeben worden, die 
der Vortragende vorlegt. Sie zeigt, dass die Schwankung der Achse in aufeinander- 
folgenden Jahren recht verschieden ausfallen kann. Dies veranlasste dazu, mit der 
geplanten Expedition nach Honolulu nicht länger zu zögern. Nach vorläufiger Mit- 
theilung wird das Ergebniss dieser Expedition eine endgültige Bestätigung der 
Achsenschwankung sein, da die Polhöhenveränderungen in .Honolulu in entgegen- 
gesetztem Sinne auftreten als gleichzeitig in Deutschland. 


Zweite Sitzung am 3. März 1892. Vorsitzender : Prof. Dr. G. Helm. 
— Anwesend 35 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. W. Hernpel spricht über die Kohlenstoffbestimmung 
im Eisen auf gasvolumetrischem Wege und über einen neuen 
Messapparat für Gase, welcher an einem praktischen Beispiele er- 
läutert wird. 

Im Anschluss hieran führt der Vortragende ein neues Experiment 
vor zum Nachweise, dass unter gewissen Umständen auch in einer 
Kohlensäureatmosphäre eine Verbrennung erhalten blei- 
ben kann. 

Unter gewöhnlichen Verhältnissen erlischt bekanntlich eine Flamme, wenn man 
sie in einen mit Kohlensäure gefüllten Raum bringt. Diese Erscheinung wird da- 
durch naohgewiesen, dass aus einer Glasröhre ausströmender Wasserstoff* entzündet 
und die Mündung der Röhre in einen mit Kohlensäure gefüllten Glascylinder ein- 
gesenkt wird. 

Die Flamme erlischt jedoch nicht, wenn man den Wasserstoff* aus einem weiss- 
glühenden Brenner, also stark erhitzt, in die Kohlensäureatmosphäre ausströmen lässt. 

Um den Wasserstoff* auf eine hinreichend hohe Temperatur zu bringen, benutzt 
der Vortragende den zwischen Kohlenelektroden sich bildenden elektrischen Licht- 
bogen. In einer elektrischen Bogenlampe wird die obere Kohle durch einen hohlen 
Kohlencylinder ersetzt, der, nach unten glockenförmig erweitert, über die untere 


Kohle übergreift und in dessen Höhlung oben ein Gaszuführungsrohr hineinragt. 
Der ganze Apparat steht in einem weiten mit Kohlensäure angefüllten Gascylinder. 
Wird nun Wasserstoff zugeleitet und der elektrische Strom geschlossen, so kann 
man, zumal durch die getroffene Anordnung der grelle Lichtbogen dem Auge ver- 
deckt bleibt, den unteren Rand des Hohlcylinders von einer schwachleuchtenden 
Flamme deutlich umsäumt erblicken. 


VI. Section für Mathematik. 


Erste Sitzung am 11. Februar 1892. Vorsitzender: Geh. Rath 
Prof. Dr. G. Zeuner. — Anwesend 12 Mitglieder. 

Der Vorsitzende hält einen Vortrag: „Zur Thermodynamik der 
Atmosphäre“. 


Zweite Sitzung am 21. April 1892. Vorsitzender: Geh. Rath Prof. 
Dr. G. Zeuner. — Anwesend 9 Mitglieder. 

Baurath Prof. Dr. R. Ulbricht spricht im Anschluss an seine Ver- 
öffentlichung: „Ueber Wechselstromverzweigungen“, elektrotechn. Zeitschr. 
1892, Hft. 12, über die graphisch-analytische Behandlung elek- 
trischer Wechselströme und erläutert seine Auseinandersetzungen durch 
die Vorführung eines interessanten Experimentes, durch welches gezeigt 
wird, dass bei Leitern mit Selbstinduction durch Einschaltung eines Con- 
densators an gewissen Punkten der Leitung grössere Potentialdifferenzen 
auftreten können, als sie die im Stromkreise vorhandene elektromotorische 
Kraft erzeugt. 

Dritte Sitzung am 19. Mai 1892. Vorsitzender: Geh. Rath Prof. 
Dr. G. Zeuner. — Anwesend 8 Mitglieder. 

Prof. Dr. K. Rohn spricht über die Knotenpunkte bei den 
Flächen dritter Ordnung, unter Vorführung von zahlreichen Gyps- 
modellen derartiger Flächen. 

Vierte Sitzung am 16. Juni 1892. Vorsitzender: Geh. Rath Prof. 
Dr. G. Zeuner. — Anwesend 9 Mitglieder. 

Prof. Dr. M. Krause behandelt die Bestimmung von Curven- 
längen durch elliptische Integrale. 

Jm Anschluss daran erwähnt Prof. Tr. Rittershaus, dass bei einigen 
Problemen von Zahnradübersetzungen mit unrunden Rädern man auf 
elliptische Integrale geführt wird; derselbe zeigt auch eine Anzahl von 
Modellen merkwürdiger Zahnradübersetzungen und Bewegungsmechanis- 
men vor. 


VII. Hauptversammlungei]. 

Erste Sitzung am 28. Januar 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Rohn. 
— Anwesend ?A Mitglieder. 

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17 


Geh. Begierungsrath Prof. T)r. E. H artig spricht über Auseinander- 
setzungen zwischen Wort, Begriff und Gegenstand, erläutert an 
Beispielen aus der Technik. 


Zweite Sitzung am 25. Februar 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Bohn. 
— Anwesend 18 Mitglieder. 

Zur Vorlage gelangt ein Aufruf zu Beiträgen für ein Denkmal für 
Christian Ludwig Brehm, Alfred Brehm und Prof. Schlegel, welches 
diesen um die Erforschung der Thierwelt verdienten Männern in Altenburg 
errichtet werden soll. 

Geheimrath Prof. Dr. G. Zeuner erstattet Bericht über den Kassen- 
ahschluss für das Jahr 1891 (s. Anlage A, S. 21), mit dessen Prüfung 
Bankier A. Kuntze und Hauptmann a. D. G. Woldermann beauftragt 
werden. 

Mitgetheilt wird ferner, dass sich die Einrichtung des Lesezirkels 
(vergl. Sitzungsber. der Isis 1891, S. 13) bewährt hat und der Gesellschaft 
Unkosten aus demselben nicht erwachsen sind. 

Der Voranschlag für das Jahr 1892 (s. Anlage B, S. 22) wird 
einstimmig genehmigt. 

Prof. Dr. K. Bohn behandelt nun die Frage der Abhängigkeit der 
Anzahl der Kugeln, die sich in einem Hohlwürfel unterbringen 
lassen, von ihrer Anordnung darin. 

Dabei wird die Voraussetzung gemacht, dass die Seite des Würfels sehr gross 
sei im Vergleich zu dem Durchmesser der unter sich gleichen Kugeln. Ist die 
Würfelseite gleich dem n- fachen Kugeldurchmesser, so ist die Zahl der Kugeln n 3 , 
wenn die Kugeln, d. h. ihre Mittelpunkte, wie die Ecken eines Würfels angeordnet 
sind. Sind sie dagegen wie die Ecken eines Tetraeders angeordnet, so ist die Zahl 

der Kugeln gleich n 3 ]/‘2. Ebenso gross wird die Zahl bei Anordnung der Kugeln 
wie die Ecken eines Octaüders. Dabei sind geringere Potenzen vernachlässigt. 

Auf eine Anfrage des Herrn G. Woldermann über die Gewichts- 
verhältnisse bei Füllung eines Cylinders mit kleinen oder mit 
grossen Kugeln bemerkt der Vortragende: 

Eine Hohlkugel oder ein Hohlwürfel fasst dem Gewichte nach etwas mehr, wenn 
man kleine Kugeln nimmt, als wenn die Kugeln grösser sind, da an den Begrenzungs- 
flächen der schädliche Raum im ersteren Falle etwas geringer wird. 


Dritte Sitzung am 31. März 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Bohn. 
— Anwesend 33 Mitglieder. 

Nach Prüfung des Kassenabschlusses vom Jahre 1891 durch die 
Bevisoren wird dem Kassirer Decharge ertheilt. 

Dr. Fr. Baspe theilt mit, dass das für die Aufstellung der Bibliothek 
in der K. Technischen Hochschule bisher zur Verfügung gestellte Zimmer 
infolge nothwendiger Umbauten gekündigt, vom Bectorat der Hochschule 
aber zur Unterbringung der Bücher ein anderer Baum angeboten worden sei. 

Nach längerer Debatte wird dieses Anerbieten mit Dank angenommen 
und die Verlegung der Bibliothek in den neuen Baum genehmigt. 

2 


18 


Gleichzeitig wird eine aus Prof. Dr. 0. Drude, Oberlehrer H. Engel- 
hardt, Geh. Hofrath Dr. Geinitz, Dr. F. Raspe, Prof. Dr. K. Rohn 
und Privatus K. Schiller zusammengesetzte Commission gewählt, welche 
über die Zukunft der Bibliothek berathen und der Gesellschaft hierüber 
Bericht erstatten soll. 

Die von der früheren mineralogischen Gesellschaft in Dresden der 
Isis als Geschenk angebotene Bibliothek wird dankend angenommen. 

Der thüringische botanische Verein ladet zur Betheiligung an 
seiner Frühj ahrsv er Sammlung in Gera ein. Es wird beschlossen, dieser 
Einladung möglichst zahlreich zu folgen. (Vergl. S. 6). 


Yierie Sitzung am 28. April 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Rohn. 
— Anwesend 20 Mitglieder. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit der Mittheilung, dass das 
von dem am 18. December 1891 verschiedenen Mitgliede Bergingenieur 
Alfred Purgold in Gotha der Isis testamentarisch bestimmte Legat von 
600 Mark von den Hinterbliebenen übergeben worden ist. 

Der Verewigte, dessen Thätigkeit in unserer Isis so viel zu deren 
Gedeihen beigetragen hat (s. Nekrolog, 1891, S. 33), hat durch dieses 
hochherzige Geschenk bewiesen, mit welchem Interesse er bis zu seinem 
Tode den Bestrebungen unserer Gesellschaft gefolgt ist. Wir sind ihm für 
dieses Zeichen treuer Anhänglichkeit zu dauerndem Danke verpflichtet, 
sein Andenken wird in unserer Mitte für alle Zeiten fortleben! 

Prof. Dr. 0. Drude spricht über die Culturfähigkeit, von Deutsch- 
Westafrika. 

Dr. A. Naumann giebt Mittheilungen über die Zwergbirke vom 
Fichtelberge und legt blühende Zweige derselben vor. 


Fünfte Sitzung am 30. Juni 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Rohn. 
— Anwesend 23 Mitglieder. 

Statt der im Juli und August abzuhaltenden Hauptversammlungen wird 
eine Excursion in Aussicht genommen. 

Prof. Dr. H. Vater spricht über die Ursachen der Verschieden- 
heit der Krvstalle derselben chemischen Verbindung. 


Excursion. 

Am 26. Mai 1892 unternahmen 19 Mitglieder einen Ausflug nach 
der „Schönen Höhe“ bei Dittersbach, wo eine kurze Hauptver- 
sammlung zur Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten abgehalten 
wurde. Hierauf wurde das Wesenitzthal durchwandert und zuletzt die 
Basaltformation des Kegels, auf dem Stolpen gelegen ist, in Augenschein 
genommen. 


19 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 

Am 14. October 1890 verschied in Jena Dr. phil. Robert Schmidt, 
correspondirendes Mitglied der Isis seit 1857. — 

Am 7. Januar 1892 starb im Alter von 55 Jahren der durch seine 
vortrefflichen Schriften über das Studium der europäischen Herpetology 
bekannte Zoolog Dr. phil. Graf Alexander P. Ninni, Director des 
Museums der Stadt Venedig, correspondirendes Mitglied der Isis seit 
1868. — 

Am 10. Januar 1892 starb in Dresden im 76. Lebensjahre Dr. med. 
et phil. Hermann Reinhard, Geh. Medicinalrath und Präsident des 
Landes-Medieinalcollegiums a. D. 

Geboren am 15. November 1816 in Dresden bereitete sich der Verewigte für 
das medicinische Studium auf der Kreuzschule und der Fürstenschule vor und bezog 
dann die Universität Leipzig. 1844 liess er sich in Bautzen als Arzt nieder, wurde 
Mitte der 18ri0er Jahre zum Medicinalrath und Beisitzer der K. Kreisdirection daselbst 
ernannt und 1865 als Geh. Medicinalrath in das neugeschaffene Landes -Medicinal- 
collegium berufen, als dessen Präsident er von 1872 bis 1888 sich grosse Verdienste 
um das Medicinalwesen Sachsens erwarb und von Sr Maj. dem Könige durch Ver- 
leihung hoher Orden ausgezeichnet wurde. Als Abgeordneter Sachsens nahm er 
hervorragenden Antheil an der Bearbeitung der Pharmacopoea germanica. Auch 
durch seine entomologisclen Forschungen hat sich der Verewigte einen bedeutenden 
Namen erworben. Unserer Gesellschaft gehörte er seit 1869 als Ehrenmitglied an. — 

Am 11. Januar 1892 verschied in Dresden Privatus Otto König, 
wirkliches Mitglied seit 1891. — 

Am 15. Januar 1892 verschied im Alter von 79 Jahren in Padua 
Freiherr Achille de Zigno, Ehrenmitglied seit 1860. 

Der Verewigte war in wissenschaftlichen Kreisen allgemein bekannt durch seine 
wichtigen geologischen und paläontologischen Arbeiten, die mit dem Jahre 1841 be- 
ginnend erst mit seinem Tode geendet haben. Die berühmteste seiner Schriften ist 
die „Flora fossilis formationis oolithicae“, zahlreiche weitere Resultate seiner Forsch- 
ungen sind im Jahrbuch der K. K. geologischen Reichsanstalt in Wien niedergelegt. 
Achille de Zigno war einer der Männer, welche 1861 ihre gewichtige Stimme gegen 
eine Vereinigung der K. K. geologischen Reichsanstalt mit der Kais. Akademie der 
Wissenschaften in Wien erhoben und welchen dieses für die geologische Durch- 
forschung der österreichischen Monarchie so bedeutungsvolle Institut seine Selbstän- 
digkeit verdankt. — 

Am 27. Februar 1892 starb in Freiberg, 81 Jahre alt, der früher als 
Professor an der dortigen Bergakademie wirkende Bergrath F. W. Fritsche, 
Ehrenmitglied seit 1868. — 

Am 16. März 1892 starb in Wien im 75. Lebensjahre Dr. Karl 
Aberle, K. K. Regierungsrath und Professor a. D. , correspondirendes 
Mitglied seit 1876. — 

Am 8. April verschied in Dresden Oberbaurath und K. Wasserbau- 
Director Moritz W. Schmidt, wirkliches Mitglied seit 1873. — 

Am 18. April 1892 starb Dr. August Todaro, Senator und Director 
des botanischen Gartens in Palermo, correspondirendes Mitglied seit 1876. — 

Am 27. April 1892 verschied der Kais. Russische Wirkliche Staats- 
rath Dr. Eduard August von Regel, Director des botanischen Gartens 
in Petersburg, correspondirendes Mitglied seit 1854. — 


2 * 


20 


Am 4. Mai 1892 verlor unsere Gesellschaft durch den Tod ihr ältestes 
Ehrenmitglied Dr. Karl August Dohrn, langjährigen Präsidenten des 
entomologischen Vereins in Stettin. Der Isis gehörte der Verewigte seit 
dem Jahre 1845 als Ehrenmitglied an. — 

Am 26. Mai 1892 starb in Dresden Bürgerschuloberlehrer Louis 
Bald auf, wirkliches Mitglied seit 1872. — 

Am 20. Juni 1892 verschied Prof. Dr. E. C. Schübeler, Director 
des botanischen Gartens in Christiania, Ehrenmitglied seit 1871. 


Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: 

Altenkirch, Gust, Gand. d. höh. Schulamts in Dresden, am 26. Mai 1892; 
Dudensing, Gust., Dr. phil., Gymnasiallehrer in Dresden, am 25. Februar 
1892; 

Lauterb ach, Cam., Oberst z. D. in Dresden, am 31. März 1892; 

Mie, Gust., Dr. phil., Oberlehrer in Dresden, am 26. Mai 1892. 

Aus den correspondirenden in die wirklichen Mitglieder ist über- 
getreten : 

Hefelmann, Rud., Dr. phil., Chemiker in Dresden. 


Neu ernannte correspondirende Mitglieder: 


Lohrmann, Ernst, Dr. phil., Gymnasiallehrer in Schneeberg, ' 
Stevenson, J. J., Professor an der University of New- - 
York, 


am 28. 
Januar 1892. 


Kassenabschluss der ISIS vom Jahre 1891. 

ie * Position. Ausgabe. 


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Dresden, am 23. Februar 1892. H. Warnatz, z. Z. Kassirer der Isis. 


22 


Voranschlag 

für das Jahr 1892. 


Mark 

1. Gehalte 660 

2. Inserate 75 

3. Localspesen 130 

4. Bnehbinderarbeiten 200 

5. Bücher nnd Zeitschriften 550 

6. Sitzungsberichte und Drucksachen . . . 1100 

7. Insgemein 130 

Summa Mark 2845. 




Sitzungsberichte 

der 

nat urwissenschaftliclien G esellsclia ft 



in Dresden. 


1892 . 











) 




25 


I. Section für Zoologie. 


Dritte Sitzung am 13. October 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. B. 
Vetter. — Anwesend 20 Mitglieder. 

Der Vorsitzende spricht über das erste Menschenalter der Dar- 
winschen Theorie. 


Vierte Sitzung am 1. December 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. B. 
Vetter. — Anwesend 18 Mitglieder. 

Prof. Dr. R. Ebert giebt im Anschluss an eine in der Zeitschrift für 
Zoologie veröffentlichte Arbeit von Schlamp einen Bericht über das 
Auge des Grottenolms, Proteus anguineus Laur. 

Hieran schliessen sich Bemerkungen von Dr. J. Thiele über das Auge 
niederer Wirbelthiere 

und von Prof. Dr. B. Vetter über die Bildung des Auges bei 
der Larve des Petromyzon. 

Dr. J. Thiele hält einen Vortrag über die primitivsten Metazoen 
(vergl. Abhandl. VIII) und legt hierzu eine Arbeit von F. E. Schulze 
über Triehoplax adhaerens vor. 

Privatus K. Schiller bringt zur Vorlage Oligoneura rhenana Imh. 
und Centroptilum tenellum Alb., welche bisher in Sachsen noch nicht auf- 
gefunden worden sind und die er von Herrn Feurich in Göda bei Bautzen 
mit mehreren Lestes- Arten erhielt, die sich als L. sponsa Hans und L. 
virens Charp. erwiesen. Die Larve von Oligoneura rhenana Imh. ist auch 
in der Elbe entdeckt worden. 

Ebenfalls als neu für Sachsen bezeichnet Dr. J. Thiele Acicula polita 
Hartm. 

Zum Schluss bespricht Prof. Dr. B. Vetter ein von Osterloh her- 
gestelltes Modell der Steinkoralle. 


II. Section für Botanik. 


Vierte Sitzung am 3. November 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. 
0. Drude. — Anwesend 34 Mitglieder. 

Der Vorsitzende legt die Belegexemplare der hauptsächlicheren in 
diesem Jahre zur Beobachtung gelangten Bereicherungen der Flora 

1 * 


26 


Saxonica vor und bespricht die Bedeutung derselben vom pflanzengeogra- 
phischen Standpunkte innerhalb der mitteldeutschen Flora. Dieselben sind: 

1. Stachys alpina L, aufgefunden vom Lehrer Hof mann (Döbeln) im 
Zsckopauthal bei Waldheim, eingesendet von dem glücklichen Finder an 
den Vorsitzenden.*) 

Es ist dies unter den Novitäten wohl unstreitig die interessanteste, eine phane- 
rogarne Waldpflanze, welche sich nicht in Cultur befindet und sich nicht zu Ver- 
schleppungen eignet, von welcher auch kein wanderndes Vordringen bekannt geworden 
ist, und welche hier zum ersten Male im Königreich Sachsen aufgefunden ist. Ihre 
Feststellung in Sachsen ist von um so grösserer floristischer Bedeutung, als der neue 
Standort die bis dahin in Mitteldeutschland getrennten Standorte des Ostens und 
Westens überbrückt: sie ist bekannt aus dem Eulengebirge, von der hohen Mense, 
dem Glatzer Schneeberg, im Altvatergebirge am Leiterberg, Altvater selbst, Brünnei- 
heide, im grossen und kleinen Kessel, aus den Beskiden, aus den Prerauer Karpathen 
,, selbst schon im niedrigen Hügelgebiete“ (Oborny); im Riesengrunde des Riesen- 
gebirges hat Uechtritz den früheren Wimmer’sclien Standort nicht wiedergefunden, 
neuere Angaben sind dem Ref. unbekannt; im böhmischen Mittelgebirge kommt sie 
mehrfach vor: in der Bergregion des hohen Göltsch, am Kreuzberg bei Leitmeritz, 
am Zinkenstein, Kleis, und nahe der sächsischen Grenze bei Falkendorf unweit Tetschen, 
aus dem Erzgebirge aber giebt Celakovsky’s Flora nur den Kriesdorfer Grund bei 
Osseg an, ausserdem den Blösslingberg und Wölfling bei Abertham. Im Westen 
nennt die Thüringer Flora keinen Standort für diese Stachys- Art; aber Garcke giebt 
einen dem Ref. vordem unbekannt gebliebenen am westlichen Abhange des Ober- 
harzes bei Lutter am Barenberg (Seesen) an, und im südlichen Hannover ist nun das 
merkwürdige, nicht kleine Ausbreitungsgebiet der Stachys alpina in den Muschelkalk- 
Buchenwäldern um Göttingen, bei Hildesheim und Hameln, wo sie Ref. häufig in 
Gesellschaft von Helleborus viridis , Bupleurum longifolium , Cephalanthera- und Epi- 
pactis- Arten gesammelt hat; in Hessen (Cassel, Marburg, Biedenkopf, Biber am 
Spessart etc.) wird sie häufiger, im fränkischen Jura scheint sie noch recht selten, 
während sie in den nördlichen Kalkalpen bis 1620 m und in der sich daran an- 
schliessenden bayrischen Hochebene verbreitet ist. Nach allem Gesagten erscheint 
der neue sächsische Fundort als im Anschluss an das östliche Verbreitungsgebiet der 
Stachys alpina in Mitteldeutschland befindlich, da zumal das ganze Saalegebiet keinen 
Standort aufzuweisen hat, was bei der Gegenwart sowohl im fränkischen Jura als 
im Muschelkalkgebiet in Süd-Hannover disharmonisch ist. Die Species liebt, ihrem 
Namen zum Trotz, gewiss die niedere Bergregion mehr als die an die Waldgrenze 
streifenden Höhen; sie braucht daher nicht als ein Relict aus kälteren Perioden an- 
gesehen zu werden, sondern nur als Pflanze von sporadischer Verbreitung, 
ohne dass es möglich wäre, einen plausiblen Grund für diese Verbreitungsform, die 
ja oft genug in den Pflanzenarealen enthalten ist, anzugeben. 

2. MyriopJiytttwi alterniflorum DC., aufgefun den von Apotheker S c h 1 i m - 
pert (Meissen-Cölln) in Gemeinschaft mit Herrn Fritzsche (Kötzschen- 
broda) in einem Kanal zwischen Sieglitz und Streuben. 

Diese interessante Wasserpflanze bewohnt der Hauptsache nach das atlantische 
Europa (Britannien, sogar Island und das skandinavische Küstengebiet, Holland, Frank- 
reich und Spanien), und ihre Entdeckung schliesst sich daher an diejenige von 
Helosciadium inundatum Koch an, über welche — nördlich der sächsischen Landes- 
grenze in der Umgebung von Ruhland — wir nach ihrer Entdeckung durch Herrn 
Alwin Schulz (Königsbrück) der Gesellschaft Isis vor zwei Jahren auf Grund unserer 
persönlichen Aufnahme berichten konnten. In Deutschland bewohnt das genannte 
Myriophyllum, von den bekannteren Arten M. veriicillatmn (incl. pectinatum) und 
31. spicatum durch die feinen Blattzipfel und die in eine zerstreutblüthige nickende 

*) Auch an dieser Stelle soll denjenigen Herren, welche die hier zu nennenden 
Novitäten, ebenso wie früher, durch ihre freundliche Einsendung an den Unterzeich- 
neten oder an Dr. Naumann zur dauernden Aufbewahrung im Herbar der Flora 
Saxonica im Kgl. Polytechnikum gelangen liessen, ein aufrichtiger herzlicher Dank 
abgestattet sein. Es ist anders nicht möglich, ein authentisches reiches Florenmaterial 
als Grundlage wissenschaftlicher Arbeit vollzählig zusammen zu bringen. 


27 


Aelire aufgelösten Blüthenquirle zarterer Beschaffenheit leicht unterschieden, den 
Süd westen, ist aber auch noch häufig in Westpreussen und findet sich dazwischen 
in Pommern, Brandenburg, Braunschweig und Hannover, Holstein; es bildet also 
eine südöstliche Vegetationslinie und könnte als solche den von Grisebach in seiner 
classischen Studie über die Yegetationslinien im nordwestlichen Deutschland genannten 
(unter denen zwei Helosciadium- Arten auftreten) beigefögt werden. Die Entdeckung 
dieser Art in Sachsen ist also von grossem Interesse, obwohl bei der leichteren Ver- 
scbleppungsweise von Wasseipflanzen eher, als bei der erstgenannten Entdeckung 
einer neuen Art, daran zu denken wäre, dass vielleicht erst in jüngerer Zeit diese 
Aieal-Erweiterung entstanden ist. 

Die Rügenden Notizen beziehen sich nicht auf neue, der Flora Saxo- 
nica jetzt zuerst einzuverleibende Species, sondern auf einige interessantere 
Standorte solcher Arten, welche bei ihrem sporadischen Vorkommen in 
Sachsen erhöhte Bedeutung haben. Da ist zuerst zu nennen ein neuer 
Standort von 

3. Epipogum aphyllum Sw. ( Epipogium Gmelini Rieh.), der merkwür- 
digen, zarten und bleich wachsgelben Orchidee, welche bislang aus Sachsen 
nur von dem einen Standorte in der Bautzner Gegend (vom Pichow bei 
Dretschen, vergl. Isis, Abh. 1889, S. 7) bekannt war (von welchem das 
Herbar der Flora Saxonica jetzt ausgezeichnete Belegexemplare durch den 
Erwerb der Lodny’schen Sammlung erhalten hat), und zu dem der Vor- 
tragende einen zweiten oberlausitzer Standort im Quellgebiet der Wessnitz 
am Südhange des Valtenberges zwischen Nieder-Neuldrch und Steinigt- 
Wolmsdorf unweit der böhmischen Grenze auf seiner diesjährigen Studien- 
reise hat hinzufügen können. 

Sie befindet sich daselbst in einem sehr feuchten Fichtenwald der unteren her- 
c} r nischen Formation, wo die junge Wessnitz zwischen moosbewachsenen Granitblöcken 
sich versteckt hinwindet und auch in einem so trocknen Sommer, wie der diesjährige 
war, für das noth wendige Nass sorgt. Von Phanerogamen befinden sich zwischen 
der hohen Moosdecke von Polytrichum, Mnium , Plagiochila asplenioides etc. und 
stellenweise Sphagnum hier nur die Farne der Dryopteris-G enossenschaft, hauptsächlich 
aber Aspidium spinulosum in mächtigen Exemplaren. Ob der Epipogum- Standort 
reich an Exemplaren ist, lässt sich einstweilen nicht entscheiden; ich fand am 11. 
August nur 2 kleine Exemplare. Bedenkt man aber, dass die Hauptblüthezeit dieser 
Orchidee Mitte Juli ist, und dass, wie ich mich selbst an den Buchenwald-Standorten 
von Epipogum in der Göttinger Flora wiederholt früher überzeugen konnte, nach den 
ersten kräftig entwickelten Blüthenstengeln, welche öfter zu mehreren aus einem 
Rhizom hervorbrechen und in kleinen Rudeln beisammen stehen, nur noch verein- 
zelte Schwächlinge Ende Juli über der Laubdecke zu erscheinen pflegen, während 
die normalen Blüher dann schon verwelkt sind, so besagt diese geringe Zahl noch 
wenig gegen die Annahme, dass der Wessnitz-Standort gleichwie der andere eine 
sichere Ernte berge; zumal war ja dieser vergangene Hochsommer überhaupt arm 
an Orchideen. 

Epipogum aphyllum gehört zu denPflanzen, welche bei weiter Gesammtverbreitung 
von den Pyrenäen bis Sibirien überall selten zu sein scheinen und in allen Local- 
floren mit vereinzelten Standorten, an diesen sogar gleichsam unbeständig, aufgeführt 
werden. Schön heit’s Flora von Thüringen giebt keinen Standort dafür an, im 
Harz wächst es unterhalb des Brockens und in der Buchenwaldregion, häufiger ist 
es im südhannoverschen Muschelkalk-Gebiet vom Deister bis nach Hessen (Giessen) ; 
bei Warnsdorf ist der dritte, Sachsen nahegelegene Lausitzer Standort, Marienbad 
birgt einen am Südhange des Erzgebirges, der Kubany im Böhmerwalde, Carlsbrunn 
einen solchen im Gesenke, Glatzer Schneeberg und Zackenfall, andere Standorte in 
den Sudeten, dazu solche in Mähren. Auch in Norddeutschland kommt es als grosse 
Seltenheit vor: zerstreut in schattigen Buchenwäldern von Schleswig-Holstein und in 
Dänemark fehlt es in dem Lüneburger Heidegebiet sammt südlich sich anschliessen- 
den (Jebergangswaldungen, ist aber vom südlichen Norwegen bis England ( — Watson’s 
Topographical Botany , p, 386, bezeichnet es am einzigen Standorte im mittleren 


28 


Severn-Gebiet als ,, extinct ?”), und von Schweden bis zum mittleren Finnland zerstreut; 
dazu kommen für Europa noch alpine Standorte, solche in Etrurien, Ungarn, Sieben- 
bürgen und im mittleren Russland. 

4. Potentilla canescens Bess., hat Apotheker Schlimpert ebenfalls 
an einem neuen und für die sächsische Flora sehr interessanten Standort 
in der Meissner Gegend entdeckt. 

Diese für Sachsen sehr seltene Pflanze hat ihr Hauptverbreitungsgebiet in Ost- 
Europa. Sie findet sich, in Deutschland sehr zerstreut vor. Unser Herbarium der 
Flora Saxonica weist sächsische Exemplare vom Schlossberg bei Schwarzenberg, von 
Berggiesshübel, von Weischlitz bei Plauen i. Y. und Grossstein bei Kuppitz? auf. 

5. Drosera longifolia L., aufgefunden von Assistent Dr. A. Naumann 
auf dem Kranich see-Moor bei Carlsfeld und am sogenannten „Kleinen 
Kranichsee” bei Sauersack auf seiner diesjährigen Studienreise. 

Diese Pflanze findet sich in spärlicher Anzahl am Rande der tiefen Tümpel, 
die man als „Moos-Schwimmgründe” bezeichnen könnte, und welche gerade den Torf- 
mooren um Carlsfeld ihren eigenthümlichen Charakter verleihen. Sie wächst, be= 
gleitet von Drosera rotundifolia, versteckt in den Polstern von Sphagnum teres, mollus- 
cum und cymbifolium. Der genauere Standort am Kranichsee-Moor ist durch folgende 
Beschreibung gegeben: Dort wo der Grenzgraben eine Biegung von SW. nach NO. 
macht, findet sich der Grenzstein f 3. Geht man von diesem 90 Schritte in östlicher 
Richtung und von hier senkrecht zu dieser 80 Schritte nach der böhmischen Seite 
zu, so stösst man auf die tieferen von Drosera longifolia umgebenen Tümpel. 

6. Betula nana L. , aufgefunden vom Vortragenden im Jahre 1888 
auf einem Torfmoore bei Fribus in Böhmen, ebenso von Dr. Naumann 1892. 

Auf diesem stark im Abbau begriffenen Moore findet sich Betula nana geradezu 
Bestand bildend vor, ganz wie an dem von Dr. Naumann in diesem Jahre besuchten 
Torfstich am Spitzberg bei Gottesgab. 

Genauer charakterisirt ist der Fribuser Standort durch folgende Angaben: An der 
Strasse Eibenstock-Fribus läuft der Rohlabach. Wo sich derselbe von der Strasse 
ab nach Osten wendet, liegt westlich desselben gegenüber einem Hause (Schank- 
wirthschaft) der von der 880 m Curve durchschnittene Torfstich. 

Bemerkt sei noch, dass sich dieser und der oben angegebene Standort von 
Dr. longifolia L. in dem Prodromus der Flora von Böhmen von Celakovsky noch 
nicht angegeben finden. 

7. Pirola chlorantha L. hat Postverwalter Benz aus dem südwest- 
lichsten Sachsen in der Umgebung von Brambach eingesendet. 

Da die sächsische Excursionsflora von Wünsche diese Pirola- Art ausdrücklich 
als im Erzgebirge fehlend angiebt, so ist auf diesen für den Ref. neuen Standort um 
so mehr Gewicht zu legen, als ja im Allgemeinen die Waldflora des Brambacher Ge- 
bietes einer mittleren Region im Erzgebirge entspricht, dabei aber die bekannten 
vogtländischen Eigenthümlichkeiten für sich hat. — 

Diese Ergänzungen zur sächsischen Phanerogamen-Flora übertrug Herr 
K. Schiller auf das kryptogamische Gebiet durch Vorlage eines, leider nur 
steril gefundenen höchstinteressanten Laubmooses, des von ihm in der säch- 
sischen Schweiz gefundenen Dicranodontium aristatum Schimp. 

Da dieses bisher in Deutschland nur an den Quadersandsteinfelsen der Sudeten 
und des Heuscheuergebirges gefundene Moos, obwohl es an günstiger Stelle die Fels- 
wände in auffälliger Weise dicht überkleidet, wegen der Aehnlichkeit mit anderen 
Gattungen der Dicranaceen leicht verwechselt und wegen der Sterilität unbeachtet 
bleiben kann, ist es bisher aus dem sächsisch -böhmischen Sandsteingebirge nicht 
bekannt geworden. Sicher kommt es aber daselbst an mehreren Localitäten vor, denn 
Dr. A. Schultz hat es in diesem Jahre im Edmundsgrunde in Böhmen entdeckt, 
während die vorgelegten Exemplare im Polenzgrunde in Sachsen gesammelt worden sind. 


29 


Darauf giebt Dr. A. Naumann unter Vorlage entsprechender Abbild- 
ungen und getrockneter Exemplare eine kurze Charakteristik der Arten 
der Gattung Botrychium. 

Prof. Dr. 0. Drude bespricht als neuere botanische Litteratur-Erschein- 
ungen folgende Schriften: 

M. Willkomm: Das Herbar; 

A. B. Frank: Lehrbuch der Botanik, Bd. I. Berlin 1892; 

H. Warnecke: Lehrbuch der Botanik für Pharmaceuten und Mediciner. Braun- 
schweig 1892; 

A. Zimmermann: Die botanische Mikrotechnik. Tübingen 1892; 

A. Famintzin: Uebersicht der Leistungen auf dem Gebiete der Botanik in Russ- 
land i. J. 1890. Petersburg 1892; 

J. Briquet: Les Labiees des Alpes maritimes. Geneve et Bale 1891; 

E. Warmin g: Lagoa Santa (Kgl. Dänische Akademie 1892). 

Zum Schluss giebt Herr F. Fritzsche-Kötzschenbroda noch eine Mit- 
theilung über das Vorkommen von Pirola chlorantha L. in der Lössnitz 
und schildert des Näheren den Standort von Epipogum Gmelini Rieh, bei 
Sassnitz (Rügen). 


Fünfte Sitzung am 8. December 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. 
0. Drude. — Anwesend 32 Mitglieder. 

Der Bibliothekar der „Isis“, Herr K. Schiller, legt ein als Geschenk 
eingegangenes zweibändiges Werk vor: J. Lubbock, „A contribution to our 
Knowledge of Seedlings“, welches von hohem Werthe zu sein scheint, in- 
dem eine vergleichende Keimungsgeschichte von jeher als systematisches 
Bediirfniss empfunden worden ist. 


Prof. Dr. 0. Drud f e hält den angekündigten Vortrag über W^üsten- 
pflanzen und Succulenten. 

Nach einer kurzen Charakteristik der diese Pflanzen repräsentirenden drei pflanzen- 
geographischen Gebiete der Wüsten, Wüstensteppen und Tropengebiete mit xero- 
phytischer Vegetation bespricht Redner die hauptsächlichsten Schutzmittel der Pflanzen 
gegen Dürre und erörtert den Begriff der Succulenz. Hierauf schildert er die beiden 
Heimathscentren der Succulenten, deren Maximum an zwei Stellen der Erde liegt: Süd- 
afrika (Karoo etc.) und Südamerika (Mexikanisches Hochland-Salzgebiet von Utah). 
Dazu kleinere Gebiete: Somali, Sokotra, Canaren etc. 

Die Hauptformen der Stamm- und Blattsucculenz entsprechen der verschieden- 
artigen Anpassungsmöglichkeit, welche die Systemgruppen ausnutzen, indem sie ent- 
weder den Stamm in oberirdische, korkgeschützte Knollenstärame verwandeln, oder 
normal wachsende Stengel, bez. Blätter oder seltener beides zugleich mit den Eigen- 
schaften succulenter Gewebe ausrüsten. Beispiele für Knollenstamm: Testudinaria ; 
für Stammsueculenz: Cacteen, Euphorbia ; für Blattsucculenz: Aloe , Sempervivum\ für 
doppelseitige Succulenz: Kleinia unter den Compositen. 

Es gelangt zur Besprechung folgende Liste der hauptsächlichsten Succulenten 
(C bedeutet Capland, M Mexiko): 


Monocotyledonen. 


Dicoty ledonen. 


Liliaceen: Anthericeen -Bulbine C. 

Aloineen-AZoe, Haworthia, Gas- 
teria C. 

Amaryllideen : Agaveen- Agave, Four - 
croya M. 

Dioscoreaceen: Testudinaria C. 


Crassulaceen C M. 

Cactaceen M. Amerika. [Bhipsalis auch 
in Afrika (Madagaskar).) 
Mesembrianthemaceen C. 

Portulaceen 5 Gattungen. 

Euphorbiaceen: Euphorbia Afr. C. 
Asclepiadeen: Stapelia, Huernia C. 
Compositen: Kleinia (ähnlich Senecio), 
Hertia [Othonna) C. 


30 


Die Ertragungsfähigkeit dem Klima gegenüber ist bedeutend; die Succulenten 
vermögen auch im ungünstigen Wüstensteppenklima noch grosse Pflanzenmassen zu 
erzeugen und dabei mächtige Mengen von Flüssigkeit aufzuspeichern. Dabei haben 
sie besondere Schutzeinrichtungen gegenüber fressenden Thieren nöthig: Bestachel- 
ung, Bedornung, Kalkoxalat in der Epidermis eingelagert, Gerbstoff, Milchsaft etc. 

Die Organmetamorphose der Stachelpolster der Cacteen bildete den letzten Ab- 
schnitt des Vortrages. — 

Hieran knüpfte sich am 10. December 1892, Nachm. 3 Uhr, eine von 
der botanischen Section zahlreich besuchte Demonstration von Succu- 
lenten im neuen botanischen Garten, wo diesen interessanten Pflan- 
zen ein hübscher Eckpavillon der neuen Anlage von Schauhäusern ein- 
geräumt ist und wo die wichtigslen Yertreter der genannten Familien in 
Auspflanzung zwischen Tuffsteinen und in lehmig-sandiger Erde mit Kalk- 
mergel gemischt hoffentlich zu guter Entwickelung gelangen werden. 


III. Section für Mineralogie und Geologie. 


Dritte Sitzung am 20. October 1892. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. — Anwesend 38 Mitglieder. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzqng mit der Trauerbotschaft von dem 
Hinscheiden der Gattin eines der ältesten und treuesten Mitglieder der 
Isis, des Herrn Prof. E. Z schau, und fordert zur Theilnahme an deren 
Bestattung auf. 

Er berichtet ferner im Aufträge des gleichzeitig anwesenden Herrn 
R. Kramsta über ein von dem Letzteren beobachtetes Strudelloch im 
Lomnitzkessel im Biesengebirge , dessen Entstehen mit einem alten 
diluvialen Gletscher in Verbindung gebracht werden kann. 

Eine genauere Beschreibung davon hat Herr R. Kramsta in dem „Wanderer 
im Riesengebirge, Hirschberg 1892, Nr. 120“ veröffentlicht; eine Anzahl Photographien 
von dort dienen zur Erläuterung. Auf die wichtigen älteren Forschungen von Prof. 
Parts ch, Gletscher der Vorzeit in den Karpathen und in den Mittelgebirgen 
Deutschlands, der einen Lomnitzgletscher hervorhebt, und die neuesten von Prof. 
G. Berendt, Spuren einer Vergletscherung des Riesengebirges (Jhrb. K. preuss. geol. 
Landesanst. f. 1891), wird eingehend verwiesen, ebenso wie auf das Vorkommen 
ähnlicher Strudellöcher oder Riesentöpfe in der sächsischen Schweiz und mehreren 
anderen Gegenden, für die man nicht gerade die Mitwirkung eines Gletschers in 
Anspruch zu nehmen braucht. 

Im Anschluss hieran lenkt der Vorsitzende noch die Aufmerksamkeit 
auf die traurige Katastrophe von Saint-Gervais am 12. Juli 1892 
und bespricht die Ursache davon nach der Darstellung von J. Vallot, 
A. DelebecqueundL. Duparyin einem darüber veröffentlichten Schriftchen, 
Genf 1892. 

Hierauf erläutert der Assistent für Mineralogie und Geologie an der 
K. Technischen Hochschule in Dresden, Dr. H. Francke, das in neuester 
Zeit von dieser Anstalt erworbene tektonische Modell des Dr. R. Schäfer 
in München, welches auch von hier aus für geologische Vorlesungen an- 
gelegentlichst empfohlen werden kann. Den Vertrieb dieses instructiven 
Modells hat die Firma Barth & Co. in München, Louisenstrasse 36, über- 
nommen. 


31 


Den Haupt vor trag in dieser Sitzung hält Dr. W. Bergt, welcher seit 
1. Mai d. J. seine Thätigkeit der Untersuchung der petrographischen Samm- 
lung des K. Mineralogisch -geologischen und prähistorischen Museums in 
Dresden widmet, über Gebirgsdruck und seine Wirkungen, mit be- 
sonderer Beziehung auf die Gesteine der Umgegend von Dresden. 


Vierte Sitzung am 15. December 1892. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. — Anwesend 23 Mitglieder. 

Unter Vorlage eines neuerdings an das K. Mineralogische Museum 
gelangten Bruchstückes giebt der Vorsitzende einige Mittheilungen über 
den berühmten Meteorstein von Ensisheim im Eisass, gefallen am 
19. November 1492; 

ferner über die auch in Californien beobachteten Strudellöcher oder 
Gletschertöpfe, sogen. Postholes, am Mokelumne River Canon (vergl. 
Am. Journ., December 1892, p. 454, PI. IX); 

sowie über die neuesten Entdeckungen an einem Ichthyosaurus im 
Lias von Holzmaden (vergl. Geol. Mag., 1892, Nr. XI, p. 517), wodurch 
die zuerst von Owen gemachte Beobachtung der an dem Schwänze der 
Ichlhyosauren oft vorkommenden Umknickung Erklärung findet. 

Hierauf hält Prof. E. Z sch au einen eingehenden Vortrag über gang- 
artige Kluftausfüllungen im Syenit des Plauen’schen Grundes 
(vergl. Abhandl. X). 

Dr. W. Bergt berichtet über die vor Kurzem von Geo. R. Wieland, 
State College, Pennsylvania, an H. B. Geinitz zur Begutachtung einge- 
sandten Kiesel-Oolithe, sogen. Siliceous Oolites, two miles N. W. von 
State College, Centre Cy., Penn., wahre Analoga für die Karlsbader Erbsen- 
steine (vergl. Abhandl. XV). 

. Dr. H. Franc ke legt noch folgende neu erschienene mineralogisch- 
geologische Lehr- und Lesebücher vor, unter kurzem Hinweis auf deren 
Inhalt: 

Eberhard Fraas, Scenerie der Alpen. Leipzig 1892. 

Nach einem allgemeinen Theil, welcher Gebirgsbildung und die Einwirkung 
dieser auf die Gesteine, d. i. die Lehre von der Dynamo- und Contactmetamorphose 
behandelt, werden die Gebirgsarten selbst, soweit sie an der Zusammensetzung und 
Entstehung der Alpen theilnehmen, charakterisirt gemäss den geologischen Formationen. 
Das Buch ist für naturwissenschaftliche Alpenreisende bestimmt, die nicht blos die 
interessante Flora und Fauna beobachten und sammeln, sondern auch den Blick für 
die so vielfach noch räthselhaften geologischen Erscheinungen im Gebirge schärfen 
wollen. 

Ad. Knop, Der Kaiserstuhl im Breisgau. Eine naturwissenschaftliche 
Monographie. Leipzig 1892. 

Das Buch ist nicht blos für Naturwissenschaftler im engeren Sinne berechnet 
und deshalb etwas weitläufig geschrieben. Es giebt z. B. Einleitungen in die allge- 
meine Chemie und Geologie. Es enthält der Hauptsache nach Mineralogisches und 
Geologisches, berücksichtigt aber auch Hydrographie , Agronomie, Statistik, Historie, 
Botanik und Zoologie. Ein letzter Abschnitt dient als geologischer Excursionsführer 
in den Kaiserstuhl. Angehängt ist noch eine gute Karte im Kupferstich. Manches 
vom Inhalte hat der Verfasser schon in Fachzeitschriften niedergelegt, etliches aber 


32 


hier zum eisten Male veröffentlicht, sodass auch der Fachgeologe das Buch als ein 
Quellenwerk betrachten darf. 

H. Rosenbusch, Mikroskopische Physiographie der petrographisch 
wichtigen Mineralien. 3. Aufl. Stuttgart 1892. 

P. Klockmann, Lehrbuch der Mineralogie, für Studirende und zum 
Selbstunterricht. Stuttgart 1892. 

Das Werk gehört in die Reihe der von der VerlagsbandlungF. Enke herausgegebenen 
naturwissenschaftlichen Lehrbücher und giebt alle wissenschaftlich feststehenden 
Thatsachen in modernem Gewände. Die Krystallsysteme werden, wie auch ander- 
wärts, der Erleichterung wegen, nicht nach Symmetrieaxen , sondern nach Symmetrie- 
ebenen definirt. In dem schon 1 x j 2 Jahr früher erschienenen allgemeinen Theile, um- 
fassend Krystallographie , Physik und Chemie, sind einige Abschnitte der Lehre von 
den Lagerstätten und der Entwickelung der Mineralien gewidmet. Der zweite, physio- 
graphische Theil befolgt dasselbe Classificationssystem wie die übrigen neueren Werke, 
nämlich das Berzelius-Rose’sche, und ist bei aller Kürze und Gedrängtheit sehr reich- 
haltig, sodass ihn der Verfasser auch bei Sammlungsarbeiten gebraucht zu sehen 
wünscht. Bei der Aufzählung der Fundorte sind die geologisch -petrographischen 
Verhältnisse berücksichtigt. Angehängt sind noch zwei Abschnitte über nutzbare 
Mineralien und Bestimmungstabellen. 

Dr. H. Francke legt ferner vor im Aufträge des Herrn R. Kramsta: 

Quarzporphyr von Erdmannsdorf, südlich von Hirschberg, Schlesien, 
grosse weisse bis 2 cm lange und 1 cm breite Orthoklaseinsprenglinge in 
schwarzer Grundmasse zeigend, auf angeschliffener Fläche besonders schön 
aussehend ; 

Individualisirte Orthoklas masse aus dem Granitit zwischen Hirsch- 
berg und Lomnitz, Schlesien, mit bläulichem Lichtscheine senkrecht 
zum Klinopinakoid, besonders auf ocPoc. 

Von dieser Oertlichkeit sollen die sogen. Mondsteine noch nicht gesammelt 
worden sein. Zum Vergleich werden bekannte Vorkommnisse herumgereicht: Orthoklas 
mit Lichtschein von Frederiksvärn (Breithaupt’s Mikroklin) und Adularkrystall 
(Mondstein) aus Tirol. Ueber das Wesen dieser bläulichen Lichterscheinung, die 
identisch mit der sogen. Farbenwandlung des Labradorits ist, sind die Acten noch 
keineswegs geschlossen. 


IV. Section für prähistorische Forschungen. 


Dritte Sitzung am 10. November 1892. Vorsitzender. Dr. J. 
Deich müller. — Anwesend 22 Mitglieder. 

Unter Vorlage zahlreicher Zeichnungen berichtet Dr. J. Deichmüller 
über die von ihm im April und Mai d. J. besuchten vorgeschichtlichen 
Sammlungen Italiens. 

Ueberreste der frühesten Bewohner Siziliens enthält die Universitätssamm- 
lung in Palermo, in welcher die Funde aus den Höhlen in den die Stadt um- 
gebenden Kalkbergen, namentlich im Monte Pellegrino, aufgestellt sind. Prächtige 
Reste von Elephas, Rhinoceros, Hippopotamus etc. und mit ihnen zusammen gefundene 
Steingerätbe ältester Form weisen darauf hin, dass der Mensch Sizilien bereits zur 
Diluvialzeit bewohnte. 

Auch das Museum der Stadt Syrakus bewahrt zahlreiche menschliche 
Kunstproducte aus Höhlen und anderen Wohnstätten der Steinzeit, an welche sich 
die schönen Funde aus den Gräberfeldern der vorhellenischen und der hellenischen 
Zeit anschliessen. 


Die für das Studium der Vorgeschichte Italiens bedeutendste Sammlung ist das 
Museum Kircherianum in Rom, eine von dem Jesuitenpater Kircher in der 2. 
Hälfte des 17. Jahrhunderts begründete ethnographische Sammlung, von welcher 1876 
eine vorgeschichtliche Abtheilung abgetrennt wurde, die unter Leitung vonPigorini 
zu der hervorragendsten derartigen Sammlung Italiens umgestaltet worden ist. Die 
chronologische und geographische Aufstellung der Gegenstände ermöglicht es, ein 
klares Bild von der allmählichen Entwickelung der Cultur auf der apenninischen 
Halbinsel zu empfangen. Zu den ältesten Objecten gehören auch hier die Funde 
aus den Höhlen Siziliens, Sardiniens etc. und von anderen steinzeitlichen Wohnplätzen 
Ober- und Mittelitaliens. An die reichhaltigen Ansammlungen von Artefacten aus 
den Pfahlbauten der Seen und den Terramaren der Niederungen Oberitaliens und der 
Emilia schliessen sich prächtige Funde aus den Nekropolen der Bronzezeit, während 
Depot- und Einzelfunde den Uebergang zu der Eisenzeit vermitteln, die durch zahl- 
reiche schöne Funde aus Brand- und Skelettgräbern aus allen Theilen Italiens ver- 
treten ist. 

Im archaeologischen Museum in Florenz sind es namentlich die Funde 
aus der Etruskerzeit, unter diesen an erster Stelle die Gräberschätze von Vetulonia, 
welche die Aufmerksamkeit des Prähistorikeis in Anspruch nehmen und deren über- 
sichtliche Anordnung das Studium der eigenartigen Cultur jenes Volkes ausser- 
ordentlich erleichtert. 

Das Museo civico in Bologna enthält die werthvollen Ergebnisse der Aus- 
grabungen auf den Gräberfeldern in der Umgegend der Stadt, die reichhaltigen 
Funde aus den Arnoaldi-, den Certosa- u. a. Gräbern, an welche sich der grosse 
Depotfund von San Francesco anschliesst, der durch die ausserordentlich grosse An- 
zahl der ihn zusammensetzenden Objecte überrascht. 

Lehrer H. Döring spricht über prähistorische Funde aus der 
Lausitz. 

Der Vortragende weist zunächst auf den der Lausitz eigenthümlichen Reichthum 
an Erinnerungszeichen aus vorgeschichtlicher Zeit hin, der seit langer Zeit die Blicke 
der bedeutendsten Alterthumsforscher auf jene Landschaft gelenkt und eine reiche 
Litteratur darüber hervörgerufen hat. 

Ueber seine auf dem bekannten Gräberfelde von Klein-Saubernitz vor- 
genommenen Ausgrabungen erstattet der Vortragende Bericht und legt einige der 
gehobenen Grabgefässe vor; von besonderem Interesse ist, dass unter den Knochen- 
resten aus einer Kinderurne zwei gebrannte Thierknochen gefunden wurden, von 
denen einer durchbohrt war. 

Im Anschlüsse hieran werden einige graphitirte Beigefässe vom Gräber felde 
Zschorna bei Löbau und Rackel, sowie ein Deckelgefäss von Milkel vorgelegt. 

Vortragender berichtet ferner über die von ihm besuchten Burgwälle der 
Oberlausitz und führt an: die Erdwälle auf dem Proitzschenberg bei Bautzen, 
den Wall in den Promenaden an der „weiten Bleiche* 1 , den Wall von Doberschau, 
die slavische Herdstelle in Köblitz, die Wälle von Blösa, Daranitz, Kumschütz, 
Belgern, Rackel, Gröditz, Lauske und Niethen; die Steinwälle auf dem Hochstein 
und dem Schmoritz und die verschlackten Wälle auf dem Stromberg bei Weissen- 
berg und dem Löbauer Berg, von denen verschlackte Gesteine zur Ansicht gelangen. 

Ueber einen von ihm neuaufgefundenen, in der Litteratur der Alterthums- 
forschung noch unbekannten Wall macht der Vortragende folgende Mittheilungen: 

Zwischen den Ortschaften Klein- Saubernitz und Wartha auf der Ortsflur Klein- 
Saubernitz liegt im ebenen Wiesengrunde von Nadelholz umgeben ein kleiner länglich- 
runder Burgwall. Derselbe ist von einem flachen, reichlich 2 m breiten Graben umgeben 
und hat einen Umfang von 180 Schritt. Der vom Graben umschlossene kleine Hügel 
zeigt eine unregelmässig wellige Oberfläche. Es wurde an mehreren Punkten ein- 
gegraben und dabei aus dem lockeren aschereichen Boden Holzkohle und Gefäss- 
bruchstücke zu Tage gefördert. Die aufgefundenen Gefässscherben zeigen den sla- 
vischen Charakter, wie er allgemein als Burgwalltypus bekannt ist. 

In den Ueberlieferungen des Volkes wird die Oertlichkeit als „Raubschlösschen“ 
bezeichnet und dabei fälschlich angenommen, dass hier eine Raubritterburg gestanden 
habe. Die im Volksmunde ebenfalls gebräuchliche Bezeichnung „Radisch“ (wendisch: 
„hrodzizko“) ist auf slavischen Ursprung zurückzuführen und bedeutet „kleine Burg“. 

Nach alledem ist anzunehmen, dass der Burgwall ehemals von den Slaven in 
der sumpfigen Niederung angelegt wurde. Es sei dahingestellt, ob derselbe als heid- 


nische Cultusstätte, als Vertheidigungsplatz oder als Zufluchtsort dienen sollte. Wir 
dürfen ihn als eine slavisclie Sumpfburg ans der Zeit des 9. oder 10. Jahrhunderts 
betrachten. 

Nach Mittheilungen des Lehrer Immisch wurde auf Anregung der verstorbenen 
Gräfin Bertha zur Lippe im Jahre 1855 am ,, Raubschlösschen“ eine Ausgrabung vor- 
genommen und dabei ein Dolch nebst verschiedenen Waffenresten aufgefunden, welche 
Funde zur Aufbewahrung nach Schloss Baruth bei Bautzen gelangten. 

Yon den an das „Raubschlösschen“ sich knüpfenden Volks sagen sind folgende 
zwei bemerkenswerth : Eine Schatzsage berichtet davon, dass am ursprünglichen 
Standorte des „Schlösschens“ eine Braupfanne voll Geld vergraben sei. Ueber die 
Einnahme und Zerstörung des „Raubschlösschens“ erzählt eine andere Sage, dass 
durch dass Burgfräulein, welches vom Schlosse nach Klein-Saubernitz zu Tanze ging, 
der geheime Zugang verrathen und so das Eindringen der Feinde und die Zerstörung 
der Burg ermöglicht wurde. 

/ 

V. Section für Physik und Chemie. 


Dritte Sitzung am 17. November 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. 
G. Helm. — Anwesend 32 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. G. Helm legt eine inzwischen in den Astronom. Nachricht, 
veröffentlichte, von Prof. Dr. Albrecht ausgeführte graphische Uebersicht 
der Ergebnisse vor, welche die gleichzeitig in Berlin, Strassburg, Prag 
einerseits und in Honolulu andererseits angestellten Polhöhenbeobach- 
tungen geliefert haben. Sie bestätigen endgültig die Schwankungen der 
Erdachse (vergl. Sitzungsber. Isis 1892, S. 12). 

Docent H. Krone spricht über das Problem, in natürlichen 
Farben zu photographiren. 

Oberfinanzrath B. Förster demonstrirt das Modell einer Gesteins- 
bohrmaschine, welches von seinem Sohne, Bergstudent Förster, unter 
Hilfe von Schmiedemeister Schuitze in Zauckerode angefertigt worden und 
als Geschenk für die Bergakademie in Freiberg bestimmt ist. 

Oberfinanzrath B. Förster giebt zunächst einen Ueberblick über die Geschichte 
der Gesteinsbohrmaschinen und die Art ihres Betriebes. Hiernach erscheint es am 
vortheilhaftesten, Gesteinsbohrmaschinen mittels Kraftübertragung auf elektrischem 
Wege zu betreiben; gegenüber den durch Stoss arbeitenden sind Bohrmaschinen mit 
rotirendem Bohrer vorzuziehen, weil bei letzteren eine grössere Ausnutzung der zu- 
geführten Kraft stattfindet. Als besonders neu ist die von Schmiedemcister Schuitze 
angegebene dauerhafte Einsetzung der Diamanten in die Bohrkrone hervorzuheben. 
Zum Entfernen des Bohrstaubes wird Wasser verwendet, welches der Bohrstelle im 
Inneren des Bohrers zugeführt Avird. Der Bohrer selbst kann das Gestein nicht allein 
in horizontaler, sondern in jeder beliebigen Richtung angreifen und wird während 
des Bohrens durch Hand vorwärts geschoben, während der ganze Bohrapparat mit 
dem Elektromotor auf Schienen vor Ort gefahren werden kann. 

Das Modell wird am Schlüsse des Vortrags in Thätigkeit vorgeführt. 


Excursion. 

An Stelle der im Mai ausgefallenen Sitzung trat eine Excursion am 
7. Juli 1892, die der Besichtigung des Blasewitz-Lo schwitz er Elb- 
Brückenbaues gewidmet war, welche Herr Geh. Finanzrath Kopeke 
freundlichst gestattet hatte. Gegen 20 Mitglieder betheiligten sich unter 
der Führung der den Bau leitenden Ingenieure. 


VI. lection für Mathematik. 


Fünfte Sitzung am 13. Oetober 1892. Vorsitzender: Geh. Rath 
Prof. Dr. G. Zeuner. — Anwesend 7 Mitglieder. 

Oberlehrer Dr. A. Witting spricht über einige specielle Steiner’sche 
Flächen und über die Anfertigung von Modellen derselben. 

Prof. Dr. K. Rohn macht im Anschluss an die vorgelegten Modelle 
einige Bemerkungen über Singularitäten bei Steiner’schen Flächen. 


Sechste Sitzung am 8. December 1892, Vorsitzender: Geh. Rath 
Prof. Dr. G. Zeuner. — Anwesend 11 Mitglieder. 

Prof. Dr. K. Rohn hält einen Vortrag: „Geometrische Bemerkungen 
zu dem Mannesmann ’schen Walz verfahren“. Zur Erläuterung seiner 
Auseinandersetzungen legt Vortragender Zeichnungen und Modelle vor, 
sowie aus der technologischen Sammlung der K. Technischen Hochschule 
entnommene Proben von Eisenröhren, welche nach dem genannten Ver- 
fahren hergestellt worden sind. 


VII. Hauptversammlungen. 


Sechste Sitzung am 6. Oetober 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. K 
Rohn. — Anwesend 45 Mitglieder und Gäste. 

Baurath Prof. Dr. R. Ulbricht spricht über die Fortschritte in 
der Anwendung der Elektricität für Eisenbahnzwecke. 

Vortragender giebt zunächst einen Ueberblick über die Anwendung der Elektri- 
cität im Eisenbahnwesen, die sich, sowohl chronologisch als sachlich, in vier Stufen 
sondern lässt: 1. Das elektrische Nachrichtenwesen als nächstliegendes, aber 
auch losestes Mittel zur Verbindung der Betriebsstellen. Es hat durch die Einfühlung 
des Telephons nur erst eine mässige Erweiterung erfahren, da man den bewährten 
Morseapparat nicht aufgeben mag und, namentlich in Deutschland, auf das hierbei 
zu erhaltende Document grossen Werth legt. 2. Die elektrische Controle von 
Betriebseinrichtungen hat einen bedeutenden Aufschwung genommen, namentlich 
durch die vom Vortragenden näher erläuterte Controle der Eahrgeschwindigkeiten 
mittels Streckencontacten und elektromagnetischen Registriruhren. 8. Die elek- 
trische Abhängigkeit der Betriebs einrichtungen unter einander oder von 
dem Willen des Dienstleitenden ist in den letzten Jahren zu hoher Vollkommenheit 
gelangt und erstreckt sich namentlich auf Weichen, Signale und ähnliche Einrich- 
tungen auf Grund der elektrischen Blocksysterae, deren Wirkung Vortragender an 
dem Modell eines Siemens’schen Blockwerks, sowie an dem Modell einer mit Block- 
werken verbundenen Signal- und Weichenstellerei erläutert. Auch die Bremsung der 
Züge wird mit Vortheil elektrisch vom Führer abhängig gemacht, indem man eine 
elektromagnetische Einwirkung auf die Ventile der pneumatischen Bremsen aller ein- 
zelnen Wagen herstellt und hierdurch eine von Stössen befreite gleichzeitige Bremsung 
erzielt. Eine gleichzeitig elektrische und pneumatische Leitungskuppelung wird vor- 
gezeigt. 4. Der unmittelbar elektrische Betrieb von Bahneinrichtungen 
beginnt erst sich zu entwickeln. Die Starkstromtechnik hat die Mittel gegeben, 
Krahne, Schiebebühnen, Aufzüge, Fahrzeuge u. s. w. zu treiben und- die für die 
Sicherheit und Raschheit des Bahnhofsverkehrs überaus wichtige intensive Beleuch- 
tung herzustellen. Vortragender zeigt das Modell einer rein elektrischen Weichen- 


36 


Stellvorrichtung und spricht sich dahin aus, dass in dieser und ähnlichen Richtungen 
erhebliche Veränderungen zu erwarten sind, sobald man allgemein gelernt haben wird, 
mit der Elektricität als Transmissionsmittel zu rechnen. Von Interesse ist die Frage, 
ob der elektrische Betrieb, welcher sich bereits im Tramverkehr stark einbürgerte, 
auch im Eisenbahngrossbetrieb Eingang finden wird. 

Vortragender behandelt den Fall des elektrischen Betriebes einer Bahn von den 
Verhältnissen der Leipzig-Dresdner Eisenbahn. Hierzu würde eine in der Mitte an- 
geordnete Maschinenstation für etwa 5 — 6000 Pferdekräfte genügen. Die Anlagekosten 
an sich würden nicht bedenklich fallen. Der elektrische Betrieb kommt jedoch erst 
dann voll zur Geltung, wenn für den Personenverkehr hohe Geschwindigkeiten ein- 
geführt werden können und diese bedingen getrennte Gütergleise und für die Schnell- 
verkehrgleise flache Curven. Es ist deshalb nicht wahrscheinlich, dass in nächster 
Zeit vorhandene Vollbahnen für den elektrischen Betrieb eingerichtet, wohl aber, 
dass neue für denselben gebaut werden. Für die Strecke Wien-Pest liegt ein auf 
elektrischen Trambetrieb gerichtetes Project für 250 km Geschwindigkeit pro Stunde 
vor. Zwischen St. Louis und Chicago (400 km) wird eine viergleisige elektrische 
Bahn für 160 km Geschwindigkeit gebaut. Interessant sind die von Crosby für 
derartige Betriebe angestellten Versuche zur Feststellung des Luftwiderstandes. Er 
findet und drückt dies in einer empirischen Formel aus, dass die Luftwiderstände 
nicht in dem potenzirten Verhältniss mit der Geschwindigkeit wachsen, welches zu 
erwarten gewesen wäre. Gleichwohl spielen bei einer Geschwindigkeit von z. B, 
250 km die Luftwiderstände eine so bedeutende Rolle im Energieverbrauch, dass da- 
gegen der Einfluss mässiger Steigungen zurücktritt. 


Siebente Sitzung am 21 . October 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. 
K. Rohn. — Anwesend 28 Mitglieder. 

Zur Mittheilung gelangt ein Aufruf zu Beiträgen für ein Kilias- 
Denkmal in Chur. 

Prof. Tr. Rittershaus spricht über die Anlage elektrischer 
Strassenbahnen. 

Prof. Dr. K. Rohn giebt ergänzende Mittheilungen zu seinen früheren 
Vorträgen über die Abhängigkeit der Anzahl glei chgrosser Kugeln 
in einem Hohlwürfel von ihrer An Ordnung darin (Sitzungsber. Isis 
1892, S. 17) und über das „Acht-Damen u -Problem auf dem Schach- 
brett (Abhandl. Isis 1889, Nr. VII). 


Achte Sitzung am 24. November 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. K. 
Rohn. — Anwesend 20 Mitglieder. 

Der Vorsitzende spricht über die Vorgänge beim Walzverfahren 
der Gebrüder Mannesmann. 

Geh. Hofrath Dr. Geinitz giebt einen kurzen Bericht über die Vor- 
arbeiten zu einer zweiten Wasserwerksanlage für Dresden auf 
Tolkewitzer Flur auf dem linken Elbufer, welche er auf Einladung des 
Herrn Stadtrath Teucheram 16. November d. J. durch eigene Anschauung 
näher kennen gelernt hat (vergl. Abhandl. IX). 

Die hierauf vorgenommene Neuwahl der Beamten der Gesellschaft 
für das Jahr 1893 ergiebt das auf S. 38 zusammengestellte Resultat. 

Prof. Dr. O. Drude berichtet noch über Frithjof Nansen’s neu 
geplante Nordpolar-Expedition. 


37 


Neunte Sitzung am 22 . December 1892. Vorsitzender: Prof. Dr. 
K. Hohn. — Anwesend 29 Mitglieder. 

Prof. Dr. 0. Drude bringt eine Kapsel-tragende Baumwollenpflanze 
aus dem hiesigen K. Botanischen Garten zur Ansicht 

und hält einen Vortrag: „Neues über Reizerscheinungen im 
Pflanzenreich“. 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 

Am 29. Juli 1892 verschied Dr. Ottomar Noväk, Professor der 
Geologie und Palaeontologie an der K. Böhmischen Karl -Ferdinands -Uni- 
versität in Prag, correspondirendes Mitglied der „Isis“ seit 1882. 

Am 14. September 1892 starb im 47. Lebensjahre Civilingenieur Dr. 
Rudolf Proell in Dresden, wirkliches Mitglied seit 1878. 

Am 4. October 1892 starb in Dresden Privatus Hugo Schickert, 
wirkliches Mitglied seit 1868. 

Am 31. October 1892 verschied in Grosspriesen bei Aussig im 71. 
Lebensjahre der pensionirte Bergdirector Albin Castelli. Unserer Gesell- 
schaft gehörte der Verewigte seit 1877 als correspondirendes Mitglied an. 

Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: 

Stöhn, Gust., Gerichtsvollzieher in Dresden, am 27. October 1892. 


Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse 

zahlten: Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Oberlehrer Dr. Bachmann, Plauen 
i. V., 3 Mk. 50 Pf.; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwiss. Modelleur 
Blaschka, Hosterwitz, 3 Mk.; Ingenieur Carstens, Berlin, 3 Mk.; Docent 
Dr. Doss, Riga, 3 Mk.; Privatus Eisei, Gera, 3 Mk.; Oberlehrer F renk el, 
Pirna, 3 Mk.; Sanitätsrath Dr. Friederich, Wernigerode, 3 Mk.; Prof. Dr. 
Hibsch, Liebwerd, 3 Mk. ; Oberlehrer Dr. Köhler, Schneeberg, 3 Mk.; 
Apotheker Dr. Lange, Rinteln, 3 Mk. ; Oberlehrer Dr. Lohrmann, Schnee- 
berg, 3 Mk. 5 Pf.; Prof. Dr. Ludwig, Greiz, 3 Mk. 5 Pf.; Oberlehref 
Naumann, Bautzen, 3 Mk.; Stabsarzt Dr. Naumann, Gera, 3 Mk.; Prof. 
Dr. Nit sehe, Tharandt, 3 Mk. ; Rentier Osborne, München, 3 Mk. ; Dr. 
Reiche, Constitucion, Chile, 3 Mk. 5 Pf.; Dr. Reidemeister, Schönebeck, 
3 Mk.; Oberlehrer Seidel I, Zschopau, 3 M.; Oberlehrer Seidel II, Zscho- 
pau, 3 M.; Rittergutspachter Sieber, Grossgrabe, 3 M. 20 Pf.; Fabrik- 
besitzer Siemens, Dresden, 100 M. ; Oberlehrer Dr. Sterzei, Chemnitz, 
3 M.; Student Steuer, Strassburg i. E., 3 M.; Dr. Wohlfahrt, Freiberg, 
3 M.; Oberlehrer Wolff, Pirna, 3 Mk.; Oberlehrer Dr. Wünsche, Zwickau, 
3 Mk. — In Summa 184 Mk. 85 Pf. H. Warn atz. 


38 


Beamte der Isis im Jahre 1893 . 

Vorstand. 

Erster Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. 

Zweiter Vorsitzender: Dr. Fr. Raspe. 

Kassirer: Hofbuchhändler H. Warn atz. 

Directorium. 

Erster Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. 

Zweiter Vorsitzender: Dr. Fr. Raspe. 

Als Sectionsvorstände: Dr. J. Deichmüller, 

Prof. Dr. 0. Drude, 

Geh. Hofrath Prof. Dr. H. B. Geinitz 
Prof. Dr. M. Krause, 

Prof. Dr. B. Vetter, 

Prof. Dr. E. Zetzsch e. 

Erster Secretär: Dr. J. Deichmüller. 

Zweiter Secretär: Oberlehrer K. Vetters. 

V erwaltungsrath. 

Vorsitzender: Dr. Fr. Raspe. 

1. Privatus F. Illing, 

2. Privatus H. Putscher, 

3. Maler A. Flamant, 

4. Fabrikant E. Kühn scherf, 

5. Civilingenieur und Fabrikbesitzer Fr. Siemens, 

6. Geheimrath Prof. Dr. G. Zeuner. 

Kassirer: Hofbuchhändler H. Warnatz. 

Bibliothekar: Privatus K. Schiller. 

Secretär: Oberlehrer K. Vetters. 

Seetions- Beamte. 

I. Section für Zoologie. 

Vorstand: Prof Dr. B. Vetter. 

Stellvertreter: Institutsdirector Th. Reibisoh. 

Protokollant: Dr. J. Thiele. 

Stellvertreter: Institutsdirector A. Th tim er. 

II. Section für Botanik. 

Vorstand: Prof. Dr. 0. Drude. 

Stellvertreter: Oberlehrer A. Wobst. 

Protokollant: Dr. A. Naumann. 

Stellvertreter: Dr. B. Schorler. 

111. Section für Mineralogie und Geologie. 
Vorstand: Geh. Hofrath Dr. H. B. Geinitz. 

Stellvertreter: Oberlehrer H. Engelhardt. 

Protokollant: Lehrer A. Zipfel. 

Stell Vertreter: Lehrer L Meissner. 


39 


IV. Section für prähistorische Forschungen. 
Vorstand: Dr. J. Deichmüller. 

Stellvertreter: Lehrer H. Döring. 

Protokollant: Taubstummen lehrer 0. Ebert. 

Stellvertreter: Lehrer A. J ent sch. 

V. Section für Physik und Chemie. 
Vorstand: Prof. Dr. E. Zetzsch e. 

Stellvertreter: Privatdocent Dr. J. Freyberg. 

Protokollant: Dr. R. Blochmann. 

Stellvertreter: Oberlehrer Dr. 0. Schulze. 

VI. Section für Mathematik. 

Vorstand: Prof. Dr. M. Krause. \ 

Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting. 

Protokollant: Dr. R. Blochmann. 

Stellvertreter: Oberlehrer J. von Vieth. 


Redactions - Comite. 

Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des zweiten 
Vorsitzenden und des zweiten Secretärs. 


Bericht des Bibliothekars. 


Im Jahre 1892 wurde die Bibliothek der „Isis u durch folgende Zeit- 
schriften und Bücher vermehrt : 

A. Durch Tausch. 

I. Europa. 

1. Deutschland. 

Altenburg : Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. — Mittheil., n. 
F., 5. Bd. [Aa 69.] 

Annab er g - Buchholz : Verein für Naturkunde. 

Augsburg : Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. 
Bamberg : Naturforschende Gesellschaft. 

Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. 

Berlin : Deutsche geologische Gesellschaft — Zeitschr., Bd. 43, Hft. 3 und 4; 
Bd. 44, Hft. 1 und 2. [Da 17.] 

Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. — 
Verhandl., Juli 1891 bis Juni 1892. [G 55.] 

Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen Rheinlande, Westfalens 
und des Reg.-Bez. Osnabrück. — Verhandl., 48. Jhrg., 2. Hälfte; 
49. Jhrg., 1. Hälfte. [Aa 93.] 

Braunschweig: Verein für Naturwissenschaft. 

Bremen : Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XII, Hft. 2. [Aa 2.] 

2 


4U 


Breslau : Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 69. Jahresber., 

1891, mit einem Ergänzungshefte : Litteratur der Landes- und Volks- 
kunde der Provinz Schlesien. [Aa 46.] 

Chemnitz'. Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 

Chemnitz : K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Jahrbuch, IX. Jhrg., 
1. Hälfte. [Ec 57.] 

Danzig : Naturforschende Gesellschaft. — Festschrift zur Feier des 150-jähr. 

Bestehens der naturforsch. Gesellschaft am 2. Jan. 1893. [Aa 80.] 
Darmstadt : Verein für Erdkunde und mittelrheinischer geologischer Verein. — 
Notizblatt, 4. Folge, 12. Hft. [Fa 8.] 

Donaueschingen : Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und 
der angrenzenden Landestheile. 

Dresden : Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber., 1891 — 92. 
[Aa 47.] 

Dresden : K. mineralogisch-geologisches Museum. — Mitth., Hft. 11. [Db 51.] 
Dresden: K. zoologisches Museum. — Ornithologische Beobachtungsstationen 
im Königreich Sachsen, 6. Ber., 1890. [Bf 59.] 

Dresden : K öffentliche Bibliothek. 

Dresden: Verein für Erdkunde. 

Dresden : K. Sächsischer Alterthumsverein. — Neues Archiv für sächs. 

Geschichte und Alterthumskunde, Bd. XIII, Hft. 1 — 4. [G 75.] 
Dresden: Oekonoraische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittheil., 
1891—92. [Ha 9,] 

Dresden: K. thierärztliche Hochschule. — Bericht über das Veterinärwesen 
im Königreich Sachsen, 36. Jhrg. [Ha 26.] 

Dresden : K. Sächsische technische Hochschule. — Die Bibliothek der tech- 
nischen Hochschule Dresden im Jahre 1891. [Je 101. | 

Dürkheim. : Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“. — 
Festschrift zur 50-jährigen Stiftungsfeier 1892. [Aa 56.] 

Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 76. Jahresber., 1890 91. [Aa 48.] 

Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahresber., Hft. 17. 
[Aa 263.] 

Erlangen: Physikalisch- medicinische Societät. — Sitzungsber., 24. Hft. 

1892. [Aa 212.] 

Frankfurt a. M. : Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht 
für 1892. [Aa 9a.] 

Frankfurt a. M. : Physikalischer Verein. — Jahresber. für 1890 — 91. [Eb 35.] 
Frankfurt a. O. : Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks 
Frankfurt. — „Helios“, 10. Jhrg., Nr. 1 — 6. [Aa 282.] 

Freiburg i. Br. : Naturforschende Gesellschaft. 

Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. — Jahresber. 
für 1889-92 [Aa 49.] 

Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Bericht 28. 
[Aa 26.] 

Görlitz: Naturforschende Gesellschaft, 

Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Neues Lau- 
sitzisches Magazin, Bd. 67, Hft. 2; Bd. 68, Hft. 1. [Aa 64. | 

Görlitz : Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. 
— Jahresber., Hft. 2. [G 112.] 


41 


Greifswald : Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und 
Rügen. — Mittheil., 23. Jhrg., 1891. [Aa 68.] 

Greifswald : Geographische Gesellschaft. 

Güstrow : Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. — 
Archiv, 45 Jhrg. [Aa 14. | 

Halle a. S. : Naturforschende Gesellschaft. — Berichte über die Sitzungen 
1888-1891. [Aa 24.] 

Halle a. S. : Kais. Leopoldino-Carolinische deutsche Akademie. — Leopoldina, 
Hft. XXVII, Nr. 23—24; Hft. XXVIII, Nr. 1—20. [Aa 62.] 

Halle a. S.: Verein für Erdkunde. — Mittheil., Jhrg. 1891 — 92. [Fa 16.] 
Hamburg : Naturhistorisches Museum. — Jahrb., Jhrg. VIII — IX. [Aa276.] 
Hamburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Haynburg: Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. 

Hanau : Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde. 
Hannover : Naturhistorische Gesellschaft. — 40. und 41 Jahresber. [Aa 52.] 
Hannover : Geographische Gesellschaft. 

Heidelberg : Naturhistorisch-medicinischer Verein. — Verhandl., n. F., Bd. IV, 
Hft. '5. [Aa 90.] 

Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. - 
Kassel: Verein für Naturkunde. 

Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. 

Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. — Schriften, 
Bd. IX, 2. Hft. [Aa 189.] 

Königsberg i. Pr.: Physikalisch - ökonomische Gesellschaft. — Schriften, 
32. Jhrg., 1891. [Aa 81.] 

Königsberg i. Pr. : Altertums - Gesellschaft Prussia. — Sitzungsber., 
47. Vereinsjahr, 1891—92. [G 114.] 

Landshut : Botanischer Verein. — Bericht 12. [Ca 14.] 

Leipzig : Naturforschende Gesellschaft. 

Leipzig : K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über 
die Verhandl.; mathem.-physikal. Klasse, 1891, III — V; 1892, I — III. 
[Aa 296.] 

Leipzig: K. Sächsische geologische Landes Untersuchung. 

Lübben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. — 
Mittheil., Bd. II, Hft. 3-6. [G 102.] 

Lübeck : Geographische Gesellschaft und naturhistor. Museum. — Jahresber. 

für 1889 — 91. [Aa 279a.] — Mittheil., zweite Reihe, Hft. 1 — 3. [Aa 279b.] 
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg. 
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Jahresber. und Abhandl., 

' Jhrg. 1891. [Aa 173 ] 

Mannheim : Verein für Naturkunde. 

Marburg : Gesellschaft zur Beförderung der gesammten Naturwissenschaften. 
Meissen: „Isis“, Verein für Naturkunde. 

Münster: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. 
Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „Philo mathie“. 

Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber. für 1888, nebst 
Abhandl., VIII. Bd., Bg. 5 — 7. [Aa 5.] 

Offenbach: Verein für Naturkunde. — 29.-32. Ber„ 1887— 91. [Aa 27. | 
Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Passau: Naturhistorischer Verein. 


2 * 


42 


Regensburg : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Regensburg : K. Bayerische botanische Gesellschaft. — Mittheil., Hft. III, 
1890 — 91. [Aa 295.] 

Reichenbach i. V. : Vogtländischer Verein für Naturkunde. 

Reutlingen : Naturwissenschaftlicher Verein. — Bericht, 1883—89. [Aa309.] 
Schneeberg : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Stettin : Ornithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt. 
Geflügelzucht, Jhrg. XVI. [Bf 57 ] 

Stuttgart : Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres- 
hefte, Jhrg. 48. [Aa 60.] 

Stuttgart : Württembergischer Altertumsverein. — Württemberg. Viertel- 
jahreshefte für Landesgeschichte, n. F., 1. Jhrg., Hft. 1 — 2. [G 70.] 
Tharand : Bedaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land- 
wirthsch. Versuchsstationen, Bd. XL, Hft. 2 — 6; Bd. XLI, Hft. 1—4. 
[Ha 20.] 

Thorn: Coppernicus - Verein für Wissenschaft und Kunst — Mittheil., 
Hft. VII. [Aa 145.] 

Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. — Jahreshefte, 
4. Jhrg. [Aa 299.] 

Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. — 
Mitteil., Hft. 3. [G 70.] 

Weimar : Thüringischer botanischer Verein. — Mittheil., n. F., 2. Hft. 
[Ca 23.] 

Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. — Schriften, VI. 
Bd., 1891. [Aa 289.] 

Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jhrg. 45. 
[Aa 43.] 

Würzbur q : Physikalisch - medicinische Gesellschaft. — Sitz ungsber., Jhrg. 
1891. [Aa 85.] 

Zwickau: Verein für Naturkunde. — Jahresber. 1891. [Aa 179.] 

2. Oesterreich-Ungarn. 

Ristritz : Gewerbeschule. 

Rrünn: Naturforschender Verein. — Verhandl., Bd. XXIX, und 9. Ber. 

der meteorol. Commission 1889. [Aa 87.] 

Budapest : Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtani Közlöny, XXL 
köt., 12. füz.; XXII. köt., 1 — 10. fiiz. [Da 25.] 

Budapest : K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische 
Akademie der Wissenschaften. — Mathemat. und naturwissenschaftl. 
Berichte, Bd. 8 und 9. [Ea 37.] 

Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. 

Hermannstadt: Siebenbürgischer Verein für Naturwissenschaften. — V erhandl. 
und Mittheil., XLI. Jhrg. [Aa 94.] 

Iglo: Ungarischer Karpathen - Verein. — Jahrbuch, XIX. Jhrg., 1892. 
[Aa 198.] 

Innsbruck : N aturwissenschaftlich-medicinisch er Verein. 

Klagenfurt: Naturhistorisches Landes-Museum für Kärnthen. — Jahresber. 
für 1891. [Aa 42.] 

Krakau: Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger 1891, Nr. 10; 1892. 
Nr. 1-9. [Aa 302.] 


43 


Laibach : Musealverein für Krain. 

Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. 

Linz : Museum Francisco-Carolinum. — 50. Bericht nebst der 44. Lieferung 
der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.] 
Prag : Naturwissenschaftlicher Verein „Lotos“. — Jahrb. für Naturwiss., 
n. F., Bd. XII. [Aa 63.] 

Prag : K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber., 
mathem.-naturw. Cl„ 1891. [Aa 269.] — Jahresber. für 1891. [Aa 270.] 
— Abhandl., VII. Folge, Bd. 4. [Aa 271.] 

Prag : Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Pamätky 
Archaeologicke, dilu XV, ses. 4 — 8. [G 71.] 

Prag : Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. — Jahresber. für 
'1891. [Ja 70.] 

Pressburg: Verein für Natur- und Heilkunde. — Verhandl., n. F., Hft. 7. 
[Aa 92.] 

Reichenberg : Verein der Naturfreunde. — Mittheil., Jhrg. 23. [Aa 70.] 
Salzburg : Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheil., XXXI. Bd. 
[Aa 71.] 

Temesvdr : Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes- 
zettudoraänyi Füzetek, XV. köt., 3 — 4. füz.; XVI. köt. [Aa 216.] 
Trencsin : Naturwissenschaftliche Gesellschaft für das Trencsiner Comitat. 
Triest : Museo civico di storia naturale. 

Triest: Societä Adriatica di scienze naturali. — Bolletino, Vol. XIII, p. 
1—2. [Aa 201.] 

Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, Jhrg. 1891, Nr. 

25-27; 1892, Nr. 1-18. [Aa 11.] 

Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. — Bd. 
XXXI. [Aa 82.] 

Wien : K. K. naturhistorisches Hofmuseum. — Annalen, Bd. VI, Nr. 3 
und 4; Bd. VII, Nr. 1—3. [Aa 280.] 

Wien : Anthropologische Gesellschaft. — Mittheil., Bd. XXI, Hft. 4—6; 
Bd. XXII, Hft. 1-5. [Bd 1.] 

Wien : K. K. geologische Reichsanstalt. — Abhandl., Bd. XVI, Hft. 2. — 
Verhandl., 1891, Nr. 15—18; 1892, Nr. 1—10. [Da 16.] — Jhrb., 
Bd. 42, Hft. 1. [Da 4.] 

Wien : K. K. geographische Gesellschaft. — Mittheil., XXXIV. Bd. (n. F. 
XXIV. Bd.) [Fa 7.] 

Wien: K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XXXIV 
bis XLI; Bd. XLII, 1. — 3. Quartal. [Aa 95.] 

3. Rumänien. 

Bukarest: Institut meteorologique de Roumanie. — Annales, tome V, 
1889. [Ec 75.] 

4. Schweiz. 

Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. 9, Hft. 2. [Aa 86.] 
Bern: Naturforschende Gesellschaft. — Mittheil, 1891, Nr. 1265—78. 
[Aa 254.] 

Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. — Verhandl. der 74. 
Jahresversamml. zu Freiburg, 1891. [Aa 255.] 


44 


Chur : Naturforschende Gesellschaft Graubündcns. — Jahresber., n. F., 
Jhrg. XXXY. [Aa 51.] 

Frauenfeld : Thurgauische naturforschende Gesellschaft. — Mittheil., Hft. 10. 
[Aa 261.] 

Freiburg : Society Fri bourgeoise des Sciences naturelles. 

St. Gallen : Naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1889 — 90. [Aa 23.] 
Lausanne : Societe Yaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 3. ser., 
yoI. XXVII, no. 105; vol. XXYIII, no. 106-108. [Aa 248.] 
Neuchat el : Societe des Sciences naturelles. 

Schaff hausen : Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mitth., Yol. 
YIII, Hft. 9. [Bk 222.] 

Sion : La Murithienne, societe Yalaisanne des Sciences naturelles. — Bulletin, 
fase. XIX— XX. [Ca 13.] 

Zürich : Naturforschende Gesellschaft. — Vierteljahrsschr., Jhrg. 36, Hft. 2 — 4; 

Jhrg. 37, Hft. 1—2, mit Generalregister zu Jhrg. 1 — 36. [Aa 96.] 
Zürich: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte 1891, Heft 1 
und 2. [Ca 24.] 

5. Frankreich. 

Amiens : Societe Linneenne du nord de la France. 

Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. 

Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. — 
Memoires, tome XXYII. [Aa 137.] 

Courrensan: Societe Franqaise de botanique. — Revue de botanique. 

Bulletin mensuel, tome IX, no. 103 — 1 06. [Ca 18.] 

Dijon: Academie des Sciences, arts et belles lettres. — Memoires, 4. ser., 
tome 2. [Aa 138.] 

Le Mans: Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin, 
tome XXY, fase. 2 —3. [Aa 221.] 

Jjyon: Societe Linneenne. 

Lyon: Societe d’argriculture, d'histoire naturelle et des arts utiles. 

Lyon: Academie nationale des Sciences, belles lettres et arts. 

Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin pour l’annee 1889, tome 
XYI, no. 5, 7, 9 und 10; tome XVII, no. 1, 5 und 6. [Ba 24.] 

6. Belgien. 

Brüssel: Societe malacozoologique de Belgique. 

Brüssel: Societe entomologique de Belgique. 

Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. 

Gembloux: Station agronomique de l’etat. — Bulletin, no. 50 und 51. [Hb 75.] 
Lüttich: Societe geologique de Belgique. 

7. Holland. 

Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“. — Botanisch Jaarboek, 
4. Jhrg., 1892. [Ca 21.] 

Groningen: Naturkundig Genootschap. — 90. und 91. Yerslag over 1890 
und 1891. [Je 80.] 

Hartem: Musee Teyler. — Arcbives, ser. 2, tome 111, part. 7. [Aa 217.] 
Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises, tome 
XXY, livr. 5; tome XXVI, Jivr. 1—3. [Aa 257.] 


45 


8. Luxemburg, 

Luxemburg: Societe de botanique. 

Luxemburg : Institut royal grand-ducal. — Publications, tomeXXl. [Aa l 44.] 
Luxemburg : Observations meteorologiques faites ä Luxemburg de 1884—88, 
5. vo'l. [Ec 72.] 

9. Italien. 

Brescia : Ateneo. 

Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. IV, vol. 

8 und 4. — Bullettino mensile, fase. XXIII — XXIX. [Aa 149.] 
Florenz: R. Instituto. 

Florenz: Societä entomologica Italiana. — Bullettino, anno XXIII, 1891, 
anno XXIV, trim. 1-2. [Bk 193.] 

Mailand: Societä Italiana di scienze naturali. — Atti, vol. XXX, no 
1—2. [Aa 150.] 

Mailand: R. Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Rendiconti, ser. 2, 
vol. XXIV. [Aa 161.] — Memorie, vol. XVI, fase. 3; vol. XVII, 
fase. 1. [Aa 167.] 

Modena: Societä dei naturalisti. — Atti, ser. 3, vol. X, fase. 2; vol. XI. 
[Aa 148.] 

Padua: Societä Veneto -Trentin a di scienze naturali. — Bullettino, tomo 
V, no. 2. [Aa 193 b.] 

Parma: Redazione dell Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino, 
ser. II, anno XVII, no. 8 — 12; anno XVIII, no. 1 — 8. [G 54.] 
Pisa: Societä Toscana di scienze naturali. — Memorie, vol. VI, fase. 3 — . 

Processi verbali, vol. VIII (bis 3. VII. 92.) [Aa 209.] 

Born: Accademia dei Lincei. — Atti, rendiconti, ser. 5, vol. I, sem. 1; 
sem. 2, fase. 1 — 10. — Rendiconto delTadunanza solenne dei 5. VI. 
92. [Aa 226.] 

Pom: R. Comitato geologico dTtalia. — Bollettino, 1891, no. 4; 1892, 
1 — 2. trim. [Da 3.] 

j Rom: Redazione delle Rassegna delle scienze geologiche in Italia. — 
Rassegna, anno 1; anno II, fase. 1—2. [De 220.] 

Turin: Societä meteorologica Italiana. — Bollettino mensuale, ser. II, vol. XI, 
no. 12; vol. XII, no. 1 — 11. [Ec 2.] 

Venedig: R. Instituto Veneto di scienze, lettere e arti 
Verona: Accademia d’agricoltura, arti e commercio. — Memorie, ser. III^ 
vol. LXVII, no. 1-2. [Ha 14.] 

10. Grossbritannien und Irland. 

Dublin : Royal geological society of Irland. 

Fdinburg: Scottish meteorological society. — Journal, 3 ser., no. VIII. [Ec 3.] 
Glasgow: Natural history society. — Proceedings and transactions, vol. III, 
p. 2. [Aa 244. ] 

Glasgow: Geological society. 

Manchester: Geological society. — Transactions, vol XXI, p. 12 — 20; 
vol. XXII, p. 1—2. [Da 20.] 

Newcastle-upon-Tyne: Tyneside naturalists field club, und: Natural history 
society of Northumberland , Durham and Newcastle-upon-Tyne. — 
Transactions, vol. XI, p. 1. [Aa 126.] 


46 


11. Schweden, Norwegen. 

Bergen : Museum. — Aarsberetning for 1890. [Aa 294,] 

Christiania : Universität. — Den Norske Nordhavs-Expedition 1876 — 78, 
Bd. XXI, Zoologi: Crinoida, Echinida ved Danielssen. [Aa 251.] 

Christiania : Foreningen til Norske fortidsmindesmerkers bevaring. — Aars- 
beretning for 1890. [G- 2.] — Kunst og haandverk fra Norges fortid, 

Hft. 10; Supplement III. [G 81.] 

Stockholm : Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 12, 
Nr. 1-4. [Bk 12.] 

Tromsoe : Museum. — Aarshefter, XIY. [Aa 243.] 

12. Russland. 

E katharinenhur g : Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. — 
Bulletin, tome XIII, livr. 1. [Aa 259.] 

Helsingfors: Societas pro fauna et flora fennica. — Herbarium musei fenici. 
[Cd 110.] 

Kharkow: Societö des naturalistes ä l’universite imperiale. 

Kiew: Societe des naturalistes. — Memoires, tome X, livr. 3 — 4; tome XI, 
livr. 1 — 2. [Aa 298.] 

Moskau : Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, annee 1891, no. 
2-4; 1892 no. 1—2. [Aa 134] 

Odessa : Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie. — Memoires, tome 
XYI; tome XXYII, p. 1. [Aa 256.] 

Petersburg : Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, T. XI, 
fase. 2; T. XII, fase. 1. [Ca 10.] 

Petersburg : Comite gdologique. — Bulletins, vol. IX, no. 9 und 10; vol. 
X, no. 1— 9; vol. XI, no. 1 — 4. [Da 23.] — Memoires, vol. XI, no. 2; 
vol. XIII, no. 1. [Da 24.] 

Petersburg : Physikalisches Centralobservatorium. — Annalen, Jhrg. 1890, 
Th. 2. [Ec 7.] 

Riga: Naturforscher- Yerein. — Correspondenzblatt, Nr. XXXY. [Aa 34.] 


II. Amerika. 

1. Nord-Amerika. 

(Canada, Yereinigte Staaten, Mexiko.) 

Albany: New York state museum of natural history. 

Baltimore: John Hopkins university. — University circulars, vol. X, no. 
94- 96; vol. XI, no. 97 — 100; vol. XII, no 101. [Aa 278.] — Amer. 
journal of mathematics, vol. XIY, no. 1. [Ea 38.] — Amer. Chemical 
journal, vol. XIII, no. 7 — 8; vol. XIY, no. 1. [Ed 60.] — Studies 
in hi stör, and politic. science, 9. ser., no. IX— XII; 10. ser., no. I — III. 
[Fb 125 ] — Amer. journal of philology, vol. XII, no. 2 — 3. [Ja 64.] 
Boston: Society of natural history. — Proceedings, vol. XXY, p. II. [Aa 111.] 
Boston: American academy of arts and Sciences. — Proceedings,* new ser., 
vol. XYIII. [Aa 170.] 

Buffalo: Society of natural Sciences. — Bulletin, vol. Y, no. 3. [Aa 185.] 
Cambridge: Museum of comparative zoology. — Annual report for 1890 — 
1891. — Bulletin, vol. XXII; vol. XXIII, no. 1 — 3. [Ba 14.] 


Bavenport : Academy of natural Sciences. Sny ; ' v, 

Halifax v, Nova Scotian Institute of natural Science. —- Proceedings and 
transactionsy 2. ser*, vol. I, p. 1. [Aa 304.] . — : • .• A 

Madison: Wisconsin Academy of Sciences, arts and letters. — Transactions, 
vol. VIII, 1888 -91.. [Aa 206.] : 

Mexiko : Sociedad cientifica „Antonio Alzate“. — Memorias, tomo Y; tomo 
YI, cuad; 1— 2, [Aa 291] y. 

Milwaukee : Wisconsin natural history society. 

Montreal : Natural history society. — Canadian record of Science, vol. 1Y, 
no. 8; vol. Y, no. 2 — 3. [Aa 109.] 

New-Haven : Connecticut academy of arts and Sciences. - 
New- York: 1 Academy of Sciences. — Annals, vol. Y, extra no. 1-f— 3; vol. 
YI, no. 1- 6. [Aa 101. | — Transactions, vol. X, no. 2—8; vol. XI, 
no. 1--5. [Aa 258.] 

New-York : American museum of natural history. .... 

Philadelphia : Academy of natural Sciences. — Proceedings, 1891, p. III; 
1892, p. I [Aa 117.] 

Philadelphia : American philosophical society. — Proceedings, vol. XXIX, 
no. 136; vol. XXX, no. 137—138. [Aa 283.] 

Philadelphia : Wagner free institute of Science. 

Philadelphia : Zoological society. — Annual report 20. [Ba 22.] 
Pochester : Academy of Science. — Proceedings, vol. I, broch. 1 — 2. [Aa 312..] 
Pochester : Geological society of America. — Bulletin, vol. I — II. [Da 28.] 
Salem: Essex Institute. — Bulletin, vol 21, no. 7 — 12; vol. 22, no. 1 — 12. 

[Aa 163.] ' ' , 

Salem: Peabody academy of Science. y .y; y 

San Francisco : California academy of Science. — Proceedings, 2. ser., vol. 
III, p. 1. [Aa 112.]- : . ' . - 

St. Louis: Academy of Science. — Transactions, vol. Y, no. 3— 4; vol. YI, 
no. 1. [Aa 125.] . : 

Topeka: Kansas academy of Science. , y , 

Toronto: Canadian institute. — Transactions, vol. I — II. [Aa 222b.] \ 

Washington: Smithsonian institution. — Annual report,. 1889 ^ july 1890. 
[Aa 120.] - Catalogue of prehistoric works east of tbe Rocky Mountain s^ 
Omaha- and Ponke-letters ; bibliography of the Algonquian languages 
[Aa 120b.] — Report of the Nation al-museum, ending YI, 1889. [Aa 120c.] 
Washington: United States geological survey. — X. annual report, 1888 
to 1889. [De 120a.] — Bulletin, no. 62—65, 67—81. — Mineral 
resources of the United-States, 1889—90. [Db 81.] V 

Washington: Bureau of education. -• Report of the Commission of edu* 
cation for the year 4 888 — 89. [Je 103.] — Circulars of inform ation^ 
1891, no. 2, 4, 8, 9. [Je 104.] yf r y ; y 

2, Süd- Amerika. 

(Argentinien, Brasilien, Chile, Costarica.) , , 

Buenos- Air es: Museo nacionah — - Anales, entr. XYIII. [Aa 147] 

Buenos- Aires : Sociedad cientifica Argen tina. — Anales, tomo XXXII, entr 
4 — 6: tomo XXXIII; tomo XXXIY, entr. 1. [Aa 280.1 
Cordoha: Academia nacional de ciencias. : ; 1 : s r\ 

Pio de Janeiro: Museo nacional. . , y 


48 


San Jose : Museo national del repüblica de Costa Rica. 

Säo Paulo : Commissäo geographica e geologica da provincia de S. Paulo. 
La Plaia : Museum. — Sur la fondation et son developpement. — Revista, 
tomo I; tomo II, entr. 1—2. [Aa 308.] 

La Plata : Redaction der Revista argentina de historia natural. — Revista 
argent., 1891, tomo I, entr. 1 — 6. [Aa 307.] 

Santiago de Chile : Deutscher wissenschaftlicher Verein. — Verhandl., Bd. 
II, Heft 4. [Aa 286.] 


511. Asien. 

Batavia : K. natuurkundige Vereeniging. — Natuurk. Tijdschrift voor Neder- 
landsch Indie, Deel 51. [Aa 250.] 

Calcutta : Geological survey of India. — Records, vol. XXIV, p. 4; vol. 
XXV, p. 1 — 3. [Da 11.] — Memoirs, vol. XXIII. [Da 8.] — Palae- 
ontologia Indica, ser. XIII, vol. IV, p. 2. [Da 9.] 

Tokio\ Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens — 
Mittheil., Bd. V, Heft 47—50, und Supplem. 2 — 3 zu Bd. V. [Aa 187.] 


IV. Australien. 

Melbourne : Mining department of Victoria. — Reports and statistics for 
the quarder ended 30. sept 1891. — Annual report of the secretary 
for mines, 1891. [Da 21.] 


B. Durch Geschenke. 

Ardissone, Fr.: L’organismo vivente. 1892. [Ab 81.] 

Averill, C. K. von: List of birds found in the vincinity of Bridgeport, 
Connecticut. 1892. [Bf 64.] 

Boettger, 0.: Katalog der Batrachier- Sammlung im Museum der Sencken- 
bergischen naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt. 1892. [Bg 28.] 
Brower: The source of the Mississippiriver. [Fb 131.] 

Brusina, Sp. : Fauna fossile terziaria Markusevec. in Croazia. 1892. 
[Dd 82b] 

Conwentz , H.: Die Eibe in Westpreussen. [Cd 106.] 

Conwentz, C.: Untersuchungen über fossile Hölzer Schwedens. 1892. 
[Dd 136b.] 

Conwentz, C. : Geographische Verbreitung von Trapa natans. Sep. [Cd 109.] 
Credner, H.: Die geologischen Verhältnisse der Stadt Leipzig. Sep. 1891. 
[De 137 e] 

c Credner, 1L : Die geologische Stellung der Klinger Schichten. Sep. 1892. 
[De 137 f.] 

Bathe, E.: Zur Frage der Discordanz zwischen Culm und WaJdenburger 
Schichten im Waldenburger Becken. Sep. 1892. [De 196 d.] 

Bathe, E.: Strahlsteinschiefer in der Gneissformation des Eulengebirges. 
Sep. 1892. [De 19ße.] 

Bathe, E.: Geologische Beschreibung der Umgebung von Salzbrunn. 1892. 
[De 196 f.] 


49 


Deichmüller , J. V.: Vorgeschichtliche Funde bei Nerchau - Trebsen in 
Sachsen. 1892. [G 119.] 

Doss, B. : Ueber den Meteoriten von Misshof in Kurland, und die Ursachen 
der Schallphaenomene bei Meteoritenfällen im Allgemeinen. Sep. 1892. 
[Db 89 c.] 

Doss, B. : Ueber eine zufällige Bildung von Pseudobrookit, Hämatit und 
Anhydrit als Sublimationsproducte. Sep. 1892. [Db 89 d.] 

Drude , Ö. : Nekrolog von A. Schenk. Sep. 1891. [Jb 70.] 

Engelhardt, H.: Ueber böhmische Kreidepflanzen. Sep. 1892. [Dd 94k.] 
Fawcett, W.: Economic plants in Jamaica (Geschenk des Herrn Blaschka). 
[Cd 107.] 

Galle, J. G. : Bericht über die Thätigkeit der geographischen Gesellschaft 
zu Breslau im Jahre 1891. [Ea 29e.] 

Gaea : Natur und Leben. Jhrg. 28, Nr. 2 — 12. [Aa 41.] 

Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz : Ueber Berg und Thal, Nr. 166 
bis 178. [Fa 19.] 

Geinitz. E.: Mittheilungen aus der Grossherz. Mecklenburgischen geologischen 
Landesanstalt. I. Brunnenbohrungen. Sep. 1892. [De 217.] 

Gümbel, W. von : Geologische Bemerkungen über die warme Quelle des 
Brennerbades. Sep. 1892. [De 168 b.] 

Hermite : Geologie. Explication de l’epoque quaternaire sans hypotheses. 
1891. [De 216.] 

Hibsch, J. E.: Kurze Uebersicht des allgemeinen geologischen Aufbaues 
des böhmischen Mittelgebirges. Sep. 1892. [De 188 d.] 

Hibsch, J. E.\ Die Insel älteren Gebirges und ihre nächste Umgebung 
im Elbthale. nördlich von Tetschen. Sep. 1891. [De 188e.] 

Jentzsch, A.: Höhenschichtenkarte von Ost- und Westpreussen. 3 Blatt. 
[De 114 s;] 

Jentzsch, A.: Geologische Grundlagen des Bodens von Ost- und West- 
preussen. Sep. 1892. [De 114 t.] 

Kap ff, B. : Deutsche Vornamen mit den von ihnen abstammenden Geschlechts- 
namen. 1889. [Ja 74.] 

Kloes : Ueber die geologischen Verhältnisse des Untergrundes der Städte 
Braunschweig und Wolfenbüttel. Vortrag. 1891. [De 218.] 

Koenen, C.\ Zum Verständniss der Auffindung fossiler Säugetier- und 
Menschenreste im Neanderthal. Sep. 1892. [Da 139.] 

Koenen, C.: Aufdeckung einer vorgeschichtlichen Niederlassung und eines 
fränkischen Gräberfeldes in Meckenheim. Sep. 1892. [G 121a.j 
Koenen, C.: Aufdeckung eines römischen Castells bei Westhausen am 
Niederrhein. Sep. 1892. [G 121b.] 

Lallement, G. A.: El Paramillo de Uspallata. 1890. [Db 92.] 

Liebe, Th.: Vogelschutz im Walde. Sep. 1892. [Bf 55k.] 

Liebe, Th.: Mandelkrähen im Nistkasten. Sep. 1892. [Bf 551.] 

Liebe, Th.: Ferneres über die Gilbdrossel. Sep. 1891. [Bf 55m.] 

Liebe, Th.: Bei Schnabelmissbildung noch gute Gesundheit. Sep. 1892. 
[Bf 95n.| 

Liebe, Th.: Der Schwarzspecht und die Culturen. Sep. 1892. [Bf 55 o.] 
Louis, St. : Missouri botanical garden. — Third annual report. 1892. [Cd 108.] 
Louis , St.: Academy of Science. — The total eclipse of the sun, Januarv 
1, 1889. [Ea *41.] 


50 


Liibbock, John: A contribution to our knowledge of seedlings. 1892. [Cc63.] 
Minneapolis : Minnesota academy of natural Sciences. — Bulletin, vol. III. 
[Aa 306. j 

Ornboni, G. : Brutto fossile di Pino. Sep. 1892. [Dd 126c.] 

Ottawa : Docurnents relatifs ä Punification de l’heure. Sep. 1891. [Ec 79.] 
Petengi,. J. S. von : 0. Hermann, ein Lebensbild. [Jb 71.] 

Petermann et Graftiau: Recherches sur la composition de Patmosphere. 
P. 1. [Ed 66] 

Petermann, A : Contribution ä la question dePAzote. 2. Note, 1892. [Hb 75.] 
Petersburg : Russ. Kais, minera log. Gesellschaft. — Verhandle 2. Ser., Bd. 28. 
[Ha 29.] 

Pungur Gyula: Histoire naturelle des Gryllides de Horigrie (Ungarisch 
mit französischem Auszug). 1891. [Bk 238.] 

Raleigh: Elisha Mitchell scientific society. — Journal, vol. VII, p. 2; 
; ■ vol. VIII. [Aa 300.] 

Eeusch, H.: Bomeloen ogKarmoen med omgirelser geologisk beskrevne 1888. 
[De 219.] 

Eomanes, G. J.: Darwin und nach Darwin. Bd. 1. (Geschenk des Herrn 
Prof. Vetter.) [Bd 33.] 

Eomanowsky , G. D.: Der palaeontologische Charakter der sedimentären 
Gesteine Tjan-Schan’s und der Turan’schen Ebene. [De 166 ] 
Rostock, M.: Capnodes Schilleri, eine neue deutsche Perlide. Sep. 1892. 
[Bk 237.] 

Sandberger, F. von : Geologische Skizze der Umgebung von Würzburg. 
[De 209 b.] 

Schneider, 0.: Der aegypti sehe Smaragd. 1892. [G 120.] 

Schuhe., E. : Eauna Saxö-Thuringica. Amphibia. Sep. 1891. [Bg 27 b.] 
Stossich, M.\ I distomi dei Mammiferi. Sep. 1892. [Bm 54m.] 

Stossich, M. : I distomi degli Uccelli. Sep. 1892. [Bm 54n.] 

Stossich, M.: Helminti veneti. N. S. Sep. 1892. [Bm 54f.] 

Semran, A.\ Die Grabdenkmäler der Marienkirche zu Thor n. [G 122.] 
Thiele, J.: Die Stammesverwandschaft der Mollusken. Sep. 1890. [Bi 88a.] 
Thiele, J : Ueber Sinnesorgane der Seitenlinie und das Nervensystem von 
Mollusken. Sep. 1890. [Bi 88 b.] 

Toronto: The' benefactors of ' the university of Toronto. 1892, [Je 114.] 
Valle di Pompei: II rosario e la nuova Pompei. — Anno VIII, Nr. 11 — 
anno IX, Nr. 10. [Ja 71.] 

Wien: K. K. naturhistorisches Hofmuseum. — Franz v. Hauer’s 70. Ge- 
burtstag. Sep. 1892. [Jb 69.] 

Ausserdem sind uns durch die Güte des Kgl. Landes-Medicinalcollegiums 
eine Anzahl älterer Werke von der aufgelösten „mineralogischen Gesell- 
schaft in Dresden“ zugewiesen worden, über die ein besonderes Ver- 
zeichniss vorhanden ist. 


C. Durch Kauf. 

Abhandlungen, herausgegeben von der Senckenbergischen naturforschenden 
Gesellschaft zu Frankfurt a. M., Bd. XVII; Bd. XVIII, Heft 1. [Aa 9.] 
Annals .and magazine of natural history, ser. 6, no. 48 — ^60. [Aa 102.] 
Antiqua, Jahrg. IX, Nr. 8 — 12; Jahrg. X, Heft 1, 2. [G 91. J 


51 


Anzeiger für Schweizer Alterthüraer, Jahrg. XXV. [G- 1.] 

Anzeiger, zoologischer, Jahrg. XV. [Ba 21.] 

Archiv für Pharmacie, Bd. 229, Heft 8, 9. [H 1.] 

Bronris KJassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. II, Abth. 2, Lief. 
6 — 8 (Coelenterata); Abth. 3, Lief. 15, 16 (Echinodermata) ; Bd. III, 
Lief. 1, 2 (Mollusca); Bd. IV, Lief. 18 — 23 (Vermes); Bd. V, Abth. 2, 
Lief. 32 - 34 (Crustacea); Bd. VI, Abth. 5, Lief. 37—39 (Mammalia). 
[Bb 54.] 

Iledwigia, Bd. 30, Nr. 6; Bd. 31, Nr. 1, 2. (Ca 2.] 

Jahrbuch des Schweizer Alpenclubs, Jahrg. 27. (Fa 5.] 

Jahrbücher für wissenschaftliche Botanik, Bd. 23. Nr. 4; Bd. 24, Nr. 1, 2. 
[Ca 3.] 

Monatsschrift, deutsche botanische, Jahrg. 9, Nr. 10-12; Jahrg. 10, Nr. 
1—8. [Ca 22.] 

Nachrichten, entomologische, Jahrg 8. | Bk 235.] (Vom Isis-Lesezirkel.) 
Natur, (Halle), Jahrg 41. |Aa 76.] (Vom Isis-Lesezirkel.) 

Nature, vol. 46 und 47 (no. 1155 — 1206). [Aa 107.] 

Palaeontographical society, vol. XLIII und XLIV. [Da 10.] 

Prähistorische Blätter, Jahrg. IV. [G 112.] 

Wochenschrift, naturwissenschaftliche, Bd. VII. [Aa 311.] (Vom Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, Bd. 64, Nr. 4 — 6; Bd. 
65, Nr. 1—3. [Aa 98.] 

Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 9, Nr. 12; Bd. 10. [Ec 66.] 

Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. VIII, Nr. 3, 4; Bd. IX, 
Nr. 1, 2. [Ee 16.] 

Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie, Bd. 53, Nr. 3, 4 und Supplem.; 

Bd. 54; Bd. 55, Nr. 1—6. [Ba 10.] 

Zeitschrift, Oesterreichische botanische, Jahrg. 42. [Ca 8.] 

Zeitung, botanische, Jahrg. 50. [Ca 9.] 

Geschlossen am 28. December 1892. 

C. Schiller, 
Bibliothekar der „Isis”. 


Zu bequemerer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für Mitglieder der 
Isis ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährl. Beitrag von 
3 M. können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung zu Hause 
gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Bibliothekar entgegen. 






Abhandlungen 

der 

naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden, 


1892 













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I. Bericht über die neue Aufstellung in dem Königl. 
Mineralogischen Museum zu Dresden. 

Yon Dr. H. B. Geinitz, Director. 


Es ist unserem letzten Jahresberichte schon entnommen worden, dass 
das Jahr 1891 für das Königliche Mineralogische Museum ein erinnerungs- 
reiches bleiben werde, da eine gänzliche Umgestaltung und neue Auf- 
stellung der geologischen und prähistorischen Sammlungen darin durchge- 
führt worden ist. 

Durch Ueberweisung des Wallpavillons und einer Bogengalerie zu 
den bisherigen überfüllten Räumen war eine Möglichkeit zur Ausbreitung 
und instructiveren Aufstellung der naturwissenschaftlichen Schätze ge- 
geben, und selbst ein lang entbehrtes grösseres Arbeitszimmer hat sich noch 
glücklich anschliessen lassen. 

Jetzt ist in dem Wallpavillon eine stattliche prähistorische Sammlung 
aufgestellt, welche zumeist unserem vaterländischen sächsischen Boden 
entstammt und ein neuer Anziehungspunkt für Dresden geworden ist. 

Die durch Wendeltreppen damit verbundenen Bogengalerien haben 
die geologischen Sammlungen in der Weise aufgenommen, dass beide 
Zweige derselben je einen idealen Durchschnitt der Erde darstellen, deren 
unterste oder älteste Gesteine an den Wallpavillon angrenzen, während 
sich die jüngeren Ablagerungen weiter und weiter davon entfernen. Die 
bisherige Bogengalerie K enthält, wie früher, die sedimentären Ablagerungen 
der Erdrinde mit ihren organischen Ueberresten oder Versteinerungen und 
ist demnach eine geologisch-paläontologische oder historisch-geo- 
logische Sammlung, welche mit der Glacialzeit oder dem Diluvium, den 
Torfmooren und anderen jungen geologischen Gebilden ihren Abschluss 
erreicht, oder auch bei dem Eintritte von der mineralogischen Sammlung 
aus ihren Anfarg nimmt. 

Hier haben, wie früher, neben den Resten von ausgestorbenen oder 
zurückgedrängten Thieren auch die gleich alterigen Reste der frühesten 
Menschen und deren Kunstproducte aus der älteren und zum Theil auch 
der jüngeren Steinzeit den gebührenden Platz behalten müssen. Die geo- 
logische Sammlung schliesst aber ab mit dem Auftreten der Bronce, des 
Eisens, der Urnen und anderer irdenen Geräthe, welche das Hauptmaterial 
für die prähistorische Sammlung in dem Wallpavillon geliefert haben. 

Der in der neuen Bogengalerie L sich hinziehende Zweig der geologischen 
Abtheilung ist eine Sammlung von Gebirgsarten, welche gleichfalls ihrem 
Alter und ihrer Entstehung nach geordnet ist, dabei aber hinreichend 


Ges . Isis in Dresden, 1892. — Abli. 1. 


4 


Gelegenheit bietet, den petrographischen Charakter ihrer Bestandteile und 
technischen Werth zu beurteilen. Hier wurden die geschichteten Ge- 
birgsarten, von dem alten Gneisse an aufwärts, an den Seiten des Saales 
aufgestellt, dagegen die massigen, sogenannten eruptiven Gesteine, welche 
die ersteren zu verschiedenen Zeiten durchbrochen haben, von dem alten 
Granit an aufwärts, längs der Mitte des Saales. 

Hie unter dem mathematischen Salon befindlichen Räume wurden 
am 19. Mai dem Publikum wieder zugänglich gemacht, was für die sich 
anschliessende Bogengalerie K erst am 3. August erreicht werden konnte. 

Hie Räume des WalJpavillons und der neuen Bogengalerie L sind für 
das grössere Publikum bis jetzt noch geschlossen geblieben, doch steht ihrer 
Eröffnung nichts Wesentliches mehr entgegen. 

Hie mineralogische Abtheilung des Museums ist von grösseren Ver- 
änderungen jetzt unbehelligt geblieben, nur hat sie im Anschluss an 
ihren bisherigen Raum noch einen kleinen Zuwachs erhalten, welcher für 
KrystaJlmodelle und für Erzgänge benutzt werden konnte. Auch dem lang- 
gefühlten Bedürfniss nach einem kleinen Laboratorium ist durch Ent- 
fernung einer unbenutzten Freitreppe abgeholfen worden. 

Hen Mitgliedern unserer Gesellschaft Isis gegenüber mögen hier noch 
einige Mittheilungen über die Art der Durchführung der jetzigen Auf- 
stellung folgen. 

Hiese ganze Umgestaltung hat noth wendiger Weise mit der Her- 
stellung der neuen und alten Räume des Museums durch Maurer, Zimmer- 
leute, Maler, Anstreicher, Tischler, Schlosser u. a. Schritt halten müssen, 
auch erforderten sämmtliche Gegenstände, bevor sie aus einem Raume in 
den anderen transportirt wurden , wenigstens eine trockene Reinigung, 

womit mehrere Hilfsaufseher seit dem 2. Februar 1891 fast unaufhörlich 
beschäftigt waren, während zahlreiche Schränke einer Ausbesserung durch 
den Tischler unterworfen wurden. 

Hie grossen Uebelstände in der alten geologischen Sammlung, welchen 
dieselbe eine lange Reihe von Jahren hindurch in den früheren kalten 
und feuchten Räumen ausgesetzt war, sind noch lange nicht über- 

wunden. In den alten Räumen verquollen die Schränke und mussten 
wiederholt abgehobelt werden, um die Kästen öffnen zu können und die 
Schränke zu schliessen, in den jetzigen warmen und trockenen Räumen 
sind die Schränke geschwunden und es mussten schon zahllose Spalten, 
welche den Staub einliessen, wieder geschlossen werden. Galt es früher, 

den Moder zu entfernen, so hört auch jetzt noch immer der Kampf 

mit dem Staube nicht auf, welcher die in Wandschränken und Pult- 
schränken befindlichen Gegenstände von neuem bedeckt. Nur die bei der 
früheren Uebersiedelung des Museums in die jetzigen Räume im Jahre 
1878 angefertigten Glaspultschränke und Glaspulttische haben sich besser 
bewährt und entsprechen den Anforderungen. Es musste daher unser 
Streben darauf gerichtet sein, nach und nach viele jener älteren Glaspult- 
schränke, sowie auch die meisten in der geologischen Sammlung (Galerie K) 
befindlichen Wandschränke durch neue staubdichte Schränke zu ersetzen, 
wozu indess immer noch beträchtliche Mittel gehören. Für die jetzigen 
dringendsten Bedürfnisse an Mobiliar für unsere neueste Aufstellung 
musste die von der Generaldirection der Königlichen Sammlungen und 
den hohen Ständekammern verwilligte Summe von 22,000 Mk. genügen. 


5 


Nach Beginn der neuen Aufstellung am 2. Februar 1891 mit 
Eeinigung von Sammlungsgegenständen, konnte der erste Transport von 
alten Glaspultschränken mit ihrem Inhalte in die neue, erst seit dem 
5. Februar für uns zugängliche Galerie L, jenseits des Wallpavillons, am 
20. Februar 1891 erfolgen, um hier für die neue petrographische 
Sammlung oder Sammlung von Gebirgts arten Materialien herbei zu 
führen. 

Ende Februar 1891 wurden auch die beiden, in dem Saale F unter 
dem Mathematischen Salon befindlichen Permoser sehen Statuen des Apollo 
und der Minerva entfernt und in das Königl. Albertinum versetzt, wodurch 
ein lange entbehrter Raum für die neue geologische Aufstellung ge- 
wonnen wurde. 

Während der ganzen Aufstellungsarbeiten im Jahre 1891 bis Anfang 
1892 ist es gelungen, wenigstens den beschränkten Eintritt in die Samm- 
lungen keinen Tag zu unterbrechen, was sich dadurch ermöglichen liess, 
dass die in dem ersten Saale, oder Galerie 0, des Museums befindliche 
Mineralogische Abtheilung keinen wesentlichen Veränderungen aus- 
gesetzt war, nur hat sie zu ihrem bisherigen Raume noch einen kleinen 
Zuwachs erfahren durch Aufstellung eines Pultschrankes für Ivrystall- 
modelle am Ende der Galerie 0 und durch Aufstellung von Erzgängen 
in dem nächstfolgenden Raume Fa, welcher zugleich den Meteoriten- 
schrank enthält. 

Die baulichen Herstellungen in den unter dem Königl. Mathematischen 
Salon befindlichen Räumen Fa, F und Fb begannen am 6. März 1891 
und wurden bis zum 9. Mai 1891 soweit durchgeführt, dass Riesenhirsch 
und Höhlenbär und andere Thiere der Diluvialzeit hier wieder einziehen 
konnten und dass schon vom 19. Mai 1891 an hier das grössere Publikum 
wieder Zutritt fand. 

Weit grössere Schwierigkeiten traten uns in der langen Bogengalerie 
K, zwischen dem Mathematischen Salon und dem Wallpavillon entgegen, 
einerseits, weil die hier befindliche geologische Sammlung in zwei 
Theile geschieden werden musste, andererseits aber in Folge der darin vor- 
zunehmenden baulichen Veränderungen ohne eine vorherige Entfernung des 
hier angehäuften Mobiliars. 

Die Theilung dieser umfangreichen Sammlung ist in der anscheinend 
geeignetsten Weise so erfolgt, dass die neue geologische Haupt- 
Sammlung mit den Versteinerungen eine historisch-geologische, die 
andere davon abgetrennte eine petrographisch-geologische Sammlung 
oder Sammlung der Gebirgsarten bildet. Hierdurch sind beide Samm- 
lungen, welche sich von Anfang an bis zu ihrem Ende gegenseitig er- 
gänzen, selbständig und in sich abgeschlossen. Beide stellen Durch- 
schnitte der Erdrinde dar, deren tiefste und älteste Ablagerungen sich 
in der unmittelbaren Nähe des Wallpavillon D befinden, während sich 
die jüngeren Ablagerungen bis zum Quartär einerseits, und den bis zu 
den jüngsten vulkanischen Gesteinen andererseits weiter und weiter davon 
entfernen. 

An die zwei jüngsten Enden dieser beiden Reihen, welche für die 
geologische Abtheilung in dem Saale F, unter dem Mathematischen 
Salon, für die petrographische Abtheilung aber an dem Ende der langen 
Bogengalerie L, jenseits des Wallpavillons liegen, schliesst sich unmittel- 


6 


bar die Aufstellung der prähistorischen Abtheilung in dem schönen 
Wallpavillon D an, welcher durch Wendeltreppen mit den Galerien K und 
L in directer Verbindung steht. 

Die räumlichen Schwierigkeiten, die bei der neuen Aufstellung der 
geologischen Sammlung in der Bogengalerie K zu überwinden waren, be- 
standen im Wesentlichen darin, dass ausser 13 für die petrographische 
Sammlung verwendeten Glaspultschränken, sämmtliche andere Schränke in 
dem Saale verbleiben mussten, während der Abrüstung durch Zimmerleute, 
vom 20. Mai 1891 an bis zum 15. Juni, während der Arbeiten der 
Maurer, Maler und Anstreicher, was das wiederholte Verschieben und Rücken 
der inhaltsschweren Schränke durch Chaisen träger und zugleich eine Aus- 
besserung vieler Schränke nöthig machte. Erst am 20. Juli 1891 waren 
sämmtliche alten und zur Ergänzung dienenden neuesten Schränke der 
geologischen Sammlung nach Anstrich des ganzen Saales und seines Fuss- 
bodens an ihre richtige, vorläufig bleibende Stelle gebracht, und es konnte 
das Publikum am 3. August 1891 nun auch in der Galerie K seinen. 
Einzug halten. So hatten demnach die gesammten Veränderungen in den 
alten Räumen 0, F, Fa und Fb und K, vom Eingänge in das Museum 
an bis an den Wallpavillon im Ganzen nur 6 Monate in Anspruch ge- 
nommen. 

Die Aufstellung der neuen petrographischen Sammlung oder Samm- 
lung von Gebirgsarten in der Bogengalerie L, jenseits des Wallpavillons, 
ist durch die vor dem Einzuge schon fertig gestellten Räume wesentlich 
erleichtert worden. Jene 13 aus der alten geologischen Sammlung ent- 
nommenen Pultschränke fanden sofort an den Wänden ihren Platz, während 
alle neuen Glaspultschränke und Glaspulttische längs der Fenster und 
längs der Mitte angeordnet wurden. 

Von da an galt es aber, das gesammte disponible Sammlungsmaterial, 
das in nur oberflächlich gereinigtem Zustande herbeigeführt worden war, 
und noch immer ergänzt wird, in den zahlreichen Schränken in geeigneter 
Weise zu vertheilen. Hierbei wurde zunächst das schon Eingangs hervor- 
gehobene Princip durchgeführt, die geschichteten Gesteine ihrem Alter 
nach, von dem ältesten Gneisse an aufwärts, in den an den Fenstern 
stehenden Glaspultschränken unterzubringen, dagegen die massigen, 
eruptiven Gesteine, welche die Schichtgesteine zu verschiedenen Zeiten 
durchbrochen haben, von dem alten Granit an aufwärts, in den Glaspult- 
tischen längs der Mitte der Galerie anzuordnen. 

Der in den alten, längs der Wände aufgestellten Glaspultschränken 
frei werdende und der Beschauung zugängliche Raum ist vorzugsweise 
für verschiedene Localsammlungen verwendet worden, wie für Chaussee- 
materialien des Dresdner Bezirkes, die von Professor Dr. G. Laube auf 
seiner berühmten Polarfahrt unter den schwierigsten Verhältnissen in 
Grönland gesammelten Gesteine, für Gesteinssuiten aus Thüringen, dem 
Harze, von Westdeutschland, aus dem Vulkangebiete des Laacher See’s, 
Sammlungen aus Afrika und anderen Welttheilen durch Herrn Graf 
W. Schlieffen auf Schlieffenberg und Frau Gräfin Schlieffen, geb. 
von Jagow, die bekannten Reisenden Dr. Holub, Dr. Pieschel, Dr. 
A. Sttibel, Hofrath Dr. A. B. Meyer u. A. 

Nach einer allgemeinen Vertheilung der Sammlungsgegenstände konnte 
der zweite Act in der Behandlung der petrographischen Sammlung be- 


7 


ginnen, die neue Etiquettirung der nach Tausenden zählenden Exem- 
plare, zunächst soweit dieselben zur Anschauung offen liegen. Diesem 
Geschäfte hat sich von Anfang October 1891 an bis Ende April 1892 
Herr Oberlehrer W. Morgenstern nach Anleitung des Directors mit 
grossem Eleisse und vieler Sachkenntnis als wissenschaftlicher Hilfs- 
arbeiter unterzogen. Hierbei wurden auch sämmtliche zur Ansicht gelangte 
Gesteine auf nassem Wege gereinigt, wodurch dieser neuen Sammlung 
zugleich ein elegantes Ansehen verliehen worden ist. 

Da zu unserem Bedauern Herr Oberlehrer W. Morgenstern von Ende 
April d. J. an in eine andere Stellung berufen worden ist, so wurde für 
die Weiterentwickelung der petrographischen Sammlung statt seiner eine 
neue wissenschaftliche Kraft erforderlich, welche in Herrn Dr. Walther 
Bergt gefunden worden ist. Mit dessen Thätigkeit am Museum von An- 
fang Mai an beginnt der dritte und jedenfalls längste Abschnitt in der 
Behandlung der neuen Sammlung durch Revision und, soweit nöthig, durch 
mikroskopische und chemische Untersuchung des Einzelnen und durch 
Fortsetzung der Reinigung und Etiquettirung im Allgemeinen. 

Die prähistorische Abtheilung des Kgl. Mineralogisch-geologischen 
und prähistorischen Museums hat erst jetzt durch Hinzutreten des Wall- 
pavillons sich entfaltet und ihre verdiente Würdigung erfahren. 

Sie war früher, wie bekannt, in den Räumen Fa, F, unter dem Mathe- 
mathischen Salon und an verschiedenen anderen unzugänglichen Stellen 
zusammengedrängt, jetzt ist nur die ältere und ein Theil der jüngeren 
Steinzeit mit den Pfahlbauten der älteren Torfmoore in dem Saale F ver- 
blieben, als Schluss der geologischen Gruppen, oder als oberstes Glied 
unserer geologischen Sammlung. In den Torfmooren liegt die Grenze 
zwischen geologischen und prähistorischen Zeiten. 

Der künstlerisch prachtvolle Wallpavillon hat nun Alles aufgenommen, 
was sich an die jüngere Steinzeit, nach oben hin an die moderne Zeit 
anschliesst. Seine Ausstattung an Mobiliar besteht aus 7 grossen eisernen 
Schränken aus der rühmlichst bekannten Fabrik der Herren Aug. Kühn- 
scherf & Söhne, welche den grossen Vortheil gewähren, dass sie staub- 
dicht sind, mehreren früher im Saale F schon vorhandenen Glaspulttischen 
und einigen neuen Glaspultschränken. Die Anordnung des gesammten 
wissenschaftlichen Materials in diesen Schränken ist durch den Directorial- 
assistenten Dr. Deichmüller durchgeführt worden, dessen Bericht darüber 
hier vorliegt. 

So ist denn die neue Aufstellung unseres K. Mineralogisch-geologischen 
und prähistorischen Museums jetzt so weit gefördert, dass nicht nur die 
alten, sondern auch die neuen Räume dem grossen Publikum zugänglich 
gemacht werden können, und es wird sie alle erfreuen, dass dies nach 
einer Verordnung der Generaldirection der Königlichen Sammlungen für 
Kunst und Wissenschaft vom 16. April d. J., vom 1. Mai 1892 an, ausser 
an den bisherigen Eintritts tagen, künftig auch Sonntags von 11 — 1 Uhr 
Vormittags geschehen wird. 


II. Verzeichnis» der bisher in den diluvialen Mergeln 
von Cotta bei Dresden aufgefundenen Conchylien. 

Von Direetor Th. Reibisch. 

Behufs der Anlegung eines grossen Dresdner Centralbahnhofes musste 
auch der untere Lauf der Weisseritz einer besonderen Regulirung unter- 
worfen werden. Beim Ausstechen der verschiedenen Bodenschichten zeigten 
sich oft sehr reiche Lager von Conchylienresten , die natürlich die Auf- 
merksamkeit der Geologen in Anspruch nahmen , weil die verschiedenen 
Arten solcher Conchylienreste oft mannigfache Schlüsse auf die Entstehung 
und das verhältnissmässige Alter der Erdschichten und ihrer Formen 
zulassen. 

Zur Untersuchung und Bestimmung hat ein sehr reichhaltiges Material 
Vorgelegen. Um dessen Herbeischaffung sind vorzüglich der K. S. Landes- 
geolog Herr Dr. R. Beck und die Herren Lehrer Döring und Ebert 
eifrig bemüht gewesen. Tn zweifelhaften Fällen hat Herr S. Clessin in 
Ochsenfurth seine Bestimmungen und Ansichten mit freundlichster Bereit- 
willigkeit ertheilt. 

Ueber die allgemeinen Lagerungsverhältnisse derjenigen Schichten, 
welche die Reste der im Weiteren aufgeführten Fauna führen, theilt mir 
Herr Sectionsgeolog Dr. R. Beck aus seinen bei der Landesaufnahme 
hierüber gemachten Erfahrungen das Folgende mit: 

„Das Dorf Cotta bei Dresden liegt im Mittelpunkte eines Sumpfes 
oder sumpfigen Sees der jüngeren Diluvialzeit. In diesen hinein wurden 
lange Zeiten hindurch von Südwest her die von zahlreichen Rinnsalen 
aufgenommenen mergeligen Yerwitterungsproducte des Pläners einge- 
schwemmt, welcher die Gehänge der Gegend zwischen Leutewitz und 
Rossthal zusammen setzt. Sie bildeten in dem flachen Becken des Sees 
Schichten von mergeligem Sande, von Mergel und von Moormergel, deren 
Mächtigkeit in- der Mitte des Bassins am grössten ist, während sie an den 
Rändern desselben, sowie auch in der Umgebung einer inselartig durch- 
ragenden Partie älterer Ablagerungen (Pläner und Diluvialkies), welche 
beim Bau der grossen Bahnunterführung aufgeschlossen war, schwächer 
werden und endlich sich auskeilen. Die Sumpfschichten lagern theils direct 
dem thonig-mergelig verwitterten Labiatus-Pläner auf, theils ruhen sie auf 
diluvialen Weisseritzkiesen. Dahingegen lässt sich aus Brunnenprofilen, 
besonders im südlichen Theile des Dorfes Cotta entnehmen, dass am Stid- 
und am Westrand des Beckens die Sumpfablagerungen von bis zu 1 m 
mächtigem lössartigen Gehängelehm stellenweise überlagert werden. 


Ges. Isis in Dresden, 1892 . — Abh. 2. 


9 


Zugleich mit der kalkigen Bachtrübe wurden jenem Becken die Ge- 
häuse zahlreicher Landschnecken zugeführt, welche an den nahen Berg- 
abhängen lebten. Sie vermischten sich mit den Gehäusen der Süsswasser- 
schnecken, welche im Sumpfe selbst hausten, oder derjenigen Arten, die 
an den Bändern des Gewässers wohnten. 

Die gesammte, in ihrer horizontalen Verbreitung bis 1,3 km im 
Durchmesser erreichende Ablagerung grenzt am heutigen Schusterhause 
bis ganz nahe an die Elbe. Es ist mindestens möglich , wenn nicht wahr- 
scheinlich , dass auch in jungdiluvialer Zeit die Elbe zeitweilig dicht bei 
dem Cottaer Sumpfe vorbeifloss, und dass bei Hochwasser alsdann dieser 
vorübergehend aus dem Strome Ansiedler erhalten konnte. Hierauf deuten 
vielleicht die auffällig selten gefundenen Beste von Unionen und Ano- 
donten hin. Im Allgemeinen aber spricht die Eauna von Süsswasser- 
schnecken sowohl, als auch der petrographische Charakter der Cottaer 
Ablagerungen für eine durchaus lacustre, nicht fluviatile Entstehung der- 
selben, für einen Absatz in ruhigem Becken. 

Die Ablagerung gliedert sich in folgender Weise: Zuunterst lagert 
ein lichtgrauer Mergel, der an seiner Basis häufig in einen licht- 
grauen oder gelblichen , mergeligen feinen Sand oder auch in einen reinen 
Sand mit Glimmerschüppchen übergeht. Dieser Mergel nebst Mergel- 
sand erreicht eine Maximalmächtigkeit von 2,5 m. Zwischen Cotta und dem 
Schusterhause ist dem lichtgrauen Mergel eine unregelmässig umgrenzte 
grössere Partie von Kalktuff eingeschaltet, in welchem Herr Taubstummen- 
lehrer Ebert neben Blättern und Stengeln monocotyler Sumpfpflanzen, 
worunter anscheinend auch Sparganium , ganze Lagen von dem incrustirten 
Gewirr einer Chara auffand. Die organische Substanz dieser Pflanzen - 
reste ist völlig verschwunden. Auf dem lichtgrauen Mergel ruht allent- 
halben ein lichtbrauner, im feuchten Zustand fast schwarzer, an humosen 
Bestandteilen sehr reicher Moormergel, der bis zu 1,5 m Mächtigkeit 
anwächst. Eine genaue Beschreibung aller dieser Ablagerungen wird in 
den Erläuterungen zu Section Dresden der geologischen Specialkarte des 
Königreiches Sachsen erfolgen.“ 

Das folgende Yerzeichniss soll die Arten des „Moormergels“ (obere 
Schicht) und des „weissen Mergels“ (untere Schicht) zunächst von Cotta 
bei Dresden aufzählen, und die dritte Bubrik, Bemerkungen, unter Anderem 
auch auf das Vorkommen der vorgenannten Arten im Löss- und Kalktuff 
Sachsens aufmerksam machen. 

Von älteren Autoren haben den Cottaer Mergel erwähnt : A. v. G utbier , 
Div Sandformen der Dresdner Haide, 1865, S. 38, welcher die Ablagerung 
miv zum Löss rechnete, und C. A. Jentzsch, Ueber das Quartär der 
Gegend von Dresden, Halle 1872, S. 89 und S. 95. Beide scheinen nur 
die oberste Schicht, den Mo.ormergel, untersucht zu haben. Das von 
Letzterem aufgeführte Conchylienverzeichniss gründet sich auf Material aus 
dem K. Geologischen Museum in Dresden und auf eigene Kunde. 


10 


Moormergel. 



Bemerkungen. 




Hyalinia cellaria Müll. 

radiata Aid er. 
crystallina Müll. 
,, fulva Müll. 
Zonitoides nitida Müll. 
Patula rotundata Müll. 

„ rüder ata Stud. 

„ pygmaea Drap. 

Helix aculeata Müll. 
lamellata Jeffr. 




pulchella Müll. 
costata Müll. 




}} 




obvoluta Müll. 
personata Lam. 
bidens Cbemn. 
sericea Drap. 
hispida L. 


)> 

V 


fruticum Müll. 
incarnata Müll. 
lapicida L. 
arbustorum L. 


V 


)) 

V 


hortensis Müll. 


nemoralis L. 
pomatia L. 


Hyalina fulva Müll. 


Helix pulchella Müll. 
„ tenuilabris Br. 


Buliminus tridens Müll. 


„ montanus Drap. 
Cionella lubrica Müll. 

„ lubrica var. minima 
Siem. 

Pupa doliolum Brug. 


Cionella lubrica Müll. 

,, lubrica var. minima 
Siem. 


Ausser den angeführten Vitri- 
niden fanden sich nicht selten 
Kalkplättchen von Nackt- 
schnecken im Moormergel. 


Lebend in Sachsen noch nicht 
gefunden ; bisher nur von den 
nordischen Ländern Europas 
bekannt. Südgrenze in den 
deutschen Küstengebieten. 


Lebend nicht in Sachsen, wohl 
aber in Theilen des südwestl. 
Deutschland und bei Halle 

a. S. 


Ueberall im Löss. Die Form, 
welche daselbst vorkommt, 
ist wahrscheinlich diejenige, 
welche Clessin Helix terrena 
nennt und für die Stamm- 
form von H. hispida L. u. 
H.sericeaDrap. hält. (K o b e 1 1, 
Nachrichtsblatt d. deutsch, 
malakozool. Gesellsch., 1874, 
S. 46.) 


Ueberall im Löss; daselbst aber 
etwas kleiner als im Kalktu ff, 
während sie im Moormergel 
dieselbe Grösse hat, wie die- 
jenigen, welche jetzt noch in 
derselben Gegend leben 

Die Varietäten 00000, 12845, 
12 8 45, 123 45, 12345, sind 
noch deutlich unterscheid- 
bar. 

Besonders die Var. 00800. 

Auch im Kalktuff von Rob- 
schütz b. Meissen. 

Auch im Löss von Prohlis b. 
Dresden. 


Löss b. Meissen (Engelhardt). 


11 


Moormergel. 

Weisser Mergel. 

Bemerkungen. 

Pupa muscorum L. 

Pupa muscorum L. 

U eberall im Löss. — „Im 


Moormergel allerdings ziem- 
lich bauchig , wie die Art 



auf sehr feuchten Fundorten 


„ columella Benz. 

sich findet u. in diluvialen 
Schichten die Regel bildet.“ 
(Clessin.) 

Findet sich auch im Löss von 

v ( Vertigo ) antivertigo 

Dr. 

„ ( Vertigo) pygmaea Dr. 

var. quadridens Wett. 
,, ( Vertigo) pusilla Müll. 

„ „ angustiorJeffr. 

Pupa Genesii Gredl. 

Prohlis b. Dresden. 

Lebend nicht in Sachsen, aber 

Clausilia laminata Mont. 

„ biplicata Mont. 

„ pumila Ziegl. 

Succinea putris L. 

Succinea putris L. 

in Südtyrol. „Zur diluvialen 
Gruppe der Pupa parieden- 
tata gehörig. Die Art wurde 
von mir auch in einem viel- 
leicht gleich alterigen Torf- 
lager bei Katzenhausen, 
Dinkelscherben, Kr. Schwa- 
ben in Bayern, gefunden“. 
(Clessin.) 

Auch im Kalktuff von Rob- 

„ Pfeifferi Rossm. 

,, oblonga Drap. 

„ oblonga Drap. 

schütz b. Meissen. 

Ueberall im Löss. 

Carychium minimum Müll. 
Limnaect stagnalis L. 

„ \sa\elongataC\ess. 

Nur kleine Bruchstücke. 

„ ovata Drap. 

Limnaea ovata Drap. 


„ pereger Müll. 

„ pereger Müll. 

Auch im Kalktuff v.Robschütz. 

„ palustris Müll. typ. 

„ „ var. cor- 

vus Gm. 

„ palustris Müll. 

v. 


var. diluviana n. v. 
„ palustris Müll, 

var. gracillima n. v. 

„ truncatula Müll. 

,, glabra Müll. 

„ truncatula Müll. 


„ „ var. 



turrita Cless. 



Aplexus hypnorum L. 
Planorbis marginatus Dr. 

,, rotundatus Poiret. 

„ contortus L. 

Planorbis contortus L. 


„ crista L. var. 

„ Rossmaessleri Aug. 
„ crista L. var. nau- 


nautileus L. 

• tileus L. 


„ ( Segmentina ) ni- 

tidus Müll. 




* I 

* > 


12 


Moorm ergel. 

Mi '■ iS ' 

1 

Weisser Mergel. 

Bemerkungen. 

Valvata piscinalis Müll. 

„ cristatci Müll. 

Bytliinia tentaculata L. 
Anodonta sp.? 

Unio sp.? 

Sphaeridium cnrneum L. 
Pisidium fossarinum Cless. 

„ n. sp. teste Cless. 

Pisidium nitidum Jen. 

„ n. sp. teste Cless. 

Nur Bruchstücke. 

Nur Bruchstücke. 


Was die Parallelisirung der Cottaer Schichten mit solchen anderer 
Punkte der Umgebung lind aus anderen Gegenden betrifft, so schliesst 
aus den angeführten paläontologischen Ergebnissen Herr Dr. R. Beck nach 
einer Mittheilung an den Verfasser das Folgende: 

„Die für den weissen Mergel von Cotta so charakteristische Pupa columetta 
Benz, wurde von mir neben Pupa muscormn L., Succinea öblonga und 
Helix hispida , deren Bestimmung Sie kürzlich freundlichst bestätigten, in 
einem geschichteten, sandigen Lehm aufgefunden, welcher den lössartigen 
Gehängelehm, den Vertreter des ächten Gehängelösses, bei Prohlis süd- 
östlich von Dresden unmittelbar unterlagert. Ferner ist Pupa cohmeüa 
ein Leitfossil für den Sandlöss des Rheinthaies bei Strassburg, welcher 
dort mit den sogenannten Vogesensanden die jüngere Abtheilung der Löss- 
formation unterlagert, (Vgl. hierüber E. Schumacher, Die Bildung und 
der Aufbau des oberrheinischen Tieflandes, Strassburg 1890, S. 297 ff.) 
Durch die Freundlichkeit des Herrn Schumacher erhielt ich Exemplare 
von dort, welche mit den unserigen völlig identisch waren. Mit dem 
oberrheinischen Sandlöss (vgl. ferner A. Andreä, Der Diluvialsand von 
Hangenbieten im Untereisass. Abhandl. zur geol. Specialkarte von Eisass- 
Lothringen, Bd. IV, H. 2, Strassburg 1884) hat unser Cottaer weisser 
Mergel ausser der mehrfach genannten Spec.ies noch die folgenden ge- 
meinsam: 

Helix tenuilabris Braun. 

Succinea obloncja Drap. 

Limnaea pereger Müll. 

Planorbis Bossmaessleri Auersw. 

Was nun aber den Moormergel betrifft, so lässt der zoologische Aus- 
weis Spielraum zwischen dem jüngeren Diluvium und dem Alluvium. Die 
geologischen Lagerungsverhältnisse sprechen für das Erstere. Er scheint 
ein Aequivalent des lössartigen Gehängelehms zu sein, von dem er 
stellenweise noch überlagert wird. Die aus unserem Gehängelöss bekannten 
Schnecken fehlen auch im Moormergel nicht.“ 


III. Die concliyliologische Fauna der tialäpagos-Iuseln. 

Von Paul Keibisch. 

(Mit Tafel I und II.) 


Die in jüngster Zeit besonders wieder durch Dr. Georg Baur aus 
New-York bekannter gewordenen Galäpagos-Inseln*) mit ihrer ganz eigen- 
tümlichen Flora und Fauna verdienen in letzterer Beziehung ganz her- 
vorragendes Interesse, besonders in conchvliologischer Hinsicht. Sind es 
doch von allen Landthieren wohl zumeist die Schnecken, die durch ihr 
geringes Fortbewegungsvermögen als das conservative Element in der 
Gesammtfauna betrachtet werden dürfen. Dieser Gesichtspunkt nun lässt 
uns das Studium dieser Thiergruppe wohl in sehr vielen Fällen als mass- 



*) Im 16. Jahrhundert von den Spaniern entdeckt und vorher niemals von Menschen 
bewohnt. 


o * 
o 


Qes. Isis in Dresden, 1892. — Abh. 8. 


14 


gebendes, bei der Betrachtung der faunistischen Entwickelung eines Gebietes 
überhaupt und noch besonders eines solchen erscheinen, wie es die Gruppe 
der Galäpagos-Inseln in ihrer Abgeschlossenheit vom südamerikanischen 
Continente bez. anderen in Frage kommenden Inselgruppen darbietet. Ist 
es schon von grösstem Interesse, dass nicht nur amerikanische, sondern 
auch polynesische Formen vertreten sind, so beweist die Mannigfaltigkeit 
derselben mit einer ganzen Anzahl von Uebergangsformen untereinander, 
sowie die eigenartige Ausbildung jener auf den einzelnen Inseln des 
Archipels eine lange und ungestörte, nur von geologischen und klimatischen 
Yerhältnissen beeinflusste Entwickelung jener Thiere. 

Weitaus am zahlreichsten ist das Genus JBulimulus Leach vertreten, 
dessen Arten mit Ausnahme zweier neuen ausgesprochen amerikanische 
Charaktere aufweisen. Im Gegensätze hierzu zeigen die beiden Species 
der vielleicht von JBulimulus zu trennenden Gruppe Pelecostoma nov. sect. 
mit ihrer eigentümlichen Spindellamelle unverkennbare Anklänge an die 
Achatinellen ebenso wie Buliminus ( Bhaphiellus ) achatinellinus Forbes. 
Das Genus Pupa Drp., in zwei Arten vertreten, steht in nächster Be- 
ziehung zu der equatorianischen Pupa ( Leucochila ) Wolfii Miller. Die im 
Jahre 1877 auf Chatham-Island entdeckte Succinea ( Tapada) Bettii Smith 
steht der von der Insel Mas-a-Fuera bekannten Succinea rubicunda Pfr. 
sehr nahe, was auf eine Verschleppung mittels Baumstämmen durch 
Meeresströmungen schliessen lässt. Ausser diesen Generibus findet sich 
noch eine Helicina Lam. 

Von nur wenigen Arten war der Aufenthalt, also die Insel bekannt. 
Den gewissenhaften Forschungen des Herrn Dr. Theodor Wolf,*) ehe- 
maligen Staatsgeologen der Republik Ecuador, verdanken wir die ge- 
nauere Kenntniss derselben, sowie eine ganze Anzahl neuer höchst in- 
teressanter Formen, deren Vergleichung mit anderen manche Anhalte- 
punkte für die Entstehung der Galäpagos-Inseln geben werden. 

Das mir von Herrn Dr. Theodor Wolf zur Bearbeitung überlassene 
Material nebst biologischen Notizen, von ihm in den Jahren 1875 und 
1878 gelegentlich längeren Aufenthaltes auf den Galäpagos-Inseln ge- 
sammelt, dürfte allerdings kein vollständiges Gesammtbiid der conchyliolo- 
gischen Fauna jener Inselgruppe darstellen, da sich der grösste Theil der 
Ausbeute z. Z. noch in Stuttgart befindet. Leider habe ich das mir von 
Herrn Prof. Dr. Miller daselbst bereitwilligst zugesicherte Material noch 
nicht erhalten, weshalb etwaiges Neue in einem Nachtrage veröffentlicht 
werden soll, dessen Bearbeitung ich mir als Ergänzung dieser Arbeit 
hiermit ausdrücklich Vorbehalte. 

Im Folgenden ist mit der Beschreibung der neuen Arten eine Auf- 
zählung der bisher bekannten verbunden. 

I. Buiimulus Leach. 

1. Buiimulus ( Naesiotus ) eschariferus Sow. 

Bulinus eschariferus Sow. Concli. III, f. 85. 

Bulimus eschariferus Pfr. Symb. II, p. 45. 

„ „ Pfr. Mon. Hel. viv. II, p. 115. 

„ „ Reeve. Conch. ic., PL XX, sp. 121. 

„ „ ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 160. 

*) cf. Ein Besuch der Galäpagos-Inseln, von Dr. Theodor Wolf. Heidel- 
berg 1879. ✓ 


Bulimulus eschariferus ( Omplialostyla ) Ad. Gen., p. 161. 

„ ,, ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Chatham-Island (Darwin). 

2. Bulimulus ( Naesiotus ) unifasciatus Sow. — Taf. I, Fig. 1. 

Bulinus unifasciatus Sow. in Proc. Zool. Soc. 1833, p. 37. 

„ „ Müll. Synops., p. 25. 

,, „ Sow. Conch. III, f. 55. 

Bulimus unifasciatus Lam. ed. Dh. 118, p. 277. 

„ „ Pfr. Mon. Hel. viv. II, p. 195. 

„ ,, Reeve. Conch. ic., PI. XXIII, sp. 149. 

„ „ ( Leptomerus ) Pfr. Vers., p. 160. 

Bulimulus unifasciatus ßpck ind., p. 67, N. 65. 

„ „ ( Omplialostyla ) Ad Gen., p. 161. 

„ „ ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Charles-Island (Cuming, Wolf). 

Von dieser Art liegt nur 1 Stück vor, ohne Epidermis und anschei- 
nend todt gesammelt. Die Binde ist kaum noch zu erkennen. 

3. Bulimulus ( Naesiotus ) nucula Pfr. — Taf. I, Eig. 2. 

Bulimus nucula Pfr. in Proc. Zool. Soc., 9. Dec. 1851. 

„ ,, Pfr. Mon. Hel. viv. III, p. 415. 

,, „ ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 161. 

Bulimulus nucula ( Omplialostyla ) Ad. Gen., p. 161. 

„ „ ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Charles-Island (Wolf). 

Von den 3 Stück ist nur eins vollständig. Diese Art ist die kleinste 
des zur Gruppe des Bul. nux Brod. (sp. 1 — 6) gehörigen Eormenkreiscs. 

4. Bulimulus ( Naesiotus ) verrucosus Pfr. 

Bulimus verrucosus Pfr. in Proc. Zool. Soc. 1855, p. 116. 

„ „ ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 161. 

,, ,, Pfr. Mon. Hel. viv. IV, p. 475. 

Bulimulus verrucosus ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Galäpagos (teste Pfeiffer 1. c.). 

5. Bulimulus (Naesiotus) asperatus Albers. — Taf. 1, Eig. 3. 

Bulimus asperatus Albers in Malak. Bl. IV, 1857, p. 98. 

„ „ Pfr. Mon. Hel. viv. IV, p. 475. 

,, „ Pfr. Novit, conch. IV, t. 133, f. 8, 9. 

Bulimulus asperatus ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Charles-Island (Wolf). 

Sämmtliche 5 Stück sind ohne Epidermis, kreideweiss und anscheinend 
todt gesammelt, ebenso wie der unter Nr. 21 beschriebene Bulimulus 
nudus nov. sp. 

6. Bulinmlus (Naesiotus) nux Brod. 

Bulimus nux Brod. in Proc. Zool. Soc. 1832, p. 125. 

,, „ Müll. Synops., p. 24.. 

„ ,, Sow. Conch. III, f. 37. 

Bulimus nux Lam. ed. Dh. 116, p. 276. 

„ ,, Pfr. Mon. Hel. viv. II, p. 183. 

,, „ Reeve. Conch. ic., PI. XXIII, sp. 150. 

,, ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 161. 

Buliminus nux Beck, ind., p. 70, N. 27. 

Bulinmlus mix { Omplialostyla ) Ad Gen., p. 161. 

„ ,, ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Charles-Island (Cuming, Wolf). 

,,300 — 600 Fuss Höhe, ziemlich trockene Zone, zu Tausenden an Ge- 


16 


büschen und Steinen.“ (Wolf). Nur in wenigen unvollendeten Exemplaren 
gesammelt. 

7. Bulimulus (Naesiotus) inSkdkatus Pfr. — Taf. I, Eig. 4 a. 

Bulimus incrassatus Pfr. in Proc. Zool. Soc. 1852, p. 157. 

,, ., Chemn. ed II, Bul. N. 88, t. 30, f. 13, 14. 

,, ,, Pfr. Mon. Hel. viv. III, p. 415. 

„ ,, (Naesiotus) Pfr. Vers., p. 161. 

Bulimulus incrassatus ( Omphalostyla ) Ad. Gen., p. 161. 

„ „ ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Cbatham-Island (Wolf). 

„Feuchte Region, 900 — 2000 Fuss, an Gebüsch nicht selten. Zu- 
sammen mit Bulimulus chemnitzioides Forbes und terebra nov. sp.“ (Wolf), 
var. sidcatus. — Taf. I, Fig. 4 b, c. 

Char. T. conica, arcuatim striata, evidenter sulcata, cinereo-fusca; 
anfractus 7 plani; apertura subsemiovalis, marginibus interdum callo co- 
arctante procidente junctis. 

Long. 17,25, diam. maj. fere 10, min. 9 mm. 

Apert. long. 8,5, lat. extus 5,75 mm. 

Hab. Charles-Island (Wolf). 

Gehäuse kegelförmig, bögig gestreift, stark gefurcht, röthlich-grau ; 
die Furchen sind deutlicher ausgeprägt, als die Streifung; 7 flache Um- 
gänge; Mündung annähernd halbeiförmig, durch einen zuweilen sehr 
kräftig hervortretendeu , die Mündung verengenden Callus ausgezeichnet 
(Pig. 4 c). 

var. nuciformis Petit. — Taf. I, Fig. 4d. 

Bulimus nuciformis Petit. Journ. Conch. 1853, p. 365, t. XI, f. 7. 

,, „ (Naesiotus) Pfr. Vers., p. 161. 

,, ,, Pfr. Mon. Hel. viv. IV, p. 411. 

Bulimulus nuciformis ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Galäpagos (Hanet-Clery), Charles-Island (Wolf). 

Von dieser Form liegen 2 charakteristische Stücke bei; mehrere an- 
dere bilden Uebergänge zum Typus und zur var. sulcata , weshalb die 
Form kaum als Varietät, geschweige denn als Species bestehen kann; sie 
ist nur das äusserste Glied eines vielverzweigten Formenkreises, welchem 
möglicherweise auch Bu 1 . nux Brod. angehört. — Der Typus, wie ihn 
Pfeiffer 1. c. beschreibt, im Chemnitz leidlich abgebildet, zeichnet sich durch 
blassgelbe Höcker auf braunem Grunde aus, welche unterhalb der Naht 
am ausgeprägtesten sind. 

8. Bulimulus (Naesiotus) ustulatus Sow. — - Taf. I, Fig. 5. 

Bulinus ustulatus Sow. in Proc. Zool. Soc. 1833, p. 72. 

,, „ Müll. Synops., p. 27. 

,, ,, Sow. Couch. HI, f. 42. 

Buliminus ustulatus Beck ind., p. 70, N. 28. 

Bulimus ustulatus Lam. ed. Dh. 124, p. 279. 

,, „ Pfr. Mon. Hel. viv. II, p. 217. 

„ „ Reeve, PI. XXI, sp. 130. 

,. „ Chemn., t. 62, f. 16 — 18. 

„ „ (Naesiotus) Pfr. Vers., p. 160. 

Bulimulus ustulatus ( Omphalostyla ) Ad. Gen., p. 161. 

„ „ (Naesiotus) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Charles-Island (Cuming, Wolf). 

Die Art ist nur in einem der im Reeve 1. c. gegebenen Abbildung 
gleichkommenden Stücke da. Die im Chemnitz 1. c. ausgeführte Abbil- 


17 


düng ist wohl zu dunkel; übrigens herrscht bei dieser Art die Bänder- 
zeichnung, nicht die Streifung vor. 

9. Bulimulus ( Naesiotus ) invalidus nov. sp. — Taf. I, Fig. 6. 

Char. T. profunde rimata, elongato - conica , solida, plicoso- striata, 
fusca, pallide unifasciata; spira turrita, acuta; anfractus fere 7 subplani, 
ultimus convexiusculus ; nucleus nigrescens, gracillime costuiatus; apertura 
trapezialis, obliqua, intus caerulea; peristoma simplex, marginibus callo 
nitido junctis, dextro superne arcuato, columellari patente dilatato angulatim 
adnato. 

Long. 14,2, diatn. maj. 7,3, min. fere 7 mm. 

Apert. long. 7,5, lat. 4,3 mm. 

Hab. Charles-Island (Wolf). 

Gehäuse tief geritzt, verlängert -kegelförmig, derb, zart, bogenförmig- 
rippenstreifig, braun, mit matter Nahtbinde; Gewinde thurmförmig, spitz; 
7 wenig gewölbte Umgänge, der letzte etwas weiter ausgebogt; Wirbel 
schwarzbraun, zart gerippt; Mündung trapezförmig, schräg, innen blassblau; 
Mundsaum einfach, am rechten Rande nach aussen abgeschrägt, ebenso 
wie bei der vorigen und den beiden folgenden Arten, weshalb dieselben zu 
einem Formenkreis mit Bul. ustulatus Sow. als Typus zusammenzufassen 
sind. Die Nabelgegend wird durch den vorgezogenen Spindelrand wenig 
verdeckt. 

10. Bulimulus (Naesiotus) venustus nov. sp. — Taf. I, Fig. 7. 

Char. T. profunde rimata, conica, solida, irregulariter strigata vel 
plicata, nitida, sordido-lutea-lnteo-unifasciata; sutura simplex, luteofasciata; 
anfractus 6 3 / 4 — embrionales fusci graciliter costati, 3.-5. subplani inerte 
lineis spiralibus notati, ultimus parum inflatus, prope aperturam breviter 
descendens; apertura subvertiealis, semiovalis, intus albida; peristoma 
simplex, margine dextro parum incrassato superne arcuato, basi cum 
columellari dilatato subtorto plicato canalem formans. 

Long. 13,3 (11,8), di am. maj. 7 (6), min. 6,4 (5,5) mm. 

Apert. long. 6 (5), lat. 4,2 (3,5) mm. , 

Hab. Charles-Island (Wolf). 

Gehäuse tief geritzt, kegelförmig, festschalig, unregelmässig gestreift 
oder gefältet, glänzend, schmutziggelb mit hellerer Nahtbinde; Naht einfach, 
gelb gesäumt; von den 6 3 / 4 — 7 Umgängen sind die embrionalen zierlich 
rippenstreifig und stark angedunkelt, vom 3. bis 5. zeigen die fast ebenen 
Umgänge undeutliche Spirallinien, der letzte ist wenig aufgetrieben und 
fällt an der Mündung schräg ab; die wenig schräge Mündung stellt an- 
nähernd einen Kreisausschnitt von 120° dar; Mündung innen weisslich 
bis blassviolett; der einfache Mundsaum ist am rechten Rande kaum ver- 
dickt, oben leicht geschweift; der Spindelrand ist wenig gedreht und bildet 
an der Basis eine kräftige Ecke mit dem Aussenrande. Die verbreiterte 
Spindel verdeckt den Nabel nur wenig. 

Die zwei in der Grösse verschiedenen Gehäuse zeigen gleiche Ver- 
hältnisse; das kleinere ist heller, die Ränder der Nahtbinde sind jedoch 
dunkler gefärbt, so dass die Zeichnung sehr an mul . ustulatus Sow. er- 
innert, dem die Art übrigens sehr nahe steht. 


18 


11. Bulimulus (. Naesiotus ) calvus Sow. — Taf. I, Fig. 8. 

Bulinus calvus Sow. in Proc. Zool. Soc. 1833, p. 72. 

„ ,, Müll. Synops., p. 27. 

„ „ Sow. Conch. III, f. 41. 

Buliminus calvus Beck ind., p. 70, N. 29. 

Bulimus calvus Lam. ed. Dh. 123, p. 179. 

,, „ Pfr. Mon. Hel. viv. II, p. 225. 

,, „ Beeve. Conch. ic., Pl. XX, sp. 126. 

„ „ Chemn. ed. II, Bul. N. 327, t. 62, 1. 37, 38. 

„ „ ( Naesiotus ) Pfr. Aers., p. 161. 

Bulimulus clavus ( [Omphalostyla ) Ad. Gen., p. 161. 

,, calvus ,, Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. James-Island (Cuming), Charles-Island (Wolf). 

Diese Art kennen wir nun von zwei Inseln ebenso wie den Formen- 
kreis des Bul. nux Brod. zuzüglich des Bul. incrassatus Pfr. — Einzelne 
Stücke zeigen eine mehr gedrungene Form und fast kreisrunde Mündung, 
infolge dessen der letzte Umgang stark eingeschnürt erscheint. Die Nabel- 
gegend ist durch den erweiterten Spindelrand mehr verdeckt als beim 

Typus. Auch sind derartige Exemplare etwas kleiner, aber dunkler ge- 
zeichnet, sowie auch innen schön violett gefärbt. Yermittelnde Ueber- 
gangsformen sprechen für die Unhaltbarkeit einer Varietät. 

Die im Chemnitz 1. c. gegebene Abbildung ist zu dunkel. 

12. Bulimulus ( Naesiotus ) Jacöbi Sow. 

Bulinus Jacobi Sow. in Proc. Zool. Soc. 1833, p. 74. 

„ ,, Müll. Synops., p. 29. , 

„ „ Sow. Conch. III, f. 45. 

Buliminus Jacobii Beck ind., p. 70, N. 32. 

Bulimus Jacobi Lam. ed. Dh. 127, p. 281. 

„ „ Pfr. Mon. Hel. viv. II, p. 98. 

,, „ Reeve. Conch. ic., Pl. XXI, sp. 135. 

„ „ ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 160. 

Bulimulus Jacobi (Omphalostyla) Ad. Gen., p. 161. 

„ „ ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. James-Island (Cuming). 

13. Bulimulus (Naesiotus) pallidus nov. sp. — Taf. I, Fig. 9. 

Char. T. anguste umbilicata, orato-conica, solidula, arcuatim striata, 
prope aperturam plicata, lineis granulosis spiralibus notata, subpellucida, 
opaca, luteo-cinerea , pallide albocincta; spira acnminata; sutura profunda; 
anfractus fere 7 convexi, embrionales graciliter costulati , ultimus sutura 
profundiore sejunctus; apertura obliqua, ovalis, paulum ampliata, intus 
albida; peristoma simplex, marginibus callo nitido junctis, margine dextro 
arcuatim rotundato, parum ampliato, intus lamella alba limbato, collumel- 
lari reflexo patente. 

Long. 12,7, diam. maj. 6,6, min. 5,7 mm. 

Apert. long. 5, lat. extus fere 4 mm. 

Hab. Albemarle- Island (Wolf). — „200 bis 800 Fnss Höhe, ziemlich 
trockene Zone, an Gebüschen und Steinen“. (Wolf.) 

Gehäuse eng genabelt, gewölbt, kegelförmig, ziemlich festschalig, bogig 
gestreift, nach der Mündung zu gefältelt, mit einer Anzahl sehr feiner 
gekörnelter Spirallinien, ziemlich durchscheinend, matt, schmutzig-gelb mit 
blasser Nahtbinde; Gewinde zugespitzt; Naht tief; annähernd 7 Umgänge, 
stakt gewölbt, die embrionalen zierlich gerippt, der letzte durch eine tiefere 
Naht getrennt; die Mündung ist schräg, oval und nach aussen ein wenig 


19 


erweitert, innen weiss; der Mnndsaum ist einfach, der Aussenrand bogig 
gerundet und schwach zurückgeschlagen, an der Innenseite mit einer 
w r eissen Lamelle belegt; der Spindelrand ist zurückgebogen, doch verdeckt 
er kaum den Nabel und ist durch einen glänzenden Callus mit dem 
Aussenrande verbunden. 

Von den 4 Stücken ist nur eins vollendet. 

14. Bulimulus (. Naesiotus ) cinereus nov. sp. — Taf. I, Fig. 10. 

Char. T. umbilicata, subconica, tenera, longitudinaliter et spiraliter 
granulöse striata, obsolete cinerea; spira obtuso-acutiuscula; sutura pro- 
funda; anfractus 6 convexi, aequaliter accrescentes; apertura obliqua, ob- 
longo-rotundata; peristoma callo tenui juncto, simplex, acutum, paulum 
ampliatum, margine dextro arcuato-rotundato, columellari dilatato reflexo 
prominente. 

Long. 10, di am. maj. 6, min. 5,3 mm. 

Apert. long. 4,3, lat. extus 3,4 mm. 

Hab. James-Island (Wolf). 

Gehäuse offen genabelt, stumpf kegelförmig, ziemlich dünnschalig, 
sehr zierlich gekörnelt, schmutzig aschfarben; Gewinde mässig stumpf; 
Naht kräftig und tief, ohne Sculptur; die 6 gewölbten Umgänge steigen 
gleichmässig an; Mündung schräg, fast oval; Mundsaum einfach, scharf, 
wenig erweitert; Mündungswand mit zartem Callus belegt, Aussenrand 
bogig gerundet, der verbreiterte Spindelrand stark vorgezogen und den 
Nabel nicht einengend. 

Die zwei leidlich erhaltenen Stücke sind vollständig ausgebildet. Diese 
Art bildet innerhalb der Gruppe Naesiotus mit den beiden vorhergehenden 
einen eigenen Formenkreis, welcher dem westlichen Theile des Archipels 
angehört. 

15. Bulimulus (Naesiotus) rugulosus Sow. — Taf. I, Fig. 11 a, b. 

Bulinus rugulosus Sow. Couch. III, f. 87. 

Bulimus rugulosus Pfr. Mon. Hel. viv. II, p. 118. 

,, „ Reeve. Conch. ic., PI. XX, sp. 128. 

„ ,, Desh. Traite elem. Conch., p. 99, N. 117, t. 142 A, f. 9 — 11. 

„ „ ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 160. 

Bulimulus rugulosus ( Omphalostyla ) Ad. Gen., p. 161. 

,, ,. ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Chatham-Island. (Cuming, Wolf.) 

„300—600 FusSj, Gebüsche, Felsen, unter Steinen, gemein. Spielt 
hier ganz die Rolle wie Bul. nux Brod. auf Charles.“ (Wolf.) 

Die vorliegenden 7 Stück sind zumeist recht gut erhalten. Dieselben 
besitzen im Gegensatz zu der bei Pfeiffer T. c. wie bei Reeve 1. c. ge- 
gebenen Diagnose nur 7 bis reichlich 7 1 / 2 Umgänge. Auch sind die Ge- 
häuse nicht bräunlich - olivenfarben, sondern schön rothbraun gefärbt. 
Uebrigens sind die von Wolf gesammelten Stücke kleiner, als bei Pfeiffer 
angegeben; das grösste misst in der Länge 18, das kleinste nur 15,5 mm. 
Die Abbildung im Reeve ist zu schlank, wie auch der Wirbel zu spitz. 

16. Bulimulus (Naesiotus) ventrosus nov. sp. — Taf. I, Fig. 12 a, b. 

Char. T. late rimata, oblongo-ovalis, tenera, nitida, arcuatim striata, 
lineis granulosis spiralibus gracillime notata, sericea, pallide lutescens, 
fascia pallidiore cincta; spira acutiuscula; sutura plicose-marginata ; anfractus 


20 


6 2 /s — 7 1 / 2 convexi, embrionales costulati, cluo Ultimi ventrose intlati; co- 
lumella subrecta; apertura obliqua, protracta, ovalis, intus nitens; peri- 
stoma simplex, marginibus callo nitido junctis, dextro rotundato, expanso, 
eolumellari reflexo patente. 

Long. 17,5 (16,8), di am. maj. 8,3 (7,3), min. 7,2 (6,3) mm. 

Apert. long. 7,5 (6,6), lat. 5,2 (4,6) mm. 

Hab. Barrington-Island (Wolf). 
ß. T. plicata, nitidissima, pallide-fusca. 

Hab. Chatham-Island (Wolf). 

„Gemein auf der ganzen Insel (Barrington-Island). Vertritt Bul. nux 
Brod., rugulosus Sow. und Wolfi nov. sp. der anderen Inseln.“ (Wolf.) 

Gehäuse kräftig geritzt, verlängert-eiförmig , zart, bogig gestreift, mit 
körneligen Spirallinien sehr zierlich gezeichnet, seidenglänzend, blass 
gelblich mit hellerer Nahtbinde; Gewinde ziemlich spitz; Naht runzelig be- 
säumt; Umgänge 6 2 / 3 — 7 1 / 2 , gewölbt, die embrionalen fein gerippt, die 
beiden letzten aufgetrieben; Spindel fast gerade; Mündung schräg, infolge 
dessen oben vorgezogen, oval, innen glänzend; Mundsaum einfach, Mün- 
dungswand mit zartem, glänzendem Callus belegt; Aussenrand wenig er- 
weitert, Spindelrand umgeschlagen und verbreitert. 

Drei erwachsene und ein unvollendetes Stück von Barrington-Island; 
zwei ebenfalls unvollendete von Chatham-Island. Die letzteren sind ge- 
fältelt, glänzen lebhafter und sind dunkler gefärbt. 

Auch diese Art kennen wir somit von 2 Inseln; immerhin zeigt aber 
jede der Formen ihre Eigenthümlichkeiten besonders in Färbung und Glanz. 

Die Art scheint in ihren Formverhältnissen nicht constant zu sein, 
wie dies die beiden Figuren veranschaulichen. 

17. Bulimulus (. Naesiotus ) galapaganus Pfr. 

Bulimus Galapaganus Pfr. in Proc. Zool. Soc. 1854, p. 58. 

„ „ ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 160. 

„ „ Pfr. Mon. Hel. viv. IV, p. 503. 

Bulimulus Galapaganus ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Galäpagos (teste Pfeiffer J. c.). 

Die unter 15 — 17 aufgezählten Arten bilden eine Untergruppe, welche 
sich auf den Osten des Archipels beschränkt. Dies dürfte sich auch für 
Bai. galapaganus Pfr. bestätigen, über welche Art allerdings eine genauere 
Fundortangabe bisher fehlt. 

18. Bulimulus (. Naesiotus ) acutus nov. sp. — Tat. I, Fig. 13. 

Char. T. profunde rimata, elongato-conica, tenera, opaca, arcuatim 
striata, lineis granulosis spiralibus notata, obsolete rufeseens, pallide fusco- 
bicincta; spira acuta; sutura linealis; anfractus 7 1 / 2 plani aequaliter accres- 
centes, embrionales gracillime costulati, ultimus ad aperturam paulum 
ascendens; apertura parum obliqua, semiovalis; peristoma simplex, mar- 
ginibus basi compressis subparallelis, dextro superne leviter arcuato, eo- 
lumellari expanso reffexo adnato; columella leviter torta, basi angulum 
form ans. 

Long. 13, diain. maj. fere 6, min. 5,25 mm. 

Apert. long. 5, lat. extus 3,6 mm. 

Hab. Chatham-Island (Wolf). 

„900 — 2000 Fuss. Feuchte Orte, Baumstämme etc. ; sehr häufig.“ (Wolf)* 


21 


Gehäuse tief geritzt, schlauk, kegelförmig, zart, matt, bogig gestreift 
mit körneligen Spirallinien gezeichnet, schmutzig, graubraun, mit zwei 
wenig dunkleren Binden; Gewinde spitz; Naht kaum vertieft, linienförmig; 
die 7 1 / 2 Umgänge sind flach und steigen gleichmässig an, die embrionalen 
sehr zierlich gerippt, der letzte an der Mündung ein wenig ansteigend. 
Die Mündung ist nur wenig schräg, halbeiförmig; Mundsaum einfach, 
gerade; Aussenrand und Spindelrand annähernd gleichlaufend, vereinigen 
sich in einem Winkel an der Basis. Spindel umgeschlagen und verbreitert, 

Yon dieser Art liegen nur 2 Stück vor, davon eins noch unvollendet. 

19. Bulimulus ( Naesiotus ) curtus nov. sp. — Taf. 1, Big. 14. 

Char. T. profunde rimata, ovato-conica, tenera, pellucida, nitida, plicis 
irregularibus ramulosis sculpta, lutescens vel rufescens, interdum pallide 
unifasciata; spira obtuso-acutiuscula; sutura vix impressa, rugulosa; an- 
fractus 7 — 7 1 / 2 subplani, embrionales gracillime costulati, ultimus sutura 
profundiore sejunctus; apertura subrecta, semiovalis, intus subnitens; 
peristoma simplex, rectum, marginibus subparallelis callo nitido junctis, 
dextro superne leviter areuato, columellari plicose torto prope umbilicum 
patente reflexo adnato. 

Long. 10, 25 (8,7), diam. maj. 5 (4,1), min. 4,2 (3,8) mm. 

Apert. long. 4,25 (3,5), lat. 3 (2,7) mm. 

Hab. Chatam-Island (Wolf). 

„900 — 2000 Fuss. Feuchte Orte, Baumstämme etc.; sehr häufig u . 
(Wolf.) 

Gehäuse tief geritzt, gewölbt kegelförmig, zart, durchscheinend, glänzend, 
mit unregelmässigen verästelten Fältchen geziert, gelblich oder hellbraun, 
bisweilen mit einer blassen Nahtbinde. Gewinde ziemlich spitz. Naht 
wenig vertieft, fein runzelig. 7— 7 2 / 2 schwach gewölbte Umgänge bilden 
das Gehäuse, die embrionalen sehr fein gerippt, der letzte durch eine 
tiefere Naht abgeschnürt. Die fast gerade Mündung ist halbeiförmig und 
innen glänzend. Der Mundsaum ist einfach, geradeaus mit fast gleich- 
laufenden Rändern, die auf der Mündungswand durch einen glänzenden 
Callus verbunden sind. Der Aussenrand ist oberhalb schwach gekrümmt; 
der Spindelrand mit deutlicher Falte, erweitert, wenig zurückgeschlagen. 

Diese Art bildet mit der vorhergehenden einen eigenen Formenkreis, 
der sich, soweit bis jetzt bekannt, nur auf Chatam-Island findet. 

20. Bulimulus ( Naesiotus ) rugiferus Sow. 

Bulinus rugiferus Sow. in Proc. Zool. Soc. 1883, p. 36. 

,, ,, Müll. Synops., p. 25. 

„ ,, Sow. Conch. III, f. 40. 

Cochlicellus rugifer Beck ind., p. 63, N. 11. 

Bulimus rugiferus Lam. ed. Dh. 117, p. 276. 

,, ,, Pfr. Mon. Hel. viv. II, p. 115. 

,, ., heeve. Conch. ic., PI. XX, sp. 118. 

,, ,, ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 160. 

Bulimulus rugiferus ( Omphalostyla ) Ad. Gen., p. 161. 

„ „ ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Jacob-Island (Cuming). 

21. Bulimulus ( Naesiotus ) nudus nov. sp. — Taf. I, Fig. 15. 

Char. T. (in calcem versa) elongato-conica, fusiformis, perforata, soli- 
dula, irregulariter plicata vel costata, albide unifasciata; spira acuta; sutura 


22 


raediocris, nodulosa; anfractus 8^4 convexi, aequaliter accrescenies ; nucleus 
laevis (?); apertura paulum obliqua, semiovalis; peristoma simplex, mar- 
ginibus callo tenui junctis, dextro superne angulariter adnato, cum colnmellari 
stricto arcuatim juncto. 

Long. fere 18, di am. maj. 8, min. 7,25 mm. 

Apert. long. abunde 6, lat. 4 mm. 

Hab. Charles-Island (Wolf). 

Gehäuse schlank, spindelförmig, durchbohrt, ziemlich festschalig, un- 
regelmässig gefältelt bezw. gerippt, mit weisslicher Nahtbinde. Gewinde 
spitz; Naht seicht, leicht höckerig besäumt; Umgänge 8 x / 4 , gewölbt und 
gleichmässig ansteigend; Wirbel glatt (?). Mündung wenig schräg, halb- 
eiförmig; Mundsaum einfach, geradeaus; Aussenrand oben winkelig an- 
schliessend, Spindelrand gerade. Spindel nur wenig umgeschlagen, die 
Nabelgegend kaum verengend. Mündungswand mit einem dünnen Callus belegt. 

Von den beiden stark calcinirten Gehäusen ist das eine noch leidlich 
gut erhalten. Der Form nach steht die Species zwischen Bul. sculpturatus 
Pfr. und rugiferus Sow. ; sie unterscheidet sich von diesen besonders durch 
bedeutendere Grösse und weniger ausgesprochene Sculptur. 

22. Bulimulus {Naesiotus) sculptur atus Pfr. 

Bulimus sculpturatus Pfr. in Proc. Zool. Soc. 1846, p. 29. 

„ „ Pfr. Mon. Hel. viv. II, p. 183. 

,, ,, Reeve. Conch. ic., PI. XX, sp. 125. 

,, „ ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 161. 

Bulimulus sculpturatus ( Omphalostyla ) Acl. Gen., p. 161. 

„ ,, ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Galäpagos (Darwin). 

23. Bulimulus ( Naesiotus ) Darwini Pfr. 

Bulimus Darwini Pfr. in Proc. Zool. Soc. 1846, p. 29. 

„ ,, Pfr. Mon. Hel. viv. II, p. 199. 

„ „ ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 161. 

,, Darwinii Reeve. Conch. ic., PI. XX J, sp. 136. 

Bulimulus Danvini ( Omphalostyla ) Ad. Gen., p. 157. 

„ „ ( Naesiotus ) Cless. Nomencl., p. 254. 

Hab. Galäpagos (Darwin). 

24. Bulimulus (. Naesiotus ) Wolfi nov. sp. — Taf. II, Fig. 1 a, b. 

Char. T. ventroso-conica, perforata vel umbilicata, solida, subnitida, 
lutescens, arcuatim strigata, apud aperturam nodoso-plicata, albide unifasciata; 
spira ventrosa, acutiuscula; sutura subprofunda; anfractus 7 lineis spira- 
libus tenerrime sculpti, ultimus sutura profundiore sejunctus, in produc- 
tione fasciae magis minusve sulcatus ibique utrimque nodoso-plicatus; 
nucleus graciliter striatus; apertura obliqua, quinquangularis, tridentata; 
peristoma callosum, marginibus callo incrassato albo junctis, dextro sinuoso 
basi cum columellari obliquo angulum formans. Dens columellaris tinem 
efficit rugae spiralis a nucleo orientis, item parietalis paulo restans, tertius 
sulcam respondet. 

Long. 13, 25 — 14, diam. maj. abunde 8, min. 7,5 mm. 

Apert. long. 6, lat. extus 4,7 mm. 

Hab. Indefatigable-Island (Wolf). 

„An Lavafelsen, unter Steinen etc. Spielt die Rolle wie Bul. nux 
Brod. auf Charles-Island und Bul. rugulosus Sow. auf Chatam-Island“. (Wolf.) 


23 


Gehäuse bauchig kegelförmig, durchbohrt bezw. genabelt, derb, schwach 
glänzend, blass, aschgelb, bogig gestreift, nahe der Mündung unregelmässig 
höckerig gefältelt, mit blasser schmaler Nahtbinde. Gewinde bauchig, 
ziemlich spitz verlaufend. Naht wenig vertieft; Umgänge 7, mit feinen 
Spirallinien geziert; der letzte, durch die tiefer einschneidende Naht stärker 
abgeschnürt, ist an der Stelle der Nahtbinde mehr oder weniger gefurcht 
und daselbst beiderseits knotig gefältelt (Fig. 1 b). Wirbel fein gestreift. 
Mündung schräg, fünfeckig, dreizähnig. Der verdickte Mundsaum ist 
durch einen starken weissen Callus verbunden. Der Aussenrand ist oben 
wie unten eingewickelt und bildet an der Basis mit dem schrägen, mässig 
verbreiterten Spindelrande ebenfalls eine scharfe Ecke. Der Columellar- 
zahn stellt das Ende einer Spindelfalte dar, ebenso entspringt der etwas 
zurücktretende Parietalzahn weiter oben; der dritte Zahn entspricht dem 
Ende der oben erwähnten Furche auf dem Aussenrande. 

Zwei erwachsene und ein unvollendetes Stück. Die Art steht dem 
Bul. Darwini Pfr. sehr nahe, unterscheidet sich aber von diesem bei 
einem Umgänge mehr durch geringere Grösse, schwach hervortretende 
Sculptur und das Vorhandensein eines dritten Zahnes auf dem Aussenrand. 

25. Bulimulus ( Naesiotus ) Simrothi nov. sp. — Taf. II, Fig. 2. 

Char. T. ovato-conica, perforata vel umbilicata, subsolida, cinerascens, 
ramose strigata, pallide unifasciata, apud aperturam fasciae loco suicata 
ibique nodoso-plicata; spira ventrosa, acutiuscula; sutura subprofunda, 
crenata; anfractus 6 2 / 4 convexi, ultimus sutura profundiore sejunctus; 
nucleus tenerrime striatus; apertura perobliqua, quinquangularis; peristoma 
simplex, rectum, margine dextro paulo infracto infra angulato, columellarem 
strictum retorsum petens. 

Long. fere 9, diam. maj. 5,67, min. 5,4 mm. 

Apert. long. 4,5, lat. abunde 3 mm. 

Hab. Albemarle-Island (Wolf). 

„1000— -2000 Fuss. Feuchte Region, nicht gemein.“ (Wolf.) 

Gehäuse bauchig kegelförmig, durchbohrt bezw. genabelt, ziemlich fest- 
schalig, gelbgrau, ästig gestreift, mit blasser Nahtbinde, an deren Stelle 
nahe der Mündung eine Furchung eintritt, welche beiderseits kräftig her- 
vortretende knotenartige Falten zeigt. Gewinde aufgetrieben, spitz ver- 
laufend; Naht gekerbt, wenig vertieft; Umgänge 6 1 / 4 , gewölbt, die obersten 
zierlich gestreift, der letzte durch eine tiefere Naht mehr abgeschnürt. 
Mündung sehr schräg, deutlich fünfeckig; Mundsaum einfach, geradeaus, 
am Aussenrande zwischen den beiden scharfen Ecken etwas eingekniffen; 
Spindel gerade, zurückgeschlagen, bildet mit dem Aussenrand an der Basis 
eine deutliche Ecke. 

Diese interessante Art ist nur in drei Stücken vorhanden, welche zudem 
noch nicht völlig erwachsen sein dürften. Ein Stück ist deformirt, was 
auch bei mehreren anderen Arten zu beobachten ist, so z. B. Bul. curtm 
nov. sp., bei welch’ letzterem sich ebenfalls die Umgänge dichter äuf- 
winden, so dass das Gehäuse auffallend gedrungen erscheint; nicht immer 
ist eine äussere Verletzung nachzuweisen. 

Der Formenreichthum dieser Gruppe, welche wiederum engere Formen- 
kreise unter sich darbietet, ist in seiner Mannigfaltigkeit ein erneutes 


24 


Zeugniss für die stete Anpassung an die örtlichen und klimatischen Ver- 
hältnisse. Eine weitere Erforschung der einzelnen Inseln dürfte noch 
manche interessante Aufschlüsse ergeben, was besonders von der grössten 
aber noch verhältnissmässig wenig untersuchten Insel Albemarie gilt, von 
welcher nur zwei Vertreter der Gruppe Naesiotus Albers bekannt sind. 
Der Formenkreis des Bid. nux Brod. (sp. 1 — 11) beschränkt sich auf 
Charles-Island und Chatam-Island, auf letzterer bisher nur in zwei Arten 
beobachtet; dagegen sind hier einschliesslich der Insel Barrington die For- 
menkreise des Bul. rugulosus Sow. und curtus nov. sp. nur auf Chatam 
vertreten. Die unter Bul. JDarwini Pfr. als Typus zusammenzufassenden 
Formen (sp. 20 — 25) finden sich, soweit genauere Angaben vorliegen, nur 
auf den westlichen Inseln Charles, Indefatigable, James und Albemarle, 
auf welch’ letzteren beiden auch noch der Formenkreis des Bul. Jacoln 
Sow. (sp. 12 — 14) hinzukommt. 


26. Bulimulus ( Pleuropyrgus ) terebra nov. sp. — Taf. II, Fig. 3. 

Char. T. perforata, turrita, gracilis, laevis, nitida, solidula, strigis 
sericeis tenerrime ornata, unicolor corneo-fuscus; spira elongata, subulata, 
acutiuscula; sutura Simplex; anfractus abunde 15 convexi aequaliter 
accrescentes, ultimus ad aperturam inflatus parumque ascendens; colu- 
mella subrecta, retorsa; apertura parum obliqua, basi rotundata compressa, 
ad suturam augulata; peristoma simplex, margine dextro parum expanso, 
columellari superne dhatato, reflexo adnato. 

Long. 18—19, diam. maj. 4,67, min. 4 mm. 

Apert. long. 3,33, lat. 2,25 mm. 

Hab. Chatam-Island. (Wolf.) 

„900 — 2000 Fuss. Feuchte Region, an bemoosten Felsen und unter 
Steinen; häufig.“ (Wolf.) 

Gehäuse durchbohrt, thurmförmig, schlank, glatt, glänzend, ziemlich 
festschalig, zart seidenartig gestreift, dunkel hornfarben. Gewinde ge- 
streckt, pfriemenförmig, ziemlich spitz. Naht einfach. Reichlich 15 gleich- 
mässig ansteigende Umgänge bilden das Gehäuse, der letzte ist nach der 
Mündung zu aufgetrieben und schwach ansteigend. Spindel fast gerade, 
umgeschlagen. Mündung nur wenig schräg, an der gerundeten Basis ver- 
engt; Mundsaum einfach mit nur wenig erweitertem Aussenrand; Spindel- 
rand nahe der Nabelgegend verbreitert und umgeschlagen. 

Die Art liegt nur in 4 Stücken vor, wovon blos eins gut erhalten. Im 
Gegensätze zur folgenden Art ist das Gehäuse glatt, durchbohrt, der letzte 
Umgang nahe der Mündung ansteigend; auch ist die Mündung an der 
Basis zusammengedrückt. 

27. Bulimulus ( Pleuropyrgus ) chemnitmoides Forbes. — Taf. II, Fig. 4. 

Bulimus chemnitzioides Forbes in Proc. Zool Soc. 1850, p. 55, t. 9, f. 6. 

„ „ Chemn. ed. II, Bul. N. 118, t, 81, f. 21—23. 

„ „ Pfr. Mon. Hel. viv. III, p. 303. 

„ „ ( Naesiotus ) Pfr. Vers., p. 160. 

Bulimulus chemnitzioides ( Omphalostyla ) Ad. Gen., p. 161. 

„ „ ( Pleuropyrgus ) Giess. Nomencl., p. 254. 

Hab. Chatam-Island (Wolf). 

„300—600 Fuss, an Felsen und unter Steinen mit Bul. rugulosus 
Sow. Häufig.“ (Wolf.) 


25 


Die Art ist dreibindig; die oberen zwei liegen oberhalb der Naht, 
das dritte färbt die Nabelgegend. Durch Verschmelzung der beiden oberen 
Binden erscheinen die Gehäuse viel dunkler gezeichnet. Von jeder Bänder- 
varietät liegen 3 Stück vor. 

28. Bulimulus (. Pleuropyrgus ) lima nov. sp. — Taf. II, Big. 5. 

Char. T. perforata, turrita, parum ventricosa, gracilis, costata, nitida, 
tenera, albida, pellucida, fusco-bicincta; spira acutissima; sutura crenata; 
anfractus fere 11 convexi, aequaliter accrescentes , ultimus ad aperturam 
ventrosus, tres primi. laeves idem ultimus; columella subrecta, retorsa; 
apertura perpendicularis, subovalis, parum ampliata, basi rotundata; pe- 
ristoma simplex, margine dextro leviter arcuato parum expanso, colu- 
mellari superne dilatato, reflexo, adnato. 

Long. 11, diam. maj. 3,5, min. 3 mm. 

Apert. long. 2,75, lat. intus 1,75 mm. 

Hab. Chatam-Island. (Wolf.) 

„Mit Bul. terebranov. sp., selten, nur 2 Exemplare mitgebracht.“ (Wolf.) 

Gehäuse durchbohrt, thurmförmig, etwas aufgetrieben, zierlich, gerippt, 
glänzend, weisslich , durchscheinend, mit zwei chocoladenbraunen Binden. 
Gewinde sehr spitz verlaufend. Naht gekerbt. Umgänge fast 11, gewölbt, 
gleichmässig ansteigend, der letzte nahe der Mündung aufgetrieben, die 
drei obersten glatt, ebenso wie die Gegend zunächst der Mündung. Spindel 
ziemlich gerade, umgeschlagen ; Mündung senkrecht, annähernd eiförmig, 
der Aussenrand Avenig verbreitert, Basis gerundet; Spindelrand oberhalb 
verbreitert. 

Diese niedliche Art, nur in einem Stück vertreten, zeichnet sich durch 
die geringere Anzahl der Umgänge und geringere Grösse vor den beiden 
anderen der Gruppe Pleuropyrgus Mart. aus. 

Die eben erwähnte Gruppe beschränkt sich nach den bisherigen Unter- 
suchungen auf die Insel Chatam. 


Pelecostoma nov. sect. gen. Bulimuli Leach. 

Char. T. elongato-conica, perforata, tenera, nitidissima; anfractus 
aequaliter accrescentes; apertura obliqua, securiformis; peristoma simplex, 
rectum; testa notatur ruga columellari a nucleo aperturam petente. Sectio 
praecedenti continuatur. — Typus: Bul. canaliferus nov.'sp. 

Gehäuse schlank kegelförmig, durchbohrt, zart, stark glänzend; Um- 
gänge gleichmässig zunehmend; Mündung schräg, beilförmig; Mundsaum 
einfach, geradeaus; die Arten kennzeichnen sich durch eine vom Wirbel 
ausgehende Spindelfalte, die im Gaumen aufhört oder bis zur Mündung vortritt. 

Die Gruppe steht nach Pleuropyrgus Mrts. und ist wie diese auf 
Chatam-Island beschränkt. 

29. Bulimulus (Pelecostoma) canaliferus nov. sp. — Taf. II, Fig. 6. 

Char. T. elongato-conica, fusiformis, usque ad nucleum perforata, 
tenera, nitidissima, subtiliter arcuatim striata, lutescens vel corneo-fusca, 
fasciis fuscis latis bicincta; spira acuta; sutura linealis; anfractus 8y 2 bis 
10 plani aequaliter accrescentes, basi compressis; nucleus laevis, fuscus; 
apertura obliqua, a latere compressa, angusta, securiformis; peristoma 
simplex, marginibus callo nitido junctis, dextro superne angulatim adnato, 


26 


basi cum columellari subincrassato angulum formans; perforatio excavatione 
spirali canaliforme dentem a nucleo apeiluram petendem formans. 

Long. 10 (8), diam. maj. 4,25 (3,75), min. 4 (3,5) mm. 

Apert. iong. 3,5 (3), lat. 2 (1,75) mm. 

Hab. Cbatam-Island. (Wolf.) 

„900—2000 Fuss, im Moos, an Schattenpflanzen, besonders Farren, 
sehr häufig“. (Wolf.) 

Gehäuse verlängert kegelförmig, spindelförmig, bis zum Wirbel durch- 
bohrt, zart, stark glänzend, zierlich bogig gestreift, gelb bis bräunlich 
hornfarben, mit zwei breiten braunen Bändern gezeichnet; Gewinde spitz; 
Naht linienförmig. Umgänge 8 ! / 2 — 10, flach, ganz gleichmässig zunehmend, 
an der Basis zusammengedrückt; Wirbel glatt, braunroth. Mündung 
schräg, von der Seite her zusammengedrückt, eng, beilförmig; Mundsaum 
einfach, Mundränder durch einen glänzenden Callus verbunden; Aussen- 
rand an der Mündungswand eingewinkelt, an der Basis mit dem Spindel- 
rande eine scharfe Ecke bildend. Die in der Durchbohrung umlaufende 
canalförmige Spindelfalte lässt sich am besten mit den Zügen eines Gewehr- 
laufes vergleichen. 

Die Art weist bedeutende Unterschiede in Zahl der Umgänge und 
Grösse auf; die oben angegebenen Maasse entsprechen der grössten bezw. 
kleinsten Form unter 4 erwachsenen Stücken. 

30. Bulimulus {Felecostoma) cymatoferus nov. sp. — Taf. II, Fig. 7. 

Char. T. exigua, conico-turrita, perforata, tenera, diaphana, glaberrima, 
nitidissima, concolor lutescens; spira acutiuscula; sutura mediocris; an- 
fractus abunde 6 convexi aequaliter accrescentes ; apertura obliqua, subovalis, 
intus nitida; peristoma simplex, margine dextro paulum ainpliato, columel- 
lari leviter torto, basi rotundatum ; columella ruga spirali limbata, aperturam 
testae adultae non attingente; alia ruga spiralis albida in parie aperturali 
simplici medio eveniens aperturam attingit. 

Long. 2,75 bis 3, diam. maj. 1,5, min. 1,33 mm. 

Apert. long. 1, lat. vix 1 mm. 

Hab. Chatam-Island. (Wolf.) 

Gehäuse klein, kegelförmig gethürmt, durchbohrt, dünnschalig, durch- 
scheinend, ganz glatt und stark glänzend, gelblich hornfarben; Gewinde 
ziemlich spitz; Naht massig vertieft; reichlich 6 Umgänge, gewölbt und 
gleichmässig ansteigend. Mündung schräg, annähernd eiförmig, innen 
glänzend ; Mundsaum einfach mit schwach erweitertem Aussenrande und leicht 
gedrehtem Spindelrand, an der Basis gerundet. Spindel mit einer Spiral- 
lamelle belegt, welche beim erwachsenen Gehäuse die Mündung nicht 
erreicht. Eine zweite ebenfalls weisse Spirallamelle tritt auf der Mitte der 
Mündungswand auf, und läuft bis an die Mündung vor. Bei unvollendeten 
Exemplaren herrscht die Spindellamelle vor, im letzten Umgänge verflacht 
sie sich aber schnell und verschwindet dann gänzlich. 

Die Gruppe Felecostoma nov. sect. steht den Achatinellen sehr nahe 
und es erscheint fraglich, ob dieselbe als solche unter Bulimulus Leach. 
bestehen kann. Leider sind die Weichtheile, wie bei allen übrigen Arten, 
so auch hier, durch Ameisen etc. zerstört, so dass vorläufig allein mit 
den Gehäusecharakteren gerechnet werden muss. 


27 


II. Buliminus Ehrenbg. 

31. Buliminus (. Rhaphiellus ) achatinellinus Forbes. — Taf. II, Fig. 8. 

Bulimus achatinellinus Forbes in Proc. Zool. Soc. 1850, p. 56^ t. 9, f. 5. 

„ „ Chemn. ed. II, Bul. N. 112, t. 31, f. 19, 20. 

„ „ Pfr. Mon. Hel. viv. III, p. 429. 

„ „ ( Rhaphiellus ) Pfr. Vers., p. 160. 

Bulimulus achatinellinus ( Omphalostyla ) Ad. Gen., p. 161. 

Bulimina achatellina ( Rhaphiellus ) Cless. Noraencl., p. 300. 

Hab. Galäpagos (Cuming), Chatham-Island (Wolf). 

Das von mir abgebildete Stück, leider das einzige, weicht in ver- 
schiedenen Punkten mehr oder weniger von der in Pfeiffer ’s Mon. 1. c. 
gegebenen Diagnose ab. 

Die Länge beträgt nur 19 gegen 22 mm, der Durchmesser 9 gegen 
11 mm; ebenso sind die Mündungsverhältnisse entsprechend kleiner. 
Dabei weist aber unser Gehäuse 1 / 2 Umgang mehr auf (8Y 2 )* Die im 
Chemnitz 1. c. gegebene Abbildung ist allerdings sehr wenig geeignet, zum 
Vergleich herangezogen zu werden. — Freilich zeigt unser Stück am 
letzten Umgang eine Verletzung, die auch in der mit Portraitäbnlicbkeit 
ausgefübrten Abbildung angegeben ist. Nur eine Vergleichung mit den 
Forbes’schen Originalexemplaren kann hier entscheiden. Ueber das Vor- 
kommen bemerkt Wolf: 

„900 — 2000 Fuss, an bemoosten Felsen, scheint selten, konnte kein 
lebendes gutes Exemplar finden“. 

III. Pupa Drp. 

32. Pupa ( Leucochila ) munita nov. sp. — Taf. II, Fig. 9. 

Cbar. T. profunde rimata, ovato-cylindracea, apice obtuso, tenera, 
diaphana, laevis, opaca, pallide cornea vel albicans; sutura mediocris; an- 
fractus 5 — convexi, apertura subverticalis , rotundata, callosa, plica 
bituberculata in tränte parietis aperturalis, alteraque columellari parum 
restante, praeterea 4 denticuli magis minusve debiles in margine dextro; 
peristoma marginibus latis reflexis callo rotundato junctis. 

Long. 2,5, diam. fere 1,5 mm. 

Apert. long. 1, lat. fere 1 mm. 

Hab. Albemarl e-Island (Wolf). 

„An Gebüsch in der Nähe des Meeresufers.“ (Wolf.) 

Gehäuse tief geritzt, eiförmig cylindrisch, mit stumpfem Wirbel, dünn- 
schalig, durchscheinend, glatt, matt, blass bornfarben bezw. weisslicb; Naht 
mässig vertieft; 5 — ö 1 / 2 gewölbte Umgänge; Mündung fast senkrecht, rund, 
wulstig, mit einer zweihöckerigen Lamelle auf der Mündungswand, ferner 
einem einfachen etwas zurücktretenden Spindelzabne, sowie 4 kleineren 
Zäbncben im Aussenrande, die aber mit Ausnahme des der Parietallamelle 
gegenüberstehenden häufig fehlen. Der breite Mundsaum ist umgeschlagen 
und durch einen gerundeten Callus verbunden. 

Die Art steht der in der Provinz Guayaquil in Ecuador häufigen 
Pupa Wolfii Miller sehr nahe, welche zum Vergleiche Taf. II, Fig. 11 
abgebildet ist. 

33. Pupa ( Leucochila ;) clausa nov. sp. — Taf. II, Fig. 10. 

Char. T. profunde rimata, ovato-cylindracea, apice, obtuso, tenera, 
laevis, opaca, pallide cornea vel albicans; sutura subprofunda; anfractus 

4 


28 


4 2 /s convexi; apertura subverticalis , rotundata, dentibus numerosis coarc- 
tata; dens parietalis bisulcus in faucem descendens, idem columellaris ; in 
margine dextro juxta dentem perlongum validum utrimque 2 dentes de- 
biles; peristoma marginibus parum dilatatis vix reflexis callo rotundato junctis. 

Long. 2,2, di am. 1,25 mm. 

Apert. long. 0,9, lat. 0,8 mm. 

Hab. Indefatigable-Island (Wolf). 

„An Gebüschen in der Nähe des Meeresufers.“ (Wolf.) 

Gehäuse tief geritzt, eiförmig eylindrisch, mit stumpfem Wirbel, dünn- 
schalig, glatt, matt, blass hornfarben bezw. weisslich; Naht ziemlich tief; 
4 2 / 3 gewölbte Umgänge; Mündung fast senkrecht, rund, durch zahlreiche 
Zähne verengt; der zweitheilige Parietalzahn zieht sich tief in den Schlund 
hinab, ebenso der Spindelzahn; im Aussenrande stehen neben dem kräftig 
entwickelten Mittelzahne (gegenüber dem Parietalzahn) beiderseits 2 klei- 
nere Zähnchen, welche bisweilen fehlön. Der Mundsaum ist wenig er- 
weitert und kaum umgeschlagen, durch einen gerundeten Callus verbunden. 

Die Art ist eine weitere Entwickelungsform der Papa Wolfii Milk, 
zu welcher Pupa munita nov. sp. von der Insel Albemarie hinüberleitet. 


IV. Succinea D rp. 

34. Succinea ( Tapada ) Bettii Smith. 

Succinea Bettii Smith in Proc. Zool. Soc. 1877, p. 72, t. XI, f. 8. 

Hab. Chatham-Island (A. Smith 1. c.). 

35. Succinea ( Tapada ) Wolfi nov. sp. -- Taf. II, Eig. 12 a, b. 

Char. T. ovata vel auriformis, ventrosa, perfragilis, pellucida, evidenter 
striata, succinea vel subfusca; spira brevis, apice acutissimo; anfractus 
abunde 3 convexi, ultimus inflatus; sutura profunda; columella arcuata; 
apertura obliqua, ovalis, superne rotundata, marginibus callo tenerrimo 
junctis, dextro ampliato, columellari pertorso recedente. 

Long. 11, diam. maj. 7,75, min. 5 mm. 

Apert. long. 6,35, lat. 4 mm. 

Hab. Chatham-Island (Wolf). 

„900—2000 Fuss, feuchte Region; an Schattenpflanzen, zwischen Moos, 
an Felsen, häutig.“ (Wolf.) 

Gehäuse oval bezw. ohrförmig, bauchig, sehr zerbrechlich, durch- 
scheinend, kräftig gestreift, bernsteinfarben oder röthlichbraun; Gewinde 
kurz, mit sehr spitzem Wirbel; Umgänge reichlich 3, gewölbt, der letzte 
aufgetrieben; Naht tief; Spindel geschweift; Mündung schräg, eiförmig, 
oben gerundet; Ränder durch einen feinen Callus verbunden, Aussenrand 
erweitert, Spindelrand stark gedreht und zurücktretend. 

Yar. producta. — Taf. II, Fig. 12 c. 

Char. T. elongata, turrita, fusca, spira ablonga, apice acutissimo; an- 
fractus 3 2 / 3 convexi, ultimus inflatus; apertura truncato-ovalis ; peristoma 
fusco-limbatum, marginibus subparallelis, dextro superne arcuato, columellari 
deflecto, basi rotundatis. 

Long. 10,25, diam. maj. 5, min. 3,5 mm. 

Apert. long. 6,35, lat. 4 mm. 

Hab. Ibidem (Wolf). 


29 


Gehäuse langgezogen, thurmförmig, braun, mit verlängertem Gewinde 
und sehr spitzem Wirbel; 3 2 / 3 gewölbte Umgänge, der letzte aufgetrieben; 
Mündung gedrückt eiförmig; Mundsaum rostfarben berändert mit ziemlich 
gleichlaufenden Rändern; Aussenrand oben bogig gerundet, Spindelrand 
an der Basis stark ausgebogen. 

Succinea Wolfi nov. sp. unterscheidet sich von S. Bettii Smith vor- 
nehmlich durch den oben gerundeten Aussenrand (apertura superne ro- 
tundata), an welcher Stelle die letztere im Gegensätze hierzu verschmälert 
erscheint (apertura superne angustata, Smith 1. c.), was auch die daselbst 
gegebene Abbildung bestätigt. 

Unsere var. producta ist nur in einem Stück vorhanden; sie fällt 
auf durch ihre ausserordentlich schlanke Form und % Umgang mehr. 


Y. Helicina Lam. 

36. Helicina Wolfi nov. sp. — Taf. II, Fig. 13. 

Char. T. depressa, lenticularis, tenuiuscula, confertim striata, corneo- 
fulva; spira brevis, acutiuscula; sutura linealis; anfractus 4y 2 plani, 
regulariter accrescentes ; apertura obliqua, transverse triangularis; eolumella 
Simplex, retrorsum in callum nitidum; peristoma rectum. — Operculum 
semiovale, rubellum. 

Diam. maj. 3,5, alt. 2,6 mm. 

Apert. lat. 1,7, alt. 1,5 mm. 

Hab. Chatham-Island (Wolf). 

„900—2000 Fuss, feuchte Region; an Schattenpflanzen zwischen Moos, 
an Felsen häufig“. (Wolf.) 

Gehäuse gedrückt, linsenförmig, zart, dicht gestreift, bräunlich horn- 
farben; Gewinde kurz, ziemlich spitz; Naht linienförmig; Umgänge 4 1 / 2 , 
flach, regelmässig zunehmend; Mündung schräg, schief, dreieckig; Spindel 
einfach, in den glänzenden Gallus übergehend; Mundsaum geradeaus. — 
Deckel halbeiförmig, röthlich. 

Auch für dieses Genus bilden die Galäpagos - Inseln eine Brücke 
zwischen polynesischen und amerikanischen Arten. 


Zur bequemeren Uebersicht sei noch eine Zusammenstellung der nun- 
mehr bekannten Arten gegeben: 

I. Gen. Bulimulus Leach. 

Sect. Naesiotus Alb. 

1. eschariferus Sow. Chatham-Island (Darwin). 

2. unifasciatus Sow. Charles-Island (Cuming, Wolf). 

3. nucula Pfr. Charles Island (Wolf). 

4. verrucosus Pfr. Galäpagos (t. Pfr. 1. c.). 

5. asperatus Alb. Charles-Island (Wolf). 

6. nux Brod. Charles-Island (Cuming, Wolf). 

7. incrassatus Pfr. Chatham-Island (Wolf), 
var .sulcatus Charles-Island (Wolf). 

„ nuciformis Pet. Charles-Island (Wolf). 

8. ustulatus Sow. Charles-Island (Cuming, Wolf). 

9. invalidus nov. sp. Charles-Island (Wolf). 

4* 


30 


10. venustus nov. sp Charles-Island (Wolf). 

11. calvus Sow. James-Island (Cuming), Charles-Island (Wolf). 


12. Jacobi Sow. James-Island (Cuming). 

13. pallidus nov. sp. Albemarle-Island (Wolf). 

14. cinereus nov. sp. James-Island (Wolf). 


15. nigulosus Sow. Chatham-Island (Cuming, Wolf). 

16. ventrosus nov. sp. Barrington-Island (Wolf), 

var. ß. Chatham-Island (Wolf). 

17. galapaganus Pfr. Galäpagos (t. Pfr. 1. c.). 


18. acutus nov. sp Chatham-Island (Wolf). 

19. curtus nov. sp. Chatham-Island (Wolf). 


20. rugiferus Sow. James-Island (Cuming). 

21. nudus nov. sp. Charles-Island (Wolf). 

22. sculpturatus Pfr. Galäpagos (Darwin). 

23. Darwini Pfr. Galäpagos (Darwin). 

24. Wolfi nov. sp. Indefatigable-Island (Wolf). 

25. Simrotm nov. sp. Albemarle-Island (Wolf) 


Sect. Pleuropyrgus Mrts. 

26. terebra nov. sp. Chatham-Island (Wolf). 

27. chemnitzioides Forb. Chatham-Island (Wolf). 

28. lima nov. sp. Chatham-Island (Wolf). 


Sect. Pelecostomci nov. sect. 


29. canaliferus nov. sp. 

30. cymatoferus nov. sp. 

II. Gen. Buliminus Ehrenbg. 
Sect. Bliaphiellus Pfr. 

31. achatinellinus F 

III. Gen. Pupa Drp. 

Sect. Leucochila Mrts. 

32. munita nov. sp. 

33. clausa nov. sp. 

IY Gen. Succinea Drp. 

Sect. Tapada Stud. 

34. Bettii Smith. 

35. Wolf nov. sp. 
var. producta. 

Y. Gen. Helicina Lam. 

36. Wolf nov. sp. 


Chatham-Island (Wolf). 
Chatham Island (Wolf). 


Chatham-Island (Wolf). 


Albemarle-Island (Wolf). 
Indefatigable-Island (Wolf). 


Chatham-Island (t. Smith 1. c.). 
Chatham-Island (Wolf). 
Chatham-Island (Wolf). 


Chatham-Island (Wolf). 


n 


31 


Es waren demgemäss bisher bekannt 18 Arten; im Ganzen wurden 
von Dr. Wolf gesammelt (ungerechnet der noch in Stuttgart auf bewahrten) 
28 Arten, darunter 17 neu. 


Bei einer kritischen Musterung der Formen fällt deren eigenartiges 
Verhalten bezüglich der Localität zu ihren betreffenden Faunengebieten 
ganz besonders auf. So finden sich die den polynesischen Formen an- 
schliessenden Bidimulus canaliferus nov. sp., cymatoferus nov. sp. und 
Bulimihus achatin ellinus Forb. auf der östlichsten Insel Chatham, hin- 
gegen die Verwandten der Pupa Wolfii Miller von Ecuador auf den west- 
lichen Inseln Albemarie und Indefatigable, und zwar so, dass die der 
genannten Art am nächsten stehende P. munita nov. sp. auf Albemarie 
und die weniger ähnliche P. clausa nov. sp. auf Indefatigable, also dem 
Festlande näher, vorkommt. — Für ein derartiges Uebergreifen der Formen 
ist keine erschöpfende Erklärung zu finden. Nach der jetzigen Richtung 
der Meeresströmungen können wir uns das Auftreten von polynesischen 
Formen nicht deuten; jedenfalls ist es nicht ausgeschlossen, dass zur Zeit 
einer Besiedelung mit diesen die Meeresströmungen ganz andere gewesen 
sind als heutzutage. Für die Beurtheilung der amerikanischen Formen 
wäre es von grossem Interesse, die Fauna der westlich von Chile gelegenen 
Inseln Mas-a-fuera, Juan Fernandez, Felix und Ambrose eingehend 
zu erforschen, da diese Inseln vom peruanischen Humboldtstrom berührt 
werden, welcher weiter nördlich von der Küste von Peru in gerader 
Richtung auf die Galäpagos-Inseln zuströmt. Die von Smith hervorgehobene 
Aehnlichkeit der Succinea Bettii Smith mit der auf Mas-a-fuera lebenden 
Succinea rubicunda Pfr. lässt diese Annahme als berechtigt erscheinen. 

Noch zu erwähnen ist eine eigenartige Convergenz der Charaktere von 
Bid. Wolfi bezw. B. Simrothi und den beiden Species von Pupa. Auf 
Indefatigable-Islan d finden sich der kräftig gezähnte Bid. Wolfi und 
die mit vielen Zähnchen und Lamellen ausgestattete Pupa clausa ; auf 
Albemarie- Island zeigt Pupa munita eine viel schwächere Bezahnung 
und Bul. Simrothi , dem Bid. Wolfi sehr nahe stehend, charakterisirt sich 
durch den Mangel jeglicher Zahnbildung. Dieser Umstand lässt auf grössere 
Trockenheit des betreffenden Standortes bei Indefatigable -Island als bei 
Albemarle-Island schliessen. 

Wohl selten wird man Localitäten finden, welche es infolge ihrer Ab- 
geschlossenheit gestatten, von den vorhandenen Formen Folgerungen auf 
die Bildungsursachen und Einflüsse zu machen, welche im Grossen und 
Ganzen die Veranlassung zu den verschiedenartigen Wandelformen gegeben 
haben, wie dies bei der Fauna der Galäpagos-Inseln der Fall ist. 


Tafelerklärung. 





Tafel I. 



Tafel II. 

Fi g- 

1. 


Bulimulus unifasciatus Sow. 

Fig. 

1. 

Bulimulus Wolfi nov. sp. 

Fi g. 

2. 


B. nucula Pfr. 

Fig. 

2. 

B. Simrothi nov. sp. 

Fig. 

3. 


B. asperatus Alb. 

Fig. 

3. 

B. terebra nov. sp. 

Fig. 

4 a. 


B. incrassatus Pfr. 

Fig. 

4. 

B. chemnitzioides Forbes. 

Fig. 

4b, 

c. 

B. incrass. var. sulcatus. 

Fig. 

5. 

B. lima növ. sp. 

Fig. 

4d. 


B. incrass. var. nuciformis 

Fig. 

6. 

B. canaliferus nov. sp. 




Petit. 

Fig. 

7. 

B. cymatoferus nov. sp. 

Fig. 

5. 


B. ustulatus Sow. 

Fig. 

8. 

Buli minus achatinellinus For- 

Fig. 

6. 


B. invalidus nov. sp. 



bes. (?) 

Fig. 

7. 


B. venustus nov. sp. 

Fig. 

9. 

Pupa munita nov. sp. 

Fig. 

8. 


B. calvus Sow. 

Fig. 

10. 

P. clausa nov. sp. 

Fig. 

9. 


B. pallidus nov. sp. 

Fig. 

11. 

P. Wolfii Miller. 

Fig. 

10 . 


B. einer eus nov. sp. 

Fig. 

12a, 

b. Succinea Wolfi nov. sp. 

Fig. 

11a, 

b. 

B. rugulosus Sow. 

Fig. 

12 c. 

S. Wolfi var. producta. 

Fig. 

12a, 

b. 

B. ventrosus nov. sp. 

Fig. 

13. 

Helicina Wolf nov. sp. 

Fig. 

13. 


B. acutus nov. sp. 




Fig. 

14. 


B. curtus nov. sp. 




Fig. 

15. 


B. nudus nov. sp. 





IV. lieber habituelle Aeliiilichkeiten generell 
verschiedener Pflanzen. 

Von Dr. K. Reiche. 


Wenn verschiedene Arten derselben Gattung in der Summe ihrer 
äusseren , dem unbefangenen Blick sich darbietenden Merkmale , also in 
ihrem Habitus, nahe überein stimmen , so kann darin bei der phylogene- 
tischen Verwandtschaft der betreffenden Arten nichts Bemerkenswertes 
liegen , zumal da die Grenzen derselben, besonders in den polymorphen 
Typen, bisweilen fliessende und daher bis zu gewissem Grade conventio- 
neile sind. Etwas anders liegen die Verhältnisse, wenn wir habituelle 
TJebereinstimm ungen oder doch Aehnlichkeiten über den Rahmen einer 
Gattung hinaus in eine andere übergreifen sehen , wobei letztere nicht 
einmal immer derselben Familie anzugehören braucht. Dann ist die Aehn- 
lichkeit sicherlich nicht mehr der Ausdruck einer inneren Stammesverwandt- 
schaft, sondern sie ist eine rein äusserliche, repraesentative , aber doch, 
wie wir sehen werden, nicht ganz uninteressante. 

Ich lasse zunächst eine kleine Liste von Gewächsen folgen , welche, 
paarweise der gleichen Familie angehörig, die habituelle Aehnlichkeit deut- 
lich darzuthun vermögen, bis zu dem Grade, dass sie von Anfängern ohne 
genauere Untersuchung überhaupt nicht als verschieden erkannt werden. 
Cardamine amara — Nasturtium officinale (Cruciferen). 

Myosotis sparsiflora — Omphalodes scorpioides (Borragineen). 
Asperula arvensis — Sherardia arvensis (Stellaten). 

Campanula patida (weissblüthige Rasse) — Wahlenbergia linarioides 
(Campanulaceen). 

Chrysanthemum inodorum — Anthemis arvensis\ n 
Inula britannica — Pulicaria dysenterica \ l^ 0m P 0Slten k 
Malachium aquaticum — Stellarm nemorum (Caryophylleen). 
Selinum carvifolium -— Thysselinum palustre ) ( 

Chaerophyllum aromaticwm — A egop o diump odagragriaj ^ u m Dei llei eD )• 
Älopecurus pratensis — Phleum pratense (Gramineen). 

In diesen , mit einer einzigen Ausnahme der deutschen Flora ent- 
lehnten Beispielen betrifft die Aehnlichkeit Standort und Grösse des Ge- 
wächses, Verzweigung und Blattform , Gestalt und Farbe der Blüthe — 
also alle der sinnlichen Wahrnehmung sich zunächst darbietende, von der 
Phytographie als unwesentlich betrachtete Merkmale. Eine genauere Ana- 
lyse von Blüthe und Frucht rechtfertigt dann nachträglich die generische 
Trennung. 

Seltener sind die Fälle, wo derartige Aehnlichkeiten von Vertretern 
weit verschiedener Familien repräsentirt werden; da alsdann noth wendiger 


Ges. Isis in Dresden, 1898. — Abli. 4. 


34 


weise der Blüthenbau bedeutende Abweichungen aufweist, so kann die 
Analogie der beiden verglichenen Arten keine so vollständige sein; noch 
am reinsten ausgeprägt finde ich sie zwischen 

Monsonia speciosa (capensische Geraniacee) — Pulsatilla (gross- 
blüthige, europäische Spec.). 

Wendtia gracilis (chilenische Geraniacee) — - Potentilla (keine be= 
stimmte Art, sondern der Gesammteindruck). 

Hier lässt sich die Aehnlichkeit, ohne der Künstelei zu verfallen, trotz 
der grossen oder mittelgrossen Blüthen noch aufrecht erhalten. Dies wird 
um so mehr der Fall sein, als die Blüthen, bei sonstiger Uebereinstimm- 
ung in den Vegetation sorganen , klein und unscheinbar werden , weil sie 
dann trotz ihres abweichenden Baues die Gesammterscheinung nicht be- 
einflussen. Für diesen Fall mögen die hier nebeneinander gestellten Ra- 
nuncidus miser , Ranunculacee (Fig. 2) und Boivlesia tripartita , Umbellifere 
(Fig. 1), zur Erläuterung dienen. 



Häufig kommt es vor, dass in den Vegetationsorganen eine weit- 
gehende Uebereinstimmung herrscht, dass die betreffenden Gewächse also im 
nichtblühenden Zustand als einander nahestehend betrachtet werden können, 
während ein Blick auf die Blüthe genügt, sie auseinander zu halten; so 


35 


Eryngium spec. ... Cirsium , Carduus (allgemein: „Disteln^). 

Viola rosulata und Verwandte . . . Nassauvia , gewisse Saxifragen 
mit grundständiger Blattrosette. 

Euphorbia spec. . . . Cactaceen (Cereus) . . . Stapelien. 

Ueberhaupt sehen wir, dass gewisse allgemeine Züge der äusseren 
Form gern wiederkehren ; das letzte der obengenannten Beispiele beweist 
es schon; den Compositen und ümbelliferen ähnliche Formen finden wir 
unter den Monocotylen durch die Eriocauleen repräsentirt , und einige 
australe Arten von Eryngium machen einen ganz monocotylen Eindruck 
nicht nur im äusseren, sondern auch im anatomischen Aufbau ihrer Vege- 
tationsorgane. Fiederpalmen, Baumfarne und Cycadeen sind Schopfbäume 
mit gefiederten Blättern aus sehr verschiedenen Klassen des Systems. 
Derartige übereinstimmende Organisationen können z. Th. in Abhängigkeit 
von gleichen Lebensbedingungen vom Finalstandpunkte aus verständlich 
gemacht, aber nicht erklärt werden; so die Reihe Euphorbia spec. — Cac- 
teen — Stapelien , welche sämmtlich blattlose Succulenten der Tropen 
und Subtropen sind; in anderen Fällen sind es morphologische Ueber- 
einstimmungen, welche wir nur als Thatsache hinnehmen können. 

In den vorstehenden Ausführungen handelt es sich um gemeinsame 
Züge des äusseren Aufbaues, während die Blüthen wesentliche Unterschiede 
zeigten. Aber es kommt, wiewohl seltener, vor, dass die Blüthen in ihrer 
äusseren Configuration (trotz aller Verschiedenheit der systematischen Zu- 
gehörigkeit) einander sehr nahe kommen, während die Vegetationsorgane 
gar nicht vergleichbar sind. 

So sind z. B. die Blüthen von Alisma plantago und Banunculus 
aquatilis nur unwesentlich durch ihre Grösse*) und die Gliederzahl ihrer 
Blattkreise verschieden — wenn wir vom morphologischen Detail absehen. 
Letzteres kommt aber für die Biologie der Blüthe gar nicht in Betracht; 
beide Blüthen werden nach Kirchner**) in ganz derselben Weise bestäubt 
(von Dipteren) oder sind bei ausbleibendem Insectenbesuch autogam. — 
Die Blüthe der überaus zierlichen Conanthera bifolia R. et P., welche in 
Chile vorkommt, erinnert auffällig an die von Solanum dulcamara\ dass 
sie ßzählig ist , während die andere dem özähligen Typus folgt , erklärt 
sich aus der respectiven Zugehörigkeit zu den Liliaceen und den Solana- 
ceen , und ist wiederum biologisch belanglos. Den Grad der Ueberein- 
stimmung kann man aus folgender Gegenüberstellung erkennen: 


Conanthera bifolia. 

Perigon ßzählig, Zipfel bis zum Grunde 
frei, etwas zurückgebogen, dunkelblau. 
Stb. 6, mit kurzen, am Grunde zusammen- 
hängenden Stf. und laugen, gelben, zu 
einem Kegel zusammengeneigten A.; ihre 
Oeffnung durch einen Porus an der Spitze. 


Solanum dulcamara. 

Kione tief 5theilig, ausgebreitet oder 
etwas zurückgebogen; dunkelblau. Stb. 5 
mit kurzen, am Grunde zusammenhängen- 
den Stf. und langen, gelben, zu einem Kegel 
zusammenneigenden A. ; ihre Oeffnung er- 
folgt durch einen Porus an der Spitze. 


Die Aehnlichkeit der Conanthera mit einem Solanum wird dadurch 
noch ausgesprochener, dass zur Blüthezeit die Laubblätter fast ganz ver- 


*) Alisma ranunculoides und Banunculus Flammula sind einander im abgeblühten 
Zustande, wo die Zahl und Farbe der Petalen nicht mehr zum Unterschiede zu ver- 
werthen sind, an den moorigen Teichufern des nordwestlichen Deutschlands zum Ver- 
wechseln ähnlich! (Anm. d. Red.). 

**) Kirchner: Flora von Stuttgart, pg. 183 und 264. 


trocknet sind; so hebt sich also nur der Schaft mit seiner Blüthenrispe 
ungefähr fusshoch über den Boden. 

Es wurde schon oben beiläufig bemerkt , dass die Ursachen dieser 
habituellen Anklänge und Uebereinstimmungen innere , morphologische, 
also unserer Erkenntniss unzugängliche sind. Immerhin lassen sich an 
diese Erscheinung einige allgemeine Betrachtungen knüpfen. 

Es sind aus dem Thierreich zahlreiche Fälle bekannt, wo eine Art 
von einer zweiten einer anderen Gattung in ihrer äusseren Erscheinung 
nachgeahmt wird, wodurch sie alle die Yortheile geniesst, welche die erstere 
etwa im Kampf ums Dasein durch ihre Leibesform oder Farbe gewinnt. 
Zu dieser als Mimicry*) bezeichneten und allgemein bekannten Erscheinung 
giebt es im Pflanzenreich kein Analogon und kann es keines geben, weil 
sich das Leben der sesshaften Pflanze unter ganz anderen Bedingungen 
abspielt , als das des ortwechselnden Thieres. Aber versuchen wir einmal 
den widerstrebenden Gedanken zu vollziehen, dass eine Pflanze wie ein 
Thier auf Nahrungserwerb auszugehen hätte, so müssen wir zugeben, dass 
dann die habituelle Aehnlichkeit der oben genannten Pflanzenpaare der 
natürlichen Auslese eine Handhabe bieten würde , jene Analogien mehr 
und mehr in der Richtung zu steigern, in welcher sie sich der einen Art 
als günstig erweisen. Und da wir ferner keinen Grund zu der Annahme 
haben , warum habituelle Analogien nicht eben auch im Thierreich sich 
finden sollten, so könnten wir in ihnen einen möglichen Ausgangspunkt (ich sage 
nicht den einzig möglichen) der als Mimicry bezeichneten Lebensäusserung 
erblicken. Wir hätten uns dann vorzustellen, dass rein morphologische 
Uebereinstimmungen oder doch Anklänge dem Kampf ums Dasein dienst- 
bar gemacht, d. h. in bestimmter Richtung gesteigert würden. Eben diese 
Anschauung macht uns aber gleichzeitig zur Pflicht, jede formelle Ana- 
logie generisch verschiedener Thiere nicht ohne das entscheidende Beob- 
achtungsmaterial für einen Fall von Mimicry zu erklären; er könnte sehr 
wohl auch auf blosser repräsentativer Aehnlichkeit beruhen. 

Constituciön (Chile), October 1891. 


*) J. Thallwitz: Ueber Mimicry; diese Berichte 1890, Abhdlg. 3, 


37 


Y. Ueber neue Tertiärpflanzen von Grünberg in Schlesien. 

Von H. Engelhardt. 


Die Kenntniss von den in den Schichten der Tertiärformation der 
Provinz Schlesien eingebetteten Pflanzenresten ist bisher eine im Verhält- 
niss zur Grösse des Gebietes geringe geblieben. Wohl hat uns Göppert 
in seinen „Beiträgen zur Tertiärflora Schlesiens“, noch mehr in „Die ter- 
tiäre Flora von Schossnitz in Schlesien“ einen Einblick in die Pflanzen- 
welt, welche während der Tertiärzeit Schlesien belebte, thun lassen, doch 
umfassen diese Arbeiten nur einige Localitäten, nicht das ganze Gebiet. 
Die wenigen Bemerkungen, welche mir über „Tertiärpflanzen von Kunzen- 
dorf bei Sagan in Schlesien“ (Sitzungsb. d. Isis in Dresden, 1877, Heft I) 
und über „Tertiärpflanzen von Grünberg in Schlesien aus dem Provinzial- 
Museum zu Königsberg in Pr.“ (Schriften d. physik.-ökon. Gesellschaft, 
1866) zu machen vergönnt waren, konnten nur wenig zur Bereicherung 
des Wissens über besagten Gegenstand beitragen. Darum muss jeder neue 
Fund mit Freude begrüsst werden. Herr Bergwerksdirector Schröder 
hatte einen solchen im Grünberger Gebiete gemacht und seine mit grosser 
Sorgfalt gesammelten Fossilien Herrn Bergrath von Rosenberg über- 
mittelt, welcher die Güte hatte, sie mir zur Bestimmung zuzusenden. Sie 
sind reich an Zahl, zeigen aber die schon mehrfach erwähnte Eigentüm- 
lichkeit, dass sie nur wenigen Arten zugewiesen werden können. Doch 
setzen sie uns in die Lage, unsere Kenntniss zu erweitern, weshalb ich 
mich zu Bemerkungen über dieselben berufen fühle. Sie stammen theils 
aus dem Liegenden der Kohle, theils aus der Kohle selbst, die meisten 
fanden sich jedoch in dem Thone des Hangenden. 

Aus dem unter der Kohle befindlichen Thone sind vorhanden: 

Poacites laevis Heer. 

Ein Blattspreiten stück. 

Andromeda protogaea Ung. 

Ein Blatt 

Cassia phaseolites Ung. 

Ein Blättchen. 

Aus der Kohle stammen: 

Pinus (Abies) sp. 

Eine Anzahl Zapfen. Diese sind am Grunde 17 mm. breit, die voll- 
ständigen 55 mm. lang. Nach oben werden sie immer schmäler und enden 
in gebogener Spitze. Sie stehen Pinus (Abies) Mac Glurii Heer sehr 
nahe. 

Ges. Isis in Dresden, 189g. — Abli. 5. 


38 


Ainus gracilis Ung. 

Ein wohlerhaltenes Zäpfchen. 

Symplocos radobojana Ung. 

Eine Frucht. Sie sticht durch ihr Gelbbraun vom Dunkelbraun der 
Kohle ab. 

Nyssa Orniihöbroma Ung. 

Eine Menge Früchte. 

Juglans Goepperti Ludw. 

Eine Frucht, 2,2 cm. breit, 3 cm. hoch. 

Aus dem hangenden Thon fanden sich vor: 

Pteris oeningensis Ung. 

Ein grösseres und zwei kleinere Fiederstücke. 

Pteris Gaudini Heer. 

Ein vereinzelter Fieder. 

Phragmites oeningensis Al. Br. 

Breite Blattstücke mit schön ausgeprägter Nervatur und kleine Blatt- 
fetzen. Ausserdem kleine flachgedrückte Halmstücke mit wohlerhaltenen 
Knoten und an denselben befindlichen Wurzelnarben. Wurzelzasern. 

Arundo Göpperti Münst. sp. 

Mehrere recht grosse Rhizomstücke mit vielen grossen Wurzelnarben. 
Kleinere mit conischen, an der Spitze abgeflachten Enden. 

Junens retr actus Heer. 

Halm stücke. 

Samen eines Gypergrases. 

Glyptostrobus europaeus Heer. 

Lange, vielfach verästelte Zweigstücke. Einzelne Zweigelchen. Zäpfchen, 
noch an Zweigstücken befestigt, meist aber isolirt, in Länge von 2 cm 
und etwas darüber, geschlossen und geöffnet. Sehr häufig! 

Betula prisca Ett. 

Blätter, Kätzchen. Häufig! 

Bettda Brongniarti Ett. 

Blätter. Weniger häufig als vorige! 

Ainus Kefersteinii Göpp. sp. 

Gestielte und quergespaltene Zäpfchen. Blätter. Nicht selten! 

Ainus gracilis Ung. 

Zwei Fruchtstände mit Zäpfchen. 

Quercus sp. 

Ein Blatt, dem beiderseitig der Rand fehlt. Im übrigen erinnert es 
an Qu. Klipsteinii Ett. 

Carpinus grandis Ung. 

Eine wahre Musterkarte schöner Blätter. Häufig auch männliche 
Kätzchen mit noch erhaltenen Staubgefässen. 

Ficus tiliaefolia Al. Br. sp. 

Massenhaft Blätter in allen Grössen. Auf einem Blattstücke eine Galle. 
Salix angusta Heer. (?) 

Ein Blattstück, welches wahrscheinlich hierher gehört 


39 


G-ardenia Wetderi Heer. 

Früchte und Frachtschalen. Alle zeigen einen dicken, seitwärts ge- 
wendeten Stiel. 

Andromeda protogaea Ung. 

Blätter und Blattstücke. Die meisten lang, nur eins klein. 

Nyssa Ornithobroma Ung. 

Zwei Früchte, welche einige Millimeter länger sind als die von Unger 
abgebildeten. 

Rhamnus Gaudini Heer. 

Ein ausgezeichnet erhaltenes Blatt. Eine Anzahl Blattstücke. Ein 
Stengelstück mit Dorn. 

Rhamnus Rossmässleri Heer. 

Ein Blatt. 

Juglans mlinica Ung. 

Ein grosses Blatt. 

Rhus Pyrrhae Ung. 

Ein Blättchen mit schön erhaltener Nervatur, die bis ins Einzelnste 
verfolgt werden kann. 

Nerium sp. 

Nur der Grundtheil eines Blattes. Ist N. Sarthacense Sap. ähnlich. 

Carpolites nitens Heer. 

Zwei Samen. 

Carpolites sp. 

Nicht selten! Breitgequetschte Früchte mit dünner holziger Schale 
und Fruchtstieleindruck. — 

Wenn man bedenkt, dass innerhalb der Kohlenlager ausser den Hölzern 
nur wenig Fossilien gefunden werden, so dürfte die geringe Zahl der aus 
den Grünberger und anderen schlesischen bekannt gewordenen genügen, 
die schlesischen Braunkohlen als mit denen der sächsischen Lausitz gleich- 
alterig zu erklären. 

Mehr Artenreste haben uns die über ihnen befindlichen Thone überliefert. 
Fragt man nach den Stufen, aus welcher sie bisher bekannt geworden sind, 
so zeigt sich, dass beinahe alle vom Oberoligocaen bis zum Obermiocaen, 
ja ein nicht unbeträchtlicher Theil sogar bis ins Pliocaen hinein vorhanden 
gewesen sind und lässt sich darum hieraus kein Schluss auf ihr Alter 
machen. Besser ergeht es uns nicht, wenn wir diejenigen Species heraus- 
heben, die sich durch auffällige Anzahl ihrer Reste besonders bemerklich 
machen und deshalb wohl auch in der Vegetation vorherrschend waren, 
denn von ihnen sind anderwärts welche an oligocänen, andere an miocänen 
Fundorten in gleicher Weise vorgefunden worden. Es bleibt uns deshalb 
nichts übrig, als den Charakter der vorweltlichen Vegetation im Ganzen zu 
bestimmen, sie mit den Gliedern der jetztweltlichen, welche ihr entsprechen, 
zu vergleichen und deren Verbreitungsgebiete als massgebend für die da- 
maligen klimatischen Verhältnisse gelten zu lassen. Da stellt sich denn 
sofort heraus, dass die durch die neuen Funde in weiterer Ausdehnung 
bekannt gewordene Flora einen miocaenen Charakter aufweist, denn sie 
zeigt ein Gemisch von Vertretern der warmen und der gemässigten Zone 
auf. Betrachten wir aber das Verhältniss beider zu einander, so macht 


40 


sich ein ganz bedeutendes Vorherrschen der letzteren geltend, was auf ein 
jüngeres Alter innerhalb des Miocaen, auf eine Annäherung an das Pliocaen 
hinweist. Sollten sich bei weiterer Ergänzung des Materiales bei Neufunden 
— ich zögere, auf Grund der geringen Zahl der Petrefacten schon jetzt 
eine ganz bestimmte Meinung auszusprechen — die Proportionen nicht 
ändern, so könnte der die Kohle deckende Thon auf Grund der in ihm 
geborgenen Florenreste als obermiocaen bezeichnet werden. 


Zusatz. 

Bei dem Interesse, das man neuerdings den Tertiärpflanzen Schlesiens 
zuwendet, will ich nicht versäumen, über solche aus dem Thone von 
Ullersdorf eine Mittheilung zu machen. Durch Herrn Bergrath v. ßosen- 
berg kamen mir Zeichnungen von solchen, die von dem Gutsbesitzer 
Starke daselbst herrührten und in dem Nachlasse des Geheimrath Prof. 
Göppert vorgefunden worden sind, zu Gesicht. Letzterer bezeichnet sie 
als „sehr treu angefertigtV Leider scheinen blos 5 Tafeln erhalten ge- 
blieben zu sein. Indem ich alle Bruchstücke als unbestimmbar weglasse, 
nenne ich die Namen der Fossilien: 

Taf. 1. Grewia crenata Ung. sp. , Populus mutabilis Heer, Populus 
Gaudini Heer (?), Rhododendron retusum Göpp. (?), Salix Integra 
Göpp., Salix media Heer. 

Taf. 2. Juglans bilinica Ung. 

Taf. 3. Carpinus grandis Ung., Carpinus ostryoides Göpp. 

Taf. 4. Glyptostrobus europaeus Heer, Salvinia Mildeana Göpp., Betula 
prisca Ett. , Betula Brongniartii Ett. (Göppert bezeichnete ein 
Spitzenbruchstück mit Betula caudata). 

Taf. 5. Ficus tiliaefolia Al. Br. sp., Myrica rugosa Göpp., Carpinus 
grandis ♦ 

Noch ist Taf. 18 vorhanden mit der Unterschrift Göpperts: „Flora der 
Miocänformation zwischen der mittleren Elbe und der oberen und unteren 
Oder“. Sie enthält folgende Abbildungen von aus der Braunkohle 
stammenden Fossilien: 

Anona cacaoides Zenk. sp., ilfa(/^o^a-Fruchtstand, Potamogeton geni- 
culatus Al. Br. (?), Rossellinia congregata Beck sp. (vgl. Abh. d. Ges. 
Isis in Dresden, 1887, IV), Livistma Geinit zi Engelk., Nyssa Ornitho- 
broma Ung. 


YI. Mittlieilungen über die sächsischen Exemplare des 

Botrychium rutifolium A. Br. 

Von Dr. Arno Naumann. 

(Mit Tafel III.) 


In dem 1888er Jahrgange der Isis-Abhandlungen findet sich eine Notiz, 
nach welcher Herr Gartenin spec-tor Posch arsky das für Sachsen neue 
Botrychium rutaceum Sw. = Botrychium rutifolium A. Br. am grossen 
Winterberg aufgefunden hat. 

Der Güte des Finders verdankt unser Herbarium der Flora Saxonica 
(Botanische Sammlung der K. Technischen Hochschule) eine Anzahl von 
Exemplaren, die ganz zweifellos der obengenannten Art zugehören und 
von folgender Etikette begleitet sind: 

Botrychium rutaceum Sw .=. Botrychium matricarioides W. Sachs. Schweiz: 
Grosser Winterberg an grasigen Wegen. 9. Sept. 1888. 

Bei der Durchmusterung unseres sächsischen Botrychium- Materials fand 
sich ein Botrychium*) , das in folgender Weise etikettirt war: 

Osmunda ramosa = Botrychium matricarioides Willd. Sturm, germ. fase. 6 
— in der sächsischen Schweiz gefunden 1802, desgleichen im Blase- 
witzer Hölzchen. 

Auch dieses Exemplar ist mit Sicherheit als Botrychium rutifolium 
A. Br. anzusprechen. 

So ist bereits von dem damaligen Sammler das von Ascherson für 
synonym mit Osmunda ramosa Roth gehaltene**) rutaceum Willd. durchstrichen 
und ganz richtig durch matricarioides Willd. ersetzt worden. 

An Abbildungen des B. rutifolium A. Br. waren mir zum Vergleiche 
zugänglich: 

Flora danica, tab. 18, obere Figur; 

Sturm: Deutschlands Flora, 6; 

Schkuhr: Handbuch der kryptogam. Gewächse, Tab. 155 a. 

Die Exemplare stimmten mit denselben gut überein. 

Ausserdem fanden sich gelungene Abbildungen in den Werken der 

*) Wahrscheinlich aus der Sammlung des Justizamtmann Rodig in Schwarzen- 
berg (später in Stolpen), die mit dem Biener’schen Nachlass an uns gekommen ist. 

**) Meiner Ansicht nach lassen die Beschreibungen von Roth: Tentamen Florae 
Germaniae, 1788, pag. 444, Nr. 2, und Borckhausen: Römer’s Archiv für Botanik 
I, 3, pag. 8, Nr. 3, auch bei Vergleich mit den von Borckhausen aufgeführten Ab- 
bildungswerken keinen Grund erkennen, der diese Synonymie stützt. Im Gegentheil 
scheint mir die Abbildung in Clusi: Historia rarior. plant., Antwerpen 1601, auf 
welche sich der von Borckhausen citirte Caspar ßauhin (Pin. p. 355) bei Lunaria 
racemosa ramosa mojor rückbezieht, viel eher ein B. rutifolium A. Br. zu sein. 


Ges. Isis in Dresden, 1892. — Abh.£6. 


42 


älteren Autoren, welche schon frühzeitig diese Species sowie matricariae - 
folium A. Br. von B. lunaria als Arten zu scheiden wussten. 

Die Aufzählung dieser Antiqua unterlasse ich, da dieselben vollkommen 
erschöpfend in Milde ’s vorzüglicher Arbeit: Botrychiorum Monographia*), 
pag. 56 — 60 und pag. 150 aufgeführt sind. 

Bei genauer Prüfung der oben erwähnten Exemplare von B. ruti - 
folium A. Br. nach dem von Luerssen in seinen „Farn pflanzen“ ange- 
gebenen Merkmalen fanden sich einige Abweichungen, die mich dazu ver- 
anlassten, einen Yergleich mit den in Europa einheimischen Botrychien 
anzustellen. Hierzu bot unsere Sammlung europäischer Farne insofern 
Gelegenheit, als bis auf B. simplex alle Arten in mehreren, meist schwe- 
dischen**) Exemplaren vertreten waren. Gleichzeitig fand sich in der 
botanischen Bibliothek der K. Technischen Hochschule eine ziemlich 
vollständige Botrychien-Literatur vor, mit welcher ich mich eingehend 
beschäftigte. 

Neben den bereits genannten Werken waren es besonders die vor- 
züglichen Diagnosen in Döll’s Bheinischer Flora, 1843, pag. 24, 25, und 
in Hartman’s Handbok i. Skandinaviens Flora, Stockholm 1871, pag. 542 
bis 546, sowie vornehmlich die ausführlicheren Abhandlungen von Prantl: 
Systematische Uebersicht der Ophioglosseen***) und Beiträge zur Systematik 
der Ophioglosseenf). Die vorzügliche systematische Uebersicht dieser letzt- 
genannten Schriften, sowie die in Milde’s Monographie pag. 96 und Botan. 
Zeitung 1864 und 1867 angegebene Eintheilung habe ich etwas gekürzt, 
und nur bezogen auf europäische Botrychien, in Folgendem übersichtlich 
nebeneinander gestelltff). 


Prantl. 

Sectio I: Eubotrychium . 
Blätter immer unbehaart, Spalt- 
öffnungen auf beiden Blattseiten, Holz- 
körper undeutlich gereiht. 

A. Fruchttheil nahe der Basis der 
sterilen Spreite entspringend. 


Milde. 

I: Eubotrychium. 

Basis des Blattstieles völlig 
geschlossen, die Knospe um- 
schliessend, alle Secundärseg- 
mente catadrom,Oberhautzellen 
mit geraden Wänden. 

a. Affinia. 

Die sterile Spreite fast in der Mitte 
der Pflanze gelegen, Spaltöffnungen 
auf beiden Seiten der sterilen Spreite, 
Knospe unbehaart. 


lunaria-boreale-lanceolatum-matricariaefolium. 


*) Verhandlungen der K. K. zoologisch - botanischen Gesellschaft in Wien, 
XIX. Bd. 

**) v. Angström. 

***) Jahrbuch d. K. Bot. Gartens zu Berlin, Bd. III. 

f) Berichte d. deutsch, bot. Gesellschaft, Bd. I. 
ff) Klinsmann unterscheidet in d. bot. Zeitung, 1852, pag. 377, die Botrychien 
der deutschen Flora sehr einfach, wenn auch unwissenschaftlich: 

A. Unfruchtbarer Wedel dem Stengel angewachsen 

lunaria-matricariaefolium. 

B. Unfruchtbarer Wedel wurzelständig 

rutaefolium — Kannenbergii Kl. (== simplex Hitchc. cf. Luerssen: 
Farnpflanzen, pag. 577, und Lasch: Botan. Zeitg. , 1856, pag. 606.) 


/ 


43 


B. Fruchttheil unterhalb der Mitte 
des Blattstieles entspringend. 


b. Ternata. 

Die sterile Spreite gestielt, 
nahe der Basis eingefügt, bei 
völliger Entwickelung gedreit. 

* Knospe glatt , Spaltöffnungen 
beiderseitig. 

Simplex. 


Sectio II: Phyllotrichium. 

Die jungen Blätter, oft auch 
die älteren behaart, Spaltöff- 
nungen nur auf der Unterseite, 
Holzkörper deutlich gereiht, 
a. Ternata. 

Fruchttheil unterhalb der 
Mitte des Blattstieles entsprin- 
gend. Stiel mit 1 Gefässbündel. 

1) Spreite krautig, ungesäumt (nur 
exotische Botrychien). 

2) Spreite fleischig, infolge 
der Dicke der Epidermis 
etwas schwielig berandet. 


& 


Knospe behaart. 
Spaltöffnungen nur auf der 
Unterseite. 


rutifolium A. Br. 


b. Cicutaria. 

Blätter mehrreihig, Fruchttheil aus 
der Basis oder seltener der Spreiten- 
rippe entspringend , im Blattstiele 
mehrere Gefässbündel, Scheide offen. 


II : Osmundopteris. 

Die die Knospe einschliessende 
Blattstielbasis durch einen längsver- 
laufenden langen Spalt geöffnet — 
Knospe behaart — Wände der Ober- 
hautzellen geschlängelt, Spaltöffnun- 
gen auf der Unterseite. 


mrginianum. 


Aus dieser Nebeneinanderstellung ergiebt sich für JB. rutifolium A. Br. 
folgende ausführliche Diagnose : 

„Blattstiel an der Basis völlig geschlossen. Knospe be- 
haart, Spuren der Behaarung auch an den älteren Blättern 
erkennbar. Blätter bei völliger Ausbildung gedreit, infolge 
der Dicke der Epidermis schwielig berandet. Alle Secundär- 
segmente catadrom. Blattstiele mit einem Gefässbündel. 
Die Zellenwandungen der Oberhaut nicht geschlängelt, Zellen 
rechteckig. Spaltöffnungen nur auf der Unterseite. Frucht- 
theil unterhalb der Mitte des Blattstieles entspringe nd. Holz - 
körper deutlich gereiht.“ 

Bei einem Vergleich mit dieser aus beiden Aufzählungen gewonnenen 
Diagnose fand sich nun, dass bei dem Exemplare des Jahres 1803 eine 
deutliche Trennung in 2 Gefässbündel stattgefunden hatte (Taf. III, 
Fig. 1, a — e), ganz besonders auffallend bei dem Stiel des fertilen Wedels 
(Fig. 1, e). Eine deutliche Neigung zu dieser Theilung zeigte auch eines 
der von Poscharsky aufgefundenen Exemplare (Fig. 2, a — e, cf. Figuren- 




44 


erklärung S. 45); wenn auch bei beiden Exemplaren die Gefässbündel 
nicht so entfernt von einander gelegen sind, wie bei B. lunaria (Fig. 3). 

Beide Exemplare führten ferner auch auf der Oberseite Spalt- 
öffnungen (Fig. 8 ), wenn auch in weit geringerer Anzahl, als auf der 
Unterseite. 

Behaarung, Fiederung und Nervatio Cyclopteridis (cf. bezüglich Fig. 
4, 6 , 7) entsprechen völlig den Diagnosen und Abbildungen, welche Luerssen 
von Botrychium rutifolium A. Br. giebt. 

Die Trennung eines Gefässbündels in 2 ist an und für sich nicht ver- 
wunderlich (besonders, wenn sie schon im Stipes getrennt angelegt sind), 
lässt es aber doch bedenklich erscheinen, die Einzahl des Gefäss- 
bündels als Diagnosenmerkmal anzugeben. Giebt doch auch Milde 
in seiner Monographie, pag. 109 bei B. lunaria das Verschmelzen zweier 
Leitbündel in eines und pag. 154 bei B. rutifolium A. Br. das Auftreten 
von 2 Leitbündeln statt des einen an. — Weit bedenklicher noch scheint 
es mir nach dem Beobachteten, als Merkmal des B. rutifolium anzugeben: 
„Spaltöffnungen nur auf der Unterseite“; um so mehr, als dies bei Prantl’s 
Uebersicht als einer der Sectionscharaktere verwendet wird. Gewiss sind 
bei dem Auftreten der Spaltöffnungen auch hier Besonniings- und Feuch- 
tigkeitsverhältnisse*), sowie die Stellung der fleischigen Spreite massgebend. 

Ausser den behandelten Abweichungen zeigt sich an dem Exemplar 
von 1802 noch eine interessante Monstrosität. 

Die Pflanze trägt neben dem fertilen Wedel von 11 cm Länge (Taf. 
III, Fig. 5b) noch 2 fruchtbare Abschnitte von je 8 cm Länge (Fig. 5a 2 , 
a 3 ), welche an der Bhachis des 5,5 cm langen sterilen Wedels (Fig. 5 a 1 ) , 
entspringen. Somit scheint diese Monstrosität übereinzustimmen mit der 
von Milde: Botan. Zeitg., 1858, pag. 350 angegebenen, worin gesagt ist: 

„Von B. rutaefolium A. Br. besitze ich jetzt ein Exemplar einzig in 
seiner Art. Einem sterilen Blatttheil sind, durch kleine Zwischenräume 
getrennt, 3 fructificirende, vollkommen ausgebildete angewachsen.“ 

Am Schlüsse möchte ich noch die rein floristische Bedeutung meiner 
Mittheilungen her vor beben. 

Besonders den sächsischen Botanikern wird es von Interesse gewesen 
sein, zu wissen, dass bereits 86 Jahre vor dem erfreulichen Funde 
des Herrn Garteninspector Poseharskv das Botrychium rutifolium 
A. Br. als Bürger unseres sächsischen Landes (in seinen heutigen 
politischen Grenzen genommen) aufgefunden worden ist.**) 

Diese Thatsache nimmt dem Funde des Jahres 1888 nichts von seiner 
Bedeutung, dürfte aber eine erneute Aufforderung sein, die floristischen 
Forschungen auch auf die Urkunden auszudehnen, wie sie uns in den 
älteren Herbarien, Manuscripten und Florenwerken überliefert sind. 

Ganz ähnlich verhält es sich mit einem älteren sächsischen Fundorte 
des B. matricariaefolium A. Br. 

Aus den mir von 0. Wün sche-Zwickau freundlichst übersandten 
„Beiträgen zur Flora von Sachsen, II U ***) ersah ich, dass zu den von 

*) cf. Czech: Botan. Zfcg., 1869, pag. 821. 

**) 0. Wünsche in seinen „Filices 8axoniae“ giebt nur an: 

Hengstberg bei Böhmisch -Zwickau, am Roll bei Niemes, im reussischen 
Vogtlande a. d. Ruhmühle bei Ebersdorf. 

***) Sonderabdruck a. d. Jahresber. des Vereins für Naturkunde zu Zwickau, 1891. 


45 


Sachsen bereits bekannten Standorten*) des B. matricariaefolium A. Br. = 
B. rutaceum Willd. noch ein von A. Schulz-Königsbrück bei Schwepnitz 
entdeckter hinzu gekommen ist. Die mir von Herrn Schulz gütigst über- 
sandten Exemplare gehören der Normalform Milde an. 

In Schkuhr’s Handbuch der kryptogamischen Gewächse, Wittenberg 
1809, finden sich auf Tab. 155 unter dem Namen B. rutaceum 2 Ab- 
bildungen, von denen Fig. b. unzweifelhaft B . matricariaefolium A. Br. 
darstellt. Der zugehörige Text, pag. 157 lautet: „Ebenso verschieden sind 
folgende zwey Exemplare auf gegenwärtiger Tab. 155 gegeneinander, wovon 
das grössere, Fig. a, in Oberschlesien in der Gegend bei Oppeln, das andere 
kleinere aber, Fig. b, in der Dresdener Gegend gesammelt wurde“. 

Sonach ist B. matricariaefolium A. Br. schon vor dem Jahre 
1809 in unserer Dresdener Gegend aufgefunden worden. 


Erklärung zu Tafel III. 


Fig. 1, a — d. 

a. 

b 

c u. d. 

Fig. 2. 


a, 


Fig. 3. 
Fig. 4. 
Fig. 5. 


Fig. 6. 
Fig. 7. 
Fig. 8. 


b. 

c. 

d, e. 


a r 

b. 


Wedel. 


Botrychium rutaceum von 1802. 

Querschnitt durch den Stipes. 

„ ,, „ sterilen \ 

„ „ „ fertilen / 

Botrychium rutaceum von 1888. 

Querschnitt durch den Stipes. 

v v sterilen \ w P( i e i 

„ „ fertilen / WeaeL 

Querschnitt durch den Blattstiel von B. lunaria. 

Junges, behaartes Blatt von 1. 

Verzweigungen des Exemplares 1. 

sterile Spreite, a 2 , a 3 fertile Segmente der sterilen Spreite, 
eigentlicher fertiler Wedel. 

Fieder erster Ordnung. 

„ zweiter Ordnung mit Nervatio Cyclopteridis. 

Eine Spaltöffnung der Oberseite. 


*) cf. 0. Wünsche: Filices Saxoniae, pag. 22. 









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Abhandlungen 

der 

naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden, 


1892 . 






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—— — - — 


49 


VII. lieber Bernstein -artiges praehistorisches Material 
von Sizilien und über ßarmanischen Bernstein. 

Von A. B. Meyer. 


Sizilien. 


Ich habe im Bull, di paletnologia ital. 1887, anno XIII, No. 1 e 2, p. 
21—24, bereits eine kleine Mittheilung über dasselbe Thema gemacht, be- 
titelt: „Deir ambra preistorica lavorata di Sicilia“, und zwar über eine Perle 
von Crichi und eine von Randazzo. Beide verhielten sich wie Ostsee- 
Bernstein, indem sie 4,87, resp. 6,01 °/o Bernsteinsäure entwickelten. Ich 
muss jedoch den Irrthum berichtigen, dass ich die Perle von Crichi als 
'sizilisch ansah, da dieser Ort bei Catanzaro liegt, wie ich auch S. 23 an- 
führte, aber übersah, dass dies in Calabrien ist! Baron Paolo Yaglia- 
sindi-Polizzi in Randazzo sandte mir neuerdings eine Perle aus einem r 
praehistorischen Grabe von dort, deren Untersuchung jedoch ein anderes 
Resultat förderte. Dr. P. Oster in Aachen hatte die Güte, die Analyse 
zu machen; sie ergab: 

C = 68,02 %, H = 9,6 °/ 0 , Asche = 0,5 % 
und es konnte keine Bernstein säure entwickelt werden, die Perle ver- 
hält sich in dieser Beziehung daher wie der in Sizilien roh 
vorkommende Simetit, im Gegensätze zum Succinit von der Ostsee, 
der viel Bernsteinsäure (bis 8 °/ 0 ) entwickelt. 

Ferner übersandte mir Prof. P. Orsi einige Perlen aus der sikulischen 
Nekropole von Castelluccio bei Noto, die Dr. F. Oster ebenfalls so 
freundlich war zu untersuchen. Er theilte mir darüber das Folgende mit: 
„Es ist keine einheitliche Substanz. Die kleinen undurchsichtigen Stücke 
ergaben : 


I II 

C = 48,27 % 29,23 °/ 0 

H = 8,19 „ 10,17 „ 

Asche = 5,80 „ 11,11 „ 


Nur ein kleines durchsichtiges Stück schien annähernd die procentische Zu- 
sammensetzung des Bernsteins zu besitzen. Es ergab: 

C === 83,11 %, H = 11,30 °/ 0 , Asche nicht wägbar. 

Da das Gewicht dieses Stückes nur 0,058 gr betrug, so konnten weitere 
Versuche mit demselben nicht gemacht werden. In den übrigen (undurch- 
sichtigen) kleinen Stücken war Bernstein säure durch Ueberdestilliren 
nicht nachweisbar. Die Asche, schaumig und weiss, bestand aus wenig 


3 


Oes, Isis in Dresden, 1892. — Abli. 7. 


50 


Kieselsäure und Magnesia und viel Thon erde und Kalk. Eine gleichzeitig 
vorgenommene Untersuchung mit durchsichtigem baltischem Bernstein ergab : 

C = 78,25 °/o, H = 10,51 %, Asche: keine. 

Die Substanz der Perle verhält sich auch beim Erhitzen anders, als baltischer 
Bernstein. Während letzterer sich vor dem Destilliren auf bläht (schaumig 
schmilzt), verkohlen die undurchsichtigen Theile der Perle langsam.“ 

Hierzu bemerkte Prof. Arzruni in Aachen: „Die undurchsichtigen, 
der Peripherie der Perle angehörenden Theile verhalten sich chemisch ver- 
schieden von den durchsichtigen, centralen. Da die Analysen der ersteren 
im Ganzen 62,26 bezw. 50,51 °/ 0 ergeben haben, so muss der Rest eine 
Substanz sein, die weder fest ist (Asche), noch Kohlenstoff bezw. Wasser- 
stoff — er kann also event. nur aus Stickstoff oder Sauerstoff bestehen. 
Ich vermuthe das Letztere, da entschieden bei den undurchsichtigen Partieen 
eine Umwandlung, wahrscheinlich Oxydation, vorliegt. Dass die Umwand- 
lung nicht gleichmässig ist, d. h. die undurchsichtigen Theile nicht homogen 
sind, beweisen die beiden von einander so sehr abweichenden Analysen. 
Dass Durchsichtiges und Undurchsichtiges ebenfalls verschieden ist, ersieht 
man aus der dritten Analyse, bei der das Fehlende Sauerstoff sein dürfte.“ 
Da dieses Resultat nun wenig befriedigend war, so sandte Prof. Orsi 
von den gefundenen 4 Perlen weiteres Material: „Die länglichen durch- 
löcherten Perlen waren von dunkelbrauner Farbe und schwach durchschei- 
nend; dabei von weisslichen Stellen (Aschenbestandtheilen) durchsetzt, an 
der Kruste mehr als im Innern. Ein ausgesuchtes, klares, inneres Stück 
zeigte einen Kohlenstoffgehalt von 69,27 % und nur 2,22 °/ 0 Asche; ich 
erhielt je nach Auswahl der Stücke 2,22 — 3,23 — 4,11 °/o Asche. Ein 
höherer Kohlenstoffgehalt war nicht nachzuweisen. Um jedoch zu einem 
bestimmten Resultate zu gelangen, habe ich die Perlen zerrieben und von 
der Durchschnittsprobe Analysen ausgeführt. Man konnte sie ohne Mühe 
zu einem feinen, hellbraunen Pulver zerreiben, während baltischer Bernstein 
(Succinit) kaum zu zerreiben ist und selbst Krusten desselben die grosse 
Sprödigkeit bewahren. Die Analyse ergab: 

Asche 4,1 1 °/ 0 [Succinit 0,08 — 0,12 %, aber nur aus grösseren Mengen] 


Kohlenstoff 67,24 „ | 
Wasserstoff 6,12 „ [ 
Sauerstoff 22,43 „ | 
Schwefel 0,10 „ [ 


17 


n 


v 


78 - 80 %] 

7 - 10 »/„] 

10 °/ 0 ad max.] 

0,26 - 0,42 %] 

100 , 00 %. 

Bernsteinsäure war nicht nachweisbar. Das zu diesen Perlen ver- 
wandte Harz enthält auch einen krystallinischen Körper, der beim Subli- 
miren Krystallsterne bildet.“ (Oster.) 

Keinenfalls ist dieses baltischer Bernstein. In Bezug auf nicht zu 
entwickelnde Bernsteinsäure ist das Harz mit Simetit übereinstimmend*); 
die von Helm und Conwentz (Malpighia I, fase. II, 1886) gegebenen 
Analysen des rohen, in Sizilien gewonnenen Bernsteins (Simetit) weichen 
allerdings ab, auch enthält dieser nur 0,2 bis 0,3 % Asche, dennoch ist 
sicher anzunehmen, dass die Perlen von Castelluccio aus einheimischem 
Materiale gefertigt worden sind. 

*) Simetit entwickelt, wenn man grössere Mengen in Arbeit nimmt, 0,4% Bern- 
stein sän re. 


51 


Bemerkens werth ist es, dass ein Rohst ück eines Harzes, das Prof. Orsi 
mir einsandte und von dem er angab: „Fu trovato nelle montagne della 
valie del Tellaro, in mezzo allo terra di una area incolta presso la necro- 
poli sicula di Tremenzano, a due chilometri da quella di Castell uccio. E 
certo un pezzo grezzo ed indigeno u , sich nach Dr. Oster ähnlich wie bal- 
tischer Bernstein verhielt und daher keinenfalls das Rohmaterial zu den 
praehistorischen Perlen von Castelluccio abgegeben hat. Es zeigte denselben 
Kohlen- und Wasserstoffgehalt wie baltischer Bernstein, es war ebenso 
durchscheinend (im Gegensätze zu den praehistorischen Perlen), fast durch- 
sichtig, kaum zerreibbar, reich an Bernsteinsäure und frei von Asche. Es 
wäre immerhin interessant, weiterem derartigem Rohmaterial in jener Gegend 
nachzuspüren, da, wenn wirklich auf Sizilien ein Rohbernstein gefunden 
wird, der dem baltischen nahe steht, ähnliche praehistorische Funde keinen 
Rückschluss auf Import von der Ostsee gestatten. 


Barma. 

Ueber Bernstein aus Barma findet man in der europäischen Literatur 
nur spärliche Angaben und Stücke sind in unseren Sammlungen nicht zu 
finden; selbst das British Museum besitzt keine, wenigstens nicht bis vor 
Kurzem. Da ich in über Barma handelnden Werken bei Gelegenheit meiner 
literarischen Studien über Jadeit und Nephrit das Bernsteinvorkommen im 
rohen und bearbeiteten Zustand erwähnt fand, so bat ich Herrn Prof. 
Wood-Mason vom Calcuttaer Museum, mir davon zum Yergleiche mit 
europäischem Bernstein und bernsteinartigen Harzen verschaffen zu wollen, 
welche Bitte der Genannte zu erfüllen freundlich genug gewesen ist. Ich 
hatte auch Gründe, an etwaige praehistorische Beziehungen zu denken, wo- 
rauf ich jedoch hier nicht eingeh en will. Ehe ich aber das Resultat der 
chemischen Untersuchung des barmanischen Bernsteins mittheile, möchte 
ich die mir bekannt gewordenen literarischen Angaben über ihn zusammen- 
stellen. 

Mehrfaches findet sich in J. Anderson’s „Report on the Expedition 
to Western Yunan“ (Calcutta 1871), so S. 49, dass nach Col. Symes im 
Jahre 1795 Bernstein nebst anderen Artikeln von Barma nach Yünnan ex- 
portirt wurde; S. 55, dass zuerst im Jahre 1835 die Bernstein-Minen mit 
den Augen europäischer Intelligenz untersucht worden seien; S. 63, dass 
der Mogungfluss etwa 80 englische Meilen durch ein Hügelland fliesse, 
welches Bernstein, Jade, Gold, Kohle etc. berge; S. 65, dass die Minen 1050 
Fuss hoch über dem Meeresspiegel lägen, südwestlich von der Meinkum- 
Ebene im Hukong-Thale ; dass man Löcher von 3 Fuss Durchmesser und 
6 bis 40 Fuss tief grabe (folgt eine kurze Beschreibung der Schichten), dass 
man jedoch nicht viel gewinne; dass der in Momien am geschätzteste Bern- 
stein vollkommen klar sei, von Farbe wie sehr dunkler Sherry; dass ein 
dreieckiges Stück davon von einem Zoll Länge und einem Zoll im grössten 
Durchmesser etwa 5 Rupien in Momien koste; dass man buddhistische 
Rosenkränze, Fingerringe, Pfeifenmundstücke und Knöpfe daraus fertige und 
kleine Figuren als Schmuck an Ketten für Shans und Chinesen daraus 
schnitze; dass viel Handel damit getrieben werde und dass früher viele Bern- 
stein-Arbeiter in Momien gewesen wären, aber jetzt nur noch wenige, etc. 

3 * 


52 


(z. B. S. 107, 108). Kürzere Angaben inH. Yule’s „Mission to Ava in 1855“ 
(1858, p. 147) und in F. Mason und W. Theobald’s „Burma“ (1882, p. 
15) sind reproducirt in E. Balfour’s „Cyclopaedia of India“ (3. ed., 
1885, vol. I, p. 89) sub „Amber“. Hier heisst es u. A. : „The Burmese, 
perhaps more than any other nations, use it . . . Dr. Hooker teils us 
(Hirn. Journ. II, 194), that the lumps of amber forming the necklaces of 
the women of Sikkim are procured in East Tibet, but he surmises that they 
are brought from Burma, where Dr. Bayfield first, and since bis time 
Yule, teils us that it is found in the valley of Hukong, which takes its 
Burmese name of Phyendwen from the amber mines [payen=Bernstein, dwen 
=Grube], near the sources of the Kyendwen, in lat. 26° 20' N., and long. 
96° E., and close to the Assam border“ (folgt Beschreibung der Gruben 
und Preiscourant in Ava). In Barma heisst nach derselben Quelle Bern- 
stein „ambeng“. 

Ganz neuerdings hat Dr. F. Noetling eingehendere Mittheilungen 
über die Fundstätten gemacht (Rec. of the Geol. Survey of India, 1892, 
XXY, 130) unter dem Titel „Preliminary Report on the economic resources 
of the Amber and Jade mines area in Upper Burma“. Er untersuchte 
Minen 5 englische Meilen südwestlich von Maingkhwan arö Nangotiemaw- 
Hügel, der früher einer Flussterrasse angehörte; andere liegen in der Nähe 
westlich von Lalaung. Der Bernstein wird im Tertiär, wahrscheinlich im 
unteren Miocän gefunden. „Das erhärtete Harz sammelte sich im Laufe 
der Jahrhunderte in den Bernstein-Fichtenwäldern an und wurde allmählich 
durch den Regen fortgeschwemmt; da es von niedrigem specifischem Ge- 
wichte war, so schwamm es in den Flüssen zum Meere, das seiner Zeit 
ganz Ober -Barma bedeckte, und sank darin hier und da nieder. Der 
Bernstein wurde dann von dem Niederschlage des Meeres bedeckt, und 
dieser Process dauerte eine lange Zeit, bis die Bernstein führenden Schichten, 
wie sie jetzt in einer Dicke von nicht weniger als 600 Fuss zeigen, gebildet 
waren.“ Es hängt daher, wie verständlich, nur vom Glück ab, ob man 
auf Bernstein in diesen Schichten stösst oder nicht. Man findet ihn in 
Klumpen bis zu Mannskopfgrösse und abgeschliffen wie Strandgeschiebe. 
Die Farbe variirt von hellgelb bis dunkelbraun in verschiedenen Graden 
durchscheinend, meist dunkel röthlich braun, wie dunkler Madeira mit 
eingeschlossenen ganz kleinen Holzfragmenten. Durchscheinende Stücke sind 
mehr röthlich. Honiggelber wird von den Eingeborenen am meisten ge- 
schätzt, in grösseren Stücken ist dieser selten. Der Barma-Bernstein fluo- 
rescirt wie der sizilianische. Der Farbe und der Fluorescenz wegen dürfte 
dieser Bernstein nach Dr. Noetling in Europa wenig geschätzt werden. 

Die mir vorliegende Probe barmanischen Bernsteins ist von hellbrauner 
Farbe, glänzend, durchscheinend, in dünnen Schichten durchsichtig und 
fluorescirt, sie ist spröde, hart, sehr schwer zerreiblich ; nach gütiger Unter- 
suchung des Herrn Dr. F. Oster in Aachen von folgender Zusammensetzung: 

Kohlenstoff 80,36 °/ 0 
Wasserstoff 10,54 „ 

Sauerstoff 8,16 „ 

Schwefel 0,10 „ 

Asche 0,84 „ 

Sa. TÖ0,00 %. 

Bei trockener Destillation wurde 2 °/ 0 Bernsteinsäure entwickelt. 


53 


Dieser barmanische Bernstein ähnelt daher dem Ostsee-Bernstein (Succinit) 
in Bezug auf die Bernsteinsäure, wenn auch Succinit mehr, nicht unter 
3 °/ 0 und bis 8 %, enthält, während Simetit gar keine oder aus grösseren 
Mengen 0,4 °/ 0 entwickelt; er ähnelt dem sizilischen (Simetit) in Bezug 
auf die Fluorescenz, wenn auch der baltische hin und wieder diese Eigen- 
schaft zeigt: „Unter dem Ostseebernstein kommen gut fluoreseirende Stücke 
sehr selten vor, namentlich nicht so schöne, wie unter dem sizilianischen. 
Schwach fluoreseirende sind häufiger“ (Helm: Sehr. Natf. Ges. Danzig 
Bd. VI, Heft 1, sub X). Der Schwefelgehalt des barmanischen (0,1 %) 
ist sehr gering gegenüber dem des sizilischen (0,52 °/ 0 bis 2,46 °/ 0 ); im 
Ostsee-Bernstein ist 0,42 °/o nachgewiesen. Der Aschegehalt ist relativ 
gross (0,84 °/o) gegenüber dem des Simetit (0,2 — 0,3 °/o) und Succinit 
(0,08-0,12 %). 

Weitere Untersuchungen des barmanischen Bernsteins, namentlich 
seiner hellen Varietäten, haben zu erweisen, ob er sich in seinem physi- 
kalischen und chemischen Verhalten dem Succinit noch mehr nähert, so 
dass bei praehistori sehen Funden in Süd-Europa eventuell nicht ohne Weiteres 
auf baltische Herkunft zu schliessen wäre, denn mit den anderen bekannten 
Producten Hinterindiens könnte möglicherweise auch der barmanische Bern- 
stein nach dem Westen gekommen sein. 



54 


VIII. Die primitivsten Metazoen*). 

Von Dr. J. Thiele. 


Neben die Reiche der Thiere und Pflanzen hat Haeckei das der Pro- 
tisten oder Ur wesen gestellt und wir werden ihm darin am besten folgen, 
denn wenn auch manche der Protozoen (so die Infusorien) mehr den 
Thieren, andere (die chlorophyllhaltigen besonders) mehr den Pflanzen 
ähnlich scheinen, so ist doch nach unseren heutigen phylogenetischen An- 
schauungen darin eine starke Stütze für die Aufrechthaltung des Protisten- 
reiches gegeben, dass sowohl die Metazoen, wie die Metaphyten aus gleichen 
oder ganz ähnlichen Formen hervorgegangen sind. Als solche sehen wir 
volvoxartige Colonien von Flagellaten an, kugeliche Körper, deren Zellen in 
der Peripherie gelegen sind und durch ihre Geissein die Bewegung des 
Ganzen bewerkstelligen; von diesen Körperzellen verschieden sind Keim- 
zellen, die auf geschlechtlichem oder ungeschlechtlichem Wege für Neubil- 
dung von Colonien sorgen. 

Was diese Wesen von den Metazoen, eigentlichen Zellstaaten, unter- 
scheidet, ist die gleichmässige Ausbildung aller somatischen Zellen, alle 
können, wenn es erforderlich ist, Nahrung aufnehmen, sie bewegen durch 
ihre Geissein die Colonie, scheiden Secrete und Excrete aus und sind gleich- 
mässig sensibel und contractil. Bei Metazoen dagegen ist Arbeitsteilung 
eingetreten , es sind Organe entstanden. Der Regel nach sind diese in 3 
Schichten angeordnet, dem äusseren hauptsächlich animalischen Ectoderm, 
dem inneren der Ernährung dienenden Entoderm und dem dazwischen ge- 
legenen Mesoderm, in welchem vor Allem die Keimstoffe erzeugt werden. 

Es giebt nun eine Anzahl sehr einfacher Thierformen, von denen man 
lange zweifelhaft gewesen und es zum Theil noch ist, wohin sie gestellt werden 
müssen. Ganz neuerdings erst ist von Frenz el die Salinella entdeckt, ein 
mit Mund- und Afteröffnung versehenes schlauchförmiges Wesen, dessen 
Wand von einer einzigen bewimperten Zellschicht gebildet wird. Es fehlt 
hier jede Beziehung zu dem Grundplan der Metazoen, und man kann das 
Wesen diesen nicht einordn en; am besten wird es vorläufig, bis seine Ent- 
wickelung erforscht sein wird, als Protozoencolonie anzusehen sein, die zu 
Metazoen keine phyletische Beziehung zeigt. 

Weiter hat man ähnlich wie Salinella zu „Mesozoen“, die zwischen Pro- 
tozoen und Metazoen stehen sollen, gerechnet die parasitischen Dicyemiden 
und Orthonectiden ; ihnen fehlt wie den Cestoden ein Entoderm, die Ecto- 
dermzellen nehmen die Nahrung auf, welche ihnen der Wirth darbietet. 
Hatschek vergleicht sie mit Larven von Cölenteraten, was darum unrichtig 
ist, weil bei diesen die innere Zellschicht die Anlage des Entoderms darstellt, 

*) Aus einem Vorträge in der „Isis“ am 1. December 1892. 

Ges , Isis in Dresden, 1892, — Abh, 8, 


55 


während dieselbe bei jenen durchaus als Mesoderm angesehen werden muss. Die 
genannten Thiere sind wohl zweifellos in Folge des Parasitismus stark, man 
kann sagen aufs Äusserste rückgebildet; die Muskelfasern und die Trennung 
der Geschlechter von Orthonectiden, auch der Dimorphismus der Embryonen 
von Dicyemiden weisen auf nicht ganz niedrige Organisation hin. 

Zu den einfachsten Thieren gehört ferner Schulze’s Trichoplax. Prof, 
von Gr aff ist für eine gewisse Verwandtschaft dieses Thieres mit acölen 
Turbellarien eingetreten, er hat Spuren eines ventralen Hautmuskelschlauches 
wahrgenommen; er hält die „Glanzkugeln“ für Homologa der Hautdrüsen, 
vergleicht die contractilen Parenchymzellen den dorso ventralen Muskelfasern 
und fasst die grünlichen Knollen als Zoochlorellen auf. Das wären ja 
einige U eberein Stimmungen , die allerdings nicht unwichtig sind, doch das 
Fehlen eines Nervensystems und der Genitalorgane bleibt doch noch ein 
tiefgreifender Unterschied. 

Die acoelen Turbellarien sind auch von ziemlich einfachem Bau; von 
Graff hält ihre Organisition für primitiver als die von Polycladen und sieht 
den Trichoplax als niedrigsten Repräsentanten derselben an, welcher direct 
zu den Gasträaden hinführe. Es lässt sich aber doch mancher Grund da- 
gegen anführen, das verschwommene Nervensystem, der Drüsenapparat 
und namentlich das eigen thümliche Körperparenchym erscheinen mir durch- 
aus nicht als Zeichen primitiver Organisation. Man braucht meiner Ansicht 
nach zwar die heutigen Polycladen nicht als Stammeltern der Acoelen an- 
zusehen, jedoch halte ich das umgekehrte Yerhältniss für noch unwahr- 
scheinlicher; man wird hier, wie es auch sonst meist das einzige Mögliche 
ist, sich einfach vorstellen dürfen, dass die Stammformen ausgestorben 
sind, und dass der eine Zweig in dieser, der andere in jener Hinsicht die 
ursprünglicheren Yerhältnisse bewahrt hat. Die Acoelie kann ich nur als 
Degenerationserscheinung ansehen und glaube, dass die Zoochlorellen nicht 
unwichtig sind für die Auffassung dieser Eigentümlichkeit, dieselben dienen 
den Thieren direct oder indirect zur Ernährung, und manche der Acoelen 
nehmen daher gar keine andere Nahrung auf; es ist ein ähnliches Yerhältniss 
wie bei den Flechten. Wie hier der Pilz, so ist dort der Wurm gewisser- 
massen als Parasit der Algen anzusehen, und die Ernährungsorgane konnten 
sich wie bei den vorher genannten echten Parasiten rückbilden. Auch 
Trichoplax lebt, wie es scheint, völlig auf Kosten der Zoochlorellen. 

Yon all diesen Formen scheint es mir kaum möglich , sie an die 
Wurzel des ganzen Stammes der Metazoen zu stellen. Weit eher würde 
das von zwei anderen Thieren anzunehmen sein, die Haeckel neben den 
Dicyemiden als Gasträaden bezeichnet hat, es sind unter den Cölenteraten 
die einfachsten Polypen und Schwämme, Hydra und Ascon. Wenn diese 
Formen wirklich als primitiver angesehen werden dürfen, als ihre Ver- 
wandten, so fragt es sich noch, ob sie in der Stammesgeschichte anderer 
Thiere eine Rolle gespielt haben. Yon den Schwämmen kann das wohl 
Niemand behaupten, ihre Organisation ist so ganz eigenartig, ihre festsitzende 
Lebensweise mit der dadurch bedingten Ausbildung complicirter Skelettheile 
und die Art der Nahrungsaufnahme ist so ganz anders als bei anderen 
Thieren, dass sie als deren Stammeltern sicher nicht angesehen werden 
dürfen. Yon Hydra dagegen ist das sehr vielfach angenommen, ich will 
indessen vorläufig nur auf den Mangel von flimmernden, beweglichen Larven, 
auf ihre festsitzende Lebensweise und den Aufenthalt im süssen Wasser 


56 


hinweisen als Merkmale, die es nicht unwahrscheinlich machen, dass hier 
secundäre Erscheinungen vorliegen. 

Endlich wende ich mich zum dritten Typus im Kreise der Cölenteraten, 
den Ctenophoren. Was in dieser Gruppe von allergrösstem Werth ist, das 
ist die Thatsache, dass die höheren Formen unter ihnen Jugendstadien 
durchmachen, die vollkommen den Cydippiden, der niedersten Gruppe, 
ähnlich sind, ja diese Larven können nach Chun sogar geschlechtsreif sein. 
Es sind also die „Lobaten“, hei denen solche „Dissogonie“ vorkommt, zwei- 
mal geschlechtsreif, einmal im Cydippidenstadium, das andere Mal als 
fertige Thiere. Hierdurch ist in unzweideutigster Weise die hohe Ent- 
wicklungsfähigkeit der Cydippiden erwiesen. 

Von ihnen wäre festzustellen, ob sie sich aus anderen Metazoen, etwa 
festsitzenden Thieren ähnlich der Hydra entwickelt haben. Ihre Ontogenie 
weist klar nach, dass das nicht der Fall ist, sie entwickeln sich ganz direct 
und verlassen den Eltern ähnlich die Eihüllen. Daher wird jetzt auch mehr 
und mehr angenommen, dass sie einen eigenen Stamm der Cölenteraten bilden. 

Sehr wichtig ist die Thatsache, dass manche Flimmerlarven sowohl 
von Cölenteraten wie von Bilateralthieren mit Cydippiden weitgehende 
Aehnlichkeiten zeigen. So sind bei Larven von Anthozoen die Cilien in 
mehreren Meridianen stärker, am aboralen Pol steht ein Schopf längerer 
Cilien und oft bilden sich zwei Tentakel früher als die anderen aus, sodass 
diese Larven wie sehr einfache Kippenquallen aussehen. Auch die er- 
wachsenen Anthozoen zeigen eine Reihe Aehnlichkeiten mit den Ctenophoren, 
sodass man jene unter den Cnidariern als nächste Verwandte der letzteren 
ansehen darf (Chun). Daraus folgt, dass die Anthozoen die primitivsten 
Cnidarier sein dürften, während Hydra rückgebildet ist. Ich will auf die 
Zwischenstadien nicht näher eingehen, sondern nur hervorheben, dass die 
Septen wohl hauptsächlich als Träger der Keimstoffe Bedeutung haben und 
dass sie daher bei den Hydroidpolypen sich rückbilden konnten, weil in 
ihren Stöcken sich besondere Geschlechtstbiere, die Medusen, ausbildeten. 
Weiter werden diese schwimmenden Thiere nicht mehr ausgebildet, be- 
sonders beim Uebergang in süsses Wasser (Cordylophora ) , sondern sie 
bleiben als Geschlechtsknospen am Stock sitzen. Weitere Vereinfachung 
des Stockes führt schliesslich zur Hydra hin, die als höchst abgemagertes 
und überhaupt degenerirtes Geschöpf schwerlich so entwickelungsfähig ist, 
wie man es ihr zugetraut hat. 

Mit den Schwämmen kann es sich möglicher Weise ähnlich verhalten; 
es sei nur erwähnt, dass manche etwas complicirtere Formen weit mehr 
Aehnlichkeit mit Ctenophoren zeigen, als der erwähnte Ascon^ so nament- 
lich ein Kieselschwamm Tetilla radlata\ hier ist am oberen Ende ein 
trichterförmiger Hohlraum vorhanden, von dem 4 weite Kanäle entspringen, 
die sich weiterhin gabeln, also genau wie die Gefässe von Ctenophoren. 
Ueber die Frage, ob solche Verhältnisse nicht vielmehr als die primitivsten 
anzusehen sind, scheinen mir die Acten noch keineswegs abgeschlossen, 
wenn es auch am bequemsten sein mag, dieser Frage aus dem Wege zu 
gehen und das Einfachste für das Primitivste zu nehmen. 

Endlich ist die Frage am wichtigsten von allen, ob auch die Bilateral- 
thiere aus Ctenophoren hervorgegangen sein können. Das ist in der That 
der Fall. Es hat hauptsächlich A. Lang das Verdienst, auf die Beziehungen 
der Polycladen zu Ctenophoren hingewiesen zu haben, und neuerdings 


hl 


hat sich auch Hatschek angeschlossen. Sowohl die Entwickelungsgeschichte 
wie die vergleichende Anatomie stimmen damit aufs Beste überein; die 
„Müller’sche Larve“ kann als eine getreue Wiederholung des phyletischen 
Ctenophoren Stadiums ( Charistephane) angesehen werden. Den Organismus 
der polycladen Turbellarien kann man mit Haeckel den Cölenteraten zu- 
rechnen, da die Gefässe nach demselben Typus wie bei diesen gebaut 
sind. Durch die Annahme kriechender Lebensweise sind zwar manche 
Umwandlungen bedingt, doch kann fast jedes Organ ohne Schwierigkeit 
aus dem entsprechenden von Ctenophoren abgeleitet werden, einige, wie 
die Ausführungsgänge der Keimdrüsen und die Wassergefässe, sind neu- 
gebildet; dass diese aus Theilen des Gastrovasculärsystems entstanden sind 
(Hatschek), halte ich nicht für wahrscheinlich. 

Wenn wir in dieser Weise die übrigen Thiere von den niederen 
Ctenophoren herleiten können, so wäre noch zu berücksichtigen, ob und 
wie diese aus Flagellaten-Colonieen hervorgegangen sein mögen. Ich bin 
überzeugt, dass das ganz gut anzunehmen ist, und zwar etwa in der 
Weise, dass eine volvoxartige Colonie reichlich ernährt wurde und in Folge 
dessen zahlreiche Zellen amöboid wurden und ins Innere krochen, die sich 
nach und nach in unregelmässiger Weise um einen inneren Hohlraum 
wahrscheinlich mit mehreren Oeffn ungen gruppirten. Es wird sich allmählich 
eine Polarität ausgebildet haben, was bei runden und freischwimmenden 
Thieren schon durch die geringste Störung des Gleichgewichtes erreicht 
wurde. Eine, wahrscheinlich die grösste Oeffn ung wurde zur Aufnahme 
von Nahrung verwendet, und nach und nach bildete sich am Gegenpol, 
der wohl bei der Fortbewegung voranging, ein sensibles Centrum aus. 
Nehmen Avir nun an, dass sich im Lauf der Zeit der innere Raum regel- 
mässiger gestaltete, was für die fernere Erhaltung des Gleichgewichtes und 
die Beweglichkeit von Nutzen sein musste, und dass an den Ausbuchtungen 
dieses Raumes die Geisselzellen sowie die Keimzellen besser ernährt und 
daher grösser wurden, so kommen wir den niederen Ctenophoren schon 
ziemlich nahe. Erklärlicher Weise waren die Uebergangsformen einerseits 
sehr entwickelungsfähig, andererseits weiterer Umbildungen so bedürftig, 
dass zwischen Flagellaten-Colonieen und den niedersten heute lebenden 
Metazoen ein recht bedeutender Unterschied vorhanden ist, der durch 
keine lebende Form ausgefüllt wird. Dass aber keine andere geschlechts- 
reife Thierform unter den heutigen Metazoen dem Urmetazoon näher steht, 
als die Cydippiden, das scheint mir aus einer Zusammenfassung der That- 
sachen klar hervorzugehen. 

Dass die ersten Metazoen nicht so kümmerliche Wesen wie die Hydra 
waren, halte ich für nothwendig anzunehmen, wo sollten sie die Kraft 
hergenommen haben, ihre Mitwesen im Kampf ums Dasein zu überwinden. 
Ein Mesoderm wird von vornherein gut ausgebildet gewesen sein, das aus 
solchen amöboiden Zellen entstanden ist, wie sie auch das Epithel der 
Gastralhöhle darstellen, freilich durfte der Körper, so lange er die pelagische 
Lebensweise beibehielt, nicht zu schwer werden. 

Wenn wir denn die niederen Ctenophoren als diejenigen Metazoen 
ansehen dürfen, welche am meisten eine primitive Organisation beibehalten 
haben, so wird es uns klar werden, dass nicht immer einfache Organisation 
ein Beweis für ursprüngliche Zustände ist, die Stammesentwickelung geht 
vielmehr oft von complicirteren zu einfacheren Formen. 


58 


IX. Bohrversuclie fiir eine neue Wasserwerksanlage 
auf Tolkewitzer Flur bei Dresden. 

Von H. B. Geinitz. 


Wie aus dem ersten Berichte des Baurath Salb ach darüber vom 
8. November an den Rath der Kgl. Haupt- und Residenzstadt Dresden zu 
ersehen ist, sind auf dem durch einen beigefügten Situationsplan näher 
ersichtlichen Areal 35 Bohrungen ausgeführt worden, welche die Boden- 
schichten bis zu der in einer Tiefe von 15 bis 16 m lagernden undurch- 
lässigen Grundschicht des PI än er m erg eis (sogen, blauen Letten) auf- 
geschlossen haben. Durchschnittlich wurde auf dem Hauptterrain an der 
Tagesoberfläche unter Wiesen- und Ackerboden von 0,5 m Stärke eine 
Lehmdecke gefunden, welche an einzelnen Stellen eine Mächtigkeit von 
über 2 m besitzt, während dieselbe an tieferen Stellen, zum Theil abge- 
hoben, noch eine Stärke von 0,6 m hat. Unter dieser Lehmdecke folgt, 
mehrere Meter mächtig, lehmiger, undurchlässiger Sand, dann reiner lehm- 
freier Sand, in zunehmender Tiefe mit Kies vermischt , dann gröberer Kies 
mit grossen Steinen (wie Basalt und Gneiss oder Granit) bis zu der 
zwischen 15 und 16 m liegenden Grundschicht des Plänermergels (oder 
sogen, blauen Letten). Diese undurchlässigen Grundschichten des Pläner- 
mergels, welche ihre Zugehörigkeit zu dem turonen Mittelpläner keinen 
Augenblick verkennen lassen, zeigen nach den genaueren Profilen des Bau- 
rath Salb ach eine schwache Neigung in der Richtung des Elbthaies und 
scheinen sich noch unter dem Elbstrome hin weiter fortzusetzen. 

Darauf lagern, wie schon gezeigt, die wasserführenden Kies- und 
Sandschichten, deren grosser Reichthum an vorzüglichem Wasser sowohl 
bei den Bohrungen selbst, als auch am 16. November aus dem grösseren 
ziemlich fertig gestellten Versuchsbrunnen überzeugend hervortrat. 

Das auf dem Terrain dieser zweiten grossen Wasseranlage gewonnene 
Wasser hat sich nach der von der chemischen Centralstelle für öffentliche 
Gesundheitspflege (Dr. H. El eck) und von Dr. Erw r in Kayser, vereidetem 
Chemiker und Sachverständigen bei den Kgl. Gerichts- und Verwaltungs- 
behörden Dresdens, ausgeführten chemischen Untersuchungen*) als völlig 
brauchbares, gutes Trink- und Nutzwasser herausgestellt, welches 6 — 7 
sogen, deutsche Härtegrade besitzt. 

Dem sicheren praktischen Blicke des Baurath Sa Ibach aber ist es zu 
danken, dass für unser sich riesenhaft vergrösserndes Dresden ein neuer 
ergiebiger Zufluss von gutem Trinkwasser aufgeschlossen worden ist, ge- 

*) Vergl. Beilagen zu dem ersten Berichte S albach’s vom 8. Nov. 1892. 

& 0 S. it*& w Drssdsn, 1892. — Abh. 9. 


59 


rade hier auf den Fluren von Tolkewitz , wo derselbe niemals versiegen 
wird, so lange überhaupt noch atmosphärische Feuchtigkeit in den Boden 
eindringt und von den im Süden und Südosten von Dresden sich hin- 
ziehenden Höhen aus auf den Schichten des nach dem Elbthal einfallen- 
den Plänermergels als Grundwasser herabläuft. Dass diese Senkung der 
Schichten auf der linken Elbseite im Zusammenhang steht mit der ganz 
bedeutenden Aufrichtung der Granit- und anderen Gesteinsmassen auf der 
rechten Elbseite, ist unzweifelhaft. Von der Grösse dieser Niederkenkung 
der Schichten, jener seit lange bekannten und auch von Herrn von Dechen*) 
beschriebenen Hauptverwerfung , die sich in unserem Elbthale in der 
Richtung der Grenzlinie von NW nach SO eine bedeutende Geltung ver- 
schafft hat, gewinnt man eine Vorstellung durch folgende Thatsachen. Die 
Fortsetzung des sogen, unteren cenomanen Quadersandsteines an der 
goldenen Höhe u. s. w. im Süden von Dresden ist nicht nur bei den 
Tiefbohrungen in den artesischen Brunnen Dresdens unter einer sehr 
mächtigen Plänerdecke nachgewiesen worden, sondern es erscheint dieser 
cenomane Quadersandstein auch auf der rechten Seite der Elbe wieder in 
der bedeutenden Höhe bei dem Dorfe Weissig, was einer Niveauveränderung 
von mehreren hundert Metern entspricht. 

Bei derartigen geologischen Verhältnissen aber ist auch die Möglichkeit 
nicht ausgeschlossen, dass die Gewässer, welche man jetzt auf dem rechten 
Elbufer in dem ersten ergiebigen Wasserwerke Dresdens aus den Elb- 
Kieslagern bezieht, einen gleichen oder ähnlichen Ursprung von den be- 
nachbarten Höhen auf dem linken Elbufer haben, wie jene von Tolkewitz, 
während man gewöhnt ist, den Zufluss der Grundwässer auf der rechten 
Seite der Elbe auch von der letzteren Seite aus anzunehmen. Die Ent- 
scheidung dieser Frage hängt indess noch von weiteren Beobachtungen 
und Aufschlüssen ab. — Schliesslich ist noch hervorzuheben, dass die in 
allen Bohrlöchern bei Tolkewitz Vorgefundenen Schichten von Lehm und 
lehmigem Sand das Eindringen des Oberwassers in die darunter liegenden 
das Grundwasser führenden Schichten verhindern, so dass sie für letztere 
einen sicheren Schutz bei Ueberfluthung durch Hochwasser des Elbstromes 
gewähren. 



> 


*) Vgl. Sitzungsberichte d. niederrhein. Ges. f. Natur- u. Heilkunde, 3. Jan. 1881, 


60 


X. Bemerkungen über den Quarz im Syenite des 

Plauen’schen Grundes. 

'Von E. Zs eh au. 


Das hier Gegebene ist eine Ergänzung und auch Fortsetzung eines 
früheren Aufsatzes (Isis-Festschrift 1885, S. 49) und bezieht sich auf 
neuere Vorkommnisse, sowie auf solche, die früher nicht erwähnt wurden, 
weil etwas Bestimmtes nicht gesagt werden konnte. — 

Eine gangartige Kluftausfüllung des Syenits, im letzten Bruche an 
der Strasse vor Potschappel (1892), etwa 1 m lang und noch weniger 
tief und 3 — 15 cm mächtig, der begrenzende Syenit stark zersetzt, bestand 
zum grössten Theile aus einer ziemlich grossblättrigen Masse von heller 
Farbe. Die Blattflächen meist gleichlaufend mit der äusseren Begrenzung, 
aber auch, besonders in den engeren Theilen, in steiler Stellung zu der- 
selben, so dass vollständige Gangstücke nur von den schmäleren Theilen 
durch Schlagen erhalten werden konnten. 

Die Flächen der Blätter zeigten oft eine feine Streifung mehr oder 
weniger deutlich und zwar nach 3 Richtungen, so dass wenigstens oft 
kleine Dreiecke deutlich zu erkennen waren. Aehnliches war mir be- 
kannt von den basischen Flächen unserer Kalkspäthe, und ich nahm des- 
wegen an, dass die Masse nur aus übereinander gelagerten basischen 
Kalkspäthen bestehe. Der Querbruch zeigte auch die glänzenden Spaltungs- 
streifen des Kalkspaths, aber zwischen denselben feinkörnige Streifen von 
grosser Härte. 

Weitere Aufklärung wurde erlangt, wenn das Mineral mit Salzsäure 
behandelt war. Es ergab sich, dass der Kalkspath in verhältnissmässig 
geringer Menge vorhanden war und nur in Gestalt dünner Blätter, die 
meist in einer Richtung liegen. Es kommt ja vor, dass die Blätter sich 
kreuzen und in anderen beliebigen Richtungen liegen. Die Blätter des 
Kalkspaths sind eben oder schwach gebogen und überträgt sich dies auch 
auf das zwischengelagerte Mineral, den Quarz. Einmal wurde beobachtet, 
dass die Blätterkrümmung in sich selbst zurücklief, so dass eine Art 
Linsengebilde erschien. 

Der Kalkspath ist immer weiss, der Quarz in dünnen Blättern weiss, 
der Glanz beider etwas perlmutterartig vor und nach Behandlung mit 
Salzsäure. In grösseren dichten Partien erscheint der Quarz grau, und 
da, wo dieselben an den Kalkspath grenzen, zuweilen bräunlich. 

.Nach Wegnahme des Kalkspaths zeigen die Quarzplatten, besonders 
die dichten bräunlichen, dieselbe Dreieckzeichnung wie der Kalkspath. 
An den Kanten stärkerer Blätter sind die Quarze zuweilen gut aus* 

1 &ts. Isis in Dresden, 1892. — ■ Abh. 10. 


61 


krystallisirt. Auch an den Kanten dünnerer Blätter bemerkt man Krystalle, 
aber dieselben erscheinen wie flach gedrückt. 

Aus Allem mag wohl hervorgehen, dass der (basische) Kalkspath das 
Formbestimmende für das Ganze gewesen ist. Das Vorkommen schliesst 
sich darnach an das früher erwähnte (1885, Festschr.) an, von dem ge- 
sagt wurde, dass der Kalkspath Einkerbungen und gleichsam Zusammen- 
drückungen der Quarzkry stalle bewirkt habe. 

Mikroskopische Untersuchungen können möglicherweise noch weiteres 
ergeben, denn es scheinen in den dünnen freigemachten Quarzblättern 
noch andere Dinge vorhanden zu sein. Schon mit der Lupe oder mit 
schwachem Mikroskope konnten rhomboidal gestaltete Kry Ställchen und 
andere nadelartige, sternförmig gruppirte beobachtet werden, wenn auch 
nur in wenigen der betrachteten Blätter. Hoffentlich bringen Dünnschliff- 
beobachtungen noch weitere erfreuende Aufklärung über die mineral- 
bildende Thätigkeit des chemisch - physikalischen Laboratoriums unseres 
Syenits. Hinreichendes Material ist vorhanden. 

Als seltener Begleiter der Kalkspath-Quarzmasse, an der Grenze der- 
selben, mag noch erwähnt werden: 

Ein graugrünes feinkörniges Mineral, welches durch Salzsäure theil- 
weise zersetzbar war. Die Analyse ergab, nach Aufschlüssen mit Soda: 

Kieselsäure = 81,57 °/o 

Eisenoxyd = 2,73 „ (dürfte meist Oxydul sein) 
Thonerde = 8,76 „ 

Kalkerde = 0,45 „ 

Magnesia = 3,19 „ 

Wasser = 2,74 „ 

99,44 °/o. 

Die fragliche Substanz dürfte demnach nichts anderes sein als ein 
Gemenge von Quarz, wahrscheinlich kleine Krystalle (ritzt Feldspath), und 
einer grünerdeartigen Masse, die als Abkömmling einer thonerdehaltigen 
Hornblende zu betrachten sein könnte. Aehnlich aussehende, selbst- 
ständig auftretende, meist nur mit Kalkspath und etwa auch Syenitbrocken 
vergesellschaftete KJ uftausfüllungen wurden am selben Orte wiederholt 
beobachtet. 

Durch das Vorkommen der blättrigen Kalkspath-Quarzmasse ist viel- 
leicht auch eine Art Schlüssel für eine schon viel früher (1883) be- 
obachtete Erscheinung gegeben: 

Enge Klüfte und kleine Hohlräume, auch in ganz gesundem Syenite 
sind zuweilen mit einem derben unscheinbaren Kalkspathe vollständig 
ausgefüllt , sie werden wenig oder garnicht beachtet, denn der Kalkspath 
hat für gewöhnlich keinen Werth, wenn er nicht etwa durch auffallende 
Gestaltung sich auszeichnet. Für unseren Syenit ist aber die Sache von 
einiger Bedeutung, denn nach Wegnahme des Kalkspaths mit einer Säure 
kommen zuweilen die eigentlichen Syenitmineralien zum Vorscheine, 
wenn auch nur meist höchst bescheiden in Grösse und Schönheit der 
Gestalt, sie bilden gleichsam Ausblühungen auf dem Gesteine. Hier 
mögen nur genannt werden: Feldspath, Hornblende, Pistazit, Quarz, Chlorit 
und (sehr selten) Titanit. 

Eine solche Kluftdruse zeigte als bedeutendstes einen liegenden 
bräunlichen Quarzkrystall , etwa 8 mm lang. Eine der Säulenflächen 


62 


deutlich convex, die daneben befindliche concav, die bezeichnende Quer- 
streifung nicht vorhanden. Auch eine der Pyramiden flächen sehr schwach 
concav (nach P. Groth). Es kann wohl auch hier eine Beeinflussung des 
Quarzes durch krummblättrigen Kalkspath angenommen werden. 

Der deckende Kalkspath ist auch die Ursache , dass solche Kluft- 
drusen wohl erhalten geblieben sind. 

In dem letzten Bruche vor Potschappel wird der Abbau voraussicht- 
lich noch manches Beachtenswerthe zu Tage fördern. Für jetzt sei von 
daher noch Folgendes berichtet: 

Eine sich mehrere Meter lang erstreckende, nur einige Centimeter starke 
Kluftausfüllung bestand da, wo sie am vollkommensten ausgebildet war, 
an beiden Seiten aus krystallinischem stänglichen Quarze, die Axen senk- 
recht zu den Kluftflächen, die Mittelfüllung dagegen aus einem dunkel- 
graugrünen talkigen Minerale, sehr weich, Pulver hell grünlich grau. 

Die Analyse dieser weichen Masse ergab : 

Kieselsäure =41,11 % 

Thonerde = 9,39 „ 

Eisenoxydul = 24,23 „ 

Kalkerde = 3,89 „ 

Magnesia = 9,60 „ 

Natron = 0,25 „ 

Wasser =10,23,, 

98,70 V 

Man hat es hier also wohl mit einem grünerdeartigen Produkte 
der Zersetzung der Hornblende zu thun. Das Mineral war durch Salzsäure 
vollständig aufschliessbar. Durch Oxydation des Oxyduls ist das Mineral 
stellenweise schmutzigroth geworden. Auch der Quarz wird ein Erzeugniss 
der Syenitzersetzung sein. 

In Bezug auf Gangbildungen ist der Bruch oberhalb der Garnison- 
mühle, am linken Ufer unmittelbar an der Strasse gelegen, wohl von her- 
vorragender Bedeutung. Mehrere bedeutende Zerreissungen oder Absonder- 
ungen des Gesteins, die im Allgemeinen recht winkelig zur Thalrichtung 
gehen, haben Gelegenheit zu Gangausfüllungen gegeben, die auf lange 
Strecken sich verfolgen lassen. Durch die Ganggebilde ist dem Wasser 
u. s. w. viele Gelegenheit geboten, auf das Gestein einzuwirken, und ist 
dasselbe daher auch, besonders an den Ganggrenzen, meist stark verändert. 
Yor Allem die Hornblende ist stark zersetzt, und die Farbe des Gesteins 
geht aus dem röthlichen oder röthlich violetten in ein fahles Graugrün über. 
Andere Färbungen, z. B. ein übles Braunroth, fehlen nicht. Die Wände 
der Gänge mit grünlichen und bräunlichen thonigen Zersetzungsprodukten 
(Grünerde!) bekleidet. — Einer der Gänge bat Anlass zu einem ziemlich 
weit getriebenen Yersuchsbaue gegeben. Es ist wohl kaum zu ermitteln, 
wann dies geschehen.*) 

— h-, I . ä ; ! ■ i ' ■ . 

*) Bergmännische Versuchsbaue sind an mehreren Stellen des Grundes gemacht 
worden, z. B. hinter dem Felsenkeller, überall da wo das Gestein anders geartet war 
und etwas an einen Gang erinnerte. Ich entsinne mich wohl in einem Notizhefte 
meines Grossvaters, eines alten fleissigen Dorfschulmeisters im Leipziger Kreise vor 
50 Jahren gelesen zu haben: So du in dem Plauen’ sehen Grunde von da und da aus- 
, gehest, findest du einen Baum (oder anderes Merkmal), von dem wende dich gegen 
Mittag etwa 100 Schritte weit, so findest du einen Gang mit köstlichem Talk, in dem 


i 

t 


63 


Die die Gänge ausfallenden Mineralstoffe sind Quarze und Carbonspäthe, 
auch anderes kommt dazu, wie gelegentlich erwähnt werden soll. 

Die gegenwärtige Betrachtung gilt einem Gange, der durch die Bruch- 
arbeiten (1892) zerstört, oder wenigstens der Beobachtung entzogen ist. 
Der Gang hatte eine wechselnde Mächtigkeit bis zu 20 — 25 cm. Die 
Gangmasse bestand an den Seiten aus einem späthigen leberfarbenen 
oder auch fleischrothen Calcite, etwa 1 — 3 cm stark. Die Mittelfüllung 
war ein graues feinkörniges Gestein mit spärlich eingestreuten gänzlich zer- 
setzten Syenitbrocken. Nach der Farbe konnte man den begrenzenden Spath 
für einen Eisenspath halten, es ist aber nur Ealkspath; derselbe zeigte sich, 
wenn auch selten, mit (rauh) ausgebildeten Ery stallflächen in die graue 
Mittelmasse einragend, also seine frühere Entstehung gegen die Mittel- 
füllung beweisend. 

Der Ealkspath wurde in schwacher Salzsäure gelöst, es blieb ein 
etwas faseriger bräunlicher Rückstand, der sich als ein Eisenoxydhydrat 
auswies. Mikroskopisch zu beobachten war mir nicht vergönnt, so wurde 
nur der Wassergehalt bestimmt, derselbe betrug 9,23 — 9,48%. 

Der rothe Eisenoxydrückstand war etwas manganhaltig. 

Nach dem Wassergehalte zu schliessen wäre also der begrenzende 
leberfarbene Ealkspath durch Göthit gefärbt. 

Die graukörnige Hauptgangmasse hatte Y. G. = 2,64; sie gab einen 
Glühverlust = 0,65 %. Im Diamantmörser zerfällt sie alsbald zu ziemlich 
feinem Pulver. Härte über 6. 

Die Analyse ergab: 

Eieselsäure = 95,64 % 

Thonerde = 3,31 „ 

Ealkerde = 0,23 „ 

Wasser = 0,65 „ 

99^3%7 

Demnach wäre die graue Gangmasse wesentlich ein Quarz , wahr- 
scheinlich ein Aggregat kleiner Erystalle, beigemengt zersetzte Silicate des 
Syenits, von welchem kleinere und grössere Brocken in den Gangraum 
gefallen und durch den Quarz umhüllt worden sind. Dass die Masse 
nicht dicht krystallinisch erscheint, könnte wohl dadurch erklärt werden, 
dass während des Absetzeus des Quarzes zu wenig Ruhe geherrscht, und 
ein dichteres und geordneteres Zusammenschliessen der kleinen Erystalle 
verhindert wurde. Die hereinbröckelnden Syenitstückchen könnten wohl 
die bedingende Ursache gewesen sein. In dem porösen Quarze konnte 
die Zersetzung des Syenits leicht erfolgen. 

Auch an anderen Orten des Plauen’schen Grundes, so im letzten Bruche 
vor Potschappel , in mehreren Brüchen unterhalb Döltzschen; beim Forst- 
hause, ja vielleicht an allen Stellen, wo das Gefüge des Syenits weniger 
grossmassig ist, können ähnliche quarzreiche Eluftausfüllungen beobachtet 
werden , welche die Zeichen weniger ruhigen Ausbildens an sich tragen, 
und deshalb den Quarz als ungeordnete Theile enthalten. — Die Farbe 

sind Granaten, die lassen sich fletzen (breitschlagen?) u. s. w. — Der Enkel hat die 
Plauen’sche Erbschaft unbewusst angetreten und den Grund durchstöbert wie kaum 
ein anderer Mensch, aber die Köstlichkeit blieb versagt ; das einzig „fletzige 4 war ge- 
diegen Kupfer, das die alten Wühler schwerlich gefunden haben, denn es tritt nur 
auf in höchst unbedeutenden Nestern im frischen Gesteine. 


64 


dieser Dinge kann eine äusserst verschiedene sein, je nach der Menge der 
mechanisch und chemisch zugeführten Umwandlungsprodukte des Syenits. 
Yorwaltend sind düstere graue, unrein grüne, rothe und braune Farben. 
Selten sind in diesen Kluftgebilden wohl ausgeprägte Mineralien anzutreffen, 
nur wenn vielleicht nach Absatz der Hauptmasse durch Verschieben, Aus- 
trocknen, Auswaschen u. s. w. neue Hohlräume entstanden, können wohl 
kleine Quarzdrusen, Carbonatkrystalle u. s. w. möglich geworden sein. 
Einige Male wurde beobachtet, dass die Gangmasse mit feinfaserigen Ara- 
gonitschnüren durchzogen war, ein schichtenweises ruhiges Absetzen der 
Gangmasse andeutend. 

Wesentlich verschieden von den vorerwähnten Vorkommnissen sind 
diejenigen gangartigen Quarzgebilde, die alsbald kry stallinischen 
Bau erkennen lassen. Diese letzteren sind mehr zu Hause in einem nur 
wenig oder gar nicht zersetzten Syenite, und der Quarz ist fast immer be- 
gleitet von Epidot. — Der Epidot durchzieht manche der Syeuitmassen 
in zahlreichen, meist sehr dünnen Schnüren; werden diese Bänder breiter, 
so tritt als Mittelglied Quarz hinzu, immer aber wird der Pistazit als das 
ältere anzusehen sein. Man könnte versucht sein, diese Gebilde als zum 
Syenit gehörig zu betrachten, sie als Ausscheidungen desselben anzusehen. 
Primäre Nebengebilde. 

DiePistazitbänder zeigen auf den Ablösungsflächen zuweilen hübsche und 
deutliche Gleitstreifen (Rutschflächen). Dies ist besonders da zu beobachten, 
wo das Gestein gleichsam aus keilartigen Stücken zusammengesetzt ist, 
also mehrfache Bewegungsrichtungen gestattet; leider aber hindert dieser 
Zustand handliche Belegstücke zu erhalten. Die Epidotmasse ist meist 
sehr zersetzt und hellfarbig. Die Quarzbänder scheinen durch die Gleit- 
bewegungen nicht verändert; sie sind entweder durch den Epidot geschützt 
gewesen, oder aber es hat während und nach der Quarzbildung mehr 
Ruhe in der Gebirgsmasse geherrscht. 

Wenn hier und auch anderwärts keine besondere Örtlichkeit für das 
Berichtete angegeben wird, so ist der Grund dafür: dass die meisten der 
eigentümlichen Vorkommnisse durch den Bruchbetrieb bald zerstört 
werden. Es ist aber immer Hoffnung vorhanden, dass neue, den früheren 
ähnliche Dinge zum Vorschein kommen, um abgegebenes Urtheil daran 
zü prüfen: 

Schon in früheren Betrachtungen über den Quarz des Syenits (Festschr., 
1885, S. 50) wurde das gangartige Auftreten des Minerals erwähnt, und 
mag noch kurz Folgendes zugefügt werden: In dem ersten Bruche unter- 
halb Döltzschen (nördlichster) wurde (1886) ein Quarzgang, oder vielmehr 
eine Gruppe schmaler paralleler Schnüre und Bänder von Pistazit und 
Quarz beobachtet, in Gesammtheit nur etwa 10 cm mächtig, zwischen 
denen Syenitbänder vorhanden sind. Der Syenit ist durch parallele Klüfte 
getrennt, die schmälsten sind nur mit Pistazit, die breiteren durch Quarz 
mit Pistazitrand erfüllt worden. In dem Quarze finden sich auch Syenit- 
trümmer, dieselben sind aber immer durch Pistazit umrandet. Der Pista- 
zit ist meist nicht scharf ausgeprägt, er erscheint gewöhnlich nur als 
grünliche Färbung des Quarzes. Die Syenitbänder sind auch zuweilen 
quer durchbrochen, so dass der Quarz zweier Bänder zusammenhängt. 
Als unwesentlicher Nebengemengtheil tritt in dem Quarze Kalkspath auf. 


65 


Während in dem letzterwähnten Vorkommen eine Quarzgangbildung 
gleichsam als eine ganz vollendete erscheint, giebt es auch andere, in 
denen die Hohlräume des Gesteins durch den Quarz nur oberflächlich 
überkleidet, nnd die zahlreichen Svenittriimmer nur ebenso oberflächlich 

1 V 

mit Quarz überrrindet und durch denselben an einander und an die Kluft- 
fläche angekittet sind, so dass das Ganze ein rauhes löcheriges Haufwerk 
ist. Der Quarz ist immer klein-krystallinisch, und von unreiner, vielleicht 
durch eingemengten Syenitstaub dunkel grauröthlicher Farbe. Die Quarz- 
rinden sind auf dem Bruche zuweilen wie hornsteinartig. Bemerkenswerth 
bleibt hierbei, dass epidotische Masse fehlt. Dieses unfertige, jedenfalls 
neuere Syenittrümmergestein wurde besonders in dem oberen Bruche 
hinter der Garnisonmühle gesehen. 

Am letztgenannten Orte wurden, in engen Klüften ohne Syenittrümmer, 
hornstein artige 1 — 2 cm starke graurothe oder braune Quarzrinden mit 
kleindrusiger gekerbter Oberfläche angetroffen. Die Kerbung anscheinend 
durch flache, auf der Kante stehende Schwerspathkrystalle hervorgerufen. 
Ein ganz ähnliches Gebilde wurde im oberen Bruche beim Forsthause ge- 
funden. So noch hier und da wird man Aehnliches finden können, und 
die Eindrücke werden sich nicht nur auf Schwerspath, sondern mitunter 
auch auf Kalkspath zurückführen lassen. — Es ist schade, dass dieser neue 
Quarz sich zum grössten Theile vor dem Verschwinden der Späthe absetzte 
und gestaltete, denn wäre die Fortführung der Späthe mit der Quarzbildung 
gleichzeitig erfolgt , so würde wohl die Entstehung hübscher wirklicher 
Pseudomorphosen möglich gewesen sein. 

Alle die bis jetzt erwähnten Vorkommnisse des Quarzes sind vielleicht 
nur bemerkenswerth durch ihr Verhältniss zum Hauptgesteine oder zu den 
Begleitmineralien, äusserlich Angenehmes bieten sie nicht. Ganz leer ist 
aber das Schönheitsgefühl in Bezug auf den Quarz auch in den letzten 
Jahren nicht ausgegangen. 

In dem unteren Bruche hinter der Garnisonmüble wurde vor einigen 
Jahren eine bedeutende, wie stockförmige Abänderung des Syenits bloss- 
gelegt, die im Gefüge und in der Zusammensetzung wesentlich von dem 
gewöhnlichen Gesteine abweicht, aber doch mit demselben innig verwachsen 
ist. Das Gefüge der Varietät ist granitisch körnig, keine Spur von gleich- 
gerichteten Feldspathkrystallen, die unseren Syenit so sehr auszeichnen. 
Der Feldspath tritt sehr zurück, die Hornblende herrscht vor, zu welcher 
sich wohl auch Augit! gesellt. Ja dieses dunkle Hornblendegestein wird 
weiterhin gar zu einem Epidotsyenite, der fast nur aus schwarzer Horn- 
blende als Hauptmasse und hübsch grünen körnigen Epidotpartien besteht. 
In dem körnigen Hornblendegesteine wurden verhältnissmässig oft Zeolith- 
ausscheidungen angetroffen , die basische Natur desselben gleichsam be- 
scheinigend. In dem Gesteine konnte makroskopisch kein Quarz bemerkt 
werden. Der Quarz wurde nur angetroffen an den Grenzen oder in Klüften, 
und nur da, wo das Gestein nicht mehr frisch war. Auch ist der Quarz 
stets begleitet von Kalkspath, zu dem zuweilen auch Schwerspath sich gesellt. 
Alles deutet darauf hin, dass der Quarz nur ein Zersetzungsprodukt sein 
kann. 

Auf dem Syenite zunächst sitzt Kalkspath, älteste Gestalt Skalenoeder, 
seltener Schwerspath. Auf dem Kalkspathe kleine Botheisensteinkugeln, 

4 


66 


mitunter wohl auch sehr kleine Eisenglanzblättchen. Der Schwerspath 
trägt nichts von dem Eisenminerale; dann folgt der Quarz. An den Be- 
rührungsstellen mit den Späthen ist der Quarz wie abgeschnitten, höchstens 
in den Kalkspath tritt er noch in Spuren, als zusammengedrückte Gestalt 
ein, zum Zeichen, dass die Bildung des Quarzes begann, ehe die des Kalk- 
spaths beendet war. 

Der Quarz bildet hübsche, wenn auch nur kleine Doppelpyramiden, 
meist nur einseitig vollkommen gestaltet. Die Säule ganz kurz oder fehlend. 
Das Angenehmste dieses Quarzes ist die schöne dunkelbraune, schwarz- 
erscheinende Farbe; hellere braune oder violette amethystartige, meist un- 
vollkommenere Kry stalle sind seltener. Die dunklen Quarze sind zuweilen 
noch ausgezeichnet durch eingewachsenen strahligen Göthit, dessen Nadeln 
mitunter auch aus den Quarzkrystallen heraustreten. Auf dem Quarze 
sitzt wieder ein Kalkspath. Dieser letztere hat den Quarz nicht gestört, 
denn nach Wegnahme mittelst Säure, anders sind die Quarze nicht gut 
frei zu erhalten, zeigen sie sich mit reinen Flächen, während der ältere 
Kalkspath deutliche Eindrücke zurücklässt. Ebenso wie der ältere Kalk- 
spath verhält sich der Schwerspath zum Quarze. — Zu bemerken ist noch, 
dass der schwarz erscheinende Quarz schon durch schwaches Glühen voll- 
ständig farblos oder weiss wird. 

Ein etwas ähnliches Vorkommen wie das letzterwähnte, fand sich in 
dem Bruche oberhalb der Garnisonmühle am linken Ufer. Die Quarzkrystalle 
mit mehr ausgebildeter Säule und bedeckt mit gelbem Dolomit. Der unter- 
sitzende Kalkspath säulig mit flachem Rhomboeder, zuweilen zeitig er- 
scheinend, dolomitisirt. Auch hier zwischen Kalkspath und Quarz eine 
dünne Rotheisenerzlage. 

Nette kleine ganz farblose Quarze auf Dolomit wurden im vorerwähnten 
Bruche, und noch häufiger im oberen Bruche beim Forsthause im Trümmer- 
syenite gefunden. 

Chalzedon. Dieser Quarz ist bis jetzt nur sehr selten beobachtet 
worden. Er fand sich als sehr dünner, aus zwei getrennten Schichten be- 
stehender Ueberzug auf einer Kalkspathdruse des Trümmersyenits im oberen 
Bruche beim Forsthause. Die untere Lage besteht wie aus aneinander 
gestellten unregelmässigen Blättchen, die obere ist gleichmässig. Farbe 
weiss, milchig. Am gleichen Fundorte wurde der auf Kalkspath aufsitzende 
Chalzedon als ungefähr 1 mm dicke Lage, bedeckt mit kleinen farblosen 
Qu arzkrv stallen an getroffen . 


67 


XI. Aquila rapax (Temm.) von Astrachan, 

nebst Bemerkungen über verwandte Formen, besonders 

Aquila boeki Hom. 

Von A. B. Meyer. 


Seebohm hat den lohfarbigen Adler, Aquila rapax , von Astrachan 
aus Henke’s Sammlung aufgeführt 1 ), da aber sonst nirgend Russland als 
Verbreitungsgebiet der Art genannt und den russischen Ornithologen nach 
Pleske’s mündlicher Mittheilung ein russisches Vorkommen unbekannt 
ist 2 ), so war eine Prüfung der Seebohm ’schen Bestimmung angezeigt. 

Das in Frage kommende Exemplar (Nr. 11862. Mus. Dresd.), ein 
Weibchen, ist 1874 im Herbste bei Astrachan erlegt worden. „Hier kommt 
Aquila clanga Pall, häutig vor 3 ); diese Art brütet an den niedrigen Ufer- 
rändern der Salzseen in der Steppe, wo sie etwa 1 m hoch über dem Salz- 
spiegel Reisernester von Steppenpflanzen auf baut; sie benutzt mit Vorliebe 
auch stehengebliebene Heuhaufen; man findet die Nester an den Ufer- 
rändern in Entfernung von einigen hundert Schritten von einander; sie 
nistet auch auf einzelstehenden Kirgisenlehmhütten, die die Bewohner im 
Sommer stets verlassen” (Henke’s mündliche Mittheilung). Da das Nisten 
einer anderen Art dort nicht bekannt ist, so war vorerst zu prüfen, ob 
nicht eine individuelle Abänderung von A. clanga vorliegen könne. Es 
sei die Beschreibung des seltenen Exemplares vorausgeschickt. 

Allgemeine Charakteristik: Kopf, Hals hellrostbräunlich (Ridg- 
way III, 13 Mars Brown 4 ), Unterseite etwas heller (R. III, 20 Cinna- 
mon), Oberseite braun mit heller Zeichnung. 

3 ) „Ibis” 1882, 206 (s. auch meine Anmerkung in Z. f. ges. Orn. 1884, 208). 

2 ) Sarepta wurde 1. c. von Seebohm ebenfalls als Fundort angegeben, und 
zwar nach einer mündlichen Mittheilung Henke’s; dieser aber hält die Bezeichnung 
„Sarepta” durch Möschler (von dem in Sarepta ansässigen Rückbeil gesammelt) 
für unzuverlässig, da die betreffenden Exemplare meist aus der Kalmückensteppe 
stammen. 

3 ) „Am häufigsten von allen Hügeladlern”. Menzbier („Ibis” 1884, 306) meint, 
die Art brüte auf den bewaldeten Inseln der Wolga bis 50° südlich und wahrscheinlich 
südlicher. Nach Henke brütet sie keinesfalls so weit südlich wie das Wolgadelta, 
sondern „nur östlich und westlich von der unteren Wolga in den Steppengebieten 
der Kirgisen und Kalmücken , wo sie an den zahllosen Zieselmäusen verschiedener 
Arten, wie auch an Erinaceus auritus, deren stachelige Haut man bei ihren Nestern 
findet, reichliche Nahrung haben. Im Wolgadelta findet man die Art nur auf dem 
Zuge, und zwar im Herbste massenhaft, im Frühjahr weniger”. Zu den „Hügeladlern” 
dieses Steppengebietes, die mit Vorliebe auf Hügeln nisten, rechnet Henke in erster 
Linie A. clanga und mogilnik (wie schon der Name: mogila= Grabhügel besage), 
ferner A. rapax , glitschi und chrysaetus und auch den Schlangenadler Circaetus gallicns , 
sowie den wilden Adlerbussard, Buteo ferox. 

4 ) R. Ridgway: A Nomenclature of Colors for Naturalists, 1886. 


Oes. Isis in Dresden, 1892, 


Abk. 11. 


4* 


68 


Maasse: Total etwa 660 mm 
Flügel 535 „ 
Schwanz 270 „ 
Schnabel 41 ,, 

Mundspalte 55 „ 
Schnabelhöhe 25 „ 
Tarsus 100 „ 
Mittelzehe 55 „ 
Kralle 28 „ 

Innenzehe 35 „ 
Kralle 33 „ 

Aussenzehe 35 „ 
Kralle 21 „ 

Hinterzehe 30 „ 
Kralle 32 ., 


(gerade, nicht über den Bug gemessen) 


(bis zur Befiederung) 
(in gerader Linie) 

(in gerader Linie) 

(in gerader Linie) 

(in gerader Linie). 


Einzelbesckreibung : Kopf, Nacken, Hals und ganze Unter- 
seite, Hosen, Tarsen hellrostfarben, vom Kopfe zum Hinterhals inten- 
siver. Kopf und Hinterhalsfedern mit dunklen Kielen und kleinen schwärz- 
lichen Spitzchen, Avelche letzteren nach dem Rücken zu mehr oder weniger 
verschwinden. Zügel und Superciliarstreif schwarz, aber sehr schmal. 
Ohrdecken ein wenig mehr ins Braune ziehend. Federn der Brust mit 
schwach angedeuteten bräunlichen Spitzen, Federn des Bauches mit dunk- 
leren breiten verwaschenen Mittelstreifen und schwarzen Kielen an diesen 
Stellen, darunter auch einzelne Federn mit isabellfarbener Endhälfte. Hie 
längsten hinteren Hosenfedern dunkel, hell gerandet, die kürzeren oben 
sehr rostfarben, Tarsenbefiederung distal allmählich heller werdend. 
Mantel und mittlere Flügeldeckfedern braun, breit hellockerfarben 
verwaschen gerandet. Scapularen dunkler braun, die kürzeren mit hell- 
ockerfarbenen Innenrändern; hierdurch entstehen auf der Oberseite 2 dunkle 
convergirende Streifen von der Schulter bis zu den Tertiärschwingen. Hie 
kleinen Flügeldecken variiren mit Ockergelb und Ro stroth. Schwingen 
schwarzbraun mit violettem Schimmer, die Secun daren und die grossen 
Flügeldecken mit hellen, z. Th. grau überlaufenen Spitzensäumen oder 
Flecken. Unterseite der Schwingen schwärzlich, die Primären an 
der Basis allmählich in Weiss übergehend, schwache Andeutung von Quer- 
bänderung hier und da vorhanden. Grosse Unterflügeldecken schwarz- 
grau mit weisser Basis, die übrigen wie die Oberseite. Axillaren röthlich 
braun, roströthlich gesäumt. Rücken hellrostfarben. Bürzel dunkelbraun, 
obere Schwanzdecken weisslich mit braunen Schaftstrichen. Schwanz 
oben schwarzgrau mit schwarzen Kielen und dunklen Kielstreifen, an den 
Spitzen mit hellen Säumen, unten graubräünlich mit schwach angedeuteter 
Querbänderung. Schnabel hellkornfarben mit schwarzem Spitzendrittel. 

Ausführlichere Beschreibungen von A. rapax liegen sonst wenig vor, 
Sharpe 5 ) beschrieb kein Männchen; das obige Weibchen differirt mit 
Sharpe’s Beschreibung eines solchen 6 ). Grosse Aehnlichkeit, wenn auch 
nicht volle Uebereinstimmung, zeigt der Yogel von Astrachan mit den Ab- 


6 ) Cat. Brit. Mus. Birds I, 242, 1874. 

G ) Ygl. auch A. Anderson in Proc. Zool. Soc. 1871, 687 ( naevioides Cuv.) 


69 


bilduugen von Temminck 7 ) und Lilford 8 ), wodurch die Bestimmung 
„ rapax ” schon ziemlich sicher gestellt wird. 

Eine so grosse Ueb er ein stim mun g auch mit vielen Charakteren von 
A. clanga vorliegt, was ja nicht zu verwundern ist, da die in Frage 
kommenden Formen doch nur als subspecifisch coordinirt aufgefasst werden 
können, so müsste man doch immer eine individuelle rothe Abänderung 
annehmen, wie sie sonst gänzlich unbekannt und auch nicht wahrscheinlich 
ist. Es liegt hierzu aber um so weniger Anlass vor, als die rothe Form 
von rapax , wie die Abbildungen zeigen, ja bekannt ist. 

Herr Prof. W. Blasius in Braunschweig sandte mir mit dankens- 
werthester Liberalität die folgenden Exemplare aus der dortigen und aus 
der Homey er’schen Sammlung zum Vergleiche: 

3 Exemplare von Aquila vindhiana Frankl, von Etawah und „Indien“, 
1 Exemplar „ ,, fulvescens Gray vom Pundschab, 

1 „ „ ,, boelci Hom. von Thorn (typus), 

1 „ „ „ glitschi Ssew. (ohne Fundort). 

A. vindhiana °) kann, wie ein directer Vergleich lehrt, nicht in Betracht 
kommen 10 ). Ebensowenig A. fulvescens , wenn auch die Unterscheidung 
schon schwieriger ist. Die Abbildung von Menzbier 11 ) hat zwar viel 

Aehnlichkeit mit dem Astrachaner Exemplar, allein sie ist im Ganzen viel 
zu matt und in der Zeichnung zu unbestimmt, um damit identificirt werden 
zu können. Gray’s Abbildung 12 ) differirt noch viel bedeutender und stellt 
es sicher, dass fulvescens nicht vorliegt; ebensosehr differirt das Exemplar 
Nr. 27 der Home y er’schen Sammlung, das aber sehr gut mit der Gray’schen 
Abbildung übereinstimmt. Sharpe 13 ) identificirt vindhiana und fulvescens , 
allein abgesehen davon, dass nur coordinirte Subspecies vorliegen können, 
scheint es gerechtfertigter, diese Formen vorläufig auseinander zu halten. Es 
lässt sich daher auch nicht beurtheilen, was Sharpe eigentlich als ad. fern. 14 ) 
beschrieben hat; mit seiner Beschreibung stimmt der Astrachaner Yogel eben- 
sowenig überein. Gurney 15 ) sagt, rapax, vindhiana und fidvescens seien 
3 verschiedene und gute Arten, theilt also Sharpe ’s Ansicht bezüglich 
vindhiana und fulvescens auch nicht 16 ). 

7 ) Temminck, PL col. 455, 1828. 

8 ) „Ibis” 1865, pl. V, das rothe Exemplar, naevioides Cuv. 

9 ) Auch 8 Ex. im Dresd. Mus. (C 10555, 10556 u. 10745) vom Deccan, von 
Janvapore und von ßachi bei Delgaun, soweit die Fundorte auf den Origin aletiquetten 
zu entziffern sind. 

10 ) Nr. 66 der Homey er’schen Slg. stimmt genau mit Gray’s A. fusca in 111. 
Ind. Zool. II, pl. ‘27, 1884. 

n ) Sewertzow: Nouv. mcm. Soc. imp. nat. Mose. XV, 106, 1885, pl. YII 
(i clanga var. fulvescens). 

12 ) Gray: 111. Ind. Zool. II, pl. 29, 1834. 

13 ) Cat. Brit. Mus. Birds I, 234, 1874. 

u ) 1. c. 244. 

15 ) „Ibis“ 1877, 326. 

1G ) Gurney’ s Beschreibung eines Exemplares von fulvescens (1. c. 327) von Cawn- 
pore, fern, ad., stimmt im Ganzen gut mit dem Astrachaner Yogel. Es wäre zu unter- 
suchen, ob dies auch rapax ist. Das Ex. dürfte im Brit. Mus. (Hume Slg.) sein, rapax 
und fulvescens werden aber als sich begrenzende Subspecies Uebergänge zil einander 
zeigen. Nach Anderson (Proc. Zool. Soc. 1871, 688) kommt rapax [naevioides] in 
Etawah vor. — (Man vergleiche übrigens, ihrer Uebersichtlichkeit wegen, Gurney ’s 
Liste aller dieser Adler in seinem „Diurnal Birds of Prey“ 1884, 55 fg., und zur wei- 
teren Orientirung, ausser den angeführten Stellen, Seebohm’s British Birds I, 106, 
1883 sub A. naevia). 


70 


A. boeki Hom. kann gleichfalls nicht in Frage kommen. Menzbier 17 ) 
identificirt boeki mit fulvescens. Seine Beschreibung von fulvescens passt 
nicht auf den Astrachaner Vogel. Eine Identificirung von boeki und ful- 
vescens scheint mir nicht möglich, wie auch ein Vergleich des Typus 
von boeki mit einem Exemplare von fulvescens beweist. Ebensowenig hat 
boeki mit dem Astrachaner Yogel zu thun. Ich kann mich auch nicht 
von der Berechtigung überzeugen, das in Thorn erlegte Exemplar als Typus 
einer anderen Art anzusehen, wenn auch in der Heine 1 sehen Sammlung 
in Halberstadt ein ähnliches (aus „Russland“) vorhanden ist 18 ). Homeyer 
beschrieb und bildete boeki ab 19 ). Gurney 20 ) zieht zu fulvescens , abge- 
sehen von boeki , auch noch die Abbildung eines Exemplars von naevia 
var. pallida Lichtenstein von Pillau 21 ), das sehr hell ist, das wohl richtig 
als var. von naevia erkannt wurde und das, meiner Ansicht nach, mit 
fulvescens Nichts zu thun hat. Cabanis 22 ) hielt boeki für eine Varietät 
von clanga , wofür ich mich aber nicht aussprechen kann, da clanga dort 
gar nicht vorkommt. A. boeki dürfte ein Jugendkleid von naevia sein mit 
Neigung zu Hellfärbung und zwar aus folgenden Gründen: 

1. Wegen der Reste des hellfarbigen Dreieckes am Nacken ( A . rufi- 
nuchalis Brooks 23 ), 

2. wegen der grossen Flecken auf den Flügeldecken, 

3. wegen der Längsflecke des Rückens, 

4. wegen der dunkelgesäumten Hosenfedern, 

5. wegen der schmalen dunklen Ränder der Bauchfedern, 

6. wegen des losen Gefieders, 

7. wegen der lebhaften Schwanzbänderung, 

8. wegen des weisswolligen unteren Augenlides. 

Letzterer Charakter ist, soviel ich sehe, nirgend als Jugendmerkmal, 
und überhaupt nicht, angegeben; er ist aber sehr auffallend bei A. boeki 
und auch bei einem gefleckten Jugendkleide von A. naevia (Nr. 5551 
Mus. Dr.), während es ein geflecktes Jugendkleid von clanga nicht auf- 
weist — ob bei der Präparation verschmiert? — und es andere und adulte 
Exemplare anderer Arten nicht zeigen. Auffallend sind zwar die längeren 
Zehen, allein hier kann Geschlechtdifferenz und noch nicht vollständige 
Befiederung des distalen Tarsentheiles vorliegen; zudem ist die Differenz 
nur 5 mm. Die anderen mehr zu clanga stehenden Maasse 21 ) erklären 
sich aus dem Jugendzustande, da erst im 2. Jahre die normale, kürzere 
Länge der Schwingen eintritt (fide Henke). 

Die Maasse von A. boeki sind die folgenden: 


Totallänge etwa 600— 

-610 

nach Homeyer: 
Ex. im Mus. Hein. 

nach 

Homeyer: 

Flügel 

500 

„ (gestreckt) . 520 mm 

482 mm 

Schwanz 

255 

n 245 „ 

230 „ 

Schnabel 

40 

„ (gerade gern.) 


17 ) Menzbier: Orn. Turkestan, 2. Lief., S. 114, 1889. 

18 ) Heine und Reichen ow: Nomencl. Mus. Hein. Orn. 1890, 269, Nr. 10. 

19 ) J. f. Orn. 1874, 105, Taf. III, und 1875, 163. 

20 ) Ibis“ 1877, 829. 

21 ) J. f. Orn., Extraheft 1853, 69, Taf. IV, Fig, 1. 

22 ) J. f. Orn. 1874, 105. 

23 ) „Stray feathers“ 1876, 269; s. auch Seebohm: Brit. Birds I, 106, 1883. 

24 ) Homeyer: J. f. Orn. 1875, 163. 


71 


Mundspalte 

53— 

- 54 

mm 

nach Homeyer: 
Ex. im Mus. Hein. 

Schnabelhöhe 

23- 

- 24 

n 


Tarsus 


93 

n 


Mittelzehe 


60 

n 

60 mm 

Kralle 


24 

11 

(gerade gern.) 

Innenzehe 


35 

11 

34 „ 

Kralle 


28 

11 


Aussenzehe 


45 

11 

46 „ 

Kralle 


20 

11 

11 


Hinterzehe 


32 


Kralle 


30 




Für naevia var. spricht auch der Fundort Thorn. Eine andere Art 
von weiter nach Osten, die in Frage kommen könnte, ist nicht bekannt 
und das Verfliegen einer noch unbekannten nach Pommern wäre mehr 
als unwahrscheinlich. 

Die Homeyer’sche Abbildung 25 ) ist irreleitend, sowohl was die 
Zeichnung des Gefieders, als auch was die Färbung anlangt. Die Diffe- 
renzen mit dem grossen Vogel im Vordergründe sind die folgenden: 

1. Die Flügel sind zu roth; 

2. die mittleren Flügeldecken nach oben zu sind nicht abgegrenzt auf 
der Abbildung, in Natur aber sind sie es sehr deutlich; 

3. die dunklen Scapularen sind nicht sichtbar; 

4. die Färbung im Ganzen ist zu orange; 

5. die Secundaren sind nicht bläulich gesäumt, wie auf der Abbildung, 
sondern bräunlich mit weisslichen Spitzen. 

Die Differenzen mit dem von vorn dargestellten Vogel sind die folgenden: 

1. Die Abbildung ist zu lebhaft, 

2. es fehlen die dunklen schmalen Federränder des Bauchgefieders. 

Da also der Astrachaner Vogel zu keiner der sonst etwa in Frage 
kommenden Arten zu stellen ist und da er positiv gut mit gewissen Exem- 
plaren von A.rapax überein stimmt, so halte ich die Seebohm’sche Angabe 
für richtig und es muss daher das Wolgadelta mit in den Yerbreitungskreis 
der Art eingezogen werden. Ob es sich nur um ein ausnahmweises Ver- 
fliegen im vorliegenden Falle handelt, wird die Zukunft lehren. Vielleicht 
kommt diese Art, wie auch A. glitschi Ssew. 26 ), gleich clanga , im Herbste 
auf dem Zuge hier vor. Da A. rapax in der Türkei und in Palästina 
brütet 27 ), so ist das Wolgadelta nicht als so überaus abgelegen anzusehen, 
als dass dieser Adler hier nicht naturgemäss auch Vorkommen könnte. 

25 ) J. f. Orn. 1874, Taf. III. 

2Ö ) Ein Exemplar von A. glitschi aus der Homey er’schen Sammlung- stimmt 
gut mit dem Dresdner Exemplare Nr. 5552, das wahrscheinlich von Möschler über 
Sarepta herkam; Henke ist überzeugt, dass auch Glitsch, der in Sarepta lebte, 
die Art nicht von der Wolga, sondern aus der Kalmückensteppe erhalten hat, da 
Jagdexpeditionen von Sarepta, die Sarpa entlang, sehr ergiebig gewesen sein dürften, 
während das Inselgebiet in der Nähe von Sarepta, von geringer Ausdehnung und 
Bedeutung, hauptsächlich für Würgfalken und Seeadler ausgebeutet worden ist. 
Henke brachte ein Exemplar von A. glitschi von Astrachan (Nr. 18995. Mus. Dresd.); 
die Art scheint von A. rapax durchaus verschieden zu sein. 

27 ) Gurney: „Ibis” 1877, 227 und 280; Tristram: 1. c. 1865, 252; Dresser: 
Birds Eur. V, 513, Taf. 341, 1880, wo ein türkisches Exemplar abgebildet ist, das 
allerdings nicht mit dem Astrachaner Vogel übereinstimmt. 


72 


XII. lieber das Kriechen der Schnecken. 

Von Dr. J. Thiele. 


Von Dr. H. Simroth ist wiederholt über die Art, in welcher die 
zum Kriechen verwendete Muskulatur unserer Land- und Süsswasser- 
schnecken thätig ist, geschrieben worden. Er nimmt an, dass durch Längs- 
muskeln in der Fusssohle die Locomotion bewerkstelligt wird, und zwar 
ist es eine sehr eigenthümliche Art, in der diese Muskeln sich contrahiren, 
nämlich in mehreren auf einander folgenden und von hinten nach vorn 
fortschreitenden Wellen. Beim Kriechen streben diese Muskeln nicht wie 
die übrige Muskulatur sich im Ganzen zu verkürzen, sondern sich in toto 
zu verlängern, daher nennt Simroth diese extensile Muskulatur im Gegen- 
satz zur contractilen. ,,Der Unterschied der Thätigkeiten beider beruht 
lediglich in der Anordnung und Folge der Nervenreize“, die sehr langsam 
von hinten nach vorn fortgeleitet werden. Yon den Nerven, welche diese 
Muskulatur versorgen, „wird stets das erste Paar zuerst in Erregung ver- 
setzt und darauf fortschreitend nach hinten die übrigen. — Die Anordnung 
der Nervenreize macht es erklärlich, dass die Kraft vorn am grössten, da- 
her hier stets eine feste Adhäsion, während das Schwanzende bei gewöhn- 
lichem Kriechen meist von der Unterlage absteht“. Jede Contractions-, 
oder wie Simroth es im Grunde ansieht, Gerinnungswelle ruft eine Yer- 
dickung hervor, „welche den Körper an der Unterlage befestigt durch 
Adhäsionsdruck“.*) 

Ueber die Art und Weise, wie denn eigentlich die Weiterbewegung des 
Thieres erfolgt, finde ich bei Simroth keine klare Angabe, die mir die 
Sache erläutern würde; man erhält allerdings den Eindruck, dass 
Simroth annimmt, die Verlängerung der Längsmuskeln am Vorderende 
bewirke ein fortwährendes gleichmässiges Vorwärtsschieben der Kriechsohle, 
doch halte ich einen solchen Vorgang für unmöglich**). Meiner Ansicht 
nach wird jede Weiterbewegung eines Thieres auf einer Grundlage dadurch 
hervorgebracht, dass immer ein Punkt festhaftet, während sich ein anderer 
vorschiebt, vom ersten entfernt, sodann selbst sich anheftet, worauf der 
erste nachgezogen oder vorgesetzt wird. Ob nun an Stelle jedes dieser 
schematisch angenommenen zwei Punkte eine beliebig grosse Fläche oder 
eine Vielzahl getrennter Punkte tritt, ändert am Princip nichts. Mir 

*) Die Thätigkeit der willkürlichen Muskulatur unserer Landschnecken. Zeitschr. 
f. wissensch. Zool. 30, Suppl. 

**) Wenn der Fuss hinten angesaugt bleibt und dabei vom verlängert wird, wie 
Simroth sich einmal ausdrückt, so kann doch wohl nur die Lage des Vorderendes 
verändert werden, ohne dass eine Locomotion zu Stande kommt. 

Qes, Isis in Dresden, 1892. — Abh. 12. 


73 


scheint eiji solches Alterniren eine ganz unumgängliche Bedingung für 
jede Bewegung auf einer Unterlage. Bald sind es Wimpercilien (Infu- 
sorien), bald saugnapfartige Organe (Echinodermen , Cephalopoden) , bald 
ausgebildete Beine (Arthropoden, höhere Wirbelthiere), bald Andeutungen 
von solchen oder endlich hervorragende Stellen der ventralen Körperfläche, 
die als Stützpunkte dienen. 

Bei den Schnecken müssen wir zwei verschiedene Arten der Kriech- 
bewegung unterscheiden. Die eine findet sich bei unseren gewöhnlichen 
Landschnecken, den deckellosen Pulmonaten, die andere ist hauptsächlich 
bei der gedeckelten Landschnecke Cy clostoma beobachtet worden. Dort 
verlaufen die „locomotorischen Wellen“ über die meist schmale Kriech- 
sohle, soweit sie überhaupt zur Fortbewegung verwendet wird, in ihrer 
ganzen Breite, hier dagegen wird abwechselnd die rechte und linke Hälfte 
von der Unterlage losgelöst und unter Wellenbewegung vorgesetzt, wäh- 
rend das Thier mit der anderen Hälfte und seinem Rüssel am Boden be- 
festigt ist. Im letztem Falle ist es ganz einfach zu verstehen, wie das 
Thier vorwärts kommt, macht es doch richtige Schritte mit seinen beiden 
durch eine Furche getrennten Fusshälften. Wie aber verhält es sich im 
anderen Falle? Die Antwort scheint mir diese zu sein. Durch jede Con- 
tractionswelle wird die Entfernung zwischen zwei bestimmten Querlinien 
verkürzt, worauf die folgende Expansion diese beiden Linien wieder von 
einander entfernt; dabei ist zu berücksichtigen, dass nach Simroth jeder 
vordere Punkt der Sohle fester haftet als ein hinter ihm gelegener, infolge 
dessen wird bei jeder Verkürzung des angenommenen Zwischenraumes 
die vordere Linie festbleiben, die hintere nachgezogen iverden, worauf bei 
der Verlängerung die vordere erhoben und vorgeschoben wird. 

Die Meeresschnecken, die mit Cy clostoma zur Gruppe der Proso- 
branchier gehören, sind ziun Theil sehr träge Thiere. Einer Haliotis hatte 
ich indessen einmal durch Zusatz von übelriechendem Alkohol den Aufent- 
halt in einem Glase mit Seewasser so unangenehm gemacht, dass sie mit 
ganz ungewohnter Lebhaftigkeit aus demselben zu entkommen suchte. 
Bei dieser Gelegenheit habe ich in ihrer Sohle deutlich die Contractions- 
wellen beobachtet, es waren deren 4—5 hinter einander sichtbar; was mir 
besonders bemerk ens werth scheint, ist der Umstand, dass diese Wellen 
nicht über die Breite der ganzen Sohle reichten, sondern nur über deren 
Hälfte, und dass dieselben so angeordnet waren, dass in einer Queriinie 
die eine Seite Contraction, die andere Expansion zeigte. Wir haben hier 
eine Bewegungsart, die in gewisser Hinsicht an die von Cy clostoma er- 
innert , weil ähnlich wie bei dieser Schnecke abwechselnd die rechte und 
linke Hälfte der Sohle mit jeder Welle ein Vorschieben bewerkstelligt, 
freilich ist die mediane Trennungslinie nicht so scharf eingeschnitten und 
namentlich wird kein Theil der Kriechsohle vom Boden erhoben wie bei 
Cyclostoma. 

Simroth scheint die Art der Thätigkeit der locomotorischen Längs- 
muskulatur in der Schneckensohle für ganz eigenartig und abweichend 
von den sonstigen Leistungen der Muskulatur bei den Thieren zu halten. 
Ich glaube kaum, dass diese Annahme nöthig ist. Zum Vergleich will ich 
die Schwimmbewegung der Anneliden, welche mit den Mollusken am 
nächsten verwandt sind, betrachten. Bei Polvchaeten ( Nereis u. ähnl.) 
findet ein Schwimmen durch seitliche Schlängelung des Leibes statt. Diese 


74 


wird dadurch erzeugt, dass sich in mehreren Querreihen abwechselnd die 
rechte und die linke Längsmuskulatur contrahirt. Den Anfang der Be- 
wegung macht jedenfalls das Vorderende. Die flachen Hirudineen schwim- 
men dagegen durch Schlängelung in einer verticalen Ebene, indem sich 
abwechselnd Theile der ventralen und dorsalen Längsmuskeln zusammen- 
ziehen; auffällig ist dabei, dass diese Würmer sich beim Schwimmen 
ziemlich stark in die Länge dehnen. 

Mir scheint, dass wir diese Bewegungen als Analoga derer von Schnecken 
ansehen können; die seitliche Schlängelung entspricht dem Kriechen von 
Haliotis , die dorsoventrale dagegen dem von Pulmonaten. Während bei 
Würmern aber der dünne und langgestreckte Körper durch die Muskeln 
in schlängelnde Bewegung versetzt wird, ist das bei den Schnecken mit 
ihrem breiten, massigen Kriechfusse nicht möglich, es äussern sich die 
Contractionen der auf eine horizontale Ebene beschränkten Längsmusku- 
latur nur in wellenförmigen Verdickungen der Kriechsohle. Die mit der 
Bewegung verbundene Verlängerung des Körpers finden wir in beiden 
Fällen; bei den Würmern wird dadurch der Körper leichter beweglich, 
die Muskeln finden weniger Widerstand. Ob dieselben Elemente bei Wür- 
mern und Mollusken die Streckung bewirken, vermag ich nicht anzu- 
geben; jedenfalls aber haben bei beiden die locomotorischen Contractions- 
wellen keine Verkürzung des ganzen Leibes zur Folge. In welcher Weise 
die Nervenreize bei Würmern sich anordnen, ist mir nicht klar; es würde 
vielleicht bei einer darauf gerichteten Beobachtung herauszufinden sein, 
ob sie wie bei den Mollusken von hinten nach vorn fortgeleitet werden. 

Nur ausnahmsweise finden wir bei Schnecken Schwimmbewegung, 
so bei den Heteropoden, wo ein Theil des Fusses zu einer dünnen, längs- 
gerichteten Platte geworden ist, welche durch seitliche Schlängelung das 
Thier fortbewegt. Es ist sicher, dass die Heteropoden aus Prosobranchiern 
bervorgegangen sind, bei denen wir ja Kriechbewegung durch abwechselnde 
Contractionen in den beiden Fusshälften festgestellt hatten; durch eben- 
solche Contractionen wird auch die Heteropodenflosse in Thätigkeit ver- 
setzt. Eine andere Art von Schwimmbewegung nehmen viele Opistho- 
branchier, namentlich die sogen. Pteropoden an, indem die seitlichen 
Ränder des Kriechfusses sich verbreitern und durch Schlängelung in verti- 
caler Ebene das Thier vorwärts treiben. Wie die Heteropoden sich den 
Prosobranchiern anschliessen, so werden die Pulmonaten und Pteropoden 
zu den Opisthobranchiern gestellt, und in dieser zweiten Sippe mag durch- 
weg jene Bewegungsart Platz gegriffen haben, welche der dorsoventralen 
Schlängelung entspricht, wenigstens finden wir sie bei Pulmonaten und 
den schwimmenden Opisthobranchiern einschliesslich der Pteropoden. Die 
Schnelligkeit der Pulmonaten ist nach Simroth bedeutend grösser als die 
von Cydostoma ; man kann ganz wohl die erstere Bewegung dem Galopp 
eines Pferdes, die letztere — überhaupt die von Prosobranchiern — dem 
Schritt oder Trabe desselben vergleichen , sowohl was die Thätigkeit der 
Muskulatur, als was die Schnelligkeit anlangt. 

Sicher ist die Thatsache, dass aus kriechenden Schnecken schwim- 
mende entstanden sind, und dass die locomotorische Muskulatur der letz- 
teren sich aus einem Theil derjenigen bei den ersteren hervorgebildet hat, 
ein schwerwiegender Grund für die Annahme, dass die Thätigkeit der 
Kriechmaskein doch wohl nicht so ganz eigenartig ist, wie es zunächst 


75 



scheinen mag, und dass auch die Schlängelung der Würmer ein ähnlicher 
Vorgang ist, der zumeist durch die Anordnung der Längsmuskeln, sowie 
durch die gestrecktere Körperform eine verschiedene Bewegungsart zu 
Wege bringt 

Während bei anderen Thieren, die auf dem Bauche kriechen, beson- 
ders den Schlangen, die starke Reibung gegen den Boden durch kräftige 
Schilder oder überhaupt Erhärtung der Haut unschädlich gemacht wird, 
sind bei den Schnecken starke Drüsen entwickelt, deren Secret die Kriech- 
tläche schlüpfrig macht, um die Reibung zu verhindern. Simroth sagt 
ganz richtig: „Da bei der gleitenden Reibung kriechender Schneckensohlen 
der verschiedene Reibungscoefficient zwischen der Haut und der wechseln- 
den Substanz der Unterlage einer gleichmässigen Bewegung ein wesent- 
liches Hinderniss bereiten würde, wird zwischen die Unterlage und die 
Haut eine mehr oder weniger erhärtende Schleimschicht eingeschaltet und 
auf ersterer befestigt, so dass jetzt, bei einigermassen ebenen Flächen, 
nur noch der Reibungscoefficient zwischen der Haut und dem Band als 
consta nter Factor in Betracht kommt*). 

Diese Drüsen sind von zweierlei Art, schlüpfrig machende Schleim- 
oder Schmierdrüsen, deren Secret muköser Natur ist, und Klebdrüsen; 
die ersteren sind in der Regel vorn in der Sohle entwickelt, die letzteren 
im hinteren Theile derselben, sowohl bei Prosobranchiern wie bei Opistho- 
branchiern; ich habe z. B. beobachtet, dass eine Aplysia sich mit dem 
grössten Theil ihrer Sohle von dem Glase, an dem sie gekrochen hatte, 
loslöste und nur mit einem ganz kleinen Theil am hintersten Ende der- 
selben sich festhielt. Bei Landschnecken verlassen die Drüsen die Kriech- 
fläche ; am wichtigsten für dieselben ist die vordere Schleimdrüse, die 
unter dem Munde gelegen ist und die ihr Secret beim Kriechen ununter- 
brochen auf den Boden herabgleiten lässt, wo es gewissermassen einen 
weichen Teppich unter der Sohle darstellt, den sich das Thier bei der Be- 
wegung fortwährend neu erzeugt. 

Die Hautdrüsen liegen bei den niedersten Formen im Epithel, bei 
höheren Mollusken rücken sie durch Yergrösserung ins unterliegende 
Bindegewebe. Dass sie aus diesem entstehen , wie manche Forscher an- 
nehmen , halte ich für unrichtig, ich habe noch keinen Fall gesehen, der 
nicht mit der Annahme verträglich wäre, dass die Hautdrüsen der Mollusken 
ectodermale Bildungen sind. 


*) Ueber die Bewegung und das Bewegungsorgan des Cyclostoma elegans und 
der einheimischen Schnecken überhaupt. Zeitschr. für wissensch. Zoologie, 36. 




76 


XIII. Die Ergebnisse (1er in Sachsen seit dem Jahre 1882 
nach gemeinsamem Plane angestellten plianzenphäno- 

logischen Beobachtungen. 

Von Prof. Dr. Oscar Drude und Dr. Arno Naumann. 


(II. Theil: Vergleichende Uebersicht und Special -Tabellen *) 

Vorbemerkung. Bei der weiteren Berechnung der Resultate aus unseren 
phänologischen Beobachtungen, insbesondere bei den Mittelnahmen, soweit sie nicht 
schon in der ersten Abhandlung zur Verwendung gekommen waren, zur Erzielung 
der grossen Uebersichtstabelle wurde ich von Herrn Dr. Naumann, Assistenten des 
botanischen Instituts der Technischen Hochschule, mit jener Bereitwilligkeit unterstützt, 
die der Ausdruck seines Strebens ist, seine Kraft in den Dienst vaterländischer Forschung 
zu setzen. Es sei ihm daher hier mein Dank öffentlich ausgesprochen. — Drude. 

5. Ueber die Bestimmung der Frühlingshauptphase im Gebiet 

der Bergregion. 

Im ersten Theile dieser Abhandlung (1891, S. 70) ist zur Sichtung des 
wesentlichen aus der grossen Menge von Einzelbeobachtungen besonders 
der Berechnung der Frühlingshauptphase gedacht, d. h. der Mittelnahme 
aus den markantesten Phasen, welche in die Mitte der eigentlichen Früh- 
lingsperiode fallen (nämlich an den Schluss des Halbfrühlings, mithin vor 
Beginn des Vollfrühlings mit der Kastanien-, Narcissen- und Syringenblüthe). 
Als Pflanzen, deren Entwickelungszustände am besten dieser Hauptphase, 
welche jeder aufmerksame Phänologe bei seinen Wanderungen in jener 
Jahreszeit in der Pflanzenwelt herausfühlt, entsprechen, sind daselbst zur 
Berechnung herangezogen : Prunus Padus e. BL; Pirus communis e. BL; 
Pirus Malus e. Bl, ; Belaubung der Fagus silvatica im Mittel des ersten 
Knospenaustreibens und des Beginns der Blattentfaltung. Es ist auch da- 
selbst hervorgehoben, dass diese Phasenberechnung keine unbedingte Gültig- 
keit habe in der oberen Bergregion, wo der Obstbau so bedeutend zurück- 
bleibt, dass er nicht mehr als markante Phase des Frühlingseinzuges gelten 
kann. — 

Inzwischen habe ich versucht, an anderer Stelle auf die zeitliche Ver- 
schiedenheit des Frühlingseinzuges in Sachsen ein kurzes kartographisches 
Gesammtbild des Landes zu gründen**), wobei natürlich, zumal es sich um 
Beziehungen zwischen Landescultur und Naturbedingungen handeln sollte, 
die obere Bergregion nicht ausfallen durfte. Dadurch war die praktische 

*) Fortsetzung von Jahrgang 1891, Abh. 6. 

**) Mittheil. d. Oekonom. Gesellsch. im Kgr. Sachsen 1891/92, Nr. V. Mit Karte. 

Ges. Isis in Dresden, 1892. — Abh. 13. 


Nothwendigkeit gegeben, für die oberen Regionen Sachsens eine Methode 
der Berechnung eben jener Frühlingshauptphase zu finden, welche mit der 
der Culturregion im inneren Anschluss steht. Es sei auch hier nochmals 
hervorgehoben, dass die Phänologie, sofern sie den Zweck hat, in den nor- 
dischen Klimaten vergleichbare Werthe für die Länge der Vegetationsperiode 
zu berechnen, dabei wechselnde Objecte benutzen muss. Im grösseren 
Th eile Europas giebt die erneute Blattentfaltung der Laubbäume ein packen- 
des Bild dafür, für Sachsen ist hauptsächlich die Buche als ihr Symbol 
gewählt; nördlich der Buchengrenze würde die Eiche oder Erle dafür ein- 
treten müssen, nördlich der Eichengrenze die Birke oder die Lärche. Die 
Lärche eignet sich aber nicht für die warmen Lagen Europas, in denen 
sie schlecht gedeiht, und die Birke erscheint bei ihrer geographischen Rassen- 
bildung in Bezug auf die Einheit ihrer physiologischen Lebensbedingungen 
problematisch. Die Culturgewächse wechseln von Klima zu Klima, und 
wenn man solche Phasen, wie die Blüthe und Fruchtreife des Sommer- 
kornes als Ausdruck des phänologischen Klimas allein wählt, hat man eben- 
falls mit den Schwierigkeiten der culturellen Rassen zu kämpfen. Ueber- 
dies können nur die normal gedeihenden Pflanzen einer Gegend normale 
Entwickelungszeiten geben, und es bleibt nichts übrig, als für entlegene 
Breiten und stark verschiedene Regionen einander entsprechende Phasen 
verschiedener, einander ablösender Pflanzenarten auszuwähien. Dabei ist 
die Willkür auf das möglichst geringe Maass zu beschränken, am leichte- 
sten so, dass man in einem Uebergangsgebiete zwischen zwei verschiedenen 
Regionen ein einheitliches Ziel, also die Termine der Frühlingshauptphase, 
auf die Einzeltermine sowohl der für die untere als auch der für die obere 
Region als gültig angenommenen Pflanzenarten stützt und nur solche Aus- 
wahl trifft, welche in der Uebergangsregion möglichst gleichsinnige Re- 
sultate ergeben. 

So bin ich für die obere Erzgebirgsregion verfahren, in welcher die Obst- 
cultur schlecht oder kaum noch möglich ist, was sich an der ungemeinen 
Verzögerung des Eintrittes der Apfelbaumblüthe im Vergleich mit der Er- 
grünung des Waldes zeigt. Diese obere Region beginnt im sächsischen 
Erzgebirge mit 600 — 650 m, ist deutlich und entschieden ausgeprägt mit 
700 m Meereshöhe. Für diese Region habe ich den mittleren Frühlings- 
einzug, also die „Frühlingshauptphase” aus folgenden Terminen be- 
rechnet: 

a) Die erste Blüthe (Fl. I oder e. Bl.) von Prunus Padus\ 

b) die grüne Blattentfaltung (Fol. II oder B. 0. II) von Betula alba ; 

c) die mittlere Belaubung ( Fol - ^ n - oder 1 / 2 B. 0. 1 und II) von Fagus 
silvatica ; 

cl) die erste Blüthe (FL I oder e. Bl.) von Sorbus aucuparia. 

Die Probe auf die Brauchbarkeit dieser Pflanzenentwickelungen habe 
ich dadurch gewonnen, dass ich für Stationen der mittleren Bergregion in 
Sachsen die Termine der mittleren Frühlingshauptphase 1882/87 sowohl 
nach der früheren , als nach dieser jetzt für die oberen Berggegenden be- 
stimmten Auswahl von Einzelphasen berechnete, woraus sich eine den Um- 
ständen nach sehr gute Uebereinstimmung ergab. 

Hier folgen meine Berechnungen, welche zur weiteren Vervollständigung 
und Ergänzung des mir nur unvollkommen zugegangenen Beobachtungs- 


78 


materials sich auch auf die von Bruhns in der „Sächsischen Meteorologie” 
aus den Jahren 1864 — 187 5 gegebenen Beobachtungen stützen*): 

E. Bergstationen der Sächsischen Schweiz. 

Markersbach, Frühlingshauptphase nach Obstbaumblüthe etc. berechnet 

Tag 143 (Y. 13) 

— Frühlingshauptphase nach Birke und Eberesche etc. berechnet 

Tag 142 fff (Y. 12)**) 

Hinterhermsdorf, Frühlingshauptphase nach Birke u. Eberesche etc. berechnet 

Tag 142 fff (Y. 12). 

F. Erzgebirge, mittlere hercynische Stufe. 

Grüllenburg, Frühlingshauptphase nach Birke und Eberesche etc. berechnet 

Tag 141 fff (Y. 11) 

Freiberg, Frühlingshauptphase nach Birke und Eberesche etc. berechnet 

Tag 143 fff (Y. 13) 

Annaberg, Frühlingshauptphase nach Obstbaumblüthe etc. berechnet 

Tag 143 (Y. 13) 

— Frühlingshauptphase nach Birke und Eberesche etc. berechnet 

Tag 143 fff (Y. 13). 

G. Erzgebirge, obere hercynische Stufe. 

Brunndöbra, Frühlingshauptphase nach Obstbaumblüthe etc. aus unvoll- 
ständigen Beobachtungen berechnet 
Tag 149 (Y. 19) 

— Frühlingshauptphase n. Birke u. Eberesche etc. ebenso berechnet 

Tag 147 f|f, oder bis zu Tag 149 (Y. 17 bis Y. 19) 
Georgengrün b. Auerbach, Frühlingshauptphase nach Birke u. Eberesche etc. 
berechnet 

Tag 149 fff (Y. 19) 

Rehefeld, Frühlingshauptphase nach Birke und Eberesche etc. berechnet 

Tag 149 ffo (v. 19) 

Hirschsprung b. Altenberg, Frühlingshauptphase nach Obstbaumblüthe etc. 
berechnet 

Tag 155 (Y. 25) 

— Frühlingshauptphase nach Birke und Eberesche etc. berechnet 

Tag 152 ffb (Y. 22) 

Reitzenhain, Frühlingshauptphase nach Obstbaumblüthe etc. berechnet 

Tag 155 (Y. 25) 

— Frühlingshauptphase nach Birke und Eberesche etc. berechnet 

Tag 152 fff- (Y. 22) 

Ober-Wiesenthal, Frühlingshauptphase nach Birke u. Eberesche etc. berechnet 

Tag 152 fff (V. 22) 

Johann-Georgenstadt, Frühlingshauptphase nach Birke und Eberesche etc. 
berechnet 

Tag 153 -fff (Y. 23 unsicher). 

Es ergiebt sich daraus, dass gegenüber den zuerst (Abh. 6 vom Jahre 
1891) berechneten Weithen der Frühlingshauptphase für die obere Berg- 

*) Vergl. zum Anschluss die Tabelle in Isis, Abhandl. 1891, S. 78. 

**) Der hinzugei’ügte Bruch bedeutet in diesem Falle den Beginn und das Ende 
der zum Mittel werth benutzten vier Phasen. 


79 


rejgion die neue, hier besprochene Berechnungsweise aus Traubenkirsche, 
Birke, Buche und Eberesche um einige Tage frühere Werthe ergiebt. Es 
ist dies natürlich, eben wegen der mehrfach berührten ungemeinen Ver- 
zögerung der Obstbaumblüthe an den Stellen, wo der Obstbau in Gebirgen 
nur noch mit Mühe gepflegt wird und vom freien Felde in den Schutz 
der Hausgärten gezogen werden muss. Um so schwerer wiegt jeder Tag 
der Verspätung im Eintritt des so gewonnenen Termines der Frühlings- 
hauptphase. Auf diesem späten Eintritt baut ein nicht nur um so kürzerer, 
sondern auch ein um so kühlerer und um so mehr Rückschlägen zu unter- 
werthigen Temperaturen ausgesetzter Sommer auf, was sich am besten zeigt, 
wenn man die Wärme summen vom Termin der Frühlingshauptphase an 
bis zum Herbst für solche Stationen bildet und mit den in der Niederung 
gebotenen Wärmesummen vergleicht. 

Für die subalpine Region über der Region des normalen Buchen- 
gedeihens muss natürlich wieder eine andere Berechnung nach dort herr- 
schenden Pflanzen eintreten, doch sei dies hier nur angedeutet. 

Was bieten nun solche Berechnungen überhaupt der klimatischen Phäno- 
logie für Vortheile? Zunächst den praktischen, dass die Beobachter auf 
eine kleinere Anzahl von Pflanzen aus der Gesammttabelle hingewiesen 
werden, welche unter allen Umständen in geeigneter Lage und mit grösster 
Regelmässigkeit zu beobachten sein sollen. Die Tabelle allein auf diese 
Pflanzen zu beschränken, würde der Umstand verbieten, dass die inter- 
essanten Beziehungen der übrigen Jahreszeiten zu dem Punkt des vollen 
Frühlingseintrittes sonst unerkannt bleiben würden; auch bedarf ja die Berech- 
nung der Länge der eigentlichen ,, Vegetationsperiode“ noch der Kenntniss der 
Entlaubungszustände unserer Bäume und des Eintritts einzelner Frucht- 
reifen. An Stelle einer combinirten ,, Frühlings-Hauptphase“ aber etwa die 
Beobachtungen an einer einzelnen Pflanze zu fordern, würde die an dieser 
auftretenden individuellen Eigenschaften zu Fehlerhaftigkeiten werden lassen, 
welche sich durch die Combination mit anderen Pflanzenarten, ebenso wie mit 
den individuellen Unsicherheiten der Beobachtungspersonen, ausgleichen. Für 
die Theorie wird dann im Wechsel der Jahreszeiten ein Punkt hervor- 
gehoben, welcher für die Hauptmasse der Flora an jeder Stelle eine Art 
Scheide bildet, insofern als die bis dahin im Vorfrühling stattfindenden Vege- 
tationsprozesse, z. B. die Rückbildung der Stärke in den Baumstämmen 
aus Glykose oder Fett, die Verwendung der rückgebildeten Stärke zur 
Schwellung und organischen Entfaltung der Knospen, zum Hervortreiben 
neuer Blüthen und Anlage neu ernährender Organe, mehr oder weniger 
scharf umsetzen in solche, welche eine neue Ernährung, eine assimilato- 
rische Arbeit während der dann folgenden sommerlichen Jahreszeit zum Ge- 
folge haben und aus den rasch mit alten Reservemitteln hervorgetriebenen 
Blüthenorganen Früchte heranreifen lassen, oder neue Knospen für den 
nächsten winterlichen Ruhezustand vorbereiten, anlegen und mit Nahrung 
füllen. Zu diesen letzteren Thätigkeiten ist eine bestimmte lange Zeit und 
unzweifelhaft eine an ganz bestimmte calorimetrische Minima gebundene 
Klimasphäre nothwendig, über welche man von dem genannten Zeitpunkte 
an durch Vergleich mit den meteorologischen Beobachtungen Rückschlüsse 
gewinnen kann, ebenso wie es statthaft ist, den berechneten mittleren Zeit- 
punkt des Frühlingseinzuges vergleichend der örtlichen mittleren Temperatur- 
curve gegenüberzustellen. Und für die Landeskunde wird es zunächst 


80 


von grösster Wichtigkeit sein, die verschiedenen Termine der so berechneten 
Frühlingshauptphase mit Rücksicht auf die Folgen für die Landescultur 
im Gesammtgebiete zu kartographiren. 

6. Bemerkungen zu den von den einzelnen Stationen 1882/88 
gemachten phänologischen Aufzeichnungen. 

Die hier folgenden Bemerkungen verfolgen den Zweck, Aufschluss 
zu ertheilen über Wahrnehmungen, die bei der Berechnung der Mittel- 
werthe jeder einzelnen Phase gemacht sind, sowie diejenigen Pflanzen 
namhaft zu machen, welche zwar in der 1881 ausgegebenen Instruction 
zur Beobachtung gefordert waren, aber wegen zu mangelhaft erfolgender 
Beobachtung zur Mittelwerthnahme nicht geeignet erschienen. Ausserdem 
sollen die Gründe mitgetheilt werden, welche den Ausschluss der einen 
oder anderen Pflanze von den weiterhin vorzunehmenden Beobachtungen 
hier und anderorts angezeigt sein lassen, um andere Phänologen der 
gleichen Yerdriesslichkeit, vor unverwerthbaren Zahlenangaben zu stehen, 
zu entheben. Die Reihenfolge folgt der genannten Instruction. 

A. Die Beobachtungen über die erste Blütlie. 

1. Galanthus nivalis. Die Blüthezeit schwankt hier sehr, z. B. in 
Pirna zwischen dem 41. und 87. Tage*), in Plauen zwischen dem 48. 
und 98. Tage, in Dresden-Neustadt zwischen dem 42. und 92. Tage, in 
Markersbach zwischen dem 66. und 103. Tage. Nahe gelegene Ort- 
schaften in derselben Regionshöhe zeigen dabei nicht selten stärkere Unter- 
schiede, als sie später auftreten, weil die im Yorfrühling auftretenden 
Rückschläge dabei in das Spiel kommen. An einem Orte kann das 
Schneeglöckchen gerade in Bltithe getreten sein, am anderen Orte steht es 
vielleicht 2 — 3 Tage vor der Blüthe; nun kommt inzwischen ein Kälte- 
rückschlag und am zweiten Orte erfolgt durch diesen eine Blüthenver- 
zögerung um vielleicht 1 — 2 Wochen. Wahrscheinlich ist der letztere Ort 
dann doch für den Gesammtzustand des Schneeglöckchens sogar der 
günstigere! 

In dieser Beziehung ist es von Interesse, dass die Schwankungen der 
Blüthezeit im oberen Gebirge abnehmen, dass also dort, wenn es einmal 
zu thauen begonnen hat, die üblen Kälterückschläge sich weniger stark 
auf die Vegetationsentwiekelung äussern. Beispiel: Brunndöbra 1882/87 
lückenlos der Reihe nach beobachtet als erste Blüthe Tag 79. — 102.— 

83. — 88. — 94. — 100. — , mithin Mittel 91 in Reitzenhain auch nur 
13 Tage Schwankung vor und nach dem mittleren Eintritt. Frühester 
Termin: 1884 Pirna 41. Tag, Dresden 42. Tag. 

Obgleich das Schneeglöckchen aus angedeuteten Gründen keine son- 
derlich günstige Beobachtungen darbieten kann, ist es doch von hohem 
Interesse für jeden Ort, seine Blüthenphase zu kennen, die allerdings 
besser um das Hervortreten aus der Erde mit grünen Blattspitzen ver- 
mehrt werden sollte. Eranthis Mentalis, eine reizende Beobachtungs- 
pflanze, hat sich in den Gärten zu wenig eingebürgert und konnte wegen 
Lückenhaftigkeit nicht mit berechnet werden; die Notizen ergeben meist 
einige Tage späteres Erblühen als beim Schneeglöckchen. 

*) Stets mit Bezug auf den angenommenen Kalender, wonach das Mittel von 
Pirna, der 68. Tag, den 22. Februar bedeutet. 




81 

2. Leucojum veirnum bat für Reitzenhain eine vielleicht zu späte mitt- 
lere Bliithezeit erhalten, da die beiden späten Jahre 1883 und 1888 bei 
mangelnder Beobachtung nach den analogen Stationen interpolirt werden 
mussten auf den 120. Tag. Dieser absolut späteste Tag im Erblühen des 
deutschen Wald-Schneeglöckchens ist also nicht thatsächlich beobachtet, son- 
dern errechnet. Früheste Beobachtungen: 1884 Leipzig 50. Tag, Dresden 51. Tag. 

Corylus Avellana , eine sehr beliebt gewesene Beobachtungspflanze für 
e. Bi. nach dem Stäuben der Kätzchen , hat so unregelmässige Sprünge 
ergeben, dass nach meiner Meinung diese Phase nicht als klimatologischer 
Ausdruck von grosser Tragweite genommen wird. Beispiele: Pirna 1882/88 
Tag 66. — 5ö. — 39. — 57. — 95!- 74 —68 — Im letzteren Jahre (1888) beob- 
achteten aber Pirna-Land den 81., Dresden den 96., Döbeln den 97., 
Markersbach den 80., Annaberg den 111. Tag. Pirna ergab als Mittel: 

Tag 65 (also den 24. Februar), Dresden dagegen bei sonst sehr wenig 
späterem Frühling: Tag 75 (also den 6. März). 

3. Hepatica triloba. Es fehlen zusammenhängende Beobachtungen 
aus der oberen Bergregion ; sonst gleichmässige Angaben. Späte Einzel- 
termine: Hirschsprung 1884/86 Tag 88, 115, 116 und 1888 allerspätester 
Termin 123, woraus sich auf ein Mittel von 110 schliessen lässt. Brunn- 
döbra 1885/86: Tag 114, 105. — Reitzenhain 1885/87: Tag 112, 129, 
129,’ woraus sich im Mittel ein etwa um 10 Tage später noch als in 
Hirschsprung liegender Termin schliessen lässt. — Dagegen früheste Ter- 
mine 1885: Pirna Tag 60 und 63, Dresden- N. Tag 59. Die Extreme in 
Sachsen liegen also um mehr als 2 Monate auseinander. 

4. Cormis mas. Diese Pflanze scheint mir sehr geeignet zu einer 
guten Phasenbestimmung innerhalb Mitteleuropas. Das Aufspringen der 
Blüthenstandshüllen zeigt das Yorstadium der ersten Blüthe wunder- 
schön an; vielleicht ist dieses Oeffnen gelegentlich für den Blüthenbeginn 
selbst gehalten, denn Leipzig notirt 1884: Tag 56, während Pirna im sel- 
ben Jahre Tag 70 und Dresden Tag 77 notirt. Ein früherer Termin als 
etwa gegen Tag 70 wird in Sachsen nicht Vorkommen. Späteste Angaben 
1883 Annaberg: Tag 136; höher hinauf im Gebirge nicht beobachtet. 

5. Muscari botryoides. Bei der Schnelligkeit der Entwickelung un- 
zweifelhaft ein günstiges Object für bestimmte Boden-Durchschnittstem- 
peraturen, doch Verwechselungen mit anderen Arten ausgesetzt. Frühester 
Termin 1884: Pirna 87. Tag und 94. Tag, Dresden 105. und 107. Tag; 
späteste Termine 1883: Markersbach 152. Tag, 1887 Hirschsprung 149. Tag. 

6. Narcissus Pseudonarcissus. Die erste Blüthe wird bis hoch in 
das Gebirge hinauf regelmässig blühend beobachtet und verdient den Vor- 
zug vor Nr. 5*). Früheste Termine 1884: Pirna 82., Dresden 86. und 97., 
Leipzig 85., Löbau 86., Greiz 91. Tag; späteste Termine 1883: Chemnitz 
135., Annaberg 139., Hirschsprung 141., Reitzenhain 144. Tag. 

7. Rlbes Grossularia. \ Beide, vorzügliche phänologische Objecte, 

8. „ rubrum. j fallen so sehr mit ihren ersten Blüthenent- 
wiekelungen zusammen, dass sich beide Beobachtungen vertreten können. 

Die wilde Narcisse ist im rheinischen Gebiet hoch in die obere Bergregion 
hinein verbreitet und soll dort auf den grasigen Berglehnen erst im Juni erblühen, 
z. B. am Belchen. 


82 


Wie die Tabelle zeigt (siehe unten !), sind an allen Stationen die Mittel- 
wertlie für die Stachelbeere um 1 — 5 Tage früher als für die Johannis- 
beere, an 3 Stationen hat sich der gleiche Mittelwerth ergeben. Daher soll 
künftig nur noch R. Grossularia zur Beobachtung empfohlen werden. 
Früheste Termine 1882: Pirna 94, Dresden 95., Leipzig 93. Tag. Spä- 
teste Termine 1883: Annaberg 144., Brunndöbra 145., Hirschsprung 150., 
Reitzenhain 153. Tag. 

Die Fruchtreife von Ribes rubrum. Die Erwartungen, welche sich 
an die Intervalle zwischen Blüthe und Frucht der Johannisbeere knüpften, 
haben sich nicht erfüllt. Man wäre geneigt, es auf Sortenverschiedenheit 
zurückzuführen, welche vielleicht bedeutungsvoller für die Geschwindig- 
keit der Reife sein könnte als die örtliche Klimalage; doch verhält sich die 
Fruchtreife der Eberesche fast ebenso unbeständig. Die mittleren Termine 
sind daher in die Tabelle nicht mit aufgenommen, aber es folgen hier 
einige Beispiele nur mit Angabe der zwischen „erster Blüthe“ und „erster 
Frucht“ verstrichenen Tage, des sogen. „Intervalls“. 


Jahr 

1882. 

1883. 

1884. 

1885. 

1886. 

1887. 

1888. 

(Mittel 

Pirna 

— 

66 

88 

70 

63 

76 

82 

(74) 

Dresden . . 

84 

69 

100 

70 

78 

82 

73 

(79) 

Greiz . . . 

80 

— 

84 

65 

65 

70 

— 

(73) 

Plauen ob. St. 

83 

59 

108 

83 

77 

77 

— 

(81) 

Markersbach . 

85 

61 

67 

— ~ 

74 

73 

71 

(72) 

Löbau . . . 

— 

57 

96 

69 

83 

68 

60 

(72) 

Ebersbach . . 

81 

59 

78 

69 

71 

74 

73 

(72) 

Annaberg . 

— 

78 

70 

83 

74 

73 

80 

(76) 

Hirschsprung . 

75 

78 

74 

73 

59 

74 

64 

CO 


Die Thatsache, dass mit den kürzesten Intervallen Ilirscbsprung, geradeso 
wie Ebersbach und Plauen, übertroffen nur noch von Löbau, auftritt, 
während die längsten Reifezeiten Dresden und Plauen in einem anderen 
Jahre aufweisen, dass aber in dem raschen Reifejahre 1883 Hirschsprung 
gerade seine längste Reifezeit hat, dass endlich Hirschsprung im Mittel 
allen übrigen Stationen an Reifungsgeschwindigkeit überlegen , und Dres- 
den mit Plauen die langsamsten sind, das alles giebt ein merkwürdig 
verworrenes Bild von den Fruchtreifen der Johannisbeere. 

9. Taraxacum officinale. W r egen des guten Ausdruckes, welchen die 
gelben Bliithenköpfe für die Entwickelung der Grasplätze innerhalb der 
unteren Region und für die Bergwiesen der mittleren und oberen Region 
bieten, war diese Pflanze mit in die Tabelle aufgenommen, zumal sich 
alte Beobachtungen für Dresden an sie anknüpfen sollen. Vieles von 
diesen Erwartungen hat die Berechnung bestätigt (siehe Tabelle); doch 
läuft die Gefahr unter, dass die anomalen Standorte in Mauerritzen etc., 
die der Löwenzahn aufzuweisen hat, die Güte der Beobachtung beein- 
trächtigen. Es lässt sich schwer entscheiden, ob aus einem derartigen 
Grunde Löbau mit dem frühesten Termin (3 Tage vor Pirna und Dresden) 
in den Original-Tabellen auftritt; der für 1885 dort genannte Termin: 
Tag 90, weicht allerdings so sehr von den übrigen Blüthezeiten ab, dass 
man an eine Verwechselung im Monatszeichen denken darf (III. 21 anstatt 
IV. 21). Im selben Jahre 1885 tritt als frühester Termin sonst Pirna 
und Döbeln, beide mit Tag 121 (also IV. 21) auf, und diese Blüthezeit 


darf man wohl auch für Löbau annehmen. Unter dieser Annahme fällt 
der mittlere Aufblühtermin für Löbau auf den IV. 25, gerade wie in 
Bautzen, und dieser — allerdings nach einer Yermuthung errechnete — 
Werth ist in die Tabelle eingesetzt, welche nunmehr ziemlich conform 
geworden ist, abgesehen von dem Missverhältniss zwischen Altgerings- 
walde und z. B. Markersbach. 

Absolute Extreme 1882/88; Pirna 1884 Tag 100, Beitzenhain 1883 
Tag 157. 

10. Prunus spinosa versagt schon im Vorgebirge und ist daher für 
unsere Phänologie weniger brauchbar. Die Beobachtungen in Zschopau 
erscheinen im Vergleich mit Pirna und Chemnitz disharmonisch und sind 
daher aus der Tabelle fortgelassen: 



1882. 

1883. 

1884. 

1885. 

1886. 

. 1887. 

1888. 

Pirna-Stadt . 

. 112 

137 

103 

123 

122 

129 

136 

Chemnitz 

. 121 

144 

126 

126 

127 

140 

140 

Zschopau 

. 101 

138 

107 

122 

123 

— 

139 


Vielleicht hat ein warmer Garten Standort in Zschopau die Pflanze so 
begünstigt. Aus dem Gebirge sind nur ganz unregelmässige Beobach- 
tungen, von Freiberg und Annaberg aufwärts, eingelaufen, so dass der 
Strauch dort nicht regelmässig zu blühen scheint. Annaberg meldet: 
1883 Tag 156, Brunndöbra: 1886 Tag 158. 

11. Prunus Padus siehe Specialtabelle S. 97. Johanngeorgenstadt und 
Brunndöbra haben leider keine Beobachtungen von dieser phänologischen 
Charakterpflanze. 

[Es sei anhangsweise bemerkt, dass nach Ihne") die mittleren Auf- 
blühzeiten der Traubenkirsche im Küstenstrich des südlichen Finnland 
auf V. 26 (also auf Tag 156) fallen, bei 65 bis 66° N. nahe der Nord- 
spitze des Bottnischen Meerbusens erst VI. 15 (also auf Tag 176)]. 

12. Pirus communis \ . . u , ,, Q nQ , OQ 

13 Malus I siehe Specialtabellen S. 98 und 99. 

14. Narcissus poeticus. Noch bis in die obere Bergregion hinein 
regelmässig blühend, z. B. Beitzenhain 1882/87 : Tag 141. — 157. — | — 
146. — 151. — 163. — und Hirschsprung 1882/88: Tag 159. — 166.— 161. — 
160. — 153- — 171. — 162. — . In diesem Falle also Hirschsprung merkwür- 
diger Weise gegenüber Beitzenhain stark im Nachtrag, während Beitzen- 
hain bei Narcissus Pseudonarcissus gegenüber Hirschsprung zehntägige 
Blüthenverspätung zeigt. Die frühesten Termine für N. poeticus in Sachsen 
fielen 1882/88 auf Leipzig: 1882 Tag 125, und Pirna: 1885 Tag 126. 

15. Syringa vulgaris. In der ursprünglichen Instructions-Tabelle 
vor Nr. 14 gestellt, hat sich herausgestellt, dass der Fliederstrauch überall 
nach der Narcisse blüht, mit alleiniger Ausnahme von Chemnitz, wo er 
5 Tage früher blüht. Blüht noch regelmässig in Beitzenhain: 1882/87 

Tag 176. — 172. 1 — 165. — 160.— 184. — , in Hirschsprung regelmässig 

früher: 1882/88 Tag 160.— 166.— 156.— 159. — 156.— 174. — 167. 

Früheste Termine: Dresden: 1882 Tag 126, Pirna: 1886 Tag 128, 
Döbeln: 1885 Tag 129 gleichzeitig mit Pirna; Bautzen: 1886 Tag 129. 

*) Meteorolog. Zeitschr. 1890, Taf. VIII. 


5 * 


84 


16. Aesculus Hippocastanum. Blüht unregelmässig in der oberen 
Bergregion: Hirschsprung 1882: Tag 167, 1883: Tag 165. 

Brunndöbra 1886: Tag 157. 

Reitzenhain 1887: Tag 183. 

Sonst keine Notizen aus dieser Region, so dass Annaberg allein 
regelmässig meldet: 1882/88 Tag 156. — 159. — 151. — 149. — 152. — 167. — 
157. — 

Früheste Termine i. J. 1885: Pirna 129, Dresden 128, Leipzig 126, 
Döbeln 129, Löbau 130 und so weiter durch Sachsen durch. Mit diesen 
frühen Jahren, wo die Rosskastanie schon Ende April blüht, wechseln 
späte ab, z. B. 1883: Pirna 144 und 147, Dresden 146, Leipzig 155, 
Döbeln 152, Löbau 149, Bautzen 154, Ebersbach 158; dann also erblüht 
der Baum in der sächsischen Thal-Niederung um Mitte Mai, in der unteren 
Bergregion gegen Ende Mai. 

Der Fruchtreife wird von anderen Phänologen ein grösseres Gewicht 
beigemessen und sie ist daher in die Tafeln nebst dem Intervall zwischen 
Beginn der Blüthezeit und Fruchtreife aufgenommen. Regelmässigkeit ist 
auch hier wiederum nicht zu erkennen (vergl. unter Nr. 8), als höchstens 
dass die östlichen Stationen die westlichen in der Reifegeschwindigkeit etwas 
überholen. Wenigstens steht Löbau mit dem Intervall von nur 114 Tagen 
obenan und Dresden selbst hat das Unglück, mit seinen Kastanien an der 
Schillerstrasse in der Reifedauer am anspruchsvollsten, nämlich mit 141 
Tagen, dazustehen. Dies erklärt sich aber vielleicht aus einer dort no- 
tirten abnorm frühen Blüthe. 

17. Sorbus aucuparia. Die ausführliche Blüthen tabeile (leider ohne 
Beobachtungen in Johanngeorgenstadt) siehe S. 99. Die Differenz in den 
Blüthenterminen erreicht darnach zu dieser Jahreszeit noch 26 Tage zwischen 
Pirna und Reitzenhain! 

Die Fruchtreife ist wiederum an denselben Stationen notirt, an vielen 
etwas lückenhaft, und zeigt dieselben unverständlichen Sprünge wie 
Nr. 8. Die besten Beobachtungsreihen sollen hier mit den Terminzahlen 
wiedergegeben werden: 


Jahr 1882.1883.1884.1885.1886.1887.1888. Mittel. (Intervall.) 
. . — 218 248 232 232 241 249 235=^ • • (92) 

— 7 


Pirna . . . 

Dresden . . . 241 250 256 — 242 242 255 

Greiz .... 266 — — 258 219 244 — 

Alt-Geringswalde 230 237 233 234 242 248 — 


248=-;. (104) 
? ca. (95) 

7 


Markersbach . 
Löbau . . . 

Ebersbach . . 

Chemnitz . , 

Annaberg 
Hirsch sprung 


276 261 270 — 248 250 264 

— 224 214 226 2 22 236 244 

238 237 — 228 207 257 244 


237 
259 
228 

238 


271 286 285 284 282 286 282 


±n 

-j- 17 
14 

4 - 16 
- 3t 

±ii 

+ 4 


— 240 243 233 277 255 262 252=^ 

— 237 264 237 258 — 251 249 


— >2 

-f- i5 


■ ( 86 ) 
( 102 ) 
• ( 80 ) 

• ( 84 ) 
.( 129 ) 

• (92) 

• ( 86 ) 


Jedenfalls sind nicht die oberen Bergstationen die in Hinsicht auf 
Fruchtreife retard iren d en , denn ihre Reifetermine nähern sich stark jenen 


85 


der wärmeren Region und erhalten dadurch, bei späterer Blüthezeit als 
hier, ein um so kürzeres Intervall. Die kürzeste Reifezeit, wiederum von 
Löbau, wird nicht wesentlich von Ebersbach und Hirschsprung übertroffen; 
aber warum Chemnitz mit so ausserordentlich langem Intervall auftntt, 
bleibt unerklärt, wie in Hinsicht auf Fruchtreifezeit noch jeder wirklich 
feste Anhalt, von dem aus eiue Regel entwickelt werden könnte, zu 
fehlen scheint. 

18. Crataegus Oxyacantha. Der Weissdorn geht unter den Gebirgs- 
stationen bis Hirschsprung hinauf, wo seine Termine 1882/87 waren: 

Tag 168.— 171.-170.— 168.-160.-198. 

Früheste Termine waren in Pirna: 1885 Tag 133, Dresden: 1882 
Tag 137. Leipzig giebt für 1884 Tag 116 an (ein Gartengehülfe des bo- 
tanischen Gartens); dies erscheint als unmöglich, da im selben Jahre 
Pirna und Dresden mit 4 Beobachtungen 141, 142, 144 und 145 anzeigen. 
Es scheint also wiederum eine Monatsverwechselung im Zeichen vorzu- 
liegen, und in dem Mittel ist als Termin für 1884 der 146. Tag zur Ver- 
rechnung gekommen*). 

19. Sambucus nigra. In Reitzenhain nur 3 Beobachtungen: 1882 
Tag 209, 1883 Tag 197, 1887 Tag 216, was auf eine dort sehr spät statt- 
findende Blüthenentwickelung schliessen lässt, da die Bergstation Hirsch- 
sprung mit folgenden Terminen 1882/88 um vieles früher auftritt: 

Tag 189.-193.-197. — 186.-188.— 206.-200. 

Also Reitzenhain in den drei Jahren um 11 Tage im Mittel später. 

Früheste Termine Pirna: 1884 Tag 151 und 154, Greiz: 1884 Tag 
152, Löbau: 1884 Tag 153, Dresden und Leipzig: 1882 Tag 155. 

Die Fruchtreife zeigt ein ähnliches Bild wie Nr. 17 und 8, nur dass 
die Bergstationen mit späteren Terminen auftreten, was bei der späten 
Blüthezeit nicht zu verwundern ist. Die Intervalle liegen meistens um 
100 Tage, nur in Pirna und Löbau viel geringer und in Chemnitz viel 
höher, bis 117 Tage. — 

Vitis vinifera. Die Weinstockblüthe ist zu unregelmässig beobachtet, 
um in der Tabelle zu Mittelwerthen verrechnet zu werden; nur folgende 
Angaben sind brauchbar: 



1882. 

1883. 

1884. 

1885. 

1886. 

1887. 

1888. 

Mittel. 

Pirna - Stadt . . 

— 

185 

184 

173 

169 

196 

184 

1827 u 

-J- 14 

— Umgebung 

— 

179 

190 

173 

175 

193 

18ö 

i83;4S 

Dresden - N. . . 

— 

174 

193 

171 

179 

196 

186 


Greiz .... 

— 

183 

178 

145! 

174 

— 

182 

172^ 

Geringswalde . . 

194 

192 

200 

184 

189 

201 

— 

193^-| 

Löbau .... 

— 

188 

176 

177 

174 

196 

182 

182^| 

Zschopau . . . 

188 

191 

— 

185 

188 

— 

188 

? 188^-f 

20. Phüadelphu 

s coronarius 

Blüht noch in 

Reitzenhain, 

Termini 


1882/87: 198. — 196. j 199. — 189. — 201. — Brunndöbra nur 2 Beob- 

*) Die in den Tabellen selbst oft klargelegte Verwechselungsmöglichkeit der 
Monate in römischen Ziffern legt den Wunsch nahe, künftighin an Stelle der Datum- 
Doppelzahl die hier in Anwendung gebrachte leicht fassliche Terminzahl zu benutzen. 


86 


achtungen 1884 und 1885: 200. — 187. — Hirschsprung 2 Beobachtungen 
ähnlich Reitzenhain. Früheste Termine Dresden 1882 und Pirna 1884: 
Tag 156. — 157. 

21. Tilia grandifolia . Yergl. Specialtabelle S. 100. 

22. Tilia parvifolia. Es ist nicht uninteressant, das Intervall zwi- 
schen dem Blüthenbeginn beider Linden zu prüfen. Enter den berech- 
neten Reihen giebt Leipzig dasselbe (wahrscheinlich fälschlich) nur zu 1 
Tag an, Geringswalde fast ebenso zu 2, Markersbach und Zschopau mit 
5, Pirna und Dresden mit 9, Chemnitz mit 10, Löbau und Plauen mit 
11, endlich Greiz mit 15, was etwas hoch erscheint und wohl auf den 
Standort zurückzuführen ist. 

23. Lilium candidum . Die gewöhnlichen Zeitdifferenzen der west- 
lichen und östlichen Stationen erscheinen verwischt. Leipzig ist unge- 
wöhnlich früh; Hirschsprung hat 3 Beobachtungen 1885/87: Tag 207, 217, 
224, alle später als Annaberg. Die Schwankungen sind geringer gewor- 
den und überschreiten meist nur wenig eine Woche Verfrühung oder 
Verspätung. 

B. Die Beobachtungen über die Belaubungsperiode der Bäume. 

Der zweite Theil der geforderten Beobachtungen, vom physiologischen 
Standpunkte der Flora aus betrachtet wichtiger als der Blüthenkalender, hat 
die Periode des Baumlebens in Hinsicht seiner Assimilationsleistungen zum 
Zweck, entbehrt aber dabei der scharfen Marken, welche dem Blüthen- 
kalender zu Gebote stehen. Gefordert waren in der Instruction (Isis-Abh. 
1881, S. 12 — 13) drei Termine: erstes Stadium der Blattentfaltung (Fol. I 
oder B. 0. 1 = Blattoberfläche vortretend), und zweites Stadium der Blattent- 
faltung (Fol. II oder B. 0. II = Blattoberfläche flach ausgebreitet). Stadium I 
ist schärfer markirt als das zweite, unter welchem der Zeitpunkt verstanden 
wird, „wo die zuerst hervorgetretenen Blätter sich horizontal ausgebreitet 
und an ihren Stielen gestreckt haben, so dass der Baum nunmehr eine 
zwar noch sehr lichte, aber doch als solche schon weithin auffallende Be- 
blätterung erhalten hat“. Der Schluss der Baumperiode sollte durch die 
Termine der allgemeinen Laubverfärbung angezeigt werden. 

Auch heute noch erscheint uns die damals gegebene Instruction für 
am richtigsten, obgleich sie die Unbequemlichkeit zweier Phasen zur Notiz 
mit sich bringt; dadurch wird aber der Beobachter veranlasst, den treiben- 
den Baum schärfer in das Auge zu fassen und sich nicht mit einem all- 
gemeinen grünen Schimmer an seinen Zweigen zu begnügen. Bedauerlicher 
Weise haben manche Beobachter nur ein Stadium für die Belaubung an- 
gegeben, und obwohl anzunehmen ist, dass dasselbe dann mehr der Fol. II 
oder B. 0. II in unserem Sinne entspricht, zumal andere Instructionen über- 
haupt mit B. 0. nur das entfaltete Stadium der jungen Blätter angegeben 
wissen wollen, so haben wir es alsdann doch für am richtigsten gehalten, 
in der einen Zahl einen ungefähren Mittelwerth für beide Stadien an- 
zusehen, entsprechend der Zahl, die eigentlich durch Mittelnahme von 

errechnet werden soll. Die Belaubungsperiode ist ein längerer 

Act, welcher der Phase der ersten Blütheneröffnung nicht vergleichbar ist; 
wenn die Zweige eines Baumes sich von unten nach obenhin allmählich 
belaubten, so würde der Beginn dieser Art der Belaubung der Phase der 


87 


ersten Bliithe vergleichbar werden. Aber auch in diesem Falle würde man 
die Arbeit der Blattentfaltung, welche sich schwierig in einem ganz festen 
Punkte ergreifen lässt, am besten durch die Grenzen: Beginn und Anfang 
vom Ende, bezeichnen. Dass aus diesen ein Mittel gebildet wird, hat 
mehr rechnerischen Zweck, um mit einer Zahl anstatt mit zweien za thun 
zu haben. Für die phänologische Entwickelung selbst und die Klimalage 
des Ortes ist von massgebender Bedeutung zugleich die Länge der Be- 
laubungsperiode selbst, welche nach Jahr und Ort sehr verschiedenartig 
ausfällt und selbst einer Mittelnahme werth ist, leider mit individuellen 
Beobachtungs-Ungleichheiten behaftet. Für grössere Beispiele wird auf die 
Specialtabellen S. 100 und 101 für Belaubung' der Birke und Buche, 
als der phänologisch in den Vordergrund gestellten mitteldeutschen Bäume, 
verwiesen und auf die von Dr. Naumann zusammengestellte unten fol- 
gende besondere Tabelle der Baumperioden. Hier nur noch einzelne Be- 
merkungen über die weniger geeignet erscheinenden Phasen der alten 
Instructionstabelle. 

Salix alha war von zu wenigen Beobachtern regelmässig notirt, als 
dass sie in der Haupttabelle aufgenommen werden konnte; folgende gute 
Reihen sind aber geliefert (1882/88): 

Ebersbach: 121.125 140.145 132.142 124.129 122.140 130.139 134.147 

Chemnitz: 101. ? 132440 104426 l79426 H8425 126432 125H32 

Markersbach : 123430 mi42 127437 ' 1294751 1 24H26 

Daraus lassen sich die Mittel ableiten: 

Ebersbach B. O. I 129, B. 0. II 138. (Mittel 134.) 

Chemnitz „ 118, „ 126. (Mittel 122.) 

Markersbach etwa 128, etwa 135. (Mittel 132.) 

Diese Mittel stimmen nicht besonders gut mit den Mittelterminen der 
Belaubung von Betula alba , welche lauten: 

Ebersbach Mittel von B. 0. 1 und II : 132 

Chemnitz „ „ „ „ „ : 127 

Markersbach „ „ „ „ „ : 123 (auffällig früh!). 

Von Aesculus Hippocastanum sind nur wenige Beobachtungen aus der 
oberen Bergregion mitgetheilt, stets nur in einfachen Termin zahlen. 

Brunndöbra 1882/86 : Tag 130, 147, 148, 135, 154. 

Reitzenhain 1882/87 : „ 145, 159, — 131, 150, 148. 

Daraus lässt sich für die obere Bergregion ein mittlerer Belaubungstermin 
von etwa Tag 142 — 148 ableiten, also um die Mitte Mai, während die 
Rosskastanie in der warmen Thalregion im Mittel kurz nach der Mitte April 
Blätter erhält; als früheste Termine finden wir sogar für B. 0. 1 den 21. März, 
für B. 0. II den 3. oder 7. April angegeben in den Jahren 1882 und 1884. — 

Keine nennen sw erthen Beobachtungen sind von den beiden Linden 
aus der oberen Bergregion eingelaufen. 

Die unregelmässigen Terminnotizen über Juglans regia , welche bis 
Annaberg heraufgehen, sind für 3 Stationen in Isis-Abh. 1891, S. 75 — 76 
in Kürze mitgetheilt, ebenso für Robinia Pseudacacia. 

Es erscheint nicht als praktisch, diese Bäume weiterhin zur Phäno- 
logie zu verwerthen, da der Austritt ihrer Blätter aus der Knospenlage ein 


88 


so allmählicher und wenig gut fassbarer ist, dass die subjectiven Abwei- 
chungen hier beträchtliche Grösse erlangen müssen. 

7. Die Länge der Vegetationsperiode in den Einzeljahren. 

So wie der Temperaturgang eines jeden Ortes durch seine Mittel- 
bestimmung aus vieljährigen Einzelbeobachtungen klar ermittelt wird (vergl. 
z. B. die Dresdener Temperaturcurve nach Neubert in Isis-Abh, 1888, 
Taf. I), so stellt sich nach den im ersten Theile dieser Abhandlung (1891, 
S. 73) dargelegten Principien eine in den Einzeljahren um ein mittleres 
Maass schwankende Vegetationsperiode für jeden Ort heraus, die nach den 
Einzelphasen derselben zu beurtheilen ist. Temperaturgang und Vegetations- 
periode zu vergleichen ist von hohem statistischen und physiologischen 
Interesse; doch soll hier darauf nicht näher eingegangen werden. Nur 
bedarf es noch einiger Bemerkungen über die Vertheilung der Unregel- 
mässigkeiten auf die Einzeljahre. 

Die „frühen“ und „späten“ Jahre, welche man im Allgemeinen nach 
dem Eintritt des Vorfrühlings und Halbfrühlings so zu bezeichnen pflegt, 
sind sehr unregelmässig zerstreut und scheinen nach den Vegetationsphasen 
beurtheilt schon in einem kleinen Gebiete, wie es Sachsen ist, nicht 
durchaus gleichartig. Die frühesten Termine im Elbthal zwischen 1882/88 
fielen in das erste Beobachtungsjahr oder auf 1884, die Lausitz und einige 
Bergstationen hatten aber ihre relativ frühesten Termine 1885. Zum Theil 
rührt dies natürlich her von der ungleichen absoluten Lage der Phasen- 
termine, welche nach einem Wetterumschlag ein ganz anderes Gesicht 
zeigen können hier oder dort. 

Sehr gleichmässig war die Verspätung des Beobachtungsjahres 1883 
im ganzen Lande: Bibes rubrum und Grossularia z. B. zeigten in diesem 
Jahre fast an allen Stationen, und zwar beide Arten gleichmässig, ihre 
spätesten Termine. Da zwischen der Aufblühzeit in Pirna und Hirschsprung- 
Reitzenhain in diesem Jahre 24, bez. 30 Tage Zwischenraum lagen, so hat 
diese gl eichmässige Verspätung etwas zu bedeuten und muss in ihrer Nach- 
haltigkeit für die Landescultur des Frühlings wohl zu verspüren sein. 

Uebrigens gilt auch von solchen Jahren, dass der klimatologisch ver- 
anlasste Ausgleich nicht ausbleibt; denn nur vier jener 17 Stationen, welche 
im Jahr 1883 für Stachel- und Johannisbeere den spätesten Blüthetermin 
zeigten, haben auch in demselben Jahre am spätesten die Früchte der 
Johannisbeere reifen lassen (nämlich Leipzig, Markersbach, Annaberg, Hirsch- 
sprung); bei allen übrigen Stationen fällt der späteste Reifetermin der Jo- 
hannisbeere auf ganz andere Jahre, meistens 1887, aber auch 1886 und 
1888, wo die Sommer ungünstiger waren. 

Es ist daher nicht uninteressant, den Gang der Verspätung einer 
gewissen Reihe von Jahren und Pflanzen hindurch zu verfolgen. So war 
in unserer siebenjährigen Periode das Hauptjahr der stärksten Verspätung 
von Galanthus nivalis 1887; für Gorylus Avellana sind 1886 und 1887 
beide an verschiedenen Stationen sich ergänzend als die Verspätungsjahre 
zu betrachten. Schon bei Leucojum vernum beginnt die grössere Menge 
der spätesten Blüthentermine auf das ungünstige Jahr 1883 zu fallen, 
welches sich aber bezüglich Hepatica triloba und Camus mas mit anderen 
Jahren in die Verspätung theilt; bei Cornus weist 1888 die grössten Ver- 
spätungen auf. Mit Narcissus Pseudonarcissus aber, den Bib cs-Sträuchern 


89 


und Muscari , tritt 1883 als Hauptjahr der Verspätung wieder unbestritten 
in den Vordergrund, hält durch die Phasen von Taraxacmn, Prunus spi- 
nosa, Prunus Padus, Pirus communis, P. Malus, Narcissus poeticus und 
Syringa vulgaris , also durch einen Monat durchschnittlicher Blüthezeit, 
so an, und beginnt erst bei der Blüthezeit von Aescidus seinen verzögern- 
den Charakter auf andere Jahre zu zerstreuen. Bei Sorbits aucuparia 
haben nur noch 6 Stationen im Jahre 1883 die spätesten Termine, dagegen 
11 Stationen im Jahre 1887, welches von nun an mit dem Jahre 1883 
in der Verspätung der Sommerphasen ( Crataegus , Sambucus, Vitis, Phila - 
delphus, Tilia, Lilium) rivalisirt, so dass z. B. bei Lilium candidum nur 
noch 2 Stationen im Jahre 1883 ihre spätesten Termine haben, alle anderen 
im Jahre 1887. Und die Verfrühung. welche für die Vorfrühlings-Phasen 
hauptsächlich auf die Jahre 1882 und 1884 fiel, ist für die Sommerphasen 
der Linden und Lilie auf das Jahr 1885 verschoben. Obgleich also der 
Begriff von „frühen“ oder „späten“ Jahren ein im Volksgebrauch wohl be- 
gründeter ist, so ist er in seiner Verallgemeiner ung a uf eine ganze 
Vegetationsperiode gewiss in allen und jeden Fällen durch 
Uebertreibung unrichtig und hat in der Regel vom Frühling bis zum 
Sommer einen Ausgleich gefunden. Gleichzeitig aber nimmt die Grösse 
der Schwankung um das mittlere Maass vom Frühling zum Sommer hin 
ab, so dass bei Cornus und Prunus die ganze Amplitude noch leicht 4 
Wochen, bei Linden und Lilium dagegen meist nur noch 12 bis 16 Tage 
beträgt. Die Schwankungen am Schlüsse der Vegetationsperiode entziehen 
sich zu sehr einer genauen Maassbestimmung. 


Anknüpfend an die letzten Mittheilungen macht es sich nöthig, die 
in Tabelle I zusammengestellten Baumperioden und Hauptvegetations- 
perioden näher zu beleuchten. 

Zuvor aber soll noch in Kürze auf die Anordnung der Tabelle l und 
die speciellere Weise ihrer Berechnung eingegangen werden. Ueber die 
allgemein angewandte Berechnungsart und die dabei oft nöthig gewordenen 
Interpolationen erfolgen weitere Bemerkungen gelegentlich der Besprechung 
der grossen Uebersichtstabelle II. 

Die ersten 7 Colonnen enthalten für 12 Stationen die Termine der 
Laubverfärbung resp. des beginnenden Laubfalles. Dabei mussten von den 
Stationen der Uebersichtstabelle: Greiz, Plauen i. V. und Hirschsprung 
wegen mangelnder Beobachtungen ausser Acht gelassen werden. Reitzen- 
hain ist nur durch 2 Beobachtungen (Betula und Fraxinus ) vertreten und 
auch diese sind, als Mittel nur dreier Beobachtungsjahre, anfechtbar; sie 
sollen einzig einen ungefähren Vergleich mit den Stationen des höheren 
Erzgebirges ermöglichen. 

Die 8. Colonne zeigt die mittleren Verfärbungstermine. Sie geben 
gewissermassen das Datum an , zu welchem die Gesamtheit der beobach- 
teten Bäume in herbstlichem Schmucke prangt und zum Theil schon, be- 
einflusst von den ersten Nachtfrösten, ihres Laubes beraubt wird. 

Dabei schien es angebracht, die von Prof. Drude früher 1 ') angege- 
benen und nach seinen Vorschlägen*) **) errechneten Werthe für die Früh- 


*) Isis, Abhandlungen 1891, S. 78. 

**) 1. c, S. 71 u. 72. 


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Colonnen 


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_ Mittleres Maass der 
Belaubungsdauer 


Tabelle 1 


91 


lings-Hauptphase in Längsreihe 9 folgen zu lassen. Die nächste Colonne 
10 bringt die interessante und wichtige Angabe der Hauptvegetations- 
periode für die betrachteten Stationen. 

Berechnet sind diese Werth e durch Subtraction des Termines der 
Frühlings-Hauptphase von dem mittleren Termin der Laub Verfärbung. 
In den nächsten 6 Colon nen werden für die entsprechenden Baumarten 
die Vegetationsperioden dargestellt, wie sie sich aus der Differenz zwischen 
dem Datum der Laubverfärbung und der mittleren Belaubung leicht 
ergeben*). 

Aus diesen Werth en ist durch einfache Mittelnahme das mittlere Maass 
der Belaubungsdauer berechnet und in Colonne 17 zum Ausdruck gebracht. 

Ein, wenn auch nicht überraschendes, doch recht erfreuliches Resul- 
tat ergiebt sich aus dem Vergleich der fettgedruckten entsprechenden 
Zahlenwerthe in Spalte 10 und 17, die hier nochmals übersichtlich neben- 
einander gestellt werden mögen: 

Hauptvegetationsperiode : 


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175 

169 

161 162 163 161 

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Mittleres 

Maass 

der Belaubungsdauer: 



172 

176 

170 

175 

168 ? 

161 163 163 160 

157 

158 . 


Wir sehen hieraus, dass das mittlere Maass der Belaubungsdauer mit 
wenigen Ausnahmen die Hauptvegetationsperiode charakterisirt. 

Zu gleicher Zeit wird aber hierdurch augenscheinlich erwiesen, dass 
es günstiger ist, die Baumperioden nicht von Fol. I bis Defoliatio, sondern 

von FoL 11 bis zur Laub Verfärbung zu rechnen, wie es weiter oben schon 
beleuchtet worden ist. 

Die bei Pirna-Land, Löbau und Markersbach hervortretenden Diffe- 
renzen von 4, 6 und 6 Tagen werden weniger auffallend, w r enn wir sie 
in dem Lichte der Thatsache betrachten, dass sich bei ebendiesen Stationen 
mehrmals Interpolationen nöthig machten, die natürlich den wirklichen 
Terminen an Genauigkeit nachstehen müssen. 

Recht interessant ist weiterhin ein Ergebniss, das in die Augen springt, 
wenn wir das mittlere Maass der Belaubungsdauer zusammenstellen mit 
der ungefähren Höhenlage der Orte. 



Periode. 

Meereshöhe. 

An nab erg 

157 

500 - 600 

m 

Markersbach 

158 

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55 

Zschopau 

160 

400—450 

55 

Ebersbach 

161 

350-400 

55 

Chemnitz 

163 

300—320 

55 

Geringswalde 

163 

250-300 

55 

Löbau 

163 

250-300 

55 

Leipzig 

170 

100 - 120 

55 

Pirna 

174 

120-160 

57 

Dresden-N. 

175 

100-120 

55 


*) Die Vegetationsperioden von Juglans und Robinia sind hierbei nicht ange- 
geben, da bei diesen Bäumen die Schwierigkeit besonders hervortritt, die Belaubung 
in ein klares Maass zu hingen. 


92 


Es verkürzt sich somit mit wachsender Höhe des Ortes die Vege- 
tationsperiode der Bäume, ein Resultat, das nicht überraschend erscheinen 
wird. Inwieweit der verzögerte Eintritt der höheren Temperatur im Früh- 
ling und die früher wirkenden Einflüsse der kälteren Temperatur im Herbste 
sich geltend machen, das ist allerdings von Bedeutung. 

8. Zur Uebersichtstabelle II. 

Um einen allgemeinen Ueberblick der hauptsächlichsten Resultate 
pbänologischer Forschungen in Sachsen zu gewinnen , ist die Uebersichts- 
tabelle II zusammengestellt worden. 

In dieselbe sind nur 15 Stationen aufgenommen worden, während 
Beobachtungen von 26 sächsischen Stationen Vorlagen. 

Von den fehlenden 11 Stationen: Dresden- A., Döbeln, Mark- 
neukirch, Plauen-untere Stadt, Bautzen, Elstra, G-rüll enburg, 
Freiberg, Johanngeorgenstadt, Brunndöbra, Tetschen erstreckten 
sich die Beobachtungen nicht über 4 Jahre hinaus, sodass ein hieraus ab- 
leitbarer Mittelwerth nur unsichere Resultate gewähren konnte; besonders 
im Vergleiche zu den meist durch 6 Beobachtungen vertretenen Stationen 
in der Tabelle. Diese nur mangelhaften Beobachtungen erklären sich zum 
Theil durch die bereits von Prof. Drude in den Isis-Abhandlungen 1891, 
S. 61 gemachten Anmerkungen , theilweise durch Ortswechsel oder Tod 
der Beobachter. 

So liegen uns denn in der Tabelle nur Zahlen vor, die als Mittel von 
7 Vergleichsjahren einigen Anspruch auf Vollständigkeit und wissen- 
schaftlichen Werth machen dürfen. 

Die Fragezeichen ■(?), welche einige Zahlen begleiten, deuten an, 
dass für die betreffende Pflanze nicht 6 sichere Beobachtungen vor- 
handen waren, oder dass eine wichtige corrigirende Interpolation auf 
Grund unseres Beobachtungsmaterials vorgenommen wurde. 

Der einigen Zahlen angehängte Asteriscus (*) will besagen, dass 
dieser Werth nicht auf Grund von Beobachtungen, sondern durch eine 
ergänzende Interpolation aus der Tabelle selbst gewonnen wurde. 

Dieses Interpolationsverfahren mag durch ein Beispiel deutlich ge- 
macht werden: 

Bei Ribes rubrum liest man für Geringswalde die Zahl 126*. 

Unter Betrachtung der Verspätungen der Blüthezeiten in Gerings- 
walde gegen Plauen im Voigtlande (siehe die überstehende Querreihe) er- 
halten wir von Aesculus Hippocastanum bis zu Ribes Grossularia folgende 

Werthe: -f 5, + 12, -f 1, + 0, -f 2, Mittel: ~ = -f 4. 

Sonach wäre für Geringswalde bei Ribes rubrum der Werth: 

123 -f- 4 = 127 anzunehmen. 

Einen Controlwerth errechnen wir in folgender Weise: Bei Ribes 
Grossularia (vorhergehende Colonne) zeigt sich zwischen Pirna-Stadt (114) 
und Geringswalde (125) eine lltägige Verspätung. Unter Annahme einer 
gleichen Verspätung für R. rubrum findet sich der Werth: 

117 (Pirna -Stadt) -f- 11 = 128. 

In gleicher Weise durch die folgenden Stationen fortgesetzt ergiebt 
diese Interpolation alsdann folgende Zahlen: 




[)de III. Vollfrühling 


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146 

150 

153 

169 




Uebersichts- Tabelle II 

der 

pliänologiselieu Beobachtungen im Königreich Sachsen in den «Vahren 1882 — 1888. 



Periode I. 

Vorfrühling 






Periode II. 

Halbt'riihlinf. 






Periode III. 

Vollfrühling 


Periode IV. 

Frühsommer 


Periode VI. Herbst 

Beobachtungs- 

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207+ 4 

259+4 

275+ 18 6 

293=4 

Hirschsprung . . 

» j o:4 

97+4 

110? 


122=“ 

139- *? 

148 

Hl” 15 

A ^ A -f 13 

138 

140=4 

141+75 


140 

141 

155;,: 

ie*5S 

149 

158=jl62=| 

151 

163=; 


163 

l 7 3l‘t 

193; 4 


208= 14 


919— iy 
Z1Z +20 

1 

2497 4? 
+ 16 

289^ 


Reitzenhain 

1 "y! 

105 1“ 



132+4 

143;’: 

147? 

144- 16 

A ”-f 4 

146 


146;” 



142? 

158? 

160=4 


1 

152“ 11 
i°2 +a 

167? 

171^4 


169+S 



197 = 4 



228? 

j|253? 

| 


Dimhschuittspliuseii 

v. Pirnabis Markersbach 

75 

87 

91 

102 1 

LL4 

123 

124 

125 

125 

125 

126 

129 

130 

133 

134 

136 

137 

139 

142 

145 

146 

146 

150 

153 

169 

171 

192 

199 

200 

201 1 

247 

268 1 

i 

278 




93 


125-114 = +11 + 117 = 128 
125 - 114 = + 7 + 120 = 127 
125 - 115 = + 10 + 117 = 127 
125-117 = + 8 + 118 = 126 
125-124 = + 1 + 126 = 127 
125—130 = + 5 — 131 = 126 
125-122 = + 3 + 122 = 125 
125—123 = + 2 + 123=12 5 

Mittelwerth = 126. 

Somit ist in unserer Tabelle die Zahl 126 aufgenommen worden. 

Den meisten Zahlen ist die Amplitude in Bruchform beigefügt wor- 
den. Dieselbe lässt die frühesten und spätesten Termine innerhalb der 
beobachteten Jahre durch Differenzbildung auffinden; z. B.: 

Bei Galanthus nivalis Pirna-Stadt findet man die Zahl 63 d. 

h. für Pirna -Stadt ist der früheste Termin der Schneeglöckchen bliithe der 
41. Tag, der späteste der 87. Tag. 

Die Zahlen selbst sind in der von Prof. Drude Isis-Abhandlungen 1891, 
S. 63, angegebenen Weise gebraucht und in Monatsdaten zu über- 
tragen. 

Zur Erleichterung dieser Uebertragung in das gewohnte Kalen dermaass 


diene folgende Tabelle : 

1. Januar . . . 

11 

1. August . . . 

. 223 

1. Februar .... 

42 

1. September . . 

. 254 

1. März 

70 (71) 

1. October . . . 

. 284 

1 . April 

101 

1. November . . 

. 315 

1. Mai 

131 

1. December . . 

. 345 

1. Juni 

162 

21. „ . . 

0 

1. Juli 

192 

31. „ . . 

. 10 

Die Benutzung dieser Tabelle sei in Folgendem erläutert: 

Man 


trahirt von der phänologischen Beobachtungszahl die in der Tabelle be- 
findliche nächst niedere, vermehrt die erhaltene Differenz um 1 und giebt 
ihr das entsprechende Monatsdatum. 

Beispiel: Fruchtreife von Sorbus aucuparia in Pirna-Stadt 

235 

folglich: (235 — 223) + 1 = 13. August. 

Bei Schaltjahren bleibt die Differenz um 1 fort. 

Durchschnittsphasen für die Stationen der untersten und mitt- 
leren Culturzone. 

Diese finden sich auf der Ueb ersieh tstab eile in der letzten Querreihe 
angegeben und sind berechnet als Mittelwerthe sämmtheher in den darüber- 
stehenden Längsreihen eingetragenen Beobachtungen , mit Ausnahme der 
lückenhaften Zahlen von Hirschsprung und Reitzenhain, also der Stationen 
der obersten Culturzone. 

Diese Durchschnittsphasen gaben zu gleicher Zeit ein bequemes Mittel 
an die"Hand, die verschiedenen Pflanzen nach ihren Entwickelungszeiten 
in aufsteigender Folge anzuordnen, wie es in der Tabelle geschehen. Sie 


94 


sind gewissermassen für die unterste und mittlere Culturzone Sachsens 
Nor mal zahlen, denen von sächsischen Stationen in den Durch schnitts- 
werthen am nächsten kommt LÖbau, von den Gesammfc-Stationen: Greiz. 

Es ist von nicht geringem Interesse, uns einmal Blüthen-, Laub- und 
Fruchtentwickelung eines solchen ph ätiologischen Normalgartens vor Augen 
zu führen. 

Am 6. März erfreuen uns die ersten Blüthen des Schneeglöckchens , 
12 Tage später (am 18. März) folgt die stolzere Schwester Leucojum 
vernum. 

Am 22. desselben Monats erschlossen sich die blauen Blüthen- 
sterne des Leberblümchens , während als Schluss des Vorfrühlings — am 
2. April — die Hecken der Cornelhirsche in ihrem gelbeip Bliithen- 
sch ra u ck e pran gen . 

Am 14. April leitet die gelbe Narcisse den Halbfrühling ein. 

Nun folgt in kurzen Zwischenräumen Blüthe auf Blüthe. 

Unter dem dichten Blätterdach versteckt entfaltet sich am 23. April 
die Stach elbeerblüth e , während schon am Tage darauf (24. April) die Ross- 
kastanie ihre zusammengelegten Blattfinger aufzuspannen beginnt. Mit dem 
zarten Grün der Birke werden am 25. April die Blüthentrauben der 
Johannisbeere geweckt, und die blauen Träubchen von Muscari entsenden 
ihren gewürzigen Duft. 

Tags darauf (26. April) erglänzt auf der lenzgrünen Wiese das 
leuchtende Gelb des Löwenzahns und 3 Tage später (29. April) prangen 
die nahen Hänge im Blüthenschnee des Schlehdorns , während am letzten 
des Monates (30. April) sich die grossblätterige Linde durch ihr frisches 
Grün verräth. 

Am 3. Mai kündet sich die Rothbuche durch ihre dunkle Belaubung 
an; doch schon am nächsten Tage (4. Mai) wird dies Dunkel durch die 
Blüthen des Birnbaumes gemildert, denen am 6. Mai die weissen Blütlien- 
trauben der Traubenkirsche entgegennicken. Am 7. Mai folgt die klein- 
blätterige Linde in grünem Schmucke ihrer früheren Schwester und 2 
Tage später (9. Mai) zeigt sich das zarte Rosa der Apfelblüthe. 

Als willkommener Herold des Vollfrühlings ersteht am 12. Mai die 
Blüthe der weissen Narcisse , während die Esche am 15. Mai, als letzte, 
ihr grünes Gewand anlegt. Am 16. Mai duftet der Flieder den Blüthen- 
kerzen der Rosskastanie entgegen. Wenige Tage später (20. Mai) erscheint 
die weisse Doldenrispe der Eberesche und am 23. Mai verkündet das zarte 
Roth des Crataegus die Nähe des Frühsommers. 

Am 8. Juni verräth sich die Hollunder blüthe durch ihren betäuben- 
den Duft, mit welchem sich 2 Tage später (10. Juni) der aufdringliche 
Wohlgeruch des Pfeifenstrauches mischt. 

Am 1. Juli erfüllt der süsse Blüthenduft der grossblätterigen Linde 
die Frühsommerluft; eine Woche später (8. Juli) kleidet sich die Lilie 
in ihr zartes Weiss, während am 9. Juli die Johannisbeere im Roth der 
Vollreife prangt. Diese letztere sowie die Blüthen der kleinblätterigen 
Linde am 10. Juli sind die Anzeichen des nahen blüthendurch webten 
Hochsommers; der seine Schätze erschliesst, bis am 25. August die rothen 
Fruchtbüschel der Eberesche den Eintritt des Herbstes verkünden. Am 
15. September lugt das Schwarz der Hollunderbeeren aus dem ergilben- 


95 


den Laub hervor und am 25. September streut die Rosskastanie den 
reichen Herbstsegen ihrer braunglänzenden Früchte auf Wege und Plätze. 

Neben dem Interesse, welches so die berechneten Durchschnittsphasen 
gewähren werden, sind dieselben gleichzeitig sehr nützlich als V ergleichs- 
werthe. 

Durch eine Summirung der in den Querreihen enthaltenen Zahlen- 
werthe für jede einzelne Station der unteren und mittleren Culturzone 
würden wir 13 Summen erhalten, die je nach ihrer Grösse die günstigeren 
oder ungünstigeren Lagen Verhältnisse der Stationen charakterisiren. Es 
würde dann die Station mit der kleinsten Summe die relativ günstigste 
Lage besitzen und umgekehrt. 

Bilden wir ausserdem die Summe sämmtlicher Durchschnittsphasen, 
so erhalten wir in dieser einen Vergleichswerth, welcher die Stationen scheiden 
lässt in solche, die günstiger als die Normalstation und solche, die un- 
günstiger als dieselbe gelegen sind. 

Extreme. 

Aus der U eb er si chtstab eile lässt sich ferner mit Leichtigkeit heraus- 
lesen, in welchen Stationen für jede der genannten Pflanzen die extremsten 
Werthe zu finden sind. 

Deshalb sind auch die Amplituden dem Zahlenwerthe beigefügt worden. 

Am besten erklärt auch hier wieder ein Beispiel: 

Bei Galanthus nivalis finden wir in der Längsreihe die Werthe: 

Pirna-Stadt: 63^|^ , also frühester Termin: Tag 41 oder 31. Januar. 
Hirschsprung: 10(L~ , also spätester Termin: Tag 118 oder: 18 April. 

Für Sachsen schwankt sonach die Bliithezeit des Schneeglöckchens 
zwischen dem 31. Januar und dem 18. April, also um 77 Tage. 

Bei Taraxacum officinale ist hierauf bereits weiter oben aufmerksam 
gemacht worden. 

Wie leicht ersichtlich und ganz verständlich ist, werden diese 
Schwankungen immer geringer, je mehr wir uns dem Sommer nähern, da 
sich mit wachsender Tageswärme die Verspätungen immer mehr und mehr 
ausgleichen müssen. 

9. Ergänzungstabelle für die Jahre 1889 — 92. 

Die für die Berechnung der Frühlingshauptphase im Gebirge wichtigen 
Bäume sind für 4 Stationen, welche noch in regelmässiger Weise durch 
die Jahre 1889 — 92 hindurch beobachtet haben, in Tabelle III noch zu er- 
weiterten Notizen herangezogen worden. 

Wir finden für die Umgebung von Pirna, Bautzen, Plauen und 
Markersbach noch die von 1889 — 92 sich ergebenden Phasen werthe von 
Prunus Padus 1. Bl., Sorbus aucuparia 1. Bl., Fagus silvatica , Betula 
alba (1. und 2. Belaubung) zusammengestellt. 

* Ausserdem haben wir sub M den Mittelwerth aus den Jahren 1882—92, 
also aus 11jährigen Beobachtungen angegeben. Da viele Termine leider nicht 
in jedem Jahre beobachtet worden sind, so ist durch die in die obere 
Ecke gestellte Zahl die Anzahl der verrechn eten Beobachtungsjahre ange- 
geben. Ein Vergleich mit den in der Haupttabelle angegebenen Mittel- 


96 


Tabelle III. 


Umgebung 
von : 


Prunus Padus 

(1. Blüthe) 

i 

•i 

i 

i 

Sorbus aucuparia 

(1. Blüthe) 

1889 

1890 

1891 

1892 

M 

1889 

1890 

1891 

1892 | M 

Pirna . 

136 

120 

135 


132 9 

141 

134 

144 

' 

143 10 





ca. 







Bautzen . . 

132 

128 

131 

140 

136 7 

133 

145 


1 ’ 

139' 

Plauen . . 


’ehlt in di 

r näheren 

Umgehn, 

r 

149 

136 

r 156 

159 

150 11 

Markersbach 

140 

128 


• 

143 8 

148 

147 


• • • 

154 s 


Umgebung 
von : 

Betula alba 

(1. Blüthe) 

Betula alba 

(1. und 2. Belaubung) 

. . 

Pirna . . J 

! 129 

i 

114 

132 



124 

128 

98 

115 

127 

131 

• 

127» 

Bautzen . . 

131 



119 


128 

98 

107 

128 

139 

112 

132 

117 7 

126 1 

Plauen . . 

134 

119 

139 

144 


133 

135 

118 

124 

135 

139 

139 

144 

128 10 

• .* ' 

Markersbach 

132 

116 




122 

130 

110 

117 


' • ■' . 

1-22 8 


Umgebung 

von: 

Fagus silvatica 

(1. und 2. Belaubung) 

Pirna . . . 

125 

135 

108 
.1 10 

132 

136 

' u 

127» 

Bautzen . 

134 


130 


131 * 

Pol. I. 

Plauen . 


r 

142 

145 

145 

149 

139» 

Markersbach 

132 

134 

119 

128 

* : 

' / * . ' . 

134 s 


. / ' - ■ i " . !’ ■ / n y 

werthen lehrt, dass trotz hinzugefügter 3 oder 4 Neubeobachtungen der 
Mittelwerth nur um Tage schwankt. 

Wir dürfen somit wohl annehmen, dass im Allgemeinen durch eine 
6 — 7jährige Beobachtungsreihe Mittelwerthe gewonnen werden, die dem 
wirklichen phänologischen Mittel recht nahe kommen. 

Ausserdem sei noch bemerkt, dass die Phasen von 89—92 aus; den 
Tabellen der grossen Instruction B (1881) entnommen sind, sich dem- 
gemäss auf die Umgebung der Städte beziehen. Dabei ist noch hervor- 
zuheben, dass das Jahr 1890 ein sehr frühes war. 


97 


10. Specialtabellen wichtiger Beobachtungsphasen. 


Um zu zeigen, in welcher Weise die phänologischen Beobachtungen 
zu Tabellen zusammengestellt worden sind, folgen in Weiterem die Special- 
tabellen für 7 der wichtigsten Bäume: 


(Eintritt der Bjüthe) 


1. Prunus Padus 1 

2. Pirus communis , 

3. Pirus Malus , 

4. Sorbus aucuparia , 

5. Tilia grandifolia , 

6. Beüäa alba (1. und 2. Belaubung), 

7. Fagus silvatica (1. und 2. Belaubung). 


Leicht wird man aus diesen Zusammenstellungen die frühesten und 
späten Jabre herauserkennen, welche durch Schrägdruck gekennzeichnet 
worden sind. 


Stationen 




Prunus Padus 










1882 

1883 | 

1884 

1885 

1886 

1887 

1888 

Mittel 

Pirna-Stadt .... 

\m 

142 

132 

126 

123 

133 

135 

j 

Pirna-Umgebung 

1 

143 

135 

126 

129 

133 

133 

Dresden-N 

118 

145 

134 

126 

127 

133 

136 

131 ^S 

Leipzig 


143 

133? 

123 

125 

126 

133 

1291g-: 

Greiz ...... 

118 

144 

142? 

124 

138 

139 

139 

1354: 

Döbeln 

123 



127 

134 

139 

143 

136? 

Plauen -obere Stadt 



147 


147 

139 

145 

140? 

Plauen -untere Stadt . 

113 

158 

147 

131 

143 

140 

149 

140“ 27 
x v 4 18 

Markersbach .... 

132 

160 

1 ! 6 

138 

141 

148 

152 

i4 °4 15 

Löbau 


148 

137 

128 

131 

135 

138 

134“ 10 

Bautzen 


152 



128 

138 

154 

13941 

Ebersbach 

128 

152 

143 

129 

140 

139 

147 

14041 

Chemnitz 

125 

151 

137 

128 

135 

141 

142 

137“ 12 
‘4 18 

Zschopau 

123 

146 

135 

127 

134 

138 

145 

1 35“J? 
Iö °4 n 

Annaberg 

131 

156 

143 

136 

134 

153 

149 

14341 

Hirschsprung . . 

158 

160 

162 

165 

158 

181 

173 

l ß5 ^ 

Reitzenhain .... 

151 

1 

160 


149 

151 

167 


ca.PlöO 1 )— 


ij 


98 





Pirus 

communis 


Stationen 









1882 

1883 

1884 

1885 

1886 

1887 

1888 

Mittel 

Pirna-Stadt .... 

1 

111 

137 

110 

123 

120 

130 

132 

I 124“ n 

Pirna-IJmgebung . . 

1 

137 

112 

123 

125 

129 

132 

40 

Dresden-N 

114 

143 

113 

124 

128 

134 

137 

128“ 

f lo 

Leipzig 

120 

140 

112 

122 

126 

128 

136 

!2674: 

. 

Greiz 

117 

145 

115 

124 

139 

137 

148 

13274 

Döbeln 

116 

142 

114 

123 

. 129 

134 

139 

128 7T4 

Altgeringswalde . . . 

128 

148 


127 


145 


137? 

Plauen -obere Stadt . . 

116 

143 

130 

125 

135 

137 

146 

1337 -I 

Markersbach .... 

124 

155 

145 

135 

148 

147 

150 

143 — 19 

Löbau 

130 

146 

129 

126 

137 

132 

144 

13574 

Bautzen 

128 

139 

130 

p 

126 

128 

132 

13l|^ 

Ebersbach 

128 

153 

142 

130 

141 

140 

148 

i 40 Ui 

Chemnitz 

119 

145 

138 

128 

137 

143 

146 

13741 

Zschopau 

123 

142 

140 

127 

J30 

146 

144 

l36 +» 

Annab erg 

136 

152 

144 

129 

136 

157 

149 

i43 + ;i 

Hirschsprung .... 

151 

160 

146 

154 

150 

166 

157 

133-U’ 

Reitzenhain .... 




153 

154 

169 


158? 

Stationen 




Pirus Malus 












| 1882 

1883 

1884 

; 1885 

1886 

j 1887 

1888 

Mittel 

Pirna- Stadt .... 

1 9 

1 ♦ 

145 

140 

128 

134 

135 

137 

1 !357!n 

Pirna-Umgebung . . 

122 

144 

140 

127 

135 

135 

137? 


Dresden-N 

120 

145 

133 

127 

129 

135 

137 

1 12 

13 

Leipzig 

115 

144 

121 

128 

130 

130 

141 

130+m 

Greiz 

130 

150 

118 

130 

139 

140 

148 

1364? 

Döbeln ...... 

131 

150 

122 

128 

140 

139 

146 

i36u: 

Altgeringswalde . . . 


154 

148 

136 


143 


145? 

Plauen -obere Stadt. . 

124 

153 

133 

130 

140 

142 

150 

1397 m 

Markersbach .... 

136 

162 

148 

140 

149 

160 

153 

15041 


99 


Stationen 




Pirus 

Malus 


1882 

| 1883 

1884 

j 1885 

i 1886 

| 1887 

j 1888 

Mittel 

Löbau . 

138 

153 

144 

129 

142 

138 

149 

149~ 13 

Bautzen 

133 

148 

139 

130 

136 

143 

148 

140“ 10 

+ 8 

Ebersbach 

132 

157 

145 

134 

145 

146 

150 

144“ 12 

Chemnitz 

125 

153 

144 

131 

144 

149 

148 

1 42“ 17 

Zschopau 

131 

146 

141 

129 

142 

149 

147 

141 — 

j- 7 

Annaberg 

141 

158 

145 

129 

150 

159 

148 

147“ 18 

-f 12 

Hirschsprung .... 

156 

164 

151 

156 

153 

167 

162 

158=g 


Stationen 

Sorbus aucuparia 


1882 

1883 

1884 

i 1885 

| 1886 

1887 

| 1888 

Mittel 

i 

Pirna -Stadt . . . . 

135 

149 

143 

137 

142 

147 

149 

143“ 8 

4- 6 

Pirna- Umgebung . . 

136 

153 

145 

138 

146 

147 

148 

144“ 8 

Dresden-N 

132 

154 

143 

141 

143 

148 

147 

144^1 2 

A -f 10 

Leipzig ...... 

133 

157 

143 

135 

143 

150 

149 

144=11 

Greiz 

153 

156 

149 

147 

150 

159 

151 


Döbeln 

134 

157 

145 

138 

146 

157 

152 

147=1 8 

Altgeringswalde . . . 

146 

158 

151 

143 

158 

150 

154 

151+7 

Plauen- obere Stadt 

142 

157 

145 

148 

150 

157 

151 

150=-® 

4 - i 

Markersbach .... 

153 

161 

152 

154 

155 

168 

157 

157=4 

Löbau 

141 

153 

146 

142 

148 

155 

153 

148+4 

Ebersbach 

145 ? 

161 

150 

152 

151 

164 

152 

154;,: 

Chemnitz 

140 

156 

152 

151 

150 

168 

156 

i53 + ;: 

Zschopau 

146 

161 

155 

153 

148 

161 

151 

154=-® 

Annaberg 

156 

166 

151 

153 

154 

174 

162 

i6o^: 

Hirschsprung .... 

159 

165 

161 

160 

156 

177 

166 

103=-! 

Reitzenhain .... 

169 

169 

168 

163 

159 

181 


i69=f: 


6 * 


100 


Stationen 

Tilia grandifolia 

1882 

1883 

1884 

1885 

1886 

1887 

1888 

Mittel 

Pirna-Stadt .... 


190 

177 

175 

172 

184 

181 

181+ 9 

Pirna-Umgebung . . 


185 

192 

177 

183 

192 

180 

185+? 

Dresden-N 

187 

1 

192 

192 

175 

176 

197 

186 

186+ ;i 

Leipzig 

158 

192 

183 

193 

191 

196 

197 

187qrrö 

Greiz ...... 

170 

192 

192 

185 


195 

192 

188^ 

Altgeringswalde . . . 

207 

190 

202 

189 

192 

205 


198+J 

Plauen -obere Stadt 

194 

189 

189 

188 

179 

196 

206 

190+ ;; 

Markersbach .... 


197 

206 


204 

200 

202 

202^ 

Löbau 


194 

180 

182 

187 

195 

193 

1 8847 “! 

Chemnitz 

195 

189 

196 

192 

197 

207 

206 

197+ro 

Zschopau 

i 201 

196 


187 

204 


192 

196+| 

Annaberg 


212 


200 


210 


ca. 203 

Hirschsprung .... 

210 

201 

209 

197 

209 

215 

215 

208+-1 


Stationen 

1 





Betula 

alba 



1882 | 

1883 | 

1884 

1885 ! 

1886 ] 

1887 | 

1888 | 

Fol. I 

Fol. II 

Mitt. 

Pirna-Stadt . . 

Fol. I 


128 

102 

116 

107 

123 

123 

116 

126 

121 


.. 11 


134 

119 

122 

124 

128 

127 




Dresden-N. 

„ 1 

96 

134 

104 

118 

105 

123 

123 

1167" 

1207" 

118 


„ 11 

103 

138 

111 

121 

116 

128 

125 

~T 1J 

T 10 


Geringswalde . 

„ 1 

83 

141 

118 

123 

123 

125 



125 

125? 


„ 11 

118 

141 



123 

130 





Plauen -ob. Stadt 

„ 1 

94 

137 

111 

122 

120 

127 

131 

121 

129 

125 


» 11 


139 

128 

125 

131 

132 

135 




Markersbach . . 

„ 1 

108 

129 

112 


114 

128 

125 

119 

126 

123 


„ 11 

110 

134 

134 


122 

130 

127 




Löbau .... 

„ 1 


138 

124 

122 

117 

126 


123 

133 

128 


„ 11 


142 

134 

128 

123 

130 

141 




Ebersbach . . . 

„ 1 

116 

140 

131 

124 

123 

130 

131 

128 

136 

132 


„ 11 

124 

144 

140 

127 

140 

137 

140 


' 


Chemnitz *) 

„ 1 

118 

133 

113 

120 

120 

127 

129 

123 

131 

127 


„ 11 

118 

142 

136 

127 

125 

134 

138 




Zschopau*) . . 

„ 1 

109 

137 

107 

122 

121 


132 

121 

132 

127 


„ 11 

109 

147 

131 

130 

124 


139 




Annaberg . . . 

„ 1 

123 

139 

138 

124 

124 

132 

136 

131 

135 

133 


„ 11 

129 

142 

141 

127 

127 

137 

142 




Hirschsprung . 

„ 1 

124 

145 

132 

125 

125 

134 

140 

132 

144 

138 


„ 11 

1 

134 

1 55 

143 

130 

145 

155 

149 





1 

*) s. Anm. auf S. 101. 


101 


Stationen 



Fagus silvatica 



1882 

1883 

1884 

1885 

1886 

1887 

| 1888 

Fol. I 

Fol. II 

| Mitt 

Pirna -Stadt . . 

Fol. 1 


129 

99 

120 

109 

123120 



125 


>) 

II 


133 

126 

126 

127 

130 139 




„ -Land . . 

>) 

1 


132125 

123 

127 

128 

137 



129 

n 

11 



125 

123 

127 

128 

137 




Dresden -N. . . 

)> 

1 

122 

136109 

123 

126 

128 


124+ 

1 32 + 

128 


! ) 

II 

126 

142130 

128 

131 

133 



Leipzig*) . . . 

)) 

1 

123 

142 111 

124 

123 

13 j 

136 

127^ 

135 + 41 

131 

)) 

II 

123 

146133 

136 

129 

138 

146 


Geringswalde . 

)) 

1 

124 

143 

131 

125 

127 

130 




133 


)) 

II 

136 

143 

141 

125 

127 

141 





Plauen - ob. Stadt 

!) 

)) 

1 

II 

132 

142 

142 

145 

140 

141 

127 

132 

129 

136 

135 

142 

138 

140 

134 +l 

140 + 

137 

Markersbach . . 

!) 

l 

129 

139 

138 


127 

132 

139 

1 34 + 

138+ 

136 


)> 

II 

134 

142 

141 


133 

138 

141 


Löbau*) .... 

)) 

1 

125 

136 

142 

127 

125 

132 

140 

1 39 “ 7 
iöZ J r io 

136+ 

134 

n 

11 

125 

140 

144 

130 

139 

136 

140 


Ebersbach . . . 

t) 

l 

127 

140 

139 

126 

128 

134 

137 

1337+ 

-f 7 

1387“ 

135 


>) 

II 

131 

144 

141 

128 

140 

138 

144 



Chemnitz *) . . . 

)> 

I 

124 

136 

132 

123 






132 


» 

II 

124 

144 

141 

128 

128 

132 

139 




Zschopau*). . . 

n 

l 

127 

138 

134 

124 

124 

132 

140 

131+ 9 

1 OH — 10 
10 + 14 

134 

n 

II 

127 

151 

145 

130 

129 

132 

145 


Annaberg*) . . 

i) 

I 

135 

149 

141 

127 

128 

139 

144 



140 

n 

II 

135 

151 

141 

129 

134 

141 

146 




Hirschsprung . 

)> 

I 

125 

145 

141 

127 

137 

136 

145 

137^1 

145“ 10 
1 ^°+ 10 

141 



II 

135 

152 

145 

135 

145 

155 

150 



11. Unvollständig beobachtete Stationen. 

Im Anschluss hieran erübrigt uns noch, das Bemerkenswertheste über 
einige in der Uebersichtstabelle nicht aufgenommene Stationen mitzutheilen, 
deren unregelmässig (wegen Wechsels der Beobachter etc.) beobachtete 
Phasen wenigstens einen Anschluss an die Hauptstationen sichern. 

Soweit man aus den lückenhaften Notizen Schlüsse ziehen darf, scheint 
Bautzen sich den Phasen der Station Löbau eng anzuschliessen , während 
Döbeln sich in der Vorfrühlingsperiode der Station Ebersbach, im 
Halbfrühling der Station Dresden, im Vollfrühling der Station Löbau 
nähert. 

Die wenigen Zahlen für Brunndöbra lassen sich am besten denen 
von Station Markersbach und Hirschsprung vergleichen. 

*) Wenn unter Fol. I und II gleiche Zahlen eingesetzt sind, hat nur ein 
(mittleres?) Beobachtungsdatum Vorgelegen. 


102 



Bautzen 

Döbeln 

Brunndöbra 

Galanthus nivalis 

66— 

-j- 14 

81? 

91“ 8 

yi + 9 

Leucojum vernum 

oi — 18 

° + 27 

84? 

92~ 10 

12 

Corylus Avellana 


87? 

99 

Hepatica triloba 

100 

97 

110 

Cornus mas 

108+ 

104 


Ribes Grossularia 

12 &^4 

117? 

138^ 

Ribes rubrum 

127+ 

119? 

140+ 

Taraxacum officinale 

125 ctI 

122? 

139+ 

Prunus spinosa 

129 



Prunus Padus 

139^1 

136? 


Pints communis 

131+ ? 

128 + » 


Pints Malus . . 

140+ 

136+ 

157? 

Syringa vulgaris ....... 

136+ 

139+ 

166? 

Narcissus poeticits 

136? 

141? 

160+ 

Aesculus Hippocastanum .... 

142“ 10 

+ 12 

1 14 

Aesculus Hippocastanum (Fruchtreife) 
Sorbus aucuparia 

267“^ 

+ 17 

147~ 13 

**-4-10 

164? 

Sorbus aucuparia (Fruchtreife) . 
Crataegus Oxyacantha 

1 ^0“ 15 
J0U +12 

249? 


Sambucas nigra . 

165? 

166? 


Sctmbucus nigra (Fruchtreife) . 


262; ' 


Philad elphus coronarius .... 


167? 

193? 

Tilia parvifolia Ehrh 


202 ; l 


Lilium candidum 

196? 

203? 


Aesculus Hippocastanum (Defoliation) 

306 

298+ 


F cujus silvatica (Defoliation) . . . 

307 

l 


Tilia parvifolia (Defoliation) . . . 

302+ 

288“ “ 

— j— o 



12. Vergleiche zwischen Pirna-Stadt und Pirna-Land.*) 

Bildet man aus den Differenzen der Phasen von Pirna-Stadt und -Land 
einen Mittelwerth, so ergiebt sich, dass Pirna-Stadt in der Entwickelung 
innerhalb Periode I bis V seiner nächsten ländlichen Umgebung um 3 Tage 
vorauseilt. 

Anders wird dieses Ergebniss, wenn wir die Laubverfärbung mit in 
Rücksicht ziehen; Periode VI zeigt dann eine noch bedeutendere Verfrühung. 

Man sieht den in Pirna -Stadt bedeutend früher eintretenden Herbst 
aus folgenden Zahlen: 


Aesculus Hippocastanum 
Fagus silvatica 
Tilia granclifolia 
Fraxinus excelsior 



6 

12 

18 

10 


Tage Laubverfärbung 
vor dem Termin in 
Pirna -Land. 


Im Lichte praktisch -wissenschaftlicher Deutung gewinnen diese Zah- 
len ein besonderes Interesse. 

Wir bemerken aus ihnen, wie schädigend auf die Bäume der Stadt der 
harte Boden, die geringere Feuchtigkeit, der die Spaltöffnungen ver- 
schliessende Staub und Russ, die mit schwefliger Säure reichlicher gesät- 
tigte Luft sich geltend macht. 


Mit diesen Berechnungen sind nunmehr die aus den uns zugegange- 
nen Beobachtungstabellen zu gewinnenden Resultate sächsischer Phänologie 
für das vergangene Jahrzehnt erschöpft. Der Dank sei den Mitarbeitern 
nochmals ausgesprochen zugleich mit dem Wunsche, dass sie ihre Arbeit durch 
das hier Vorliegende belohnt finden mögen. Die Originalien, übertragen aus 
den Datumangaben in die hier verwendeten Terminzahlen, bleiben in den 
Acten zur Flora Saxonica im Herbar der Technischen Hochschule auf- 
bewahrt. Dort liegen auch noch die von einigen Orten in grosser Regel- 
mässigkeit eingegangenen phänologischen Beobachtungen in der Wald- und 
Wiesenflora (Tabelle B der Instruction vom Jahre 1881), weiche noch ihrer 
Verwerthung für die Floristik harren. — * 

In die Bearbeitung des hiermit abgeschlossenen zweiten Theiies der 
den Stadtumgebungen und Dörfern gewidmeten Phänologie haben wir uns 
derart getheilt, dass Prof. Drude die vorderen Abschnitte bis zu den 
Durchschnittstabellen für Sachsen übernahm, Dr. Naumann diese und die 
folgenden Abschnitte. 


*) Für Plauen — obere und untore Stadt ergaben sich bei dem Mangel an einem 
sicheren Vergleichsmaass Resultate, welche nicht einwandfrei waren, sodass wir auf 
eine Gegenüberstellung dieser beiden Stadttheile, so interessant sie gewiss ist, ver- 
zichten mussten. 


104 


XIV. Aufruf zur Anstellung neuer phänologischer 
Beobachtungen in Sachsen und Thüringen.*) 

Von Prof. Dr. O. Drude. 


Die pflanzenphänologischen Beobachtungen haben sich in ganz Mittel- 
Europa in neuerer Zeit allgemeiner Aufnahme unter die wissenschaftlichen 
Gesichtspunkte der Floristik zu erfreuen, besonders seitdem der — leider 
nicht mehr am Leben befindliche — Giessener Botaniker Hoffmann mit 
seinem Schüler Egon Ihne umfassende Resultate für die europäische 
Kartographie in culturell-klimatologischer Beziehung daraus gezogen hat.**) 
Diesen letzteren Gesichtspunkt sollte man auch hauptsächlich im Auge 
behalten bei den phänologischen Beobachtungen an vielen Stellen eines 
kleineren Ländergebietes, wie ich es hier von dem Lausitzer Berglande 
im Osten bis zum nordhessischen Werrathal im Westen und vom Kamm 
des Erzgebirges und Thüringer Waldes über die Abhänge und Mulden an 
Elbe, Saale und südlicher Weser hinweg bis zum Oberharz wieder hinauf 
im Auge habe. Denn nachdem die hauptsächlichsten Beziehungen zwischen 
dem Klima und den Aeusserungen des Pflanzen leb ens bekannt geworden 
sind, ist es nunmehr einzelnen genau und in Verbindung mit meteoro- 
logischen Observatorien durch eine grössere Reihe von Jahren hindurch 
beobachtenden Stationen (wie eine solche z. B. am neu eingerichteten 
Kgl. Botanischen Garten zu Dresden in Gang gesetzt wird) überlassen, 
die genaueren physiologischen Züge des Gesammtbildes darzustellen und 
dem ursächlichen Zusammenhänge zwischen Pflanzenleben und Wechsel 
der Jahreszeiten in schärferer Weise nachzuspüren. Was aber auf diese 
Weise nicht erreicht werden kann, ist die Darstellung der Vegetations- 
entwickelung in weiteren Umkreisen eines vielgegliederten 
Landes, für dessen Bodenproduction und Acclimatisation sfähig- 
keit gerade hierin ein Beurtheilungsmoment liegt, wie es leichter zu ge- 
winnen und nützlicher zu verwerthen nicht gedacht werden kann. Die 
meteorologischen Beobachtungen , so nützlich und wissenschaftlich noth- 

*) Die vorliegende Ausarbeitung schliesst sich an einen am 7. Juni zu Gera bei 
Gelegenheit einer wissenschaftlichen Gesammtsitzung des Thüringer botanischen Vereins 
mit der botanischen Section der Isis gehaltenen Vortrag an, durch welchen auf die 
Wichtigkeit gemeinsamer Ausführung derartiger Beobachtungen hingewiesen werden 
sollte. Hoffentlich mit gutem Erfolg! 

**) Vergl. : Resultate der wichtigsten pflanzen-phänologischen Beobachtungen in 
Europa, nebst einer Frühlingskarte, von Dr. H. Hoffmann. Giessen 1885. — Hoff- 
mann & Ihne, Beiträge zur Phänologie. Giessen 1884. — Vergleichende phänologische 
Karte von Mitteleuropa, in Peterm. Geögr. Mittheil. 1881, Taf. 2. 

Ges . Isis in Dresden, 1892. — Abli. 14. 


105 


wendig sie sind, ergeben erst indirect dasselbe Bild, welches sich aus dem 
Vergleich der phänologischen Phasen, zumal aus den hauptsächlichsten 
Phasen des Frühlings-Einzuges, direct gewinnen lässt. Eine so wichtige 
Karte, wie die in der Anmerkung genannte von Hoffmann, lässt sich auch 
für ein kleineres, zerschnittenes Berg- und Hügelland nur durch Zusammen- 
wirken vieler gleichgesinnter Beobachter in einfacher Registrirung ge- 
winnen. Derartige Beobachtungen sind daher auf meine Anregung im 
Königreich Sachsen während des vergangenen Jahrzehntes in Fortsetzung 
einiger schon älterer vorgenommen, hauptsächlich in der Absicht, zu- 
nächst einmal die phänologische Gliederung des Landes zu erstreben. In 
einem zu Anfang d. J. in der ökonomischen Gesellschaft zu Dresden ge- 
haltenen und dort gedruckten Vortrage*) sind die Resultate allgemeiner 
Art daraus gezogen, denen zufolge die Hauptphasen des Frühlings-Ein- 
zuges je nach der Thal- oder Gebirgslage zwischen Ende April im Mittel 
und gegen Ende Mai im Mittel fallen; es sind darnach drei Cultur- 
zonen in Sachsen unterschieden, deren günstigste den Frühlingseinzug zu 
Ende April und etwas minder günstig vom 1. — 9. Mai hat, deren zweite 
die entsprechenden Vegetationsphasen vom 10. — 17. Mai, deren dritte aber 
erst vom 18. — 25. Mai zeigt, welche Werthe in den höchsten Dörfern des 
Erzgebirges wahrscheinlich noch an Verspätung überboten werden, indem 
hier gerade die Grenze des rationellen Feldbaues erreicht wird. Die 
genaueren Einzelheiten siehe in der vorhergehenden Abhandlung. — 

Die Stationen sind aber in Sachsen nicht so dicht besetzt und nicht 
so gieichmässiger Beobachtung unterzogen gewesen, als dass es nicht der 
Mühe wertli erschiene, dieses erste phänologische Kartenbild von Sachsen 
zu vervollständigen. Und da würde nun der Sache ein hoher Reiz inne- 
wohnen , wenn auch die Thüringer Botaniker im Anschluss an dieses 
Beobachtungssystem die zwischen Thüringer Wald und Harz liegenden, 
mannigfach gegliederten Berg- und Hügellandschaften zu einer gleich- 
mässigen phänologischen Kartographie mit dem nöthigen Beobachtungs- 
netz ausrüsten wollten! 

Beobachtungen der Art sind hier zu Lande seit lange gemacht. Als 
neuestes Beispiel führe ich die Veröffentlichungen in den „Mittheilungen 
des Vereins für Erdkunde zu Halle“ an, welche aus dem Jahre 1891 
wiederum die Jabresbeobachtungen von H. Töpfer und 0. Koepert**) 
enthalten. Es hat nun zwar nichts Bedenkliches, die einzelnen Jahres- 
beobachtungen für sich zu veröffentlichen und besonders im einzelnen 
daran einen Rückblick auf die besonderen Vegetationsverhältnisse eines 
den Lesern noch frisch im Gedächtniss haftenden Jahres zu knüpfen: 
aber die interessanteren, grösseren Zwecke hinsichtlich der General Übersicht 
über eine grössere Länderfläche von gemeinsamem Interesse werden dabei 
weniger erreicht und die Schwierigkeit einer gemeinsamen Durcharbeitung 
aller jener zerstreuten Notizen nimmt zu. Besonders ist bedauerlich, dass 

*) Mitteilungen der Ökon. Ges. im Kgr. Sachsen 1891 — 1892, S. 105 — 125, mit 
Karte des Frühlingseinzages 

**) Jahrgang 1892, S. 189 und 193, betreffend Sondershausen und den Ostkreis 
des Herz. Sachsen - Altenburg. Frühere phänologische Beobachtungen in Sonders* 
hausen veröffentlichte Töpfer in der „Irmischia* 1882. Diese Literaturen findet man 
bis 1884 höchst sorgfältig in Hoffmann & Ihne’s Beiträgen zur Phänologie, Giessen 
1884, zusammengestellt, Nachträge in den Berichten der Giessener Gesellschaft. 


106 


die Beobaektungspflanzen zum grossen Theil verschieden sind, und auch 
in Hinsicht auf die zu beobachtenden Phasen herrscht keine Einheit. 
Obwohl an gewisse von vornherein einleuchtende Hauptpunkte gebunden 
(z. B. erste Bliithe von Aesculus, Pin fc, Malus findet sich fast überall 
gefordert), ist doch die Phänologie in dieser Auswahl sachlich frei genug, 
um zwingende Nothwendigkeit gegenüber freier Entschliessung in den 
Hintergrund treten zu lassen. Es muss daher die Bitte ausgesprochen 
werden, diese freie Entschliessung der guten Sache zum Yortheil gereichen 
zu lassen und freiwillig auf die eine oder andere Beobachtung phänologischer 
Phasen zu verzichten, dieselbe durch eine andere im grösseren Rahmen 
geforderte zu ersetzen, obwohl das persönliche Interesse des Beobachters 
einen Wunsch dabei unterdrücken muss. 

Nachdem die ersten von mir versendeten Tabellen*) mit Beobachtungs- 
pflanzen für das die Ortschaften umgebende Gartenland und die Wald- 
parks der Städte (denn es ist am besten, die phänologischen Beobachtungen 
zum Zweck einer allgemeinen Landesaufnahme auf eine gut aus- 
gewählte einheitlich beanlagte Culturgegend seines Aufenthaltsortes zu be- 
schränken) ihren Zweck erfüllt haben und die Publicirung der damit er- 
zielten Resultate im Begriffe steht, vollendet zu werden,**) hat eine sorg- 
fältigere Revision der Beobachtungsobjecte stattgefunden, welche durch 
das Bestreben hervorgerufen wurde, einige sehr wichtige und allgemein 
im Gartenland verbreitete Culturpflanzen hauptsächlich zur Erzielung einer 
vergleichenden Uebersicht zu benutzen, bei diesen aber auch die Cultur- 
sorten nicht unberücksichtigt zu lassen; denn man war im Dresdener 
Bezirks-Obstbau-Verein der berechtigten Meinung, dass in den Angaben 
der zur Vergleichung so ungemein bedeutungsvollen „ersten Apfelblüthe“ 
so lange keine Zuverlässigkeit zu suchen sei, als die Beobachtung nicht 
an gleicher Sorte vorgenommen würde, da auch der Fall denkbar wäre, 
dass der eine oder andere Beobachter überhaupt nur sehr frühe, ein 
anderer überhaupt nur sehr späte Sorten des Apfelbaumes in seinem Um- 
kreise zur Verfügung haben könne. Eine Commission des genannten 
Vereins hielt folgende Beobachtungsphasen für die am meisten geeigneten 
zum Ueberblick eines culturell-phänologischen Vergleiches in unseren Gauen: 

Erste Blüthe (Signatur: e. Bl.) von: 

Bibes Grossularia , 

Prunus avium (Sorte gleichgiltig) , 

„ Cerasus (Sorte: „Weichsel“), 

Ph 'us Malus, zur Beobachtung geforderte Sorte: Winter-Gold- 
parmäne, ausserdem wünschen swerth der Vergleich mit Sorte 
„Oharlamowsky“ und „spätblühender Taffetapfel“, 

Pirus communis , zur Beobachtung geforderte Sorte: Rettigbirne, 
Syringa vulgaris , 

Sambucus nigra (als Phase des beginnenden Sommers), 

Vitis vinifera : Angabe ob frei am Stock, oder ob am Hause (SO — 
SW -Lage) gezogen. Sorten zur Wahl: frühe Leipziger, 
Marlinger, Gl äfler- (Burgunder) Traube. 

*) Nach der Instruction in den Abhandlungen der Isis, 1881, S. 1 — 24. 

**) Theil I in Isis, Abhandlungen 1891, S. 59 — 76, Theil II ebenda 1892, Ab- 
handlung 13, und Mittheilungen der Oekonomischen Gesellschaft im Königreich 
Sachsen 1891/92, S. 105 — 125, mit Karte. 


107 


Vollblut he (y. Bl.) auf den Feldern und dem Wiesenland, in un- 
mittelbarem Anschluss an die Standorte der voranstehenden Holzpflanzen, von: 

Alopecurus pratensis , W iesen - Fuchsschwanz, 

Dactylis glomerata , gemeines Knäuelgras, 

Phleum pratense , Timotheegras, 

Trifolium pratense : „Kleefeld im Eintritt in die Vollblüthe.“ 

Ausserdem wurde gewünscht zur Beurtheilung der Vegetationsdauer 
der Eintritt in die Holzreife bei Pirus Malus und P. communis. Die 
Beobachtungen an Cerealien sollten in Hinsicht auf Sorten- Genauigkeit 
und Culturverfahren besonderen Stationen überlassen bleiben; das ge- 
wöhnliche dagegen bedarf keiner besonderen Erläuterung. In der „An- 
leitung zu pflanzengeographischen Untersuchungen in der Flora von 
Deutschland*) habe ich als wichtigste Pflanzen zur phänologischen Be- 
obachtung, die zum Theil im Garten und in Parks angepflanzt, zum Theil 
aber in allen mitteldeutschen Waldungen und Gebüschen wild Vor- 
kommen und im letzteren Zustande die mittlere Phänologie des Ortes 
durch Hinausgehen über den Gartenbereich ergänzen, folgende genannt: 

Aesculus Hippocastanum , Belaubung, Blüthe, Fruchtreife, 

Betula alba , Belaubung und Stäuben der 3 Kätzchen, 

Fagus silvatica , Belaubung, 

Fraxinus excelsior , Belaubung, 

Cornus mas , erste Blüthe**), 

Prunus Paclus , erste Blüthe, 

Cytisus Laburnum , erste Blüthe, 

Sorbus aucuparia (Belaubung und erste Blüthe zu beobachten 
wichtig in den Gebirgsgegenden , wo die Obstcultur unsicher 
wird)***) , 

Tilia grandifolia (Sommerlinde), Belaubung und erste Blüthe, 
Vaccinium Myrtillus (als Waldgesträuch), erste Blüthe, Beginn der 
allgemeinen Fruchtreife. 

Ausser diesen Holzgewächsen noch folgende Zwiebel- und Knollen- 
gewächse!) : 

Galanthus nivalis, Narcissus Pseudonarcissus , 

Lilium candidum, Colchicum autumnale. — 

Aus diesen beiden Vorschlägen ergiebt sich folgende combinirte Liste 
für phänologische Beobachtungen, welche in Bezug auf die Anzahl der 
Objecte gerade das wünschenswerthe beschränkte Maass innehält, geordnet 
nach der im Gebiete der unteren Culturregion zumeist stattfindenden Auf- 
einanderfolge der Phasen: 


*) Anleitung zur deutschen Landes- und Volksforschung, Stuttgart (Engelhorn) 
1889, S. 238. 

**) Nachträglich zu den übrigen hinzugefügt wegen der Schärfe der Phasen- 
bezeichnung. 

***) Ist an die Stelle von Sambucus racemosa gesetzt, welchen Strauch ich ur- 
sprünglich zur Beobachtung mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse der Gebirgs- 
gegenden empfohlen hatte. 

f) Dieselben sind gegen die ursprünglichen Vorschläge hier um Lilie und 
Schneeglöckchen vermehrt, dagegen ist die Beobachtung von Convallaria majalis aus 
den neuen Vorschlägen gestrichen, 


108 


(Erste Periode.) 

1. e. Bl. Galanthus nivalis. 

2, e.Bl. Cornus mas. 


(Zweite Periode.) 

3 . B. 0 .1-1 l. Aesculus Hippocastanum. 

4. e. Bl. Narcissus Pseudonarcissus. 

5. B.O.I-II. Tilia grandifolia. 

6. u. 7. e. Bl. und B.O. I-II. Betida 
alba* verrucosa. 

8. e. Bl Bibes Grossularia. 

9. e.Bl. Pi ' unus avium. 

10. e.Bl. Prunus Cer asus( v Wpich.sel u ). 

11. e Bl. Pirus communis („Rettig- 
birne“). 

12. e. Bl. Prunus Padus. 

13. e. Bl. Pirus Malus („Winter- 
Goldparmäne“). 

14. e. Bl. Vaccinium Myrtillus (mit 
Angabe des Standortes). 

15. B.O.I-II. Sorbus aucuparia. 

1 6. B. 0. I-II. Fagus süvatica. 

(Dritte Periode.) 

17. e.Bl. Aesculus Hippocastanum. 

1 8. e. Bl. Syringa vulgaris. 

1 9. B.O. I-II. Fraxinus excelsior. 

20. e. Bl. Sorbus aucuparia. 

21. e.Bl. Cytisus Laburnum. 


(Vierte Periode.) 

v. Bl. (Yollbliithe) der Wiesen- 
gräser auf zusammenhängenden 
sonnigen Rasenplätzen: 

22-25 Alopecurus pratensis, T)ac- 
tylis glomerata, Phleum pratense . 
Trifolium pratense'. Kleefeld. 


26/ e Bl. Sambucus nigra. 

27. e. Bl. Vitis vinifera (mit Angabe 
der Sorte und Lage). 

28. e. Bl. Tilia grandifolia. 

29. e. Bl. Lilium candidum. 


(Fünfte Periode.) 

Erntezeiten der Cerealien, beob- 
achtet auf denselben Feldern, wo 
die Bliithenphasen notirt wurden. 

Winterkorn ( Secale eereale Id- 
bernum). 

30. (Das Feld beginnt zu blühen: 

31. J „ „ wird geschnitten: 

\ Zeitintervall zwischen Bltithe 
l und Ernte .... 

Sommerkorn ( Secale eereale 
aestivum). 

32. (Das Feld beginnt zu blühen: 

33. ) „ „ wird geschnitten: 

\ Zeitintervall zwischen Blüthe 
\ und Ernte .... 

(Sechste Periode.) 

34. e. Bl. Colchicum autumnale (mit 
Angabe des Standortes). 

35. Fr. Aesculus Hippocastanum. 

36. Fr. Vitisvinifera (wieunter Nr.27). 

37. L.V. Aesculus Hippocastanum. 

38. L. V. | Fagus silvat.\od. dafür H o 1 z- 

39. — \Betula alba jreife (HR) von 

Pirus communis und Malus. 

40. L.F. Fraxinus excelsior. 


Mit diesen beiläufig vierzig Beobachtungen ist die Vegetations- Jahres- 
curve einer Ortschaft gekennzeichnet. Die Vorgesetzten Signaturen bedürfen 
noch einiger Erläuterungen*): Mit e. Bl., „erster Blüthe“, wird der 
allgemeinere Eintritt in die Blüthezeit überhaupt bezeichnet, nicht also das 
Öffnen einer vereinzelten und vielleicht verfrühten Blüthe, sondern der 
Termin, an welchem die ersten Blüthen einer grösseren Zahl gleichmässig 
entwickelter Bliithenstände oder Pflanzen zur Entfaltung gelangen. Um 
hier Weitläufigkeiten zu vermeiden, sollen besondere Auseinandersetzungen 
über die Beschreibung dieser Phase bei den Einzelarten auf einen anderen 

*) Vergl. auch Isis, Abhandl. 1881, S. 10. — Und Hoffman«, Phänolog. Unter- 
suchungen 1887 (Giessener Universitäts-Programm), S. 76. 


109 


Ort verspart werden; nur sei hervorgehoben, dass unter e. Bl. im Allge- 
meinen das normale Öffnen der Bliithenhülle, zumal der Blumenkrone 
gemeint ist, aber bei blumenblattlosen Blüthen (wie bei den männlichen 
Kätzchen der Birke und bei den Gräsern) das Stäuben der Antheren. 

Mit der Signatur B. 0., ,, Blatt-Oberfläche sichtbar“, bezeichne 
ich nach Hoffmann’s Beispiel die Belaubungsstadien, welche aber grösserer 
Genauigkeit wegen in zwei Stadien beobachtet werden sollen: B. 0. I be- 
deutet das Hervorbrechen der zusammengewickelten Blattschöpfe aus den 
Knospenhüllen, also das Hervorschieben der grünen, aber noch ineinander 
gefaltet nach vorn gestreckten Blätter; B. 0. II bedeutet deren grüne Ent- 
faltung zur seitwärts gestellten und mit der Oberseite dem Himmelslicht 
zugewendeten Fläche; bei Aesculus Hippocastanum ist dagegen B. 0. II 
das Stadium, in welchem die zuerst aufgerichteten Blättchen nach dem 
Austritt aus der Knospe nunmehr zunächst für längere Zeit an ihrem 
Stiel senkrecht nach unten herabgeschlagen stehen. B. 0. II bedeutet 
also ganz allgemein den Eintritt in die grüne Vollbelaubung; am 
bezeichnendsten für das Jahr ist das Mittel aus dem ersten und zweiten 
Stadium der Belaubung unter Berücksichtigung der Zwischenzeit. 

Mit der bei den Grasflächen und Kleefeldern angewendeten Signatur: v. BL, 
„Yollb I üthe“, ist das sehr rasch nach dem Öffnen der ersten vereinzelten 
Blüthen stattfindende allgemeine Blühen bezeichnet, von dem man sagen 
könnte: „das Feld, oder die Wiese, beginnt zu blühen“, und wobei der 
Blick nicht mehr auf der Einzelpflanze haften bleibt. 

Mit Fr. wird „Fruchtreife“ bezeichnet, entsprechend dem über den 
Eintritt in die erste Bliithe Gesagten. Die Angaben über Fruchtreife sind 
aber schwankend, von häufigen Notizen soll daher abgesehen werden. 
Bei Aesculus ist das Aufspringen der Stachelschalen, welche den glänzend 
braunen Samen entlassen, besonders gut zu beobachten und das Notiren 
dieses Stadiums um so wichtiger, als H offmann*) einst einen nicht un- 
interessanten Zusammenhang zwischen Samenreife der Rosskastanie und 
Winterklima hat folgern wollen. Die Reife der Weintrauben zu notiren 
wird aus allgemein-wirthschaftlichen Gründen gleichfalls empfohlen, da es 
sich um deutsche Gaue handelt, in denen die Weincultur die Grenz- 
bedingungen ihres normalen Verlaufes zeigt. 

Den Abschluss der Vegetationsperiode bezeichnet bei uns die herbst- 
liche Laub Verfärbung (L. V.) und der darauf folgende Laubfall (L. F.), 
nach welchem die Bäume bis auf das angedorrte Laub kahl dastehen. Ich 
möchte hier nicht wiederholen, was Alles mit Recht über die Unsicherheit 
dieser Stadien gesagt worden ist, aus denen man mit Mühe einen einiger- 
massen sicheren Termin herauszulesen unternehmen muss. Wenn man 
aber die Tabellen vieler Beobachtungsorte nebeneinander in Händen hat, 
so bemerkt man denn doch eine grosse Uebereinstimmung in der zeitlichen 
Angabe von Entblätterung mit der Regionshöhe**) und kann dieses wichtigen 
Factors so lange nicht entbehren, als es schwierig erscheint, ihn durch 
eine bessere Beobachtungsreihe zu ersetzen. Bei Kastanie, Birke und 
Buche empfehle ich die Notiz der Termine, an welchen die Hauptmasse 

*) H offmann, Phänolog. Untersuch. 18S7 (Giessen. Univ. Prog.), S. 6 -8. 

**) Vergleiche die von mir mitgetheilten Berechnungen über die mittlere 
Vegetationsdauer von Dresden, Annaberg und Markersbach, in Isis, Abhandlungen 1891, 
S. 75. 


110 


des Laubes herbstlich verfärbt erscheint, bei der Esche tritt dies spät 
und unregelmässig ein, oft fällt das Laub noch ganz grün ab, dagegen ist 
der Laubfall gewöhnlich schärfer umschrieben; daher empfehle ich die Be- 
obachtung des Laubabfalles bei diesem letzteren Baum, zumal er der letzte 
darin zu sein pflegt mit der Eiche. Dass der Eichenwald aus den Be- 
obachtungsnotizen fortgelassen ist, rührt daher, dass meine eigenen fort- 
gesetzten Beobachtungen das schwierige derselben, die geringe Geeignetheit 
zu sicheren Terminangaben wegen der langsamen Uebergänge aus einer 
Phase in die andere, genügend gezeigt haben. 

Wer von Obstzüchtern den Beginn der Holzreife (H. R.) der Obst- 
bäume, Apfel und Birne, sicher zu beobachten im Stande sich fühlt, wird 
mit Ausfüllung dieser Beobachtung eine neue und vielleicht sehr nützliche 
Phase einzuführen helfen. 

Die Termin -Angaben sollten am besten mit einer einzigen Zahl an 
Stelle der üblichen Monats- und Datum-Zahlen bezeichnet werden*), indem 
man den 21. December als Nullpunkt ansieht, den 1. Januar mithin als 
11. Tag zählt, und dabei die Bequemlichkeit hat, den 1. April als 101. Tag, 
den 1. Mai demgemäss als 131. Tag zählen zu können. In Schaltjahren 
erhöhen sich diese Zahlen um 1. Andere, z. B. jüngst der Meteorologe 
Prof. Schreiber in Chemnitz, empfehlen die Zählung der Tage fortlaufend 
vom 1. Januar an; aber der 1. Januar hat als Anfangspunkt einer fort- 
laufenden Reihe nur eine willkürliche Bedeutung und keine natürliche 
Grundlage. Wichtig erscheint nur die Einheitlichkeit der Zählung. 

Die bei den einzelnen Beobachtungspflanzen und Phasen mit ange- 
gebene Perioden-Eintheilung bezieht sich auf meine in der genannten vor- 
jährigen Isis- Abhandlung gegebene Begründung; diese Perioden heissen : Vor- 
frühling, Halbfrühling, Vollfrühling; Frühsommer, Hochsommer, Herbst, auf 
welchen die„Rnheperiode‘ t folgt. Auch diese ist nicht ohne vegetative Thätigkeit. 

Sofern es gelingt, einen genügend grossen, nicht allzu grossen Kreis 
von Beobachtern unter der Fahne dieses Aufrufes zu vereinigen, so wird 
ein für die mitteldeutsche Pflanzengeographie und Culturgeographie nicht 
unwichtiges Resultat daraus neuerdings hervorgehen. Der geschlossene 
Bergwall von der Lausitz über das Fichtelgebirge bis zu den Weserbergen wird 
die Höhenregion gegliedert erhalten, wie meine Kartenskizze in der Dres- 
dener ökonomischen Gesellschaft vom Erzgebirge zeigte, ein Vergleich des 
letzteren mit dem Thüringer Walde, von beiden der Nord- und Südabhang, 
ist von Interesse. Noch mehr der Vergleich zwischen den bevorzugtesten 
Niederungen an der Nordgrenze der Weinkelterei, einmal im Saalegebiet 
und zweitens an der Mittel-Elbe. Ob sich in der Goldenen Aue und im 
sächsischen Elbthalgebiet eine so deutliche Verzögerung des Frühlings- 
einzuges nach Osten hin wahrnehmen lässt, wie es die allgemeine deutsche 
Regel, dass es im Winter und frühen Frühling mit jedem Schritt nach 
Osten rauher wird, zu vermuthen erlaubt, wird sich dann zeigen. Ein 
Vergleich des Harzes mit den südlicheren Berglandschaften ist von neuem 
Interesse ; die obere Grenze des gesicherten Feld- und Gartenbaues bleibt 
in ihren genaueren Zügen erst noch festzustellen. — 

Diese Ziele im Auge wird derjenige, dem an seiner Mitwirkung dabei 
liegt, sich leichter über die oft genannten Schwierigkeiten hinwegsetzen, an 


*) Isis, Abhandl. 1891, S. 63. 


111 


denen eine genaue Aufnahme der Beobachtungen zu scheitern scheint. Man 
hört die Bedenken äussern, dass in der Umgebung einer Stadt sich recht 
verschiedene Zeiten für dieselbe Yegetationsphase auffinden lassen, so dass 
die Beobachter über ihre zu machenden Angaben unschlüssig werden. 
Wollte man sich aber die Mühe machen, an ebenso vielen verschiedenen 
Punkten registrirende Thermometer aufzustellen und deren Stand zu ver- 
gleichen, so würde man finden, dass deren Gang ebenfalls sehr grosse 
Abweichungen zeigt je nach der Lage. Trotzdem werden die Mittel- 
temperaturen von einer festen Station jahraus jahrein als wichtigstes Fun- 
dament der Klimatologie gesammelt, als Ausdruck eines guten Mittelwerthes 
Es kommt daher nur darauf in erster Linie an , dass der Beobachter sich 
ein solches gleichartiges Beobachtungsgebiet wählt, welches als mittlerer 
Ausdruck der phänologischen Eigenthümliehkeiten des Ortes, welchen er an- 
giebt, sehr wohl gelten darf. Und dieses Beobachtungsfeld darf dann in 
späteren Jahren nicht ohne Grund und nicht ohne Vermerkung mit einem 
verschiedenartigen vertauscht werden. Die Pflanzen zu den geforderten 
40 Phasen finden sich so wie so nicht an einem Punkte beisammen, und 
so liegt es in der Natur der Sache, dass die Einseitigkeiten jeder Beobachtungs- 
stelle unter sich ziemlich ausgeglichen werden. Und endlich muss an dem 
Grundsatz festgehalten werden, dass auch die subjectiven Beobachtungs- 
fehler sich bei der grösseren Zahl von Phasen ebenfalls ausgleichen. 

Anhang. Beispiele aus diesjährigen Beobachtungen. 

I. Phänologische Beobachtungen 1892, K. Botanischer Garten 

Dresden. 

Beobachter: Drude Correction* 

1. e.Bl. Galanthus nivalis Tag 66 -| -4. 

(zweite Vollblüthe 90.) 

2. e.Bl. Cornus mas Tag 103 — 7 . 


BO. - Mittel 

3. BO. AesculusHi m omstan.lAW.\ m . ßelaubungszeit 22 Tage + 5. 

7. BO. Betula alba 1.117.) ^ , , . , 1 1 m 

II 12S ^ e l au ' :)un S szei ^ ü läge — 5. 

8. e.Bl. Ribes Grossularia Tag 111 -f- 6. 

9. e.Bl. Prunus avium Tag 122 + ?0. 

11. e.Bl. Pir us communis Tag 131 — 3. 

Sorte unsicher. 

13. e. Bl. Pir us Malus etwa Tag 140 — 8. 

Sorte unsicher. 

15. BO, Sorbus aucuparia -I. 111.1 1ioT)1 , ., . A m 0 

jj ( 118. Belaub ungszeit 14 läge i 

16. BO. Fagus silvatica I. 132.) 10ß ^ n m 0 

jj j loö. Belaubungszeit 9 läge < 

Allgemeine Bemerkung: [n diesem Jahre hat die spätere 
Belaubung der Bäume und die Obstbaumblüthe länger gedauert 

*) Unter dieser Rubrik ist diejenige Ziffer angegeben, welche zu der i. J. 1892 
beobachteten Terminzahl addirt oder von ihr subtrahirt die in 7-jähriger Periode 
von 1882 — 1888 in Dresden gewonnene Mittelzahl jeder Phase ergiebt. Zahlen mit 
-j- entsprechen also Verfrühungen des Termins, solche mit — entsprechen Ver- 
spätungen. 


112 


als im letzten Jahrzehnt sonst beobachtet, und hat selten so 

viele Sprünge und Unregelmässigkeiten gezeigt. Correction 


17. e. Bl. Aesculus Hippocastanum 147 — 10. 

18. e. Bl. Sy ring a vulgaris 143. . . — 4. 

19. BO. Fraxinus excelsior I. 145.1 ~ AO ^ n m ~ 

II 152 J 148. Belaubungszeit 7 Tage — 7. 

20. e. Bl. Sorbus aucuparia 143 + 4. 

21. e. Bl. Gytisus Laburnum 154 ? 


26. e. Bl. Sambucus nigra 161 -f- 1. 

27. e Bl. Vitis vinifera etwa 176 -{-6. 

Geschütztes Spalier warm gen SO. 

28. e. Bl. Tilia grandifolia 183 + 5. 

29. e. Bl. Lilium candidmn 195 + 2. 

Beginn des Schnittes der Thal- 


wiesen 172. (ausnahmsweise früh; notirt an 

den Uferhöhen bei Blasewitz.) 



Secale cereale 

Jiibernum 



30. 

Feldblüthe 

30. V. 

Tag 161. . 

. . | Intervall J ) 

31. 

Ernteschnitt 

19. VII 

„ 211. . 

. . ( 50 Tage. 


Secale cereale 

aestivum 



32. 

Feldblüthe 

21. VI. 

Tag 183. . 

. . | Intervall *) 

33. 

Ernteschnitt 

10. VIII 

„ 233. . 

. 7 j 50 Tage. 


0 Bemerkung. Die in den Mitthlg. der ökon. Ges. Dresden 
1891/92, S. 115 gemachten Angaben über die Reifedauer des 
Korns, welche in der unteren Cultuiregion im Mittel wenig über 
50 Tagen, z. Th. unter dieser Zeit, liegen, sind insofern mit den 
hier gemachten Angaben unvergleichbar, als dort nach Bruhn’s 
Instruction die Reife, beurtbeilt nach dem Gelbwerden der Halme, 
notirt war, hier aber die wirkliche Schnitt-Ernte des in der Blüthe 
notirten Feldes gefordert wird. 


35. Fr. Aesculus Hippocastanum ca. 265. 

Intervall zwischen Bl. und Fr. 118 Tage. 

(Nicht genaue Beobachtung.) 


38. L. V. Fagus süvatica\ ca 300 1 _ 0 bis 

39. „ Betula alba j J 

40. L. F. Fraxinus excelsior ca. 320. 

Laub- Verfärbung und Abfall sehr allmählich, unbestimmt und 
durch trockne Ost -Stürme im Ausdruck gehindert. 


+ 13. 


— 10 . 

- 6 . 



Berechnung 

der F 

e. Bl. 

Prunus Padus 

139 

e. Bl. 

Perus communis 

131 

e. Bl. 

„ Malus 

140 

B.O. ^ 

Fagus silvatica 

136 


Mittel 137 


riihlingshauptphase. *) 

Mithin eine allgemeine Verspätung 
des Haupt- Frühlingseinzuges, welche 
sonst auf den 130. Tag = 30. April fällt, 
um + 7 Tage, genauer um 6y 2 Tag. 


(also am 6. Mai, da 1892 ein Schaltjahr ist.) 

*) Siehe Isis, Abhandl. 1891, S. 70 — 72. — In diesem Jahre konnten einzelne 
Angaben nur ungenau ermittelt werden, da die Verlegung des botan. Gartens die 
Beobachtungspflanzen gestört hat. 


113 


An dieser Verspätung war besonders der am 1. Mai eintretende Wetter- 
umschlag mit schauderhaftem Schnee- und Graupelwetter Schuld, Luft- 
temperatur Tag’s über -f- 0,5 bis 2,5° C, schmelzender Schnee auf den frisch 
ergrünten Rasenflächen, und ebenso am frühen Morgen des 1. Mai auf den 
damals in Vollblüthe stehenden Pfirsich- und Kirschbäumen nebst Pflaumen 
der Insititia- Gruppe, welche zu Ende April an den Loschwitzer Höhen ein 
rosa und weisses Blüthenmeer auf dem zartgrünen Grunde des noch un- 
entwickelten Laubes gebildet hatten. Alsdann trat starke Beschleunigung 
der Sommer- Phasen ein. 

/ 

II. Phänologische Beobachtungen 1892, Umgebung von Greiz 
Beobachter: Ludwig. 

Die von Prof. Dr. F. Ludwig freundlichst mir mitgetheilten Beob- 
achtungen sind noch grösstentheils nach der früheren Liste phänologi scher 
Phasen angestellt, weshalb die der neuen Liste entsprechenden durch die 
betreffende Ziffer ausgezeichnet sind. Wo es anging, ist die Verspätung, 
welche das Elsterthal bei Greiz gegenüber der Dresdener Elbniederung i. 
J. 1892 gezeigt hat, in Tageszahlen mit dem + Vorzeichen angegeben. 
Es sei dazu bemerkt, dass die mittlere Verspätung von Greiz gegenüber 
Dresden nach den früheren Beobachtungen -\- 3 Tage im Frühling beträgt, 
indem die Frühlingshauptphase dort auf den 3. Mai zu fallen pflegt. 


Blüthen 

e. Bl. Ercmthis hiemalis 
e. Bl. Corylus Avellana 
e. Bl. Hepatica triloba 
e. Bl. Daphne Mezereum 
2. e. Bl. Cornus mas 


Tag 

55 

55 

55 

55 


64. 

69. 

89. 

103. 

105. 


Verspätung im Ver- 
gleich mit Dresden. 


( + 2 ) 



e. Bl. 

Taraxacum offieinale 

Tag 121. 


e. Bl. 

Narcissus Pseuclonarcissus 

55 

124. 

8. 

e. Bl. 

Ribes Grossularia 

55 

124. 


e. Bl. 

„ rubrum 

55 

125. 


e. Bl. 

Prunus spinosa 

55 

126. 

11. 

e. Bl. 

Pirus communis 

>5 

129. 


( + 13 ) 

(- 2 ) 


e. Bl. Narcissus poeticus Tag 156. 

18. e. Bl. Sy ring a vulgaris „ 157. 

17. e. Bl. Aesculus Hippocastonum „ 158. 

( „ „ eine zweite Herbst- 

blüthe beobachtet „ 286.) 

21. e. Bl. Cytisus Laburnum ,, 161. 


(+ 14 ) 
(+ 11 ) 

( + 7) 


26. e. Bl. Sambucus nigra 
29. e. Bl. Lilium canclidum 


Tag 170. 

201. 


55 


( + 9) 

( + 6 ) 


e. Bl. Secale cereale hibernum 
e. Fr. „ „ 

(Ernte?) 


Tag 163. 
220 


55 


:! 


( + 2 ) 

Intervall: 57 Tage. 
( + 9) 


7 


114 


Belaubungen (wahrscheinlich B.O.II.) 

Lar ix decidua Tag 118. 

Aesculus Hippocast. ,, 124. (+2?) 

Betula alba „ 129. (— J— 1 ?) 

Fagus silvatica „ 130., ~ 

(Buchenwald grün „ 144) ^ ’’ 

Tilia grandifolia „ 130. 

„ parvifolia „ 149. 


Fraxinus excdsior Tag 157. (+5?) 
Robinia Pseudacacia „ 157. 

Allgemeine Laub Verfärbung. 

Betula alba Tag 302. 

Aescidus Hippocast. „ 308. 

Fagus silvatica „ 308. 

Tilia parvifolia „ 302. 

Fraxinus excelsior ,, 308. 


Greiz hat also im Vorfrühling eine nur geringe Verspätung gegen Dresden 
gezeigt (wie das mit seiner westlicheren Lage zusammenhängt); dieselbe 
wurde im beginnenden Frühling erst grösser, schlug alsdann zu Beginn 
der Obstbaum blüthe in eine Verfrühung um, und blieb nach dem Kälte- 
rückschlag Anfang Mai eine dauernde Verspätung von etwa 5 bis 14 Tagen. 
Die Daten zur genaueren Berechnung der Frühlingshauptphase fehlen dies- 
mal; Prunus Padus ist dafür wichtig. 


115 


XV. Ueber einen Kieseloolith ans Pennsylvauien. 

Von Dr. W. Bergt. 

(Mit Tafel IV.) 


Gegen Ende des vorigen Jahres wurde dem Director des hiesigen 
K. Mineralogisch-geologischen Museums, Herrn Geh. Hofrath Dr. Geinitz, 
von Herrn George E. Wieland am State College in Pennsylvauien ein 
Gestein unter der Bezeichnung „Siliceous Oolite“ zugesendet, welches dem 
Verfasser zur genaueren Untersuchung überlassen worden ist. 

Hach Barbour und Torr ey*) kommt das Gestein 2 x / 2 engl. Meilen NW. 
vom State College, Centre County in Pennsylvanien mit „flint“ vergesell- 
schaftet als Gerolle vor, welche ein Gewicht bis zu 400 „pounds“ haben. 
Auch 16 Meilen nordwestlich von demselben Orte soll es auftreten. „Das 
vereinzelte Vorkommen und die verwitterte mit Eisenoxyd bedeckte Ober- 
fläche mag es bisher den Augen der Forscher entzogen haben“. 

Unter den zur Verfügung stehenden Handstücken können ohne Wei- 
teres zwei äusserlich von einander verschiedene Arten erkannt werden : 
1. ein dem Eogenstein ausserordentlich ähnliches Gestein, das aus ziemlich 
dicht gedrängten, einen Durchmesser von etwa iy 2 mm aufweisenden 
Kügelchen besteht; 2. eine feinerkörnige Art, deren Bestandtheile ge- 
ringere Ausdehnung und nicht so regelmässige Kugelgestalt besitzen. 
Beiden kommt eine hellgraue Gesammtfarbe zu; die nämliche Härte und 
das gleiche spec. Gewicht von 2,63 deuten auf dieselbe Substanz, ein Glied 
der Quarzfamilie, hin. Wegen ihrer sonstigen abweichenden Eigenschaften 
seien sie getrennt betrachtet. 

Die gröberkörnige Varietät wird, wie schon angedeutet, von ziem- 
lich regelmässig gebildeten, annähernd gleich grossen Kügelchen zusammen- 
gesetzt , welche sich zuweilen aus ihrer Umgebung herauslösen lassen, 
auf verwitterter, gelb gefärbter Oberfläche hervortreten und derselben eine 
höckerige Beschaffenheit verleihen. An ihnen bemerkt man schon mit 
blossem Auge meist einen dunkelen Kern, darum einen weissen Ring, bei 
Betrachtung des Schliffes im durchfallenden Lichte eine durchsichtige Mitte, 
umgeben von einer weissen undurchsichtigen Randzone. Das Miskroskop 
bietet nun Bilder, von denen einige schematisch, aber der Wirklichkeit 
möglichst entsprechend auf Tafel IV. dargestellt wurden. 

Die Gestalt der Durchschnitte zeigt Kreis- (Fig. 1 — 8) oder Ellipsen- 
form (Fig. 9 — 11) sehr häufig von einer Schärfe und Genauigkeit, wie sie 

*) Eine kleine Abhandlung über denselben Gegenstand von E. H. Barbour 
und J. Torrey: „Notes on the microscopic structure of oolite“ im Am. Journ. of 
Science, New Häven, XL, 1890, 246—249, nach der Verfasser eigener Bemerkung 
nur eine vorläufige Mittheilung über diesen Kieseloolith, kam mir erst in letzter 
Stunde zu Gesicht. Sie schien aber die bereits angestellten Untersuchungen nicht, 
überflüssig zu machen. 

Oes. Isis in Dresden, 1992. — Abh. 15. 


116 


auf dem Papier mittels des Zirkels erreicht werden. Die Mitte hält ein im 
Durchschnitt nahezu kreisförmiges (Fig. 1) oder ein mehr oder weniger 
regelmässig abgerundetes, längliches, elliptisches Quarzkorn inne, das durch 
seine einheitliche Polarisation sich als ein abgerolltes Quarzindividuum zu 
erkennen giebt. Züge von winzigen , wie Staub erscheinenden Flüssig- 
keitseinschlüssen , einzelne grössere, mit Luftbläschen versehene gleiche 
Dinge, haarähnliche Striche (Rutilnädelchen), seltener kleine Mineralkryställ- 
chen, grüne Hornblende (?), scharf sechsseitige braune Glimmerblättchen 
sind Erscheinungen, wie man sie aus den Quarzen der älteren Eruptiv- 
gesteine, der krystallinischen und metamorphischen Schiefer kennt. 

Im Allgemeinen scheint wohl eine Abhängigkeit der Gestalt des kugeligen 
Gebildes von der des centralen Quarzkornes zu bestehen, indem ein kreis- 
förmiger Umriss auch ein kreisförmiges Quarzkorn, ein elliptischer gleicherweise 
ein längliches Centrum wahrnehmen lässt. Bei anders gestaltetem Mittel- 
punkt schliessen sich die äusseren Grenzen dem ersteren an, ähnlich Fig. 14. 

In weiteren, durch Fig. 2 und 4 wiedergegebenen B'ällen nimmt die 
Mitte ein zuckerkörniges, farbloses Quarzaggregat ein, dessen Individuen 
die Grösse von etwa 0,028 — 0,28 mm besitzen. An Einschlüssen bemerkt 
man bei starker Yergrösserung winzige Hohlräume mit Flüssigkeit und 
lebhaft sich bewegender Libelle. Hervorgehoben sei, dass das Aggregat 
keine Kataklas-, Zertrümmerungserscheinungen an sich trägt, sondern un- 
verkennbar das Aussehen von ursprünglich gebildeten Körnern besitzt, 
welche sich gegenseitig in der Krystallisation gehindert haben. Am 
ehesten kann man es dem Quarz vergleichen, der sich als ausheilendes 
Mineral auf feinen Gesteinssprüngen vorfindet. 

Die äusseren Grenzen dieses Aggregates sind annähernd ebenfalls 
kreisförmig (man denke sich immer im Durchschnitt ergänzt). Die peri- 
pherischen Körner ragen mehr oder weniger mit ihren Spitzen in die 
Ringzone hinein. Letztere erscheint im gewöhnlichen Lichte infolge 
eines braunen Eisen pigmentes äusserst fein gekörnelt und zuweilen, nicht 
immer, mit zarten concentrischen Ringsystemen kreisförmig oder elliptisch 
(Fig. 1 — 3, 6, 8, 9, 10) von derselben Farbe versehen. Die Ringe stehen 
dicht oder weit, häufen sich an manchen Stellen (Fig. 2), setzen aus 
(Fig. 6), können, wenn sie stark und dunkel sind, noch bei gekreuzten 
Nicols gesehen werden oder verschwinden, wenn sie zart und blass, im 
polarisirten Lichte. Es tritt dann der Untergrund ungestört in bläulich- 
weissen und dunkelblau-grauen Tönen als ein feinestkörniges Aggregat 
hervor, welches grosse Aehnlichkeit mit Feuerstein hat. Seine Elemente 
sind aber etwas grösser, etwa 0,005 — 0,01 mm (in der Zeichnung durch 
Punkte angedeutet). Es füllt den Raum gleichmässig aus und zeigt, dass 
die Ringsysteme nicht der Grundsubstanz, sondern dem Pigment ange- 
hören. Die feinestkörnige, eben erwähnte Substanz erscheint zuweilen 
auch als innerster Kern (Fig. 3) oder wie in Fig. 10 als unmittelbare 
Umgebung des Quarzkornes. Endlich tritt noch in manchen der Kugeln 
ein aus vorwiegend länglichen, mehr stengelartigen Quarzindividuen be- 
stehende Zone auf; sie schiebt sich in Fig. 4 und 5 zwischen das gröber- 
und feinestkörnige Aggregat ein oder bildet wie in Fig 8 fast die innerste 
Lage. Wir sehen, es herrscht grosse Structurmannigfaltigkeit. In Fig. 5 
sind alle erwähnten Arten vereinigt, zu innerst ein grösseres Quarzkorn, 
dann ein gröberkörniges Aggregat, hierauf stengelicher Quärz und endlich 


117 


feinste Substanz. Sie mögen der Kürze wegen von aussen nach innen 
mit Zone a, Z>, c und d bezeichnet werden. Man ist versucht anzunehmen, 
jede Kugel bestehe aus ihnen und, wenn eine oder mehrere, a natürlich 
ausgenommen, fehlte, dann hätten wir es mit Schnitten zu thun, welche 
in geringerer oder grösserer Entfernung vom Mittelpunkt die Kugel träfen; 
ein Schnitt bei a bringe nur die Zone bei b Zone a und b u. s. w. zur Er- 
scheinung. Thatsächlich treten uns im Mikroskop Kreise entgegen, denen 
eine oder mehrere Zonen fehlen. Sehr häufig besteht die ganze Fläche 
aus der feinkörnigen Substanz a. Fig. 4 enthält «, b und c. Diese An- 
nahme mag theilweise richtig sein. Fig. 1, 2 und 3 lehren aber, dass 
nicht alle Kugeln die vier Zonen enthalten, dass sie ferner nicht die an- 
gegebene Reihenfolge bewahren. In Fig. 2 fehlt fr, in Fig. 3 ebenfalls und 
es wiederholt sich a im Innern. Selten nur gesellt sich noch eine fünfte 
Structurform hinzu, eine feinfaserige, radialstrahlige Substanz, welche in 
Fig. 8 das Centrum und mit c abwechselnd Sectoren der mittleren Schicht 
bilden. An ihr bemerkt man, wenn auch in unvollkommener Weise und 
undeutlich Theile des interferenzkreuzes, das sonst nirgends zur Beobachtung 
gelangt. Es ist Chalcedon; zwischen ihm und dem stengeligen Quarz 
bestehen Structurübergänge. 

Eine Eigenthümlichkeit ist besonderer Erwähnung werth, dass nämlich 
die centralen einheitlichen Quarzkörner von dem gröberen Aggregat wie 
„angefressen“ eischeinen, indem die Elemente des letzteren in peripherischen 
Vertiefungen des ersteren wie eingedrückt stehen, eine Erscheinung, welche 
namentlich an den Feldspäthen von Ganggraniten , am häufigsten an den 
porphyrischen Orthoklasen granophyrischer Porphyre häufig vorkommt und 
auf einer magmatischen Resorption von Seiten der noch flüssigen Grund- 
masse beruht. Skelettartige, wie in Fig. 6 halbmondähnliche Formen er- 
innern lebhaft an die ebenfalls durch magmatische Resorption umgestalteten 
Porphyrquarze. In der letzterwähnten Figur glaubt man rechts oben die ehe- 
maligen Grenzen des Quarzkornes durch kleine Reste noch angedeutet zu sehen. 

Nicht immer sind die Kugeln so regelmässig und ungestört gebaut, 
wie sie auf der Tafel dargestellt wurden. Die äusseren Umrisse verlassen 
die scharfe Kreis- oder Ellipsenform ; Auswüchse, Ausbuchtungen finden 
sich angesetzt und sind häufig verursacht durch eine excentrische Lage 
des Quarzkornes (Fig. 9). Die äusseren Schichten haben sich losgelöst, 
sind abgedrückt worden und nachträglich durch grob er körnigen Quarz an- 
gekittet; zerbrochene Kugeln, deren Theile gegeneinander verschoben und 
„wieder angewachsen“: alles Dinge, die bei den Kalkoolithen*) ebenso 
Vorkommen und da ausführliche Darstellung gefunden haben. 

An die Zone rf, welche stets die äusseren Theile bildet, schliesst sich 
häufig ein schmaler Ring von feinfaserigem Chalcedon (Fig 7). Die Grund- 
masse des Gesteins, das die Kugeln verbindende Cement gehört meist einem 
gröberkörnigen Quarz an, dessen Individuen drusenartig senkrecht zu der 
Peripherie der Kugeln und mit dem einen Ende nach dem Innern des 
Zwischenraumes stehen . Wie die „Küstenlinien den Meeresstrand“ (Barbour und 
Torrey) so umgeben oft jede einzelne Kugel wieder Pigmentringe, die sich 
zu zierlichen Figuren verbinden (Fig. 7), ähnlich denen, welche am Achat 

*) Siehe u. A.: Giimbel, Arten der Oolithbildung. Neues Jahrb. f. Min. 1878, 
308. — Loretz, Untersuch, über Kalke und Dolomite. Zeitschi', d. Deutsch. Geol. 
Ges. 1878, 387-414; 1879, 756. 


118 


bekannt sind. Sonst entbehrt die „Grandmasse“ meist der verschleiernden 
braunen Substanz und erscheint als reiner Quarz. Kleine Anfänge zu 
Kugeln sehen wir in Fig. 7 oben rechts und links angedeutet. 

Eine kleine Stelle an einem Handstück liess statt der Kugeln ebenso 
grosse und gestaltete Hohlräume erkennen. Hie Kugeln schienen heraus- 
gelöst oder herausgebrochen. Hie Höhlung kleidete feindrusiger Quarz 
aus, dessen winzige Krystallspitzen in den Innenräum hineinragten. Manche 
der Kugelräume nahm ihrem ganzen Hu rchmesser nach ein wohlausgebildeter, 
wasserklarer Bergkrystall ein. Im Mikroskop konnte man zwischen den leeren 
Kugeln volle erkennen, welche durchaus den oben beschriebenen gleichen. 

Einen ganz anderen Anblick gewährt, wie schon die Vergleichung 
der Eig. 12—17 mit den vorhergehenden schwach erkennen lässt, die 
zweite Art des Kieseloolithes im Mikroskop. Hie etwa in den Grenzen 
0,2 — 1 mm schwankenden, letztere Grösse aber selten erreichenden run- 
den Gebilde zeigen in Bezug auf äussere Gestalt die gleichen Eigenschaften 
wie die Elemente der grosskugeligen Varietät. Ein einheitliches abgerun- 
detes Quarzkorn bildet meist den Kern (Fig. 12 und 13), aber das gröber- 
und feinestkörnige Aggregat tritt ausserordentlich zurück, dafür überwiegt 
bei Weitem der stengelige Quarz, dessen Individuen radialstrahlig gestellt 
und wie dort durch das braune Pigment verschleiert sind. Hie Ringsysteme 
fehlen. Eine Art Schichtenstructur wird zuweilen dadurch hervorgerufen, 
dass mehrere Zonen von stengeligem Quarz sich ziemlich scharf gegen 
einander absetzen (Fig. 17). Weisse oder braunwolkige undurchsichtige 
amorphe Kieselsäure, wahrscheinlich Kieselsinter, welche in dem zuerst 
beschriebenen Oolith selten dem Auge sich darbietet, tritt hier viel häufiger 
auf als eine mittlere oder nach aussen abschliessende Zone (in Fig. 16 
durch schwarze Ringe dargestellt). Eigenthümlich ist die aus grösseren 
„Bausteinen^ gewölbeartig zusammengesetzte mittlere Schicht in Fig. 15. 
Im Uebrigen erklären sich die Fig. 12 — 17 nach den vorausgegangenen 
Bemerkungen von selbst. 

Hie so gestalteten runden Elemente liegen recht dicht aneinander, 
so dass wenig Platz für die Zwischenmasse übrig bleibt. Letztere stellt 
ein mikroskopisch feinkörniges oder, wenn der Zwischenraum weiter ist, 
ein gröberkörniges Quarzaggregat dar. 

Einzelne abgerundete dunkle Partieen wurden als Gesteinsbruchstücke 
gedeutet, ihre Bestimmung war wegen der dichten braunen Verhüllung 
unmöglich. Nur eines konnte als Quarzitschiefer mit langen gestreckten 
Quarzen angesprochen werden. 

Chemisches. Hie mikroskopische Untersuchung giebt schon unge- 
fähr Auskunft über die chemische Zusammensetzung des Kieseloolithes; 
ein genaues Bild liefert natürlich nur die chemische Analyse. In der 
untenstehenden Uebersicht finden sich die Analysen von folgenden Gesteinen 
vergleichsweise zusammengestellt : 

1. Kieseloolith aus Pennsylvanien 1 . T . . , rn 

2. Einzelne Kugel aus demselben / nach Baibour und Torre ^ 

3. Kieseloolith, I. Art \ ^ r n 

4 2 Art i vom Verfasser; 

5. Verkieselter Oolith nach Knop.*) 


*) A. Knop, Die Kieselsäureausscheiclungen etc. N. J. f. Min. 1874, 281, 


119 


1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

Si0 2 95,83 

99,99 

98,72 

98,26 

96,95 °ij 

Fe 2 Ö 3 1 ~ qo 
A1 2 0J 2 - 93 

0,01 

0,54 

0,62 

(0,54 „ 

l- „ 

Ti0 2 - 

— 

— 

— 

1,53 „ 

CaO 1,93 

— 

0,09 

0,19 

11 

MgO Spur 

— 

— 

— 

11 

KgC^NagO — 

— 

0,26 

0,28 

„ 

Glühverl. — 

— 

0,34 

0,51 

11 

100,69 

100,00 

99,95 

99,89 

99,02 X 

Aus Analyse 1 

— 4 geht hervor, dass der 

Kieseloolith 

ein sehr kiesel- 

säurereiches Gestein 

ist. Analysen 1 und 2 

einerseits, 3 

und 4 anderer- 

seits weichen nicht 

unwesentlich 

von einander ab, indem 

Nr. 1 fast 3 °/ 0 


weniger als 3 und 4, 2 dagegen über 4 °/ 0 mehr Si0 2 als 1 angiebt. 
Fe 2 0 3 -(- A1 2 0 3 nimmt in 2, 3 und 4 in beträchtlich geringerer Menge 
Theil. Woher kommen bei der Nichtbeachtung des Unterschiedes im 
CaO-Gehalt diese Abweichungen, wenn man gleiches Untersuchungsmaterial 
voraussetzt? Der Verfasser glaubt in der Lage zu sein, die Erklärung zu 
geben. Bei Analyse 3 und 4 wurden zwei Arten des Aufschlusses ange- 
wendet, einmal mit kohlensauren Alkalien und zweitens mit Flusssäure. 
Im ersten Falle ergab sich zunächst ein der 1. Analyse ähnlicher Gehalt 
von Si0 2 . Löste man die erste Ausfällung von Fe 2 0 3 -(- A1 2 0 3 , welche 
übrigens zum grössten Theil aus Fe 2 0 3 besteht, um nochmals zu fällen, so 
blieb ein unlöslicher Rückstand von Si0 2 , welcher zu Obigem addirt den 
Kieselsäureantheil bedeutend erhöhte und dem in Analyse 3 und 4 gleich- 
brachte. Er stimmte dann gut mit den Resultaten des Flusssäureauf- 
schlusses überein. Der bedeutende Eisengehalt in Analyse 1 mag so auf 
Kosten der Kieselsäure erlangt sein. Ausserdem scheinen mir Analyse 1 
und 2 in Bezug auf Fe 2 0 3 + A1 2 0 3 in Widerspruch mit dem mikrosko- 
pischen Befund zu stehen. Die Kugeln lassen sich nur aus der ersten 
Art unseres OoJithes herauslösen; es kann also nur diese in Betracht 
kommen. In ihr ist das Eisen weit mehr an die Kugeln mit den breiten 
braunen Ringzonen gebunden, während die ziemlich grobkörnige Zwischen- 
masse vorwiegend wasserhell ist oder wenig Pigment enthält. In Analyse 
2 müssten wir demnach nicht nur nicht kleinere Zahlen für Fe 2 0 3 er- 
warten, sondern vielmehr grössere. 

Mag dem sein, wie ihm wolle, auch die Analyse bestätigt die Rich- 
tigkeit des Namens Kieseloolith , der aber in Anbetracht des Umstandes, 
dass wir vorwiegend Quarz darin haben, zum Unterschied von etwaigem 
Chalcedon- oder Opaloolith besser in Quarzoolith umzuändern wäre. 

Der Glühverlust ist, wie zu erwarten, gering. Er muss wohl vorwiegend 
dem Wassergehalt, zu einem kleinen Theile etwa vorhandenem kohlensauren 
Kalk, vielleicht auch geringer organischer Substanz zugeschrieben werden. 

Auffallend ist das gänzliche Fehlen des Kalkes in Analyse 5 des ver- 
kieselten Kalkoolithes. Sollte hier auch ein primärer Kieseloolith ange- 
nommen werden können? 

Um den Gehalt an amorpher Kieselsäure festzustellen, wurde das 
Gesteinspulver in Kalilauge von bestimmter Concentration eine Stunde 
gekocht. Die Ergebnisse, welche 7 — 10 °/ 0 lösliche Si0 2 zeigten, waren je- 


120 


doch wenig übereinstimmend und befriedigend. Sie können ausserdem kein 
wahres Bild von der anwesenden Menge amorpher Kieselsäure geben, da 
nach Kam meisberg auch die äusserst feinkörnigen, kryptokristallinen 
Quarzarten von HKO gelöst werden. 

Litteratur. Wie es scheint, ist mit diesem Kieseloolith aus Penn- 
sylvanien zum ersten Mal ein derartiges Gebilde bekannt geworden. Es 
gelang mir nicht, in der Litteratur die Erwähnung gleicher Dinge aufzu- 
finden. Zwar kommen im Opal und Chalcedon oolithische, besser sphärolithische 
Bildungen vor; sie sind längst bekannt und beschrieben namentlich von 
Behrens, können aber doch keineswegs mit unserem Kieseloolith ver- 
glichen werden. 

Aehnlicher scheint ein von H. Finckel stein*) erwähnter Hornstein- 
oolith zu sein. Nach ihm „liegt über den Schichten des braunen Jura ein 
gelblicher oder bräunlicher, zuweilen ins Graue spielender groboolithischer 
Kalk, welcher vollständig von Kieselsäure durchtränkt ist und grosse Horn- 
steinausscheidungen führt. Oft gleicht er petrographisch dem Oolith des 
mittleren Dogger, aber grössere Härte, ein besonderes Klingen beim An- 
schlägen und der grosse Kieselsäuregehalt ermöglichen stets eine sichere 
Trennung“. Leider ist hieraus zu weiterer Vergleichung nichts zu ersehen. 

Einen verkieselten Oolith erwähnt ferner Knop aus der südwest- 
deutschen Trias im oberrheinischen Gebiete. Es ist ein Hornstein mit 
oolithischer Structur von brauner bis bräunlich schwarzer, öfters ins hecht- 
graue sich ziehender Farbe, welche in den der Verwitterung ausgesetzt 
gewesenen Regionen hellgrau wird. Die chemische Analyse wurde auf 
S. 119 mitgetheilt. Herrn Geheimrath Prof. Dr. Zirkel verdanke ich 
folgende Notiz: „Wichmann beschreibt aus den Landschaften Rawas und 
Lebong in Mittel-Sumatra ein eigentümliches , oolithisches Kieselgestein: 
die oolithähnlichen Körnchen besitzen einen Kern von Magnetit, welcher 
zunächst von einer Schale farblosen Quarzes umgeben ist, auf welche nach 
aussen eine breite Quarzschale folgt, die eine dunkle Substanz und einige 
kleine Magnetitkörnchen enthält.“ 

Behrens schildert in seinen ausführlichen „Mikroskopischen Unter- 
suchungen über die Opale“ **) Dinge, in denen man unserem Oolith recht Aehn- 
liches zu erblicken glaubt. Sowohl radialstrahlige wie concentrischschalige 
Schichtenstructur kommt in den Opalen häufig vor. Freilich besitzen die 
Spärolithe meist geringe Ausdehnung. Behrens giebt solche an von 
0,019 — 0,068 mm Durchmesser. Die Mitte des Streifen Systems nimmt 
oft ein rundliches Gesteinsstückchen ein, bisweilen ein Luftbläschen. Wenn 
das Gesteinsstückchen von länglicher Form ist, so wird das zugehörige 
Streifensystem elliptisch oder oval, ja es kann Vorkommen, dass sich um 
ein stark ausgezacktes Stückchen ein Complex von Systemen mit ein- 
springenden Winkeln und mehreren Mittelpunkten bildet. Im Hyalit von 
Bohunitz haben die Streifensysteme einen Durchmesser von 1,94 — 1,12 mm. 
Im Perlsinter treten Kugeln und Knollen auf, die bis 1 cm Durchmesser 
haben und dem Gestein ein oolithisches Gefüge verleihen. Sie sind von 
nicht ganz regelmässig concentrisch-schaligem Bau, aus abwechselnd farb- 
losen und weissen Lagen gebildet. 

*) Der Laübenstein bei Hohen-Aschau. N. J. f. Min., Beil. Bd. VI, 59 ff. 

**) Sitz -Ber. d. Wiener Ak., mathem.-naturw. Kl., LXIV, 1871, 519 — 564. 


Im hiesigen K. Mineralogisch-geologischen Museum fand sich ein 
kleines Stück eines aus dicht gedrängten, 2—3 mm grossen Kugeln be- 
stehendes Gestein aus Sibirien mit der alten Bezeichnnng: „Feuerstein?“ 
Es ist, wie das Mikroskop lehrt, durchaus amorphe Kieselsäure. Kugelige 
und elliptische Sphärolithen mit zierlichen concentrischen Ringen und im 
polarisirten Licht Interferenzkreuz zeigend. 

Endlich stellte Herr W. Putscher, Dresden, aus seiner eigenen 
Sammlung in freundlicher Weise ein Chalcedongeschiebe von Ceylon und 
pisolithischen Quarz von Aegypten zur Verfügung, so dass von beiden 
Schliffe angefertigt werden konnten. Das Chalcedongeschiebe von Ceylon 
zeigte auf seiner glatten abgerollten Oberfläche ein unserem Oolith recht 
ähnliches Aussehen: scharf umrandete Kugeln mit weissen Rändern. . Sie 
erwiesen sich im Mikroskop durchgehends als radialstrahlige Chalcedon- 
sphärolithen, welche durch körnigen Quarz verkittet werden. 

Der pisolithische Quarz aus Aegypten ist im Jahre 1851 von Kenn- 
gott*) nach einem in der Sammlung des K. K. Hofmineralien cabinets be- 
findlichen Handstück einer Untersuchung unterzogen worden. Mit ihm 
stimmt nach Kenngott’s Beschreibung der pisolithische Quarz des Herrn 
Putscher vollkommen überein. Letzteres ist ein durch Wasser abge- 
rolltes, etwa 3 cm grosses höckeriges ziegelrothes Geschiebe von dicker 
Scheibenform, wie man solche in Flüssen antrifft. Auf der Oberfläche 
gewahrt man ringförmige Wülste, sogenannte Kieselringe, welche in der 
Mitte eine Vertiefung mit weissem Kern haben. Das Mikroskop zeigt 
radialstrahlige Chalcedonsphärolithen mit Interferenzkreuz und sphärolithen- 
ähnliche Krystallisationsgruppen von Quarz: um einen imaginären oder 
wirklichen Mittelpunkt in Gestalt seltener eines runden, mehr eines eckigen 
Quarzkornes sind nach allen Richtungen Quarzkrystalle angeschossen, 
die sich natürlich besonders seitlich gehindert haben. Den innersten Kranz 
setzen kleinere, kürzere Individuen zusammen, nach aussen werden sie 
immer länger. Die Zwischenräume, die jedoch hier sich structurell fast 
gar nicht abheben, werden von grobkörnigem Quarz ausgefüllt. 

„Diese in ihrem Aussehen eigenthümliche Bildung“, sagt Kenngott , 
„lässt sich dadurch erklären, dass in einem kieseisäurehaltigen Fluidum 
sich um irgend welche gegebene Mittelkerne viele dergleichen Kugeln 
bildeten, dass dieselben niederfielen und mit einander durch ein quarziges 
Bindemittel verkittet wurden, welches nach und nach das Ganze zu einer 
grossen Masse umschloss, wie wir es in ähnlicher Weise bei dem Erbsen- 
stein finden, bei welchem sich aber die Kalktheilchen schalig um die ge- 
gebenen Mittelkerne anlegen.“ 

Im Ganzen ist die Aehnlichkeit dieses geschilderten Quarzes mit 
unserem Kieseloolith recht gering, auch die Analogie mit dem Erbsenstein 
in der Bildung beschränkt sich nur auf die Ausscheidung im Wasser. 

Entstehung. Die erste Frage, welche bei der Erörterung über die 
Bildung des Kieseloolithes zu beantworten nöthig erscheint, ist: Haben 
wir in ihm ein ursprüngliches Gestein vor uns oder nur das Umänder- 
ungsproduct eines anderen und dann welchen primären Gesteines? 


*) Notiz über ein eigentümliches Vorkommen des Quarzes, in Sitz.-Ber. d. K. 
Ak. d. Wiss., mathem.-naturw. Kl., IX, 605 — 707. 


122 


Es wurde oben ein v erkieseiter Kalkoolith erwähnt. Barbour und 
Torrey beschreiben einen Kalkoolith mit 2,10 °/ 0 Si0 2 und 85,99 °/o CaC0 3 , 
einen Kieselkalkoolith*) (lime silica oolite) mit 3,70 °/ 0 Si0 2 und 88,71 °/ 0 CaC0 3 , 
einen Kalkkieseloolith (silica lime oolite) mit 56,50 °/ 0 Si0 2 , 16,84 °/ 0 CaCÖ 3 
und 2,68 °/ 0 MgC0 3 von Jowa river zusammen mit dem Kieseloolith von 
Pennsylvanien und sprechen die Möglichkeit und Vermuthung aus, dass 
die drei letzteren aus einem Kalkoolith durch Verkieselung entstanden 
sein könnten, ohne dass sie vorläufig auf eine Untersuchung dieses Punktes 
eingehen, Uebergangsformen, der chemischen Zusammensetzung nach, 
stehen mir nicht zur Verfügung. Das blosse Nebeneinandervorkommen 
von Kieselkalk- und Kalkkieseloolith, selbst in einem Handstück, ist zu- 
nächst noch kein Beweis für die nachträgliche Entwickelung des einen 
aus dem anderen. Es Hesse sich ebensogut erklären durch eine Aenderung 
der Lösung, aus der sie ausgeschieden worden sind, ähnlich wie der 
Uebergang von Kieselkalken in Kalksandsteine und reine Sandsteine, der 
sich zuweilen in dem engen Raum eines Dünnschliffes vollzieht, auf die 
ursprünglichen Bildungsbedingungen zurückgeführt werden kann. Die 
von mir untersuchten Präparate des pennsylvanischen Kieseloolithes Hessen 
nicht das kleinste Flitterchen Kalk erkennen und die chemische Analyse 
ergab nur 0,09 °/ 0 CaO, auf CaCOo umgerechnet 0,16 °/ 0 . Die mikro- 
skopische Structur bietet auch nicht den geringsten Anhalt für obige An- 
nahme. Jedoch soll die Möglichkeit nicht geleugnet werden. Eine zweite 
Annahme besässe nach dem Beobachteten mehr Wahrscheinlichkeit für sich, 
dass nämlich der fast reine Quarzoolith ein verquarzter sphärolithischer 
Chalcedon ist. Die einzeln versprengten Theile von radialsfrahligem Chal- 
cedon, welche oft unvermittelt neben dem Quarzaggregat auftreten, müssten 
als Ueberbleibsel des ursprünglichen Gesteines gelten. Merkwürdig und 
schwer erklärbar blieben ebenso wie bei der Verkieselung eines Kalk- 
oolithes die regelmässige Zonenbildung. Die Unregelmässigkeiten brauchen 
nicht dem etwa ohne Rücksicht auf die vorhandenen Schichten und Zonen 
auskrystallisirenden Quarz zugeschoben zu werden; sie kommen ja auch in 
Kalkoolithen vor, deren Entstehung auf bewegtes Wasser zurückgeführt 
werden muss. 

Sprechen wir den Kieseloolith, wie er vorliegt, als ein ursprüngliches 
Gestein an und betrachten wir chemische Zusammensetzung und Structur 
im Wesentlichen als eine solche, wie sie bei der Bildung entstanden ist, 
so giebt es nur, da ein eruptiver Ursprung ausgeschlossen erscheint, die 
Möglichkeit der Ausscheidung aus Wasser. Barbour und Torrey er- 
wähnen organische Reste als Kerne, mir sind solche nicht zu Gesicht ge- 
kommen. Für die Annahme, dass die Kugeln verkieselte Organismen 
wären, fehlt jeglicher Anhalt in Gestalt von Structurresten. So bleibt nur 
eine dem Erbsenstein vollständig analoge Bildung übrig und ihr stehen 
keine Bedenken und Schwierigkeiten entgegen. Zwar ist das Lösungsver- 
mögen des Wassers der Kieselsäure gegenüber sehr gering, indem es nach 
Bischof nur 0,0001 ° 0 seines Gewichtes Si0 2 aufzunehmen vermag. 
Aber der Gehalt an Kohlensäure, besonders kohlensauren Alkalien, 
und höhere Temperatur vermögen die Löslichkeit der Kieselsäure bedeu- 

*) Anm. Entgegen dem deutschen Sprachgebrauch bezeichnen sie den Kalkoolith 
mit SiOj als „lime silica oolite“ und den Kieseloolith mit Kalk „silica lime oolite“. 


123 


tend zu steigern. Die in den Enhydros eingeschlossene Flüssigkeit ent- 
hielt nach Günibel*) 0,0032 % Si0 2 ; das ist mehr als das Dreissigfache 
der oben angegebenen Menge. Doch dieser Erörterung bedarf es gar 
nicht, sehen wir ja überall und allezeit die Ausscheidung von Kieselsäure 
als krystallisirte oder amorphe Form in beträchtlicher Menge vor sich 
gehen, auf Gesteinsklüften, aus Mineralquellen, namentlich in den be- 
kannten heissen Quellen auf Island und Neuseeland. Ja von Fritsch**) 
hat die Bildung von Quarz im Meere durch Untersuchung einiger bei der 
Challengerfahrt gesammelten Meeresgrundproben wahrscheinlich gemacht. 
Auch Nordamerika, besonders die Rocky Mountains sind reich an heissen, 
Kieselsinter absetzenden Quellen, deren es dort gegen Tausend giebt, da- 
runter 30 thätige Geysirs. Nach Peale***) kennt man in den Vereinigten 
Staaten jetzt 8843 Mineralquellen. Es ist daher keineswegs gewagt, wenn 
man an der Bildungsstätte des Kieseloolithes eine ehemalige heisse, geysir- 
artige Quelle voraussetzt, wie dies z. B. auch Kornhuberf) und Krennerff) 
thun wegen des Vorkommens von Pisolith im Neubraer Comitat, bez. 
bei Ofen. 

Wie hat man sich nun die Bildung des Kieseloolithes im Einzelnen 
zu denken? Wie beim Karlsbader Erbsenstein und anderen ähnlichen 
Dingen muss hier eine kreisende, strudelnde Bewegung zur Erzeugung 
der runden Formen und concentrischen Schichten zu Hülfe genommen 
werden, wenigstens bei der grobkörnigen Varietät, und andererseits wegen 
der structurellen und zum Theil stofflichen Verschiedenheit der Schichten 
ein periodisches Verschiedensein der Bedingungen. Wie gestaltet freilich 
letztere sein müssen, um einmal einen gröberkörnigen , ein ander Mal 
stengeligen , dann einen äusserst feinkörnigen Quarz, Chalcedon oder 
amorphe Kieselsäure ausscheiden zu lassen, dazu reichen augenblicklich 
unsere minero- und petrogenetischen Kenntnisse und Erfahrungen ebenso 
wenig aus wie zur eingehenderen Erklärung z. B. der verschiedenen 
Grundmassenausbildungen der Porphyre, der mikrogranitischen, grano-, 
felso- und vitrophyrischen. Zweifellos spielen in unserem Falle chemische 
Zusammensetzung der Minerallösung, Temperatur, Schnelligkeit der Be- 
wegung im Wasser eine Rolle, ebenso der Umstand, ob die Kieselsäure- 
ausscheidung in das Wasser hinein erfolgte oder an die Luft, d. h. ob die 
ausgeschiedene Kieselsäure noch weiter von Wasser umgeben war oder 
ob dasselbe schneller oder langsamer verdunsten konnte, ob also die Dia- 
genese wirksam war oder nicht. Wir sehen, die Verhältnisse, die wir- 
kenden Bedingungen sind zahlreich, noch mehr ihre Verbindungen und 
Verwickelungen. Thatsache scheint zu sein, dass aus körnigkrystallisirter 
Kieselsäure bestehende Oolithe sich nicht an der Luft, als oberflächlicher 
Quellenabsatz bilden. Denn der sogenannte Perlsinter besteht meist aus 
amorpher Kieselsäure und Chalcedon. Es liegt die Vermuthung nahe, 
dass der Boden einer heissen Quelle, der Grund des Beckens, in den sie 

*) Enhydros. Sitz.-Ber. der Münchener Ak., X, 1880, 245; u. Nachtrag zu den 
Enhydros. Ebenda, XI, 1881, 321. 

**) K. v. Fritsch, Allgemeine Geologie. 1888, 248. 

***) Mineral springs of the United States. Bull. U. St. geol. Survey, No. 32, 1886. 

t) Pisolith aus dem Neubraer Comitat. Sitz.-Ber. d. Ver. f. Naturw. Press- 
burg, ^ IV, 49. 

tt) Ueber die pisolithische Structur des diluvialen Kalktuffes von Ofen. Jahrb. geol. 
Reichsanst. Wien, XIII, 1863, 462 — 65. 


124 


mündet, bedeckt ist mit Bildungen, welche unserem Kieseloolith ähn- 
lich sind. 

Auffallend erscheint, dass nur Quarz als Kern der Kugeln auftritt. 
Wenn derselbe, wie man annehmen muss, aus zertrümmerten, verwitterten 
Gesteinen stammt und in die Quelle hineingerathen ist, so sollte man auch 
bisweilen ein Feldspath- oder anderes widerstandsfähiges Mineralkorn er- 
warten. Wahrscheinlich wurden letztere von der heissen Mineralquelle 
gelöst, bemerkten wir doch selbst am Quarz geringere oder grössere Spu- 
ren des Angegriffenseins. Andererseits scheint aber auch die Zufuhr an 
Mineralsubstanzen, welche nicht Kieselsäure sind, bei manchen heissen 
Quellen gering zu sein Nach Sandberger’s Analyse vom Wasser des 
grossen Geysirs auf Island nimmt die Kieselsäure mit 0,5097 °/ 0 , das ist 
also weit mehr als im Enhydroswasser, die erste Stelle ein. Darauf 
kommt als Höchstes 0,1939 % für Ka 2 C0 3 . 

Ein in eine solche Quelle hineingerathen es, mehr oder weniger abge- 
rolltes Quarzkorn wurde entweder theilweise aufgelöst, benagt oder es 
krystallisirte weiter: in vollkommen physikalischer Uebereinstimmung mit 
ihm setzte sich neue Quarzsubstanz an, so dass die Grenze zwischen bei- 
den nur durch staubartige Ansätze an der Oberfläche des ursprünglichen 
Kornes noch erkannt werden kann (Fig. 11). Durch irgend welchen Um- 
stand wurde dieses Weiterwachsen gestört, es bildete sich vielleicht in 
nicht allzusehr bewegtem Wasser grobkörniges, in schneller kreisender 
Lösung ein feinkörniges Aggregat und so fort. Man würde sich allzusehr 
auf das Gebiet der Speculation begeben, wollte man die Theorie der Bil- 
dung weiter ausführen. 

Wie kommt aber in das Centrum mancher Kugeln ein grob- oder 
feinkörniges Aggregat? Diese Erscheinung könnte erklärt werden durch 
die weiteren nicht unwahrscheinlichen Annahmen: in der Quelle bildete 
sich an ruhigeren Stellen gröber-, an bewegteren feinerkörniges Aggregat. 
Sie wurden in die Bewegung hineingerissen oder an Orte mit anderen 
Bedingungen geführt und dienten als Krystallisationskerne. 

Ein Beweis für die Bildung des gröberkörnigen Aggregates an ruhigeren 
Stellen, auf dem Boden, scheint mir in der Thatsache zu liegen, dass die 
die Kugeln verkittende Zwischenmasse meist aus grösseren Individuen 
besteht. Die Verbindung, Cementirung der Kugeln erfolgte natürlich am 
Boden, nachdem sie infolge ihrer Grösse und Schwere vom bewegten 
Wasser nicht mehr getragen, niedergefallen waren. Ferner kann ein Be- 
weis für die Ausscheidung des feinkörnigen Aggregates an Stellen mit 
kräftigerer Bewegung darin gesehen werden, dass die äusserste Zone stets 
der zuletzt erwähnten Substanz angehört. Beim Ansatz des peripherischen 
Ringes war, um die grössere Kugel schwebend zu erhalten, eben eine 
stärkere treibende Kraft nöthig. 

Bei der Bildung der zweiten Art unseres Kieseloolithes herrschte 
nicht der Wechsel der Bedingungen. Das Fehlen der Ringsysteme, der 
verschieden struirten Zonen deutet darauf hin, dasser nicht in lebhaft kreisendem 
Wasser entstand. Welcher Gestalt freilich die Verhältnisse gewesen sein 
mögen, die solche chalcedonartige radialstrahlige Quarzsphärolithen er- 
zeugten, die Frage vermögen wir nicht zu beantworten. 


AMiandl. d.Isis in Dresden, 1892. 


Taf . I. 



P Recbisck, dd. 


Qebr. Dresden. 



Taf. E. 


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Äbliandl. d. Isis in Dresden, 1892. 


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(jthr Munkel, Dresäm. 







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Taf. W. 


Abhandl. d.Isis in Dresden, 1892. 


















AlaidliM 


der 


Naturwissenschaftlichen Gesellsch aft 


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i n I) r e s cl e n. 


Herausgegeben 

von dem Redactions - Comite. 


Jahrgang 1893. 


(Mit Abbildungen im Text.) 



Dresden. 

In Commission von WaFQ&tz & Lehmann, Königl. Sachs. Hofbuchhändler. 

1894. 



Inhalt des Jahrganges 1893. 


I. Sitzungsberichte. 

I. Sektion für Zoologie S. 3. und 23. — Drude, 0.: Neue Plankton- 

Litteratur S. 3; die Apochromat-Objective von Zeis S. 23. — Reibisclij 
Tb.: Vorlage und Besprechung von Raubthierschädeln S. 23. — Reiche, K.: 
Die Hoch- und Küsten-Cordillere Chile’s S. 3. — Schiller, K.: Vorlage 
einer Sertularia S. 3; die sächsischen Cicaden S. 23. — Excursion 
nach Tharandt S. 3. 

II. Section für Botanik S. 4 und 23. — Drude, 0.: Der winterliche Wurzel- 
schutz der Bäume, Führung durch den Königlichen Botanischen Garten, 
topographische und floristische Mittheilungen über die Karpathen S. 4; 
die Vegetations- Regionen der Central - Karpathen S. 23; die neueren 
Strömungen auf dem Gebiete der botanischen Nomenclatur, neue 
Litteratur S. 24; Vorlagen S. 24 und 25. — Reiche, K. : Die Cultur- 
pflanzen in Chile S. 4. — Schiller, K. : Kryptogamen aus der Tatra S. 
24. — S chor ler, B. : Bereicherungen der Flora Saxonica S. 25; neue 
Litteratur S. 24. — Wobst, A. : Die Formender Gattung Rosa von Dresden 
und Umgebung S. 24; neue Rubus- Arten aus Sachsen S. 27. 

III. Section für Mineralogie und Geologie S. 5 und 27. — Danzig, E.: 
Die Gliederung des oberen Quaders südlich von Zittau S. 30. — Drude, 0.: 
Litteraturbesprechung S. 29. — Ebert, 0.: Vorlage S. 6. — Engel- 
hardt, H.: Die diluvialen Ablagerungen von Klinge bei Cottbus, Vor- 
lagen S. 5; Braunkohlenpflanzen von Vetschkau S. 6; Tertiärpflanzen aus 
Bolivia S. 30. — Friedrich, E. : Bimssteine und Schlacken von den 
Nordseeküsten S. 6. — Geinitz, H. B. : Verstorbene Mineralogen und 
Geologen S. 5 und 27 ; der Geschiebemergel an der Stoltera bei Warne- 
münde S. 5; Bericht über einen Ausflug nach Oberbayern S. 27; der 
Pönitenten-Schnee, Werner-Denkmal in Löbtau S. 6; neue Litteratur S. ß 
und 29; Vorlagen S. 27. — Stelz n er, A.: Die südafrikanischen Dia- 
mantengruben S. 6. — Wolf, Th.: Die Goldgruben von Vöröspatak S. 29. 
— Zschau, E.: N. ,T. von Kokscharow f S. 5. — Excursion nach 
Zschertnitz S. 7. 

IV. Sectiou für prähistorische Forschungen S. 7 und 31. — Deich- 
müller, J. : J. von Boxberg f S. 31; verstorbene deutsche Alterthums- 
forscher, Gefässe aus dem Gräberfelcle von Kl. Saubernitz S. 7 ; neue 
Litteratur S. 8. — Döring, H. : Neolithische Funde von Cotta bei Dresden 
S. 7; Steingeräthe von Möritzsch, Nünchritz und Leckwitz S. 8; der Burg- 
wall von Leckwitz S. 8 und 31; die Insel Rügen S. 31. — Ebert, 0. : 
Grünsteinbeil von Briessnitz bei Dresden S. 7 ; neue prähistorische Funde 
bei Dresden S. 8. — J ent sch, A. : Vorgeschichtliches aus der Nieder- 
lausitz S. 32. — Osborne, W. : Die vorgeschichtlichen Forschungen in 
Bayern S. 31. — Schneider, 0.: Neue Funde aus den Ruinenstätten 
des Somalilandes S. 7. — Excursion nach Nünchritz und Leckwitz 
S 8 

V. Section für Physik und Chemie S. 8 und 32. — Burkhardt, A.: lieber 

eine Rechenmaschine S. 10. — Corsepius, M. : Verwendung von Speicher- 
zellen zum Betrieb von Fahrrädern S. 10. — Freyberg, J.: Vermeidung 
von Schäden durch Blitzschläge S. 9. — Krebs, W.: Blitzschlagunter- 
suchungen in Hamburg S. 9. — Naumann, A.: Ueber Mikrochemie S. 
33. — Rittershaus, Tr.: Mittheilungen zur Geschichte der Rechen- 
maschinen S. 9. — Wittin g, A. : Untersuchungen an offenen und ge- 
deckten Lippenpfeifen von nichtcylindrischer Form, mit Bemerk, von H. 
Klein, S. 32. — Zetzsch e, E. : Ueber Stationsrufer S. 8; Relais für 
Untersee-Kabel-Telegraphie S. 10; der mehrfache Telegraph des Amerikaners 
J. Ghegan S. 32. 

VI. Section für Mathematik S. 10 und 33. — Hartig, E.: Die Abhängig- 
keit des Elasticitätsmoduls des geraden Stabes von der specifischen Bean- 


spruchung S. 10, mit Bemerk, von M. Krause S. 11. — Kopeke, Gl.: 
Die Construction der neuen Blasewitz-Loschwitzer Elbbrücke S. 11. — 
Rohn, K.: Kummer’sche Modelle von Flächen 4. Ordnung S. 33. — 
Witting, A.: Instrumente zur Darstellung der Fourier’ sehen Reihenent- 
wickelung, mit Bemerk, von G. Helm, S. 33. 

VII. Hauptversammlungen S. 11 und 34. — Veränderungen im Mitglieder- 
bestände S. 15 und 35. — Beamte der „Isis“ im Jahre 1894 S. 39. — 
Kassenabschluss für 1892 S. 12 und 18. — Voranschlag für 1893 S. 12 
und 19. — Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse S. 39. — Geschenke 
für die Bibliothek S. 24 und 34. — Bericht des Bibliothekars S. 41. — 
JVerner-Denkmal S. 12. — Besuch des „Prometheus“ S. 12. — Drude, 
0.: Die modernen Bestrebungen der Floristik S. 14-, Reise in die Tatra 
S. 34. — Ebert, R. : B. Vetter f S. 12. — Engelhardt, H. : Der 

Charakter der Tertiärfonnation, Frauen mauerb öhle bei Eisenerz S. 34. — 
Freyberg, J. : Apparate und Modelle zur Veranschaulichung elektro- 
dynamischer Vorgänge und der Fortpflanzungsgesetze der Wellen- 
bewegung S. 34. — Geinitz, H. B.: R. Körner f, C. Rückert f S. 12; 
Eishöhle bei Saalburg S. 34. — Helm, G.: Die Ansätze zu einer mathe- 
matischen Chemie S. 13; die mathematisch -physikalische Ausstellung 
in München S. 34. — Neubert, G. : Falb's kritische Tage und die Regen- 
beobachtungen in Sachsen S. 12. — Nits che, H. : Die Arten der Gattung- 
en^/? ocampa , mit Bemerk, von 0. Schneider S. 12. — Schlimpert, 
A. : Pflanzen -Vorlagen S. 14. — Schneider, 0.: San Remo und seine 
Thierwelt im Winter S. 11. — Vater, H. : Die Theorie der Krystall- 
structur S. 34. — Zs eh au, E. : Vorlage S. 34. — Excursionen nach 

der Bosel bei Sörnewitz, der neuen Dresdner Elb brücke und in die Dres- 
dener Haide S. 14 und 15. 

II. Abhandlungen. 

Drude, 0.: Bericht über die Isis-Fahrt nach den zentral- Karpathen im Juli 
und August 1893. S. 120. 

Kopeke, CI.: Der Loschwitz-Blasewitzer Brückenbau S. 86. 

Magnus, P. : Mvcologische Ergebnisse eines kurzen Ausflugs bei Meissen. 

S. 118. 

Meyer, A. B.: Wurde Bernstein von Hinterindien nach dem Westen exportirt? 
S. 63. 

Nits che, H. : Beobachtungen über die Eierdeckschuppen der weiblichen Pro- 
cessionsspinner. S. 108. 

Schneider, 0.: San Remo und seine Thierwelt im Winter. S. 3. 

Stelzner, Ä. : Die Diamantengruben von Kimberley. S. 71. 

Z schau, E.: Die Zeolithe im Syenitgebiete des Plauenschen Grundes bei 
Dresden. S. 90. 

Z schau, E.: Ein Titanit- Abkömmling im Syenite des Plauenschen Grundes bei 
Dresden. S. 106. 


Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer 

Abhandlungen . 


Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungs- 
berichten auf besonderen Wunsch 25 Separatabzüge gratis, eine grössere Zahl 
gegen Erstattung der Herstellungskosten. 


Sitzungsberichte 

der 

na turwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden 


1893 . 




3 


I. Section für Zoologie. 


Erste Sitzung am 2 . Februar 1893. Vorsitzender: Institutsdirector 
Th. Reibisch. — Anwesend 54 Mitglieder und Gäste. 

Dr. K. Reiche, Lehrer am Lyceum in Constitucion, Chile, früher in 
Dresden als Assistent am botanischen Institut der K. Technischen Hoch- 
schule thätig, spricht über die Hoch- und Küsten- Cordillere Chile's, 
insbesondere über deren Pflanzen- und Thierwelt. 


Zweite Sitzung am 16. März 1893 (in Gemeinschaft mit der Section 
für Botanik). Vorsitzende: Director Th. Reibisch und Prob Dr. 0. Drude. 

Nach einigen Verhandlungen über den durch den Tod des Prof. Dr. 
B. Vetter erledigten Vorsitz der zoologischen Section bespricht Prof. Dr. 
0. Drude die neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der Plankton- 
Litteratur vom botanischen Standpunkte. 

Vortragender bezieht sich besonders auf die Arbeiten von Dr. F. Schütt, welcher 
als Botaniker die Expedition des „National“ begleitete und jetzt eine zusammen- 
hängende Arbeit: „Das Pflanzenleben der Hochsee“, Kiel und Leipzig 1893, 
76 S. in gr. 4° mit Karte, neben einer Abhandlung über die bei der Planktonforschung 
von Hensen innegehaltene Methode geliefert hat. Von besonderem Interesse sind 
unter den „Vegetationsbildern“ die graphischen Darstellungen der Gesammtvegetation 
an Diatomeen (Bacillariaceen), Peridineen, Pyrocysteen, Halosphaereen, Protococcaceen 
und Schizophyceen, welche in Würfelform die Vertheilungsmengen der kalten Meere 
im Vergleich mit dem tropischen atlantischen Ocean ergeben. Von besonderem In- 
teresse ist ebenfalls Prof. Krümmel’s Mittheilung über die Sargasso-See. (Geograph. 
Mittheil., Gotha 1892.) 

Privatus K. Schiller legt im Anschluss an das auch über das Thier- 
leben des Oceans Bemerkte eine in den Dresdner Geschäften als „Seegras“ 
fälschlich bezeichnete Sertularia vor, die in grüner Färbung als Zimmer- 
schmuck Verwendung findet. 


Excursion. 

Am 10. Juni 1893 nach Tharandt zur Besichtigung der Fisch- 
zuchtanstalten und der zoologischen Sammlungen der Forstakademie. — 
Zahl der Theilnehmer 22. 

Von Prof. Dr. H. Nitsche - Tharandt auf Haltestelle Edle Krone empfangen, 
begaben sich die Theilnehmer, unterwegs fleissig botanisirend, unter dessen Leitung 
durch das Thal der wilden Weisseritz nach der Forellenzüchterei. Daselbst bereitete 
Prof. Dr. H. Nitsche durch einen Vortrag über den Bau der Anstalt, die Filtrir- und 

1 * 


4 


Brütevorrichtungen, sowie die Fütterungsmassen den Gang durch die Raume vor 
und geleitete sodann die Versammelten zu den Aussatzteichen, in denen die Fische 
in verschiedenen Altersstufen, sowie die für sie bestimmten Schutzvorrichtungen gegen 
Gefahren beobachtet werden konnten. Hierauf führte derselbe zu der Forstakademie, 
in welcher er in instructiver und eingehender Weise die höchst interessanten Schätze 
der allgemeinen wie der speciellen zoologischen Sammlungen vorführte. 


II. Section für Botanik. 


Erste Sitzung am 9. Februar 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. 
— Anwesend 30 Mitglieder. 

Dr. K.Reiche macht Mittheilungen über die Cultur-Pflanzen in Chile. 

Der Vortragende bezeichnet, nach einem kurzen Ueberblick über die Boden- 
beschaflenheit des Landes, als Hauptgetreidefrucht den Weizen. Diesem kommt nahe 
an Bedeutung für die Bewohner der Mais. Roggen wird nur wenig, Gerste nur als 
Viehfutter gebaut. Kartoffeln werden nur selten verwendet, viel häufiger der Kürbis 
und als angenehme Sommererquickung die Wassermelone. Erdbeeren, Pomeranzen, 
Citronen findet man auch angebaut, doch kommen sie an Güte den unseligen nicht 
gleich. Sehr geschätzt sind die Pfirsichen und ausser diesen werden als Beigerichte 
Oliven- und Opuntien-Früchte in den verschiedensten Zubereitungen genossen. 

An landschaftlichen Ziergewächsen finden sich Araucarien und Eucalypten, als 
gärtnerische Rosen, Pelargonien, Magnolien, Jasmin u. a. m. . 

Prof. Dr. 0. Drude spricht über den winterlichen Wurzelschutz 
der Bäume. 


Zweite Sitzung am 6. April 1893 (im K. Botanischen Garten). 
Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 32 Mitglieder. 

Unter Führung des Vorsitzenden wird eine Besichtigung aller der 
Mora von Deutschland gewidmeten Anlagen vorgenommen. 


Dritte Sitzung am 15. Juni 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. 
— Anwesend 21 Mitglieder. 

Der Vorsitzende macht im Hinblick auf die von den Gesellschafts- 
mitgliedern für diesen Sommer geplante Karpathenreise topographische 
und floristische Mittheilungen über das zu bereisende Gebiet. 

Der Vortragende bespricht hauptsächlich die von ihm nach Wahlenberg’s 
Arbeiten früher in Bergbaus’ physikalischem Atlas unterschiedenen 4 Vegetations- 
regionen : 

I. Untere Region, die eigentliche Culturregion , von 600 — 900 m (mit 
Cytisus ratisbonnensis , Obst- und Kornbau, Wiesen, wenig Wald). 

II. B ergwald-Region (Regio subalpina nach Wahlenberg) bis 1350 in; 

a) untere: mit Laubhölzern, bis 1250 m, 

b) obere: vorherrschend Nadelhölzer. 

III. Krummholz-Region, 1850 — 1800 m. (Hierbei ist die untere alpine Region 
zwischen 1500 und 1800 m mit eingeschlossen.) 

IV. Eigentliche alpine Region, 1800 — 2300 m (mit ca. 50 alpinen Arten). 

V. Obere alpine Region über der (theoretischen) Schneegrenze. 


5 


III. Seetion für Mineralogie und Geologie. 


Erste Sitzung am 16. Februar 1898. V orsitzender : Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. — Anwesend 20 Mitglieder 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit Worten der Erinnerung an 
Sir Richard Owen, geh. am 20. Juni 1804 in Lancaster, gest. am 
18. December 1892 in London. 

Vergl. Nekrolog mit Bildniss des berühmten englischen Naturforschers im 
Geolog. Magaz., Februar 1893. 

Ein zweiter tief empfundener Nachruf galt dem am 22. December 1892 
nahe an seinem 70. Geburtstag in New York verstorbenen James Strong 
Newberry, Professor der Geologie an der Columbia -Universität in New- 
York und seit 1872 Präsident der New-York Academy of Sciences. 

Einen Nekrolog dieses hervorragenden Geologen und Paläontologen, dessen 
Publicationen über fossile Fische und Pflanzen immer von Neuem Bewunderung er- 
regen, s. in Amer. Geologist, vol. XII, July 1893, by J. Stevenson. 

Noch eines dritten allgemein empfindlichen Todesfalles wird gedacht, 
des Chemikers und Mineralogen Dr. Friedrich August Genth in Phila- 
delphia, geb. am 17. Mai 1820 zu Wächtersbach, Hessen-Cassel, gest. am 
2. Februar 1893 zu Philadelphia. 

JDer Vorsitzende nimmt hierbei Veranlassung, eine Reihe der trefflichen ,,Con- 
tributions to Mineralogy“ aus dem chemischen Laboratorium der Universität von Penn- 
sylvanien vorzulegen, welche F. A. Genth in den Jahren 1885 — 1892 in den Proceed. 
of the Amer. Philos. Society und in dem Amer. Journ. of Science veröffentlicht hat. 

Ueber das Leben und Wirken des bedeutendsten russischen Minera- 
logen, Geh. Rath Nicolai Iwanowitsch von Kokscharow, geb. 1813, 
gest. am 3. Januar 1893 in St. Petersburg, berichtet Prof. E. Z schau 
unter specieller Verweisung auf die von jenem Meister der Mineralogie 
und Krystallographie herausgegebenen 11 Bände der „Materialien zur Mi- 
neralogie Russlands“. 

Oberlehrer H. Engelhardt legt Proben dap> ausgezeichneten Pech- 
glanzkohle, sogen. Salonkohle aus dem voff dem verstorbenen Berg- 
verwalter Castelli sorgsam und intelligent geleiteten Braunkohlenwerke 
von Salesl bei Proboscht in Böhmen vor, ferner eine eigenthümliche 
Breccie von Basalt mit einem, Dr. W. Bergt zur näheren Untersuchung 
übergebenen Mineral, von der Wostrey bei Birnay in Böhmen, und ver- 
breitet sich weiter über die von A. Nehring in Berlin und H. Credner 
in Leipzig beschriebenen diluvialen Ablagerungen von Klinge 
bei Cottbus. 

Hierauf lenkt der Vorsitzende das Interesse auf die prächtigen Auf- 
schlüsse des Geschiebemergels an der Stoltera bei Warnemünde, 
über welche schöne photographische Bilder seines früheren Zuhörers, Cand. 
Loesner in Rostock zu Vorlage kommen. 

Dieselben können keinen Zweifel über den Ursprung jener zahllosen oft sehr, 
grossen Blöcke, die am heiligen Damm bei Doberan und an vielen anderen in- 
structiven Localitäten Mecklenburgs massenhaft angehäuft sind, hinterlassen ; sie 
können nur in der Grundmoräne des alten von Norden und Nordost kommenden 
Inlandeises dahin geführt worden sein. 


6 


Der Vorsitzende hebt noch hervor, dass mit glacialen Verhältnissen 
auch die Bildung des eigen thümlichen Poenitenten-Schnees zusammen- 
hängt, welche neuerdings Prof. Dr. L. Brackebusch aus den argentinischen 
Cordilleren im ,, Globus“, Bd. 63, Nr. 1 und 2, beschreibt, und welche in 
ihrer äusseren Erscheinung so grosse Aehnlichkeit nm^len berühmten, aus 
Moränenschutt eines alten Gletschers abgeleiteten Erdpyramiden bei 
Bozen in Süd-Tyrol zeigen. Von beiden liegen gute Abbildungen zum 
Vergleiche bei, von den ersteren durch Brackebusch, von den letzteren 
durch E. von Hochstetter*). 

Nach Erläuterung einer Anzahl von Exemplaren des Ammonites Wooll- 
gari Mant. aus dem unterturonen Mittelpläner oder den Labiatus-Schichten 
von Kemnitz bei Dresden durch Taubstummenlehrer 0. Ebert 

bespricht der Vorsitzende die neueste sehr willkommene Monographie 
des Geh. Bergraths Dr. W. Bunge über das Kuhr-Steinkohlenbecken, 
Berlin 1892, mit Atlas und geologischen Karten. 

Unter letzteren beansprucht Tat. II ein hohes Interesse, da hier der Zusammen- 
hang der Steinkohlenablagerungen in England, Schottland, Belgien, Westfalen, bei 
Aachen und Saarbrücken, sowie die zwischen denselben auftretenden älteren und 
plutonischen Gesteine sehr anschaulich nachgewiesen wird. Auch die Erfahrungen 
des geschätzten Verfassers über Stigmaria ficoides, welche in keinem Falle stets als 
Wurzel von Sigillarien aufzufassen ist, sind sehr beachtenswerth. 

Oberlehrer H. Engelhardt bespricht zum Schluss die ihm von der 
Braunkohlengrube Guerrini bei Vetschkau zugekommenen Fossilien. 
Selbe stammen aus dem Braunkohlenflötze und sind : 

Rosellinia congregata Beck, sp., Rhizomorpha sp., Sequoia brevifolia Heer, Pinus 
hepios Ung, Glyptostrobus europaeus Heer, Palmacites Daemonorops Ung. sp., Livis- 
tona Geinitzi E., Platanus aceroides Göpp., Andromeda protogaea Ung., A. narbonensis 
Sap., Nyssa europaea Ung., Apocynophyllum helveticum Heer, Sideroxylon hepios. 

Durch Bergrath v. Ro senberg - Lipinsky waren ihm ferner zur Bestimmung 
von Henriettenhof im Kreise Birnbaum, Posen, zugesendet worden: 

Taxodium distichum miocenum Heer, Carex Scheuchzeri Heer, Poacites caespitosus 
Heer, P. laevis Heer, Phragmites oeningensis Al. Br., Carpinus grandis Ung., Quercus 
grandidentata Ung., Qu. sp., Corylus grosse- dendata Heer (?), Salix varians Göpp., 
ZJlmus plurinervia Ung., Berchemia multinervis Al. Br. sp., Vaccinium acheronticum 
Ung., Nyssa Ornithobroma Ung., Juglans bilinica Ung. 


Zweite Sitzung* am 20. April 1893. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. — Anwesend 56 Mitglieder. 

Dr. med. E. Friedrich spricht über angeschwemmte Bimssteine 
und Schlacken der Nordseeküsten. 

Bergrath Prof. Dr. A. Stelzner- Freiberg berichtet eingehend über 
die südafrikanischen Diamantengruben. 

Eine Abhandlung darüber vergl. im nächsten Hefte dieser Zeitschrift. 

Der Vorsitzende regt die Ueb er nähme des Werner-Denkmals an 
der Löbtauer Strasse in Dresden durch die Gesellschaft an. 


*) Allgemeine Erdkunde. Prag 1872, II. Th., S. 166 u. 167. 


7 


Excursion. 

Am 22. Juni 1893 fand unter Leitung von Dr. H. B. Geinitz eine 
Excursion nach der Ziegelei der Gebrüder Dammmüller in Zschertnitz 
bei Dresden statt, um das dortige Vorkommen des glacialen Geschiebe- 
mergels zu beobachten, über welches schon Dr. R. Beck in Sitzungsber. 
d. Isis, 1891, S. 17, näher berichtet hat. Unter den vielfach geschrammten 
Geschieben wurden u. a. Scolithus linearis Hall, Gotländer Kalk und 
grössere Blöcke von Feuerstein gefunden. — Zahl der Theilnehmer 33. 


IV. Section für prähistorische Forschungen. 


Erste Sitzung am 19. Januar 1893. Vorsitzender: Dr. J. Deich- 
müller. — Anwesend 17 Mitglieder. 

Prof. Dr. 0. Schneider spricht über neuere Funde aus den Ruinen- 
stätten des Somalilandes (vergl. Sitzungsber. Isis 1888, S. 11). 

Lehrer H. Döring hält einen Vortrag über die von ihm im neuen 
Weisseritzbett in Cotta bei Dresden ausgegrabenen neolithischen 
Funde. 

Bei Besichtigung der Ausschachtungsarbeiten im neuen Weisseritzbett unweit 
des Schusterhauses entdeckte Vortragender sogenannte Trichter gruben der neolithischen 
Zeit, denen er im Laufe des Sommers 1892 Bruchstücke menschlicher Schädelknochen, 
Geräthe aus Grünstein, eine grössere Anzahl Feuersteinschaber, Nuclei, verschiedene 
Knochengeräthe, zahlreiche Gefässscherben mit reicher Ornamentirung, wie sie der 
sogenannten „Bandkeramik“ eigen ist, Thonperlen, Knochen von Hirsch, Reb, Rind, 
Schwein, Pferd u. a. m. entnahm. 

Der Vortragende behält sich vor, über die bemerkenswerthen Funde an dieser 
Stelle später Ausführliches zu berichten. 

Der Vorsitzende weist auf ähnliche Funde in einer Kiesgrube bei 
Lockwitz hin (Sitzungsber. Isis 1884, S. 69). 

Taubstummenlehrer 0. Ebert legt ein 1892 im Vill engrund stück des 
Herrn Däweritz in Briessnitz b. Dr. gefundenes Grünsteinbeil vor. 

Dr. J. Deichmüller bringt zur Ansicht eine Reihe interessanter 
Gefässe aus dem Gräberfelde von Klein-Saubernitz bei Weissenberg : 
Zwillings- und Drillingsgefässe, schön verzierte Schalen, graphitirte Gefässe, 
eine Kinderklapper in Vogelform und kleine Thongewichte. 


Zweite Sitzung am 9. März 1893. Vorsitzender: Dr. J. Deichmüller. 
— Anwesend 18 Mitglieder. 

Der Vorsitzende gedenkt der kürzlich verstorbenen deutschen Alter- 
thumsforscher, ■ des Geh. Medicinalraths Prof. Dr. H. Schaaffhausen in 
Bonn, langjährigen Vorsitzenden der deutschen anthropologischen Gesell- 
schaft, des Directors des römisch-germanischen Centralmuseums in Mainz 
L. Lindenschmit und des Geh. Raths A. von Essenwein, Directors des 
germanischen Museums in Nürnberg, und hebt deren Verdienste um die 
deutsche Alterthumsforschung hervor. 


8 


Taubstumm enlehrer 0. Ebert berichtet über neue Urnenfunde bei 
Stetzsch, Kossebaude und Kemnitz und über vorgeschichtliche 
Herdstellen bei Kossebaude und im neuen Weisseritzbett in Cotta 
bei Dresden. 

Lehrer H. Döring legt einige auf dem Felde des Gemeindevorstehers 
F. Stange in Möritzsch bei Schkeuditz gefundene Grünsteinartefacte 
vor, unter denen sich ein Steinmeisel durch bedeutende Dimensionen (43 cm 1., 
8 cm br., 3 cm dick, Gewicht 2,6 Kg) auszeichnet; 

ferner eine Anzahl Feuersteingeräthe vom Urnenfelde Nünch- 
ritz bei Riesa und von einer zur Ortsflur Leckwitz gehörigen flachen 
Anhöhe an der Elbe. 

So oft der Flugsand dieser Anhöhe vom Winde bewegt wird, zeigt sich die 
Oberfläche mit zahllosen Feuersteinsplittern, darunter zugeschlagenen Messerchen oder 
Schabern, übersät; dabei gefundene grobe Urnenscherben und formlose Stückchen 
von Bronze deuten auf ein ehemaliges Urnenfeld an der Fundstelle hin und bestätigen 
die auch anderwärts beobachtete Erscheinung, dass Steingeräthe noch mit Resten 
von germanischem Typus Vorkommen, dass Feuersteingeräth bis weit in die Bronze- 
zeit neben metallischem Geräth im Gebrauch geblieben ist. 

Der Vortragende ergänzt seine früher über den Burgwall Leckwitz 
a. d. Elbe gemachten Mittheilungen (Sitzungsber. Isis 1892, S. 9) durch 
Vorlegung neuerer Funde. 

Im Herbst 1892 gelang es dem Lehrer E. Peschei in Nünchritz, an einer 
200 Schritte östlich der Schanze gelegenen Stelle eine Ascheschicht und Scherben 
vom slavischen Typus, sowie Eisen- und Bleireste aufzufinden. Bei späteren Grabungen 
wurden aufs Neue zahlreiche slavische Scherben mit dem charakteristischen Wellen- 
ornament aus einer Tiefe von ca. 1 / 2 m zu Tage gefördert. 

Dr. J. Deichmüller bespricht zum Schluss von neuen litterarischen 
Erscheinungen 

H. von Ranke: Ueber Hochäcker. München 1898; 

Teich : Die prähistorische Metallzeit und ihr Zusammenhang mit der Urgeschichte 
Deutschlands. (Corresp.-Bl. Deutsch, anthrop. Ges. 1893, Nr. 2.) 


Excursion. 

Unter Betheiligung von 17 Mitgliedern und Gästen wurde am 
3. Juni 1893 zunächst die Sammlung des Lehrers E. Pesch el in Nünch- 
ritz besichtigt, hierauf unter Leitung des genannten Herrn das nahe- 
gelegene Urnenfeld besucht und daselbst eine Ausgrabung vorgenommen, 
die leider nur einige stark zerstörte Gefässe ergab. Hieran schloss sich ein 
Gang über den wohl erhaltenen Burgwall bei Leckwitz a, d. Elbe und 
dessen Umgebung. 


V. Section für Physik und Chemie. 


Erste Sitzung am 12 . Januar 1893. Vorsitzender: Professor Dr. 
E. Zetzsch e. — Anwesend 30 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. E. Zetzsche hält einen Vortrag über die zur Verwendung 
in der elektrischen Telegraphie bestimmten, sogenannten Stationsrufer 


9 


und führt dabei einen anfgestellten Apparat dieser Gattung vor, welcher 
neuerdings von H. Wetzer in Pfronten, Bayern, erfunden wurde. 

Diese Apparate Wetzer 1 s dienen dazu, eine von mehreren in dieselbe Leitung einge- 
schalteten Telegraphen- und Telephonstationen ein Anruf signal derart zu geben, dass 
die übrigen Stationen dieses Signal nicht hören. Jeder der in einer der zusammen- 
gehörigen Stationen befindlichen Apparate hat 2 Pendel, ein kleineres, welches eine 
bestimmte und zwar für jede Station verschiedene Schwingungsdauer hat, und ein 
grösseres, welches durch ein Laufgewicht auf die Schwingungsdauern der Pendel 
aller Stationen abgestimmt werden kann. Das kleine Pendel der Apparate kann durch 
die von dem zufolge taktmässiger Stromunterbrechungen abfallenden Ankerhebei 
eines Elektromagnetes ihm ertheilten Schläge in Schwingungen versetzt werden und 
schliesst, wenn die Schwingungsweite gross genug geworden ist, einen Localstrom, 
der ein Klingelwerk zum Läuten bringt. Die Schwingungsweite kann aber nur dann 
durch diese Schläge regelmässig vergrössert werden und so schliesslich die hin- 
reichende Grösse erreichen, wenn die Stromunterbrechungen im Elektromagnete mit 
der Schwingungsdauer des Pendels zeitlich übereinstimmen. Der Takt der Strom- 
unterbrechungen wiederum wird durch die Schwingungen des grossen Pendels der 
rufenden Station beliebig- geregelt. Die Arbeitsweise ist nun beispielsweise folgende : 
Der Beamte auf der Station Nr. 4, welcher nach der Station Nr. 9 eine Mittheilung 
gelangen lassen und deshalb diese Station rufen will, stellt das grosse Pendel seines 
Apparates auf die Schwingungsdauer des kleinen Pendels von Station 9, setzt das 
Pendel in Bewegung und erreicht dadurch, dass in kurzer Zeit das kleine Pendel der 
Station 9 weit genug ausschwingt, um die dortige Localklingelleitung in Betrieb zu 
setzen, während die kleinen Pendel auf allen übrigen Stationen nur in unregelmässige 
Schwingungen von geringer Weite gerathen. Die Vorzüge dieser Wetzer’schen 
Apparate von anderen ihnen verwandten liegen namentlich in der Unabhängigkeit 
der Stärke der den kleinen Pendeln ertheilten Schläge von der Stromstärke und der 
durch die Mitwirkung einer Feder erzielten jederzeitigen Bereitschaft aller grossen 
und kleinen Pendel zum Schwingen und zu der dabei durch erstere erfolgenden Ent- 
sendung der Rufströme. Dass die auch in ihren mechanischen Theilen sehr sauber 
ausgeführten Instrumente sicher und schnell arbeiten, beweist der Vortragende durch 
die Vorführung des beschriebenen Experimentes an zwei Apparaten, die ihm von 
Herrn Wetzer überlassen worden waren. 

Daran knüpft der Vortragende noch eine kurze Bemerkung über 
einen anderen früher von H. Wetzer erfundenen Apparat mit gleicher 
Bestimmung und über einige andere Stationsrufer*). 

Privatdocent Dr. J. Freyberg giebt Mittheilungen über die Ver- 
meidung von Schäden durch Blitzschläge, namentlich über den 
Anschluss der Blitzableiter an die unterirdischen metallenen Röhrennetze 
der Gas- und Wasserleitungen. 

Herr W. Krebs aus Altona macht einige Bemerkungen über die 
Blitzschlag- Unter suchungen, die derselbe in der Gegend von Ham- 
burg angestellt hat, und die ihn veranlassten, dem Vorschläge von Prof. 
Voller in Hamburg, die in der Erde befindlichen Theile von Gas- und 
Wasserleitungen als Erdleitungen zu benutzen, nicht beizutreten. 


Zweite Sitzung am 2. März 1893. Vorsitzender: Privatdocent Dr. 
J. Freyberg. — Anwesend 38 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Tr. Rittershaus giebt Mittheilungen zur Geschichte der 
R echenm aschinen. 


*) Einen historischen U.eberblick über die älteren Stationsrufer und eine aus- 
führliche Beschreibung der Wetzer’schen hat Vortragender darauf im Journal Tel6' 
graphique, in den Technischen Blättern und in Dingler’s Journal gegeben. 


/ 


10 


In systematischer und chronologischer Anordnung des Stoffes giebt der Vor- 
tragende einen Ueberblick über die verschiedenen Einrichtungen der Rechenmaschinen, 
von den einfachen Rechenschiebern an, deren Erfindung man dem Papste Sylvester 
verdankt, bis zu den gleich druckfertige Stereotyp -Platten liefernden, von Scheutz 
construirten Tabellen -Rechenmaschinen, welche von Brighton, Donkin & Co. zum 
Preise von 400000 Mk. für das Stück in nur wenigen Exemplaren gebaut wurden. 

An vielen ausgestellten Maschinen, die zum Theil auseinander genommen sind, 
erläutert der Vortragende die Arbeitsweise derselben. 

Im Anschluss daran führt Civilingenieur A. Burk har dt aus Glas- 
hütte i. S. die von ihm 1878 construirte Rechenmaschine vor. 

Diese Rechenmaschine gestattet das Addiren, Subtrahiren, Multipliciren, Divi- 
diren, Potenziren und Radiciren und ist schon in mehreren hundert Exemplaren im 
In- und Auslande verbreitet. Dieselbe wird in 3 Grössen, 12-, 16- und 20-stellige 
Producte liefernd, zum Preise von 375 bis 675 Mk. verkauft. 


Dritte Sitzung am 4. Mai 1893. Yorsitzender : Prof. Dr. E. Zetzsch e. 
— Anwesend 24 Mitglieder und Gäste. 

Dr. M. Corsepius hält den angekündigten Yortrag über die Ver- 
wendung von Speicherzellen zum Betriebe von Fahrrädern. 

Er berechnet darin unter Annahme bestimmter Wege und Gewichtsverhältnisse 
die zur Ladung der Speicherzellenbatterie beim Bergab fahren verwendete und die 
wieder von ihr zur Verfügung gestellte Leistungskraft. Das Ergebniss dieser Er- 
örterungen lautet dahin, dass ein Radfahrer unter den angenommenen Verhältnissen, 
mit geladener Speicherzellenbatterie von Hause ausfahrend, während der ersten drei 
Stunden durch den elektrischen Apparat eine Unterstützung erfährt, bei längerer 
Fahrt aber des erhöhten Gewichts wegen mehr leisten müsste, als wenn er allein 
fährt. In welligem Terrain erleichtert der elektrische Apparat wesentlich das Be- 
fahren von Steigungen, da die beim Bergabfahren zu gewinnende Energie nicht ver- 
loren geht, sondern aufgespeiehert werden kann. 

Zum Schluss trägt der Redner noch besonders die Berechnung der für den 
vorliegenden Zweck zu verwendenden elektrischen Maschine vor, welche nur etwa 
20 kg wiegen soll. 

Der Vorsitzende bespricht noch ein von Cuttriss neu erfundenes, 
auf Anwendung von Kohlespiralen gegründetes und sich zur Benutzung 
für Thomson’s Heb er schreib er eignendes Relais für Untersee-Ka.bel- 
Telegraphie. 


VI. Section für Mathematik. 


Erste Sitzung am 9. Februar 1893. Yorsitzender : Prof. Dr. 

M. Krause. — Anwesend 13 Mitglieder. 

Geh. Regierungsrath Prof. Dr. E. Hartig spracht über die Abhängig- 
keit des Elasticitätsmoduls des geraden Stabes von der speci- 
fischen Beanspruchung. 

Man pflegte im Allgemeinen bisher anzunehmen, dass die Grösse der Ausdehnung 
(e) bez. der Stauchung ( — e) eines Stabes eine lineare Function der specifischen Be- 
lastung (or), nämlich e = E er, also der Elasticitätsmodul (E) für eine bestimmte Substanz 
eine Constante sei. Doch haben Versuche von Bach, Fischer u. A., sowie die von 
dem Vortragenden selbst an einer grossen Reihe von Substanzen (nämlich Phosphor- 
bronze, Gusseisen, Stahldraht, Rohseide, Rindleder, vulkanisirter Kautschuk und 


11 


Korkrinde) bei verschieden starken und mehrmals an demselben Probestück wieder- 
holten Belastungen angestellten Experimente erwiesen, dass diese Annahme nur in 
beschränkten Grenzen, allgemein aber nicht zulässig sei. Die Erwägung, dass die 
Arbeitscurve der elastischen Dehnungen nicht immer eine gerade ist, führte den 
Vortragenden zu dem Resultate, dass der Elasticitätsmodul der erste Differential- 
quotient derjenigen Function ist, die der auf die Achse der Dehnungen gestellten 
Arbeitscurve entspricht, und ebenso der Dehnungscoeffizient (1 : E) die erste Ableitung 
derjenigen Function, die den Zusammenhang zwischen Spannung (oj als unabhängiger 
und Dehnung (f) als abhängiger Veränderlichen darstellt : 

1 d f 


E 


d g 


Die gegenseitige Abhängigkeit von e und a ist aber bisher bei unserer gegen- 
wärtigen noch unvollkommenen Erkenntniss der innereren Natur der Baustoffe 
theoretisch nicht ableitbar. 

Als empirische Formel für vulkanisirten Kautschuk schlägt Imbert (Recherches 
theoriques et experimentales sur l’elasticite du caoutchouc, 1880) die Gleichung vor: 


= e m<r - 1, 


worin e 


die Basis der natürlichen Logarithmen und m eine für das verwendete 
Material spezifische Constante bedeutet. 


Der Vortragende findet hieraus 

a = 


£ 

1 — £ 


m s 


Nach denVersuchen schwankt der Coeffizient m zwischen 6,77 und 10,08. Gemäss 
dieser Annahme ergiebt sich für den Elasticitätsmodul selbst : 

E = + U e 

(1 -f- f ) 2 

(Die Untersuchungen des Vortragenden sind in einer ausführlicheren Abhandlung 
im „Civil-Ingenieur“, 39. Band, 2. Heft niedergelegt.) 

Im Anschluss daran bemerkt Prof. Dr. M. Krause, dass es gelingen 
möchte, die Beziehungen zwischen € und a genauer analytisch aufzufassen, 
und macht den Vorschlag, an Stelle der willkürlichen transcendenten 
Functionen der Fourier’schen Reihen : 


a = a + bsin6-f-c cos e 
zur Anwendung zu bringen. 


Zweite Sitzung am 13. April 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. 
M. Krause. — Anwesend 16 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Finanzrath 01. Kopeke giebt Mittheilungen über die Con- 
struction der neuen Loschwitz - Blasewitzer Elbbrücke. 

Vergl. Abhandlung im nächsten Hefte dieser Zeitschrift. 


VII. Hauptversammlungen. 


Erste Sitzung am 26. Januar 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. 
— Anwesend 45 Mitglieder und Gäste. 

Unter Vorlage einer grossen Anzahl von Belegstücken spricht Prof. 
Dr. 0. Schneider über San Remo und seine Thierwelt im Winter 
(vergl. Abhandl. I). 


12 


Zweite Sitzung am 23. Februar 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. 
Gr. Helm. — Anwesend 39 Mitglieder. 

Prof. Dr. R. Ebert widmet dem am 2. Januar 1893 verschiedenen 
langjährigen, hochverdienten Vorsitzenden der Section für Zoologie, Prof. 
Dr. Benjamin Vetter, einen warmempfundenen Nachruf, 

Geh. Hofrath Dr. Geinitz ehrende Worte der Erinnerung dem am 
17. Januar 1893 verewigten Oberlehrer Dr. Rein hold Körner in Dresden 
und dem Bergrath und Salinendirector Carl Rückert, gestorben am 
3. Februar d. J. in Salzungen. 

Auf besonderen Wunsch des Vortragenden werden die beiden letzten Nachrufe 
ausführlich auf (Seite 15 und 16 wiedergegeben. 

Prof. Dr. H. Nitsche-Tharandt erläutert an einer Reihe ausgestellter 
Präparate die Arten der Gattung Ctenocampa , die Prozessions- 
spinner. 

Eine Abhandlung hierüber wird irn nächsten Hefte dieser Zeitschrift erscheinen. 

Prof. Dr. 0. Schneider bemerkt hierzu, dass er den Pinien- Pro- 
zessionsspinner in San Remo vor Allem auf Pinus austriaca beobach- 
tet habe. 

Dr. Fr. Raspe, Vorsitzender des Verwalte ngsrathes, erstattet Bericht 
über den Kassenabschluss für das Jahr 1892 (s. Anlage A, S. 18). Zu 
Rechnungsrevisoren werden Bankier A. Kuntze und Prof. Dr. 0. Schnei- 
der ernannt. 

Der Voranschlag für das Jahr 1893 (s. Anlage B, S. 19) wird ein- 
stimmig genehmigt. 


Dritte Sitzung am 23. März 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. 
— Anwesend 24 Mitglieder. 

Durch den Vorsitzenden wird mitgetheilt, dass die vom „Prome- 
theus“, Institut für Naturwissenschaften und Gewerbtechnologie in Dres- 
den , zu dem ermässigten Preise von 50 Pf. angebotenen Eintrittskarten 
bei dem Secretär der Gesellschaft, Dr. J. Deichmüller, entnommen 
werden können. 

Prof. G. Neubert spricht über Falb's kritische Tage und die 
Regenbeobachtungen in Sachsen. 


Vierte Sitzung am 27. April 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. 

— Anwesend 34 Mitglieder. 

Geh. Hofrath Dr. Geinitz theilt mit, dass das sogen. „Werner- 
Denkmal“ in Löbtau, welches die inzwischen aufgelöste mineralogische 
Gesellschaft in Dresden an der Stelle errichtet hatte, wo Abraham 
Wern er’ s irdische Reste den zu ihrer Ueberführung aus Dresden nach 
Freiberg entsandten Bergleuten übergeben worden w T aren, beseitigt werden 
solle und giebt dem Wunsche Ausdruck, dass die „Isis“ für die Erhaltung 
dieses Denkmals Sorge tragen möchte. Der Vorstand übernimmt die ein- 
leitenden Schritte in dieser Angelegenheit. 


13 


Prof. Dr. G\ Helm spricht über die Ansätze zu einer mathe- 
matischen Chemie. 

Auf allen Gebieten menschlicher Erkenntniss, die sich bisher mathematischer 
Formulirung zugänglich erwiesen haben, wiederholt sich die Erscheinung, dass ein 
nachhaltiger Einfluss der Mathematik erst auf einer späten Stufe der wissenschaft- 
lichen Entwickelung beginnt. Erst nach den mannigfaltigsten und in die ältesten 
Zeiten menschlicher Cultur zurückreichenden Beobachtungen an Werkzeugen und 
einfachen Maschinen konnte es dem Scharfsinn eines Archimedes gelingen, das 
Erfahrungsergebniss zu jener knappen mathematischen BegrifFsbildung zu läutern, 
die im Hebelgesetz niedergelegt ist. Die Beobachtung chemischer Erscheinungen, die 
doch auch bis in die Urzustände des menschlichen Geschlechtes zurückgeht, ist ganz 
besonders spät zu mathematischer Klärung durchgedrungen, obschon für die Ueber- 
lieferung chemischer Kenntnisse durch Recepte aller Art Zahlenangaben schon in 
einem frühen Stadium der Entwickelung unentbehrlich waren. Berthelot hat 
jüngst in der Revue des deux mondes geschildert, wie auf ägyptische Cultur zurück- 
gehende chemische Vorschriften zugleich mit den chemischen Industrien, auf welche 
sie sich beziehen, und mit den wissenschaftlich-mystischen Vorstellungen, in die sie 
eingekleidet waren, ins Mittelalter überliefert worden sind. 

Erst mit dem Beginne des 19. Jahrhunderts glückt es, die Chemie auf den Bo- 
den mathematischer Gesetze zu stellen durch die Einführung der Stöchiometrie, 
deren wesentliche Bedeutung darin liegt, dass sie die Zahl der bei einer chemischen 
Reaction auftretenden Veränderlichen in den meisten und wichtigsten Fällen auf eins 
zurückführt. Wie ihre Grundbegriffe zu verwerthen sind, wenn die Zurückführung 
auf eine Veränderliche nicht möglich ist, hat für die Schiesspulverreaction neuerdings 
Debus durch eine schöne Anwendung der analytischen Geometrie gezeigt. Auf die 
Frage, wie verwickeltere Beschickungen in der chemischen Technik zu wählen sind, 
lässt sich diese geometrische Untersuchung nicht minder anwenden. 

Auf die zahlreichen Versuche, Gesetze wie die stöchiometrischen, welche die 
Massen der reagirenden Stoffe beherrschen, auch für andere physikalische 
Eigenschaften zu finden, wies der Vortrag nur hin, ebenso wie auf den leitenden 
Gedanken der Con stitutions chemie, chemische Unterschiede durch Anordnungs- 
unterschiede zu erklären, nicht eingegangen werden konnte. 

Einen neuen Boden finden mathematische Untersuchungen chemischer Erschein- 
ungen mit der Entwickelung der Thermochemie. Die dadurch mögliche Anwen- 
dung des Energiebegriffs auf die chemischen Reactionen vertiefte bereits unsere Kennt- 
niss derselben, noch mehr aber die daran anschliessende Benutzung des Entropie- 
gesetzes. Nunmehr erscheinen experimentell weit auseinanderliegende Thatsachen 
unter demselben mathematischen Gesichtspunkt. Die thermodynamische Formel z. B., 
welche die Aenderung des Schmelzpunktes mit dem Druck, die Schmelzwärme und 
die Volum änderung beim Schmelzen verknüpft, lässt sich auf umkehrbare Aenderung 
ätiotroper Zustände, wie auf Dissociationserscheinungen, Krystallwasserabgabe und 
dergl. anwenden. Ja, vom allgemeinen energetischen Standpunkte fallen die mittels 
galvanischer Elemente in elektrische Form umgewandelten Energiebeträge unter 
dasselbe Gesetz. 

Unabhängig zunächst von dieser Betrachtungsweise entwickelten sich die Unter- 
suchungen über den zeitlichen Verlauf und das Gleichgewicht chemischer Re- 
actionen. Die letzteren beginnen am Ende des vorigen Jahrhunderts mit Versuchen, 
das Newton’sche Gesetz auf die kleinsten Theile der reagirenden Stoffe anzuwenden, 
führten aber erst 1867 zu einem befriedigenden Ergebniss, dem Gesetze von Guld- 
b erg und Waage. Für den zeitlichen Verlauf einer Reaction fand 1850 Wilhelmy 
ein einfaches Gesetz, von dem das Guldberg-Waage’sche theoretisch abgeleitet wer- 
den kann. Durch die Ergebnisse einer Thomsen’schen Experimentaluntersuchung 
über die Einwirkung von Salpetersäure auf Natiiumsulfat in verschiedenen Mengen 
Verhältnissen erläuterte der Vortragende das Gleichgewichtsgesetz. 

Besonders bemerkenswert!! erscheint es nun, dass die letzterwähnten Erfahrungs- 
ergebnisse aus dem Energie- und Entropiegesetz theoretisch gefolgert werden 
können. Hier entwickelt sich ein Gebiet wissenschaftlicher Arbeit, das in demselben 
Sinne als mathematische Chemie bezeichnet werden kann, in dem man von einer 
mathematischen Physik spricht. 

Diese theoretischen Untersuchungen, die zunächst ihren Werth in der Zusam- 
menfassung der Naturerscheinungen unter umfassende Gesichtspunkte haben, sind 


14 


endlich auch der Anlass zu einer wichtigen Erweiterung unserer Erfahrungen gewor- 
den, indem sie zu der ergebnissreichen experimentellen Durchforschung der hoch- 
verdünnten Lösungen führten. 


Excursionen. 

Am 20. Mai 18 93 unternahmen 32 Mitglieder einen Ausflug nach 
der Bosel bei Sörnewitz. In der in Sörnewitz unter Yorsitz von 
Prof. Dr. G. Helm abgehaltenen Hauptversammlung legt Apotheker 
Schiimp ert-Cölln Pflanzen aus der Meissner Umgebung vor: 

Fundort Bosel: Cotoneaster (dem Aussterben nahe), Equisetum hiemale , Pulsa- 
tilla 'pratensis , Rosa pomifera , Anthemis tinctoria , Asperula glauca, Orobanche sp. ?, 
Betula laciniata (Var. von B. verrucosa ), Tragopogon major ; Fundort Kötitz: Lepi- 
dium draba, AcMllea setacea und lanata, Bunias orientalis ; Fundort Gauernitz: 
Cucubalus baccifer, Diplotaxis muralis. 

Hierauf bricht die Versammlung zu der nahe gelegenen Boselspitze 
auf, deren Steilhänge augenblicklich im vollen Blüthenschmuck von An- 
thericum Liliago prangen. 

Prof. Dr. 0. Drude richtet hier einen kurzen Vortrag an die Versammlung, 
um auf die modernen Bestrebungen der Floristik aufmerksam zu machen. Von jeher 
sind die Floristen nach reichen Standorten, wie die Bosel ist, mit Vorliebe gezogen, 
und jeweils sind sie die Träger der leitenden Ideen ihrer Zeit. Zuerst handelte es 
sich um das Aufspüren neuer Arten zur Vervollständigung des Pflanzensystems, dann 
um die Vervollständigung der Standortsverzeichnisse in Localfloren. Beide Gesichts- 
punkte sind bei uns so gut wie erschöpft, das Aufsuchen neuer Arten ist durch das 
genauere Studium der polymorphen Formenkreise und ihrer Bastardbildungen ersetzt. 
Aber noch ganz neue Gesichtspunkte hat die biologische und geographische Richtung 
in die Floristik gebracht, indem die besonderen Mittel, mit denen jede Art ihren 
Platz im Boden behauptet, gerade so wie die Frage nach dem Grunde des Zusammen- 
treffens so vieler Arten in einem bestimmten Gelände Anlass zu neuen Forschungen 
bieten. Auf den Boselabhängen ist eine „Xerophyten-Vegetation“, mit den verschie- 
densten Mitteln führen die Pflanzen hier ihren Kampf gegen die sommerliche Hitze 
und Dürre in einem an Humus ärmsten Boden. Derselbe ist auf seinen Kalkgehalt 
hin untersucht und hat sich als kalkarm herausgestellt; trotzdem wachsen hier 
mehrere Pflanzenarten, welche sonst ausgesprochenermassen als kalkhold gelten. 
Belegstücke solcher Standorte, wo Viscaria neben Carex liumilis und Anthericum 
Liliago wächst und echte Sandpflanzen (Aira flexuosa, Helichrysmn) aus der innigsten 
Nachbarschaft von Peucedanum Cervaria und Clematis recta nicht ausgeschlossen 
sind, erhalten für die Bodenfrage Bedeutung. Die hier zuzammenstossenden Ele- 
mente gehören ihrem Formationsbestande nach zur mitteldeutschen Hügelflora, aber 
die Einzelheiten: Cytisus nigricans , Centaurea paniculata , Clematis recta etc. weisen 
den Bestand den südostdeutschen Genossenschaften zu, deren Ausläufer im Allge- 
meinen im Herzen Deutschlands ihr Ende nach Nordwesten im Thüringer Becken 
finden und unsere Elbhöhen als aus Böhmen und Mähren postglacial besiedelt er- 
scheinen lassen. Im Lichte solcher Untersuchungen gewinnt eine einfache Pflanzen- 
liste, wie die des Boselstandortes, eine höhere Bedeutung; neue Gesichtspunkte 
werden auftauchen und die Jünger der Flora zu immer tieferem Verständniss in die 
heimathlichen Fluren hinausziehen lassen. — 

Hierauf zerstreute sich die Gesellschaft botanisirend und in wechseln- 
der Unterhaltung über die Triften und Gehänge der Spaar-Berge, von wo 
der Abstieg nach Meissen erfolgte. 


Am 8. Juni 1893 besichtigte eine grössere Zahl von Mitgliedern den 
Bau der neuen Dresdner Elbbrücke unter Führung von Stadtbau- 
rath H. Klette. 


15 


Am 29. Juni 1893 wanderten 15 Mitglieder unter Führung von 
Privatus K. Schiller durch die Dresdner Haide nach Luden’s Ruhe 
im Priessnitzthal, wo eine Hauptversammlung zur Erledigung geschäftlicher 
Angelegenheiten abgehalten wurde. Yon hier aus wandten sich die Theil- 
nehmer nach der Hofewiese und kehrten über Klotzsche nach Dresden 
zurück. 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 

Am 2. Januar 1893 verschied in Blasewitz Dr. phil. Benjamin 
Yetter, Professor der Zoologie an der K. Technischen Hochschule in 
Dresden. 

Eine Schilderung des Lebensganges und der hervorragenden wissenschaftlichen 
Thätigkeit unseres verewigten Mitgliedes, aus der Feder von Prof. Dr. R. Ebert in 
Dresden, wird den im October d. J. bei G. Fischer in Jena erscheinenden, von Prof. 
Dr. E. Hackel herausgegebenen 6 öffentlichen Vorträgen, welche der Verewigte im 
Winter 1892 in Dresden gehalten hat, vorangehen. 

Unserer Gesellschaft trat Prof. Dr. B. Vetter im Jahre 1874 bei und bethei- 
ligte sich sogleich in regster Weise an deren wissenschaftlichen Verhandlungen. Für 
seine eifrige Thätigkeit in unserem Kreise zeugen die zahlreichen Vorträge und die 
grösseren und kleineren Beiträge, welche in den letzten zehn Jahrgängen unserer 
Sitzungsberichte niedergelegt sind, sowie die in der Festschrift der Isis 1885 ver- 
öffentlichte Abhandlung „Ueber die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Dinosauriern 
und Vögeln“. In dankbarer Anerkennung seines Wirkens wählte ihn die Section für 
Zoologie bereits im Jahre 1875 zu ihrem zweiten und nach v. Kiesen w etter’ s Hin- 
scheiden zum ersten Vorsitzenden, welches Amt er fast ohne Unterbrechung bis zu 
seinem Tode mit grosser Hingebung verwaltete. Die Stellung eines zweiten Biblio- 
thekars vertrat er in den Jahren 1878 — 1887. 

Dass unsere Gesellschaft in dem Verewigten ein zur Unterstützung ihrer wissen- 
schaftlichen Bestrebungen allzeit bereitwilliges Mitglied betrauert und das Andenken 
an den unermüdlichen Forscher in unserer Isis immer in dankbarer Erinnerung fort- 
leben wird, bezeugten die Worte, die der Vorsitzende der Gesellschaft dem Dahin- 
geschiedenen am Sarge nachrief. 

Am 12. Januar 1893 starb in Pirna Realschuloberlehrer Theodor 
Frenkel, correspondirendes Mitglied seit 1883. 

Am 17. Januar 1893 verschied nach kurzem Krankenlager Dr. phil. 
Christian Reinhold Körner, Oberlehrer an der Realschule in Dresden- 
Friedrich stadt, im Alter von 33 Jahren. 

Geboren am 19. November 1859 als zweiter Sohn des K. Kammermusikus 
Traugott Körner in Dresden, hatte er den Elementarunterricht in dem Privatinstitut 
von W. E. Böttcher, später R. Gelineck, genossen. Seine wissenschaftliche Ausbildung 
erlangte er von Ostern 1871 — 1878 auf dem hiesigen Kreuzgymnasium und von 
Ostern 1878 an bis 1882 auf der Universität Leipzig, wo er sich vier Jahre lang dem 
Studium der Philosophie und der Naturwissenschaften gewidmet hat. Nach glänzend 
bestandenem Staatsexamen absolvirte er in seiner Vaterstadt das Probejahr am Vitz- 
thum’schen Gymnasium, war dann 3 Jahre lang in Oberstein-Idar als Reallehrer 
thätig, bis er im Jahre 1886 an die Realschule zu Dresden-Friedrichstadt berufen 
wurde, wo er bis zu seinem Tode segensreich gewirkt hat. 

Während seines Aufenthaltes in Oberstem erschien seine Inauguraldissertation 
zur Erwerbung der philosophischen Doctorwürde an der Universität Leipzig: „Die 
logischen Grundlagen der Systematik der Organismen. Leipzig, W. Engelmann, 
1883.“ Eine Abhandlung von Dr. Reinhold Körner: „Die Verhältnisse der natür- 
lichen Belastung und Entlastung des Thierkörpers in ihrer gesetzmässigen Beziehung 
zur Ortsbewegung“ wurde 1885 in dem Programm der Realschule zu Oberstein-Idar 
veröffentlicht. 


16 


Trotz seiner angestrengten Lehrthätigkeit in Dresden blieb er den im Eltern- 
hause gepflegten künstlerischen Neigungen bis zum Tode treu und war ein eifriges 
und mit tiefem Verständniss begabtes Mitglied des Tonkünstlervereins. Sein feines 
und sicheres Gefühl auf dem Gebiet der Kunst und Dichtung und das allzeit auf 
das Schöne und Edle gerichtete Streben leuchten hell hervor aus den trefflichen 
Uebersetzungen der Tragödien des Sophokles: Aias, König Oedipus und Philoktetes, 
welche in der Bibliothek der Gesammtlitteratur des In- und Auslandes von 0. Hendel 
in Halle a. S. 1888 und 1889 erschienen sind. 

Unser Isis-Kreis, welchem Dr. R. Körner seit 1888 in Sitzungen und auf Ex- 
cursionen ein reges Interesse gewidmet hat, wird dem Andenken des liebenswerthen 
edlen jugendlichen Forschers ein treues Gedächtniss bewahren. Dem theuren alten 
Elternpaare aber, denen nun auch der letzte ihrer beiden hochbegabten und ausge- 
zeichneten Söhne entrissen worden ist, und der innig geliebten Gattin des geschie- 
denen Freundes möge Gott den nöthigen Trost in ihrem Trübsale verleihen! 

H. B. Geinitz. 

Am 21. Januar 1893 starb in Bautzen Seminarob erlehr er Ernst 
Schmidt, correspondirendes Mitglied seit 1866. 

Am 31. Januar 1893 starb in Dresden Major z. D. Dr. phil. Gustav 
Kahl, wirkliches Mitglied seit 1862. 

Am 3. Februar 1893 entschlief der Bergrath Carl Rückert, Salinen- 
director in Salzungen, correspondirendes Mitglied seit 1866. 

Carl Rückert, ein naher Verwandter des Dichters Friedr. Rückert, war am 
21. October 1838 im Pfarrhaus zu Schweina in Thüringen geboren, in welchem er 
schon in früher Jugend durch die Studien des Vaters die Liebe zur Geognosie und 
zum Bergbau einsog. Vorgebildet auf dem Realgymnasium zu Eisenach und dann 
unter Professor Emmrich’s anregendem Einflüsse auf der Realschule in Meiningen, 
bezog er 1859 die Bergschule zu Clausthal und sodann die Universität Bonn. Nach 
1863 bestandener Staatsprüfung als Bergmann und Markscheider im Herzogthum 
Meiningen erhielt er sogleich eine Anstellung als Obersteiger auf dem Steinkohlen- 
werke des Freiherrn von Swaine in Stockheim und dann 1866 als Verwalter eines 
Schieferbruches in Lehesten. Nach Errichtung eines Kohlenbergwerkes in der Nähe 
von Pilsen kehrte er im Jahre 1873 nach der Stadt Meiningen zurück, von wo aus 
er als Sachverständiger in Bergwerkssachen für Hypothekenbanken zahlreiche Reisen 
ausführte, die ihn nach England, Schweden, Russland und Polen, Oesterreich u. s. w. 
geführt haben. Im Jahre 1877 wurde er als Director des alten Salzwerkes nach 
Salzungen berufen, welches eben von einer sogenannten Pfännerei in eine Actien- 
gesellschaft umgewandelt worden war, und hier abermals hat sich bei der Erhebung 
dieser Anstalt aus primitiven Verhältnissen zu hoher Entwickelung sein praktisches 
Talent, gepaart mit hoher wissenschaftlicher Einsicht, wieder glänzend bewährt. 
Ich habe es dankbarst anzuerkennen, wie mich der liebenswürdige, damals noch 
junge Freund auf meinen Excursionen im Thüringer Lande vielfach unterstützt hat, 
und dass die schwierige Schilderung der „Kohlenformation von Stockheim und Neu- 
haus“ in meiner „Geologie der Steinkohlen Deutschlands und anderer Länder Euro- 
pa’s“ 1865, p, 109 — 114 von Carl Rückert herrührt, dessen Name durch Ephe- 
merites Bückerti Gein. aus dem Rothliegenden von Reitsch zu verewigen mir 
eine besondere Freude war. Pis haben unsere hiesigen Sammlungen, das K. Minera- 
logische Museum und die K. Technische Hochschule, seinem wissenschaftlichen Streben 
und seinen freundschaftlichen Gesinnungen so manche Prachtexemplare der seltensten 
Versteinerungen und wichtige Handstücke von Gesteinen zu verdanken, und noch 
vor Kurzem widmete er unserer Isis einen interessanten Bericht über die verschie- 
denen Salzvorkotnmnisse in Salzungen (Sitzungsber. d. Isis, 1892, S. 7). Treue Liebe 
und dankbare Verehrung sind ihm nicht allein von seiner Familie, sondern von allen, 
welche ihr Lebensweg mit ihm zusammengeführt hat, weit hinaus über sein Grab 
hin gefolgt und diese wird auch bei uns nie verlöschen. H. B. Geinitz. 

Am 18. März 1893 starb in Agram der Botaniker Dr. phil. Ludwig 
Vukotinovich, correspondirendes Mitglied seit 1860. 

Am 29. März 1893 verschied im Alter von 83 Jahren in Eisenach 


17 


Geh. Hofrath Dr. Christian Senft, seit länger als 50 Jahren Professor 
der Mineralogie und Geognosie an der dortigen Forstlehranstalt, correspon- 
direndes Mitglied seit 1866. 


Heu aufgenommene wirkliche Mitglieder : 

Beiger, G. Rud., Bürgerschullehrer in Dresden, am 26. Januar 1893; 
Dressier, Heinr., Seminaroberlehrer in Dresden, am 20. Mai 1893; 
Sanders, W., Realschullehrer in Dresden, am 29. Juni 1893; 

Weber, Rieh., Apothekenbesitzer in Dresden, am 26. Januar 1893. 

Aus den cor respondirenden in die wirklichen Mitglieder 

ist übergetreten: 

Osborne, W., Privatus in Blasewitz. 

Heu ernannte correspondirende Mitglieder: 
Schlimpert, Apotheker in Cölln bei Meissen, am 23. Februar 1893. 


Dresden, am 23 . Februar 1893 . H. Warn atz, z. Z. Kassirer der Isis. 


18 




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Kassenabschluss der ISIS vom Jahre 1892. 

Position. Einnahme. Position. Ausgabe. 


19 


Voranschlag 

für das Jahr 1893. 


Mark 

1. Gehalte . 630 

2. Inserate . 70 

3. Localspesen 130 

4. Buchbinderarbeiten 200 

5. Bücher und Zeitschriften 400 

6. Sitzungsberichte und Drucksachen ..... 1100 

7. Insgemein 130 

Summa Mark 2660. 


♦ 





Sitzungsberichte 

* 

der 


naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dres cle n. 


1893 



23 


I. Section für Zoologie. 


Dritte Sitzung am 16. November 1893. Vorsitzender: Instituts- 
director Th. Reibisch. — Anwesend 25 Mitglieder. 

Prof. Dr. 0. Drude bespricht in einem längeren, ausführlichen Vor- 
trage die Apochromat- Objective der Mikroskope von Zeis in Jena. 

Privatus K. Schiller spricht über sächsische Cicaden. 

• 

Nachdem er ihre Stellung im System in Kürze angegeben, charakterisirt er die 
acht Gattungen derselben, wie sie von Fieber in seinem ursprünglich deutsch ge- 
schriebenen Werke „Les cicadines d’Europe“ aufgestellt sind, und theilt eine Tafel 
zum Bestimmen mit. Hierauf werden die ihm bekannt gewordenen Arten in Wort und 
Bild vorgeführt unter besonderer Rücksichtnahme auf die stimmbildenden Organe der 
Singcicaden und die zeitweilige Schädlichkeit der Kleincicaden in der Landwirtschaft. 

Institutsdirector Th. Reibisch legt vor die Schädel von Mustela 
martes L., M. foina Briss. , Foetorius putorius L. , F. vison Briss., 
Lutra vulgaris L., Mephitis mesomelas L. und Meies taxus Schreb. 

Der Vortragende bespricht zuerst ihre gemeinsamen Raubthiermerkmale, als Reiss- 
zähne, Weite der Jochbogen, Breite über der Ohröffnung, Ausschnitt der Nasenbeine. 
Darauf hebt er als vorzügliche Merkmale in der Familie der Marder das Zurück- 
treten des 2. und 5. Vorderzahnes im Unterkiefer hervor und bespricht alsdann die 
Unterschiede einzelner Arten, wozu er vorzüglich die Zahl der Zähne überhaupt und 
die Form der Kronzähne im Besonderen benutzt. Bei Lutra macht er auf die Breite 
des Schädels als Wasserthier und bei Meies auf die sichere und stets zuverlässige 
Einfügung des Gelenkkopfes am Unterkiefer in die Gelenkgrube des Schläfenbeines 
aufmerksam. 


II. Section für Botanik. 


Vierte Sitzung am 12. October 1893 (im Hörsaale des K. Botanischen 
Gartens). Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 27 Mitglieder. 

Prof. Dr. 0. Drude hält einen Vortrag über die Vegetations- 
Regionen der Central-'Karpathen. 

Redner bespricht zunächst ältere Arbeiten über die Vegetations - Regionen und 
charakterisirt die letzteren specieller nach den auf der Isis-Excursion dieses Sommers 
gesammelten Beobachtungen. Hierauf legt er, geordnet nach diesen Regionen, die 
interessanteren in der Tatra gesammelten Pflanzen vor und bespricht deren Ver- 
breitungs-Areale (vergl. Abhandl. IX). 


24 


Fünfte Sitzung* am 23. November 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. 
0. Drude. — Anwesend 31 Mitglieder. 

Bei Beginn der Sitzung zeigt der Vorsitzende unter dem von ihm am 
16. November d. J. erläuterten Apochromat- Mikroskop von Zeis ein 
Polarisationsbild der Bastzellen des Pinien-Zapfens zur klaren Veranschau- 
lichung des Kreuzes und der Interferenzfarben. 

Oberlehrer A. Wobst macht Mittheilung von der Schenkung einiger 
Abhandlungen von Fr. Stephani in Leipzig über „Lebermoose“. 

Der Vorsitzende trägt alsdann über die neueren Strömungen auf 
dem Gebiete der botanischen Nomenclatur vor. 

Ausgehend von den Linnee’ischen Prioritäts - Kegeln und deren Verbesserung in 
den „Lois de Nomenclature botanique‘‘ von De Candolle, von den weiter dadurch 
hervorgerufenen Umänderungen in den Benennungen deutscher Flora unter Führung 
von Garcke und Asclierson, giebt er Beispiele für die damit verbundenen Unzu- 
träglichkeiten. Nachdem Vortragender als weitere Beispiele heutiger Disharmonie 
die Verfahren von Dr. Günther von Beck und Richter- Wien in Beispielen gebracht 
hat, erläutert er die Tendenzen von 0. Kuntze’s „Revisio plantarum“ und kenn- 
zeichnet die Hauptsätze der Berliner Beschlüsse, w r elche auf der internationalen 
Botaniker-Conferenz zu Genua 1898 besprochen wurden und zu weiterer Ausarbeitung 
einer Commission unterworfen sind, gegen welches Verfahren Dr. 0. Kuntze’s 
jüngste Veröffentlichungen sehr scharfe, oft geradezu komisch wirkende Entgeg- 
nungen führen. 

Oberlehrer A. Wobst trägt vor über die Formen der Gattung 
j Rosa von Dresden und seiner Umgebung. 

Nach Einleitungen über die Vielgestaltigkeit der einzelnen Species macht er 
aufmerksam auf die grosse Summe von Merkmalen, welche alle beim Bestimmen zu 
berücksichtigen sind. Nach einem Ueberblick über die Mittheilungen älterer säch- 
sischer Floristen bespricht der Vortragende unter Zugrundelegung der Christ’schen 
Eintheilung die Hauptformen der Rosen und bringt folgende im genannten Gebiete 
gesammelten zur Vorlage: 

Rosa alpina L. — R. pomifera Herrn.; R. tomentosa L. — R. rubiginosa L. var. 
rotundifolia Rau (sehr nahe stehend), R. micrantlia Sm., R. inodora Fr., R. graveolens 
Gren. — R. Jundzüli Bess. — R. canina L. f. Lutetiana Lern., R. canina f. dumalis 
Bechst. , R. canina f, biserrata Bak. , R. canina f. firmula Christ, ex p. — R. glauca 
Vill. — R. dumetorum Thuill., R. dumetorum f. platyphylla Rau. — R. coriifolia Fr. 
— R. gallica L. (verw.), R. gallica f. Austriaca Crantz ( R . pumila L.). 

Dabei spricht der Vortragende die interessante Vermuthung aus, dass die von 
Reichenbach an der Bosel aufgefundene Rosa pumila jetzt verschwunden und an 
deren Stelle durch Bastardirung eine Form der R. trachyphylla , R. Jundzüli Bess., 
getreten ist. Eine kurze Mittheilung über die geographische Vertheilung der Rosen - 
Formen in Sachsen beschliesst den Vortrag. 


Sechste (ausserordentliche) Sitzung am 28. Decemher 1893. 

(Floristenabend). Vorsitzender: Oberlehrer A. Wobst. — Anwesend 10 
Mitglieder. 

Privatus K. Schiller bringt die kryptogamische Ausbeute der 
Isi s-Excursion nach der Tatra zur Vorlage (s. unter Abhandl. IX). 

Dr. B. Schorler bespricht die Arbeit von CI. König: „Die Zahl der 
in Sachsen heimischen und angebauten Bliithenpflanzen“. 

Prof. Dr. 0. Drude legt den 1. Band der Ko ch’ sehen „Synopsis“ in der 


25 


Bearbeitung’ von Haiti er und Wohlfarth vor und macht auf deren 
Mängel aufmerksam, ferner eine Anzahl interessanter Pilzformen, die 
auf einer in Gesellschaft von Prof. Magnus- Berlin und Prof. Fischer- 
Leipzig unternommenen Excursion nach Meissen gesammelt worden sind 
(s. Excursionsbericht von Prof. Magnus unter Abhandl. YIII). 

Dr. B. S chor ler berichtet über die interessanteren Bereicherungen 
der Fl ora Saxonica mit Vorlage der Belegexemplare. 

Was zunächst die Neuigkeiten anbetrifft, so ist in erster Linie zu 
erwähnen 

1. Campanula bononiensis L. (= C. Thaliana Wallr., C. ruthenica M. 

B. ), aufgefunden von Apotheker Schlimpert (Cölln Meissen) an einem 
bewaldeten Geröllhang bei Daubnitz, nordwestlich von Meissen. 

Diese Glockenblume ist für das Königreich Sachsen thatsächlich neu. Wünsche 
giebt zwar einen Standort bei Leipzig, Röglitz, an, aber derselbe liegt ausserhalb 
Sachsens an der Elster noch unterhalb Schkeuditz. Sie musste bisher jenen durch 
ihre Verbreitung interessanten Pflanzen zugezählt werden, die, wie Astragalas ex - 
scapus, Hypericum elegans und Trifolium parviflorum im N. und S. des Gebietes ver- 
breitet sind, in Sachsen selbst aber nicht verkommen, und die dieser eigenthiimlichen 
Verbreitung wegen zur Aufstellung gewagter Aussterbungsliypothesen von Floren- 
gliedern Veranlassung gegeben haben. Durch die Auffindung der Campanula bono- 
niensis L. sind wenigstens für diese Pflanze die Standorte in Böhmen und Thüringen 
resp. der Mark überbrückt. Die Standorte in Böhmen vertheilen sich namentlich auf 
den Norden: Jung-Bunzlau, Bölnnisch-Leipa, Aussig, Teplitz, Bilin, Brüx bis nach 
Kommotau, doch kommt sie auch südlicher vor, z. B. bei Prag und Carlstein. Im 
benachbarten Schlesien ist die Pflanze selten, im Süden ist nur ein Standort bei 
Kätscher und im Norden je einer bei Grünberg und Guhren bekannt. Häufiger ist sie da- 
gegen in der Mark, wo As cherson in seiner Flora einige zwanzig getrennte Standorte auf- 
zählt, sie scheint aber hier vielfach nur verwildert zu sein, wie die wiederkehrende 
Angabe ,,auf dem Kirchhof“ beweist. An die Mark schliessen sich direct die Stand- 
orte in Thüringen an, wo sie bei Aschersleben, Halle, Frankenhausen, Sondershausen, 
Gotha etc. auftritt, also auch nicht selten ist. — Das Hauptverbreitungsgebiet von 

C. bononiensis ist aber unstreitig der Südosten. Sie ist verbreitet bis häufig im süd- 
lichen Russland, in den unteren Donauländern, in Bulgarien, Serbien, Banat, Bosnien, 
Croatien, Slavonien, Dalmatien, Istrien, Herzegowina und Montenegro bis nach 
Thessalien, in Ungarn und Polen, in der Tatra besonders in den Liptauer und Belaer 
Kalkalpen häufig. Beck giebt an: „vornehmlich im Gebiet der pannonischen Flora, 
Wiener Wald, auf allen Hügeln im südlichen Wiener Becken, im Leithagebirge, in 
den Marschauen etc.“ Die am weitesten nach Nord westen vorgeschobenen Posten 
dieser interessanten Pflanze stehen auf einer Linie, die von Gumbinnen in der Prov. 
Preussen über Bromberg, Stettin, Rostock, Hannover, nach Trier verläuft und sich 
von hier nach der Dauphine in Südost -Frankreich wendet. Doch ist in dem durch 
diese Vegetationslinie angegebenen Areale die Verbreitung eine sehr sporadische. 
Die Pflanze fehlt z. B. in Elsass-Lothringen , der Pfalz, Baden, Württemberg und 
Bayern vollständig. Sie ist kalkbedürftig und siedelt sich gern wie ihre südöst- 
lichen Verwandten auf sonnigen buschigen Abhängen und Felsen an, kommt aber 
auch auf Lehmboden, Basalt und Gneiss vor. — Bei Meissen wächst sie in dem an 
interessanten Pflanzen so reichen Lössgebiet, an jenem durch seine vielen Seltenheiten 
berühmten Südhang des Lommatzschthaies. Bei einer Excursion, die ich am 27. Mai 1893 
mit Herrn und Frau Prof. Drude und geführt von den Herren Schlimpert und Fritzsche 
dahin unternahm, konnten wir u. A. folgende Arten constatiren: Verbascum phoeni- 
ceum, llosa trachyphylla , Spiraea Filipendula , Anthericum Liliago, Carex humilis, 
Pulsatilla pratensis, Peucedanum Oreoselin >im und Cervaria, Sedum rupestre, Potentilla 
opaca und rupestris, Inula hirta, Hypochoeris maculata, Myosotis sparsiflora, Cyno- 
glossum officinale etc. Es ist wunderbar, dass die Pflanze in einem so gut durch- 
forschten Gebiete bisher übersehen werden konnte. Nachträglich wurde von mir ein 
2. Standort bei Lommatzsch festgestellt, von wo Seminaroberlehrer Leonhardt in 
Nossen die Pflanze bereits 1890, allerdings unter anderer Bezeichnung, an das Her- 
barium der Flora Saxonica eingesandt hatte. 


26 


Neu ist ferner für Sachsen 

2. Veronica Dillenii Crtz. (= V. campestris Schmalhausen), aufgefunden 
von F. Fritz sehe (Kötzschenbroda) auf einem sandigen Acker bei Lindenau 
bei Kötzschenbroda. 

Als Herr Fritzsche, der bei allen seinen neuen Funden in liebenswürdigster Weise 
des Herbariums der Flora Saxonica im Polytechnikum gedenkt, die Pflanze daselbst 
ablieferte, durchmusterten wir gemeinschaftlich die vorhandenen Veronica- Arten und 
fanden zu unserer grossen Freude die Pflanze im Herbar bereits vertreten, die als 
V. verna L. etiquettirt und von dem eifrigen Sammler um Königsbrück, Herrn 
A. Schultz eingesandt worden war. Eine von Lodny bei Blasewitz gesammelte 
V. verna entpuppte sich auch als V. Dillenii. So liegt uns also diese Novität gleich 
von 8 Standorten aus Sachsen vor. V. Dillenii wurde zuerst von dem russischen 
Botaniker Schmalhausen in den Ber. d. Deutsch. Botan. Ges. 1892 unter dem 
Namen V. campestris von V. verna L. als eigene Art abgetrennt. Schmalhausen giebt 
von derselben folgende Diagnose, die ich hier wiederhole, weil doch vielleicht manchem 
der Botaniker der Isis damit gedient sein könnte: 

Stengel aufrecht, einfach oder verzweigt, unten etwas kraus, oben drüsig behaart, 
7 ■ — 20 cm hoch; untere Blätter kurz gestielt, eiförmig, gekerbt, die übrigen stengel- 
ständigen sitzend, tief 8—5 theilig oder fiederspaltig, mit linealischen oder länglichen 
stumpfen Zipfeln, der Endzipfel grösser und bisweilen eingeschnitten; die unteren 
Deckblätter dreispaltig, die oberen lineal-lanzettlich, ganzrandig; Blütenstiele aufrecht, 
kürzer als der Kelch, Kelchzipfel ungleich lang; Blumenkrone so lang als der Kelch, 
tief blau; Griffel so lang wie die halbe Kapselscheidewand, länger als die Ausrandung; 
Kapsel zusammengedrückt, abgerundet nierenförmig, drüsig gewimpert, mit 9 — 13 
sämigen Fächern. — 

Diese neue Species, die, wie Ascherson feststellte, nach Prioritäts-Principien den 
Namen V. Dillenii Crtz. erhalten muss, ist der V. verna L. sehr nahe verwandt, 
unterscheidet sich aber sehr leicht von derselben durch die Länge des Griffels, der 
bei ihr halb so lang als die Scheidewand der ausgewachsenen Frucht ist, während 
er bei V. verna höchstens J / 3 so lang, meist noch kürzer ist und die Ausrandung 
kaum überragt. Auch die grössere Drüsigkeit, die doppelt so grosse dunkler gefärbte 
und flach ausgebreitete Blumenkrone, die bei V. verna klein und trichterförmig ver- 
tieft ist, und die grössere Fruchtkapsel mit zahlreicheren Samen (bei V. verna nur 
6 — 8 in jedem Fache) unterscheidet sie gut von der verwandten Art. — Sie bevorzugt, 
wie auch V. verna L., sandigen Boden. Nach dem, was bisher über ihre Verbreitung 
bekannt geworden ist, scheint sie auch wie Campanula bononiensis südeuropäischen 
Ursprungs zu sein, wenigstens ist sie im mittleren und südlichen Russland und in 
Oesterreich-Ungarn verbreitet, Ascherson konnte für sie vorläufig folgende nord- 
westliche Verbreitungsgrenze feststellen: Rostock, Neuruppin, Magdeburg, Bodegebirge 
im Harz, Frankfurt a. M. und Kreuznach im Nahethal. 

Als dritte Neuheit ist zu erwähnen 

3. Helosciadium nodiflorum Koch, aufgefunden von dem Seminaristen 
Th. Angermann am ßienitz bei Leipzig. 

In den Sitzungsberichten der Isis vom Jahre 1890 wurde das Vorkommen dieser 
in Deutschland seltenen Gattung in Sachsen constatirt. Heute können wir bereits 
von der Auffindung einer zweiten Art berichten. Der entdeckte Standort ist für 
Helosciadium nodiflorum möglicherweise ein sehr alter, wenigstens erwähnt Baum- 
garten, der allerdings nicht sehr zuverlässig ist, in seiner Flora Lipsiensis vom 
Jahre 1790 die Pflanze vom Bienitz. Alle neueren Localfloristen Leipzigs aber geben 
sie nicht an. Die Art hat im Gegensatz zu den beiden ersten Novitäten im Westen 
oder Süd westen Europas ihr eigentliches Verbreitungsgebiet, sie ist. in England, 
Spanien, Frankreich, Belgien, Elsass-Lothringen und im Rheinthal häufig, kommt 
auch in der Westschweiz und Italien und mit ihren letzten Ausläufern auf der 
Balkanhalbinsel vor. In Mitteldeutschland wird von Sc holler in seiner Flora Bar- 
biensis noch ein Standort „unterhalb Gödniz gegen Domburg“ zu angegeben. 

Ausser diesen 3 Novitäten ist die Flora Saxonica noch um eine An- 
zahl neuer Standorte von seltenen Pflanzen oder Varietäten bereichert 
worden, von denen nur die folgenden erwähnt sein mögen. Es wurden 
von F. Fritzsche (Kötzschenbroda) aufgefunden: 


21 


Potamogeton pusillus L. var. tenuissimus K. unter der var. major in Lachen am 
Elbufer zwischen Gauernitz und Scharfenberg; P. obtusifolius M. et K. im Mittelteich 
in Moritzburg; P. trichoid.es Cham, et Schld. ebenda; Zannichellia palustris L. in 
Lachen am linken Elbufer bei Scharfenberg und in einem Graben zwischen dem 
Schlossteich und dem Mittelteich bei Moritzburg; Alisma natans L. im Gröditzer 
Kanal; Al. Plantago L. var. graminifolium Ehrh. am linken Elbufer bei Scharfenberg; 
Cyperus fuscus L. am Elbufer bei Serkowitz ; Corydalis solida L. bei Diesbar; Geranium 
divaricatum L. an Weinbergszäunen bei Zitzschewig; Potentilla recta L. bei Oberau; 
Gerastium brachypetalum Desp. bei Wachwitz; Pier is hier acioides L. bei Cölln-Meissen ; 
Cirsium lanceolatum Scop. var. nemorale Rchb. im Saubachthale bei Gauernitz. 

Ferner wurden von H. Hofmann in Hohenstein-E. aufgefunden: 

Rubus Sprengelii Wh. bei Hohenstein-E. im Walde nach Falken zu und Iliera- 
cium flagellare Willd. (H. pratensexVilosella Aschers.) *pilicaule Sagorski bei Döbeln. 

Eine Anzahl eingeschleppter Ruderalpflanzen wurden von Bürgerschul- 
lehrer Naumann in der Nähe eines Bahnneubaues in Crossen bei Zwickau 
beobachtet. Es sind dies: 

Gypsophila porrigens, Glaucium corniculatum , Lepidium perfoliatum , Silene conica, 
Vaccaria agrestis , Nigella arvensis, Specularia Speculum , Centaurea solstitialis und 
C. calcitrdpa. 

Oberlehrer A. Wobst legt im Anschluss hieran einige in diesem Jahre 
in Sachsen gesammelte neue Rubus - Arten vor. Es sind: 

Rubus chaerophyllus Sagorski und W. Schultz. Fundort: Berthelsdorf bei Herrhut; 
R. dumetorum W. et N. var. Warnsdorfii Focke. Fundort: Zittau auf der Koitsche, ge- 
sammelt von Hofmann; R. Idaeo x caesius G. F. W. Mey. Fundort: Göda bei Bautzen, 
gesammelt von Feurich. 


111. Sectio n für Mineralogie und Geologie. 


Dritte Sitzung am 19. October 1893. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. — Anwesend 32 Mitglieder. 

Mit tief empfundenen Worten zeigt der Vorsitzende zunächst den am 
9. October d. J. im 76. Lebensjahre erfolgten Tod des früheren Directors 
der K. K. geologischen Reichsanstalt in Wien, Hofrath L). Stur, Ehren- 
mitgliedes der Gesellschaft seit 1885, an und behält sich einen Nekrolog 
des verdienten Forschers für eine der nächsten Sitzungen vor. 

Es wird Einsicht genommen von einem instructiven Modell zur 
Erläuterung von Verwerfungen, welches unsere Technische Hochschule 
von dem Obersteiger a. D. Häusler in Charlottenburg erworben hat. 

Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildet ein kurzer Bericht 
des Vorsitzenden über einen Ausflug nach Oberbayern im August d. J., 
der ihn zunächst nach München und später über Tölz, den Tegernsee, Dorf 
und Bad Kreuth nach dem Achensee und nach Innsbruck geführt hat. 

Mussten zunächst die reichen mineralogisch-geologischen Sammlungen in München, 
wie das von F. von KobeU und zuletzt von Prof. Dr. Groth auf seinen hohen 
Rang erhobene mineralogische Museum, das von Prof. Dr. von Zittel begründete 
und ausgezeichnet geleitete p al äontolo gi sch e Museum, sowie die von Oberberg- 
director Prof. Dr. von Gümbel verwalteten ansehnlichen mineralogisch-geo- 
logischen Sammlungen des Münchener Polytechnikums und die unschätzbaren 
Materialien in der geologischen Landessammlung, die nach Sectioncn und 


28 


Districten der grossen von GümbeTschen geognostisclien Karte von Bayern geordnet in 
den unteren Räumen des K. Oberbergamtes niedergelegt sind, das Interesse in vollen 
Anspruch nehmen, so fand dasselbe doch auch später in Innsbruck vielseitige Anregung. 
Hier waren es die schönen Sammlungen des unter Prof. Wieser’s Leitung stehenden 
Ferdinandeum, ferner die Sammlungen der Universität, welche Prof. Dr. Blaas, 
der Nachfolger des hochgeschätzten von Pichler erschloss, und eine vor Kurzem 
eröffnete sehr gelungene Tiroler Industrie- Ausstellung, die auch in geologischer 
Beziehung manch Interessantes darbot. Zu kleinen geologischen Ausflügen, zum Theil 
unter freundlicher Leitung von Prof. Blaas verlockte schon die zauberische Um- 
gegend Innsbrucks in hohem Grade. 

Ferienreisen sind in der Regel für Museumsbesuche nicht günstig, da sich die 
Beamten meist selbst auf Ausflügen befinden und diese Zeit oft für bauliche Ver- 
änderungen benutzt zu werden pflegt. Der Vortragende hat sich während seines kurzen 
Aufenthaltes in München der wesentlichen Unterstützung einiger der Assistenten an 
den genannten Anstalten , insbesondere der Herren Dr. Grünling, Dr. Rud. Schäfer 
und Dr. Reis zu erfreuen gehabt. 

Eine lustige Omnibusfahrt mit 4 Maulthieren führte alsdann von Zirl in dem 
Innthale aus über Seefeld, den bekannten Fundort fossiler Fische in den Asphalt- 
lagem des Hauptdolomits, nach Scharnitz und durch den alten Römerpass zwischen 
dem Karwendelgebirge und Wettersteingebirge nach Mittenwald und später nach 
Partenkirchen, welche Orte hinreichende Veranlassung boten zu Ausflügen in die 
wundervolle felsenreiche Umgebung mit dem smaragdgrünen Badersee und dem Eib- 
see am Fusse der gletscherbedeckten Zugspitze. 

Zur näheren Erläuterung der geognostisclien Verhältnisse werden vorgelegt 

A. Rothpletz: Das Karwendelgebirge. Mit Karte, 2 Tafeln und 29 Figuren im 
Text. München 1888; 

C. W. v. Gümbel: Abriss der geognostischen Verhältnisse der Tertiärschichten 
bei Miesbach und des Alpengebirges zwischen Tegernsee und Wendelstein. Mit Aus- 
flugskarten in dieses Gebiet. München 1875; 

Th. Skuplios: Die stratigraphische Stellung der Partnach- und der sogenannten 
Cardita- Schichten in den Nordtiroler und Bayerischen Alpen. Cassel 1892, und als 
neueste Schrift, welche hohe Anerkennung verdient, die einer Dame, 

Marie M. Ogilvie: Contributions to the Geology of the Wengen and St. Cassian 
Strata in Southern Tyrol. London 1898. 

Gleichzeitig lagen zur näheren Einsicht vor die prächtigen Publicationen von 

Mojsisovics: Ueber die Dolomit-Riffe von Südtirol und Vetietien, Wien 1879, 
und von Simony: Das Dachsteingebirge, Wien 1889 — 1898, sowie mehrere geologische 
Karten von v. Gümbel, v. Hauer und verschiedene photographische Ansichten der 
besuchten Gegenden und namentlich von dem schönen Innsbruck. 

Eine prachtvolle Fahrt an den Walchensee und den Kochelsee und zuletzt noch 
über den stattlichen Starnberger See führte von Mittenwald aus nach München zurück, 
um hier noch einmal unter Leitung von Dr. Schäfer im paläontologischen Museum 
die Reihe von triadischen und jüngeren Gebirgsgliedern der alpinen Formationen zu 
überblicken, denen man in der grossartigsten und verwegensten Weise auf den Wander- 
ungen und Fahrten durch das Bayerische und Tiroler Alpengebiet begegnet. Von den 
Werfener Schichten an als Vertreter des bunten Sandsteins gelangt man durch 
unteren Muschelkalk {Myophoria- Schichten, Gutten steinkalk und Virgloria-Kalk) in 
die Partnach -Schi eilten, als Aequivalent der St. Cassian-Schichteü, findet 
hierauf den weitverbreiteten Wettersteinkalk mit seinen zackigen Kars, ein 
Aequivalent des Hallstädter Kalkes, des Esinokalkes und des Schlerndolomits, gelangt 
sodann in die Raibler Schichten und den Hauptdolomit bis zu den jüngsten 
Schichten der alpinen Trias, dem Rhät, und hier und da selbst noch in jurassische 
und cretacische Schichten 

Zum Schlüsse der schönen, gelungenen Reise bot sich auf der Rückfahrt von 
München nach Würzburg noch die verlockende Gelegenheit dar, von Station Stein- 
bach aus einen Abstecher nach dem altberühmten Rothenburg ob der Tauber aus- 
zuführen, welcher reichen Genuss gewährt hat und Jedem dringend zu empfehlen ist. 
Mit allem Rechte sagt Albert Schultheiss in seinen Europäischen Wanderbüchern, 
Rothenburg ob der Tauber, Zürich: „Rothenburg ob der Tauber in Mittelfranken, 
hart an der bayerisch- württembergischen Landesgrenze gelegen, bietet mehr als jede 
andere deutsche Stadt, sogar Nürnberg nicht ausgenommen, ein Bild von nahezu 
unversehrtem mittelalterlichem Gepräge“. 


29 


Vor Schluss der Sitzung wirft Prof. Dr. 0. Drude noch einige Blicke 
auf eine Abhandlung von A. C. Seward, Fossil Plants as tests of Climate, 
London 1852, woran sich auch Bemerkungen von H. B. Geinitz und 
H. Engelhardt knüpfen. 


Vierte Sitzung am 7. December 1893. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. — Anwesend 38 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende legt ein ihm von Kammerherrn Freiherrn von Burgk 
geschenktes Prachtwerk vor: „Erinnerungsblätter an den Steinkohlenbergbau 
zu Burgk“. 

Diese 30 grossen uncl schönen, unter Anwendung von Magnesiumlicht angefertigten 
Photographien sind dem Steinkohlenbergbau zu Burgk im Plauenschen Grunde ent- 
nommen; sie geben eine getreue Darstellung der Maschinenanlagen, der Abteufung 
von Schächten, des Grubenausbaues, des Abbaues u. s. w. und lassen erkennet) , mit 
welcher musterhaften Umsicht und Intelligenz in diesen Gruben gearbeitet wird. 

Hierauf circulirt ein neues Schriftchen über Schneekry stalle, Be- 
obachtungen und Studien von Prof. Dr. Hell mann, Berlin 1893, das 
an alle früheren derartigen und namentlich auch an die 1845 und 1846 
von J. F. A. Franke in Dresden beobachteten zahlreichen Formen von 
Schneekrystallen*) eng anschliesst. 

Dr. Th. Wolf hält hierauf einen interessanten Vortrag über die 
Goldgruben von Vöröspatak, prächtige Objecte dabei zur Vorlage 
bringend. 

Redner bereiste im vorigen Sommer das siebenbürgische Erzgebirge, um die da- 
sigen Goldbergwerke kennen zu lernen, von denen vor Allem die von Vöröspatak, 
einem zwischen Maros und Aranyos gelegenen Gebiete, von grösstem Interesse sind. 
Das siebenbürgische Erzgebirge bildet ein mit seinem spitzen Winkel nach Osten ge- 
richtetes Dreieck von etwa 13 — 14 geographischen Meilen Länge. Es ist landschaft- 
lich schön, trägt beinahe alpinen Charakter und würde auch Touristen zur Bereisung 
zu empfehlen sein, wenn die Verkehrs Verhältnisse besser wären. Für Geologen und 
Bergleute ist die Gegend ein Eldorado. Geologisch besteht das Gebirge in seinem 
Grundstöcke aus krystallinischem Schiefer, inselartig lagern darauf Kalkfelsen (Jura- 
kalk). In der Gegend von Vöröspatak (Rothenbach) herrscht Karpathensandstein 
vor. Form und Farbe dieses eocänen Sandsteins sind dem der sächsischen Schweiz 
ähnlich. Eruptivgesteine durchbrechen und umlagern diese Schichten und bilden sie 
überragende Kuppen. Es sind Porphyr- und Grünstein-artige Gesteine, welche be- 
reits viele namhafte Geologen beschäftigt haben Die meisten sind tertiären Ursprungs 
und gehören zu den Trachytgesteinen, sind Andesite und Dacite. Basalt tritt nur 
selten auf, dann aber in schönster, typischer Weise. 

Merkwürdig erscheint, dass die Erzführung an das Auftreten gewisser Eruptiv- 
gesteine gebunden ist. Wo sich Dacit zeigt, sind gewiss Gold, Silber , Tellur und andere 
Metalle zu finden. Das Auftreten des Goldes ist so allgemein, dass man das Erzge- 
birge das goldreichste Gebiet Europas nennen kann. Silbererze erscheinen erst in 
zweiter Linie. „ * 

Vöröspatak hat etwa 8000 Bewohner verschiedener Abstammung und Religion. 
Der Ort liegt im Thal der Rosia, etwa 800 m über dem Meere. Im Osten und Norden 
von Audesitkegeln umschlossen, erhebt sich im Süden der Gebirgsstock des Kirnik, 
aus Dacit bestehend und von Karpathensandstein umlagert. Metallische Substanzen 
durchziehen den ganzen Berg in regellosem Vorkommen. Namentlich ist Pyrit vor- 
handen mit gediegenem Gold, Kalkspath, Braunspath, Manganspath und Gyps. 
Redner untersuchte längere Zeit das Gebirge und fand vorherrschend einen zersetzten 
und verwitterten Dacit, theils tuffartig zerreiblich, theils ganz verkieselt. Der ganze 
Stock des Kirnik ist von Klüften durchsetzt, ebenso die ihn umgebenden Breccien, 
Tuffe, Localsedimente und der Karpathensandstein. 


*) H. B. Geinitz in Denkschriften der Isis .zu Dresden, 1860, S. 20, Taf. 1—6. 


30 


Der Reich thuni an Gold in diesem Gebiete, der bereits in ältester Zeit bekannt 
war, führte hier zur Gründung einer römischen Kolonie; während des ganzen Mittel- 
alters wurde gegraben, und gegenwärtig sind etwa 100 Gruben im Betrieb. Sämmt- 
liche Bewohner sind Bergleute. Die Gehänge des Kirnik sind mit Halden bedeckt 
und das ganze 2 km lange Thal hat in seiner Sohle Minenschutt. Tag und Nacht 
vernimmt man das unaufhörliche Pochen und Stampfen in den Häusern, denn fast 
jeder Hausbesitzer ist Minen- und Mühlenbesitzer. Die Ausbeute der Minen wird in 
Goldstein ausgezahlt und jeder Theilhaber muss dasselbe selbst aufbereiten. Diese 
kleinlichen Verhältnisse sind es, welche den rationellen Bergbau hindern. Nur dann, 
wenn die kleineren Besitzer sich zu grösseren Gesellschaften vereinigten, wenn der 
Bergbau systematisch betrieben würde, Hesse sich grösserer Ertrag erzielen. Bleiben 
die Verhältnisse so, wie sie jetzt sind, wird auch Vöröspatak ein armer Bergort bleiben. 

Oberlehrer H. Engelhardt, dem wir bereits die Kenntniss der 
Tertiärflora Chiles verdanken , bespricht neuerdings von ihm untersuchte 
fossile Pflanzen der Tertiärformation Bolivias, die ihm durch 
Consul Dr. Ochsenius in Marburg, Bergrath Dr. Stelzner in Freiberg und 
die Boyal Silver Mine of Potosi Company in London zur wissenschaft- 
lichen Verwerthung zugesandt worden sind. 

Oberlehrer Dr. E. Danzig in Bochlitz sendet unter dem 12. August 
1893 folgende, die Gliederung des oberen Quaders südlich von 
Zittau betreffende briefliche Mittheilung ein: 

„ln meiner im Jahrgange 1874 der Isis-Berichte enthaltenen Abhandlung: „Das 
Quadergebirge südlich von Zittau“ hatte ich den oberen Quader jenes Gebiets in eine 
tiefere und eine höhere Abtheilung trennen zu können geglaubt. Veranlassung dazu 
gab mir der Umstand, dass das zur tieferen Abtheilung gezogene, aus einem Wechsel 
von feinkörnigem Sandstein und Quadermergel bestehende, relativ versteinerungsreiche 
Schichtensystem von Lückendorf in den Brandbergen überlagert wird von dem grob- 
körnigen, an Versteinerungen sowohl der Zahl der Individuen wie der der Arten 
( Lima canalifera, Ostrea frons) nach sehr armen Quader der Umgebung des Oybins. 
Da nun dieser Quader andererseits aber auch wieder ein tieferes Niveau wie der 
erstgenannte einnimmt, so kam ich dazu, an mehreren Orten eine Anlagerung des 
Quaders vom Oybiner Typus an die Lückendorfer Schichten oder deren Aequivalente 
anzunehmen, vergleiche Profile 4, 6, 7. Wenige Jahre nach der Publication jenes 
Aufsatzes machte ich indessen folgende Beobachtung, welche beweist, dass eine der- 
artige Gliederung des oberen Quaders sich doch nicht vornehmen lässt. 

Den gegen 70 m mächtigen, aus grobkörnigem Oybin- Quader aufgebauten Wänden, 
weiche zu den als „Schindellöcher“ bezeichneten Schluchten zwischen Eschen-Grund 
und Hölle bei Oybin schroff abstürzen, ist ein kleiner, 5 — 6 m hoher, allseitig frei 
stehender Fels aufgesetzt (auf der 500 m Linie gelegen, nahe einem Waldweg zwischen 
Schneisse F und 19). Derselbe besteht von unten nach oben a) aus einem 2 m 
mächtigen, dünnbankigen, etwas röthlichen, kalkreichen Sandstein, ganz gleich dem 
a. a. O. aus den „rothen Schichten“ von Lückendorf u. s. w. beschrieben m, b) bis 
zum Gipfel aus gewöhnlichem Oybin - Quader. Die obersten Bänke von a gehen z. 
Th. schon im Streichen ziemlich rasch in den grobkörnigen , kalkfreien Sandstein b 
über. Die Schichtenlage des ganzen Complexes ist wie überall in der Umgebung 
des oberen Oybin-Thales völlig horizontal. Die kalkige Bank ist also hier dem 
grobkörnigen Oybin-Quader, der der höheren Stufe zugerechnet worden war, deutlich 
eingeschaltet, am östlichen Fusse des erwähnten Felsens kommt auch der letztere 
unmittelbar unter den Schichten a noch zum Vorschein. Das Niveau, in welchem 
hier der kalkige Sandstein auftritt, entspricht etwa dem der oberen Mergel- Zwischen- 
lager bei Lückendorf. 

Hiernach muss man also von einer Gliederung des oberen Quaders jener Gegend 
in eine höhere und liefere Abtheilung absehen. Dieselbe ist nicht durchführbar, und 
die Fälle, wo ich von einer An lagerun g der höheren an die tieferen Schichten ge- 
sprochen habe, sind so zu deuten, dass die letzteren im Streichen ihren Gesteins- 
charakter ändern. Demnach sind in Profil 4 die im Niveau von b, c, d gelegenen 
Schichten des Complexes a als Fortsetzungen jener anzusehen, entsprechend ist in 
Profil 6: c aequivalent b, in 7: d aequivalent b“. 


31 


IV. Section für prähistorische Forschungen. 


Dritte Sitzung am 9. November 1893. Vorsitzender: Dr. J. Deich- 
müller. — Anwesend 24 Mitglieder. 

Der Vorsitzende widmet dem am 1. November d. J. verschiedenen 
Ehrenmitgliede der Gesellschaft, Fräulein Ida von Boxberg, einen warm 
empfundenen Nachruf. 

Rentier W. Osborne berichtet über die vorgeschichtlichen Forsch- 
ungen in Bayern, welche er während seines mehrjährigen Aufenthaltes 
in München kennen zu lernen Gelegenheit hatte. 

Die in München bestehende anthropologische Gesellschaft hat auch die prä- 
historischen Forschungen in den Bereich ihrer Thätigkeit gezogen; sie pflegt namentlich 
die Untersuchung der Reste aus der Römerzeit, an denen Bayern im Donau-Gebiete 
reich ist, und betheiligt sich lebhaft an der Limes-Forschung, für welche das deutsche 
Reich eine ansehnliche Summe zur Verfügung gestellt hat. 

Unter den vorgeschichtlichen Sammlungen Münchens ist in erster Linie die im 
alten Akademiegebäude aufgestellte, von Prof. Dr. Ranke ins Leben gerufene zu 
erwähnen. Sie enthält in drei Zimmern eine allgemeine Abtheilung mit Funden aus 
verschiedenen Gegenden, sodann eine solche mit Resten aus der Stein- und Bronce- 
zeit Bayerns, unter denen die Knochenartefacte aus den fränkischen Höhlen und die 
Funde aus der Gegend zwischen dem Ammer- und Staffelsee hervorragen, und eine 
weitere aus der Eisenzeit Bayerns, durch Reihengräberfunde charakterisirt. Von 
bedeutenderen Privatsammlungen ist die des Dr. J. Naue zu nennen, welcher vor 
Allem eine Reihe schöner und interessanter Schwerter besitzt, sowie die des Malers 
Gabriel Max. 

Für den Privatmann ist es in Bayern nicht leicht, selbständig vorgeschichtliche 
Forschungen vorzunehmen oder eigene Sammlungen anzulegen, da die Erlaubniss zu 
Ausgrabungen nur schwer zu erlangen ist und sämmtliche gefundenen Gegenstände 
an das Münchener Museum abgeliefert werden müssen. Vortragender schloss sich des- 
halb an Dr. J. Naue bei dessen amtlichen Untersuchungen an und hatte hierdurch 
Gelegenheit, namentlich die Hügelgräber am Ammersee kennen zu lernen, deren sich 
dort etwa 150 befinden, die durch die treffliche Schrift von J. Naue: Die Hügel- 
gräber zwischen Ammer- und Staffelsee, Stuttgart 1887, bekannt geworden sind. 
Nach diesen Untersuchungen gehören die Grabhügel Oberbayerns fünf verschiedenen 
Perioden an: Der älteren Broncezeit von 1200—1000 v. Chr., der Uebergangszeit zur 
Hallstattperiode 1000 — 800, der älteren Hallstattzeit 800 — 600, der jüngeren 600 — 400 
und der Uebergangszeit zur La Tene-Periode von 400 — 200 v. Chr. Auch Gräber aus 
der Römerzeit finden sich dabei. 

Lehrer H. Döring ergänzt seine früheren Berichte über den Burg- 
wall bei Leckwitz durch die Mittheilung, dass nun auch westlich des- 
selben Spuren slawischer Ansiedelungen gefunden worden sind, und lenkt 
die Aufmerksamkeit auf die Hilfe, welche die Photographie bei vor- 
geschichtlichen Forschungen gewährt, indem sie ermöglicht, alte Stätten, 
die durch die Bodencultur nach und nach zerstört werden, wenigstens 
durch treue Bilder zukünftiger Forschung zu erhalten. Zur Vorlage 
kommen Photographien der Burgwälle von Leckwitz und Altoschatz. 

Derselbe spricht ferner über die als klassische Stätte der prähistorischen 
Forschung bekannte Insel Rügen. 

Vortragender legt eine Anzahl Steinwerkzeuge der neolithischen Periode^vor und 
spricht sodann über die von ihm besuchten Burgwälle auf dem Hengst, am^Werder, 
der Herthaburg, des Rugard und auf Arkona. Von letztgenanntem Burgwall werden 
eine Anzahl Scherben mit slavischem Ornament und mehrere bildliche Darstellungen 
der Oertlichkeit v orgelegt. 


32 


Lehrer J. A. Jen t sch berichtet über einige in der Nie der lau sitz ge- 
machte Beobachtungen. 

In der Nähe des an der Grenze der Niederlausitz, zwischen der Sornoischen und 
der schwarzen Elster gelegenen Ortes Partwitz, wendisch Parcow, liegen sumptige 
Wiesen, die den Namen hrodUsco (Burgstätte) führen. Auf diesen sind ausser Spuren 
von Niederlassungen aus jüngerer Zeit zahlreiche Eichenstämme ausgegraben worden, 
die möglicherweise als Unterlage eines ehemals im sumpfigen Boden zu Vertheidigungs- 
zwecken angelegten, jetzt zerstörten Burgwalles zu deuten sind, auf welchen jene 
noch heute übliche Bezeichnung hrodzisco hindeutet. Auf einer in der Nähe gelegenen 
flachen sandigen Erhöhung hat man Urnen gefunden. 

Der Schlossberg bei Görkau bei Sorau ist ein ehemaliger, jetzt zur Hälfte 
abgetragener Rundwall, ähnlich dem von Burg im Spreewald, an welchen sich die 
Sage von einem versunkenen Schlosse und verborgenen Schätzen knüpft. Der Ort 
selbst kann nach dem Schlossberg (niederwendisch gorka = Berglein oder Hügel) ge- 
nannt sein, wie das eine Stunde nördlich davon entfernte, durch sein Gräberfeld 
bekannte Droskau nach dem noch jetzt dort vorhandenen üppigen Laubwald (drezga). 
Auf letzteren Ursprung sei auch der Name der Stadt Dresden zurückzuführen, da 
die Gegend um Dresden früher reich an feuchten, der Entwickelung von Laubwald 
günstigen Stellen gewesen ist. 


V. Section für Physik und Chemie. 


Vierte Sitzung am 2. November 1803. Vorsitzender: Prof. Br. 
E. Zetzsehe. — Anwesend 31 Mitglieder. 

Oberlehrer Dr. A. Wittin g hält einen Vortrag über seine Unter- 
suchungen an offenen und gedeckten Lippenpfeifen von nicht- 
cylin drisch er Form. 

Vortragender zeigt unter Vorführung vieler Experimente mit Röhren von den 
mannigfaltigsten Formen die Abhängigkeit der Tonhöhe von der Form der Röhre, von 
der Grösse der gedeckten Fläche und von der Grösse der angeblasenen Oeffnung. 

Prof. Dr. H. Klein schliesst daran eine Bemerkung über den Einfluss 
der Gestalt von Röhrenöffnungen auf die Lage der Schwingungs-Bäuche 
und Knoten. 

Sodann bespricht der Vorsitzende den mehrfachen Telegraphen 
des Amerikaners Ino J. Ghegan. 

Bei demselben werden durch einen Selhstunterhrecher abwechselnd kurze positive 
und negative Ströme in rascher Folge in die Telegraphenleitung gesendet. Jedes 
Amt erhält zwei gewöhnliche Telegraphenapparatsätze, bestehend aus einem Taster 
und einem Relais, das bei abfallendem Ankerhebel einen Localstrom durch einen Klopfer 
sendet; dazu kommt noch in jedem Amte ein polarisirter Elektromagnet, der durch 
die rasch folgenden Ströme seinen Anker schnell zwischen zwei Contactsclirauben 
hin und her bewegt und an ihnen abwechselnd den einen oder den anderen Apparat 
kurz schliesst. 

Wird ein Taster in einem Amte niedergedrückt , so wird durch Beseitigung der 
Kurzschliessun g eines Widerstandes die Stärke der durch diesen Taster gehenden 
Ströme so geschwächt, dass alle zugehörigen Relais in den verschiedenen Aemtern 
ihre Anker abfallen lassen und deren Klopfer sämmtlich arbeiten. 

Der Vortragende weist noch auf einen anderen Telegraphen hin, welchen Sieur 
1878 in Paris ausgestellt hatte, und macht einige Andeutungen über die diesen beiden 
einander sehr nahe verwandten Telegraphen anzuweisende Stellung im System 


33 


Fünfte Sitzung am 14. December 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. 
E. Zetzsclie. — Anwesend 30 Mitglieder. 

Dr. A. Naumann spricht über Mikrochemie. 

Als kräftiger Zweig des Baumes der Wissenschaft Chemie ist die in neuerer Zeit durch 
die Fortschritte der Mikroskopie geförderte „Mikrochemie“ zu betrachten. Begründende 
Disciplinen sind besonders die Mineralogie und Botanik. Nachdem der Vortragende 
einschlägige Werke besprochen und zur Ansicht gebracht hat, behandelt er die 
mikrochemischen Methoden der Mineralogen. Er charakterisirt die Methoden von 
Behrens und Boficky und hebt nach einigen mehr technischen Bemerkungen 
die Hauptanforderungen, welche an die mikrochemischen Reactionen zu stellen sind, 
hervor. Letztere müssen sein: 1. eindeutig, 2. scharf erkennbar, 3. empfindlich. 
Nach einigen Beispielen, die durch Abbildungstafeln erläutert werden, wendet sich der 
Vortragende zu der botanischen Mikrochemie. Während sich die Chemie daran 
genügen lässt, das Vorkommen gewisser Stoffe in der Pflanze zu bestätigen und die- 
selben daraus herzustellen bestrebt ist, will der Botaniker, insbesondere der Physiolog, 
den Sitz dieser Stoffe in der Pflanze auffinden. Wie dies in mikrochemischer Weise 
geschehen kann, zeigt der Vortragende an einem Querschnitte der Cacaobolme, in 
welchem er Fett durch Alkanin, Stärke durch Jod, Eiweiss durch Milions - Reagenz, 
das wirksame Alkaloid Theobromin durch Goldchlorid, etc. nachweist. Im Allgemeinen 
ist scharf zu unterscheiden zwischen Reactions- und Tinctions verfahren. Während 
das erstere die Existenz gewisser Stoffe nachweist, macht letzteres durch verschiedenes 
Speicherungsvermögen von Farbstoffen die feineren Structurverhältnisse, besonders 
des Plasmas, kenntlich. 

Nachdem in chemisch systematischer Reihenfolge die Hauptreactionen anorganischer 
und organischer Stoffe unter Vorlage entsprechender Zeichnungen abgehandelt worden, 
wendet sich Redner zu den für die Technik so wichtigen Unterscheidungsmitteln von 
Holz und Cellulose und führt die bis jetzt bekannten Lignin-Reactionen vor. Zum 
Schlüsse werden noch die Tinctionsverfahren, insbesondere diejenigen der Bacteriologie 
erwähnt und der Vortragende spricht den Wunsch aus, dass diese kleine Wissenschaft 
sich fruchtbringend fortentwickeln möge, auch im Kleinen gross. 


VI. Section für Mathematik. 


Dritte Sitzung am IG. November 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. 
M. Krause. — Anwesend 8 Mitglieder. 

Im Anschluss an die von Prof. Dr. Gr. Helm und Privatdocent Dr. 
J. Freyberg in der Hauptversammlung im October gehaltenen Vorträge 
über die Münchener Ausstellung mathematischer Modelle erläutert Ober- 
lehrer Dr. A. Witting diejenigen Instrumente, welche dazu dienen, 
die Fourier’sche Reihenentwickelung für eine willkürlich gezeichnete 
Function auf mechanischem Wege herzustellen. 

Prof. Dr. 0. Helm erwähnt eine Anwendbarkeit dieser Vorrichtungen 
auf meteorologische Beobachtungen. 


Vierte Sitzung am 7. December 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. 
M. Krause. — Anwesend 4 Mitglieder. 

Prof. Dr. K. Rohn spricht über Kummer ’ sehe Modelle von Flächen 
4. Ordnung. 


34 


VII. Hauptversammlungen. 


Fünfte Sitzung am 28. September 1893. Vorsitzender : Prof. Dr. 
Gr. Helm. — Anwesend 33 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. 0. Drude berichtet über die von Mitgliedern der Isis im 
Sommer 1893 unternommene Reise in die Tatra (vergl. Abhandl. IX). 

An Bemerkungen des Vortragenden über die Dobschauer Eishöhle 
anknüpfend, geben Geh. Hofrath Dr. Geinitz und Oberlehrer H. Engel- 
hardt einige Mittheilungen über die von Hartenstein beschriebene Eis- 
höhle bei Saalburg und über die Frauen mauerhöhle bei Eisenerz 
in Steiermark. 


Sechste Sitzung am 26. October 1893, Vorsitzender: Prof. Dr. 
G. Helm. — Anwesend 41 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. G. Helm berichtet über die mathematisch-physikalische 
Ausstellung in München und behandelt eingehender einzelne der dort 
ausgestellten Apparate. 

Privatdocent Dr. J. Freyberg spricht über die in München aus- 
gestellten Apparate und Modelle zur mechanischen Veranschau- 
lichung elektrodynamischer Vorgänge und der Fortpflanzungs- 
gesetze der W ellenbe wegungen. 

Prof. E. Z sch au bringt zur Ansicht eine in eine Glasglocke ein- 
gebaute Gruppe von Honigwaben. 


Siebente Sitzung am 30. November 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. 
G. Helm. — Anwesend 29 Mitglieder. 

Nach Wahl der Beamten der Gesellschaft für das Jahr 1894 (s. Zu- 
sammenstellung auf S. 40) spricht Oberlehrer H. Engelhardt über den 
Charakter der Tertiärformation. 


Achte Sitzung am 21. Deeember 1893. Vorsitzender: Prof. Dr. G. 
Helm. — Anwesend 41 Mitglieder. 

Zur Vorlage gelangt eine Schrift von W. Krebs: ,,Die Erhaltung 
der Mansfelder Seen.“ 

Prof. Dr. H. Vater-Tharandt spricht über die Theorie der Krystall- 
structu r. 



35 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 

Am 4. August 1893 verschied in Dresden Hofrath Johann Friedrich 
Jencke, Begründer und langjähriger Director der hiesigen Taubstummen- 
anstalt, wirkliches Mitglied der Isis seit 1843. 

Geboren 1812 in Diehsa in der Oberlausitz, besuchte der Verewigte nach 
Vollendung des Elementarunterrichts das Fletcher’sche Lehrer-Seminar in Dresden, 
wo er, kaum 16 Jahre alt, zum ersten Male Gelegenheit fand, als Lehrer von taub- 
stummen Knaben zu wirken. Dieser Unterricht wurde seine Lebensaufgabe, besonders 
seitdem derselbe 1837 von dem Fletcher’schen Seminar getrennt und einer eigenen 
Anstalt überwiesen werden musste. Vertrauensvoll wandte sich der Verewigte an 
die Mildthätigkeit seiner Mitmenschen und seiner rastlosen Energie gelang es, binnen 
kurzer Zeit die Summen zusammenzu bringen, welche nöthig waren zur Erwerbung 
eines Areals am Hahneberge in Dresden, auf welchem später mit Unterstützung der 
Landstände das Taubstummeninstitut errichtet und im November 1838 unter Jencke’s 
Leitung als Staatsanstalt eröffnet wurde. Hier wirkte er lange mit seiner edlen, am 
22. Februar 1882 verschiedenen Gattin Marie, geh. Löwe, bis kurz vor seinem Tode 
segensreich als allerseits hochgeschätzter und von seinen Zöglingen wie ein Vater 
geliebter Leiter der Dresdner Taubstummen-Anstalt und der davon abgezweigten 
Taubstummen-Asyle in Dresden und Plauen. Director Jencke hatte die grosse 
Freude, 1878 in voller Rüstigkeit das 50jährige Jubiläum als Taubstummenlehrer 
und am 14. October 1888 das 50jährige Jubiläum der von ihm begründeten grossen 
Anstalt zu feiern. Hohe Ehren und Auszeichnungen wurden ihm für seine erfolg- 
reiche Thätigkeit zu Theil: 1863 die erste Klasse des K. Sächs. Verdienstordens und 
der Rittergrad des K. K. Oesterreich. Franz-Josef-Ordens, 1878 Titel und Rang eines 
K. Sächs. Hofraths und 1890, gelegentlich seines Eintritts in den Ruhestand, das 
Comthurkreuz des K. Sächs. Albrecht-Ordens. Mit ihm ging ein Mann von wahrhaft 
grossem Verdienste um die leidende Menschheit zur ewigen Ruhe ein, dem auch die 
Gesellschaft „Isis“ als ihrem 50 jährigen Mitgliede und treuen Freunde, welcher stets 
bemüht war, die Naturwissenschaften in seinen Kreisen zu fördern, ein dankbares 
Andenken bewahren wird. 

Am 17. September 1893 starb in Gaassig bei Bautzen, 72 Jahre alt, 
der emeritirte Lehrer Michael Rostock, correspoiidirendes Mitglied 
seit 1872. 

Wenige Tage vor seinem Tode war er noch bemüht, seine Kenntnisse in den 
Naturwissenschaften zu erweitern, wie er überhaupt unermüdlich war, die schwierigen 
Gebiete der Naturgeschichte für sich und Andere zu erhellen. Es war dies für ihn 
um so weniger leicht, da er, auf einem ziemlich abgelegenen Dörfchen der mittleren 
Oberlausitz amtirend, wenig persönliche Anregung haben konnte und anfänglich 
ohne vollständige Litteratur und hinreichende Hilfsmittel arbeiten musste. Es war 
zunächst seine landschaftliche Umgebung, wo er sich völlig heimisch zu machen 
wusste; denn nicht nur die pbanerogamischen Pflanzen des östlichen Sachsens kannte 
er genau, sondern auch fast sämmtiiche Kryptogamen, und in den Dekaden von 
Rabenhorst’s Algen finden sich viele merkenswerthe Aufsammlungen aus seiner Hand. 
Von seinem grossen Fleiss, mit dem er es auch möglich machte, Werke in englischer, 
schwedischer und böhmischer Sprache zu benützen, haben wir in den Sitzungsberichten 
und Abhandlungen der Isis mehrfache Beweise; u. A. bringt der Jahrgang 1889 von 
ihm eine Arbeit über „Die Phanerogamenflora von Bautzen und Umgegend“, nebst 
einem Anhänge „Verzeichniss Oberlausitzer Kryptogamen“. Mit scharfem Auge 
musterte er die floristischen Verhältnisse seines Gebietes, und etwaige Veränderungen 
entgingen ihm kaum. 

Mit besonderer Liebe widmete er Zeit und Kräfte auf zoologischem Gebiete den 
Neuropteren und er war sicher der beste Kenner dieser Insectenklasse in Sachsen 
und über die Grenzen hinaus, wie sein Briefwechsel mit deutschen und ausländischen 
Autoritäten beweisen könnte. Schon in den Isisberichten von 1878 brachte er 
„Neuropterologische Mittheilungen“ und ein Verzeichniss der „Neuroptera Saxonica“, 
welches 1879 eine Erweiterung erfuhr. Seine Hauptarbeit: „Neuroptera Germanica“ 
gab der Zwickauer Verein für Naturkunde 1888 heraus. Damit hat sich Rostock 


36 


ein bleibendes Denkmal gestiftet, wie er überhaupt wegen seines grundehrlichen, 
biederen Sinnes und uneigennützigen Wesens bei Allen, die ihn kannten, unvergessen 
bleiben wird und mit seinen naturforschenden Arbeiten ein nachahmungswürdiges 
Vorbild gegeben hat. C. Schiller. 

Nach langen schweren Leiden verschied am 9. October 1893 in Wien 
im 67. Lebensjahre Hofrath Dionys Stur, pensionirter Director der K. K. 
geologischen Reichsanstalt in Wien. 

Geboren in Modern in Ungarn, war Stur einer der ersten Zöglinge der 1850 
begründeten K. K. geologischen Reichsanstalt in Wien, welcher er ununterbrochen 
42 Jahre lang als eines der werkthätigsten Mitglieder angehört hat und um deren 
Interessen er sich als Chefgeolog und seit 1885, nach F. von Hau er 1 s Ernennung zum 
Intendanten des K. K. naturhistorischen Hofmuseums in Wien, als Director durch 
sein erfolgreiches Wirken die grössten Verdienste erworben hat. Seine Thätigkeit 
als Geolog begann er 1851 mit einer Untersuchung über die liasischen Kalkstein- 
gebilde von Hirtenberg und Enzersfeld ; in den nächsten Jahren lenkte er durch seine 
geognostischen Untersuchungen in den Hochalpen und zugleich durch seine zwei- 
malige Besteigung des Grossglockner die Aufmerksamkeit auf sich. An der Aufnahme 
der geologischen Uebersichtskarten der österreichisch-ungarischen Monarchie nahm 
Stur hervorragenden Antheil. Eines seiner Hauptwerke ist die 1871 erschienene 
,, Geologie von Steiermaik“, welcher 1875 ,,I)ie Culmflora des mährischen Dachschiefers“ 
und 1877 ,,Die Culmflora der Ostrauer und Waldenburger Schichten“ und ,,Die Carbon- 
flora der Schatzlarer Schichten“ folgten. Durch letztere Werke hat er sich hohe 
Verdienste um die Erforschung der Fructification und der Wachsthumserscheinungen 
zahlreicher Farnkräuter und anderer Pflanzen der Steinkohlenzeit erworben. Unsere 
Gesellschaft ernannte den Verewigten 1878 zu ihrem correspondirenden und 1885 
zu ihrem Ehrenmitgliede, Se. Majestät König Albert verlieh ihm 1887 die 1. Klasse 
des K. Sächs. Albrecht- Ordens und die Kais. Leopoldiniseh-Carolinische Akademie 
1890 in Anerkennung seiner hervorragenden Forschungen die Cothenius-Medaille. 

Am 31. October 1893 starb in Wolfenbüttel der emeritirte Pfarrer 
Dr. Eduard Baldamus, einer der bekanntesten Ornithologen Deutschlands, 
correspondirendes Mitglied der Isis seit 1846. 

Der Verewigte war 1812 zu Giersieben bei Aschersleben geboren und hatte in 
Berlin Theologie studirt. In anhaitischen Diensten als Gymnasiallehrer und später 
als Pfarrer angestellt, widmete er unter Naumanns Einfluss seine freie Zeit der 
Erforschung der Vogelwelt. Auf seine Veranlassung wurde 1845 die deutsche ornitho- 
logische Gesellschaft gegründet, als deren Secretär er viele Jahre hindurch thätig 
war und von 1849 — 1866 die Herausgabe der Vereins-Zeitschrift „Naumannia“, die 
1860 mit dem „Journal für Ornithologie“ vereinigt wurde, leitete. Seit 1870 lebte 
er als Emeritus in Coburg. Im Verein mit Blasius bearbeitete Baldamus den Schluss 
von Naumann’s „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“, veröffentlichte ferner 1871 
den „Catalogus cothecae Baedekerianae“, 1876 das „Illustrirte Handbuch der Feder- 
viehzucht“ und „Vogelmärchen“, 1882 „Das Hausgeflügel“. Noch in seinen letzten 
Lebensjahren, 1892, vollendete er ein grösseres Werk über „Das Leben des euro- 
päischen Kukuks“. 

Am 1. November 1893 starb in Zschorna bei Radeburg Fräulein Ida 
Wil helmine von Boxberg, Ehrenmitglied der Isis seit 1877. 

Ida von Boxberg wurde am 23. August 1806 zu Jüterbog geboren, wo ihr 
Vater, Carl Gottlob von Boxberg, als Premierlieutenant und Adjutant des Chur- 
sächsischen Löwe’schen Infanterie-Regiments in Garnison stand. Nach der Ueber- 
siedelung nach Dresden, wohin ihr Vater, zuletzt als Oberstlieutenant in der K. Sächs. 
Geh. Kriegskanzlei, versetzt worden war und 1825 starb, lebte sie im Hause ihrer 
Mutter Henriette Wilhelmine geh. Sichart von Sichartshof und machte hier 1837 
die Bekanntschaft der Marquise de la Rochelambert, welche für ihre drei Töchter 
eine Dame suchte, die sie in der Ausbildung ihrer Talente unterstützen könnte und 
sie nach Frankreich begleiten würde. Ida von Boxberg nahm diese ihr angebotene 
Stellung freudig an, erhoffte sie doch gleichzeitig von dem französischen Klima einen 
günstigen Einfluss auf ihre angegriffene Gesundheit. Erst 1883 verliess sie definitiv 


37 


Frankreich wieder, nachdem sie in der Zwischenzeit zu öfterem, meist längerem 
Aufenthalte im Vaterlande geweilt hatte, so im Jahre 1850, wo die Kränklichkeit 
ihrer im folgenden Jahre verstorbenen Mutter sie dazu veranlasste, später in den 
Jahren 1860, 1866, 1870 und 1871. 

In der Familie der Marquise de la Rochelambert nahm sie vollkommen die Stellung 
einer Freundin ein und verblieb daselbst in Folge dessen auch nach der Verheil athung 
der Töchter der Marquise. Trotz des langen Aufenthaltes in Frankreich und in der 
streng katholischen Familie de la Rochelambert, trotz des hohen Interesses für die 
katholische Religion, für den Marien- und Heiligen-Cultus, blieb sie der protestan- 
tischen Kirche treu; ein Zug von Kindlichkeit charakterisirte nicht nur ihren religiösen 
Glauben, sondern auch ihre Ansichten und Arbeiten, und gestaltete sich im Verkehr 
mit anderen Menschen zu grösstem Wohlwollen und Vertrauen gegen Jedermann. 

Nach ihrer letzten Rückkehr aus Frankreich lebte sie im Hause ihrer Schwägerin, 
der Frau O. von Boxberg auf dem Rittergute Zschorna bei Radeburg, im trauten 
Familienkreise und inmitten einer regen wissenschaftlichen und künstlerischen 
Tliätigkeit. Hier ist sie auch nach kurzem Kranksein an den Folgen einer Erkältung 
am 1. November 1893 im 88. Lebensjahre verschieden. 

Während Ida von Boxberg sich in früheren Jahren mehr mit der Kunst, 
Aquarell- und Glasmalerei, Modelliren etc. beschäftigte, wandte sie sich in den letzten 
20 Jahren ihres Lebens mehr den Forschungen auf vorgeschichtlichem Gebiete zu, 
angeregt durch den Verkehr mit französichen Gelehrten und den auf diesem Gebiete 
thätigen Geistlichen, sowie durch die auf französichem Boden mit grossem Erfolge 
ausgeführten Ausgrabungen. Ihre ernsten und gründlichen Forschungen führten die 
Verewigte in die besten wissenschaftlichen Kreise Deutschlands und Frankreichs ein, 
welche sie wegen ihres Strebens und ihrer Begeisterung für Wissenschaft und Kunst 
hochgeschätzt haben und lange noch hochschätzen werden. Unserer Isis trat Ida von 
Boxberg zuerst im Jahre 1870, während ihres Aufenthaltes im Vaterlande, näher, in 
welchem Jahre sie den Stoff zu einer in unseren Sitzungsberichten enthaltenen 
kleineren Abhandlung von H. B. Geinitz über „Kreideversteinerungen von Chateau 
deMeaulne im Departement Maine et Loire“ dem hiesigen K. Mineralogisch-geologischen 
Museum übergab, welche Sammlung sie in den folgenden Jahren derartig erweiterte, dass 
darauf die 1892 im 11. Hefte der Mittheil, aus dem K. Miner.-geolog. Museum er- 
schienene Monographie über „Spongien der Kreideablagerungen Frankreichs“ von 
Ph. Pocta in Prag ausgeführt werden konnte. Diesem ersten Geschenke folgten bald 
weitere, die den Stoff zu vielen interessanten Mittheilungen in unseren Zusammen- 
künften gegeben haben. Verschiedene grössere Originalberichte aus ihrer Feder 
sind in unseren Sitzungsberichten enthalten, so 1870 eine Abhandlung: „Die Brunnen- 
gräber von Troussepoil in der Vendee“, 1871 „Das keltische Mondbild“, 1872 „Die 
Sepultures ovoi'des oder die Vonnes von Beaugency im Loiret“, 1874, 1877 und 1882 
Berichte über ihre Ausgrabungen in den Höhlen des Departement Mayenne, 1880 
über römische Grabstätten von Vagoritum, 1884 Mittheilungen über Spuren vor- 
geschichtlicher Trepanation in Sachsen und 1881 und 1885 über das Urnenfeld von 
Dobra bei Radeburg, welcher Localität sie bis kurz vor ihrem Tode unausgesetzte 
Aufmerksamkeit zugewendet hat. Noch in den letztvergangenen Monaten haben die 
mit bewundernswürdiger Energie von ihr fortgeführten Ausgrabungen auf den 
heimischen Fluren von Dobra und Zschorna unser Interesse immer von Neuem wach- 
gehalten. Noch vor wenigen Wochen war es mir und anderen Mitgliedern unserer 
Isis vergöjnnt, die körperliche Rüstigkeit und geistige Frische zu bewundern, mit der 
die Verewigte sich den Anstrengungen der von ihr geleiteten Ausgrabungen vom 
frühen Morgen bis zum späten Abend im Dienste der Wissenschaft unterzog. 

Selbst erfüllt von lebhaftem Interesse für Alles, was um sie her vorging, beseelt 
vom regsten Eifer für ihre Forschungen, verstand sie es in ganz besonderer Weise, 
auch bei ihrer Umgebung dieses Interesse hervorzurufen und auch in Anderen den 
ihr innewohnenden Sinn zum Sammeln zu erwecken. Ihre eigenen Sammlungen 
erstreckten sich hauptsächlich auf die Geologie und Vorgeschichte, ausserdem besass 
sie eine grössere Zahl werthvoller Erzeugnisse der kirchlichen Kunst. 

In hochherzigster Weise hat sie aber auch die wissenschaftlichen und Kunst- 
Sammlungen ihres Vaterlandes durch zahlreiche Geschenke bedacht. Allen denen, 
welche der Entwickelung unseres hiesigen geologischen Museums und dessen prä- 
historischer Abtheilung in den letzten Jahrzehnten gefolgt sind, wird der Name Ida 
von Boxberg unvergesslich sein, verdankt doch der Verewigten unser Museum als 
eine Hauptzierde jene wundervollen Ueberreste aus der ältesten Zeit menschlichen 

2 


38 


Daseins auf der Erde, die sie zumeist den Höhlen auf Frankreichs Boden eigenhändig 
entnommen hat, die mannigfaltigen Ueberreste vorgeschichtlicher Bewohner der Um- 
gegend von Radeburg in unserer prähistorischen Sammlung, die reichen Ansammlungen 
fossiler Seeschwämme aus den Kreideablagerungen und viele werthvolle Gebirgsarten 
aus Frankreich, sowie zahlreiche Spuren alter Gletscherwirkungen aus der Gegend 
von Zschorna. Auch andere Kgl. Sammlungen und unsere Technische Hochschule 
verdanken ihrer hochherzigen Gesinnung mancherlei werth volle Geschenke. 

Wie bereits im Jahre 1877 unsere Gesellschaft ihrem Dank für die zahlreichen 
wissenschaftlichen Anregungen durch Ernennung zum Ehrenmitgliede Ausdruck gab, 
so war es auch bei ihrem Scheiden nur eine Pflicht innigster Dankbarkeit, wenn bei 
dem Begräbniss des Fräulein Ida von Boxberg am 4. November auf dem stillen 
Friedhofe in Dobra durch Geh. Hofrath Dr. Geinitz im Namen der Generaldirection der 
Kgl. Sammlungen und der naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis der Verewigten 
warme Worte dankbarer Anerkennung über das Grab nachgerufen wurden und durch 
Niederlegung eines Lorbeerkranzes auf dem Grabe seitens der Isis noch einmal der 
dankbaren Bewunderung und Aneikennung der reichen segenspendenden Thätigkeit 
der Verblichenen Ausdruck verliehen wurde. Ehre ihrem Andenken I 

J. Deichmüller. 

Am 9. November 1893 starb in Cambridge, Mass., im 77. Lebensjahre 
der bekannte Professor der Entomologie am Harvard College Dr. Hermann 
August Hagen, Ehrenmitglied der Isis seit 1866. 

1817 zu Königsberg i. Pr. geboren, studirte August Hagen Medicin an der 
Universität seiner Heimathstadt, wo er sich nach seiner Promotion 1840 als praktischer 
Arzt niederliess. Schon während seiner Studienzeit beschäftigte er sich viel mit 
Entomologie und veröffentlichte bereits 1839 ein ,, Verzeichniss der Libellen Ost- 
preussens“. Von 1840 bis 1862 erschienen von ihm zahlreiche Arbeiten über Insecten 
in deutschen und ausländischen Zeitschriften, 1862 seine zweibändige ,,Bibliotheca 
entomplogica u , in welcher dio gesammte neuere entomologische Litteratur in sorg- 
fältigster Weise zusammengestellt ist. Auch den vorweltlichen Insecten, namentlich 
den Neuropteren, wandte er seine Aufmerksamkeit zu und veröffentlichte u. A. 1848 
eine „Uebersicht der fossilen Libellen Europas“, 1862 „Neuropteren aus der Braun- 
kohle von Rott“ und „Neuropteren aus dem lithographischen Schiefer in Bayern“, 
1866 „Die Neuroptera des lithographischen Schiefers in Bayern“. Nach längeren 
ausgedehnten Reisen zum Studium der Insectenwelt wandte sich Hagen gegen Ende 
der sechziger Jahre nach denVereinigten Staaten und trat in die Dienste des Museums 
für vergleichende Zoologie am Harvard College in Cambridge, Mass., wo er bis zu 
seinem Tode als Professor der Entomologie thätig war. 


Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: 

Ehnert, Osc., Vermessungs-Ingenieur in Dresden, am 21. December 1893; 

Griseke, Karl, Privatus in Dresden, am 26. October 1893; 

Hall wachs, Wilh., Dr. phil., Prof, an der K. Techn. Hochschule in Dresden, 
am 21. December 1893; 

Klette, Reinh., Baurath in Dresden, am 26. October 1893; l; 

Nessig, Rob., Dr. phil., Oberlehrer in Dresden, am 30. November 1893; 

Patten hausen, Bernh., Prof, an der K. Techn. Hochschule in Dresden, 
am 21. December 1893; 

Risch, Osc., Privatus in Dresden, am 30. November 1893; 

Scheele, Curt, Oberlehrer in Dresden, am 28. September 1893; 

von Schoeler, Heinr., Dr. phil. in Dresden, am 26. October 1893. 

Neu ernannte Ehren -Mitglieder; 

Nitsche, Heinr., Dr. phil., Prof, an der K. Eorstakademie in Tharandt, 
am 30. November 1893. 


39 


Neu ernannte correspon dir ende Mitglieder: 

Stephani, Franz, Kaufmann in Leipzig, \ __ XT . 

Voretzsch, Max, Dr. phil., in Altenburg, ) am o0 - !sovember 1893 i 
White, Charles, Professor in Washington, am 26. October 1893. 

Aus den wirklichen in die correspondirenden Mitglieder ist 

übergetreten : 

Blochmann, Rud., Dr. phil., Physiker am Torpedo-Laboratorium in Kiel. 


Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse 

zahlten: Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Oberlehrer Dr. Bachmann * 
Plauen i. V., 3 Mk. ; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch- 
Modelleur Blaschka, Hosterwitz, 3 Mk. ; Ingenieur Carstens, Berlin, 
3 Mk.; Docent Dr. Doss, Riga, 3 Mk. ; Privatus Eisei, Gera, 3 Mk. : 
Bergmeister Hartung, Lobenstein, 6 Mk.; Prof. Dr. Hibscli, Liebwerd, 
3 Mk. ; Oberlehrer Dr. Köhler, Schneeberg, 3 Mk.; W. Krebs, Altona, 
3 Mk.; Apotheker Dr. Lange, Rinteln, 3 Mk. ; Oberlehrer Leonhardt, 
Nossen, 3 Mk. ; Oberlehrer Dr. Lohrmann, Schneeberg, 3 Mk. 5 Pf.; 
Prof. Dr. Ludwig, Greiz, 3 Mk. 5 Pf.; Oberlehrer Dr. Mehnert, Pirna, 
3 Mk.; Stabsarzt Dr. Naumann, Gera, 3 Mk. ; Prof. Dr. Nits che, 
Tharandt, 3 Mk.; Privatus Osborne, Blasewitz, 3 Mk ; Betriebsingenieur 
a. D. Pr asse, Leipzig, 6 Mk.; Dr. Reiche, Constitucion, 3 Mk.; Dr. 
Reidemeister, Schönebeck, 3 Mk.; Apotheker Schlimpert, Cölln, 3 Mk. 
5 Pf.; Oberlehrer Seidel T, Zschopau, 3 Mk. ; Oberlehrer Seidel II, 
Zschopau, 3 Mk. ; Rittergutspachter Sieber, Grossgrabe, 3 Mk. 10 Pf., 
Fabrikbesitzer Siemens, Dresden, 100 Mk. ; Oberlehrer Dr. Sterz el; 
Chemnitz, 3 Mk.; Dr. Wohlfahrt, Freiberg, 3 Mk.; Oberlehrer Wolff, 
Pirna, 6 Mk. ; Oberlehrer Dr. Wünsche, Zwickau, 3 Mk. — In Summa 
199 Mk. 25 Pf. H. Warnatz. 


Beamte der Isis im Jahre 1894. 

Tor stand. 

Erster Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. 

Zweiter Vorsitzender: Dr. Fr. Raspe. 

Kassirer: Hofbuchhändler H. Warnatz. 

öirectoriuni. 

Erster Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. 

Zweiter Vorsitzender: Dr. Fr. Raspe. 

Als Sectionsvorstände: Prof. Dr. 0. Drude, 

Geh. Hofrath Prof. Dr. H. B. Geinitz, 
Prof. Dr. M. Krause., 

Prof. Dr. H. Nits che, 

Rentier W. Osborne, 

Prof. Dr. E. Zetzsche. 

Erster Secretär: Dr. J. Deichmüller. 

Zweiter Secretär: Oberlehrer K. Vetters. 

2 * 


40 


Sections - Beamte. 

I. Section für Zoologie. 

Yor stand: Prof. Dr. H. Nit sc he. 

Stellvertreter: Prof. Dr. R. Ebert. 

Protokollant: Dr. J. Thiele. 

Stellvertreter: Tnstitutsdirector A. Thümer. 

II. Section für Botanik. 

Vorstand: Prof. Dr. 0. Drude. 

Stellvertreter: Oberlehrer A. Wobst. 

Protokollant: Dr. A. Naumann. 

Stellvertreter: Dr. B. Schorle r. 

III. Section für Mineralogie und Geologie. 

Vorstand: Geh. Hofrath Prof. Dr. H. B. Geinitz. 

♦ Stellvertreter: Dr. Th. Wolf. 

Protokollant: Lehrer A. Zipfel. 

Stellvertreter: Dr. H. Francke. 

IV. Section für prähistorische Forschungen. 

Vorstand: Rentier W. Osborne. 

Stellvertreter: Lehrer H. Döring. 

Protokollant: Taubstummenlehrer 0. Ebert. 

Stellvertreter: Lehrer A. Jen t sch. 

V. Section für Physik und Chemie. 

Vorstand: Prof. Dr. E. Zetzsch e. 

Stellvertreter: Privatdocent Dr. J. Ereyberg. 

Protokollant: Handelsschullehrer K. Roder. 

Stellvertreter: Oberlehrer Dr. G. Schulze. 

VI. Section für Mathematik. 

V orstand : Prof. Dr. M. Krause. 

Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting. 

Protokollant: Oberlehrer J. von Vieth. 

Stellvertreter: Privatdocent Dr. J. Ereyberg. 


Redaetions - Comit$, 

Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des 
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs. 





41 


Bericht des Bibliothekars. 

\ 

Im Jahre 1893 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit- 
schriften und Bücher vermehrt: 

A. Durch Tausch. 

1. Kiiropa, 

1. Deutschland. 

Altenburg: Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes — Verzeichniss 
der Mitglieder im October 1892. [Aa 69. | 

Annaber g- Buchhol#: Verein für Naturkunde. 

Augsburg : Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. 
Bamberg : Naturforschende Gesellschaft. — Bericht XVI [Aa 19.] 

Berlin : Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jhrg. 
33 und 34. [Ca 6.] 

Berlin'. Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 44, Hft. 3 
und 4; Bd. 45, Hft. 1 und 2. [Da 17.] 

Berlin : Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. — 
Verhandl., Juli 1892 bis März 1893. [G 55. | 

Bonn : Naturhistorischer Verein der preussischen Rheinlande, Westfalens 
und des Reg. -Bez. Osnabrück. — Verhandl., 49. Jhrg., 2. Hälfte; 50. 
Jhrg., 1. Hälfte. [Aa 93.] 

Braunschiveig : Verein für Naturwissenschaft, — 7. Jahresber. für 1890 — 1891. 
[Aa 245.] 

Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandf, Bd. XII, Hft. 3. [Aa2 ] 
Breslau : Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 70. Jahresber., 
1892, mit Ergänzungsheft 2: Litteratur der Landes- und Volkskunde 
der Provinz Schlesien. [Aa 46.] 

Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 

Chemnitz: K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Jahrbuch, IX. Jhrg., 
2. Hälfte; X. Jhrg. [Ec 57.] — Das Klima des Königreichs Sachsen. 
Hft. 1 und 2. [Ec 80.] 

Danzig: Naturforschende Gesellschaft. — Schriften, n. F. VIII. Bd., 1. Hft. 
[Aa 80.] 

Darmstadt: Verein für Erdkunde und mittelrheinischer geologischer Verein. — 
Notizblatt, 4. Folge, 13. Hft. [Fa 8.] 

Donauesehingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und 
der angrenzenden Landestheile. — Schriften, VIII. Hft. [Aa 174] 
Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber., 1892 — 93. 
[Aa 47.] 

Dresden: K. mineralogisch-geologisches Museum. 

Dresden: K. zoologisches Museum. 

Dresden: K. öffentliche Bibliothek. 

Dresden: Verein für Erdkunde. — Jahresberichte XXII und XXIII. [Fa 6.] 
Dresden: K. Sächsischer Alterthumsverein. — Neues Archiv für sächs. 

Geschichte und Alterthumskunde, Bd. XIV. [G 75 ] 

Dresden: Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. 

Dresden: K. thierärztliche Hochschule. 


42 


Dresden : K. Sächsische technische Hochschule. — Die Bibliothek der tech- 
nischen Hochschule Dresden im Jahre 1892. [Je 101.] 

Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Polliehia“. — 
Mittheil., Jahresber. XL1X und L. [Aa 56.] 

Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein. — Mitteil., Hft. 1 und 2. [Aa 310.] 
Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 77. Jahresber., 1891 — 92. [Aa48.] 
Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer. — 
Jahrbücher, 10. Band, 1. und 2. Hft. [G 124.] 

Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrbücher, Hft. 

18 und 19. [Aa 263.] 

Erlangen: Physikalisch-medicinische Societät. 

Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht 
für 1893. [Aa 9a.] 

Frankfurt a . M. : Physikalischer V erein. — Jahresber. für 1891 — 92 [Eb 35.] 
Frankfurt a. 0. : Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks 
Frankfurt. — „Helios“, 10. Jhrg. , Nr. 7 — 12; 11. Jhrg. ; 12. Jhrg., 
Nr. 1. [Aa 282.] 

Freiburg i. Br.: Naturforschende Gesellschaft. — Berichte, Bd. 6 und 7. 
[Aa 205.] 

Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. 

Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Bericht 29. 
[Aa 26.] 

Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. — Abhandl , 20. Bd. [Aa 3 ] 
Görlitz: Oberlau sitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Neues Lau- 
sitzisches Magazin, Bd. 68, Hft. 2; Bd. 69, Hft. 1 und 2. [Aa 64.] 
Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. 
Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu - Vorpommern und 
Rügen. — Mittheil., 24. Jhrg., 1892. [Aa 68.] 

Greifswald: Geographische Gesellschaft. — V. Jahresber., 1890—93. [Fa 20.] 
Güstrow : Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. — 
Archiv, 46. Jhrg. [Aa 14.] 

Halle a. S. : Naturforschende Gesellschaft. — Berichte über die Sitzungen 
1892. [Aa 24.] 

Halle a. S. : Kais. Leopoldino-Carolinische deutsche Akademie. — Leopoldina, 
Hft. XXVIII, Nr. 21—24; Hft. XXIX, Nr. 1-20. [Aa 62.] 

Halle a. S. : Verein für Erdkunde. — Mittheil., Jhrg. 1893. [Fa 16.] 
Hamburg: Naturhistorisches Museum. — Jahrb., Jhrg. X, mit Beiheft 1. 
[Aa 276.] 

Hamburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XII, Hft. 1. 
[Aa 293.] 

Hamburg: Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. 

Hanau: Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde. — Be- 
richte vom 1. April 1889 bis 30. Nov. 1892. [Aa 30.] 

Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. 

Hannover: Geographische Gesellschaft. — Jahresber. IX, 1889—92. [Fa 18.] 
Heidelberg: Naturhistorisch-medicinischer Verein. — Verhandl., n. F.. Bd. V, 
Hft. 1. [Aa 90.] 

Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Kassel: Verein für Naturkunde, — Berichte, Nr. XXXVIII. |Aa 242.] 


43 


Kassel : Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. — Zeitschr., 
16. und 17. Bd.; Mittheil., Jhrg. 1890-91. [Fa 21.] 

Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. — Schriften, 
Bd. X, 1. Hft. [Aa 189.] 

Königsberg i. Pr.: Physikalisch - ökonomische Gesellschaft. — Schriften, 
33. Jhrg., 1892. [Aa 81.] 

Königsberg i. Pr. : Altertums - Gesellschaft Prussia. — Sitzungsber., 
48. Vereinsjahr, 1892—93. [G 114.1 — Katalog des Prussia-Museums, 
Teil 1. [G 114b.] 

Landshut: Botanischer Verein. 

Leipzig: Naturforschende Gesellschaft. — Sitzungsber, 17. und 18. Jhrg. 
[Aa 202.] 

Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über 
die Verhandl., mathem -physikal. Klasse, 1892, IV — VI; 1893, 1 — VI. 
[Aa 296.] 

Leipzig : K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. — Geologische 
Specialkarte des Königreichs Sachsen: 3 Profile durch das Steinkohlen- 
becken des Plauen’schen Grundes; Sect. Pirna, Bl. 83; Sect, Tharandt, 
Bl. 81; Sect. Stolpen, Bi. 68; Sect. Pillnitz, Bl. 67; Sect. Bischofs- 
werda, Bl. 53; Sect. Kötzschenbroda, Bl. 49; Sect. Kloster Marienstern, 
Bl. 37; Sect. Kamenz, Bl. 36; Sect. Königswartha- Wittichenau, Bl. 22; 
Sect. Lommatzsch -Leuben, Bl. 47; Sect. Strassgräbchen , Bl. 21; mit 
12 Heften Erläuterungen. [De 146.] 

iÄibben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. — 
Mittbeil., Bd. III, Hft. 1-4. [G 102.] 
iÄibeck: Geographische Gesellschaft und naturhistor. Museum. — Jahresber. 

für 1892. [Aa 279a. ] — Mittheil., zweite Reihe, Hft. 4 — 6. [Aa 279b.] 
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg. — 
Jahresheft XII, für 1890 — 92. [Aa 210.] 

Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Jahresber. und Abhandl., 
Jhrg. 1892. [Aa 173.] 

Mannheim: Verein für Naturkunde. 

Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesammten Naturwissenschaften. 

— Sitzungsber., Jhrg. 1891 — 92. [Aa 266.] 

Meissen: ,,Isis u , Verein für Naturkunde. — Beobachtungen der Isis-Wetter- 
warte zu Meissen im Jahre 1892. [Ec 40.] 

Münster: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. — 
20. Jahresber., Jhrg. 1891. [Aa 231.] 

Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „Philomathie“. 

Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber. für 1892, nebst 
Abhandl., X. Bd., Hft. 1. [Aa 5.] 

Offenbach: Verein für Naturkunde. 

Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. — IX. Jahresber. für die Jahre 
1891—92. [Aa 177.] 

Passau: Naturhistorischer Verein. 

Regensburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Regensburg: K. Bayerische botanische Gesellschaft. 

Reichenbach i. V.: Vogtländischer Verein für Naturkunde. 

Reutlingen: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein. — Mittheil., Hft. 3. [Aa 236.J 


44 


Stettin : Ornithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt. 
Geflügelzucht, Jhrg. XVII. [Bf 57.] 

Stuttgart : Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres- 
hefte, Jhrg. 49. [Aa 60.] 

Stuttgart: Württembergiscber Altertumsverein. — Württemberg. Viertel- 
jahreshefte für Landesgeschichte, n. F., 1. Jhrg., Hft. 3-4. [G 70.] 
Tliarancl : Redaction der landwirthschaftlichen Versuchsstationen. — Land- 
wirthsch. Versuchsstationen, Bd. XLI, Hft. 5 — 6; Bd. XLII ; Bd. XLIII, 
Hft. 1-2. [Ha 20.] 

Thorn : Coppernicus- Verein für Wissenschaft und Kunst. — Mittheil., 
Hft. VIII. [Aa 145.] 

Ulm : Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. — Jahreshefte, 
5. Jhrg. [Aa 299.] 

Ulm : Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. — 
Mitteil., Heft 4. [G 70.] 

Weimar : Thüringischer botanischer Verein. — Mittheil., n. R, 3. u. 4. Hft. 
[Ca 23.] 

Wernigerode’. Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. — Schriften, VII. 
Bd., 1892. [Aa 289.] 

Wiesbaden’. Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jhrg. 46. 
[Aa 43.] 

Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — Sitzungsber., Jhrg. 
.1892. [Aa 85.] 

Zwickau: Verein für Naturkunde. 


2. Oesterreich-Ungarn. 

Bistritz : Gewerbeschule. 

Brünn: Naturforschender Verein. — Verhandl., Bd. XXX. und 10. Ber. 
der meteorol. Commission 1890. [Aa 87.] 

Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft — Földtani Közlöny, XXII. 
köt., 11.-12. füz. ; XXIII. köt., 1. — 10. füz. [Da 25.] 

Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische 
Akademie der Wissenschaften. 

Graz : Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mittheil., Jhrg. 
1891-92. [Aa 72.] 

Hermannstadt: Siebenbürgischer Verein für Naturwissenschaften. — Verband], 
und Mittheil., XLII. Jhrg. [Aa 94.] 

Iglo: Ungarischer Karpathen- Verein. — Jahrbuch, XX. Jhrg., 1893. [Aal98.| 

Innsbruck: Naturwissensehaftlich-medicinischer Verein. — Berichte, XX. 
Jhrg. [Aa 171.] 

Klagenfurt: Naturhistorisches Landes-Museum für Kärnthen. — Jahrbuch, 
Hft. 22. [Aa 42.] 

Krakau: Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger 1892, Nr. 10; 1893, 
Nr. 1-9. [Aa 302.] 

Laibach: Musealverein für Krain. 

Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. — Jahresber., 
Nr. 21 und 22. [Aa 213.] 

Linz: Museum Francisco-Carolinum. — 51. Bericht nebst der 45. Lieferung 
der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.J 


45 


Prag : Naturwissenschaftlicher Verein „Lotos‘ c . — Jahrb. für Naturwiss., 
n. F., Bd. XIII. [Aa 63.] 

Prag : K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber., 
mathem.-naturw. CI., 1892 [Aa 269.] — Jahresber. für 1892. [Aa 270 ] 
Prag : Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Pamatky 
Archaeologicke, dilu XV, ses. 9 — 12; dilu XVI, ses. 1 und 2. [G 7 1. 1 
Praa: Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. — Jahresber. für 
" 1892. [Ja 70.] 

Prag : Ceska Akademie Cisare Frantiska Josefa. — Trida II, Rocnik 1, 
* 1891—92. [Aa 313.] 

Pressburg : Verein für Natur- und Heilkunde. 

Reichenberg : Verein der Naturfreunde. — Mittheil., Jhrg. 24. [Aa 70.] 
Salzburg : Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheil., XXXII. 
und XXXIII. Bd. [Aa 71.] 

Temesvdr : Süduftgarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes- 
zettudomänyi Füzetek, XVII. köt. [Aa 216.] 

Trencsin : Naturwissenschaftliche Gesellschaft für das Trencsiner Comitat. 

— Jahreshefte, Jhrg. XIV— XV. [Aa 277.] 

Triest : Museo civico di storia naturale 

Triest: Societä Adriatica di scienze naturali. — Bolletino, Vol. XIV. 
[Aa 201.] 

Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, Jhrg. 1892, Nr. 
19—27; 1893, Nr. 1—21. [Aa 11.] 

Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. — 
Schriften, Bd. XXXII und XXXIII. [Aa 82.] 

Wien : K. K. naturhistorisches Hofmuseum. — Annalen, Bd. VII, Nr. 4; 
Bd. VIII, Nr. 1-2. [Aa 280.] 

Wien: Anthropologische Gesellschaft. — Mittheil., Bd. XXII, Hft. 6; Bd. 
XXIII, Hft. 1-5. [Bd 1.] 

Wien: K. K. geologische Reichsanstalt. — Verhandl , 1892, Nr. 11 — 18; 
1893, Nr. 1—10. [Da 16.] 

Wien: K. K. geographische Gesellschaft. — Mittheil., XXXV. Bd. (n. F. 
XXV. Bd) [Fa 7.] 

Wien: K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft. — Verhandl., Bd XLII; 
Bd. XLIII, 1. — 2. Quartal. [Aa 95.] 

Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität, — Mittheil, 
1892-93. [Aa 274.] 

3. Rumänien. 

Bukarest: Institut meteorologique de Roumanie. — Annales, tome VI, 
1890. [Ec 75.] 

4. Schweiz. 

Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl, Bd. 10, Hft. 1. [Aa 86.] 
Bern: Naturforschende Gesellschaft. — Mittheil, 1892, Nr. 1279 — 1304. 
[Aa 254.] 

Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. — Verhandl der 75. 

Jahresversamml. zu Basel, 1892. [Aa 255.] 

Chur: Natui forschen de Gesellschaft Graubtindens. 

Frauenfeld: Thurgauische naturforschen de Gesellschaft, 


46 


Freiburg : Societd Fribourgeoise des Sciences naturelles. 

St. Gallen : Naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1890 — 91. [Aa 23.] 
Lausanne : Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 3. ser., 
yoL XXVIII, no. 109; vol. XXIX, no. 110—112. [Aa 248.] 
Neuchatel : Societe des Sciences naturelles. — Bulletin, tome XVII — XX. 
[Aa 247.] 

Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mitth., Vol. 
VIII, Hft. 10. [Bk 222.] 

Sion : La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. 

Zürich : Naturforschende Gesellschaft. — Viertel]' ahrsschr., Jhrg. 37 , 
Heft 3-4; Jhrg. 38, Hft. 1—2. [Aa 96.] 

Zürich : Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte 1893, Heft 3. 
[Ca 24.] 

5. Frankreich. 

Amiens: Societe Linneenne du nord de la France. — Bulletin mensuel 
tome X, no. 223-234. [Aa 252.] 

Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires, sei. 
4, tome II et appendice. [Aa 253.] 

Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. — 
Memoires, tome XXVIII. [Aa 137.] 

Dijon: Academie des Sciences, arts et helles lettres. 

Le Mans: Societd d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin, 
tome XXV, fase. 4; tome XXVI, fase. 1. [Aa 221.] 

Lyon: Societe Linneenne. — Annales, tome 35 — 37. [Aa 132.] 

Lyon: Societe d’agriculture, d’histoire naturelle et des arts utiles. 

Lyon: Academie nationale des Sciences, heiles lettres et arts. 

Baris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XVII, no. 2—4. 
[Ba 24.] 

Toulouse: Societe franqaise de botanique. 

6. Belgien. 

Brüssel: Societe malacozoologique de Belgique. — Annales, tome XV, 
XXV — XXVI. [Bi 1.] — Proces verbaux des seances, tome XX — XXI. 
[Bi 4.] 

Brüssel: Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome 34 — 35. 

[Bk 13.] — Memoires I, 1892, [Bk 13 b.] 

Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. 

Gembloux: Station agronomique de l’etat. — Bulletin, no. 52. |Hb 75.] 
Lüttich: Societe geologique de Belgique. 

7. Holland. 

Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“. — Botanisch Jaarboek, 5. 
Jhrg., 1893. [Ca 21.] 

Groningen: Naturkundig Genootschap. — 92. Verslag over 1892'. [Je 80.] 
Hartem : Musee Teyler. — Archives, ser. 2, vol. IV, part. 1. [Aa 217.] 
Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises, tome 
XXVI, livr. 4-5; tome XXVII, livr. 1-3. [Aa 257.] 


47 


8. Luxemburg. 

Luxemburg : Societe de botanique. 

Luxemburg : Institut royal grand-ducal. — Publications, tome XXII. 
[Aa 1 44.] 

Luxemburg : Verein Luxemburger Naturfreunde ,, Fauna“. — Mitth., 
Jhrg. 1891, Nr. 2-4; 1892; 1893, Nr. 1-5. [Ba 26.J 

9. Italien. 

Brescia : Ateneo. — Commentari per Tanno 1891 — 92. [Aa 199. | 

Catania : Accademia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. IV, vol. 5. 

— Bulletino mensile, fase XXX — XXXII. [Aa 149.) 

Florenz : R. Institute. 

Florenz : Societä entomologica Italiana. — Bullettino, anno XXIV, trim. 

3 — 4; anno XXV, trim. 1—2. [Bk 193.] 

Mailand: Societä Italiana di scienze natura li. — Atti, vol XXXI; vol. XXXIV. 
no. 1-3. [Aa 150.] 

Mailand: R. Institute Lombardo di scienze e lettere. 

Modena: Societä dei naturalisti. — Atti, ser. 3, vol. XI, fase. 3; vol. XII, 
fase. 1. — Annuario, vol. VI, fase, 7 — 9; vol. VII, fase. 2- 3; vol. 
XI, fase. 3 — 4. [Aa 148.] 

Padua: Societä V eneto- Trentin a di scienze naturali. — Bullettino, tomo 
V, no. 3. [Aa 193b.] — Atti, ser. 2, vol. 1, fase. 1. [Aa 193.] 
Parma: Redazione dell Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino, 
ser. II, anno XVIII, no. 9—12; anno XIX, no 1 — 9. [G 54.] 

Pisa: Societä Toscana di scienze naturali. — Memoire, vol. XII; Processi 
verbali , vol. VIII (bis 7. V. 93). [Aa 209.] 

Pom: Accademia dei Lincei. — Atti, rendiconti, ser. 5, vol. 1, sem. 2, 
fase. 11 — 12; vol. II, sem. 1; sem. 2, fase. 1 — 11. — Rendiconto 
delTadunanza solenne dei 4. VI. 1893. [Aa 226.] 

Pom: R. Comitato geologico d’Italia. — Bollettino, 1892, 3.-4. trim.; 
1893, 1. — 3. trim. [Da 3.] 

Pom : Redazione delle Rassegna delle scienze geologiche in Italia. — Ras- 
segn a, anno II, fase. 3. [De 220.] 

Turin: Societä meteorologica Italiana. — Bollettino mensuale, ser. II, 
vol. XII, no. 12; vol. XIII, no. 1 — 11. [Ec 2.] 

Venedig: R. Institute Veneto di scienze, lettere e arti. 

Verona: Accademia d'argricoltura, arti e commercio. — Memoire, ser. III, 
vol. LX VIII ; vol. LXIX, no. 1. [Ha 14.] 

10. Grossbritannien und Irland. 

Dublin: Royal geological society of Irland. — Transactions, vol. VI, p. V. 
[Da 14.] 

Fdinburg: Scottish meteorological society. — Journal, 3. ser., no. IX [Ec 3.] 
Glasgow: Natural history society. — Proceedings and transactions, vol. III, 
p. 3. [Aa 244.] 

Glasgoiv: Geological society. 

Manchester: Geological society. — Transactions, vol. XXII, p. 3 — 12. [Da 20. | 
Newcastle-upon-Tyne: Tyneside naturalists Held club, und: Natural history 
society of Northumberland, Durham and Newcastle-upon-Tyne, 


48 


II. Schweden, Norwegen. 

Bergen : Museum. — Aarsberetning for 1891; Aarbog for 1892. [Aa 294.] 
Christinnia : Un i v ersität. 

Christiania : Foreningen til Norske fortidsmindesmerkers bevaring. — Aars- 
beretning for 1891. [G 2 ] — Kunst og haandverk fra Norges fortid, 
Hft. 10; Supplement IV. [G 81.] 

£7ocMo£m:£Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 13, 
Nr. 1-4. [Bk 12.] 

Tromsoe : Museum. — Aarshefter, XV; Aarsberetning for 1890 — 91. 
[Aa 243.] 

Upsala : The geologioal Institution of the university. — Bulletin, vol. 1, 
no. 1 (1892). [Da 30.] 

12. Russland. 

j Ekatharinenburg : Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. — 
Bulletin, tome XIV, livr. 2. — Jahresber. für 1891 92. [Aa 269.] 

Heising fors : Societas pro fauna et flora fennica. — Acta, vol. V, p. 1- 2. 
[Ba 17.] 

KharJcow : Societe des naturalistes ä l’universite imperiale. — Travaux, 
tome XXVI. [Aa 224.] 

Kiew : Societe des naturalisles. — Memoires, tome XII, livr. 1 — 2. 
[Aa 298.] 

Moslzau: Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, annee 1892, no. 

3—4; annöe 1893, no. 1 — 3. (Aa 134.] 

Odessa : Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie. — Memoires, tome 
XVII, p. 2—3. [Aa 256.] 

Petersburg : Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, t. XII, 
fase. 2. [Ca 10.] 

Petersburg : CornhA geologique. — Bulletins, vol. XI, no. 5 — 8; vol. XII, 
no. 1 — 2. [Da 23.] — Memoires, vol. IX, no. 2; vol. X, no. 2; vol. 
XIII, no. 2. [Da 24.] — Carte geologique de la Russie d’Europe. 
(6 Bl.) [Da 24 b.] 

Petersburg : Physikalisches Centralobservatoiium. — Annalen, Jhrg. 1891. 
[Ec 7.] 

Piga: Naturforscher -Verein. — Correspondenzblatt, Nr. XXXVI. [Aa 34.] 


II. Amerika. 

1. Nord-Amerika. 

(Canada, Vereinigte Staaten, Mexiko.) 

Albany : New York state museum of natural history. — Annual report 44. 
[Aa 119.] 

Baltimore : John Hopkins university. — University circulars, vol. XII, no. 
102 — 107. [Aa 278.] — Amer. journal of mathematics, vol. XIV, 
no. 2—3 [Ea 38.] — Amer. Chemical journal, vol. XIV, no. 2-7. 
[Ed 60.] — Studies in histor. and politic. Science, 10. ser., no. 
IV — XI. [Fb 125] — Amer. journal of philology, vol. XII, no. 4; 
vol. XIII, no. 1-3 [Ja 64.] ' 


49 


Boston: Society of natural historv. — Proceedings, vol. XXV, p. III — IV. 

[Aa 111.] — Memoirs, vol. IV, no. 10 [Aa 106.] 

Boston : American academv of arts and Sciences. — • Proceedings, new ser., 
vol. XIX. [Aa 170.] 1 
Buffalo : Society of natural Sciences. 

Cambridge'. Museum of comparative zoology. — Annual report for 1891 — 
1892. - Bulletin, vol. XVI, no. 11—14; vol. XXIII, no. 4-6; vol. 
XXIV, no. 1-7; vol. XXV, no. 1. [Ba 14.] 

Bavenport : Academy of natural Sciences. 

Halifax : Nova Scotian institute of natural Science. — Proceedings and 
transactions, 2. sei*., vol. I, p. 2. [ Aa 304.] 

Madison : Wisconsin Academy of Sciences, arts and letters. 

Mexiko : Sociedad cientifica „Antonio Alzate“. — Memorias, tomo VI, cuad. 

b — 12; tomo VII, cuad. 1 — 2. [Aa 291.] 

Milwaukee : Wisconsin natural history society. 

Montreal: Natural history society. — Canadian record of Science, vol. V, 
no. 4 u. 7. [Aa 109.] 

New-Haven : Connecticut academy of arts and Sciences. — Transactions, 
vol. VIII, p. 2; vol. IX, p. 1. [Aa 124.] 

New -York: Academy of Sciences. — Annals, vol. VII, no. 1—5. [Aa 101.] 
— Transactions, Index zu vol. XI mit Ergänzungen. [Aa 258 ] 

New -York: American museum of natural history. 

Philadelphia: Academv of natural Sciences. — Proceedings, 1892, p. 
II— III; 1893, p. I. [Aa 117.] 

Philadelphia: American philosophical society. — Proceedings, vol. XXX, 
no. 139; vol. XXXI, no. 140—141. ‘[Aa 283.] 

Philadelphia: Wagner free institute of Science. — Transactions, vol. 3, 
p. 2. [Aa 290.] 

Philadelphia: Zoological society. — Annual report 21. [Ba 22.] 
Rochester: Academy of Science. — Proceedings, vol. II, broch. 1 — 2. 
[Aa 312.] 

Rochester: Geological society of America. — Bulletin, vol. III. [Da 28.] 
Salem: Essex Institute. — Bulletin, vol. 23 — 24; vol. 25, no. 1 — 3. [Aa 163.] 
Salem: Peabody academy of Science. 

San Francisco: California academv of Science. — Occasional papers, vol. 
III. [Aa 112 b.] 

St. Louis: Academy of Science. — Transactions, vol. VI, no. 2 — 8. [Aa 125.] 
Topeka: Kansas academy of Science. 

Toronto : Canadian institute. — Transactions, vol. III, p. 1— 2. ■ — 5. annual 
report. [Aa 222.] 

Washington: Smithsonian institution. — Report of the National-museum, 
ending VI, 1890. [Aa 120 c.] — Bureau of ethnology, 7.-8. annual 
report. [Aa 120 b.] 

Washington: United States geological survey. — Monographs, vol. XVII, 
XV III und XX, mit Atlas. [De 120 c.] — XI. annual report, 1889 to 
1890. [De 120 a.] — Bulletin, no. 82—86, 90-96. [De 120 c.j — 
Mineral resources of the United-States, 1891. [Db 81.] 

Washington: Bureau of education. 

Washington: Geograph, and geolog. survey of the Rocky mountain region, 
vol. VII. [De 120 d.] 


50 


2. Süd- Amerika. 

(Argentinien, Brasilien, Chile, Costarica.) 

Buenos -Aires\ Museo nacional. 

Buenos- Aires: Bevista argentina de historia natural. — Publicacion 
bimestral, 1891, tomo I, entr. 1 — 6. [Aa 307.] 

Buenos -Aires: Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo XXXIV, entr. 

2-6; tomo XXXV, entr. 1-5. [Aa 280.] 

Cordoba : Academia nacional de ciencias. — Boletin, tomo X, entr. 4 ; 

tomo XI, entr. 4. [Aa 208 b.] 

Bio de Janeiro: Museo nacional. 

San Jose : Instituto fisico-geografico y del museo nacional de Costa-Rica. 

— Anales, tomo III, 1892. [Aa 297.] 

Sao Paulo: Commissao geographica e geologica da provincia de S. Paulo. 
La Plata: Museum. 

La Plata: Redaction der Revista argentina de historia natural. 

Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher Verein. — Verband!, Bd. 
II, Heft 5-6. [Aa 286.] 


III. Asien. 

Batavia: K. natuurkundige Vereeniging. — Natuurk. Tijdsehrift voor 
Nederlandsch Indie, Deel 52. [Aa 250.] 

Calcutta: Geologica! survey of India. — Records, vo! XXV, p. 4; vol. 
XXVI, p. 1 — 3. [Da 11.] — Memoirs, Inhaltsverz. zu vol. I— XX. 
[Da 8.] — Palaeontologia Indica, Inhaltsverz. bis 1891. [Da 9.] 
Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens — 
Mittheil., Bd. V, Heft 51-52. [Aa 187.] 


IT. Australien. 

Melbourne: Mining department of Victoria. 


B. Durch Geschenke. 

Ardissone, Fr.: L’organismo vivente. 1892. Edizione 2. [Ab 81.] 
Boettger , 0,: Katalog der Reptilien-Sammlung im Museum der Sencken- 
bergischen naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. Theil I. 

[Bg 28 b.] 

Bonn: Niederrheinische Gesellschaft. — Bericht über die Feier des 75jährigen 
Bestehens der Gesellschaft. [Ja 75.] 

Brooks, W. K. and Herrick, F. H.: The embryology and metamorphosis 
of the Macroura. [Bl 41.] 

Cooke, C. M. : Australian Fungi. [Ce 30.] 

Congr.es archeologique de France. LII. session ä Montbrison 1885, 1886. 

(Geschenk des Fr! J. v. Boxberg.) [G 125.] 

Credner, H. : Die geologische Landesuntersuchung des Königreichs Sachsen. 
Sep. 1893. [De 119 b.] 

Crejgin, F. : Mes excursions rhodologiques dans les alpes en 1893. [Cd 111.] 
Dathe, F. : Die Strahisteinschiefer des Eulengebirges. Sep. 1891. [De 198 g. | 


51 


Deutscher Verein zum Schutz der Vogelwelt : Zweite Wandtafel, mit Ab- 
bildungen der wichtigsten kleineren deutschen Yögel, mit erläuterndem 
Text von Dr. Rey, 1893. (Geschenk des Herrn Dr. Frenzei, Freiberg.) 
[Bf 61 II.] 

Eck, Th.: Les deux cimetieres gallo-romains de Yermaud et de Saint- 
Quentin. 1891. (Gesch. des Frl. J. von Boxberg.) [G 126.] 
Engelhardt, EL,: Flora aus den unteren Paludinenschichten des Capla- 
grabens bei Podvin (Slavonien). Sep. 1893. [Dd 941.] 

Fergusson , J. : Les monuments megalithiqnes de tous pays. Traduit de 
l’anglais par Hamard. 1878. (Gesch. des Frl. J. von Boxberg.) [G 127.] 
Eickel, J. : Die Litteratur über die Tierwelt des Königreichs Sachsen. 
Sep. 1893. [Je 115.] 

Frenzei, A.: Die Zwergpapageien. 1892. [Bf 56 c.] 

Fritsch , A. : Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformalion 
Böhmens. Bd. III, Hft. 2. [Dd 19.] 

Gaea : Natur und Leben. Jhrg. 29. [Aa 4L] 

Gebirgsverdn für die Sächsische Schweiz: Ueber Berg und Thal, Nr. 179 
bis 190. [Fa 19.] 

Geinitz, E. : Mittheilungen aus der Grossherzoglich Mecklenburg, geo- 
logischen Landesanstalt. Nr. III, über Brunnenanlagen. 1893. 
[De 217 b.] 

Geinitz, E. : Die Käferreste des Dobbertiner Lias. Sep. 1893. [Dd 73 c.] 
Gümhel, W. von: Geologische Mittheilungen über die Mineralquellen von 
St. Moritz im Oberengadin und ihre Nachbarschaft. Sep. 1893. [De 168 c.] 
Jentzsch, A. : Die geologische Sammlung des Provinzialmuseums zu Königs- 
berg. Sep. 1892. [De 114 v.] 

Klinggtaeff, II. von: Die Leber- und Laubmoose West- und Ostpreussens. 
1893. [Ce 31.] 

Ki • one , H.: Ueber das Problem, in natürlichen Farben zu photograph iren. 
[Eb 4L] 

Liebe, K. Th.: Sand- und Staubbäder der Raubvögel und Eulen. Sep. 
1893. [Bf 55 p.] 

Liebe, K. Th.: Yerlorene oder weggelegte Eier. Sep. 1892. [Bf 55q.| 
Liebe, K. Th.: Zur Naturgeschichte der Rohrdommel. Sep. 1892. [Bf 55r.J 
Liebe, K. Th.: Zur Namenfrage. Sep. 1893. [Bf 55s.] 

Makowsky , Al: Der diluviale Mensch im Löss von Brünn. 1892. (Gesch. 
des Frl. J. von Boxberg.) [G 128.] 

Mueller, F. von: Index perfectus ad Caroli Linnaei Species plantarum, 
nempe earum primam editionem. 1880. [Cb 43.] 

Mueller, F: von: Descriptions of australian plants. [zu Cd 51.] 

Mueller , F. von: Ulustrated description of Thistles. 1893 [Cd 51 c.] 
Ferner: Ueber die Foraminiferen des böhmischen Cenomans. [Dd 140.] 
Petersburg: Russ. kaiserl. mineralog. Gesellschaft. — ■ Yerhandl., 2. Ser, 
Bd. 29. [Da 29.] — Materialien zur Geologie Russlands, Bd. XYI. 
[Da 29 b.] 

PoUa, Pli: Ueber Bryozoen aus dem Cenoman am Fusse des Gangberges 
r, • bei Kuttenberg. [Dd 141.] 

Baleigh: Elisa Mitchell scientific society. — Journal, vol. IX. [Aa 300.] 
Richter , P. E.: Litteratur der Landes- und Yolkskunde des Königreichs 
Sachsen. Nachtrag I. 1892. [Je 69 d.] 


52 


Schütte, /?.: Die Tucheier Haide, vornehmlich in forstlicher Beziehung. 
1893. [Hb 122.] 

Schulze, Er Faunae Saxonicae Mammalia. Sep. 1893. [Be 31c.] 

Strouhäl : 0 zivote a pusobeni Dr. A. Seydlera. [Jb 72.] 

Steinert, Hr. Die Macrolepidopteren der Dresdner Gegend. Sep. 1892. 
[Bk 239.] 

Stephani , Fr. Lebermoose. Gesammelte Separatabhandl., 1885—1893. [Ce 32.] 
Stevenson, Jr. 28 Arbeiten über geologische Verhältnisse Nordamerikas. 
[De 221.] 

Stevenson, J . : Second geologial survev of Pennsylvania. 1875 — 1881. 
[De 222 a— d.j 

Stossich, Mr. Osservazioni elmintologiche. Sep. 1892. [Bm 54 p.] 
Stossich, Mr. II genere Angiostomum Dujardin. Sep. 1893. [Bm 54 q.] 
Stossich, Mr Note helmintologiche. Sep. 1893. [Bm 54 r.] 

Vogel, G. Cr. Der Vermehr ungsprocess im Tierreiche. 1893. [Bc 46.] 
Voretzsch, 71/.: Untersuchung einer speciellen Fläche constanter mittlerer 
Krümmung. Inaug.-Diss., Göttingen 1883. [Ea 42.] 

Voretzsch, M . : Ein Blick auf die Vergangenheit der Stadt Altenburg. Sep. 
1890. [G 130 a.] 

Voretzsch, Mr. Altenburg zur Zeit des Kaisers Friedrich Barbarossa. 1891. 
[G 130 B.] 

Voretzsch, 71/.: Bericht über die Thätigkeit der naturforsch. Gesellsch. des 
Osterlandes vom 1. Oct. 1888 — 30. Juni 1892. Sep. 1892. [Aa 69.] 
Worsaae, J. Ar. Zur Alterthumskunde des Nordens. 1847. (Geschenk des 
Frl. J. von Boxberg.) [G 129.] 

Wosinslcy, Mr. Das prähistorische Schanz werk von Lengyel, seine Erbauer 
und Bewohner. (Geschenk des Frl. J. von Boxberg.) [G 123.] 
Zetzsche, E . : Ueber Stationsrufer für Telegraphen anlagen. Sep. 1893. 
[Eb 42 a.] 

Zetzsche, Er. Wetzer’s neuester Stationsrufer. Sep. 1893. [Eb 42 b.] 


C. Durch Kauf. 

Annals and magazine of natural history, ser. 6, no. 61—71. [Aa 102.] 
Antiqua , Beiträge zur prähistor. Archaeologie, 1894, Bog. 1 — 2. [G 91.] 
Anzeiger für Schweizer Alterthümer, Jahrg. XXVI. [G 1.] 

Anzeiger , zoologischer, Jahrg. XVI. [Ba 21.] 

Bromüs Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. III (Mollusca), Lief. 
3-9; Supplem. 1. Lief.; Bd. IV (Vermes), Lief. 24 — 30; Bd. V, 
Abth. 2 (Crustaceen), Lief. 35 — 37 ; Bd. VI, Abth. 4 (Aves), Lief. 42- 49; 
Abth. 5 (Mammalia), Lief. 40 u. 41. [Bb 54.] 

Hedwigia , Bd. 31, Nr. 3—6; Bd. 32. [Ca 2.] 

Monatsschrift , deutsche botanische, Jahrg. 10, Nr. 9 — 12; Jahrg, 11. [Ca 22.] 
Nachrichten , entomologische, Jahrg. 9. [Bk 235. J (Vom Isis-Lesezirkel.) 
Natur , Jahrg. 42. [Aa 76.] (Vom Isis-Lesezirkel.) 

Neapel : Zoologische Station. — - XV. Monographie: Enteropneusten von 
Dr. J. W. Sprengel; XIX. Monographie: Pelagische Capepoden von 
Dr. W. Gisbrecht; XX. Monographie: Gammarini del Golfo di Napoli 
von Dr. A. della Valle. [Bb 56.] 


Palaeontographical society , vol. XLY und XLYI. [Da 10.] 

Prähistorische Plätter , Jahrg. Y. [G 112.] 

Wochenschrift , naturwissenschaftliche, Bd. YIIL [Aa 311.] (Yom Isis- 
Lesezirkel.) 

Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, Bd. 65, Nr. 4—6; Bd. 

66, Nr. 1-4. [Aa 98. J 
Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 11. [Ec 66.] 

Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. IX, Nr. 3 — 4; Bd. X, 
Nr. 1 — 3. [Ee 16.] 

Zeitschrift , Oesterreichische botanische, Jahrg. 43. |Ca 8. ] 

Zeitung , botanische, Jahrg. 51. [Ca 9.| 

Geschlossen am 31. December 1893. 

C. Schiller, 
Bibliothekar der „Isis“. 


Zu bequemerer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für Mitglieder der 
Isis ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährl. Beitrag von 
3 M. können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung zu Hause 
gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Bibliothekar entgegen. 





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Abhandlungen 

der 

n atair wissenschaftlichen G esellschaft 



in Dresden 


1893 . 



I. San Remo lind seine Thierwelt im Winter. 


Von Prof. Dr. Oskar Schneider. 


Bis zum Ende des Jahres 1887 war die Stadt San Remo an der 
italienischen Riviera di Ponente in Deutschland noch recht wenig bekannt, 
während die Engländer sie längst zu einem ihrer Lieblingswintersitze er- 
koren und ihre Anwesenheit in üblicher Weise durch Kirchenbau und 
Schaffung von Spielplätzen vor Augen geführt hatten; nur wenige Geo- 
graphen von Fach, manche der Aerzte, einige Tausende von Kranken, die 
der einfältige Deutschenhass der Franzosen von Nizza und Mentone ver- 
trieben hatte, und einzelne Touristen, welche von dem alten Ruhme der 
französischen Rivierenstädte und dem blendenden Monaco nicht allzu kräftig 
angezogen worden waren, wussten bei uns Genaueres über jene beste aller 
ligurischen Heilstätten und warben ihr einen sich nur sehr langsam ver- 
grössernden Kreis von Anhängern. Da erwählte des Deutschen Reiches 
Kronprinz, an dessen edler Duldergestalt damals die Augen des gesamm- 
ten deutschen Volkes hingen, die Perle der italienischen Küstenstädte zum 
Winteraufenthalte — eine Wahl, die gesundheitlich und politisch die denk- 
bar beste war, trotzdem aber auf die Entschlüsse gekrönter Häupter zu 
wenig Einfluss ausgeübt hat — und sofort wurde San Remo die am 
häufigsten genannte und bestbekannte aller Städte am Golfe von Genua, 
denn Tag für Tag suchten Millionen mit gespannter Erwartung seinen 
Namen in den Zeitungen, die ihn auch täglich mehr als einmal boten, 
jeden Tag klang derselbe von Millionen von Lippen, und ausführliche, in 
den illustrirten Journalen auch mit Bildern ausgestattete Schilderungen des 
Ortes und seiner Umgebung sorgten dafür, dass sich dem Namen auch ein 
mehr oder minder richtiger Begriff zugesellte. Infolgedessen mehrte sich 
bereits im Winter 1887 — 1888 und in dem folgenden die Zuwanderung 
auch von Deutschland aus, und das war der Stadt zu gönnen, denn 
während der vorhergehenden Winter hatte Furcht vor der Cholera, die in 
Italien hauste, und besonders, da San Remo stets verschont blieb, vor der 
Quarantäne an der italienischen Grenze und dann das furchtbare Erdbeben 
vom Februar 1887 und die Angst vor einer Wiederholung der verhängnis- 
vollen Katastrophe Tausende von dem Besuche der Riviera abgehalten. 

Wir freuten uns der Anerkennung, die San Remo nun fand, denn 
wir hatten es durch zweimaligen längeren Besuch, im Herbst 1883 und 
im Frühjahr 1884, kennen und lieben gelernt und waren mit Wort und 
Schrift für dasselbe eingetreten; und als sich dann für uns die Nothwendig- 
keit ergab, einen vollen Winter in dem milderen Süden zuzubringen, da 
pilgerten wir Anfang November 1888 wiederum nach der ligurischen Küste 

Oes. Isis in Dresden, 1893. — Abh. 1. 


4 


und verbrachten volle sechs Monate, vom 12. November bis zum 10. Mai, 
fast ausschliesslich in San Remo und seiner nächsten Umgebung. Getreu 
unserer Gewohnheit bemühten wir uns, diese immerhin lange Zeit dahin 
auszunützen, dass wir uns die klimatischen und sonstigen naturwissen- 
schaftlichen Winterverhältnisse der Gegend vornehmlich durch das Studium 
der wilden und cultivirten Pflanzen wie der niederen Thierwelt möglichst 
klarzustellen suchten, und die Ergebnisse unseres Beobachtens und Sam- 
melns bestärkten uns, obwohl jener Winter dort keineswegs zu den besten 
gehörte, in der festen Ueberzeugung, dass San Remo ein trefflicher klima- 
tischer Heilort ist, jedenfalls einer der besten, wenn nicht überhaupt der 
beste an der ganzen Riviera. Ich fand auch, dass von Seiten der Stadt 
mit Aufbietung hoher Summen darnach gestrebt wurde, vorhandene Mängel 
zu beseitigen, die auf die Gesundheit wirkenden Verhältnisse möglichst 
zu bessern und den Fremden den Aufenthalt angenehm zu machen. Man 
hatte in einer langen Leitung von dem Berge treffliches Trink-, Spül- und 
Giesswasser herbeigeführt und am Ufergehänge der stillen Ostbucht ein 
hübsches Casino mit Versammlungsräumen und Bädern erbaut, dessen 
sonnige Terrassen den Kranken einen ebenso angenehmen ^wie durch die 
Seeluft heilkräftigen Aufenthalt bieten, und war nun darüber, eine lange 
Uferpromenade an der Ostbucht anzulegen, die vor dem Corso mezzogiorno 
an der Westbucht den Vorzug der unmittelbaren Seenähe und meist voller 
Windruhe hat, und die durch herrliche Aussicht berühmte, jetzt freilich 
mehr und mehr durch Anbau von Villen geschädigte Berigostrasse der 
Westseite mit dem Beragallo und Peirogallo der Ostseite durch einen an 
den Steilgehängen des Romolothales hinlaufenden Weg zu verbinden und 
so einen stundenlangen bequemen Weg zur Spazierfahrt und Fusswanderung 
zu schaffen, der an abwechselungsvoller Schönheit seines Gleichen sucht. 
Jetzt sind diese grossartigen Anlagen längst vollendet und dienen seit 
Jahren dem Wohle der Wintergäste, die in der letztvergangenen Saison 
die Zahl von fast 15000 erreichten und aus allen Ländern Europas sowie 
aus Aegypten, Indien, China, Japan, Nord- und Südamerika herbeigeströmt 
waren. Inzwischen ist von der Stadt auch ein grosser Desinfectionsapparat 
aufgestellt worden, in dem alle Gegenstände in Zimmern, die von mit 
Tuberkulose oder ähnlichen Krankheiten behafteten Personen bewohnt waren, 
gereinigt werden müssen, eine hygienische Massnahme, die keine andere 
Stadt der Riviera aufzuweisen hat. Augenblicklich ist man ferner an den 
Bau eines Schlachthauses herangetreten, dem dann baldigst die Errichtung 
eines Kurhauses folgen soll. Bereits in der Ausführung begriffen ist end- 
lich eine Fahrstrasse zu dem am oberen Gehänge des Monte Bignone ge- 
legenen San Romolo, durch welche den Gesunden der durch unbeschreiblich 
schöne Aussicht auf die schneebedeckten Seealpen einerseits und die herr- 
liche ligurische Küste anderseits lohnende Besuch des 1293 m hohen 
Bignone-Gipfels erleichtert und den Kränkelnden für die Spätherbst- und 
Frühlingszeit wie für schöne Wintertage eine ebenso angenehme wie an- 
regende Spazierfahrt und von dem Kamme des Gebirges ein prachtvoller 
Blick auf die Seealpen ermöglicht wird. Bei der Bepflanzung der in der 
Küstenebene liegenden Promenaden hat man, soweit sich das aus der 
Liste generale etc. von Märest ersehen lässt, von Platanen gänzlich ab- 
gesehen, und das ist nur zu billigen, denn ein ligurischer Kurort sollte 
keine Zierbäume pflegen, die im Winter durch Abwerfen der Blätter kahl 


5 


dastehen wie die mächtigen Platanen des Corso di Garibaldi, und die dazu 
durch ihre leicht von jedem Lufthauche emporgewirbelten Blatt- und 
Fruchthaare die empfindlichen Athmungsorgane der Hais- und Lungen- 
kranken in schädlicher Weise reizen können. Wir könnten es nur loben, 
wenn die Stadtverwaltung von San Remo sich entschlösse, alle Platanen 
niederzulegen und durch immergrüne und unschädliche Bäume zu ersetzen; 
kann man sich aber zu so energischem Vorgehen nicht aufraffen, so möge 
man doch darauf bedacht sein , zur Zeit des Abfalles der Platanenhaare 
täglich die betreffenden Strassen zu kehren und den Kehricht zu ver- 
brennen. 

Wesentlich gehoben wurde die Bedeutung San Remos als Kurort 
auch durch die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrzehnts erfolgte 
Gründung eines deutschen Krankenhauses, das den dort Heilung Suchenden, 
wenn sich ihr Leiden steigert, sowie dem zahlreichen Dienstpersonale der 
Hotels und Pensionen im Falle der Erkrankung Zuflucht und sorgsame 
Pflege gewährt und , was sehr hoch zu schätzen ist , die Fremdenhäuser 
von ansteckend Kranken entlastet Im Frühjahr 1885 bereits bekämpfte 
ich , als in den deutschen Zeitungen um Beiträge für Gründung eines 
„deutschen Kurhauses in Nizza für unbemittelte Landsleute“ gebeten wurde, 
die Unterstützung eines solchen Hauses in Nizza in einem Vortrage im 
Vereine für Erdkunde zu Dresden aus nationalen, socialen und sanitären 
Gründen auf das Entschiedenste und schloss meine Erörterung mit den 
Worten: , , Auf das Wärmste aber befürworten w r ir die aus Reichsmitteln 
oder durch die Mildthätigkeit Einzelner zu erfolgende Gründung einer 
solchen Anstalt im Gebiete der freundlichen und gefälligen ligurischen 
Bevölkerung der italienischen Riviera, ... an einem nicht einsamen, schön 
gelegenen, gegen Wind gut geschützten, in Hinsicht auf Vegetation und 
Wege wohlgepflegten und möglischst staubfreien Orte, als dessen relatives 
Ideal uns San Remo vorschwebt.“ Der aus der Mitte der damaligen 
Zuhörer geäusserte Wunsch , den Inhalt weiteren Kreisen des deutschen 
Volkes zugänglich zu machen, wurde dadurch vereitelt, dass eine Anzahl 
der gelesensten Zeitschriften aus augenscheinlich nichtigen Gründen den 
kleinen Kampfartikel nicht aufnahm; die wahre Ursache ihrer Weigerung 
lag zweifellos darin, dass die Kaiserin Augusta das Protectorat über, das 
Nizzaer Kurhaus übernommen hatte. Nach langem Zögern hat schliesslich 
noch der Dresdner Anzeiger die „kühne That“ gewagt und den Vortrag 
am 21. Juni 1886 veröffentlicht, während ich inzwischen meiner Meinung 
auch in dem von dem Weimaraner Geographischen Institute herausge- 
gebenen Werkchen „Die Riviera di Ponente“ rückhaltslos Ausdruck gegeben 
hatte. In San Remo selbst trat jener Gedanke erst während der Anwesen- 
heit des deutschen Kronprinzen zu Tage, indem fünf Herren, der dortige 
deutsche Vicekonsul Schneider, die deutschen Aerzte Dr. Goltz und 
Dr. Secchi, der evangelische Pastor Nieschling und Dr. jur. J. Weber am 
29. December 1887 zu Gründung eines deutschen Krankenhauses zusammen- 
traten und im Januar 1888 an das kronprinzliche Paar die Bitte richteten, 
dem Werke seinen Schutz angedeihen zu lassen. Die darauf vom Kron- 
prinzen bewilligten 1000 Lire bildeten die Grundlage für Ansammlung 
eines Kapitals, das durch zum Theil wirklich grossartige Spenden und in 
nicht geringem Maasse durch die Bemühungen des als Kassirer mit in 
den Vorstand gewählten Hofapothekers K. Wiedemann bis zum September 


6 


1892 auf rund 160 000 Lire angewachsen war, oder angewachsen wäre, 
wenn man nicht vorher an die Ausführung des Planes, den Ankauf einer 
Villa, die bauliche und sonstige Einrichtung derselben zum Krankenhause 
und die Anschaffung der ärztlichen Instrumente geschritten wäre. Anfang 
Hecember 1890 ist das Kaiser-Eriedrich-Krankenhaus eröffnet worden und 
hat, geleitet vom Sanitätsrath Br. Secchi und einer von dem Yiktoriahause 
für Krankenpflege berufenen Schwester dann bis zum 1. Mai 1891 und 
wiederum im Winter 1891 bis 1892 je 22 Kranke mit im Hinblicke auf 
die Art der Erkrankungen sehr günstigem Erfolge verpflegt. Hie Ge- 
sammtzahl der Verpflegungstage betrug 520, beziehentlich 532. Hie Lage 
der nun zum Krankenhause umgewandelten Villa Maddalena war, dessen 
erinnere ich mich sehr wohl, eine selten günstige, denn sie stand an der 
windsichersten Stelle des östlichen Gehänges, fern dem lauteren Getriebe 
der Stadt und der Hauptstrasse, oberhalb der vom Kaiser Friedrich einst 
bewohnten Villa Zirio, an einer Biegung des Peirogallo, noch etwas herein- 
gerückt in die Ausmündung eines ganz kurzen Thälchen^ So ist denn 
der im Januar 1888 in Angriff genommene Plan in wenig Jahren in alle 
Erwartungen übertreffender Weise schnell und völlig zur Verwirklichung ^ r 
gekommen, denn es besteht jetzt in San Remo ein deutsches Krankenhaus, 
schuldenfrei und ausgerüstet mit einem zinstragenden Kapital von recht 
erfreulicher Höhe; so bedeutend ist das letztere aber doch noch nicht, dass 
die Zinsen die für die meisten Kranken unentgeltliche oder doch sehr billige ^ 
Pflege , die Erhaltung von Haus und Garten und die durch Abnutzung sv 
nöthig werdenden Neuanschaffungen u. s. w. decken, sowie das im Hienste 
der Menschen- und Vaterlandsliebe stehende Unternehmen gegen alle ^ 
möglichen Fährlichkeiten ' sichern und seine weitere Entwickelung gewähr- 
leisten könnten; deshalbV-Mten wir es für unsere Pflicht, auch hier der 
Bitte Worte zu leihen, ‘dass noch recht Viele durch einmalige oder jähr- 
liche Beiträge den vollen Betrieb des Krankenhauses ermöglichen und das 
Kapital desselben mehren möchten. 

Es hat mir natürlich zu grosser Freude gereicht, dass ich im Winter 
1888 — 89 an Ort und Stelle die gedeihliche Entwickelung des mich so 
ansprechenden Planes verfolgen und gleichsam mit durchleben konnte; 
desto bedauerlicher aber erschien es mir, dass gerade zu dieser Zeit zum 
ersten Male Stimmen sich hörbar machten, welche die Heilkraft des Ri- 
vierenklimas in Frage oder völlig in Abrede stellten. 

Während der ersten Monate des Jahres 1889 erschien in dem ersten 
bis achten Stück der „Allgemeinen medicinischen Centralzeitung“ ein Auf- 
satz von dem Geh. Medicinalrath Hr. Schultz über Italien bei Leiden 
der Athmungsorgane. Her Genannte hat, wie aus seinem Bericht hervor- 
geht, vor jetzt mehr als fünfzig Jahren in Rom und Neapel „eingehende 
meteorologische Untersuchungen“ angestellt, ist aber wohl nie an der 
Riviera gewesen, hat daselbst jedenfalls nie beobachtet, sondern stützt sich 
da nur auf fremde Mittheilungen und zieht aus denselben, obwohl er 
selbst den „Mangel solcher zuverlässigen Beobachtungen“ betont und an 
anderer Stelle hervorhebt, dass über die Feuchtigkeitsverhältnisse der Ri- 
viera wenig vorliege, und was vorliege, im Ganzen wenig genügend sei, 
doch weitgehende, gründlich verfehlte Schlüsse, so dass er Nizza, Mentone 
und San Remo als in sanitärer Hinsicht gleichwerthig erachtet und für 
ungünstiger hinstellt nicht nur als Palermo, sondern auch als Rom und 


7 


Neapel. Ein Hauptmangel seiner Beweisführung ist dabei der, dass er das 
Klima lediglich nach der Temperatur und dem Feuchtigkeitsverhältniss der 
Luft beurtheilt, die Einwirkung des Windes auf die erkrankten Athmungsorgane 
und den Einfluss der mehr oder minder langen Besonnung aber gar nicht mit 
in Rechnung zieht. Eins freilich scheint doch auch Herrn Schultz selbst 
für die Richtigkeit seiner Schlussfolgerung etwas bange gemacht zu haben, 
d. i. die wunderbare Wintervegetation der Riviera; doch auch über dies 
Bedenken kommt er hinweg, freilich nur mit Hilfe eines Sprunges, der, 
wie wir zeigen werden, alle seine anderen an Wagehalsigkeit übertrifft, 
und so hindert ihn am Schlüsse nichts, zu behaupten, dass das Winter- 
klima der Riviera (und des übrigen Italien) dem Frühlingsklima von Ber- 
lin gleich und deshalb den Lungenkranken gefährlich sei, dass die Diri- 
girung eines Patienten mit tieferen Leiden der Athmungsorgane nach der 
Riviera für so verfehlt gehalten werden müsse, dass über sie nur wieder- 
holt werden könne: ce n’est pas une crime, c’est une faute — welches 
bedenkliche Dictum des bedenklichen Talleyrand ihm so wohl gefällt, dass 
er es in gleicher Anwendung uns nochmals auftischt — und dass er end- 
lich seinen Rath in die etwas unklaren Worte fasst: „Nicht blos für den 
Winter nach Italien, nicht nach der Riviera, sondern mindestens für den 
ganzen Sommer und in die südlichsten Theile Italiens.“ 

Es ist an sich wenig verlockend, eine solche Darstellung zu beurtheilen, 
in der das Wahre nicht neu und das Neue nicht wahr ist, und das, wie hier 
nothwendig, in Kürze zu thun, ist noch dazu schwierig; ich glaube aber 
doch, mich der undankbaren Aufgabe nicht ganz entziehen zu dürfen, umso- 
weniger, da Herr Schultz an die Möglichkeit, dass man seine Aufstellungen 
bemängeln könne, gar nicht gedacht zu haben scheint, sondern alle, die für 
die Riviera eingetreten sind, mit den hochmüthigen und unhöflichen Wor- 
ten abzuthun sucht: „Man wird den Yertheidigern der Riviera keinen 
besonderen Yorwurf daraus machen wollen, dass sie nicht helfen wollen, 
das Huhn abzu schlachten, was (!!) ihnen goldne Eier legt, allein voll- 
ständige intacte Objectivität kann man verlangen.“ Es haben diese un- 
überlegten und verleumderischen Worte in mir dasselbe „g’spassige“ Gefühl 
wachgerufen, das der Herr Geheimrath haben würde, wenn ich unbedingt 
voraussetzen und öffentlich behaupten wollte, dass er seinen Artikel zu 
Gunsten Süditaliens nur deshalb in die Welt gesandt habe, weil er heim- 
licher Mitbesitzer eines Hotels in Neapel, Sorrent, Reggio oder Palermo 
sei; denn auch meine Wenigkeit ist für die Riviera eingetreten, ohne dass 
sie dort goldne Eier legende Hühner besitzt, und sie ist zu dem so ver- 
messen, zu glauben, dass ein gebildeter, mit offenem, durch Naturforschung 
geübtem Blicke ausgerüsteter Laie in der Medicin, der an Ort und Stelle 
beobachtet, die volle, intacte Objectivität leichter und besser zu wahren 
vermag, als ein Fachgelehrter, der, ohne das Gebiet besucht zu haben, 
auf Grund fremder, eingestandenermassen ungenügender Beobachtungen 
über dessen sanitären Werth am Studirtische aburtheilt. Dieser Ansicht 
wird nun der Herr Medicinalrath natürlich nicht beitreten dürfen, deshalb 
will ich seine Bestrafung ob jener Beleidigung den Aerzten überlassen, 
die, ohne an der Riviera zu prakticiren, für dieselbe sich erklärt haben; 
ich rufe hier zunächst den als Kenner der Heilorte berühmten Sanitätsrath 
Dr. Reimer in Stuttgart auf, sodann den Stabsarzt Dr. Körner (vgl. San 
Remo, eine deutsche Winterkolonie), der sich zwei Winter an der Riviera 


8 


mit seiner schwer erkrankten Frau aufhielt und trotz deren Yerlust sich den 
objectiven Blick für die Heilkraft San Kemos nicht trüben liess, und den Stabs- 
arzt Dr. Ra mdohr (vgl. Ar co und die Riviera), der wegen eigener Erkrankung 
an der ligurischen Küste weilte: Diese drei Aerzte empfehlen die Riviera als 
klimatisches Heilgebiet auf das Wärmste, obwohl sie gegen manche Mängel 
derselben durchaus nicht blind sind. Heber den klimatischen Werth Roms 
aber mag Herr Schultz die offenen Worte des dort lebenden Arztes 
Dr. Kunde in Fournier’s Rom und die Campagna und Dr. Reimer’ s 
Aeusserungen im Bädecker nachlesen. 

Einige Bemerkungen, nicht vom Standpunkte des gelehrten Theoretikers, 
sondern des praktischen Laien mögen dann auch mir gestattet sein; es soll 
dabei von Schultz ’s Forderung, der Lungenkranke solle den ganzen 
Sommer im südlichsten Italien weilen — obwohl ich auch das nach meinen 
Sommererfahrungen an der Kordküste Aegyptens für nicht unbedenklich 
halte — ganz abgesehen werden und lediglich seine Verurtheilung der 
Riviera Berücksichtigung finden. 

Ich gründe meine Angaben , obwohl ich dreimal an der ligurischen 
Küste weilte, vornehmlich auf den Winter 1888/89, den ich, wie schon 
erwähnt, vom 12. November bis zum 10. Mai an der Riviera und zwar fast 
ausschliesslich in San Remo verlebte. Während dieser 6 Monate, die einen 
nicht günstigen, weil allzu regen- und wolkenreichen Rivierenwinter dar- 
stellten, blieb der Winterüberzieher in dem Koffer, in den er bei der An- 
kunft in San Remo versenkt worden war, während Schultz berichtet, dass 
er einst in Palermo trotz dicker Winterkleidung im Januar erheblich von 
Kälte zu leiden hatte; an den bei weitem meisten Tagen konnte auch ein 
empfindlicher Mensch im einfachen Rocke, an den andern, auch an den 
Regentagen doch im Sommerüberzieher stundenlang spazieren gehen. Min- 
destens die Hälfte der Tage gewährte den Kranken die Möglichkeit, 6 bis 
8 Stunden lang im Freien in genügend, oft sogar überreichlich wärmendem 
Sonnenschein zu sitzen, und täglich konnten die Zimmer durch anhalten- 
des Oeffnen der mächtigen Fenster in ausgiebigster Weise gelüftet werden. 
Schnee fiel nur zweimal in wenigen Flocken im Regen, obwohl die Tem- 
peratur gegen Morgen ungewöhnlich oft, nämlich 8 mal bis auf 0°, ja ein- 
mal selbst bis zu — - 2° sank. Gesunde und Genesende, die es wagten, 
gegen Ende Februar das von Schultz vorgezogene Neapel und Rom zu 
besuchen, meldeten von da mit den lakonischen Worten: „II piove, piove, 
piove; neve, neve!“ das traurigste Wetter, während es sich in San Remo 
recht angenehm leben liess, und kamen stark erkältet und fiebernd zurück, 
und selbst einige nach dem angeblich günstigeren Ajaccio Uebergesiedelte 
trafen bald enttäuscht wieder bei uns ein. Schneestürme, wie solche in 
jenem Winter noch am 18. März Rom, Neapel, Kalabrien und Sicilien 
heimsuchten, blieben der Riviera auch da fremd. 

Ueberraschen muss jeden Objectiven, dass Schultz die Häufigkeit 
und Stärke kalter Winde, die auf erkrankte Luftwege so verderblich wir- 
ken, gar nicht in Betracht gezogen hat; er hätte sonst freilich Rom wahr- 
lich nicht der Riviera vorziehen, sondern eingestehen müssen, dass sich, 
etwa abgesehen von der Südwestseite von Korsika, kein Küstengebiet 
Europas eines so grossartigen Windschutzes erfreut wie die ligurische 
Küste und besonders deren östlicher, italienischer Theil, den auch der 
greuliche Mistral nicht mehr trifft, und er würde, falls er nicht eben nur 


9 


vom Berliner Studirzimmer aus urtheilte, nimmermehr die vom Mistral 
und der Tramontana heimgesuchten Gebiete von Nizza und Men tone in 
klimatischer Hinsicht zusammenwerfen mit San Eemo, das von beiden 
so gut wie frei ist, das zudem auch infolge seines lehmigen Bodens 
des Uebermaasses von Kalkstaub entbehrt, das den sanitären Werth der 
westlichen Rivieren städte so erheblich mindert; Schultz aber hat ja das 
vom Mistral und in seinem westlichen Theile auch von der Tramontana 
geschädigte, staubreiche Mentone für die beste der ligurischen Städte 
erklärt. 

Um die ausserordentliche Mühe, welche Schultz sich gegeben hat, 
um den starken Gegensatz, welcher sich an der Riviera zwischen den 
Wärmeverhältnissen in der Sonne und im Schatten, bei Tage und bei 
Nacht zeigt, zu beweisen und zu erklären, ist es wirklich schade, denn 
derselbe ist eine längst bekannte Thatsache, deren Beachtung von allen 
Aerzten allen Kranken dringend empfohlen wird, strenger selbst, als 
Dr. Ramdohr für angebracht hält, der mit Recht bezweifelt, dass diese 
Kontraste grösser seien als die bei uns im Norden während des Sommers 
gewöhnlichen, und darauf hinweist, dass man in den „von den Lungen- 
kranken mit berechtigter Vorliebe besuchten Kurorten in den deutschen 
Waldgebirgen, z. B. in einigen Orten Schlesiens“ den Phtysikern das Er- 
tragen von noch weit erheblicheren Schwankungen ohne Bedenken zu- 
muthet. Ich aber möchte noch hinweisen auf die noch viel gewaltigeren 
Gegensätze, die das Winterklima des gerade von schwer Erkrankten auf- 
gesuchten Davos bietet, sowie auf die ebenfalls sehr starken, oft noch durch 
Nachtnebel vergrösserten Unterschiede von Tag- und Nachttemperatur in 
dem gleichfalls, thatsächlich allerdings zu sehr als Heilgebiet gepriesenen 
Aegypten; ich habe mich über die Gefahren, welche das Winterklima des 
Nillandes den Lungenkranken entgegenbringt, bereits 1872 in einem Vor- 
trage im Verein für Erdkunde ausgesprochen und stimme durchaus 
Schliemann bei, der im Frühjahr 1887, durch schlimme Erfahrung be- 
lehrt, schrieb: ,,Ich wüirde Brustkranken viel eher rathen, nach der Ri- 
viera zu gehen, als nach Aegypten.“ 

Dass die Erfolge der Winterkur an der Riviera, insbesondere in San 
Remo, hinter den berechtigten Erwartungen wesentlich Zurückbleiben, wie 
von mancher Seite behauptet worden ist, dürfte kaum zu erweisen sein. 
Im Winter 1891 zu 92 wurden von den rund 15 000, doch zu einem 
grossen Theile kranken Wintergästen San Remos daselbst nur 25 begraben 
— ein anderer kleiner Theil ist wohl den heimathlichen Friedhöfen zuge- 
führt worden — und das grosse Hotel de Nice, welches monatelang 180 
Gäste und unter ihnen sehr viel Leidende und eine ziemliche Zahl schwer 
Erkrankte beherbergte, hatte in den sechs Monaten meines Dortseins nicht 
einen einzigen Todesfall zu beklagen. Sicher aber wäre das Allgemein- 
befinden der Kranken und der Enderfolg ihres Kuraufenthaltes an der 
Riviera noch viel günstiger, als so schon der Fall ist, wenn nicht viele 
der Leidenden die ligurische Küste erst bei allzuweit vorgeschrittener Er- 
krankung aufsuchten, wenn dieselben ferner sich nicht durch That- und 
Unterlassungssünden aller Art Rückfälle holten, und wenn sie endlich, 
wie ich dies in zwei Frühlingen beobachtet habe, nicht allzu zeitig die 
Riviera verliessen, um sich in den noch zu rauhen Heilorten in den Süd- 
thälern der Alpen wieder gründlich zu erkälten. Gegen solche Thorheiten 


10 


aber würde selbst ein klimatisches Paradies, falls die Erde ein solches 
aufzuweisen hätte, nichts helfen; ich kenne Beispiele, dass ihnen Lungen- 
leidende auf den Kanaren und Madeira erlagen, und sah ihre Folgen in 
ebenso klarer wie schlimmer Weise sich äussern während je zwei Wintern 
in Aegypten und an der Riviera, und so wird auch das von Schultz 
angepriesene Kalabrien und Sicilien davor nicht schützen. 

Schliesslich müssen wir noch jene Stelle der Schultz’schen Arbeit 
etwas beleuchten, welche die herrliche Flora der Riviera in ursächliche 
Beziehung zu der Gluth eines unter ihr liegenden vulkanischen Heerdes 
bringt. Wir lesen dort: „Die entzückende Pflanzenwelt lässt nicht daran 
denken , welchem Boden sie ihre Pracht verdankt. Die Gärtner wissen 
sehr wohl, dass Pflanzen unter ihnen sonst ungünstigen Verhältnissen ganz 
gut bestehen und gedeihen, wenn sie nur, nach gärtnerischem Ausdrucke, 
einen warmen Fuss haben. Geognostischer Anschauung entspricht es, die 
Riviera anzusehen als auf einer Spalte der Erdkruste liegend — entstan- 
den entweder durch Einsinken eines Theiles derselben da, wo jetzt das 
Meer ist, oder durch Erhebung eines Theiles, der jetzt die Seealpen bil- 
det, oder durch beide Erscheinungen — an deren Rändern die unter- 
irdischen Kräfte gern ihre Gewalt bemerkbar machen. So kann die nicht 
allzu grosse Entfernung einer unterirdischen Gluth, wie sie sich durch die 
heissen Quellen bei Abano annehmen lässt, wie sie sich 1887 zum Schrecken 
der Besucher der Riviera zu erkennen gab, wie sie sich, freilich weiter 
ab, vermuthen lässt am Meeresgründe in der Nähe der Ponza-Inseln durch 
das in einer Nacht erfolgende Verderben der Fischernetze, und wie sie, 
als Brand eines tiefliegenden Kohlenflötzes bei Zwickau die Kultur der 
Ananas begünstigt (! ! seit Mitte der sechziger Jahre nicht mehr! ! 0. S.), 
auch der Pflanzenwelt in diesem nördlichen Theile Italiens zu ihrem Flor 
verhelfen, ohne dass die übrigen Verhältnisse eine Beschaffenheit haben, 
welche der üppigen Pflanzenwelt entspräche.“ Dieser Passus nun enthält 
den ärgsten der vielen Irrthümer, in welche sich Herr Schultz seiner 
Haupthypothese zuliebe hineintheoretisirt hat. 

Wir können die Pracht und Ueppigkeit der durch den ganzen Winter 
grünenden und blühenden Rivierenvegetation hier nicht nochmals ein- 
gehend schildern, sondern müssen auf unsere Darstellung in dem Heftchen 
„Die Riviera di Ponente“ und betreffs der Zuchtpflanzen auf Carl von 
Hüttner ’s treffliches Buch über die Gartenflora des klimatischen Winter- 
kurorts San Remo verweisen. Nur eine auf dem letzteren fussende Ueb er- 
sieht bestimmter dort gepflegter Pflanzen mag vorgeführt werden, um den 
Reichthum und den kosmopolitischen Charakter der daselbst eingebürgerten 
Pflanzenwelt und das ihn ermöglichende ungewöhnlich günstige Klima 
der Riviera erkennen zu lassen. Es wurden nach v. Hüttner in der 
ersten Hälfte des vorigen Jahrzehnts allein in San Remo in Gärten und 
Anlagen gehalten: 25 Cicadeen aus Sansibar, Südafrika, Siam, China, Japan 
und Mejiko, 18 Koniferen aus Italien und Spanien, von den Kanaren, 
aus Kleinasien und Persien, vom Himalaya, aus China, Japan, Australien 
und Nordamerika, 3 Kasuarinen aus Australien, 49 Palmen aus den 
Tropen und Subtropen aller Erdtheile, 5 Dracänen von den Kanaren, aus 
Madagaskar, Australien, Neuseeland und Brasilien, 26 Aloe aus Südafrika, 
Ost- und Westindien, 12 Yucca aus dem südlichen Nordamerika, 17 Agaven 
aus Mittel- und Südamerika, 3 Bananen aus Nordafrika, Abessinien und 


11 


China, 5 Ficus aus Ostindien, China, Japan und Australien, 3 baumförmige 
Euphorbien aus Afrika und Südasien , 5 Proteaceen aus Australien und 
Südamerika, 73 Cacteen aus Mittel- und Südamerika, 8 Eisblumen vom 
Kapland, 10 Myrtaceen aus Australien, Neuseeland und Brasilien, 15 echte 
Akazien aus Afrika, Südasien und Australien. Upd diese Pflanzen nebst 
zahlreichen anderen, die fast ausnahmslos Orten geringerer geographischer 
Breite und damit warmen oder heissen Landstrichen entstammen, gedeihen 
in San Remo ohne jeden Winterschutz, treiben Blüthen und bringen zu 
einem Th eile durch den Winter hindurch Früchte zur Reife. Dies Letztere 
schien mir besonders bezeichnend für die Milde des Klimas und deshalb 
grösserer Beachtung werth, als ihm bisher geschenkt worden ist, weshalb 
ich gesucht habe , die dem ligurischen Gebiete fremden Subtropen- und 
Tropenpflanzen festzustellen , deren Fruchtreife in San Remo bisher be- 
obachtet worden ist; ich kann nun als solche notiren: Cycas revoluta sowie 
mehrere Arten von Encephalartos und Zamia , Araucaria excelsa , mehrere 
Kasuarinen, Dattel- und Zwergpalmen, Philodendron pertusum , Aloe, Yucca 
(bemerkenswerth besonders Y, baccata mit essbaren Früchten), Testudinaria 
elephantipes , Agaven, Bananen, Strelitzia , Hakea eucalyptoides , Eugenia ; 
Fambor , Persea gratissima , Diospyros Kaki, Aralia in mehreren Arten, 
Cookia punctata, Passifloren, Opuntien, Eucalyptus globulus, E. amagdalina 
und E. Ekakeana, mehrere Melaleuken, Metrosideros, Pisidium Arcissa, Mes- 
pilus japonicci, Cerasus lusitanica, Chironia baccifera, Swainsonia Osbornii , 
viele Akazien, Schinus molle , Citronen- und Orangenarten, Magnolien und 
Anona triloba. Jedenfalls ist mir noch mancherlei entgangen, doch dürfte 
das Vorstehende genügen, um die Triebkraft des Sanremeser Klimas zu 
erweisen. Im Laufe der Jahre erleiden allerdings die sehr empfindlichen 
Pflanzen in San Remo manchen Frostschaden, obgleich die Mitteltemperatur 
der drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar nach der niedrigsten 
Berechnung 10,5° beträgt, also besser ist als die Deutschlands im ganzen 
Jahre. Im Winter 1888 bis 89 sank das Thermometer gegen Morgen 
ungewöhnlich oft, nämlich achtmal bis zu 0 0 oder etwas darunter, und 
bei jedem Fallen unter 0 0 zeigte sich sofort ein mehr oder minder grosser 
Theil der Blätter bestimmter Pflanzen schwarz, wie verbrannf ; ich sah das 
an Bananen, Ricinus, Sparmannia africana, Wigand ia caracassana, Hibis- 
cus rosa chinensis und den weicheren Pelargonien. Und als am 16. März 
— 2° eingetreten waren, erschien der Frostschaden an den gleichen Pflanzen, 
besonders an jungen Bananen noch erheblicher und dazu auch an Erug- 
mansia candida. Wird es noch kälter, was äusserst selten geschieht, in 
dem so ungewöhnlich rauhen Winter, den wir jetzt durchlebten, aber 
stattgefunden haben dürfte, so frieren manche zarte Stauden, selbst hohe 
Bananen bis zur Erde ab, im nächsten Frühjahre aber sprosst alles aus 
den Wurzelstöcken wieder frisch empor, so dass hoffentlich auch heuer 
die herrliche Vegetation der Riviera nicht sehr, oder doch nicht auf lange 
Zeit gelitten haben wird. Jedenfalls geben diese Beobachtungen über die 
Wirkungen ganz geringer Fröste auf bestimmte Pflanzen im Verein mit 
der Thatsache, dass sich an der Riviera grosse Büsche und Stauden solcher 
leicht erfrierenden Arten in Menge vorfinden, einen weiteren Beweis von 
der Milde des dortigen Klimas. 

Herr Schultz freilich will in dieser herrlichen Pflanzenwelt nur die 
Wirkung vulkanischer Kräfte sehen, die er kühner Weise mit den heissen 


12 


Quellen von Abano (in den Euganeen!) und mit dem Gebiete der Ponza- 
Inseln (bei Neapel!), sowie mit dem Erdbeben vom Februar 1887 in 
Beziehung setzt. Dass er auch das letztere mit heranzieht, erweist, dass 
er sich um die geologischen Verhältnisse Liguriens nicht gekümmert hat 
und in der Erdbebenfrage um einige Jahrzehnte zurückgeblieben ist, denn 
es fehlt jeder Anhalt, das furchtbare Ereigniss, welches 710 Menschen den 
Tod und 620 anderen Verwundung brachte, auf Rechnung vulkanischer 
Thätigkeit zu setzen. — Nebenbei mag hier erwähnt werden, dass der 
Zusammensturz so vieler Gebäude und die dadurch bedingte grosse Zahl 
der Opfer mit veranlasst worden ist durch elende Bauweise der Häuser 
der Eingebornen und der weitgewölbten Kirchdecken, wie ich bei dem 
zum Theil mit einem Baumeister unternommenen Besuche der Ruinen - 
Stätten von Diano Marina, Pompejana, Castellaro, Bussana, Taggia und 
Ceriana ersah, wie sich auch daraus ergiebt, dass kein einziger der in 
solider errichteten Häusern wohnenden Fremden Schaden gelitten hat, und 
dass die kräftig gebaute Kirche in dem fast ganz zerstörten Diano Marina 
wenig und geringe Zeichen der Erschütterung aufwies; nach Palmieri 
stand ja auch die schreckliche Verheerung, welche 1883 Ischia erlitt, in 
keinem Verhältnis zu der Intensität und der Dauer der Stösse, sondern 
rührte zum grössten Theile von der schlechten Bauart der Häuser her. — 
Als die eingehendsten der mir bekannten Besprechungen des grossen 
ligurischen Erdbebens habe ich zu erwähnen G. Uzzielli’s Le commozione 
telluriche e il terremoto dal 23. Febbraio 1887 (Turin 1887) und: Das 
Erdbeben an der Riviera etc, von Gustav Wolf, 2 Werke, die merk- 
würdiger Weise in dem Abschnitte über die Fortschritte der Geophysik 
in Wagner ’s Geographischem Jahrbuch, Bd. XIII, nicht mit angeführt 
worden sind. Für uns haben besondere Bedeutung die Angaben des 
preussischen Bergrathes Wolf aus Halle, der die furchtbare Katastrophe 
in San Remo miterlebte und von da aus die benachbarten Stätten der 
Zerstörung besuchte. Derselbe zeigt mit Hülfe einer nach der 1881 er- 
schienenen geologischen Karte von Italien in vergrössertem Maassstabe aus- 
gefübrten Veranschaulichung der Ligurischen und See -Alpen, dass die 
Küstenketten dieser Gebirge durchweg aus Sedimentgesteinen und zwar, 
soweit das Gebiet der starken Erschütterung vom Februar 1887 in Frage 
kommt, aus tertiären Schichten bestehen, unter denen wiederum eocene 
vorwiegen, und erklärt es „für durchaus unwahrscheinlich, dass der Vul- 
kanismus hier irgend eine Rolle gespielt haben kann, denn im ganzen 
Erschütterungsgebiete und den benachbarten Gegenden findet sich kein 
Vulkan vor, weder ein thätiger noch ein erloschener, und überdies fehlt 
dem Beben selbst jeder vulkanische Charakter“. Wolf weist dann auch 
die von dem französischen Astronomen Flammarion in: Le petit Ni 9 ois 
auf das Erdbeben der Riviera angewandte Spaltentheorie zurück, nach der 
das Meer durch in der Erdrinde vorhandene Spalten bis zu dem feuer- 
flüssigen Erdinnern vorgedrungen und die plötzliche Bildung grosser 
Massen überhitzten Dampfes von unglaublicher Spannung veranlasst haben 
soll, welche, mit grosser Gewalt entweichend, die Oberfläche erschüttert 
hätten. Er erklärt ferner die bekannte Theorie von R. Falb für unbrauchbar, 
hält es auch für durchaus unwahrscheinlich, dass in dem gegebenen Falle 
Zusammenbrüche von Hohlräumen im Innern der Erdschichten als die 
veranlassende Ursache des Bebens anzusehen seien , und bekennt sich 


13 


endlich zu der Ansicht, dass die ligurischen Erdbeben gleich den meisten 
derselben überhaupt zu denen gehören, welche die Wissenschaft als tek- 
tonische bezeichnet und deren „Ursachen damit im Zlusammenhange stehen, 
dass die Erde einer stetigen fortschreitenden Abkühlung unterworfen ist 
und damit einer Verminderung des "Rauminhaltes, einem Einschrumpfen 
unterliegt , welches vorzugsweise die oberen Schichten der Erde trifft. 
Letztere werden auf einen kleinen Raum zusammengedrängt , und dabei 
entstehen Gebirgsstauungen und Verschiebungen, mit welchen Erschütter- 
ungen bald schwächeren , bald stärkeren Grades verbunden sind. Auf 
einen derartigen Vorgang dürfte auch unser Erdbeben zurückzuführen 
sein. Es spricht dafür: 

1. Der ganze Charakter des Bebens, seine Verbreitung in der Richtung 
des Hauptstreichens der Gebirgsschichten und die horizontale 
Wirkungsweise der Stösse, 

2. die geognostische Zusammensetzung und der stratographische Bau 
des Terrains.“ 

Diese Auffassung eines klar sehenden Fachmannes, der auch ich, in 
Erinnerung an die hochinteressante Fältelung zahlloser dünner Schichten 
am Wege unterhalb San Romolo, huldigte, lange bevor ich von Wolf ’s 
Abhandlung etwas wusste, lässt des Herrn Schultz’ Theorie von der 
vulkanischen Heizung des Rivierenbodens sammt den aus ihr gezogenen 
kühnen Folgerungen als eitel und hinfällig erscheinen; dennoch aber wurde 
ich unerwarteter Weise gezwungen, noch weiter auf dieselbe einzugehen. 
Ich fand nämlich zunächst auf einer von dem seiner Gesundheit halber 
seit Jahren während des Winters in Ospedaletti weilenden Regierungsrath 
Geigel aus Colmar entworfenen Kartenskizze der Umgegend von Ospedaletti 
zu meiner Verwunderung eingetragen eine „grotta fumante , ehemaliger 
Vulkan, 1300 m südwestlich vom Gipfel des Monte nero“, einer Kuppe 
des allmählich nach Bordighera abfallenden Westendes des Bignone-Stockes. 
Auf weitere Erkundigung hin erfuhr ich dann von einer in San Remo 
ansässigen Familie, dass man hie und da ein eigenthümliches Getöse oder 
Dröhnen vernehme , das nicht durch Steinbrucharbeiten veranlasst sein 
könne und allgemein der vulkanischen Thätigkeit des Monte nero zu- 
geschrieben werde, während mir Herr Geigel mittheilte, dass seine Ein- 
tragung auf der Karte sich auf die Angaben der Eingeborenen und auf 
eine Bemerkung von Nota in dessen (mir unzugänglich gebliebener) Ab- 
handlung, Del terremoto avvenuto nella provincia di San Remo 1831, 
stütze, welcher berichte, dass man angeblich des Nachts schon wiederholt 
Flammen vom Monte nero habe aufsteigen sehen ; auch sei der Monte 
nero bereits 1755, nach dem Erdbeben von Lissabon von der französischen 
Akademie für einen Vulkan erklärt worden, und in dem Pfarrbuche von 
Vallebona finde sich vom 5. August desselben Jahres eine lateinische Ein- 
tragung, welche besage, dass an dem genannten Berge einer aus dem 
Walde belastet heimkehrenden Frau in Gegenwart ihres Mannes, ihres 
Sohnes und Anderer auf unsichtbare Weise und plötzlich die Kleider in 
Stücke gerissen und der Körper gänzlich zerfleischt worden sei, mit Aus- 
nahme des Gesichtes und der Brust, die aber auch an vielen Stellen enorm 
verletzt erschienen seien. Dazu las ich dann noch in Kaden ’s Pracht- 
werk, Die Riviera: „Der riesige (!?) Monte nero, ein düsterer Gesell, dem 
man nachsagt, dass er in Vorzeiten vielfach vulkanische Launen gehabt 


14 


habe, was geologische Forschungen denn auch bestätigten. Sein Gipfel 
ist wüst und kahl, seine Hänge sind mit Pinien umkleidet, aus seinen 
Eingeweiden fliesst eine Schwefelquelle, die am Meeresufer zu Tage tritt“. 

Diese Angaben, welche zu den Darstellungen auf der auch von Wolf 
benutzten geologischen Karte von Italien und auf der Carta geognostica 
dell Alta Italia in Uzzielli’s Werk, sowie zu Wolf’s und Uzzielli’s 
Aeusserungen im schroffsten Gegensätze standen, mussten mich nöthigen, 
der Sache möglichst auf den Grund zu gehen. Ich erstieg deshalb mit 
meinem Sohne und einem ortskundigen Führer Ende April 1889 den 
Rücken östlich vom Monte - nero - Gipfel und ging, da dieser im Gegensatz 
zu Kaden’s Behauptung sich vollständig mit Kiefern besetzt zeigte, also 
•keine Aussicht versprach, an seinem obersten Nordgehänge nach Westen 
und dann über den Kamm zu der am Südhange befindlichen berühmten 
„rauchenden Grotte“. Beim Aufstieg waren wir durchweg auf jenem hie 
und da mit Bändern weissen Kalkspathes durchsetzten grauen Kalkschiefer 
eocenen Charakters gewandert, der bei San Remo zum Theil schon unten 
am Strande ansteht, einen grossen Theil des Bignone-Massives bildet und 
mich durch allerdings nicht allzuhäufige, doch oft sehr hübsche Fucoiden 
überrascht hatte; hier an der Steillehne nördlich von Ospedaletti war er 
an vielen Stellen vollständig mit solchen versteinerten Algen erfüllt, sprang 
aber unter dem Hammer so leicht und unregelmässig, dass sich die 
prächtigen Fucoidenstöcke beim Herausschlagen zu unserem immer erneuten 
Aerger mit dem Gestein stets in mehrere Stücke th eilten. Die von mir 
mitgenommenen Gesteinsproben tragen nach Dr. Deichmül ler ’s freund- 
licher Bestimmung Repräsentanten der Arten: Chondrites intricatus Brgt. sp., 
Ch. Targionii var. arbuscida Fisch -Oost., Ch. affinis Stbg. , Ch. ? inclinatus 
Brgt. und Taeniäimn Fis eher i Heer. 

An der Grotte selbst aber standen wir vor jenem hellgelben, weichen, 
zerreiblichen pliocenen Mergelsandstein, der längs der ligurischen Küste 
bei Albenga, an der unteren Taggia, an der Höhe der Stadt San Remo, 
bei Bordighera und Ventimiglia, sowie bei Nizza in mehr oder minder 
grossen Massen ansteht und mit Vulkanismus durchaus nichts zu thun 
hat, dagegen hier und da zahlreiche Versteinerungen führt, von denen 
Wolf seltsamer Weise nichts gemerkt zu haben scheint; ich konnte mich 
dem Suchen von Petrefacten nicht hingeben, nahm jedoch im Vorbeigehen 
bei Bussana und von der steil abstürzenden Wand am oberen Beragallo 
in San Remo zahlreiche Fecten mit, und Goodschild soll an diesen 
beiden Fundstätten nicht weniger als 51 Genera Univalven und 29 Genera 
Bivalven nachgewiesen haben. So das Gestein der grotta fumante, die 
eine vulkanische Ausbruchsstelle bilden soll! Doch auch der Form nach 
ist dieselbe nichts weniger als ein alter Krater, sondern eine unbedeutende 
Sandsteinkluft, wie solche in den Sandsteingebirgen sich zu Tausenden 
finden, auf beiden Seiten mit je einem engeren Seitenspalt; der auf der 
westlichen Seite ist durch von oben eingestürztes Gestein zu einem niedrigen 
Tunnel geworden , der nur ein Durchkriechen gestatten würde. Durch 
denselben sollen sich , nach Aussage unseres mit der unvermeidlichen 
Vogelflinte bewaffneten Führers, in den grösseren Hinterraum oft Füchse 
und Wildschweine (!) verkriechen, welche die Verfolger dann ausräuchern, 
wodurch unser Sandstein spalt zur grotta fumante wird; sehr wohl ist 
auch denkbar, dass in der windsicheren Kluft Jäger oder Holzfäller über- 


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nachten und Feuer anzünden, das über die niedrigen Seitenwände empor- 
leuchten und von der Küste bei Ospedaletti stets gesehen werden würde. 
Als ich auf der berühmten Brücke St. Louis bei Mentone stand, welche 
die Grenze zwischen Italien und Frankreich kennzeichnet, sah ich plötzlich 
aus einer der an der steilen Schluchtwand befindlichen, scheinbar unzu- 
gänglichen Höhlungen Rauch emporqualmen, dessen Entstehung bald ver- 
ständlich wurde, als plötzlich ein halbwüchsiger Bursche der Grotte ent- 
schlüpfte und sich in dem knorrigen Gesträuch zur Höhe emporarbeitete, 
wo seine Ziegen weideten. Auch das war eine grotta fumante, die für 
den ersten Augenblick fast räthselhaft erschien , obwohl heller Tag und 
grosse Nähe die Beobachtung erleichterten. Auf jene Bemerkung im 
Pfarrbuche zu Vallebona lässt sich die Hypothese von vulkanischer Thätigkeit 
des Monte nero gewiss auch nicht gründen, denn zweifellos kann ein 
plötzlicher vulkanischer Ausbruch, etwa einer Fumarole, nicht eine Person 
neben anderen, ja mitten unter denselben („in medio eorundem“) so zer- 
fleischen , wie der Bericht meldet; es liegt vielmehr der Verdacht nahe, 
dass es sich da um ein Verbrechen handelt, dessen Schuld die Uebel- 
thäter durch eine recht plumpe Fabel erfolgreich von sich ab und dem 
harmlosen Monte nero zugewälzt haben. Von dem angeblichen Krater 
stiegen wir am steilen, nicht mit Pinien, wie Kaden will, sondern mit 
Seekiefer licht bestandenen Hang hinunter und wanderten trotz unserer 
Ermüdung noch, um unsere Pflicht voll zu erfüllen, zu der am Fusse 
der Küstenkette, unmittelbar neben der Eisenbahn und nahe dem Meere 
in dem an Bordighera anstossenden Giunchetto hervorbrechenden Schwefel- 
quelle. Eine da zu Tage tretende schwache Wasserader von ziemlich 
starkem Schwefelwasserstoffgeruch und angeblich 20° Temperatur ist in 
ein kleines, unbedecktes, viereckiges Bassin geleitet und wird hie und da 
in primitivster Weise zu Bädern benutzt. Die Angabe der Eingeborenen, 
dass das Wasser im Winter wärmer und im Sommer kälter sei, beruht 
natürlich auf Gefühlstäuschung und wird nur wahr, wenn man in beiden 
Fällen hinzusetzt: als die Luft. Am Abhange des Monte nero soll sich 
eine zweite solche Quelle voifinden, eine dritte kennt man, wenige Stunden 
von Bordighera entfernt, im Thale der Nervia unweit Isolabuona. Die 
wenige Grad über der mittleren Jahrestemperatur der Luft liegende 
Temperatur der Quelle von Giunchetto beweist ebensowenig den Zusammen- 
hang des Wassers mit vulkanischen Kräften, wie der Schwefelgehalt, der 
leicht auf andere Ursachen , z. B. den Schwefelkiesgehalt der Gesteine 
zurückgeführt werden kann; ich fand bei San Remo eine hübsche Gruppe 
von zumeist in Brauneisen-Pseudomorphosen umgewandelten Schwefelkies- 
krystallen, aufsitzend auf grauem Kalkschiefer. 

Auch die Ergebnisse unserer Beobachtungen am Monte nero sprechen 
also gegen das Wirken vulkanischer Kräfte an der Riviera und damit 
gegen jene mehr als kühne Hypothese des Herrn Geheimrath Schultz, 
die wir sammt allem, was er über die Riviera sonst orakelte, in die wohl- 
verdiente Vergessenheit versenkt sehen möchten. 

Die im Februar 1890 von San Remo selbst aus- und in die deutschen 
Zeitungen übergegangene Warnung des dortigen italienischen Arztes Dr. 
Aicardi vor der Riviera hat glücklicherweise, wie der Besuch San Remos 
in den letzten Wintern gezeigt hat, dem ligurischen Küstengebiete ebenfalls 
keinen Abbruch thun können. Aicardi hatte behauptet, dass unter der 


16 


eingeborenen Bevölkerung San Remos die Sterblichkeit an Schwindsucht von 
Jahr zu Jahr zunehme infolge der Ueberschwemmung der Riviera mit 
schwindsuchtskranken Fremden; man solle deshalb diesen in ihrem eigenen 
Interesse den Besuch der Kiviera widerrathen. Dem gegenüber hat der seit 
Jahrzehnten in San Kemo ansässige Dr. Goltz in der deutschen medici- 
ni sehen Wochenschrift betont, dass eine zu obiger Behauptung berechtigende 
sorgfältige Statistik der italienischen Aerzte nicht vorhanden sei, dass 
thatsächlich die Zahl derer, die in San Remo an Schwindsucht sterben, 
sich als verhältnissmässig sehr gering, jedenfalls als geringer als anderswo 
erweise, und dass, wenn wirklich die Sterblichkeit an Tuberkulose bei den 
Einheimischen etwas zugenommen haben sollte, dies seinen Grund haben 
würde in der vielfachen Ansiedelung von Kranken aus Italien, sowie in 
der veränderten Lebensweise vieler der Sanremeser, die früher ihre Oliven- 
pnd Limonenpflanzungen bearbeiteten, während sie jetzt in geschlossenen 
Räumen für die Fremden thätig seien. Ich möchte dem noch hinzufügen, 
dass zu einer Mehrung der Schwindsucht unter den Bewohnern der 
Riviera in den letzten Jahren auch daä Erdbeben von 1887 beigetragen 
haben kann, durch das dieselben, mangelhaft bekleidet, an einem kühlen 
Februarmorgen aus Bett und Haus getrieben und zu wiederholtem Näch- 
tigen im Freien sowie zu längerem Wohnen in Holzbaracken gezwungen 
wurden. Die dadurch veranlassten Erkältungen können sehr wohl bei vielen 
der auf 18 000 berechneten Obdachlosen die Empfänglichkeit für den Tu- 
berkelbaccillus gesteigert haben. Wer die schauerlichen, sonnenlosen, 
feuchten, übel duftenden Gassen und Wohnhöhlen des alten San Remo 
kennt, wird es sich aber gewiss nur durch die Annahme eines ganz be- 
sonders günstigen Klimas erklären können, dass die Bewohner nur in 
geringer und nicht vielmehr in grösster Zahl der Tuberkulose verfallen. 

Auch eine dritte durch die deutschen Zeitungen gegangene Bewegung, 
welche die Ablenkung der Lungenkranken von der Riviera mit erstrebt, 
dürfte für diese ohne merkeuswerthe Folgen bleiben; ich meine die Be- 
mühung mancher deutschen Aerzte, den Lungenkranken durch Winter- 
aufenthalt auf den deutschen Nordseeinseln Heilung oder Linderung ihres 
Leidens zu verschaffen. So sehr mich das Patriotische in diesem Ge- 
danken anmuthet, und so sehr ich für die Heilkraft der friesischen Inseln 
schwärme, — ich bin während der letzten 6 Jahre jeden Sommer vier 
bis sieben Wochen lang dort gewesen und werde jeden weiteren, der mir 
beschieden ist, dorthin pilgern — so kann ich mich doch für den Winter- 
aufenthalt der Kranken auf unseren Inseln nicht begeistern, denn sie 
scheinen mir dann für Körper und Geist nicht das zu bieten, dessen der 
Kranke zur Ausheilung bedarf. Er bedarf dazu denn doch zunächst des 
täglichen langen Yerweilens in freier Luft, das ihm in dem milden, wind- 
armen, nebelfreien und an Sonnenschein reichen Klima der Riviera fast 
für jeden Tag gesichert ist; wie oft aber wird er auf den rauhen, an 
Stürmen und Nebeln reichen Nordseeinseln das Zimmer verlassen können? 
Er bedarf sodann unausgesetzt der besten Ernährung, die an der ligurischen 
Küste stets in einer jeden, auch den von ärztlicher Seite gestellten An- 
forderungen voll genügenden Weise möglich ist, während unsere nordischen 
Inseln im Sommer schon mit wechselnder, tadelfreier Fleisch- und Pflanzen- 
kost viel schwerer zu versehen und thatsächlich auch weit weniger gut aus- 
gestattet, im Winter aber zum grössten Theile auf die Zufuhr vom Festlande 


17 


angewiesen und dabei wohl jeden Winter für kürzere oder längere Zeit, 
jedenfalls aber unberechenbar lange von demselben abgeschnitten sind. 
Der Kranke bedarf endlich — das möge man doch nicht unterschätzen — 
der geistigen Anregung, die am Golfe von Genua durch die Grossartigkeit 
und Schönheit der Scenerie, durch die Kraft und Wärme der subtropischen 
Beleuchtung, durch die Yielartigkeit und Ueppigkeit der ewig grünen und 
mit duftenden Blüthen überladenen herrlichen Pflanzenwelt, durch eine 
auch im Winter lebendige Thierwelt, durch die Eigenart, Beweglichkeit, 
Heiterkeit und Singlust des italienischen Volksstammes und durch zahl- 
lose historische Erinnerungen reichliche Nahrung findet, aber auf den ein- 
förmigen, im Winter doppelt öden Düneninseln mit ihren schweren Nebeln, 
der vorherrschenden Bewölkung des Himmels, dem kalten Ton der Be- 
leuchtung, bei vollstem Mangel von Blatt und Blüthe und fast gänzlichem 
Ersterben oder Verschwinden der Thierwelt, und in Gesellschaft unserer 
biederen, aber körperlich und geistig schwer beweglichen, ernsten und 
wortkargen Inselfriesen des genügenden Anstosses entbehren muss. Wenn 
es schon, wie ich zu meiner unbegrenzten Verwunderung sah, möglich 
ist, dass sich hochgebildete, aber freilich des Verständnisses für die Natur 
entbehrende Leute an der Riviera nach mehrmonatlichem Aufenthalte an 
einem und demselben Orte zu langweilen begannen, so muss doch unter 
den während des Winters auf den Nordseeinseln internirten Kranken eine 
geradezu tödtliche Langeweile Platz greifen. Ich kann mich für eine 
Winterkur auf den friesischen Inseln ebensowenig erwärmen wie für eine 
Sommerkur in Kalabrien und Sicilien, sehr wohl aber für Sommeraufent- 
halt auf den Düneninseln der Nordsee und Winteraufenthalt in San Remo 
und will diese ganze Erörterung mit einem Hinweise schliessen, der meines 
Erachtens hohe Beweiskraft hat und Schultz ’s Forderung einer Sommer- 
kur im Süden als überflüssig erweist: Die Deutschen, welche während des 
Winters in San Remo die ärztliche Praxis ausüben und einige andere 
Herren in öffentlichen Aemtern sind alle mehr oder minder ernst von 
Lungenleiden heimgesucht gewesen und haben sich durch regelmässigen 
Winteraufenthalt an der Riviera jahrzehntelang nicht nur das Leben, son- 
dern auch die Kraft zu Ausübung ihres Berufes erhalten ; — der einzige 
Kranke aber, der, weil er zu spät die ligurische Küste aufgesucht hatte, 
während der Saison von 1888 zu 89 und zwar gleich am Beginne der- 
selben im Hotel de Nice an Tuberkulose verstarb, war — so wollte es 
ein merkwürdiger Zufall — der dirigirende Arzt des Krankenhauses auf 
Norderney. 

Es erübrigt nun nur noch, die Eigenart des Sanremeser Klimas 
durch die dortige Winterthier weit zu erweisen, ich gestatte mir jedoch, 
hier die Besprechung einer Erscheinung einzuschalten, welche gleich dem 
Klima im Wesentlichen von den Luftverhältnissen abhängig und dazu ge- 
wiss vielen der Sanremeser Wintergäste von Interesse ist. Es wird 
allen Besuchern der Riviera kund, dass, wie von vielen anderen Punk- 
ten der ligurischen Küste, so besonders auch von San Remo aus zuweilen, 
doch immerhin selten das Felseneiland Korsika gesehen werden kann und 
hie und da in so überraschender Klarheit sich am Horizonte aufbaut, dass 
man nicht nur die Umrisse der Bergmassen scharf erkennen, sondern auch 
weite öde Flächen und an den oberen Gehängen lagernde Schneefelder 
deutlich unterscheiden kann. Tag für Tag schauen Tausende nach Süden 

2 


18 


oder Südosten aus, um des wegen seiner Seltenheit und Zufälligkeit fast 
märchenhaft erscheinenden Anblickes theilhaftig zu werden, doch meist 
ohne Erfolg: und dann hört man immer und immer wieder über die 
dicke, schwere Luft klagen, welche am Horizont ' lagere und Korsika ver- 
hülle. Mit solcher Annahme aber ist das geehrte Publikum selbst in 
dickem Nebel und schwerem Irrthum, denn thatsächlich ist für die Ri- 
viera Korsika gerade nur dann sichtbar, wenn es in schwerer, dichter Luft 
liegt. Es muss den ruhig Beobachtenden schon befremden, dass man von 
dem fast 1300 m hohen Gipfel des Monte Bignone, wo man bei reiner 
Luft die Insel stets erblickt, gewöhnlich nicht oder doch nicht wesentlich 
mehr von derselben sieht, als hie und da unten in der Küstenniederun 0 ’- 
zieht derselbe nun in Rechnung, dass der mit der höchsten; Erhebung, 
dem 2700 m hohen Monte Cinto belagerte nordwestliche Theil Korsikas 
von San Remo 1°38 / entfernt liegt, so ergiebt sich ihm durch leichte 
Rechnung, dass infolge der Krümmungsverhältnisse der Seeoberfläche alles 
von dem korsischen Gebirgsmassiv , was sich weniger als 2600 m über 
das Meer erhebt, unter dem Horizont von San Remo liegen muss, dass 
also in gerader Linie nur die eigentliche Gipfelpyramide des Monte Cinto, 
als kleine Eelszacke im Meere erscheinend, im günstigsten Falle gesehen 
werden kann. Alles aber, was sonst von Korsika gelegentlich sichtbar 
wird, muss, wenn schwere Luft auf der Insel liegt, durch Strahlenbrechung 
über den Horizont gehoben sein, und die Gesetze der Physik lehren uns, 
dass im vorliegenden Falle rund 1850 m mehr erblickt werden können, 
als in gerader Linie, dass man also dann die Gebirgsmasse von Korsika 
bis zu etwa 750 m Meereshöhe herab sehen kann. Je nach der grösseren 
oder geringeren Dichtigkeit der schweren Luft, die auf Korsika liegt, wird 
sich mehr oder weniger von jenem mit Einschluss des Monte-Cinto-Gipfels 
1950 m mächtigen oberen Theile Korsikas dem an der ligurischen Küste 
stehenden Beschauer zeigen. 

Die Winterthierwelt von San Remo, die uns nun noch zu beschäftigen 
hat, ist, soweit mir bekannt, noch niemals festgestellt worden, ebensowenig 
wohl die irgend eines anderen Ortes der ligurischen Küste, und doch ist 
dieselbe für die Beurtlieilung des Klimas von nicht geringerer Bedeutung 
als die dortige frei wachsende Pflanzenwelt. Es ist natürlich, dass die 
Fülle der subtropischen Thierwelt, die an der Riviera vorwiegen muss, 
sich nur im Sommer zeigen wird, in dem der Subtropencharakter des 
Klimas in verhältnissmässig starker Hitze und anhaltender Trockenheit zum 
vollen Ausdruck kommt; diese Sommerfauna der ligurischen Küste ist 
jedoch noch weniger bekannt, als das, was sich daselbst im Winter zeigt, 
da in letzterer Jahreszeit vorwiegend durch französische Forscher besonders im 
westlichen, französischen Theile der Riviera viel gesammelt wurde, freilich 
ohne dass das Ergebniss des Sammelns zu Winterfaunen der betreffenden 
Orte zusammengestellt und veröffentlicht worden ist. Viele der subtro- 
pischen, südlichen, mediterraneen Thierarten werden also in der Umgebung 
von San Remo im Winter überhaupt nie auftauchen oder sie werden da 
nur verborgen im Winterquartier oder abgestorben zufällig gefunden wer- 
den; doch auch viele der mitteleuropäischen Arten, die bei dem dortigen 
Klima der sechs Wintermonate recht wohl im Freien ausdauern könnten, 
haben sich bis zu gewissem Grade den dort herrschenden Wärmeverhält- 
nissen angepasst und verbringen die ganze Zeit vom November bis April 


19 


oder doch die kälteste Periode vom Dezember bis Februar im Verborge- 
nen in Winterruhe, so dass dann auch dort das Thierleben weniger als 
sonst und vornehmlich nur an den sonnenwarmen Tagen in die Augen 
fällt. Es bedarf also immerhin eines fleissigen, rastlosen und vielseitigen 
Sammelns, um im Laufe eines Winters betreffs auch nur einiger Thier- 
gruppen annähernd alles zu erbeuten, was dort in dem betreffenden Win- 
ter lebend angetroffen werden konnte, „in dem betreffenden Winter“ muss 
betont werden, denn selbstverständlich wird die Fauna in verschiedenen 
Wintern einigermassen verschieden sein, da die klimatischen Verhältnisse 
der letzteren schwanken und dazu manche Insektenarten nur periodisch 
auftreten. Ausgeschlossen konnten bei meinem Sammeln werden die we- 
nigen, selten sich zeigenden Arten der Säugethiere — ich habe auch that- 
sächlich kein solches zu Gesicht bekommen — sowie die Vögel, die nach 
den beiden berühmten Sammlungen von Orsini in Genua und beson- 
ders von Durazzo in Cornegliano genügend besprochen worden sind; das 
Museum Durazzo enthielt bereits 1841 nicht weniger als 336 Arten von 
Vögeln, die an der Riviera und in den dieselbe begrenzenden Gebirgen 
geschossen worden sind. Doch auch die übrigen, kleineren Thiere konnten 
nicht alle beim Sammeln ins Auge gefasst werden, da die Jagd nach ge- 
wissen Insekten nur dann erfolgreich ist, wenn man sich auf den Fang 
der Thiere nur einer Ordnung beschränkt; ich rechne zu solchen Thieren, 
denen man sich ausschliesslich widmen muss, die Schmetterlinge, die 
Aderflügler, die Fliegen, auch wohl die Gradflügler und die kleine Thier- 
Avelt der See. Die übrigen kleineren Thiere dagegen lassen sich recht 
wohl gemeinsam mit ausgiebigem Erfolge sammeln, doch wird man auch 
da das Augenmerk stets zunächst einer bestimmten Ordnung zuwenden 
und hinter deren Vertretern die aller übrigen Ordnungen beim Fangen 
zurücktreten lassen müssen. Ich sammelte so an der Riviera wie früher 
in Aegypten, Palästina, Kaukasien, Mittel- und Norditalien und neuerdings 
in Borkum stets in erster Linie Käfer, sodann alles, was sich mit solchen 
leicht erbeuten lässt, nämlich Schnabelkerfe, von Aderflüglern nur Ameisen, 
Spinnen, Tausendfüsse, Asseln, Conchylien, sowie Reptilien und Amphibien, 
während ich von den anderen oben genannten Ordnungen nur das mit- 
nahm, was sich, ohne das übrige Sammeln zu beeinträchtigen, d. h. ohne 
besondere Mühe und Zeitverlust, bot. Es wird diese Andeutung genügen, 
um zu erklären und za entschuldigen, dass von einigen Ordnungen so 
wenig aufgeführt werden kann. Ich erlangte auf die oben beschriebene 
Weise, lediglich unterstützt von meinem damals erst zwölfjährigen und im 
Sammeln noch wenig erfahrenen Sohne an Kleinthieren Vertreter der folgen- 
den Ordnungen in der beigesetzten Artenzahl: 5 Reptilien, 2 Batrachier, 1 
Fisch, 520 Käfer, 34 Schmetterlinge, 10 Fliegen, 97 Schnabelkerfe, 31 
Aderflügler, 16 Gradflügler, 2 Pseudoneuropteren, 143 Spinnen, 28 Tausend- 
füsse, 10 Asseln und 101 Weichthiere, im Ganzen also 1000 Arten von 
mit ganz wenigen Ausnahmen lebend gefangenen Thieren, deren manche in 
grösster, viele in grosser Stückzahl hätten eingetragen werden können; einzelne 
Arten von Seeigeln, Einsiedlerkrebsen und Cypris sind dabei nicht mit auf- 
gezählt worden. Wenn wir mit dieser in San Remo gemachten Winterbeute 
das vergleichen, was sich bei uns, oder selbst in der im Winter so rauhen 
Po-Ebene in dem einmaligen Zeiträume vom 12. November bis zum 10. Mai 
erjagen Hesse, so tritt sofort auch die Ursache jener reichen Winterthier- 

2 * 


20 


weit, der überraschend günstige Charakter des Rivierenklimas vor unser 
Auge, — falls wir nicht in die Thorheit fallen, auch dies reiche Thierleben 
auf vulkanische Heizung des Rivierenbodens zurückzuführen. Und dabei 
muss noch betont werden, dass die Zahl der erjagten Thierarten zweifellos 
noch weit grösser ausgefallen wäre, wenn nicht die Verhältnisse des Sammel- 
terrains, besonders im Hinblick auf Strand- und Süsswasserthiere, sehr 
ungünstige wären. 266 jener 1000 Arten sind im nördlichen und mitt- 
leren Europa bisher noch nicht beobachtet worden. 

Ueberschauen wir, um die Fanggelegenheiten kennen zu lernen, zu- 
nächst von dem Molo des Hafens aus das Sanremeser Sammelgebiet, so 
fällt unser Auge zuerst auf die am Fusse der Molenmauer zu deren 
Schutze im Wasser liegenden grossen Steinblöcke, die mit einigen Arten 
von Seeschnecken besetzt sind. Mit dem Boote an den Steinen hinfahrend, 
kann man bequem sammeln; lässt man sich dann quer über die Hafen- 
bucht zur Küste rudern, so bietet sich Gelegenheit mit dem Käferkätscher 
einige der zahllosen Seeigel (Strongylocentrus lividus ) von dem nicht tiefen 
Grunde heraufzuholen, wobei vielleicht auch einige Seeasseln in das Netz 
gerathen. W ahrscheinlieh werden sich durch fleissiges Fischen vom Ufer 
aus auch einige im Seewasser lebende winzige Käfer, den Ochthebien zu- 
gehörig, auffinden lassen, da sie bei Genua nachgewiesen worden sind; 
mir ist der Fang in San Remo nicht gelungen. 

Der meist sehr schmale Strand ist für das Sammeln in hohem Grade 
ungeeignet, denn er ist zumeist schwer zugänglich und vollständig mit 
rundem, dioritischem Steingeröll bedeckt, das kein Thierleben birgt und 
selbst die weiterher herbeigeschwemmten und durch die Brandung auf die 
Steinbank geworfenen Gehäuse und Schalen abgestorbener Muschelthiere 
in kürzester Zeit zertrümmert oder verunstaltet; auch fehlt ja der Wechsel 
von Ebbe und Fluth fast ganz. So ist, besonders an der Ostbucht, von 
jenem ergötzlichen und erspriesslichen Suchen von Käfern , Krebsthieren 
und Mollusken, wie solches die Sandgestade gestatten, gar keine Rede; 
selbst die nur selten in grösserer Masse an geschwemmten Seegrasgeniste 
erwiesen sich als todt. 

An der Westbucht war das Gestade insoweit besser , als im Meere 
liegende Steinblöcke und Felsriffe eine Unzahl von Steinschnecken und 
Bohrmuscheln trugen und angeschwemmte Korallen- und Pflanzenstöcke 
eine Anzahl kleiner Mollusken bargen; immerhin war aber auch da das 
Sammeln sehr mühsam und zu wenig ergiebig. Die steile Lehne, welche 
von diesem westlichen Strande bis zu der Eisenbahn ansteigt, bietet hie 
und da unter auf Lehmgrund liegenden Steinen eine hübsche, wenn auch 
sparsame Ausbeute von Carabiden, Staphyliniden, Scydmäniden, Pselaphiden, 
Spinnen und Gehäusschnecken. Die über der Bahn an der Westbucht 
liegende erste schmale Terrassenstufe bildet den Corso mezzogiorno und 
den Giardino del Imperatrice, die beide besonders gegen das Frühjahr hin 
auf den blühenden Ziersträuchern massenhaft auftretende, doch gemeine 
Coccinelliden und auf Tamarisken in Menge einen guten Nanophyes und 
Berginus liefern. In der breiteren, gelind sich hebenden Küstenebene an 
der Ostbucht lassen sich, wie allenthalben an den Mauern Spinnen, dazu 
auch an im Schatten stehendem , feuchtem Mauer w'erk von Gärten und 
Häusern in Masse Pupa cinerea ablesen, und die neu gepflanzten Sträucher 
der Strandpromenade werden bald mancherlei tragen. 


21 


Ein Hauptgebiet täglichen Sammelns wurde mir der grosse Garten 
des Hotel de Nice , der in seinem Haupttheile zahlreiche Arten von 
Bäumen und Sträu ehern sowie Blumenbeete aufwies, während ein eben- 
falls umfangreicher Nebentheil zum Gemüsebau und als Abraumplatz 
diente. Hier bot sich jederzeit Gelegenheit zu ergiebiger Jagd, denn um 
die durch den ganzen Winter blühenden Blumen flogen im Sonnenschein 
Schmetterlinge, Aderflügler, Fliegen und Raub suchende Libellen, auf 
Opuntien und Agaven sassen mit Yorliebe bestimmte Arten grosser Blatt- 
wanzen, während sich in die herrlichen Rivierenrosen Cetonien einbohrten 
und Halticiden die Resedablätter durchlöcherten. An den Dattelpalmen- 
stämmen krochen träge grosse Gehäusschnecken , Limonen- und Orangen- 
bäumchen sowie Bananen hatten sich die zahllosen Laubfrösche zur 
Residenz erlesen, Mauereidechsen stellten an der Hotelmauer und auf 
Agavenblättern der Beute nach, und überall, besonders auch unter den 
sich ablösenden Rinden von Laubenlatten hausten Spinnen , an letzterer 
Stelle auch Klein Schmetterlingslarven. Der erhoffte Nachtfang liess sich 
freilich auch da nicht durchführen, da die mit Sonnenuntergang eintretende 
Kühle den Flug der Abend- und Nachtfalter hinderte; auch würde der 
Köderfang wohl durch den allzustarken Duft der Blumen resultatlos ge- 
macht werden. Nur an den erleuchteten Gangfenstern des Hotels liess 
sich hie und da ein angeflogener Nachtschmetterling erbeuten; durch Licht 
die Thiere ins Zimmer zu locken war aber nicht thunlich, weil man des 
Abends der schwärmenden Mücken halber die Fenster nicht öffnen durfte. 
Erst Ende April oder Anfang Mai flogen durch die milde Abendluft 
Leuchtkäfer, deren flügellose Weibchen in von phosphorischem Lichte 
förmlich glühenden Mauerlöchern sassen. Der wenig gepflegte Neben- 
garten des Hotels zeigte sich ganz besonders reich, denn die Gemüse und 
ein ganzes Naturbeet von Symphytum bulbosum lieferten zahlreiche Hal- 
ticiden, Scymnus und kleine Rüssler, alte Bretter und Tonnen trugen an 
ihrer Unterseite Mengen von Anthiciden, Staphyliniden und mancherlei 
Kleinkäfer, unter Steinen waren gemein mehrere Arten Nacktschnecken 
mit der seltenen Testacella bisulcata , kleinere Gehäusschnecken, Raubkäfer, 
sowie Scydmäniden und Pselaphiden; der an einem kleinen Abhange an- 
gehäufte Jätabraum, in der Hauptsache aus Gras bestehend, lieferte auf 
das Sammeltuch Unmassen von Staphylinen , freilich nur eine Vulda 
gracilipes , einen einzelnen Carabus vagans , viele Clavicornier, Sphäridiinen 
und Histeriden, sowie Tausendfüsse und Asseln, und alte Limonen- und 
Feigenbäume bargen unter der Rinde in der Winterruhe befindliche Hal- 
ticiden und im Innern zahllose Termiten sammt ihren Gästen, unter denen 
besonders Choerorrhinus squalidus unser Interesse beansprucht. In dem 
am Gehänge der Westseite befindlichen Garten des jetzigen Hotel Bristol 
belebten gegen das Frühjahr 1884 hin Tausende von Mordelliden und 
Mylabriden (Bruchiden) die blühenden Ziersträucher, während Chrysomela 
americana eine als Beeteinfassung dienende Rosmarinhecke bevölkerte, 
Halticiden, Coccinelliden, Scymnus , kleinere Rüssler, Clytus , Cetonien und 
Blattwanzen bestimmte Pflanzen besuchten und Gehäusschnecken in Menge 
unter den üppigen Blumenmassen hausten ; die Blätter der anstossenden Wein- 
pflanzung liessen sich Haltica ampelophaga und ein Rhynchites schmecken, 
während in den Wurzeln die Larve von Vesperus strepens arbeitete, der hie 
und da in alters- oder wintermüden Stücken in den Häusern auftauchte. 


22 


Was von dem Gehänge nicht zu Gärten benutzt ist, das ist zu 
Oelbaumterrassen umgewandelt, die wiederum der freilich mühsamen 
Sammelthätigkeit ergiebigen Boden gewähren. Im eigentlichen Winter ist 
dort im Schatten der Oliven der niedere Pflanzenwuchs noch gering und 
an Thieren arm, vom März an aber lässt sich daselbst auf reichem Blumen- 
flor, insbesondere an Leontodon , Urospermum , Lotus u. a. eine arten- und 
individuenreiche Beute an Käfern, Wanzen, Schlupfwespen u. a. kätschern, 
wobei die Insekten oft durch mitgefangene Gehäusschnecken gefährdet 
werden. Der Boden der Terrassen aber bietet besonders unter Steinen 
auch vom Dezember bis Februar vieles und darunter mit die interessantesten 
Arten. Frei auf dem Boden langsam laufend oder an den Terrassenmauern 
sitzend zeigt sich uns nur hie und da eine Timarcha , ein SJcarabäus oder 
ein Pentodon sowie an Oelbäumen die auffällige Limax Decampi , unter 
den Steinen aber enthüllt sich reicheres Leben: zahlreiche Ameisennester, 
zum Theil mit schmarotzenden Cicaden, werden aufgedeckt; in den Lehm 
zur Winterruhe eingewühlte Skarabäen und Copris , Carabiden, Staphy- 
liniden, Pselaphiden und Scvdmäniden mit dem seltnen Leptomastax , 
Dichillus , Dendarus und Asida , Gleonen, Acalles , Brachycerus und Minyops , 
Meloe und Chrysomelen , hie und da auch ein Vesperus y Spinnen und 
Skorpione, Wanzen, Orthopteren und Embia- Larven, Tausendfüsse und 
Asseln , ganze Nester oder einzelne Stücke grosser und kleiner Gehäus- 
schnecken, zuweilen auch Schlangen und Schleichen liegen unter den 
durch Einbruch der mörtellosen Mauern abgestürzten Steinen, Otior- 
rhynchen und Skorpione hauptsächlich auch unter den obersten Decksteinen 
der Stützmauern. Besondere Erwähnung aber verdient der Fang be- 
stimmter meist blinder Kleinkäfer , der nur in den Subtropengebieten 
lohnend ist; es handelt sich da vornehmlich um die Carabiden Anilins 
und Scotodipnus , die Staphyliniden Octavius , Edaphus und Cylindrogaster , 
die Lathridier Anommatus und Langelandia und die Curculioniden der 
Gattung Alaocyba. Diese kleinen, zarten, zumeist fast durchsichtigen und 
hellgelben oder hellbraunen Thiere finden sich nur bei nassem Wetter 
unter mittelgrossen Steinen, bei trocknerem aber nur an der Unterseite 
grosser Blöcke, die etwas in den lehmigen Boden eingesenkt sind. Hat 
man, wenn nöthig mit einem Hebel, den Stein umgedreht, so muss man 
vor ihm niederknien und seine feuchtlehmige Unterseite mustern und 
sieht dann die bald laufenden winzigen Carabiden und Staphyliniden leicht, 
die weniger schnellen Anommatus und die phlegmatischen Rüsselkäfer 
schon schwerer und am allerschwersten die flachen, grauen, auf der Ober- 
seite stets mit zwischen die Riefen und Leisten der Flügeldecken und 
des Halsschildes eingelagertem Lehm bedeckten Langelandien, die fest am 
Steine angedrückt liegen bleiben, bis der Lehmüberzug desselben stark 
zu trocknen beginnt; geschieht dies, so heben sie sich auf die kurzen 
Beinchen und schieben sich langsam über die Fläche. Um sie besser zu 
sehen und durch schnellere Trocknung des Lehms sowie durch Wärmung 
und stärkere Beleuchtung zu beunruhigen, beleuchtet man wohl auch den Stein 
mit einem grossen Brennglas, doch habe ich die Thierchen stets auch ohne 
solches Hülfsmittel aufgefunden. Dieser Fang der kleinen Steinkäfer ist in 
hohem Grade anziehend und lohnt dadurch die aufgewandte Zeit und Mühe; 
in San Remo erbeutete ich so Vertreter der Gattungen Scotodipnus , Edaphus , 
Anommatus und Langelandia , doch nur die letztere in grösserer Zahl. 


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Grosse Hoffnungen hatte ich auf das Sieben gesetzt, das oft so reichen 
Kleinthierfang ergiebt, doch war das Aussieben des Mulmes der zahlreichen 
alten Oelbäume fast resultatlos, nur eine in einen solchen eingelagerte 
Heu- und Strohbucht lieferte ein etwas günstigeres Ergebniss, auch einige 
Scotodipnen und zwei Arten der zierlichen Mcme-Schnecke. Einigermassen 
besser, doch auch nicht gerade reich an Ertrag gestaltete sich das Durch- 
sieben der auf manchen Terrassen stufen zu niedrigen Dämmen aufgehäuf- 
ten Unrathmassen, die im Wesentlichen aus Erde, Sternchen, ausgerauften 
Pflanzen, alten Oliven und Oelbaumbläftern bestand und unter Anderen 
zahlreich Pselaphus Heisei , seltener bessere Pselaphiden und Scydmäniden, 
viele Acalles, wenige Peritelus nicaeensis und Trachyphlöeus , einige Hemipteren, 
Tausendfüsse und vereinzelte Stücke kleiner Pupa- Arten enthielten. An den 
höheren Gehängen des Monte Bignone, wo der Oelbaum der Buche und 
Steineiche Platz gemacht hat, suchte ich vergeblich nach genügendem 
Siebmaterial, da die dürftigen Buchen zu vereinzelt standen, und als ich 
Ende Februar nach San Romolo hinaufgestiegen war, um probeweise dort zu 
sammeln und mich günstigenfalls da eine Woche einzuquartieren, ergab das 
Aussieben der dort, damals freilich auf noch zum Theil gefrorenem Boden 
lagernden Massen von Edelkastanienlaub nur zahlreiche Stücke gewöhn- 
licher Trechus , Pembidion und Paederus , während ein in der zweiten 
Hälfte des März ausgeführter Besuch des Bignone-Gipfels unter den die 
Spitze bedeckenden Steinen Harpalus dimidiatus und Pichillus minutus , 
sowie durch Abklopfen der unmittelbar unter der Kuppe stehenden Kiefern 
einige Prachonyx pineti gewinnen liess. 

Den Holz- und Borkenkäfern habe ich natürlich beim Besuche der 
Olivenhaine wie der lichten Seekiefer- und der höher liegenden, dichteren 
Föhrenbestände, an denen der Monte Bignone noch sehr reich ist, eifrig 
nachgestellt, habe da aber wenig gefunden; dagegen lieferte mir der Holz- 
stall des Hotel de Nice aus Kiefern-, Buchen- und Olivenholz eine sehr 
erfreuliche Zahl solcher Käferarten, unter denen sich auch mehrere recht 
gesuchte Thiere in grosser Menge fanden, und dazu auch einige Vertreter 
anderer Käferfamilien, die unter Rinde leben. Ich habe so ziemlich alle 
Zeit starken Regens nutzbringend in dem Holzstalle verbracht und bin 
überzeugt, dass ein in San Remo ansässiger Sammler durch Anlegung 
einer für den Fang berechneten sogenannten Holzkammer und Eintragung 
recht verschiedenartiger Hölzer und Stauden noch sehr viel von mir 
nicht Gefundenes und darunter gewiss viel Interessantes wird erbeuten 
können. 

Mist- und Dungkäfer zu sammeln bietet sich, wie überhaupt in den 
südlichen Ländern, so auch in San Remo reichlich Gelegenheit, wiewohl 
es mit Ausnahme der Esel an Vieh, besonders aber an Kühen mangelt, 
denn es liebt ja dort der an das Leben in freier Luft gewöhnte Mensch 
die Produkte seiner Verdauungsthätigkeit auch im Freien, auf den Oel- 
baumterrassen, leider auch mit Vorliebe unter den Eisenbahnbögen nieder- 
zulegen, durch die man zum Strande gelangen kann. Wenn trotzdem 
nun die Zahl der von mir von dort mitgebrachten derartigen Käfer nicht 
sehr gross ist, so liegt das wesentlich daran, dass es im Sammlerleben 
auch des eifrigsten Entomologen nicht nur Augenblicke, sondern ganze 
Perioden giebt, in denen er für solches Sammeln geistig und körperlich 
nicht recht gestimmt ist. 


24 


Y erhältnissmässig arm ist das Süsswasserthier] eben, denn dasselbe ist 
lediglich auf die vom Monte Bignone kommenden Torrente (Giessbäche) 
angewiesen, die, an steilem Gehänge herabstürzend, nur in den auf kleinen 
Stufen sich bildenden Becken und in dem sehr kurzen Laufe durch die 
ganz schmale Küstenebene Thiere beherbergen können, in diesen ruhiger 
fliessenden Partien aber entweder von der Seife der Wäscherinnen schäu- 
men oder, wenigstens im Unterlaufe, durch die Abführwässer der Oel- 
mühlen so verunreinigt sind, dass die Steine und Wasserpflanzen mit 
einer widerwärtigen, flockigen Schicht einer halb ausgelaugten Oelschmiere 
bedeckt sind; im mittleren Lorenzobache ist ausserdem die an einem vom 
Wasser überströmten Felskopfe befindliche Pflanzenmasse, die in normalem 
Zustande Elmis , Ochthebius und Hydraena einschliessen müsste, vollkom- 
men mit Kalk übersintert; bei solchen Yerhältnissen muss es überraschen, 
dass überhaupt noch thierisches Leben in diesen Gewässern sich vorfindet. 
Bas Sammeln in denselben ist noch dadurch sehr erschwert, dass sie am 
Unterlaufe durch Abschluss der daran liegenden Privatbesitzungen und 
im oberen und mittleren Laufe durch die Steilheit der Uferfelswände 
schwer und nur an wenigen Stellen zugänglich sind; ich beobachtete da- 
rin die ersten Entwickelungsformen von Kröten, einige Aale, 42 Arten 
von Wasserkäfern, einige Lesteva , 9 Arten Wasserwanzen, Libellula-L'drvQn , 
6 Arten Conchylien und eine Cypris in zahlreichen Stücken. 

Um zuverlässige Bestimmung der sämmtlichen erbeuteten Thiere zu 
erlangen, musste ich in reichem Maasse die Hilfe von Fachmännern in 
Anspruch nehmen, die mir allenthalben, wo ich anklopfte, auf das Liebens- 
würdigste gewährt worden ist. So bestimmten die Herren Major Br. L. 
v. Heyden, Br. Eppelsheim, Weise, Reitter, Br. Stierlin, Gangl- 
bauer, Schreiner, Br. Flach und Baudi Käfer, Br. Puton die 
Schnabelkerfe, Calberla Schmetterlinge, Albert Kuntze Fliegen, Br. 
Heller und Kohl Aderflügler, Prof. Br. G. Mayr Ameisen, Prof. Redten- 
b ach er Gradflügler, Prof. Br. Bertkau die Spinnen, Br. Haase die 
Tausendfüsse, Prof. Koelbel die Asseln, Prof. Br. Boettger die Rep- 
tilien, Batrachier und Mollusken; ihnen allen auch hier herzlich zu danken 
ist mir eine liebe Pflicht. 

In der nun folgenden Aufzählung sind die bisher in Nord- und Central- 
europa noch nicht gefundenen Arten mit einem * versehen. Bie hinter 
den Namen stehenden Zahlen geben die Anzahl der erbeuteten Arten oder 
Stücke an. 

Reptilien: 5. 

*Tarentola mauritanica L., 2 Stück, von denen das eine nach Art der 
Geckos an der Zimmerdecke laufend gefunden wurde, und ein Ei aus 
einem Loche einer Terrassenmauer. 

Anguis fragilis L., 5 variirende Stücke unter Steinen am Beragallo. 

Lacerta muralis Laur. typ., überall an Mauern gemein. 

* — ocellata Baud., am Gehänge des Bernardo-Thales gesehen. 
*Coronella girondica Baud., 1 Stück unter einem Steine am Francia-Thale. 

H assall erwähnt nach Bestimmungen von G. L. Fenton ohne An- 
gabe der Jahreszeit von San Remo: Goluber Aesculapi . Coronella 
girondica, Tropidonotus natrix var. siculus , Tr. viperinus, Calopeltis 
lacertina u. Lacerta ocellata, 


25 


Batrachier: 2. 

Bufo vulgaris Laur., 1 Stück im Foce-Thale; Laich und Junge im 
Bernardo- und Loren zo-Bache. 

*Hyla meridionalis Bttgr., (= H. Perezi Bosca = II. barytonus Her.- 
Rey). Das Thier war früher von Böttger nach todten Stücken für 
eine Varietät unseres gemeinen Laubfrosches gehalten worden; als 
ich ihm aber, durch das nicht quakende sondern mehr schnarrende 
Geschrei der Thiere aufmerksam geworden, lebende Stücke sandte, 
erkannte er in denselben eine besondere Art. Gemein besonders 
auf Orangen- und Limonenbäumen, von deren einem man zuweilen 
ein halbes Dutzend und mehr abschütteln kann , im März und April 
auch zahlreich in Tümpeln am Beragallo. Gegen das Frühjahr hin 
durchtönt an jedem milden Abende stundenlang und ununterbrochen 
das Schnärren von Tausenden der verliebten Laubfroschmännchen die 
Rivierenlandschaft. 

Nach Hassall sollen noch Vorkommen: Bufo viridis, Pelodytes 

punctatus und Bombinator igneus. 

Fische: 1. 

Anguilla fluviatilis C., 2 etwa fingerlange Stücke in dem Tümpel des 
Lorenzo-Baches, der unmittelbar unterhalb Pietro liegt. Es waren 
dies die einzigen Fische, die bei dem vielen Fahnden nach Wasser- 
käfern in den Kätscher kamen. Ist es schon schwer begreiflich, dass 
die Aale in dem unreinen Wasser des Baches leben können, so er- 
scheint es doch noch räthselhafter, wie sie auf ihrer Wanderung den 
riesig hohen, steilen Felsabsturz unmittelbar unter jenem Tümpel zu 
überklettern vermochten. 

Käfer: 520. 

Carabidae: 33. 

Procrustes coriaceus L., selten unter grossen Steinen auf den Terrassen. 

*Carabus vag ans Oliv., 1 Stück tief im Jätabraum. 

Bembidion lampros Hbst., in Menge Ende Februar aus Kastanienblättern 
bei San Romolo gesiebt. 

* — praeustum Dej., 1. 

— nitidulum Marsh., 1. 

* — minimum F. var. rivulare Dej., 1. 

*Tachys haemorrhoidalis Dej., 1 St. mit nur schwach angedeutetem rothen 
Fleck; bei San Remo gesiebt. 

*Scotodipnus Anbei Saulcy, einzeln unter grossen Steinen der Terrassen, 
in Anzahl aus einer in einem hohlen Oelbaume liegenden Strohbucht 
gesiebt. 

* — affinis Baudi, unter grossen Steinen selten. 

Trechus palpalis Dej., bei San Romolo in Kastanien blättern häufig. 

*Laemosthenes algerinus Gory, unter Steinen der Terrassen sehr selten. 

Pterostichus melas Creutz., ebenda selten. 

*Percus Villae Kraatz, ebenda 3. 

Amara aenea Dej., an der Strandlehne selten. 

*Acinopus picipes OL, ebenda und auf den Terrassen nicht selten. 

*Aristus dama Rossi, sehr selten. 


26 


* Opitonus diffinis var. rotundicollis Frm., selten. 

— puncticollis Payk., selten. 

* — rotundatus Dej., selten. 

— calceatus Duft., selten. 

Harpalus psittaceus Fourcr., selten. 

— rubripes Duft., selten. 

* — dimidiatus Rossi, nicht selten, im März auch unter Steinen auf 

dem Gipfel des Monte Bignone. 

B radycellus verbasci Duft., 2. 

AcMpalpus meridianus L., 1 St. von der Strandlehne. 

*Licinus silplioides Rossi, selten an der Strandlehne. 

— granulatus Dej., ebenso. 

Metablelus truncatellus L., 1. 

— foveatus Fourcr., 1. 

Blechrus maurus Sturm, nicht selten im Gesiebe. 

Dromius linearis Oliv., 1. 

— meridionalis Dej, 1. 

— fenestratus F., 1. 

Dytiscidae: 15. 

*Haliplus badius Aub., im Bernardo- und Lorenzobach nicht gar selten. 

— lineatocollis Marsh., in allen Bächen gemein. 

*Cnemidotus rotundatus Aub., im Bernardo-Bache nicht selten. 

*Bidessus bicarinatus Latr., nicht selten. 

— delicatulus Schaum, häufig, besonders im Bernardo und Lorenzo. 
*Deronectes moestus Frm., ziemlich häufig. 

*Hydroporus crux F., ziemlich selten. 

— varius Aub., nicht selten. 

— halensis var. fuscitarsis Aub., nicht selten. 

* — limbatus Aub., selten. 

* — obsoletus Aub., selten. 

Laccopliilus interruptus Panz., gemein. 

*Agabus brunneus F., ziemlich selten. 

— biguttatus Oliv., 1. 

— bipustidatus L., selten. 

Gyrinidae: 1. 

Gyrinus urinator 111., häufig. 

Hydrophilidae: 25. 

*Hydrous pistaceus Lap., 1 St. im Bernardo-Bache. 

Helochares erythrocephalus F., sehr selten. 

Anacaena bipustidata Marsh., häufig. 

— globula Payk., nicht selten. 

*Laccobius gracilis Mötsch., selten. 

— nigriceps var. maculiceps Rottbg, selten. 

— scutellaris Mötsch., gemein. 

— — var. atratus Rottbg, seltener. 

— — var. minor Rottbg, nicht selten. 

*Limnebius nitiduloides Baudi, nicht häufig. 

* — dissimilis Kuw. n. sp., häufiger, besonders im oberen Lorenzo bei 

San Pietro. 


27 


*Limnebius sericans Muls., ziemlich häufig im ßernardo. 

Cercyon flavipes F., nicht selten im Abraum. 

— — var. erythropterus Muls., 3. 

— melanocephalus L., selten. 

Megasternum obscurum Marsh., und 

Cryptopleurum ätomarium Oliv., gemein im Jätabraum im Hotelgarten. 
Sphaeridium bipustulatum F., selten. 

Helophorus rugosus Oliv., und 

* — obscurus Muls., im Bernardo. 

*Ochthebius exaratus Muls., sehr selten. 

— bicolon Germ., etwas häufiger im Lorenzo. 

Hydraena, testacea Curtis, häufig im Lorenzo. 

— angustata Sturm, ebenso. 

— nigrita Germ., häufig im Bernardo- und Foce-Bach. 

Parnidae: 2. 

Limnius troglodytes Gyll., 1. 

* Pärnus intermedius Kuw. n. sp., 1. 

Staphylinidae: 99. 

Ocalea picata Steph., 1 St. im Genist. 

Chilopora longitarsis Er., häufig im Jätabraum des Hotelgartens. 
Calodera umbrosa Er., 1 St. am Ufer des Foce* Baches. 

Phloeoptera reptans Grav., 3 St. und 

— corticalis Grav., 2 St. unter Rinde von Seekiefer im Holzstall. 
Oxypoda opaca Grav., gemein im Jätabraum. 

— sericea Heer, 4 St. im Gesiebe der Oliventerrassen. 

Aleochara bipunctata Ol., 1. 

— crassiuscula Sahib., 1. 

— nitida Grav., 1. 

Drusilla canaliculata F., 1 St. im Abraum. 

*Callicerus atricollis Aub., 1. 

Colpodota sordida Marsh., im Abraum und vielfach im Gesiebe gemein. 

— pygmaea Grav., 1. 

— aterrima Grav., 1. 

— fungi Grav., 6 . 

— laticollis Steph., selten. 

— fuscipes Heer, 2. 

Thectura cuspidata Er., 1. 

Liogluta vicina Steph., 2. 

*Atheta Reyi Kiesw., 2. 

— Pertyi Heer, gemein im Abraum und unter Brettern. 

— trinotata Kr., 1 . 

— coriaria Kr., 3. 

— oblita Er., 1. 

— testaceipes Heer, 1. 

— longicornis Grav., häufig im Abraum. 

— occulta Er., 1. 

— amicula Steph., 5. 

— inquinula Er., 1. 


28 


Alconota insecta Thoms., 1. 

— sulcifrons Steph., 1. 

— gregaria Er., 1. 

Falagria sulcata Payk., gemein im Abraum etc. 

— sulcatula Grav., 1. 

— obscura Grav., gemein wie sulcata. 

Placusa complanata Er., nicht selten unter Seekieferrinde im Holzstalle. 
Pronomaea rostrata Er., 1 St. an einer faulenden Orange. 

Myllaena brevicornis Matth., 1. 

Oligota pusillima Grav., häufig im Abraum, auch unter Steinen. 

— flavicornis Luc., 1. 

Leucoparyphus sylphoides L., 1 St. im Abraum. 

Tachyporus hypnorum F., häufig und 

— nitidulus F., sehr häufig im Abraum. 

Conurus immaculatus Steph., 4. 

— pedicularius Grav., selten. 

Mycetoporus splendens Marsh., 2. 

Quedius cinctus Payk., 1. 

— lucidulus Er., 4. 

Creophilus maxillosus L., 1. 

Leistotrophus murinus L., 2 im Abraum. 

Staphylinus chrysocephalus Fourcr., 1. 

Ocypus olens Müll., unter Steinen der Terrassen recht häufig. 

— pedator Grav., 1. 

— - edentulus Block, 2. 

Cafius sericeus Holme, 1. 

Actobius rivularis Kiesw., 1. 

Philonthus debilis Grav., 5. 

— concinnus Grav., häufig, wie die meisten Philonthus besonders im 
Abraum. 

immundus Gyll., ebenso. 

— fimetarus Grav , nicht so häufig. 

— nigritulius Grav., gemein. 

— thermarum var. maritimus Mötsch., 1. 

— varians Payk., häufig. 

Xantholinus punctulatus Payk., häufig. 

— linearis Oliv., 1. 

*Vulda gracilipes Duv. Von diesem seltenen Thiere lieferte der Abraum 
trotz all meiner Bemühung nur ein Stück. 

Lathrobium multipunctum Grav., 1. 

Medon apicalis Kr., 2. 

— propinquus Bris., 5. 

— welanocephalus F., 2. 

— ochraceus Grav., 1. 

Scopaeus gracilis Sperk., 1. 

Stilicus orbiculatus Payk. , im Abraum , unter Brettern und Steinen 
gemein. 

* Astenus curtulus Er., 1. 

* — uniformis Duv., 2. 

« — angustatus Payk, 


29 


Paederus Uttoralis Grav., gemein im Abraum und unter Kastanienlaub 
bei San Roruolo. 

Stenus asphaltinus Er. 

* — scaber Fauv., 1. 

*Edaphus dissimilis Aub., leider nur 1 St. an der Unterseite eines grossen 
Steines am Monte Bignone etwa in der Höhe der Oelbaumgrenze. 
Oxytelus inustus Grav., gleich allen Gattangsgenossen besonders im Abraum. 

— sculpturatus Grav., gemein. 

— nitidulus Grav., nicht häufig. 

— complanatus Er., häufig. 

* — speculifrons Kr., 2. 

— tetracarinatus Bloch, gemein. 

— Jiamatus Frm,, nicht selten. 

Trogophloeus riparius Lac., selten. 

— corticinus Grav., selten. 

— pusillus Grav., selten. 

*Lesteva Pandellei Fauv., einmal etwa ein Dutzend in dem Bache hinter 
dem jetzigen Kaiser-Friedrichs-Krankenhause. 

Omalium pusillum Grav., ziemlich häufig an faulen Orangen. 

— rivulare Payk., im Abraum nicht häufig. 

— caesum Grav., an faulen Orangen nicht häufig. 

Protinus ovalis Steph., häufig im Gesiebe und an faulen Orangen. 

— brachypterus F., selten ebenda. 

— atomarius Er., selten ebenda. 

Megarthrus affinis Mill., 1 Stück im Abraum. 

Microp eplidae: 1. 

Micropeplus fulvus Er., 1 Stück im Abraum. 

Pselaphidae: 6. 

*Euplectus intermedius Woll., selten im Gesiebe. 

*Bryaxis nigriventris Schm., selten ebenda. 

* — Chevrieri Aub., etwas häufiger ebenda und unter Steinen. 
*Bythinus Schneideri Beitt. nov. sp., unter Steinen der östlichen Ter- 
rassen nicht selten. 

* — pedator Reitt., unter Steinen der westlichen Terrassen seltener. 
Pselaphus Heisei Hbst., unter Steinen und besonders im Gesiebe häufig. 

Scydmaenidae: 11. 

Euthia Schaumi Kiesw., 1. 

* Cephennhim maritimum Reitt., einzeln an der Unterseite von Steinen, 
häufiger im Gesiebe. 

— aglenum Reitt., 2 Stück unter grossen Steinen. 

*Neuraphes myrmecophilus Aub., 1 Stück unter Steinen. 

— subeordatus Frm., 3 ebenda. 

*Cyrtoscydmus Helferi Schm., häufig, auch im Gesiebe. 

— pusillus Müll., 2 Stück unter Steinen. 

Scydmaenus tarsatus Müll., 3 Stück im Gesiebe. 

— rufus Müll., 1 ebenda. 

*Leptomastax sublaevis Reitt., 5 Stück unter Steinen der westlichen und 
im Gesiebe der östlichen Terrassen. 



BO 


*Leptomastax nov. spec. prope hypogaeum Piraz., 1 Stück unter einem 
Steine der Westseite. 

Silphidae: 3. 

Catops coracinus Kelln., 3 Stück im Abraum. 

Colon griseum Czwal., 1. 

— ruf es eens Kr., 2. 

Anisotomidae: 1. 

Liodes ccäcarata Er., 1. 



Clambidae: 2. 


Clambus pubescens Redtb., 4. 

*Loricaster testaceus Muls., 2. 

Corylophidae: 3. 

Sericoderus lateralis Gyll., gemein im Abraum und Gesiebe. 

Orthoperus punctum Mrsh., 1. 

*Bhypobius velox WolL, 4. 

Trichopterygidae: 5. 

Ptenidium pusillum Gyll., 2. 

Trichopteryx grandicollis Maerk., selten. 

— thoracica Waltl, 2. 

— intermedia Gillm., ziemlich selten. 

— fascicularis Hbst, häufiger. 

Phalacridae: 2. 

Olibrus liquidus Er., häufig. 

-- affnis Strm, häufig. 

Eudomy chidae: 2. 

Symbiotes gibberosus Luc., selten. 

Mycetaea hirta Marsh., nicht selten. 

Cryptophagidae: 13. 

Cryptopliilus integer Heer, häufig. 

* Leucohimatium elongatum Er., 2. 

Cryptophagus pilosus Gyll., selten gleich den übrigen unter Steinen oder 
im Frühjahre gekätschert. 

— affinis Strm, selten. 

— cellaris Scop., selten. 

— distinguendus Strm, selten. 

— dentatus Hbst et varietates, häufig. 

— scanicus L., nicht häufig. 

* — var. hirtulus Kr., häufig. 

Atomaria atricapilla Steph., nicht selten. 

— pusilla Payk., nicht selten. 

— nigripennis Payk., 1. 

Ephistemus globulus Payk., gemein unter Brettern und im Abraum. 
Lathridiidae: 13. 

*Anommatus planicollis Frm., 3 ungemein an Grösse variirende Stücke 
unter grossen Steinen der Terrassen am Francia-Thale. 


) 


31 


Lathridius angusticollis Gyll., selten. 

* — productus Rosenh., häufig. 

— nodifer Westw., 1. 

Enicmus minutus L., häufig. 

— transversus Oliv., selten. 

Corticaria elongata Gvll., 1. 

* Melanophthalma sericea Mannh., 1. 

— distinguenda Comolli, häufig. 

— fuscipennis Mannh., gemein im Abraum. 

— gibbosa Hbst, selten. 

- — fulvipes Comolli, selten. 

*Migneauxia crassiuscula Aub., 2. 

Tritomidae: 2. 

Typhaea fumata L., gemein. 

*Berginus tamarisci Woll., auf blühender Tamarix tetandra im Giardino 
del Imperatrice häufig. 

Nitidu lidae: 6. 

* Garpophilus mutilatus Er., 2. 

— hemipterus L., 1. 

*Meligethes rubripes Muls., selten. 

— brassicae Scop., häufig. 

— picipes Hbst, selten. 

Rhizophagus depressus F., 2. 

Colydiidae: 4. 

Coxelus picüis Strm, 1. 

*Langelandia Reitteri Belon; durch viele Mühe wurden unter grossen 
Steinen der östlichen Terrassen an 50 Stück erbeutet, meist mehrere, 
einmal 13 zusammen. Die Art war bis dahin nur von Korsika und 
Sardinien bekannt, ist dazu später auch in Algier nachgewiesen 
worden. Die kleinen meist mit Lehm bedeckten Thiere sind schwer 
zu sehen. 

Colydium elongatum F., 1. 

Aulonium ruficorne Oliv., 1. 

Cucujidae: 8. 

*Laemophloeus elongatus Luc., 1 Stück von Reitter bestimmt. Die Art 
für Europa neu. 

Silvanus bidentatus F., 6 St. unter Rinde von Seekiefer im Holzstall. 
Cathartus advena Waltl, 1. 

Monotoma spinicollis Aub., selten, gleich den übrigen im Abraum und 
unter alten Brettern. 

— quadrifoveolata Mötsch., 1. 

— quadricollis Aub., nicht häufig. 

— brevicollis Aub., ziemlich häufig. 

— picipes Hbst, 5. 

JD ermestidae : 4. 

Dermestes Frischi Kugel., selten. 

— lardarius L., 1. 


32 


*Hermestes aurichalceus Küst., in Nestern der Porthesia similis Füssli 
von Pinus maritimus des Monte Nero in Anzahl gezogen. 

Anthrenus verbasci L., gemein auf Blüthen. 



Histeridae: 11. 

*Platysoma elongatum Oliv., 1. 

* Hist er major L., 1. 

— cadaverinus Hoffm., 1. 

— duodecimstriatus Schrak, 1. 

— corvinus Germ., 2. 

Par omalus parallelopipedus Hbst, 1. 

Gnathoneus rotundatus Kugel., 2. 

*Plegaderus Otti Mars., 3. 

Onthophilus striatus Forst., 3 im Abraum. 

Abraeus graniäum Er., 1. 

Acritus nigricornis Hoffm., häufig unter alten Brettern. 

Platy ceridae : 1. 

Horms parallelopipedus L., selten. 


Scarabaeidae : 21. 

* Scarabaeus laticollis L. , nicht selten im Lehmboden unter Steinen im 
Winterquartier, seltener zu Tage auf den Terrassen laufend. Hassal 
erwähnt in seinem Werke über San Remo als Vertreter der Käferfauna 
ausser Luciola italica , Cantharis vesicatoria und Aromia moschata 
auch Sc. sacer , die dabei stehende Abbildung ergiebt aber Sc. laticollis. 
* Copris hispanus L., selten. 

* Onthophagus Amyntas Oliv. 

— coenobita Hbst. 

* — ovatus var. ruficapillus Brüll. 

Aphodius fimetarius L. 

— obliteratus Panz. 

— varians Duft. 

Oxyomus sylvestris Scop., häufig unter Brettern und im Gesiebe. 
Pleurophorus caesus Panz. 

Trox scaber L., selten. 

Geotrupes stercorarius L. 

* Pentodon punctatus Villers, nicht eben selten auf den Terrassen laufend. 
*Oryctes grypus 111., wenige Stücke in der Erde des Hotel-Gartens. 

* Tr opinota squalida L., nicht häufig und 

Leucocelis funesta Poda, häufig gegen das Frühjahr hin. 

Cetonia aurata var. lucidula Fieb. , nicht selten , besonders auf Rosen 
und wie alle Cetoniinen besonders von März bis Mai. 

Potosia affnis Andsch., 2. 

* — floricola var. florentina Hbst, nicht häufig. 

* — morio F., selten. 

Valgus hemipterus L., auch erst gegen das Frühjahr häufiger. 

Hupr estidae : 2. 

* Ptosima 11-maculata var. 6-maculata Hbst, 1 Stück zugeflogen. 

Traehys minuta L., 1 Stück gekätschert. 


33 


Rucnemidae: 1. 

*T1iroscus asiaticus Bonv., 2. 

j Elateridae: 1. 

Drasterius bimaculatus Rossi, nicht oft gekätschert. 

D ascillidae: 1. 

Cyphon coarctatus Payk., vom März an oft gekätschert. 

Cantharidae: 18. 

* Lamprorhim Miäsanii Kiesw. Im Frühjahr 1884 in der zweiten Hälfte 
des April 6S nicht häufig des Abends fliegend, die Weibchen mit 
grün phosphorescirendem Lichte prachtvoll ruhig leuchtend in Mauer- 
löchern. Nicht nur die Leuchtflecke der letzteren strahlten Licht aus, 
sondern ausserdem war der ganze Hinterleib von Licht durchglüht, 
das am stärksten an den Schulterecken bemerkbar war. 

*Luciola lusitanica var. Mentonensis Perag. 1884 in der zweiten Hälfte 
April nicht selten, 1889 ein einziges Stück am 26. April, dann selbst 
bis zum 10. Mai keine. Hassal verwechselt die Art mit L. italica. 
Das den Luciola eigene stoss weise Aufflammen des Lichtes verstärkte 
sich, wenn man die Tbiere in die Cyankaliflasche oder in Spiritus 
legte, zunächst bis zum baldigen Absterben, dann leuchteten die 
weissen Flecke mit ruhigem grünlichen Lichte noch 5 — 55 Minuten 
lang fort. 

Rhagonycha fulva Scop., häufig. 

— femoralis Brüll., häufig. 

— var. nigripes Redtb., selten. 

*Pygidia denticollis Schümm., seltener. 

— punctipennis Kiesw., nicht selten. 

*Malthimis fdicornis var. scriptus Kiesw., häufig, doch nur jj. 

*Malthodes recurvus Baudi, häufig. 

Drilus flavescens Rossi, nicht selten cM; es ist dringend zu empfehlen, 
die ungeflügelten , larvenähnlichen in Schneckenhäusern zu 
suchen, deren Bewohner sie fressen. 

Charopus concolor F., häufig. 

Axinotarsus ruficollis Oliv., nicht selten. 

*Malachius flavilabris Waltl, selten. 

Dasytes niger L. 

— plumbeus Müll., häufig. 

*Haplocnemus pectinicornis L. var., 1. 

Danacaea pallipes Panz., gemein. 

— nigritarsis Küst., häufig. , > 

Cleridae: 2. 

Clerus formicarius L, 1. 

Necrobia violacea L., selten. 

* ' f 1 

Rruchidae: 3. 

Bruchus (Ptinus) brunneus Duft., nicht häufig. 

* — bidens Oliv., selten. 

* — — var. minutus Lap., selten. 


3 


34 


Byrrhidae: 1. 

Byrrhus (Anobium) paniceus L. 

Bostrychidae: 2. 

*Sinoxylon sexdentatum Oliv., 3. 

Stephanopachys substriatus Payk., 2. 

Ciidae: 2, 

Cis festivus Panz., selten. Ans dem Holzstalle. 

*Rhopalodontus populi Bris., 3. 

Tenebrionidae : 6. 

* Stenosis angustata var. brenthoides Rossi, 2, unter Steinen. 

*Dichillus minutus Sol., nicht allzu häufig unter Steinen am Strand- 
gehänge, auf den Terrassen und auf dem Gipfel des Mte. Bignone. 

*Asida JDejeani So]., einzeln im lehmigen Boden der Terrassen unter 
Steinen. 

*Dendarus tristis Rossi, selten am Strandgehänge. 

Corticeus pini Panz., etwa ein DutzencT unter Rinde von Seekiefer im 
Holzstall. 

*Helops pygmaeus Küst , wenige Stücke unter Steinen. 

Lagriidae: 1. 

Lagria Jiirta L., vom März an auf Blumen. 

Mordellidae: 5. 

*Trotomma pubescens Kiesw., nicht häufig. 

Anaspis Geoffroyi Müller, nicht selten mit 

— maculata Fourcr., die gemein auf Blüthen grosser Crataegus glabra -, 
Myosporum- und Pi^osporwm-Sträucher in Gärten. 

— ruficollis F., seltener. 

— subtestacea Steph., mit A. maculata , doch viel weniger häufig. 

Meloidae : 1. 

Meloe rugosus Marsh., 1 Stück unter einem Steine der Terrassen. 

Im Sommer kommt, wie Hass all erwähnt und mir der Sanremeser 
Grundbesitzer Lamperti bestätigte, die spanische Fliege, Lytta vesicatoria 
vor, und zwar oft in solcher Menge, dass sie zum Verkauf gesammelt wird. 

Anthicidae: 8. 

*Euglenes sanguinolentus Kiesw., 1. 

— populneus Panz., nicht selten gekätschert. 

Formicomus pedestris Rossi, gemein unter feuchtliegenden Brettern im 
Nebengarten des Hotel de Nice. 

* Anthicus Rodriguesi Latr , mit Formicomus , häufig. 

— floralis L., ebenda, selten. 

* — quadriguttatus Rossi, ebenda, häufig. 

*Ochthenomus punctatus Laf., ebenda, 2. 

* — tenuicollis Rossi, ebenda, nicht selten. 

Oedemeridae: 1. 

Oedemera lurida Marsh., gegen das Frühjahr hin häufig. 


35 


Curculionidae: 50. 

* Otiorhynchus aurifer Boh., 1 Stück unter einem Stein. 

* — meridionalis Gyll., besonders unter den obersten Steinen der Ter- 

rassen -Stützmauern häufig. 

*Peritelus nicaeensis Stiert., im März auf den Terrassen in geringer Zahl 
gesiebt. 

Sitona Uneatus var. geniculatus Fahrs. 

— sulcifrons Thunb. 

* Trachyphloeus aurocruciatus Desbr. var., leider nur 1 Stück gesiebt. 

JBarynotus obscurus F. var. ?, 1. 

*Brachycerus algirus F., wenige Stücke unter Steinen. 

Cleonus nigrosuturatus Goeze, 1, unter einem Stein. 

* — excoriatus Gyll., 1, ebenso. 

— alternans Hbst, 1, ebenso. 

— pedestris Poda, 1, ebenso. 

*Lixus anguinus L., 1. 

* — Ascanii var. albomarginatus Boh., 1. 

— elongatus Goeze., 1. 

Minyops carinatus L., 1. 

* Hyper a salviae Schrak, 1. 

— variabilis Hbst, 1. 

JBrachonyx pineti Payk., 3 Stück Ende März auf dem Mte. Bignone 
unmittelbar unter dem Gipfel von Kiefern geklopft. 

Orthochaetes setiger Beck, 2. 

* Choerorrhinus squalidus Frm. Das bisher selten und nur von Des- 

br ochers in Handel gebrachte Thier wurde von mir 1884 aus einem 
alten Feigenstumpfe in 2 Stücken gesiebt und 1889 in grosser Zahl 
in den Gängen von Termes lucifugus in einem alten Feigenbäume 
im Nebengarten des Hotel de Nice gewonnen. Die hartgepanzerten 
Rüssler dürften wohl den Termiten keinen Nutzen gewähren, sondern 
von diesen nur gezwungenermassen geduldet werden; sie wählen ihren 
Aufenthalt in den Gängen der Termiten, weil ihnen diese die Mühe 
abuehmen. das Holz sich zum Frasse zu zerstückeln, ln dem Ge- 
siebe aus jenem alten Feigenstumpfe fanden sich auch Ameisen; es 
ist also möglich, dass dort die Choerorrhinus aus gleicher Ursache 
bei Ameisen schmarotzten. Ich nahm Stücke des von den Termiten 
durchfressenen Feigenholzes mit nach Dresden und habe daselbst noch 
wiederholt lebende Choerorrhinus ausgelesen. Perris sagt in seiner 
Arbeit „Larves des Coleopteres“ nur: „Die Larven von Choerorrhinus 
squalidus sind in Ulme, die des Ch. brevirostris in Feigenbaum ge- 
funden worden“, er wusste also nichts davon, dass Ch. schmarotzt, 
was wohl überhaupt neu sein dürfte. Die beiden von Perris noch 
unterschiedenen Arten aber werden jetzt für eine gehalten. 

Codiosoma spadix Hbst, 8 Stücke in dem eben erwähnten Feigenstumpfe; 
es ist also möglich, dass auch diese Art bei Ameisen schmarotzt. 

Eremotes planirostris Panz., 1. 

Acalles Anbei Boh., selten unter Steinen und im Gesiebe von den Terrassen. 

* — variegatus Boh., häufig ebenda, auch am Ufergehänge des Meeres. 

* — Hioeletianus Germ., seltener als variegatus ebenda. 

Coeliodes affmis Payk., 1. 


86 


Ceuthorrhynchus quadridens Panz., 1. 

* — faeculentus Gyll., nicht selten und 

— assimilis Payk., häufig gekätschert. 

Ccdandra oryzae L 

Anthonomus rubi Hbst, häufig gekätschert. 

*Tychius argentatus Chevr., selten. 

* — tomentosus Hbst var. ?, 1. 

— j picirostris F., 1. 

Gymnetron pascuorum Gyll., nicht selten. 

*Nanophyes pallidulus var. Doriae Bris. , gemein auf blühender Tamarix 
tetandra im Giardino del Imperatrice. 

Magdalis barbicornis Latr., 1. 

- — aterrima L., selten. 

*Apion tubiferum Gll., 1, gekätschert wie alle übrigen Apionen. 

* — rugicolle Gll., 1. 

— carduorum Kirb., häufig. 

* — candidum Wenck., 1. 

— semivittatum Gll., gemein. 

— radiolus Marsh., häufig. 

— assimile Kirb., nicht selten. 

— pisi F., 1. 

— malvae F., selten. 

JRhynchites betulae L., selten auf Weinblättern. 

Rhinomacer popidi L., selten. 

Mylabridae: 14. 

Die Vertreter dieser Gattung fanden sich besonders gegen das Früh- 
jahr hin auf den Blüthen grosser kultivirter Sträucher und Bäumchen von 
Schmetterlingsblüthlern wie Polygala -, Templetonia - , und Anthyllis - Arten 
sowie auf wildem Urospermum und Leontodon der Terrassen , manche 
Arten in unzählbarer Menge der Individuen. 

Mylabris (Bruchus) pisorum L., 1. 

— rufipes Hbst, mit zwei Varietäten gemein. 

— rufcmana Boh., häufig. 

— var. velutina Rey, häufig. 

* — seminaria L. var. pedibus posticis pro parte rufis, mit einer 

forma minor, gemein. Ich benenne die Varietät M. Sanremi. 

— seminaria var. picipes Germ. 

— — var. basalis Gyll., 

* — pusilla Germ., häufig. 

— nana Germ., häufig. 

— murina Boh., gemein. 

— bimaculata Oliv., gemein, 

— varia var. tarsalis Gyll., sehr klein, gemein. 

— imbricornis Panz., selten. 

* — tibialis Boh., selten. 

Scolytidae: 16. y 

Hylastes ater Payk., 1. 

— attenuatus Er., nicht selten. 

— palliatus Gyll., 2. 


37 


Hylurgus ligniperda F., nicht selten unter Seekieferrinde im Holzstalle. 
Myelophilus piniper da L., ebenso. 

— minor Hartig, seltener ebenda. 

Hylesinus oleiperda F., selten lebend, oft todt in Oelbaumholz ebenda. 

— fraxini F., häufig iu Buchenholz ebenda. 

Phloeophthorus spartii Nördl., selten unter Seekieferrinde ebenda. 

*Phloeotribus scarabaeoides Bernard, selten (meist todt) unter Oelbaumrinde 
ebenda. 

Crypturgus cinereus Hbst, gemein unter Seekieferrinde ebenda. 
*Hypoborus ficus Er., selten in alten Feigenbäumen. 

Pityogenes quadridens Hartig, nicht häufig unter Kieferrinde im Holzstall. 
*Ips (Bostrychus) sexdentatus Boerner, häufig ebenda. 

— — acuminatus Gyll., gemein ebenda. 

— — proximus Eichh., häufig ebenda. 

Cerambycidae: 6. 

Ergates faber L., 1 9 im Garten des Hotel de Nice. 

*Vesperus strepens F., einzeln, doch in Anzahl gefunden unter Steinen und 
in hohlen Oelbäumen, kam auch, besonders in der ersten Hälfte des 
Winters nicht selten in die Hausfluren. Ende Mai während der 
Weinblüthe soll er an den Beben häufig sein, um den ausfliessenden 
Saft zu schlürfen. Seine Larve schadet den Wurzeln der Weinstöcke. 
Grammoptera ruficornis F., häufig auf Blüthen von Crataegus u. a. 
Phymatodes lividus Rossi, 2. 

Clytus arietis L., eine Anzahl Stücke auf Miobium nigrum in einem 
Yillengarten der Westseite. 

*Morimus funereus Muls , 1 . 

Hass all erwähnt auch Aromia moschata als Bewohner des Sanremeser 
Gebietes. 

Clirysomelidae : 43. 

Lema melanopus L., ziemlich häufig. 

Crioceris lilii Scop., einmal einige Stücke auf Lilium candidum. 

Lachnaea sexpunctata Scop., selten auf Urospermum. 

* Cryptocephalus rugicollis Oliv., etwas häufiger auf Leontodon. 

*Timarcha nicaeensis Villa, meist einzeln, doch nicht selten auf Wegen 

oder an Terrassenmauern laufend. 

Chrysomela haemoptera L., selten. 

* — femoralis Oliv., 2. 

* — Banksi F., nicht selten unter Steinen. 

* — americana L., gemein an Rosmarin, der in einem Garten der West- 

seite zur Beeteinfassung diente. 

*Malacosoma lusitanica L. , gegen das Frühjahr häufig auf Urospermum 
und Leontodon. 

Gallerucella luteola Müll., in Anzahl unter Platanenrinde im Winterquartier. 
*Podagrica semirufa Küst., nicht häufig. 

* — intermedia Kutsch., nur, doch nach und nach in einiger Zahl, an 

einem Stocke von Malva viscus arborea aus Jamaica, deren Blätter 
sie siebartig durchlöcherte, in einem Garten der Westseite. 

*Ochrosis ventralis 111 ., oft gekätschert. 

Epitrix pubescens Koch, seltener. 

1 


38 




Chaetocnema concinna Marsh., 1. 

— aridula Gyll., 1. 

— Jiortensis Fourcr., 1. 

Psylliodes chrysocephala L., 1. 

— — var. erytrocephala L., 1. 

— — var. collaris Weise, 1. 

* — laevifrons Kutsch., 1. 

*Hcdtica ampelophaga Guer., häufig auf Weinblättern, die sie durchlöchert. 
In ihren Larven schmarotzt sehr häufig eine kleine Schlupfwespe (die 
Braconide Perilitus brevicollis). Da man von derselben aus Algier 
und Europa bisher nur Weibeben gezogen hat, ist die Zucht der 
Schlupfwespe ans den Larven der H . ampelophaga sehr zu empfehlen. 
Phyllotreta variipennis Boield., in Anzahl an einem alten Limonenbaume 
in Winterruhe. 

— — var. guttata Weise, ebenda. 

— atra F., nicht selten. 

— cruciferae Goeze, ebenso. 

— aerea All., ziemlich häufig. 

— nodicornis Marsh., selten. 

— procera Redtb., auf Reseda im Garten des Hotel de Nice häufig. 
Aphthona nigriceps Redtb., nicht selten. 

— pygmaea Kutsch., ebenso. 

— euphorbiae Schrank, selten. 

* — aenea All., 2. 

*Longitarsus echii var. dimidiatus All., 1. 

* — IÄnnaei Duft. , auf Symphytum bidbosum im Nebengarten des Hotel 

de Nice vom März an gemein. 

— rectilineatus Fourcr., 1. 

— luridus Scop., häufig. 

— — var. nigricans Weise, 3. 

— pratensis Panz., häufig. 

Dibolia occidtans Koch, 1. 

Sphaeroderma testaceum F., 1. 

* — rubidum Graells, 3. 

Cryptostoma: 4. 

Hispa atra L, nicht häufig. 

*Cassida deflorata Suffr., 1. 

— subferruginea Schrank, 1. 

— vittata Yillers, gemein auf einem zur Heckenbildung benutzten 
Mesembryanthemum. Die schönen grünen Streifen der lebenden Thiere 
waren nach deren Tode weder durch Glycerin noch durch Yaselin 
zu erhalten. 

Coccinellidae: 38. 

Adonia variegata Goeze. 

— — var. carpini Fourcr., 4. 

— — var. constellata Laich., 2. 

— — var. ustidata Weise, 2. 

— — var. neglecta Weise, 1. 

Semiadalia undecimnotata Schneid., 1. 


» 


39 


Adalia bipundata L., nicht häufig. 

— — var. sexpustulata L., 2. 

— — var. quadrimaculata Scop., 3. 

CoccineTla septempundata L., nicht selten. 

— decempundata var. quadripundata L., 1. 

— — var. decempustulata L., 1. 

— conglobata L., 2. 

Halyzia duodecimguttata Poda, 1. 

— vigintiduopundata L., gemein. 

— quatuordecimpundata L., 2. 

— — var. tetragonata Laich., 1. 

— — var. fimbriata Sulz., 1. 

Chilocorus bipustulatus L., gemein. 

Exochomus quadripustidatus L., gemein auf blühenden Sträuchern des 
Giardino del Imperatrice. 

* — flavipes Thunb., häufig. 

Platynaspis lateorubra Goeze, 1. 

Hyperaspis reppensis Hbst, 3. 

Phizobius litura F., häufig. 

* — — var. discimaciäa Costa, etwas seltener. 

Scymnus subvillosus Goeze, häufig. 

— — var. juniperi Mötsch., 1. 

— suturalis Thunb., 2. 

— pallidivestis Muls., 3. 

— arcuatus Rossi, 4 nebst 

— — var. Hausmanni Gredl., 7, auf Rlüthen von Pytosporum odori- 
feratum. 

— pundilluM Weise, häufig. 

— rubromaculatus Goeze, gemein. 

— Apetzi Muls., häufig. 

— interruptus Goeze, häufig. 

— — var. basalis Rdtb., I. 

— pulchellus Hbst, 3. 

* — bipundatus var. nigrinus Weise, 3. 

Anhangsweise mögen noch folgende 37 von mir bei San Remo nicht 
erbeutete Arten Erwähnung finden, welche neben manchen bereits auf- 
geführten von Herrn Major z. D. Dr. Lucas v. Heyden ebenfalls im Winter 
in Bordighera nachgewiesen worden sind, denn sie werden sicher auch bei 
San Remo Vorkommen. Es sind dies: Tachypus flavipes Schaum, *Calatlms 
fuscipes var. pundipennis Germ., Oxypoda induta Rey, Colpodota parens Rey, 
C. fungi var. clientula Er., Atheta crassicornis F., A. celata Er., Oligota 
inflata Mnnh., Habrocerus capillaricornis Grav., Tachyporus solutus Er., 
Hderothops praevia Er., Quedius picipes Mnnh., Qu. scintillans Grav., 
Xantholinus tricolor var. meridionalis Luc., * Astenus melanurus Küst., Ast. 
immaculatus Steph., Stenus argus Grav., Platysthetus nitens Sahib., Oxytelus 
rugosus F., Omalium excavatum Steph., *Bathyscia ovoidea Frm., *Eucinetus 
meridionalis Lap., Cartodere ruficollis Marsh., Omosita discoidea F., Hister 
funestus Er., Throscus obtusus Curt., Dendarus meridionalis Muls., *Gonoce- 
phalum rusticum Oliv., *Helops pygmaeus var. agonus Muls., Euglenes pruinosus 
Kiesw., *Anthicus optabilis Laf. , *Peritelus Clairei Stierl., PUoeopJithorus 


40 


rhododactylus Marsh., Galleruca circumdata Duft., Podagrica fuscicornis var. 
meridionalis Weise und Cynegetis impunctata L. 

Schmetterlinge: 34. 

Papilionidae : 2. 

Papiiio Podalirius L, nicht selten. 

— Machaon L , seltener. 

Pieridae: 2. 

Pieris hrassicae L., häufig. 

— Daplidice L. var. gen. 1 Beilid, ice 0 ., selten. 

Lycaenidae : 3. 

Polyommatus Phloeas L., selten. 

Lycaena Baton Berg., nicht selten. 

— Icarus Rott., nicht selten. 

Nymphalidae: 4. 

* Vanessa Egea Cr. ab. J album Esp., selten. 

— urticae L., häufig. 

— Atalanta L., häufig, auch in sehr kleinen Stücken. 

— cardui L., häufig. 

Satyridae: 3. 

Pararge Megaera L. 

— Aegeria L. u. Egeria 0 . (var. vulgaris Z.) forma intermedia. 
Coenonympha Pamphilus L., häufig. 

Hesperidae : 1. 

Nisoniades Tages L., selten. 

Sphingidae: 2. 

Sphinx nerii L. , aus zwei Raupen gezogen, die im Nov. auf der Erde 
liefen; weitere Raupen konnte ich auch auf den zahlreichen Oleander- 
büschen nicht finden. 

Macroglossa stellatarum L., sehr häufig. 

Arctiidae : 2. 

Arctia villica L., in Uebergängen zu ab. angelica B. Die Raupen, nicht 
selten am Boden laufend oder unter Steinen , entwickelten sich im 
April zur Imago. 

*Euprepia pudica Esp., gezogen, die Raupen viel seltener als die der 
vorigen Art. 

Liparidae: 1 . 

Porthesia similis Fuessl. Die Nester am Monte Nero häufig. 
Notodontidae: 1 . 

Cnethocampa pityocampa Schiff. Aus nach Dresden gesandten Raupen 
daselbst gezogen. Am Monte Nero bei Ospedaletti auf Pinus mari- 
tima und hie und da in den Villen- und Hotelgärten zu San Remo 
auf Pinus austriaca lebten die Raupen in mächtigen, weithin sicht- 
baren Nestern und wirkten, besonders am Monte Nero, verwüstend 


41 


in den Kieferbeständeu , ohne dass von Seiten der Porst Verwaltung 
das Geringste gegen das fortschreitende Verderben gethan zu werden 
schien. Zweifellos bezieht sich auf diese Art Hassal’s Bemerkung, 
dass bei Cannes, Yillafranca und San Remo Bomhyx processionaria 
zerstörend auftrete; das Uebel war also schon 1882 offenbar. 

Noctuae: 9. 

Biloba caeruleocephala L. 

Agrotis pronuba L. 

— C nigrum L. 

— saucia Hb. 

Brotolomia meticulosa L. 

Plusia gamma L. 

*j Hypena lividalis Hb. 

— obsitalis Hb. und 

— — var. trigonalis Costa , flogen Abends häufig an die erleuch- 
teten Fenster. 

Geometrae: 3. 

Hemerophila abruptaria Thnb. 

Cidaria fluctuata L. 

Eupithecia pumilata Hb. 

Gelechidae: 1. 

Dasycera sulphurella F., aus Räupchen gezogen, die im Garten des Hotel 
de Nice unter der losen Rinde alter Laubenstangen lebten. 

Hassall hat in seinem Werke: „San Remo' and the western Riviera, 
1879“, zwei Listen von bei San Remo gefangenen Schmetterlingen ver- 
öffentlicht, die ihm von John Congreve und Crump mitgetheilt worden waren. 
Diese Verzeichnisse enthalten zusammen 113 Arten, die aber zumeist sicher 
nicht im Winter gefangen sind, also für unsere Zusammenstellung kein 
Interesse bieten. Ein Vergleich mit unserer Liste zeigt, dass jene dort 
ansässigen Sammler 15 Arten nicht gefangen haben, die wir erbeuteten. 
Die Zahl der bei San Remo vorkommenden Arten beträgt aber sicher noch 
weit mehr als 128. 

Fliegen: 10. 

Scatopse notata L. 

Lonchoptera lacustris Mg. 

Tachydromia cimicoides F. 

Syrpkus arcuatus Fall. 

— balteatus Mg. 

Yetodesia lucorum Zett. 

JExorista cheloniae Rond., entwickelte sich aus Puppen von Pieris 
brassicae. 

Macharaea serriventris Rond., aus Puppen* von Euprepia padica. 

Dacus oleae Rossi, der Verwüster der Oliven, in deren einer oft zwei oder 
drei seiner Larven leben. 

Tephrytis ruralis Lw. 

Stechmücken treten besonders im Spätherbst in Menge auf, so dass 
man die Schlafstätten mit Muskitonetzen abschliessen muss. 


42 


Schnabelkerfe: 97. 

Wanzen: 84. 

Eurygaster hottentotta F., 1 auf Agave americana. 

Ochetostefhus nanus H.-S., häufig’. 

Sciocoris terreus Sehr., häufig. 

* — Helfen Fieb., selten. 

Aelia acuminata L., häufig. 

*Peribalus distinctus Fieb., selten. 

Carpocoris fuscispinus Boh., selten. 

Palomena prasina L., selten. 

Rhaphigaster grisea F., selten. 

* Nezara viridula L., häufig, auf Opuntienkaktus, gleich den Yarietäten 

* — — var. torquata F., seltener. 

* — — varietas (schwärzlichgrün), 1. 

* — Heegeri Fieb., 1. 

Eurydema ornatum L., selten. 

— decoratam H.-S., ziemlich selten. 

*Verlasia sinuata Fieb., 1. 

*Centrocoris variegatus Kol., 1. 

*Enoplops scapha F. var. nov. curvidens Puton, Rev. Ent. 1889, p. 396 
nicht selten. 

*Strobilotoma typhaecornis F., 1. 

Coreus denticulatus Scop., 1. 

*Micrelytra fossularum Rossi, nicht selten, unter Steinen? 

TlierapJia hyoscyami L., nicht seiten. 

Corims capitatus F., 1. 

*Lygaeus müitaris F., 1. 

*Lygaeosoma reticulatum H.-S., selten. 

*Orsillus depressus Muls. Rey , selten. 

* — Reyi Put., 1. 

*Nysius graminicola Fieb., 2. 

* • — stalianus Horv. {graminicola Stal.), 2. 

*Ischnorhynchus geminatus Fieb., selten. 

Platyplax salviae Schill., häufig. 

RhyparocJiromus chiragra F., ziemlich selten. 

*Plinthisus Putoni Horv., selten. 

*Ischnocoris pundulatus Fieb., selten. 

Tropistethus holosericeus Schltz, ziemlich häufig. 

*Stygmis faustus Horv. 1888, 1. 

— arenarius Hahn, zimlich selten. 

*Hyalochilus mediterraneus Ferrari, 1. 

Calyptonotus Rolandri L., 1. 

*Aplianus saturnius Rossi, selten. 

— pini L., ziemlich selten. 

* Drymus pilipes Fieb., I. 

*Notockilus ferrugineus Mls., selten. 

* — taurus Costa, 1. 

*Notochilus contractus H.-S., sehr häufig. 

Pyrrhocoris apterus L., häufig. 


43 


Monanthia cardui L., 1 im Gesiebe. 

— geniculata Fieb., ebenso. 

Hebrus pusillus Fall., 1. 

*Microvelia pygmaea Duf., Nymphen nicht selten. 

*Velia major Put., 1 im Bernardo-Bach. 

* — - rivulorum F., brachyptere Form, 2 ebenda. 

Hydrometra stagnorum L., gemein in der Mündung des Martino-Baches. 
Gerris najas Dej., nicht selten im Lorenzo- und Martin o-Bache. 

— gibbifera Schum., häufig im Foce-Bach. 

Nabis lativentris Boh., häufig unter Steinen und im Gesiebe. 

* — capsiformis Germ., 2. 

— ferus L., 2. 

*ÄllaeorhyncJius flavipes Fieb., 2. 

Pyrates inybridus Scop., ziemlich häufig auf Opuntien und unter Steinen. 
*Oncocephalus spec., oft Larven unter grösseren Steinen der Terrassen. 
Coranus spec., 1 Larve ebenda. 

Reduvius spec., 1 Larve ebenda. 

* Cardiastethus nazarenus Reut., selten. 

*Brachysteles parvicornis Costa, häufig. 

Triplüeps minuta L., häufig. 

— nigra Wolff, selten. 

— — var. TJllricliii Fieb., häufig. 

Antliocoris nemoralis F., 1. 

Lyctocoris campestris F., häufig. 

Miris laevigatus L., häufig. 

Notöstira erratica L., 1. 

Camptobrochis punctulata Fall., selten. 

Liocoris tripustulatus F., häufig. 

Orthops Kalmii L., häufig. 

— cervinus H.-S., 1. 

* Dicyplms hyalinipennis Klg, selten. 

— annulatus Wolff, 2. 

Macrolophus nubilus H.-S., 2. 

* Lobops minor Costa, sehr häufig gekätschert. 

Nepa cinerea L., 2 im Lorenzo-Bach. 

*Notonecta glauca var. umbrina Germ., in allen Bächen. 

Corixa Fabricii Fieb., selten im Lorenzo-Bache. 

* — transversa Fieb., 1 ebenda. 

Cicaden: 13. 

* Hyrteropterum immaculatum F., 1. 

* Tettigometra Rarani Sign., über ein Dutzend Stücke in unter Steinen 
auf den Terrassen befindlichen Nestern von Crematogaster sordidida 
Ny]., ein einzelnes ertrunken in einem Tümpel eines Steinbruches. 
Soviel mir bekannt, ist es ebenso neu, dass T. Rarani bei Ameisen 
haust, wie dass Cr. sordidula Gäste hegt. Wenn das Nest blossgelegt 
wurde, suchten die Ameisen die Cicaden schleunigst in die innern 
Gänge zu zerren. Andre kannte 1874 bereits 6 Tettigometra , die bei 
Ameisen leben, worunter die von v. Heyden sen. bei Frankfurt 
a. M. beobachtete T. atra. Aus Italien hat schon Delpino mitgetheilt, 


44 


dass Camponotus pubescens der Larve von Tettigometra virescens des 
Zuckersaftes halber nachgehe. Vielleicht geht auf solche Gemeinschaft 
der Ausspruch des Theokrit: „Die Cicade ist der Ameise Freundin 
und die Ameise die der Cicade.“ 

* Tettigometra griseola Sign. var. bimaculata Fieb., 1. 

Ptyelus spumarius L., 2. 

Ulopa trivia Germ., 1. 

Agdllia venosa Fall., häufig. 

Acocephalus albifrons L., 1. 

Athysanus obscurellus Kb., selten. 

— plebejus Zett., selten. 

— prasinus Fall., 1. 

*Eupteryx andalusiaca Ferr., selten. 

— urticae F., 1. 

Alebra albostriella Fall., selten. 

Aderfiügler: 31. 

Anthophila: 5. 

Apis mellifica L. 

Xylocopa violacea Scop., häufig. 

Anthrophora retusa L. 

Andrena fulvicrus Kirb. 

Eucera longicornis L. 

Sphegidae: 1. 

*Pelopaeus spirifex L. 

Vespidae: 3 

Vespa crabro L. 

Polistes gallica F., häufig. 

Odynerus parietum L. 

Formicidae: 16. 

* Camponotus cruentatus Latr. 

— - pubescens F. 

— sylvatico-aethiops Fov. 

— lateralis Ol. 

— marginatus Latr., auch in Gängen von Termes lucifugus. Marshall 
sagt in seinen zoolog. Vorträgen (Leben und Treiben der Ameisen) 
1889: „Aehnliche Beziehungen (Parasitismus) finden wahrscheinlich 
in den Tropen zwischen einigen Ameisen und Termiten statt. Man hat 
wenigstens in den Nestern der letzteren Ameisencolonien angetroffen, 
welche kaum in freundschaftlichem Verbältniss zu ihren Wirthen stehen 
dürften.“ Dasselbe ist nun wohl durch meine Funde auch für das 
subtropische Europa wahrscheinlich geworden. 

Lasius niger L. 

— emarginatus Latr., auch bei Termes lucifugus. 

Plagiolepis pygmaea Latr., auch bei Termes lucifugus. 

Tapinoma erraticum Latr. 

Aphaenogaster structor Latr. 


45 


* Apha eno gast er larhara L. Das von Kovats behauptete Auftreten dieser Art 

auf den Ofnerbergen ist zu bezweifeln, da sie Gust. Mayr während 
5 Jahren dort vergeblich gesucht hat. 

— subterranea Latr. 

Leptothorax tuberum Fahr, var., auch bei Termes lucifugus. 

*Pheidole pallida FTyl. 

* Onemaiogaster scutellaris Ol. 

* — soräidula Nyl., Wirth von Tettigometra Barani Sign. 

Mutillidae: 1. 

* Mutilla Spinolae Lep. 

Ichneumonidae: 5. 

Ichneumon zonalis Grav. 

* — computatorius Grav. Müll. 

— sedulus Grav. 

— scutellator Grav. 

Äpanteles fulvipes Hai. (nach Herrn Prof. Kriechbaumer’s freundlicher 
Bestimmung), entwickelte sich in Massen aus Raupen von Arctia villica . 

Gradfliigler: 16. 

Forficularia: 2. 

* Anisolabis moesta Gene. 

* Forficularia pubescens Gene. 

Blattodea: 4. 

Fctobia livida F. 

* Loboptera decipiens Germ. 

Periplaneta orientalis L. 

Blatta spec. , eine kleine Art, deren gesammelte Stücke durch Aus • 
trocknen der Spiritusflasche unbestimmbar geworden, war gemein 
unter den oberen Steinen der Terrassenmauern, besonders der Westseite. 

Mantodea: 1. 

Mantis religiosa L. 

Acridiodea : 5. 

Stenobothus bicolor Sharp. 

* Fpacromia strepens Latr. 

* Acridium aegyptiacum L. 

*Platyphyma Giornae Rossi. 

Tettix depressus Bris. 

Gryllodea: 4. 

Gryllus campestris L. 

* — desertus Pall. 

— domesticus L. 

* — burdigalensis Latr. 

Hassal erwähnt von in San Remo beobachteten Orthopteren nur 
Gryllotalpa vulgaris , die ich nicht gesehen habe. L. v. Heyden fing 
bei Bordighera in einem in den Lehm gegrabenen fensterlosen Eiskeller 
an den Wänden häufig GryUomorpha dalmatina Olskay. 




46 


Pseudoneuroptera: 2. 

Embiidae: 1. 

*j Emhia Solieri Ramb.? Larven, welche Dr. Heller dieser bisher nur bei 
Marseille und Toulon beobachteten Art, deren entwickelte, geflügelte 
Form man noch nicht kennt, zuschreiben zu müssen glaubt, sind 
unter grossen, im Lehm der Terrassen etwas eingesunkenen Steinen 
bei San Remo recht häufig. Dr. Er. Haase glaubte die Thiere als 
„eine der ausgezeichneten Beschreibung Ramb ur ’s durchaus ent- 
sprechende flügellose Jugendform von E. Savignyi Westw.“ deuten 
zu müssen, welche bisher nur aus Aegypten und der Gegend von 
Athen bekannt war. Hoffentlich gelingt es mir selbst bald, durch 
Gewinnung von frischem und mehr entwickeltem Materiale die Frage 
zu lösen und unseren Sammlungen das in ihnen noch seltene Thier 
zugänglicher zu machen. 

T ermitidae: 1. 

*Termes lucifugus Latr. Die bisher an der italienischen Riviera unbe- 
kannten, auch in dem Almanacco per l’agricoltore ligure von Lan- 
terni (1889) nicht erwähnten Termiten wurden von mir im Spät- 
herbst 1883 in einem Feigenbäume am unteren Berigo-Wege und bald 
darauf auch von Dr. Luc. v. Heyden bei Bordighera in Oelbäumen 
aufgefunden. Im Winter von 1888 zu 1889 beobachtete ich sie 
zuerst in einem Feigenbäume am Beragallo, dann in einem solchen 
an der Steillehne, die von Colla nach Ospedaletti abfällt, und endlich 
in mehreren Limonen bäumen und einem alten Feigenbäume im Neben- 
garten des Hotel de Nice; in letzterem hatte ich sie nicht vermuthet, 
weil an der Oberfläche des entrindeten Holzes und an dessen Löchern 
nie Termiten, dagegen oft Ameisen sich zeigten. Als ich aber das 
Holz aufbrach, wimmelten die zahllosen Gänge von Termiten und 
zwar von massenhaft vorhandenen Arbeitern, weniger häufigen Krie- 
gern und wenigen dunkelbraunen mit Flügelstummeln begabten Stücken, 
die Battist a Grassi nach seinen Beobachtungen in Sicilien als 
Complement-Könige und -Königinnen ansieht. — Ich zeigte ligurischen 
Frauen Termiten und erfuhr so von ihnen, dass diese bei Remo auch 
in Oelbäumen Vorkommen; augenscheinlich kennen aber die Bewohner 
der Riviera die sclrwere Gefahr nicht, die ihren Baumpflanzungen 
von diesem aus dem Süden eingewanderteu Feinde droht. In den 
Gängen fand ich zahlreich Choerorrhinus, in geringerer Zahl die 
Ameisen Camponotus marginatus, Lasius emarginatus, Plagiolepis 
pygmaea, Leptothorax tuberum und verschiedene Insectenlarven, sowie 
eine Tarentula albof'asciata. 

Arachniden: 143. 

Bearbeitet von Prof. Dr. Pb. Bertkau. 

Die Zahl der gesammelten Arachnidenarten betrug 143, von denen 
die Mehrzahl (126) echte Spinnen sind. Reichlich ein Drittel der Gesammt- 
zahl der Arten ist ein Bewohner der Mittelmeerländer, entweder in ihrer 
ganzen Ausdehnung oder der Küstenländer des westlichen Mittelmeer- 
beckens; einige wenige sind nach unseren jetzigen Kenntnissen auf den 
südöstlichen Theil Frankreichs oder Norditalien beschränkt. Fast zwei 


47 


Drittel der Arten sind auch in Mitteleuropa, zum Theil bis Nordeuropa 
verbreitet, und es scheint, dass diese Arten in San Reino in der Zeit- 
dauer ihrer Entwickelung (mindestens 2 Jahre) und dem Eintreten der 
Geschlechtsreife von ihren nördlich lebenden Genossen nicht erheblich 
abweichen. 

Neue Arten waren nicht zu beschreiben, da die Franzosen im 
ligurischen Gebiete viel gesammelt haben und einige Species in den letzten 
Jahren durch E. Simon veröffentlicht worden sind; es sind aber mehrere 
Arten in der Sammlung, für deren geographische Verbreitung ihr Vor- 
kommen bei San Remo bemerken s werth ist. Von Tegenaria (Histopona) 
debilis Thor, ist hier das Männchen zum ersten Male bekannt gemacht. 

Acarina: 2. 

Gamasidae : 1. 

Uropoda obscura (Koch) Berlese; häufig unter Steinen und im Gesiebe. 

Trombidiadae: 1. 

Trombidium holosericeum L., 7. 

Opiliones: 6. 

Phalangodidae: 1. 

*Plialangodes terricola E. Simon, 5 Stücke dieser bisher von Korsika und 
Algier bekannten kleinen Art. 

Phalangiadae: 3. 

*Liobunum Doriae Canestrini, 10. In Spanien, Frankreich und Italien 
vorkommend. 

* — silvaticum E. Simon, 1. Nach Simon findet sich die Art in kleinen 
Gesellschaften unter Moos, Reisig, alten Baumstümpfen in verschiedenen 
Theilen Frankreichs. 

* Acantholophus Seoanei E. Simon, 1. Wird von Simon aus den Kan- 
tabrischen Pyrenaeen (b. Ferrol) angegeben. 

Trogulidae: 2. 

Trogidus tricarinatus L., 1. In Deutschland verbreitet; Frankreich. 
*Anelasmocephalus pusülus E. Simon, 1 Stück dieser kleinen Art, die 
Simon von Korsika bekannt machte. 

Chernetina: 8. 

Cheliferidae: 8. 

*Chelifer lacertosus L Koch, 1. Aus Südfrankreich und Korsika gemeldet. 

— peculiaris L. Koch, 3. Scheint dem Süden Europas und Nordafrika 
anzngehören und ist aus der Schweiz, verschiedenen Orten Frankreichs 
und Algier bekannt. 

— cimicoides F., einige Stücke. Durch ganz Europa verbreitet. 
*Garypus minor L. Koch, zahlreiche Stücke. Aus Korsika und Algier 

bereits bekannt. 

Obisium muscorum Leach, 5. Kommt auch in Holland, Deutschland, 
Oesterreich und der Schweiz vor. 

— lubricum L. Koch, 2. In England, Frankreich, Oesterreich, Italien, 
Algier und Marokko vorkommend. 


48 


Ckthonius orthodaciylus Leach, 6. Diese seltene Art findet sich gleich 
ihren Gattungsgenossen unter Steinen und Moos und wird aus Franken, 
Frankreich und Italien gemeldet. 

* — microphthalmus E. Simon. 2 von San Remo mitgebrachte Cherne- 
tiden ziehe ich zu dieser als Grottenbewohner bekannten Art. 

Scorpiones: 1. 

Ischnuridae: 1. 

*Euscorpias carpathicus L. Eine sehr grosse Anzahl von Exemplaren in 
verschiedenen Altersstufen. Die Art ist in Spanien , Frankreich, 

Italien, Ungarn und der Türkei verbreitet und bewohnt das Gebirge. 
(Fand sich häufig unter Steinen, besonders den obersten Deckplatten 
der Terrassenmauern , hie und da auch in hohlen Bäumen. Nur 
einmal wurde Ende März auf dem Wege zum Monte-Bignone-Gipfel 
in etwa 1000 m Höhe ein Scorpion am Tage frei laufend gesehen. 
Die Versuche, Scorpione durch Feuerringe zum Selbstmord zu be- 
wegen, erwiesen sich, wie erwartet, als vergeblich. Kleinere Scorpione 
und Chrysomela americana wurden mit den Scheeren und Kiefern 
gepackt und ausgesaugt, eine Anwendung des Stachels zum Tödten 
der Beute konnte auftallenderweise nicht beobachtet werden. 0. S.) 

Araneae: 126. 

Ctenizidae: 1. 

*Nemesia Sauvagesii Dorthes. 3 junge, aber zwei verschiedenen Alters- 
stufen angehörende Stücke. Die Art ist aus Südfrankreich und Italien 
bekannt und wird in Ungarn durch N. pannonica vertreten. 

Dysderidae : 5. 

*Dysdera provincialis E. Simon. Zahlreiche vom Autor selbst bestimmte 
Stücke beiderlei Geschlechts dieser Art, die Simon von Isle de Por- 
querolles beschrieb. 

Segestria senoculata L., 1 Weibchen. Wohl über ganz Europa verbreitet, 
scheint aber in Nord- und Mitteleuropa häufiger zu sein als im Süden, 
wo die folgende Art an ihre Stelle tritt. 

— florentina Rossi. Je 1 geschlechtsreifes Stück beiderlei Geschlechts 
und mehrere jugendliche. Eine mehr südliche Art, deren von Schnur 
gemeldetes Vorkommen bei Trier zweifelhaft ist und vielleicht auf 
einer Verwechselung mit S. bavarica beruht; vgl. Bertkau: Ver- 
zeichn. der Spinnen . . . Bonns in Verhdl. des Naturh. Ver. der preuss. 
Rheinl. u. Westf., 1880, S. 222. 

*Gamasomorpha loricata E. Simon. 12 Stück dieser kleinen, am Hinter- 
leibe mit einem hornigen Rücken- und Bauchschilde bedeckten Art. 
L. v. Heyden sammelte sie auch bei Bordighera. Simon beschrieb 
sie von Vaucluse. 

Oonops pulcher Templeton. 2 Bruchstücke: ein ganz seiner Beine 
beraubtes Weibchen und ein Cephalothorax. Diese Art hat eine 
weitere Verbreitung, da sie bereits aus England, Holland, Deutsch- 
land und Italien nachgewiesen ist. L. v. Heyden fand sie bei Bor- 
dighera. 


49 


Attidae: 20. 

Epiblemum cingulatum Panz., 1 erwachsenes Weibchen. 

— scenic-um Clerck, 1 desgl. In ganz Europa, Nordafrika, Madeira; 
auch Nordamerika. 

— zebraneum C. L. Koch, 1 desgl. 

^Dendry pikantes nidicolens Walckenaer. 4 junge Stücke. Die Art scheint 
im ganzen Mittelmeergebiete vorzukommen und ist aus Spanien, 
Frankreich, Italien, Griechenland, Syrien und Algier bekannt. 

*Cyrba algerina Lucas. Ueber 20 Stück beiderlei Geschlechts, aber vor- 
wiegend Weibchen. Die Art ist in allen Mittelmeerländern verbreitet 
und an trockenen, sandigen Stellen gemein; nach Norden scheint sie 
über Norditalien und Südfrankreich hinaus nicht vorzudringen. 
Thor eil erhielt sie auch aus Sumatra (Siboga) und giebt ihre Ver- 
breitung durch Turkestan, Indien, Birma an. 

Pldlaeus chrysops Poda, 1 junges Weibchen. Eine entschieden südliche 
Art, die in Italien, Südfrankreich, Südtirol (Eisackthal, auch im Ahr- 
thal bei Täufers) häufig, schon in Nordfrankreich und Süddeutsch- 
land aber selten vorkommt. Nach Grube’s, von Thorell, wie es scheint, 
nicht bezweifelten Angabe findet sie sich auch in den Ostseeprovinzen; 
ihr Vorkommen in Schweden scheint aber nicht vollständig verbürgt 
zu sein. Menge’s gleichnamige Art ist eine von unserer Spinne ver- 
schiedene, wie Menge selbst schon vermuthete. 

— bicolor Walckenaer, 1 Weibchen. 

Heliophanus cupreus Walck. 5 junge Exemplare eines Heliophanus ziehe 
ich zu dieser häufigen und verbreiteten Art, mit der dieselben in der 
Färbung übereinstimmen; bei der grossen Aehnlichkeit der Heliophanus- 
Arten und bei der Unzuverlässigkeit der nur von der Färbung her- 
genommenen Merkmale bleibt freilich die Bestimmung jugendlicher 
Stücke immer unsicher. 

— armatus E. Simon, 6 jugendliche Stücke. Ueber die Sicherheit der 
Benennung gilt dasselbe wie bei voriger Art. 

* Icius striaius Walck., 8 Stücke dieser in Südfrankreich verbreiteten und 
häufigen Art. 

*Menemerus semilimbatus Hahn, 1 Männchen und 2 Weibchen. Die Art 
ist, wie die verschiedenen ihr von Lucas, C. L. Koch und Blackwall 
gegebenen Namen beweisen, im Mittelmeergebiet verbreitet und häufig: 
bekannt ist sie aus Spanien, Italien, Korsika, Korfu, Griechenland 
und Algier. 

Pellenes Bedelii E. Simon, 1 Weibchen dieser schönen Art, die Simon 
von Digne, Her man aus Ungarn beschrieb; ich fand sie wiederholt 
im Mainzer Becken bei Ingelheim. 

* Ergo, ne jucunda (Lucas) E. Simon. 7 Stück dieser in Spanien, Süd- 
frankreich, Italien, Algier, Griechenland und Syrien verbreiteten Art. 

- — arcuata Clerck. 15 junge Spinnen dieser Gattung ziehe ich nach 
der Färbung zu dieser Art , die wohl über ganz Europa verbreitet 
ist und sich bei uns mit Vorliebe auf Sumpfwiesen auf hält. Die 
Geschlechtsreife der Art tritt im Juli ein. 

Attus terebratus Clerck, ein junges Männchen. Diese Art scheint mehr 
dem Norden anzugehören und im Süden erst wieder in den Alpen 
häufiger aufzutreten. In Schweden, Norddeutschland scheint sie nicht 

4 


50 


selten zu sein; in Frankreich tritt sie nur spärlich auf; aus West- 
deutschland ist sie mir nicht bekannt, dagegen fand ich sie zahlreich 
an Pfosten und Geländern im Oberengadin und im Stubaithal bei 
Neustift in 1000 m Höhe ü. M. 

*Phlegra Bresnieri Lucas, 6 Stück, worunter 2 entwickelte Männchen. 
In der ganzen Mittelmeerregion verbreitet. 

*Saitis barbipes E. Simon. Zahlreiche, zum Theil auch erwachsene Stücke 
dieser über Spanien, Frankreich, Italien und Südrussland verbreiteten 
Art, die v. Heyden im Winter auch bei Bordighera sammelte. 

*j Euophrys gambosa E. Simon, 6. Bereits von Nizza gemeldet, auch 
sonst in Südfrankreich, in Spanien, Marokko, Sicilien und Syrien 
gefunden. 

Neon reticulatus Black wall, 6. Diese Art lebt bekanntlich am Boden, 
unter Laub und Moos, und kann namentlich im Winter nur durch 
Aufkratzen des Mooses gefunden werden. 

Balhis depressns Walck., 26 Stück, worunter einige geschlechtsreife Männ- 
chen, welche jedenfalls gegen Ende des Aufenthalts in San Remo gesam- 
melt sind, da Simon auch für Frankreich den Mai als den frühesten 
Termin für das Eintreten der Geschlechtsreife bezeichnet. Die Art 
wurde auch von v. Heyden bei Bordighera erbeutet und ist bei uns 
nicht selten. 

Thomisidae: 13. 

Artanes margaritatns Clerck. 1 junges Weibchen dieser verbreiteten und 
namentlich in Kieferwäldern häufigen Art. 

Pkilodromus cmreolus Clerck, 1 junges Weibchen. In ganz Europa ver- 
breitet und häufig. 

Trnarus piger Walck., 1 junges Weibchen. Die Geschlechtsreife der Art 
tritt bei uns im Mai ein. 

Synema globosa F. Geber 20 Stücke, von denen keines geschlechtsreif ist, 
wie denn auch bei uns die Geschlechtsreife dieser Art erst im Mai 
eintritt. Ueber ganz Europa mit Ausnahme von Grossbritannien und 
Schweden, durch Sibirien bis China und in Nordafrika verbreitet und 
in manchen Gegenden Deutschlands häufig. 

Heriaens Inirsutus Walck. Nur 1 jugendliches Stück dieser aus den 
Pyrenäen, Frankreich und Südtyrol bekannten, von mir auch am 
Rochusberge bei Bingen nachgewiesenen Art. 

Misumena vatia Clerck. 10 ganz junge, jedenfalls aus Eiern des vorher- 
gegangenen Sommers geschlüpfte Stücke. 

Thomisus onustus Walck., 2 ganz junge Exemplare, Brut des vorigen 
Sommers. In den Mittelmeerländern verbreitet und häufig, in Mittel- 
europa nur an einzelnen Stellen und selten (Rheinbrohl im Rhein- 
thal, Bingen, Frankfurt a. M.). P. Pavesi führt diese Art (Studi 
sugli Aracoidi Africani; I, Arach. di Tunisia, Ann. Mus. Civ. Genov. 
XV, p. 365) fide Tborell als Th. albus (Aranea alba) Gmel. auf. 
Die Beschreibung Gmelin’s (Linne, Syst. nat. ed. XIII, I, 5, S. 2961): 
„Alba, basi abdominis depressa bicorni, apice globoso,“ sowie ferner 
die Angabe „sub arborum cortice, abdomine punctis impressis 5“ 
passt schlecht auf unsere Art. Die dort angeführte Abbildung in 
Lepechin it. I, T. 20, Fig. 1, habe ich nicht vergleichen können. 


51 


Oxyptila scabrimla Westring. Nur 1 Weibchen, v. Heyden sammelte 
die Art bei ßordighera. 

— nigrita Thorell. Zahlreiche Weibchen dieser verbreiteten und nicht 
seltenen Art. 

Xysticus Kochii Thor., 6 Männchen, worunter 3 entwickelte, und 8 
Weibchen. Die entwickelten Männchen sind wohl gegen Ende des 
Aufenthaltes gesammelt ; bei uns finden sich die geschlechtsreifen Thiere 
dieser und der vorhergehenden Art von Anfang Mai an. 

— cristatus Olerck, 6 Männchen, worunter 1 geschlechtsreif, und 8 
Weibchen. Wohl durch ganz Europa verbreitet, 

* — desidiösus E. Simon, 1 Weibchen. Simon beschrieb die Art von 
Korsika. 

— f usciis C. L. Koch. 16 Weibchen dieser auch in Deutschland 
vorkommenden, im Süden aber jedenfalls häufigeren Art. Ich sam- 
melte sie wiederholt in Nord- und Südtyrol; v. Heyden fand sie in 
Bordigliera; A. Koenig brachte 2 Weibchen aus Tunis mit. 

Sparassidae: 3. 

*Micrommata ligurina C. L. Koch. 6 junge Stücke dieser in Italien, Frank- 
reich und Spanien verbreiteten Art, Die Exemplare gehören 2 Alters- 
stufen an, was als Beweis dienen kann dafür, dass diese Art gleich 
unserer M. virescens mindestens zwei Jahre zu ihrer Entwickelung 
braucht. 

— virescens Clerck, 1 Weibchen. Ueber ganz Mittel- und Nordeuropa 
verbreitet und von v. Heyden bei ßordighera nachgewiesen. 

*.Sparassus spongitarsis L. Dufour, 9, darunter ein erwachsenes und ein 
Männchen mit angeschwollenen Tastern. In den westlichen Mittel- 
meerländern verbreitet, 

Anyphaenidae : 1. 

Änyphaena accentuata Walck. 18 junge Exemplare beiderlei Geschlechts; 
die Geschlechtsreife scheint demnach bei dieser Art im Süden zu der- 
selben Zeit einzutreten wie bei uns (Mai). In ganz Europa in Ge- 
büsch wohl nirgends selten. 

Drassidae: 22. 

Aphantäulax trimacidatus E. Simon, 1 junges Weibchen. Simon 
machte diese Art 1878 bekannt und erwähnt ihr Vorkommen von 
Morbihan, Ile de Ke, Cantal, Lot-et-Garonne ; in Morbihan fand er sie 
vorzüglich auf ülex europaeus. Ich fand die Art auch b.ei Bonn 
(neu für Deutschland). 

Prostliesima oblonga C. L. Koch. 3 Männchen und 8 Weibchen dieser 
von L. Koch aus Dalmatien, den Salzburger und Tiroler Alpen und 
von Meran angegebenen Art. Simon, der das Männchen als noch 
„inconnu“ bezeichnet, führt sie von mehreren Punkten der Basses 
Alpes an. L. Koch’s Abbildung des männlichen Tasters in Seiten- 
ansicht (vergl. Die Arachniden, VI, Tab. VII, Fig, 105) ist zu klein 
gehalten, um zur Erkennung der Art wesentlich beitragen zu können ; 
charakteristisch ist an der Aussenseite des Bulbus, in der oberen 
Hälfte, ein breites, dicht mit Borsten besetztes Band. 

4 * 


52 


* Prosthesima electa C. L. Koch. 1 junges Männchen gehört nach der Färbung 
der Beine zu dieser Art, die v. Heyden auch bei Bordighera erbeutete. 

* — Carmeli 0. P. Cambridge, 3 junge Weibchen. Cambridge beschrieb 

diese Art vom Berge Karmel, Canestrini (unter dem Namen Melano- 
phora latipes) aus Italien; Simon giebt sie aus Spanien und Frank- 
reich (Gers; Marseille; Var; Aude; Korsika) an; sie scheint demnach 
im Mittel meergebiete eine weite Verbreitung zu haben. 

* — bimaculata C. L Koch. Koch beschrieb die Art aus Griechen- 

land; 0. Her man erwähnt sie aus Ungarn (Pancsova) als Frühjahrsform 
auf Urtica ; weiter westlich scheint sie bisher nicht gefunden zu sein. 
0. Herrn an verweist die Art indirect durch seinen Vergleich mit 
Poec. conspicua in die Gattung Poecilochroa. 

* Pythonissa exornata C. L. Koch. Ueber 40 junge Stücke, die im Sammel- 
glase ihre schöne Schuppenbekleidung zum grössten Theile einbüssten. 
Die Art scheint im ganzen Mittelmeergebiet verbreitet und häufig zu 
sein: Sahara, Griechenland, Südtyrol, Korsika, Frankreich. 0. Herman 
führt sie aus Ungarn an. 

— spec. 1 Männchen mit angeschwollenen Tastern gehört einer an- 
deren, grau gefärbten Art an, die ich nicht näher zu benennen vermag. 

*Gnaphosa alacris E. Simon. 5 junge Stücke einer Gnapliosa scheinen 
mir zu der genannten Art zu gehören, doch ist die Bestimmung nicht 
ganz sicher. Simon führt Gn. alacris aus den Pyrenäen und Korsika 
an ; auf letzterer Insel ist sie bei Ajaccio sehr häufig. 

*Drassus viator L. Koch, 3 Weibchen. Aus Spanien, Südfrankreich, Dal- 
matien, Sicilien und Algier (Oase Biskra) gemeldet. 

— retusus E. Simon. Nur 1 Weibchen dieser, wie es scheint, seltenen 
Art, die bisher aus Frankreich und der Rheinprovinz bekannt war. 

* — macellinus Thor. ( liebes Cambridge, macellinus Simon). 5 Exemplare 

von denen aber nur 1 Männchen geschlechtsreif; sie gehören alle der 
kleineren Varietät an. Thor eil beschrieb die Art nach Stücken, 
die er bei Nizza unter Steinen gefunden hatte und giebt dabei an: 
vielleicht auch bei Kissingen. Nach Simon im Süden Frankreichs 
verbreitet. 

— Heeri P. Pavesi, 4 ausgewachsene Weibchen. In Frankreich, Nord- 
italien und der Schweiz, aber auch in der Rheinprovinz. 

* Chiracanthium Seidlitm L. Koch. 2 junge Stücke von Ghir. ziehe ich 
nach der Färbung, Augenstellung und Bestachelung der Beine zu 
obengenannter Art, die dem Süden Europas angehört, 

— Mildei L. Koch, 7 Stücke, die alle noch nicht die letzte Häutung 
überstanden haben; nach Simon finden sich die geschlechtsreifen Exem- 
plare im Juni auf Gebüsch. Eine südeuropäische Art, die in Spanien, 
Frankreich, Italien, der Türkei, Syrien und Algier aufgefunden ist. 

Clubiona brevipes Black w. 1 Männchen dieser namentlich in Nord- und 
Mitteleuropa auf Eichengebüsch häufigen Art. 

— terrestris Westr., 1 Weibchen. 

* — parvida Luc., 1 Weibchen dieser südeuropäischen Art. 

— decora Blackw. 12 Stück, darunter ein erwachsenes Männchen. Hin- 
sichtlich dieser Art, die von Simon aus Frankreich nicht angegeben 
wird, hatte ich lange Zweifel, indem ich an die Möglichkeit dachte, 
dass sie mit der vorhergehenden identisch sein könnte; diese Zweifel 


53 


sind aber nun, da ich auch CI. parvula kennen geiernt habe, gehoben. 
Die Art war bisher aus der Schweiz, von Madeira und dem Rhein- 
und Moselthal angegeben. 

Zorn spinimana C. L. Koch. 1 Weibchen der bei uns am Boden der 
Gebüsche häufigen Art. 

Fhrurolithus mininms C. L. Koch. 4 noch nicht ganz entwickelte Stücke 
dieser in Frankreich und Deutschland verbreiteten Art. 

*Agroeca lineata E. Simon, 2 junge Exemplare. Simon machte die Art 
von Korsika bekannt. 

* — lycosiformis Cambridge? Es liegen mir 13 Stück einer Agroeca vor, 

die ich zu dieser Art ziehe, mit der die Augenstellung (hintere Reihe 
gerade!) und Färbung überein stimmt; da sämmtliche Exemplare noch 
nicht entwickelt sind, so ist die Bestimmung freilich nicht ganz zuver- 
lässig. Die Art war bisher nur aus Syrien, Sizilien und Algier bekannt. 

Lycosiclae: 9. 

Oxyopes rcimosus Panz., 1 junges Weibchen. 

Ocyale mirabilis Clerck. Mehrere junge Stücke dieser fast kosmopo- 
litischen, von v. Heyden auch bei Bordighera beobachteten Art. 
Trocliosa terricola Thor., 13 Stück dieser weit verbreiteten und häufigen 
Art, die v. Heyden auch bei Bordighera fand. 

* Tarentula Simonis Thor., 2 unentwickelte Thiere, daher die Bestimmung 

nicht ganz unzweifelhaft. Simon giebt die Art von Digne (Basses 
Alpes) und Escorial (Spanien) an. 

* — - albofasciata (Brülle) E. Simon, 24, darunter ein altes Männchen in 

einem Termitenbau. Im ganzen Mittelmeergebiete verbreitet und häufig. 
Lycosa liortensis Thor. Zahlreiche unausgewachsene Stücke einer Lycosa 
gehören zu dieser oder einer nahe verwandten Art. 

— nigriceps Thor., 1 junges Weibchen. 

— morosa L. Koch, 1 Weibchen. 

— amentata Clerck, 1 entwickeltes Männchen. 

Agalenidae: 8. 

*Textrix coardata L. Dufour, 15 Stück, von v. Heyden auch bei Bordighera 
gesammelt. Die Art ist im ganzen westlichen Südeuropa verbreitet 
und häufig. P. Pavesi führt sie auch aus Algier, Tunis, Aegypten 
und Abessinien an. 

Tegenaria campestris C. L. Koch, 1 junges Weibchen der in ganz Mittel- 
europa verbreiteten Art. 

— domestica Clerck, 1. Die Art lebt in Häusern, in Mittel- und Nord- 
europa; fehlt in England. Im Süden wird sie allmählich durch T. 
parietina ersetzt. 

* — pagana C. L. Koch, 2 Weibchen. Die Art scheint dem Südwesten 

Europas anzugehören (Pyrenäen, Südfrankreich, Korsika). 

* — pallidula E. Simon? Nur ein unausgewachsenes Stück, deshalb die 

Bestimmung zweifelhaft. Simon beschrieb die Art aus den Pyrenäen. 

* — parietina (Fourcroy) E. Simon. 1 Stück dieser südeuropäischen aber 

auch schon in England auftretenden, langbeinigen Art. 

— silvestris L. Koch, 3 Weibchen. Die Art ist erst von wenigen Punkten 
bekannt: Nürnberg, Paris, Tirol. Ich selbst fing sie mehrfach bei 
Atzwang im Eisackthale. 




54 


*Tegenaria debilis Thor., 14 Exemplare, darunter mehrere ausgewachsene 
Männchen. Charakteristisch für den Bulbus ist der tief gegabelte 
Fortsatz an seiner Aussenseite, der das Ende des Eindringers auf- 
nimmt. Die Art war bisher von Nizza (Thoreil) und Monaco (Simon) 
bekannt, aber nur das Weibchen. 

Zoropsididae: 1. 

*Zoropsis ochreata C. L. Koch, 2 Weibchen. Die Art ist aus Spanien, 
der Provence, Sicilien und Algier bekannt; in Norditalien scheint sie 
noch nicht gefunden zu sein. 

Amaurobiadae: 3. 

*Amaurobius Erberii Keyserling. 15, worunter einige erwachsene. Die 
Art scheint in Südfrankreich und Italien verbreitet und häufig zu sein. 

* __ jugorum L. Koch, 4 Weibchen. Koch beschrieb die Art aus Tirol, 

wo ich sie ebenfalls bei Atzwang aufländ; nach Pavesi ist sie im 
Tessin häufig; Simon erhielt sie auch aus der Sierra d’Estrella. 

*Twanoeca albomaculata Lucas. 18 junge Stücke dieser aus Algier, Italien, 
Korsika und Nizza bekannten Art. Diese jugendlichen Stücke haben 
eine grosse äusserliche Aehnlichkeit mit Dictyna ; die Beschaffenheit 
der Tracheen (4 einfache Röhren) überzeugten mich aber, dass sie 
zu Titanoeca gehören. 

Dictynidae : 3. 

Dictyna flavescens Walck. 4 unausgewachsene Stücke dieser auf Gebüsch 
lebenden Art, die bei uns mit Anfang Mai entwickelt ist. 

— viridissima Walck. Mehrere Stücke beiderlei Geschlechts. Die Art 
tritt bei uns namentlich an Spalieren und Kalthauspflanzen des Gar- 
tens auf und ist im Spätsommer bis tief in den Herbst hinein im er- 
wachsenen Zustande zu finden. 

— vicina E. Simon. 1 junges Exemplar einer mir unbekannten Dictyna 
ziehe ich zu dieser Art, mit der es in seiner Färbung übereinstimmt; 
Simon beschreibt sie von Korsika, wo sie sich im Sommer im er- 
wachsenen Zustande auf Büschen und Hecken findet, 

Micryphantidac: 2. 

* Plaesiocraerus longicarpus E. Simon, 1 Männchen. Simon beschreibt die 
Art von den Seealpen und Ostpyrenäen, wo er sie im September in 
feuchtem Moose fand. 

* Lophocarenum ineditum Cambridge, 1 Männchen. Die Art ist von ver- 

schiedenen Punkten Südfrankreichs und so auch von Nizza bekannt. 

Scytodidae : 1. 

Scyiodes thoracica Latr., 2 Weibchen. Bei uns findet sich diese Art fast 
nur in Häusern, im Süden dagegen häufig im Freien; die südlichen 
Exemplare zeichnen sich durch bedeutendere Grösse und lebhaftere 
Färbung, wobei das Schwarz von dem Gelb schärfer abgesetzt ist, 

aus. 

Pholcidae: 1. 

* Spernwphora sexociäata Duges. Nur 1 Weibchen dieser kleinen, in Süd- 
frankreich, Spanien, Italien und Nordafrika verbreiteten Art. 


•» 


55 


Theridiadae: 18. 

PedanostetJms lividus Black w., 1 Männchen, 2 Weibchen. Ueber ganz 
Europa verbreitet und von L. Koch auch aus Sibirien nachgewiesen. 

*Enoplognatha testacea E. Simon. 2 Stücke, welche mir der Autor selbst 
benannt hat. Simon beschrieb die Art von verschiedenen Punkten 
Südfrankreichs und von Korsika. 

Enoplognatha mandibularis Lucas. 7 Weibchen dieser im ganzen Mittel- 
meergebiete verbreiteten und häufigen Art, die leicht mit einer 
Epeiride verwechselt werden kann. Das Yerbreitungsgebiet derselben 
erstreckt sich bis nach Arabien und China. 

Ero aphana Walck. — atomaria C. L. Koch. Ein junges Weibchen 
dieser über Mittel- und Westeuropa verbreiteten Art. 

*Euryopis acuminata (Lucas) E. Simon. 7 junge Weibchen dieser Art, 
die nach Simon in allen Mittelmeerländern ungemein häufig ist. 

Asagena phalerata Panz., 1 junges Weibchen. Die Art ist über Eng- 
land, Skandinavien, Mitteleuropa, Frankreich bis zu den Pyrenäen 
verbreitet, in den Alpen bis hoch ins Gebirge hinauf. 

*Teutana triawgulosa Walck. 13 Stücke, darunter auch 2 Männchen, aber 
alle noch nicht geschlechtsreif. In den Mittelmeerländern verbreitet, soll 
aber auch in St. Helena und in Brasilien Vorkommen und Simon 
erhielt sie aus Alabama und Colorado. 

*Lathrodectus tredecimguttatus Kossi, 2 Weibchen. Diese ihres schmerz- 
haften, unter Umständen tödtlichen Bisses wegen gefürchtete Art ist 
in allen Mittelmeerländern bis nach Südrussland verbreitet. L. v. Heyden 
fand diese Malmignatte der Italiener in „prachtvoll sammtschwarzen, 
schwefelgelb gezeichneten“ Exemplaren häufig am Meeresufer bei Bor- 
dighera; A. König brachte sie auch von Teneriffa mit. 

*Lithypkantes Eaykullianus Walck. 19 Stück dieser in Südeuropa und Nord- 
afrika verbreiteten und häufigen Art; 12 gehören zu der fast einfarbig 
dunkeln Yar. b. Yon v. Heyden auch von Bordighera mitgebracht. 

*Theonoe longiseta E. Simon. Nur ein Männchen dieser winzigen Spinne, 
die Simon im Yar auffand. 

*Labidla rupicola E. Simon. Mehrere Weibchen; v. Heyden sammelte 
die A# auch bei Bordighera; Simon giebt ihr Yorkommen von ver- 
schiedenen Punkten der Seealpen (Mentone, Sospel, St. Martin-Lan- 
tosque) an. Sie findet sich, ähnlich unserer L thoracica , an sehr 
feuchten, mit Moos bedeckten, dunklen Felswänden. 

*Theridhmi aulicum C. L. Koch. Sehr zahlreiche Exemplare dieser der 
Färbung nach sehr veränderlichen Art, die unter mehreren Synonymen 
beschrieben ist; sie ist aus England und allen Mittelmeerländern ein- 
schliesslich Palästina bekannt geworden. Cambridge hat bereits den 
höchst eigentümlichen männlichen Taster dieser Art abgebildet. 

— tindum Walck., 8 junge Stücke. In ganz Mittel- und Westeuropa. 

— denticidatum Walck., 10 junge Exemplare. Die Fortpflanzung dieser 
Art findet bei uns im Mai und Anfangs Juni statt. Ueber ganz 
Europa und Nordafrika verbreitet; von Cambridge auch aus Syrien 
angegeben. 

— simile C. L. Koch. 16 Exemplare dieser Art, die in zahlreichen 
Farben Varietäten auftritt; Simon unterscheidet deren 15; die meisten 


in San Remo gesammelten (jungen) Tbiere gehören zur Var. 8 Simon's. • 
Die Art ist aus ganz Europa (England, Schweden, Frankreich, Deutsch- 
land), ausserdem Algier und Syrien bekannt. 

Lmhthyphantes Zimmermanni nov. nom. ( zebrinus E. Simon nec [. Bathy - 
phantes] zebrinus Menge). Ein Vergleich der Beschreibungen und Ab- 
bildungen von Menge und Simon lehrt, dass Lephthyph. zebrinus 
Sim. nicht der ( Bathyph .) zebrinus Menge ist und daher einen beson- 
deren Namen haben muss, als welchen ich Zimmermanni vorschlage, 
weil Zimmermann mich auf die Incongruenz beider Arten aufmerk- 
sam machte, nachdem ich dieselbe an einem von Simon mir als L. 
zebrinus Menge bestimmten Exemplare ebenfalls bemerkt hatte. Von 
L. Zimmermanni liegen mir von San Remo 2 Weibchen vor; die Art 
ist auch hei Bonn häufig, wo ich den B. zebrinus Menge bisher mit 
Sicherheit noch nicht nachgewiesen habe. 

LinypJiia pusilla Sundevall, 2 junge Weibchen. In ganz Europa und Sibirien. 

— frutetorum C. L. Koch, 1 entwickeltes Männchen. In ganz Süd- 
europa und Nordafrika häufig; auch in Syrien. 

TetragnatJiidae: 3. 

Pachygnatha de Geeri Sundev. 1 1 Stuck dieser in ganz Europa ver- 
breiteten und im Frühjahr häufigen Art, die v. Heyden auch bei 
Bordighera nachwies. 

Tetragnatha extensa L., 8 Junge. Durch ganz Europa verbreitet. 

— obtusa C. L. Koch, 7 ebenfalls noch junge Stücke. Die Ge- 
schlechtsreife dieser und der vorigen Art tritt bei uns nie vor Ende 
Mai ein. 

Epeiridae: 12. 

Meta Merianae Scop., 2 junge Männchen und I Weibchen. Die Art ist 
durch ganz Europa verbreitet und von v. Heyden bei Bordighera 
nachgewiesen. 

— segmentata Clerck, 2 junge Weibchen dieser bei uns äusserst ge- 
meinen und verbreiteten Art. 

Zilla x-notata Clerck, 4 ausgewachsene Weibchen dieser ebenfalls gemeinen 
und verbreiteten Art. 

Singa Herii Hahn, 1 Weibchen. 

— pygmaea Sundev., 5. Die beiden letzten Bestimmungen sind nicht 
ganz sicher, da nur sehr junge Exemplare vorliegen. 

Cyclosa conica Pallas, 3 ganz junge Stücke dieser in ganz Europa ver- 
breiteten und zwischen Gebüsch häufigen Art. 

Epeira diademata Clerck. 6 grosse, ausgewachsene Weibchen, z. Th. vor, 
z. Th. nach dem Eierlegen; sie sind wohl ohne Zweifel in der ersten 
Zeit des Aufenthaltes gesammelt worden. 

— Sturmii Hahn. 5 junge Stücke dieser oder einer mit ihr ver- 
wandten Art. 

— soTlers Walck. 3 Männchen und 4 Weibchen dieser über den grössten 
Theil Europas verbreiteten, auch von St. Helena, Südafrika und Japan 
angegebenen Art. Die Weibchen sind alle noch unentwickelt, und 
von den Männchen ist erst eines geschlechtsreif; es geht hieraus her- 


57 


vor, dass die Reife dieser Art in San Remo nicht früher eint ritt als 
bei uns, da ich im Ahrthal in der ersten Hälfte des April zahlreiche 
entwickelte Männchen fand. 

— acalypha Walck. 20 junge Stücke dieser auf Haiden und im Grase 
häufigen und über ganz Europa verbreiteten Art. 

■ — diodia Walck. 8 noch nicht entwickelte Stücke dieser Art, die an 
ähnlichen Orten vorkommt wie E. acalypha , aber nicht ganz so 
häufig ist. 

— cucurbUina Clerck, 4 junge Exemplare. Die Verbreitung der Art 
erstreikt sich über Europa, Algier, Palästina, Japan und Nordamerika. 
Dr. Luc. v. Heyden fand bei Bordighera im Winter 34 Arten, 

unter denen folgende 16 in der Sanremeser Beute nicht mit vorliegen: 

Dysdera Cambridgei Thor. , D. cröcata C. L. Koch , Salticus fomiicarkis 

Deg., Menemerus vicinus Sim., Euophrys finitima Sim,, Drassus severus 

0 L. Koch, Dr. hypocrita Sim., Dr. pubescens Thor., Trochosa cinerea, 

E., Lycosa paludicola Clerck, Textrix denüculata Oliv., Amaiirobiiis 

Scopolii Thor., Lithyphantes corollatios L. , Asagena phulerata Panz. 

Pholcus pltalangioides Schrank und Coeculus echinipes. 

Tausendtüsse: 28 . 

Chiwpoda: 13. 

Seidigem coleoptrata L., 2, gleich allen anderen unter Steinen oder im 
Gesiebe. 

Liikobius forficatus L., häufig. 

— picea s L. Koch, 1 . 

— calcaratus , häufig. 

— crassipes L. Koch, 6. 

:1: — aeruginosus L Koch, 5 Stücke dieser zierlichen, gelbrothen Art. 

Cryptops hortensis Leach, 1. 

Geophilus flavidus C. Koch, 2. 

— proximus C. Koch , 1 . 

— sodalis Mnt. (conchylogasfer Lutz.), 1. 

Scolioplanes crassipes 0. Koch, 1. 

* ‘Stigmatogaster gracilis Mnt., 4. 

Schendyla nemorensis C. Koch, 6. 

Diplopoda: 15. 

Glomeris pustulata Latr., 4. 

— conspersa C. Koch, 3. 

* Strongylosoma iadrense Pregl., häufig; bisher nur bei Zara gefunden. 

Brachydesmus superus Latr., gemein. 

Polydesmus denticidatus C. Koch, 3. 

Craspedosoma Batvlinsii I^each, 2. 

*Aulocosoma compactile Attems nov. gen. et nov. spec. In einem Weib- 
chen, das ich in San Remo gefunden und dem k. k. Hofmuseuni in 
Wien überlassen hatte, erkannte Herr Graf Attems eine neue Art, 
über welche er mir die folgende Beschreibung zusandte: 

„Aulocosoma nov. gen. Corpus cylindricum, segmenta carinis 
omnino destituta, dorso sulco medio longitudinali , dorso et lateribus 


58 


l 


striis profundis longitüdinalibus mar ata, tub er cutis seliger is senis 
minimis praedita. Ocidi manifesti , trianguläres. Äntennae longae, 
apice paululum incrassatae , pedes exiles, haud longi. Segmentorum 
numerus 30. 

A ulocoso m a co mp act i le n ov. sp. Corpus robustuni , parvum, fla- 
vimi, brunneo marmoratum, glabrum; pedes pallidi et antennae nigres- 
centes et caput dense crinita ; oculi trianguläres, utrimque ocellis 
6 compositi (1. 2. 3.) nigerrimi, tubercula setigera anterior um segmen- 
torum sat distincta, sed parva, posteriorum segmentorum vix conspicua. 
Löngitudo corporis 8 mm, latitudo corporis ad 1 mm. 

Mas ignotus. — Hab. San Remo.“ 

* Lysiopetalum foetidissimum Savi, gemein. 

Jidus pusillus Leach, gemein. 

— rußfrons C. Koch (= boleti C. K.), 2. 

• — longabo K , häufig. 

— trilineatus K., 1 . 

— sabulosiis L., häufig. 

* — — var. rubripes C. Koch, in besonders grossen Stücken. 

* — aurozonatus Berlese, 1, bisher aus Toscana und Kalabrien bekannt. 

Asseln: 10. 

Oniscidae: 8. 

* Ärmadillidium Willii C. L. Koch, nach Dollfuss = Oniscus macidatus F.; 
nicht selten unter Steinen. Bisher nur von Montpellier und von 
Cannes bis Mentone gefunden. 

* - — gramdatum Brndt., nicht selten. 

* — depressum Brndt., selten. 

— vulgare Latr., häufig. 

Forcellio laevis Latr., häufig. 

Metoponorthus pruinosus Brndt., nicht häufig. 

*Leptotrichus Panzern And. Sav., nicht häufig, bisher nur aus Aegypten, 
Algerien, Korsika, Spanien und Portugal bekannt. 

Philoscia muscorum Scop., nicht selten. 

Idotheidae: 2. 

Idothea marina L. (= I. tricuspidata Desm.), im Hafen von San Remo. 

— - acuminata Leach, ebenda. 

Weichthiere: 101. 

Land“ und Süsswasser-Molluskenr 58. 

Schnecken: 57. 

* Testacella bisidcata Risso, in mässiger Anzahl unter Brettern und Steinen 

im Nebengarten des Hotel de Nice. Da ich von dem interessanten 
Thiere, ohne dasselbe und seine Seltenheit zu kennen, aus der Masse 
der dort sich findenden Nacktschnecken doch mehr als ein halbes 
Dutzend Stücke mitnahm, bin ich überzeugt, dass die Art in San 
Remo nicht eben selten ist. Ich freute mich , durch Abgabe von 
dem Materiale Herrn Dr. L. Plate bei seiner Arbeit über die Anatomie 


59 


der Gattungen Baudebantia und Testacella (Spenge), Zool. Jahrbücher, 
1891) unterstützen zu können. 

Limax maximus L. var. Becampi Meneg., 5 Stück an Oelbäumen. 

— variegatm Drap., 7 Stück unter Steinen der Terrassen. 

Agriolimax agrestis L., sehr häufig im Nebengarten des Hotels. 

— laevis Müll., 6 ebenda. 

* Amalict gagates Drap., häufig ebenda. 

— marginata Drap., nicht selten auf den Terrassen, selten im Garten. 

* — carinata Risso , sehr häufig im Nebengarten , sonst seltener. 

Ausser in Süd-Europa auch in Frankreich und Süd-England. 
Hyalinia ( Polita ) Brapanaudi Beck, 4 Stück unter Steinen. 

— — septentrionalis Bgt., 2 ebenda. 

— (Vitrea) diapliana Stud., 1 gesiebt. 

*Zonites algirus L., ziemlich häufig im lehmigen Boden der Terrassen am 
Peirogallo und am Wege nach Verezzo unter Steinen. 

*Leucochroa candidissima Drap, type und 

* — — var. rimosa Cbr u. Jan., beide sehr häufig an den Felswänden am 

Fahrwege nachColla und am Wege nach dem Croce da Para unter Steinen. 
Patula rotundata Müll., 6 gesiebt. 

— rupestris Drap., 1 im Thale des Lorenzo-Baches. 

* Helix ( Trigonostoma ) nautiliformis Porro , 4 unter Steinen am West- 

gehänge des Lorenzo-Thales. 

— — angigyra Rosm., 2 ebenda. 

— — obvoluta Mül)., in mässiger Zahl ebenda. 

— ( Vallonia) costata Müll., häufig unterSteinen und Brettern im Nebengarten. 

* — (Carthusiana) cantiana Mtg. var. cemenelea Risso, einzeln an Pflanzen 

der Thalgehänge und unter Steinen. Ausser in Süd-Europa auch in 
Frankreich und Süd-England. 

* — (Euparypha) pisana Müll., 1 auf den Terrassen. 

* — ( Xerophil-a ) caespitum Drap., ebenda häufig, stark abändernd in der 

Färbung. 

* — — virgata Mtg. , 4 im Hotelgarten. Auch in Frankreich und Süd- 

England. 

* — — lauta Lowe, häufig ebenda und auf den Terrassen. 

— 1 — interseda Mich., 2. 

* — — rugosiuscula Mich., 1. 

* — — conspurcata Drap., häufig im Hotelgarten. 

— — trochoides Poir., 2 Stück an den Felsen am oberen Beragallo. 

— — terrestris Penn., gemein unter Steinen am Ufergehänge der 
Westbucht, seltener auf den Terrassen. 

* — (CocJdicella) acuta Müll., häufig auf den Terrassen am Anfänge 

des Weges nach San Pietro an Pflanzen und unter Steinen. 

— (Tachea) nemoralis , 13. „Auffällig ist neben der lebhaften und 
variabeln Bindenzeichnung die constante Hämmerung der Schalen- 
oberfläche“ In Gärten der Westseite. 

* — (Mactdaria) vermicidata Müll., häufig in manchen Gärten der West- 

seite, besonders an Rosmarin. Stark abändernd an Grösse und Färbung. 

* — (Helicogena) aspersa Müll., ziemlich häufig, besonders an den Agaven 

und Palmen des Hotelgartens; an Grösse und Zeichnung recht ver- 
schieden, meist stark, selten nur ganz undeutlich gebändert, 


60 


* Helix ( Helicogena) aperta Born., überall nicht selten. 

— — pomatia L., 1 sehr dickschaliges Stück von den Terrassen. 
*Cionella (Ferussacia) folliculus Gron., 1. 

* — (Caecilianella) petitiana Ben., ein Dutzend unter Steinen und gesiebt. 

* __ — acicula Müll. var. eburnea Risso, in massiger Anzahl bei San 

Remo und in den Grotten von Mentone lebend unter Steinen ge- 
sammelt. Die typische Form auch in Deutschland. 

*Stenogyra (Rumina) decollata L. , häutig, hie und da gemein, in allen 
Altersstufen in dem Lehmboden der Terrassen unter grösseren Steinen. 
*Pupa (Torquilla) similis Beng., sehr häufig an den Steinen der Terrassen- 
mauern und an den feuchteren Wänden der Häuser im östlichen 
Th eile der Stadt. 

*Pupa (Granopupa) granum Drap., selten an Steinen. 

* — (Coryna) Ferrarii Porro, ziemlich selten gesiebt. 

(Pagodulina) pagodula Desm., 2 gesiebt. 

— (Sphyradium) edentula Drap., 3 gesiebt. 

* — (Isthmia) Strobeli Gredl., 1 gesiebt. 

— ( Vertigo) pygmaea Drap., 1 gesiebt. 

*Clausilia (Delima) itala v. Mts. var. nigra Issel , 1 an einer Mauer 

oberhalb des Berigo. 

* Anoylus striatus Qu. u. Gaim. Verhältniss von Höhe zu Breite zu 

Länge der Schale 1:1,66:2,29- Nur in einer Stelle des Bernardo- 
Baches, doch da an der Unterseite der Steine häufig. 

Limnaeus ovatus Drap., häufig im unteren Torrente San Martino oberhalb 
der Landstrassenbrücke. „Kleine Form von nur bis 14 mm Länge 
und wahrscheinlich durchweg nur Jugendform von lagotis Sehr. (var. 
intermedia Fer.). u 

— pereger Müll., 6 aus dem Bernardo-Bache. „Kleine Form von nur 
7 — liy 2 mm Länge.“ 

— truncatidus Müll., in mässiger Anzahl aus dem unteren Martino-Bache. 

* Planorbis umbilicakts Müll. var. sidoangiäatus Phil., in geringer Zahl 

aus dem Torrente d’Olivi. 

*Acme lineata Hartm.,2 aus einer Strohbucht in einem hohlen Oelbaume gesiebt, 

* — sublineata Andr., 4 ebenso. 

Pomatias septemspiralis Raz., 5 gesiebt. 

Cy clostoma elegans Müll., ziemlich häufig unter Steinen der Terrassen. 
Muscheln: 1. 

Pisidium casertanum Poli, häufig im unteren Martino-Bache. 

Meeresmollusken: 43. 

Schnecken: 30. 

Alurex brandaris L., 2 stark beschädigte todte Stücke; an einer sandigen 
Strandstelle bei Bordighera wurde sie lebend und gut erhalten gefunden. 

— (Phyllonotus) trunciilus L, 3. 

Pisania maciäosa Lmk,, häufig an Steinen auf der Hafenseite des Molo. 
Pollia POrbignyi Payr., 1. Westbucht. 

Fasset incrassaia Müll., 5 an der Hafenseite des Molo. 

— costulata Ren., häufig und sehr gross, ebenda. 

, — corniculum Oliv., 1 an der Ostbuchtküste angeschwemmt. 


61 


Columbella rustma L., häufig an der Hafenseite des Molo. 

Conus mediterraneus Brug., 2 an der Westbucht. 

Cerithium vulgatum Brug., häufig in der Westbucht, zum Theil von Ein- 
siedlerkrebsen besetzt. 

Bittium reticulatum Costa, 4 aus angeschweiumten Korallen- und 
Pflanzenstöcken. 

Litorina neritioides L., an Steinen der Westbucht gemein. 

Rissoa ventricosa Desm., 1 an einer Felsklippe der Westbucht, 

Alvama calathisms Mtg., 2 wie Bittium. 

— Montagui Payr., 1 ebenso. 

— subcrenulata Schwartz, 6 ebenso. 

— punctura Mtg., 1 ebenso. 

— tenera Phil., in Anzahl ebenso. Lebend dunkelbraun, einfarbig. 
Truncatella truncatula Drap., 1 junges Stück, ebenso. 

Phasianella piäla L, 1 ebenso. 

Zizyphinus exiguus Pult., 3 an einer Felsklippe der Westbucht. 
Trochocochlea turbinata Born, gemein an Steinen der Westbucht. 

— mutabilis Phil., 1 ebenda, 

Gihbula divaricata L , 2 ebenda. 

* — Bichardi Payr., sehr häufig ebenda. Nur im westlichen Mittel meere. 
Fissurelia rubecula L., 2 ebenda. 

Emargimda elongata Costa, 1 an einem angeschwemmten Korallenstock. 
Patella caenäea L. type und 

— — var. tarentina Lmk., beide gleich gemein an Steinen der West- 
bucht. Die Thiere werden von den Sanremesern gegessen. 

Chiton cajetanus Poli, 1 an einer Felsklippe der Westbucht. 

Muscheln: 13. 

Teredo navalis L., in Holz angescliwemmt. 

Mactra corallina L., 3 Klappen ebenso. Lebend am Sandstrand bei 
Bordighera. 

Venus gallina L., 2 Klappen ebenso. 

Tapes geographicus Gmel., 1 Klappe ebenso. 

Petricola lithophaga Retz., häufig in den Uferfelsen und Strandgeröllen 
der Westbucht eingebohrt, ebenso bei Monaco in hartem Kalk. 

Chama griphoides L., 1 angeschwemmt, 

Area (Barbatia) barbata L., 1 aus einem angeschwemmten Korallenstocke. 

— (Acar) lactea, 6 ebenso. 

Pectuncidus glycimeris L., 2 Klappen angeschwemmt, 

Pecten opercularis L., 1 Klappe ebenso. 

— (Hinnites) pusio L., 1 Klappe ebenso. 

Anomia ephippium L., 2 Klappen ebenso. 

Ostrea edidis L, 1 Klappe ebenso. 

Hassal hat aus der weiteren Umgebung von San Remo, d. h. aus 
dem ligurischen Küstengebiete von Ventimiglia, bis Taggia 62 Arten von 
Land- und Siisswasserconchylien bekannt gemacht, von denen nach 
Boettger’s Ansicht 28 mit von mir gesammelten zusammenfallen, 4 
jedenfalls falsch bestimmt sind und 30 von mir nicht beobachtete sicher, 
möglicher- oder wahrscheinlicherweise als Bewohner des fraglichen Ge- 
bietes zu betrachten sind. Letztere sind: Buliminus detritus Brug., B. 


62 


* 


monianus Drap., B. obscurus Müll., B. quadridens Müll., Bythinia tenta- 
culata L., *Clausilia bidens L., CI. bidentata Ström, var. nigricans , *CZ. 
solid a Drap., CI. ventricosa Drap,, Hydrobia ventrosa Mtg., Helix arbusto- 
rum Müll., II. carthusiana Müll., *//. cinctella Drap., 'II. ciliata Stud., 
BI. explanata, Müll., *H. zonata Stud., II. incarnata Müll., II. lapicida 
Müll., *//. niciensis Per., II. puhhella Milli., ''II. scrpentina, Per., Lim- 
naeus palustris Müll., Planorbis contortus Müll., Modicella avenacea Brno'., 
Orcula dolium Drap., * Tor quill a variabilis Drap., Balea perversa L., Cio- 
nella lubrica Müll., Lauria cylindracea Costa, Hyalima cellaria Müll. Von 
den von mir in einem Winter erbeuteten 57 Arten fehlen jener Liste 29. 


* 4 • 


63 


II. Wurde Bernstein von Hinterindien nach dem Westen 

exportirt? 

Von A. B. Meyer, 


In den „Abhandlungen der Gesellschaft Isis in Dresden“ (1892, Abh. 
Nr. 7) habe ich vor Kurzem über Bernstein berichtet, der in Barma ge- 
funden wird und von dem mir eine Probe aus dem Indian Museum in 
Calcutta zugekommen war. Die chemische Untersuchung ergab, dass er 
dem Ostsee- Bernstein (Succinit) in Bezug auf die Bernstein säure (2°/ 0 ) 
ähnelt (Succinit entwickelt 3<y 0 bis 8°/ 0 ), während er dem sizilischen 
(Simetit) in Bezug auf die Fluorescenz näher steht. Ich erhielt dann von 
dem Kaiserlichen Deutschen Konsul in Rangun weiteres Material, allein 
dieses erwies sich nach Dr. Ost er ’s Untersuchungen dem baltischen Bern- 
stein so vollkommen gleich, dass ich überzeugt bin, es ist dorthin expor- 
tirter und von dem Konsul in gutem Glauben gekaufter preussischer 
Succinit. Ich zweifle deshalb nicht daran, weil Dr. Noetling kürzlich 
speciell erwähnt hat (Rec. Geol. Survey of India, 1893, XXVI, 38), dass 
man jetzt in Mandalay diesen auch kaufen könne. 

Der ebengenannte Forscher hat (1. c. 31 — 40) eingehende Angaben 
über das barmanische Vorkommen gemacht („On the occurrence of Burmite, 
a new fossil Resin from Upper Burma“), nachdem das Material von Dr. Helm 
untersucht (1. c. 1892, XXV, 180) und mit dem Namen Bur mit belegt 
worden war (1. c. 1893, XXVI, 31). Die Resultate differiren allerdings 
von denen, die Dr. Oster an dem Stück aus dem Indian Museum erzielte, 
allein, da Dr. Helm ’s Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, so 
muss ich dies vorläufig unerörtert lassen, zumal hier nur die Frage be- 
sprochen werden soll, ob im Alterthume von diesem barmanischen Bern- 
stein nach dem Westen ausgeführt worden sei oder nicht. Die folgenden, 
so viel ich weiss, bisher nicht genügend berücksichtigten Stellen des Pli- 
nius sind es, welche mich glauben lassen, dass es wohl der Fall gewesen 
sein mag. 

1) . . . ln Aegypto nasci simili modo ac vocari sacal, item in India 
gratiusque ipso ture esse In dis . . . (Ed. Detlefsen, 1873, vol. V, lib. 
XXXVII, sect. 11, § 36). Nach der Uebersetzung von Strack (1855, 
537) heisst dies: „In Egypten erzeuge es [nachNikias nämlich] sich auf 
ähnliche Weise [durch Sonnenstrahlen nämlich, die in die Erde dringen] 
und werde dort Sakal genannt; ebenso und noch lieblicher in India, wo 
es den Einwohnern statt Weihrauch diene.“ Wittstein (1882, V, 245) 
übersetzt: „Auf dieselbe Weise soll er in Aegypten entstehen und dort 
den Namen Sacal führen; ferner in Indien, und die Indier sollen ihn dem 


Ges, Isis tu Dresden, 1893. — Abh. 2. 


64 


Weihrauch vorziehen. u Yon Niklas ist Nichts mehr bekannt; Dr. Jacob 
(Z. D. M. G. 1889, 43, 354) meint, es sei vielleicht Nicias Maleotes gemeint. 

2) Ctesias in Indis flumen esse Hypobarum, quo vocabulo significetur 
omnia bona eum ferre, fluere a septentrione in exortivum oceanum iuxta 
montem silvestrem arboribus electrum ferentibus. arbores eas psitthaehoras 
vocari, qua appellatione significetur praedulcis suavitas (ibid. p. 205, sect. 
11, § 39). Nach Wittstein (246): „Nach Ctesias giebt es in Indien 
einen Fluss, Namens Hypobarus, welches Wort anzeigen solle, dass er 
alles Gute in sich trage; derselbe fliesse von Norden her in den östlichen 
Ocean neben einem bergigen Walde vorbei, dessen Bäume Bernstein trügen, 
und diese Bäume heissen Siptachorae, was so viel als äusserst angenehme 
Süssigkeit bedeute.“ Ctesias lebte 400 v. Chr. und in den von seinen 
Schriften noch vorhandenen Fragmenten (ed. Baehr, 1824, 252) heisst es 
(nach mir glitigst von Prof. May ho ff in Dresden gegebener Uebersetzung) : 
„Es ist ein Fluss, der durch Indien fliesst, nicht bedeutend, sondern etwa 
2 Stadien [ 1 / 20 D. Meile] breit; er heisst auf Indisch Hyparchos, auf 
Griechisch bedeutet das: Alles Gute hervorbringend. Dieser führt 30 Tage 
im Jahre Bernstein, denn man sagt, dass auf den Bergen Bäume seien, 
die über das Wasser hervorragen (denn die Berge werden von Wasser 
überströmt); dann ist die Zeit, wo die Bäume Thränen hervorbringen, wie 
der Mandelbaum oder die Fichte oder andere Bäume, hauptsächlich aber 
30 Tage lang im Jahre. Dann fallen diese Thränen in den Fluss und 
werden fest. Dieser Baum heisst auf Indisch Siptachora, auf Griechisch 
bedeutet es: sehr süss und von dort sammeln die Indier den Bernstein. 
Es sollen die Bäume auch als Frucht Trauben hervorbringen, wie der Wein- 
stock und die Beeren sollen sie haben wie die pontischen Nüsse.“ 

3) Hie ultra Indiam fieri dixit e lacrimis meleagridum avium Mele- 
agrum deflentium (ibid. p. 205, sect. 11, § 40). Nach Strack (ibid. 537): 
„Dieser [nämlich Sophokles] giebt an, er entstehe jenseit India's aus den 
Thränen der Meleagriden d. h. der Vögel, die Meleagros Tod beweinen.“ 
Nach Witt st ein (ibid. 246): „Er sagt nämlich, der Bernstein fliesse hinter 
Indien aus den Thränen der Vögel des Meleager, die ihren Herrn bewein- 
ten.“ — Sophokles’ Tragödie „Meleagris“ ist verloren. Die Verbindung 
der Entstehung des „hinterindischen“ Bernsteins mit der Meleagersage 
dürfte nur poetische Licenz sein. Entstehung des Bernsteins aus Thränen 
kommt sonst vor: „ . . . Apollonius ging soweit dass er . . . eine angeb- 
liche keltische sage herbeizieht von der entstehung des bernsteins aus den 
tränen, die Apoll bei den Hyperboreern vergossen habe.“ (Müllenhoff: 
Altertumskunde I, neuer Abdr. 1890, 220). Sophokles wählte die Perl- 
hühner ihres Gefieders wegen, das thränenbetropft aussieht. Dass er sie 
von Afrika oder Arabien (Hehn) nach Hinterindien versetzte, ist entweder 
poetische Willkür oder sein Glaube gewesen. (Siehe auch Surber: Die 
Meleagersage. Diss., Zürich 1880, 21, 121, wo p. 124 darauf hingewiesen 
ist, dass die Sage von der Verwandlung in Vögel, um Verstorbene zu be- 
weinen, mehrfach vorkommt. Vgl. Helm: Kulturpflanzen und Hausthiere, 
3. Aufl., 1877, 316.) Nach Sophokles wäre also im 5. Jahrhundert v. 
Chr. die Herkunft des Bernsteins aus Indien angenommen gewesen. Auch 
aus Persien, Arabien nahe, könnte Bernstein gekommen sein, denn Plinius 
(XXXVII, 39 bei Müllenhoff: Germ, ant., 112) sagt: »Mithridates -ft 
Carmaniae litoribus insidam esse quam vocari Seritam, cedr.i generi silvosani, 


65 


inde defluere in petras. u Früher las man statt Carmaniae : Germaniae. 
Carmanien war eine persische Provinz am arabischen Meerbusen. Die 
Lesart Carmaniae stammt von Detlefsen, und Mü lienhoff adopirte sie; 
die Handschriften sagen alle Germaniae , allein Cedern gab es da nicht 
und Mithridates lebte 121— 64 v. Chr. in Asien und kannte Germanien 
gar nicht, weshalb es zweifellos Carmanien heissen muss. 

4) Nasci et in India certum est . Archelaus qui regnavit in Cappa- 
docia illinc pineo cortice inhaerente tradit advehi rüde polirique adipe suis 
lactentis incoctum (ibid. p. 207, sect. 11, § 46). Hach Strack (539) „Auch 
das ist gewiss, dass er sich auch in India erzeugt. Archelaos, der in 
Kappadokia [Kleinasien] regiert hat [starb 17 n. Chr.], sagt, derselbe komme, 
roh und noch mit Pinienrinde behaftet, von dort her und werde, in Schmalz 
von einer säugenden Sau gekocht, geglättet.“ Külb (1855 p. 4302) über- 
setzt „verfeinert“. Wittstein (248): „Dass auch in Indien Bernstein vor- 
kommt, kann nicht bezweifelt werden. Archelaus, der Cappadocien be- 
herrschte, sagt, er werde von dort im rohen Zustande, an Fichtenrinde 
hängend hervorgebracht und durch Kochen mit dem Schmalze einer säu- 
genden Sau blank gemacht.“ 

Man findet diese vier, hier angezogenen Stellen des Plinius auch 
bei Müllenhoff „Germania antiqua“ 1873, 111, 112 und 115, wo alles 
auf Bernstein Bezügliche zusammengestellt ist 

Nach Jacob hiess Bernstein im 16. Jahrhundert im Barmanischen 
pajang (Z. D. M. G. 1889, 43, 356, wo auch andere alte Namen), nach 
Balfour (Cyclopaedia of India 1885, I, 89) jetzt ambeng, nach Palle- 
goix (Dict. fing. Thai, Paris 1854) heisst grauer und gelber Bernstein im 
Siamesischen amphan, gelber ausserdem amphan thong (thong = Gold), 
auch giebt es einen amphan khipla. 

Dr. Helbig (Atti d. R. Accad. dei Lincei 1876 — 77, ser. 3, Mem, CI. 
di sc. mor. etc. vol. I, Roma 1877, „Osserv. sopra il commercio dell’ am- 
bra, u p. 425) kommt zu folgendem Resultate: „Risulta dunque, che i Greci 
facevano uso dell’ ambra soltanto nel periodo primitivo, quando subi- 
vano ancora l’influenca della civiltä asiatica, e poi di nuovo all’ 
epoca imperiale, quando la loro arte cominciava a decadere. All’ incontro 
durante il periodo propriamente classico, che comincia coli’ emancipazione 
dell’ Influenza orientale e finisce coli principio della decadenza, essi s’aste- 
nevano dall’impiegarla nell’arte e nell’industria.“ Ygl. auch p. 429, Zeile 
17—24 und p. 433, Zeile 5 — 1 von unten, sowie p. 424, wo es heisst: 
„I Greci all’epoca omerica assegnarono all’ambra un grande pregio.“ Dr. 
Olshausen (Z. f. E. 1891, Yerh. 297) bemerkt dazu, dass bezüglich des 
Bernsteins schwerlich an einen Einfluss direct von Asien aus zu denken 
sei, da der Bernstein in Asien wenig benutzt worden zu sein scheine und 
sagt ferner (L c. 295), dass er „in alter Zeit im ganzen Orient keinen- 
falls eine wesentliche Rolle gespielt“ habe. „Wenn sich daher zu 
Mykenae neben massenhaftem Gebrauch des Bernstein ein starker orienta- 
lischer Einfluss zeigt, so ist eben nur festgestellt, dass sich beide gleich- 
zeitig finden, ohne dass ersterer durch letzteren bedingt ist“ (1. c. 297 
Anm.). Ob sich dieser Ausspruch rechtfertigen lässt — mir scheint es 
nicht — , wird man erst dann beurtheilen können, wenn Asien prae- 
historisch und archaeologisch besser bekannt ist als jetzt. Wenn nun 
Dr. Helm (Sehr. Naturf. Ges. Danzig, N. F. Bd. YI, Heft 2, S. 6 des S. 


66 


A.) Bernstein aus den Königsgräbern von Mykenae seiner chemischen 
Eigenschaften wegen für „baltischen“ erklärt, unter welchem Kamen er 
den der Nord- und Ostsee, sowie den bis Mitteldeutschland gefundenen 
versteht (s. auch 1. c. VII, Heft 4, S. 8 des S. A.), so ist das, meiner An- 
sicht nach, zu schnell geschlossen. Der Mykenae-Bernstein kann auch 
anderen, noch unbekannten Ursprunges sein. Nach Mtillenhoff aller- 
dings holten die Phönizier den Bernstein von den Nordseeküsten (D. Alter- 
tumskunde, 2. Aufl. 1890, I, p. VI): „ . . . ich glaube es doch erreicht 
zu haben dass hinfort im ernst unter einigermassen verständigen leuten 
nicht mehr davon die rede sein kann ob die Phoenizier oder Griechen 
den bernstein aus der Ostsee geholt haben.“ Und (p. 214): „der bernstein 
wird niemals . . . weder bei Herodot noch sonst irgendwo unter den 
handelsartikeln die die alten über den Pontus bezogen erwähnt, und keine 
sage oder andere notiz über die herkunft des rätselhaften fossils . . . weist 
in diese richtung.“ Ferner (p. 216): „mit grosser Sicherheit darf man 
daher annehmen dass der samländische, aestische bernstein erst um die 
mitte des ersten Jahrhunderts nach Ohr. gegenständ des directen handels- 
betriebes über land wurde.“ Endlich (p. 222): „Phoenizier brachten den 
Griechen den bernstein wie das zinn“, und zwar das Zinn von England, 
den Bernstein von der cimbrischen Halbinsel. Movers (Phönizier, 1856, 
II 3, 62) erwähnt den Bernstein gar nicht als Handelsartikel der Phöni- 
zier und bezüglich des Zinns ging er so weit, zu behaupten, dass das 
britannische auch nach Indien gebracht, also selbst hier nicht aus dem 
nahen Hinterindien bezogen wurde; allein schon 1873 hat v. Baer (Reden 
III, 316) ihn widerlegt. Die Phönizier holten das Zinn aus Ophir, dessen 
Lage in Hinterindien so gut wie sicher gestellt ist (1. c. 112). Mit dem 
Zinn, dem Elfenbein, dem Santelholz, den Pfauenfedern und anderen Kost- 
barkeiten können sie aber sehr wohl auch den Bernstein nach dem Westen 
gebracht haben*), zu welcher Annahme man um so mehr veranlasst wird, 
als, wie wir sahen, Sophokles, nach Plinius, Hinterindien speciell als 
Heimath des Bernsteins nennt, abgesehen davon, dass eine Reihe anderer 
Schriftsteller des Alterthums Indien als Fundort angeben. Dieses schliesst 
den gleichzeitigen Bezug von der Nordsee nicht aus. Die angezogenen 
Stellen bei Plinius scheinen mir bisher zu sehr ausser Acht gelassen 
worden zu sein und man wird nicht umhin können, sie in Zukunft bei 
der Discussion dieser Fragen ihrer Bedeutung nach zu würdigen. 

Ich habe schon in dem Eingangs citirten Aufsatz in den „Abhand- 
lungen der Gesellschaft Isis“ auf verschiedene Reise- und andere Werke 
hingewiesen, welche von der weiten Verbreitung und vielfachen Anwendung 
des Bernsteins in Barma und auch von dem Exporte von dort sprechen**), 
speciell auch auf Anderson’s „Report on the Expedition to Western 
Yunan“ (Calcutta 1871). In diesem Werke findet man (p. 108 Anm.) die 
auffallende Notiz, dass eine Silberkette mit einer Anzahl kleiner daran 
hängender Instrumente als häufig vorkommender und brauchbarer Schmuck 

*) Nach Hirth (China and the Roman Orient 1885, 41 und 244) wäre baltischer 
Bernstein von Syrien über Land nach China gekommen, aber wenn dieses sich auch 
so verhielte, so handelt es sich dabei um eine spätere Zeit. 

**) Auch nach Noetling (Rec. Geol. Survey of India 1893, XXVI, 37) werden 
grosse Mengen nach China exportirt und existirt eine umfangreiche und Jahrhunderte 
alte Bernstein-Industrie in Barma (S. 39). 


67 


der Männer bei den Shans (Sandathal) im Stile fast identisch sei mit dem 
Körper des Schmuckes, den v. Sacken im „Grabfeld von Hallstatt“ (1868), 
Tafel XIII, Figur 1 abgebildet habe. Ebenso (p. 107 Anm.) bezieht sich 
Anderson bei Riechfläschchen der Frauen von dort aufSacken’s Figur 
16, Tafel XIV und nennt die Aehnlichkeit der Ornamente höchst auffallend. 
Sacken’s Figur stellt eine Fibel dar. Endlich sagt er von Ohrringen der 
Shanmädchen (p. 105 Anm.): „This earring has a most remarkable resem- 
blance in every particular to that figured by Sacken pl. XIII, fig. 4; indeed, 
so much so that it Stands for the European Ornament of that early period.“ 
Alle diese Schmuckstücke der Shans sind von Silber, die Hallstattgegen- 
stände aus Bronze. Das Object, das Figur 4, Tafel XIII abgebildet ist, 
nennt v. Sacken (p. 154) „Beschlägstück (eines Stabes?) von Kettchen 
umgeben u — Ich erhielt auf meine Bitte vom Indian Museum in Calcutta 
Photographien dieser Shan-Objecte und konnte daher die von Anderson 
behauptete Aehnlichkeit einer Controlle unterziehen. Die zuletzt genannten 
Ohrringe haben eine nur ganz äusserliche und allgemeine Aehnlichkeit mit 
dem „Beschlägstück“, welche das Wesen der Sache nicht angeht. Das Riech- 
fläschchen hat insofern eine äussere Aehnlichkeit mit der Fibel, als bei 
beiden an einem halbmondförmigen Körper Kettchen mit Zierplättchen 
hängen, bei dem Shan-Schmuckstücke rhombische, bei dem Hallstätter mehr 
pyramidal geformte. Solche äussere Aehnlichkeiten zwischen toto coelo 
verschiedenartigen Gegenständen aus zwei Weitenden, so zu sagen, lassen 
sich zahlreich auffinden, ohne dass sie das Mindeste besagen. Was endlich 
die Silberkette mit daranhängenden Instrumenten im Vergleiche mit dem 
,, Anhängsel“ von Hallstatt anlangt, so ist die allgemeine Aehnlichkeit die, 
dass in beiden eine Radform mit Kettchen daran vorkommt, sonst aber 
ist in den Einzelheiten der Ornamente nicht die allermindeste Aehnlichkeit, 
vielmehr totale Verschiedenheit vorhanden. Dieser Hinweis auf Hallstatt 
ist daher ganz verfehlt und irreleitend, anderenfalls würde er das grösste 
Interesse in Anspruch nehmen können. Es kommen, wie bekannt, Bern- 
steinperlen in den Gräbern Hallstatts massenhaft vor, ferner unter anderem 
Elfenbeinschwertknäufe mit Bernstein verziert (Sacken, Tafel V, 2, Seite 27), 
allein es hat dieses Nichts mit hinterindischen Schmuckstücken zu thun, 
wenn auch einstmals vielleicht auch Bernstein zusammen mit den anderen 
bekannten Producten aus Ophir in die Westländer, bis Griechenland oder 
selbst weiter, gelangte. Es wäre in der That auffallend, wenn die Phönizier 
das Elfenbein, die Pfauenfedern, das Santelholz, das Zinn, Edelsteine, Gewürze 
und Anderes in Hinterindien verladen, den im Lande selbst aber hoch- 
geschätzten, verbreiteten, auffallenden und ausserdem so leicht transportablen 
Bernstein zurückgelassen haben sollten, wozu noch in Betracht gezogen 
werden muss, dass altgriechische Schriftsteller selbst die indische und 
Sophokles speciell die hinterindische Herkunft angeben. 

Nachschrift. Während der Correctur erhalte ich von Herrn Dr. Helm 
einen Abdruck seiner Abhandlung aus den Schriften der Naturforschenden 
Gesellschaft zu Danzig, N. F. VIII. Bd., 3. Hft. „Ueber Birmit u , wie der 
barmanische Bernstein nunmehr statt Burmit (s. oben S. 63) von ihm ge- 
nannt wird. (Ueber die Schreibweise von „Barma“ habe ich früher ein- 
mal eine Notiz gegeben: Publ. d. K. Ethn. Mus. Dresden 1883, III, 46, 
Anm. 4; es kommt Birma, Bürma, Byrma, Burma, Berma und Barma vor. 


68 


Deutsche Sprachforscher schreiben meist Barma, weshalb ich es auch thue.) 
Der von Dr. Helm untersuchte Bernstein entwickelte keine Bernsteinsäure, 
während der, welcher Dr. Oster vorlag, 2 °/ 0 ergab. Ich hebe noch hervor, 
dass die Stücke „häufig mit vermoderten Holz- und Rinden Stückchen durch- 
setzt“ sind, was an die oben Seite 65 angezogene Aeusserung des Arche- 
laos erinnert, der von dem indischen Bernstein sagte, dass er noch mit 
Pinienrinde behaftet von dort herkomme. Ob die Provenienz der Probe 
aus dem Indian Museum in Calcutta, die Dr. Oster untersuchte, eine andere 
ist, wie die der Helm’schen Stücke, wird durch weitere Forschungen fest- 
zustellen sein. 


Dresden, den 15. Juli 1893. 



Abhandlungen 

der 

naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dres de n 



/ 



71 


III. Die Diamantengruben von Kimberley. 

Vortrag, gehalten in der naturwissenschaftlichen Gesellschaft ,,Isis u am 20. April 1893 

von Dr. Alfred W. Stelzner 


Der Ausspruch des alten Aristoteles, nach welchem Afrika immer 
etwas Neues bringt, hat sich in den letzten Jahrzehnten wieder einmal 
und zwar im wahrsten Sinne des Wortes in der „glänzendsten“ Weise 
bewährt: denn der Süden des schwarzen Welttheiles hat inmitten von 
Wüsten und Einöden 1867 den Kimberley -District und 1887 den Wit- 
watersrand entdecken lassen und während der erstere seitdem 3 cbm funkelnder 
Diamanten geliefert hat, sind von dem letzteren bereits 5 cbm Gold in 
den Yerkehr gebracht worden und die Förderung dieser 8 cbm Gold und 
Edelgestein, welche selbst die Schätze des märchenhaften Landes Ophir 
in Schatten stellen dürften, hat sich nicht nur über die ganze Erde hin- 
weg bemerkbar gemacht, sondern sie hat vor allen Dingen auch in Afrika 
selbst den unmittelbaren Anstoss zu einer nie geahnten Entwickelung 
der Cultur und des wirtschaftlichen Lebens gegeben, den Anstoss zu 
Neuerungen, welche für die ganze weitere Erschliessung Afrikas die aller- 
höchste Bedeutung haben werden. 

Und zu gleicher Zeit haben die bergmännischen Aufschlüsse, welche 
die Gewinnung jener 8 cbm erheischte, auch der wissenschaftlichen Welt 
die grössten Ueberraschungen bereitet und ihr nicht nur reiche Belehrung 
gewährt, sondern auch eine Vielzahl hochinteressanter Probleme zu lösen 
gegeben. 

Dass ein Würfel von 2 m Kantenlänge, der sich nach seinem räum- 
lichen Verhältnis zu dem ganzen gewaltigen Continent einem Sandkorne 
an der Meeresküste vergleichen lässt, Wirkungen der soeben angedeuteten 
Art ausgeübt haben soll, mag zunächst für eine arge Uebertreibung ge- 
halten und nur ungläubig aufgenommen werden; indessen gewinnt die 
Sachlage ein anderes Ansehen, sobald wir uns zu ihrer Beurteilung 
einmal anderer Masseinheiten bedienen und alsdann zu dem Ergebnisse 
gelangen, dass jener Würfel, den Südafrika in den letzten 25 Jahren 
lieferte, einen Marktwerth von mehr als U /4 Milliarde Mark gehabt hat, 
und wenn wir weiterhin sehen werden, dass jener Würfel von 2 m Kanten- 
länge sich thatsächlich gegliedert hat in 

50 Millionen Karat Diamanten 
und in 3 Millionen Unzen oder rund 
96 000 kg metallischen Goldes. 

Nun erst wird der Einfluss verständlich werden, den er für die ein- 
geborene und für die eingewanderte Bevölkerung gehabt, den er auf 

1 * 


Ges. Isis in Dresden, 1893. — Abh. 8. 


72 


Handel und Industrie, auf Städtegründungen und auf das Verkehrswesen 
ausgeübt hat. 

Während die südafrikanischen Hochländer bis gegen 1870 nur hier 
und da von Boern besiedelt waren und während um jene Zeit der 
Gesammtexport der Capcolonie nur einen Jahresbetrag von 2 Millionen £ 
erreichte, von welchem etwa 3 / 4 durch Wolle gedeckt wurden, bezifferte 
sich der Waarenumsatz für ganz Südafrika in 1892 auf rund 26 x / 4 Mill. £, 
nämlich auf 12 1 / 2 Mill. Import und 13 3 / 4 Milk Export und dabei bestand 
jetzt die grössere Hälfte des letzteren aus Diamanten und Gold. 

Da bei diesem Umschwünge der Verhältnisse Bergleute die wichtigsten 
Actoren gewesen sind, so kann es auch nicht Wunder nehmen, dass jener 
seine Wellen bis nach Freiberg fortgepflanzt hat, dass unter den Berg- 
ingenieuren zu Kimberley und am Witwatersrand auch gar manche alte 
Freiberger eine einflussreiche und hochgeachtete Rolle spielen und dass 
nun diese, in freundlicher Erinnerung an ihre alma mater, zeitweise Ge- 
steine und Erze, Geschäftsberichte, Karten und Bilder herüberschicken, 
so dass wir Erzgebirger über den Bergbau in Griqualand West und in 
Transvaal ziemlich gut unterrichtet sind. 

Da diese letztgenannte Thatsache auch Herrn Geheimen Hofrath 
Dr. Geinitz bekannt ist, so hat er es für zweckmässig erachtet, mich 
aufzufordern: Ihnen, meine Herren, einmal einen Bericht über das neue 
Ophir zu erstatten. Ich folge gern seiner Einladung und will nun ver- 
suchen, ihr im Folgenden so gut gerecht zu werden, als das für Jemanden 
möglich ist, der Südafrika nicht selbst besucht, sondern eben nur in der 
angedeuteten Weise aus der Ferne kennen gelernt hat. 

Ich gestatte mir also, Sie zu bitten, mich in Gedanken nach Kimberley 
zu begleiten. Die Reise von London aus dahin erfordert heute nur noch 
19 Tage. Ausgezeichnete Steamer bringen uns nach der Capstadt oder 
nach Port Elizabeth und von da aus legen wir den noch übrig bleibenden 
1040 bezw. 780 km langen Landweg in 36 bezw. 27 Stunden mit der 
Eisenbahn schnell zurück. 

Kimberley liegt in Griqualand West, jetzt zur Cap-Colonie gehörig. 
Es ist eine Stadt von 29 000 Einwohnern; nur 3 km abseits, und durch 
elektrische Tramway mit dem Hauptorte verbunden, ist neuerdings Beacons- 
fieid mit weiteren 10 000 Einwohnern entstanden. 

Wollen wir uns geographischer ausdrücken, so können wir sagen: 
Kimberley liegt unter 28° 43 / s. B. und 24° 16' östl. Länge von Greenwich, 
zwischen dem Vaal- und Oranje River, in einer Meereshöhe von 4042 
Fuss oder 1232 m. 

Eine 22 km lange Leitung muss die beiden Städte mit Wasser aus 
dem Vaal versorgen, denn um jene breitet sich nach allen Seiten eine 
sterile Hochebene aus. 

Terrain einschnitte und bergbauliche Aufschlüsse belehren uns darüber, 
dass diese Hochebene im Wesentlichen aus einer sehr mächtigen und 
nahezu horizontal gelagerten Wechselfolge von Sandsteinen, Conglomeraten 
und Schieferthonen besteht. Leider führen diese Sedimente entweder 
keine oder nur sehr wenige Versteinerungen ; ihr Alter hat sich daher 
noch keineswegs an allen Orten mit Sicherheit feststellen lassen, indessen 
scheint es nach den vorliegenden Nachrichten, dass die Schichten theils 
obercarbonisches, theils triasisches, z. Th. vielleicht auch jurassisches Alter 


73 


haben. Vorläufig hat man sie unter den Namen Karoo-Formation (Karoo- 
Wüste) zusammengefasst. Eine oder mehrere Abtheilungen dieser Karoo- 
Formation umschliessen Kohlenflötze, von denen einige durch Glossopteris 
charakterisirt sind; die Ausbeutung der Kohlen hat bereits begonnen und 
es dürfte ihr für die zukünftige Entwickelung des Landes eine nicht un- 
bedeutende Rolle beschieden sein. 

Weiterhin ist zu erwähnen, dass sich an dem Aufbaue der Karoo- 
Formation auch deckenförmige Ergüsse von Diabasen, Quarzdiabasen und 
Olivin diabasen (Melaphyren) betheiligt haben, die nun als plattenförmige, 
bis 100 und mehr Meter mächtige Einlagerungen zwischen den sedimen- 
tären Schichten bemerkbar werden und dass anderweite Diabase die Karoo- 
Formation an zahlreichen Orten gang- und stockförmig durchsetzen. 

Wenn ich dem Gesagten noch hinzufüge, dass weite Flächen der 
Hochebene von ein bis zwei Meter mächtigen Krusten diluvialer Kalktuffe 
bedeckt werden, dass diese Kalktuffe von Cohen für die Absätze flacher, 
diluvialer Seen gehalten werden und dass sich über ihnen stellenweise 
auch noch schwache Decken alluvialer Sande ausbreiten, so dürften hiermit 
die geologischen Verhältnisse von Griqualand West und wohl auch die- 
jenigen von den benachbarten Theilen des Oranje- Freistaates für unsere 
Zwecke hinlänglich charakterisirt sein. 

Es war nun im Jahre 1867, als einem dem Waidwerk nachgehenden 
Engländer unter den Kieselsteinen, mit denen die Kinder einer Boernfarm 
am Oranje River , unweit dem heutigen Hopetown , spielten , ein Stein 
wegen seines ganz besonderen Glanzes auffiel. Er nahm ihn mit und 
zeigte ihn Goldschmieden; diese hielten den Stein zunächst für Topas, 
aber bald kam die Wahrheit an den Tag: es war ein 21 J / 4 Karat schwerer 
Diamant. 

Zwei Jahre später, 1869, fand ein Hottentotte einen zweiten, noch 
grösseren Stein, der sich als ein Diamant von 83 Karat entpuppte und 
nachdem er aus einer Hand in die andere gegangen und dabei sein Preis 
von 400 auf 1200 £ gestiegen war, schliesslich als „Star of South Afrika“ 
in den Besitz des Lord Dudley gelangte. 

Daraufhin begann der neue südafrikanische Diamanten-„Rush“ und 
bald zeigte es sich, dass die Geröll ablager ungen des Vaales, kurz oberhalb 
seiner Einmündung in den Oranje River, am erträgnissreichsten waren. 
Hier sind denn auch die Wäschereien ununterbrochen bis auf den heu- 
tigen Tag fortgesetzt worden , namentlich in der Nähe des Städtchens 
Barkly, 110 km NNW. von Kimberley gelegen. Sie sollen heute gegen 
1000 Weisse und eine entsprechende Anzahl von eingeborenen Arbeitern 
beschäftigen und Steine reinsten Wassers liefern; immerhin hat sich die 
Arbeit in diesen „River diggings“ nicht über einen mühseligen Kleinbe- 
trieb zu erheben vermocht und in der Regel hat sie nur einen jährlichen 
Ertrag von etwa 30 000 Karat, d. i. von wenig mehr als 6 kg geliefert. 

Die wirthschaftliche Bedeutung der Wäschereien ist also eine be- 
schränkte und das wissenschaftliche Interesse, welches die letzteren bean- 
spruchen, dasselbe, welches auch alle anderen nichtafrikanischen Vorkomm- 
nisse von Diamanten auf secundärer Lagerstätte wachrufen. 

Ganz anders verhält es sich mit der zweiten Art des Diamantenvor- 
koramens in Griqualand West und in den benachbarten Theilen des 


74 


Oranje - Freistaats , mit den „dry diggings“, deren Entdeckung jener der 
„River diggings“ im Jahre 1870 folgte. 

In diesem Jahre nämlich fand man auch Diamanten auf der sterilen 
Hochebene, welche sich zwischen dem Vaal und dem Oranje River aus- 
breitet und zwar an den Hängen kleiner flacher Hügel (Kopjes), die sich 
in der Gegend des heutigen Kimberley wenige Meter über die umgebende, 
aus der Karoo-Formation bestehende Landfläche erhoben. Diese heute 
längst verschwundenen Hügel bestanden , im Gegensätze zu den in der 
Gegend herrschenden Sedimenten, aus einem eisenschüssigen, hochgradig 
zersetzten Gesteine, das man „yellow ground“ nannte. Man durch wühlte 
dasselbe und fand immer neue Diamanten, auch dann noch, als der yellow 
ground bei 6 bis 12 m Tiefe in eine dunkelbraune festere Masse, den 
„rusty ground“, und nach weiteren 2 bis 5 m in ein ganz eigenartiges, 
schwärzlich grünes oder schwärzlich blaues Gestein, den „blue ground“ 
übergegangen war. Zunächst freilich glaubte man, mit dem blue ground 
auch das Ende des diamantenführenden Bodens erreicht zu haben und 
man suchte deshalb seine Besitztitel an den seither betriebenen Gruben 
an neuan gekommene „Grüne“ zu verkaufen; aber gar bald stellte sich 
heraus , dass diesmal die „Grünen“ den besseren Theil erwählt hatten: 
denn die Diamantenführung hielt, wider alles Erwarten, auch im blue 
ground an. 

Eine fieberhafte Aufregung bemächtigte sich daher der im Entstehen 
begriffenen Bergwerks-Stadt und schaarenweise strömten Digger von allen 
Seiten herbei , denn es unterlag keinem Zw r eifel mehr : man hatte eine 
durchaus neue und eigenartige Diamantenlagerstätte vor sich — das erst- 
malige und noch dazu massenhafte Vorkommen des herrlichen Edelsteins 
auf primärer Lagerstätte, ein Vorkommen vom höchsten materiellen Werthe, 
vom höchsten wissenschaftlichen Interesse. 

Die mir verfügbare Zeit gestattet nicht, die historische Entwickelung 
des nun beginnenden Bergbaues, die Ueberrasch ungen , welche er be- 
reitet, die Wechselfälle, denen er ausgesetzt war, im Einzelnen zu schil- 
dern ; ich kann hier nur die wichtigsten Phasen skizziren und die Ergeb- 
nisse zusammenfassen, welche in den seither verflossenen 22 Jahren und 
nachdem man stellenweise schon bis zu einer Tiefe von 384 m nieder- 
wärts gedrungen ist, in geologischer und wissenschaftlicher Hinsicht ge- 
wonnen worden sind. 

Es wird dabei, wie ich hoffe, zum leichteren Verständnisse der Sach- 
lage beitragen, wenn ich mich zunächst einer kurzen Schilderung der 
inzwischen festgestellten geologischen Verhältnisse zuwende. 

Die Zahl der Kopjes, welche sich in Griqualand West und im Oranje- 
Freistaat erheben, ist oder war eine ziemlich grosse; aber bis jetzt haben 
nur 6 Stellen eine grössere Bedeutuug erlangt. Dieselben liegen sämmt- 
lich innerhalb eines Quadrates , das vom 28. und 30. 0 s. Br. und vom 
24. und 26.° östl. Länge begrenzt wird. Vier Gruben, die im NW. der 
von NO. nach SW. verlaufenden Diagonale jenes Quadrates zu suchen 
sind, nämlich Kimberley, de Beers, Bultfontein und Du Toit’s Pan, ge- 
hören zu Griqua Land, die anderen beiden, südöstlicher gelegenen, Kofly- 
fontein und Jagersfontein , zum Oranje-Freistaat. Hierzu ist dann seit 
1891 als siebente und sehr aussichtsvolle Grube die Premier- oder 
Wesselton Mine gekommen, auf der Grenze beider Staaten gelegen und 


75 


im Gegensatz zu allen anderen dadurch merkwürdig , dass sie an der 
Tagesoberfläche nicht durch eine hügelartige Emporragung, sondern durch 
eine mit Kalktuff überkrustete Bodensenkung charakterisirt war. 

Durch den Betrieb der zuerst genannten sechs Gruben hat sich nun 
bis jetzt das Folgende herausgestellt. 

Das diamantenführende Gestein, der blue ground , bildet in formeller 
Hinsicht säulenförmige Körper von kreisförmigen oder elliptischen Quer- 
schnitten. Seine Säulen, welche Durchmesser von 25 bis 450 m haben, 
ziehen sich vom Tage aus senkrecht in die Tiefe nieder, durchsetzen also 
die nahezu horizontal gelagerten Sedimente der Karooformation und die 
diesen letzteren eingelagerten Diabasplatten unter rechtem Winkel. Die 
beiden bis jetzt am besten bekannt gewordenen Säulen sind die von 
Kimberley und de Beers. Die Durchmesser der ersteren beziffern sich 
am Tage auf 167 und 274 m , dagegen bei 300 m Tiefe nur noch auf 
103 und 234 m. Die elliptischen Querschnitte dieser Säule berechnen 
sich hiernach auf 36 000 und 19 000 qm. Die ebenfalls elliptischen 
Querschnitte des De Beer’s Stockes messen am Tage 54 000 und in einer 
Tiefe von 274 m nur noch 47 000 qm. Die säulenförmigen Massen ziehen 
sich also in der Tiefe conisch zusammen. 

Die hier und in der Folge zu gebenden Zahlen werden vielleicht 
besser verständlich, w r enn ich sie mit anderen Ihnen gut bekannten 
Grössen vergleiche. Die eine Grösseneinheit möge der Dresdner Altmarkt 
liefern, der etwa 13 860 qm einnimmt; der Kimberley-Stock ist dann am Tage 
2,6 und in der Tiefe 1,4 mal so gross als der Altmarkt; derjenige von 
de Beers zieht sich von der vierfachen Fläche des Marktes auf die 3,4fache 
zusammen. Die anderen Stöcke sind in grösserer Tiefe noch nicht aufge- 
schlossen. 

Wenden wir uns jetzt der Masse zu, welche die diamantenführenden 
Säulen bildet, so lernen wir in dem blue ground ein sehr merkwürdiges 
Gestein kennen. Dasselbe muss als eine Breccie bezeichnet werden. Die 
meisten kleineren und grösseren, scharfkantigen oder gerundeten Frag- 
mente dieser Breccie bestehen aus einer grün- oder blauschwarzen, serpentin- 
artigen Masse; aber daneben finden sich auch verschieden grosse Frag- 
mente derjenigen Gesteine der Karoo-Formation, welche unmittelbar an die 
Säulen des blue ground angrenzen, also Fragmente von Sandstein, Schiefer- 
tbon und Diabas; endlich sollen auch noch hier und da Bruchstücke von 
Granit, von Eklogit und von Hornblendefels angetroffen worden sein, die 
in ihrer mineralogischen Zusammensetzung ebensowohl der Hauptmasse 
des blue ground , wie den Gesteinen der Karoo-Formation fremd gegen- 
überstehen würden und als „exotische Fragmente“ bezeichnet worden 
sind. Ich behalte mir vor, auf diese letzteren später zurückzukommen. 

Einstweilen sei noch bemerkt, dass die Kimberleyer Bergleute alle im 
blue ground eingebetteten Fragmente, unbekümmert um ihre petrographische 
Beschaffenheit und um ihre bald scharfkantige, bald gerundete Form, 
„boulders“, d. h. Gerolle zu nennen pflegen. 

Die Dimensionen dieser boulders schwanken zwischen den weitesten 
Grenzen; von wenigen Cubikmillimetern und Cubikcentimetern an können 
sie bis zu gigantischen Blöcken anwachsen. So liegt z. B. inmitten des 
blue ground von de Beers Mine eine Scholle von Olivindiabas, das söge- 


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nannte Island , die einen Querschnitt von etwa 280 qm besitzt und die 
nach der Tiefe zu auf 216 m verfolgbar war. 

Das Cement, welches alle diese Fragmente verkittet und in der Regel 
vorherrscht, also die Hauptmasse des blue ground bildet, macht auf das blosse 
Auge den Eindruck eines erhärteten, grünschwarzen Schlammes und lässt 
erst dann, wenn man es mit Hülfe schwerer Lösungen in seine verschie- 
denen Elemente zergliedert hat oder wenn man Dünnschliffe von ihm u. d. M. 
untersucht, erkennen, dass es in der Hauptsache aus feinsten Partikelchen 
jener Serpentin artigen Masse besteht, welche wir schon in Gestalt gröberer 
Fragmente kennen gelernt haben. 

Dieser Serpentin besteht aber seiner Hauptmasse nach aus mehr oder 
weniger verändertem Olivin. Ausserdem betheiligen sich an seiner Zu- 
sammensetzung und au derjenigen des vorhin besprochenen Cementes 
chromhaltiger Diallag, der smaragditartig umgewandelt sein kann, Bronzit, 
chromhaltiger Pyrop, fleischfarbener Zirkon (in Kimberley dutch bord ge- 
nannt), Cyanit, Biotit, der oft mehr oder weniger gebleicht ist, Chrom-, 
Titan- und Magneteisenerz, sowie kleinste Körnchen und Kryställchen von 
Perowskit. 

Zu den eben genannten Mineralien gesellt sich in dem blue ground 
von Jagersfontein auch noch blauer Korund, der eine Zeit lang für Cor- 
dierit gehalten wurde. Endlich werden Turmalin und Rutil erwähnt. Ich 
selbst habe diese beiden Körper nicht beobachten können, dagegen habeich in 
den Aufbereitungsprodukten von Kimberley mehrfach noch Kryställchen und 
kleine Concretionen von Schwefelkies , sowie Bröckchen von Baryt ange- 
troffen. Die ersteren sind wohl zugleich mit Fragmenten von Schiefer- 
thon der Karoo-Formation in den blue ground gekommen , während die 
letzteren von kleinen Gangtrümmern abstammen mögen, die als selbständige 
Gebilde den blue ground durchsetzen. 

Endlich möchte ich noch ausdrücklich betonen, dass bis jetzt Krystalle 
oder Fragmente von Quarz in dem blue ground nicht aufgefunden worden 
sind. 

Nach allem Gesagten wird man den blue ground als einen breccien- 
artig zerstückelten und mehr weniger serpentinisirten Olivinfels mit Frag- 
menten von Quarziten, Schieferthonen und Diabasen der Karoo-Formation 
bezeichnen dürfen ; im Sinne des petrographischen Systemes von Rosen- 
busch würde er wegen seines Gehaltes an Diallag und rhombischem 
Pyroxen dem Lherzolith unterzuordnen sein. Carville Lewis hat unser 
Gestein Kimberlit genannt und dieser Name möge auch hier in der Folge 
angewendet werden. 

Das eben gefundene Resultat regt dazu an, nochmals einen Blick 
auf die schon früher erwähnten ,, exotischen Fragmente“ des blue ground 
zu werfen. Da das Kimberlit -Magma ganz unzweifelhaft aus der Tiefe 
emporgedrungen ist, so würde es an und für sich auch nicht zu be- 
fremden vermögen, wenn jenes Fragmente von solchen Gesteinen mit herauf- 
gebracht hätte, die, wie Granit und Eklogit, zwar in dem Gebiete zwischen 
dem Oranje- und Yaal River am Tag nirgends zu sehen sind, die aber 
doch recht füglich unter der Karoo-Formation an stehen könnten. Die 
Sachlage würde alsdann jener ähnlich sein , welche man seiner Zeit am 
Melilithbasalte vom Zeughaus in der sächsischen Schweiz beobachten konnte, 
denn dieser schliesst, obwohl er gangförmig in dem Quadersandstein auf- 


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setzt, dennoch Fragmente von dem den Sandstein unterlagernden Lausitzer 
Granit ein. Immerhin möchte ich erwähnen, dass ich meinen Freund und 
Gönner, Herrn Gardner Williams, General Manager der de Beers Consoli- 
dated Mines, zwar mehrfach und ganz ausdrücklich gebeten habe , mir, 
wenn irgend möglich , auch einmal einen Granit-Boulder aus dem blue 
ground herüberzuschicken, dass ich aber unter den bis heute erhaltenen 
Fragmenten keines gefunden habe, welches irgend welchen Anspruch auf 
die Benennung Granit machen könnte. Ausser denen von Diabas und Quarzit 
zeigt keines der Fragmente , welche mir bis jetzt zu Gesicht gekommen 
sind, Quarz oder Feldspath. Richtig ist es dagegen, dass eklogitartige 
boulder im blue ground Vorkommen ; dergleichen liegen mir von de Beers 
und von Jagersfontein vor, indessen scheint sich aus anderen, Uebergänge 
vermittelnden „Gerollen“ zu ergeben, dass die eklogitartigen Mineralaggregate 
thatsächlich nur extreme, nämlich olivinarme oder olivinfreie Entwickelungs- 
zustände des Kimberlites und dass sie sonach nicht als exotische Gerolle 
oder Fragmente, sondern als intratellurische Ausscheidungen des genannten 
Eruptivgesteins aufzufassen sind. Damit ist dann auch ihre rundliche, an 
Gerolle erinnernde Form recht gut in Einklang zu bringen. 

Weiteres über die „exotischen Gerolle“ muss zukünftiger Beobach- 
tung überlassen bleiben. 

Um meine Bemerkungen über die petrographische Beschaffenheit des 
blue ground zum Abschlüsse zu bringen , bleiben mir nur noch einige 
Mittheilungen über den Diamant übrig. Bezüglich dieses werthvollsten 
und wissenschaftlich interessantesten Uebergemengtheiles des blue ground 
ist in erster Linie hervorzuheben, dass sich derselbe bis jetzt lediglich in 
den Kimberlitfragmenten und in dem aus Kiniberlitmasse bestehenden 
Gement des blue gi ound gefunden hat; alle anderen, zeitweilig aufge- 
tauchten Angaben haben sich als irrthümlich erwiesen. Insonderheit ist 
der Diamant niemals innerhalb des Wandgesteines der Kimberlitstöcke und in 
den von diesem Wandgesteine abstammenden Fragmenten angetroffen worden. 
Weiterhin ist anzugeben, dass sich der Diamant unter den genannten Um- 
ständen bald in ringsum ausgebildeten Krystallen, bald nur in Krystall- 
fragmenten findet und dass man in Fällen der letzteren Art seither aller- 
zeit vergeblich nach den zusammengehörigen Theilen eines und desselben 
zerstückelten Krvstalles gesucht hat. Hieraus geht die wichtige That- 
sache hervor, dass die Krystallfragmente bereits als solche an Ort und 
Stelle gelangt und dass sich mithin die Krystalle selbst bereits an einem 
anderen Orte gebildet haben müssen. Unter Berücksichtigung aller ob- 
waltenden Umstände kann deshalb ihr Bildungsherd nur in der grösseren 
Tiefe gesucht werden. 

Sodann ist erwähnenswerth , dass nicht nur der blue ground der 
verschiedenen Stöcke, sondern dass selbst derjenige eines und desselben 
Stockes seiner allgemeinen Beschaffenheit nach nicht völlig gleichartig 
beschaffen sein und dass sich diese Ungleichförmigkeit auch in der Menge, 
in der Form und Färbung der an den verschiedenen Orten vorkommenden 
Diamanten zu erkennen geben soll, derart, dass erfahrene Bergleute unter 
Umständen die Herkunft eines bestimmten Steines aus dem oder jenem 
Theile einer Grube anzugeben vermögen. Diese Verhältnisse haben zu 
der Annahme geführt, dass der blue ground eines und desselben Stockes 
zu verschiedenen Zeiten in den betreffenden schlauchförmigen Hohlraum 


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eingedrungen sein soll. Nach Moulle’s Meinung ist z. B. der Stock der 
Kimberley -Grube durch 15 verschiedene, zeitlich einander folgende Erup- 
tionen gebildet worden. 

Endlich dürfte noch zu bemerken sein, dass der blue ground des 
einen Stockes, nämlich desjenigen von de Beers, auch noch von einem 
1 / 2 bis 2 m mächtigen Gange durchsetzt wird, der in seinem Verlaufe 
sehr starke Windungen macht, und deshalb den Namen Schlange (the 
snake) erhalten hat. Das grünschwarze, dem blossen Auge dicht er- 
scheinende Ganggestein lässt u. d. M. erkennen, dass es eine mit dem 
Kimberlit im wesentlichen gleiche Zusammensetzung hat. Diamanten sind 
aber bis jetzt in ihm nicht angetroffen worden. Es dürfte ein Nachschub 
aus dem Eruptionsherde des Kimberlites sein. 

Was endlich die Verbandsverhältnisse und die sonstigen Beziehungen 
zwischen dem blue ground und den Gesteinen der herrschenden Karoo- 
formation anlangt, so ist in dieser Beziehung zu bemerken, dass die säulen- 
förmigen Massen des ersteren ganz scharf von den Sandsteinen, Schiefern 
und Diabasdecken der letzteren abgegrenzt sind ; der Kimbörleyer Berg- 
mann vermag daher mit Leichtigkeit den diamantenführenden blue ground 
von dem sterilen Wandgestein seiner Grube zu unterscheiden. Das letz- 
tere nennt er in seiner Gesammtheit und unbekümmert um seine beson- 
dere petrographische Beschaffenheit das Reef. 

Am Contacte zwischen dem blue ground und dem Reef sind die 
sedimentären Schichten des letzteren zuweilen 1 bis 3 m weit etwas nach 
aufwärts gebogen; hierauf und auf die schon besprochene Losreissung und 
Umhüllung von Nebengesteinsschollen beschränkt sich die erkennbare Ein- 
wirkung des Kimberlites auf die von ihm durchbrochenen Gesteine. 
Schmelzungen , Frittungen oder sonstige auffällige Metamorphosen des 
Reefes sind bis jetzt an keiner Stelle wahrgenommen worden. 

Ich wende mich dem Bergbaue im Kimberley-Districte zu. Derselbe 
fesselt das Interesse im höchsten Grade, nicht nur wegen seiner staunens- 
werthen Erträgnisse und wegen seiner technischen Besonderheiten, sondern 
auch, weil er bei seiner rapiden Entwickelung in dem kurzen Zeiträume 
von zwei Jahrzehnten Betriebsweisen an unseren Augen vorüberziehen 
lässt, die sich in unseren heimathlichen Grubenbezirken erst im Laufe 
von Jahrhunderten zu folgen pflegten: denn aus dem zersplitterten Klein- 
betriebe, der 1870 in den Ausstrichen der Kopjes herumzuwühlen begann, 
ist inzwischen die Arbeit des Grosskapitales herausgewachsen, die roheste 
Handarbeit hat sich zur Ausnutzung der besten neuzeitlichen Maschinen 
umgewandelt, aus den luftigen Zeltlagern in der Wüste sind schmucke 
Städte mit allem Comfort der Neuzeit entstanden. 

Zu gleicher Zeit sehen wir harte, ehrliche Arbeit auf der einen Seite, 
Diebstahl , Lug und Trug auf der anderen ; hier echten , kerngesunden 
Bergbau, der jede sich in den Weg legende Schwierigkeit zu überwinden 
weiss, dort wagehalsige Speculation und jene reinen Börsengeschäfte, die 
man in England mit dem sehr treffenden Namen „paper mining“ bezeichnet, 
da die verkauften und gekauften Actien vielleicht das Einzige sind, was 
überhaupt von der ganzen Grube existirt. 

Als 1870 das Diamanten Vorkommen im yellow ground der Kopjes 
constatirt worden war und nun Bergbaulustige von allen Seiten herbei- 
geströmt kamen , wurden an den zu Hoffnung berechtigenden Stellen 


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quadratische Grubenfelder (claims) von je 31 Fuss oder 9,5 m Seitenlange 
abgesteckt. Jedes Grubenfeld umfasste also 90 qm. Wollen wir jetzt ein- 
mal dieses Auditorium zur Maasseinheit nehmen, so würde dasselbe , da 
es eine Bodenfläche von 76,6 qm hat, 0,8 Grubenfeld entsprechen. In 
der ersten Zeit konnte man sich ein solches Grubenfeld um 7 sh. 6 p. 
(7 M. 65 Pf.) kaufen ; wenig später musste man schon einen monatlichen 
Pacht von 10 sh. zahlen und als dann weiterhin erkannt worden war, 
dass auch der in der Tiefe anstehende blue ground diamantenführend sei, 
gingen die Preise derart in die Höhe , dass in 1879 der von Seiten der 
Regierung erhobenen Grubenfeldsteuer Werthe von 50 bis 6500 J 7 , d. i. 
von 1000 bis 130 000 M. für einen claim zu Grunde gelegt werden 
konnten. 1880 sollen sogar einzelne Claims Verkaufspreise von 10 000 
bis 15 000 d. i. von 2 bis 300 000 M. erzielt haben. 

Greifen wir, um uns über die Bedeutung dieser Zahlen klarer zu 
werden, wieder auf den Altmarkt zurück, so ergiebt sich, dass derselbe 
154 Grubenfelder umfassen und bei der niedrigen Taxe von 2500 C M 
oder 50 000 M. pro claim, einem Werthe von 7,7 Millionen Mark reprä- 
sentiren würde. 

Und nun wollen wir das sich entwickelnde bergmännische Leben 
selbst in’s Auge fassen. 

Auf dem zuerst entdeckten Stocke von Du Toits Pan waren 1430 
Grubenfelder verpachtet worden ; für Bultfontein schwanken die mir vor- 
liegenden Zahlen zwischen 886 und 1003. Dann wurden die beiden 
reichsten Stöcke, de Beers und Kimberley, aufgefunden ; der von de Beers 
Avurde in 600 Felder parcellirt, der von Kimberley im Anfänge sogar mit 
1500 claims bedeckt. Von diesen haben sich freilich im Laufe der Zeit 
die an der Peripherie gelegenen als un bauwürdig erwiesen; aber von den 
centralen entwickelten sich über 400 zu den reichsten, die man kennt. 

Anfangs durfte Niemand mehr als zwei claims auf einmal besitzen, 
wohl aber Bruchtheile eines claims, und da sich die Nachfrage immer 
mehr und mehr steigerte, so wurden selbst achtel und sechzehntel Claims 
gehandelt und in selbständigen Betrieb genommen. Von solchen Sechzehnteln 
ä 5,6 qm würden also 13,6 in dieses Auditorium gegangen sein. Denken wir 
uns nun in jedem Grubenfeld und Grubenfeldchen wenigstens je einen Mann, 
nur mit einer Hacke, einer Schaufel und einem Sacke ausgerüstet, bei 
der Arbeit, so haben wir das Bild des vollendetsten Kleinbetriebes und 
wir werden — für diese Zeit — das Leben auf einer Kopje vielleicht am 
besten mit demjenigen vergleichen können, welches uns ein in seiner 
Ruhe gestörter Ameisenhaufen wahrnehmen lässt. 

Dabei mochte im Anfänge, auf Du Toits Pan und Bultfontein, ein 
Jeder sehen, wie er nach seiner vielleicht im Centrum des ganzen Stockes 
gelegenen Grube gelangen und wie er die in ihr gegrabene diamanten- 
führende Masse in Sicherheit bringen konnte. Das führte natürlich zu 
allerhand Streit und um diesem vorzubeugen und den Eingang zu den 
einzelnen Claims zu regeln, wurden dann auf dem erst später in Angriff 
genommenen Kimberley-Stock zahlreiche Strassen ausgespart und, damit 
die denselben benachbarten Gruben bis hart an den Strassenkörper ab- 
bauen konnten, durch eingerammte Pfähle verwahrt. Dieses System be- 
währte sich denn auch ein Jahr lang; als aber der Betrieb immer weiter 
niederwärts rückte, brachen die Strassenkörper zusammen und zu gleicher 


80 


Zeit stellten sieh auch andere Erschwernisse ein, von denen ich hier nur 
zwei erwähnen will: diejenigen, welche nunmehr die Abförderung des blue 
ground veranlasste und die anderen, welche dadurch hervorgerufen wurden, 
dass jeder einzelne Grubenbesitzer, ganz unbekümmert um seine Nach- 
barn und unbekümmert um das an seine Grube angrenzende Reef, seinen 
blue ground aushieb. 

Anfangs hatten die Grubenbesitzer ihre Diamantenerde in einem 
Sacke auf ihren eigenen Rücken nach den Aufbereitungsplätzen getragen 
oder wohl auch durch angeworben e Hottentotten dahin tragen lassen ; 
aber diese einfache Förderungsmethode wurde in dem Maasse, in welchem 
sich an Stelle der ehemaligen Kopjes grosse steinbruchsartige Tagebaue 
entwickelten, Tagebaue, die bereits 50, 60 und mehr Meter Tiefe erreichten, 
immer lästiger und schwieriger. Man fing daher an, Haspel aufzustellen, 
späterhin — 1874 — Ochsen- und Pferdegöpel. 1875 erscheint auch die 
erste Locomobile auf der Bildfläche. Da aber jeder Grubenbesitzer seine 
eigene Förderung hatte und da er sein Maschinchen nicht in unmittel- 
barer Nachbarschaft seiner Grube aufstellen konnte — denn da bauten ja 
seine Nachbarn den blue ground ab — , so mussten die Hunderte von 
Göpeln auf dem Reefe postirt werden. Wir sehen daher um diese Zeit ein 
wahres Spinnewebennetz von Förderseilen, welches sich von dem Rande der 
Kimberley stocke aus nach den tiefer gelegenen Abbaustellen hinabzieht. 

Im fiebrigen mussten jetzt die Fördergelässe auch noch zur Hebung 
desjenigen Wassers benutzt werden, welches sich in den tiefsten Gruben zu 
sammeln anfing. Durch alles das wurde der Betrieb arg vertheuert, aber 
er blieb doch immer noch im grossen Ganzen rentabel ; dagegen zogen 
sich nun von anderer Seite dunkle Wolken zusammen. 

Da nämlich der ganze Grund und Boden eines jeden Stockes diamant- 
führend war, da Niemand etwas von seinem blue ground verloren geben 
wollte und da er es zu gleicher Zeit auch nicht für nothwendig erachtete, 
auf seine Nachbarn Rücksicht zu nehmen , so hatten die Einzelbaue im 
Laufe der Jahre die Gestalt von Löchern mit nahezu verticalen Wänden 
angenommen und diejenigen Gruben, welche an der Peripherie lagen, 
hatten den blue ground bis hart an das Reef abgebaut, sodass nun dieses 
letztere mit steilen Wänden immer höher und höher über die Abbausohlen 
herauszuwachsen schien. Kein Wunder, dass nun Rutschungen zwischen 
den einzelnen Gruben eintraten und eine chaotische Verwirrung in den 
Besitz Verhältnissen erzeugten , dass das der Widerlager beraubte Reef 
seinen Halt verlor und dass, als der Abbau zu Anfang der 80er Jahre 
bereits Tiefen von 100 und mehr Metern erreicht hatte, so grosse Reef- 
massen zusanunenbrachen, dass ganze Grubencomplexe unter ihrem Schutt 
begraben wurden. Allein die Kimberley-Grube , die als Beispiel heraus- 
gegriffen werden möge, hatte bis 1882 4 Millionen Cubikyard oder 1 Mil- 
lion cbm hereingebrochenes Reef mit einem Kostenaufwand von 2 Mill. # 
wieder zu beseitigen gehabt, als am 4. Novbr. 1883 abermals 60 000 cbm 
Reef in die Tiefe stürzten , sodass die ganze weitere Existenz der Grube 
ernstlichst in Frage gestellt war. In Folge dieser Ereignisse nahm jetzt 
auch der Umfang der Tagebaue immer grössere Dimensionen an. Der 
blue ground des Kimberley-Stockes, um bei diesem zu bleiben, hatte, wie 
ich schon früher sagte, am Tage Durchmesser von 167 und 124 m ge- 
habt, aber durch die Nachfälle des Reefs war um die Mitte der 80er 


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Jahre ein 122 m tiefes kraterartiges Loch von 300 m Breite und 350 m 
Länge entstanden ; während also die Fläche des abbaufähigen blue grounds 
nur 2,6 Altmarkte umfasste, nahm jetzt die nach und nach entstandene 
Weitung nahezu 6 Altmarkte ein. Auf dem Reefe stehend sah man 
also in ein gigantisches Loch hinab, welches 2 l j 2 mal so gross und um 
die Hälfte tiefer war, als die Altenberger Binge. 

Eine Rettung aus den soeben skizzirten misslichen Verhältnissen war 
nur davon zu erhoffen, dass man die ganze seitherige Abbaumethode ab- 
änderte und von der steinbruchsartigen Hereingewinnung unter offenem 
Himmel zu einem geregelten unterirdischen Betrieb überging. Das ist denn 
auch seit dem Jahre 1884 geschehen. Der erste Schacht wurde mit ver- 
wegener Kühnheit mitten in den zu Bruch gegangenen Reefmassen ange- 
setzt. Er war nur ein Versuchsbau von kurzer Dauer; die späteren 
Hauptschächte wurden ausserhalb der Region, in welcher sich Zusammen- 
brüche ereignen konnten, also inmitten der Karoo-Formation , abgeteuft. 
Von ihnen aus ist man dann in verschiedenen Horizonten mit Strecken 
in den blue ground hineingegangen und hat nun diesen letzteren mit 
eigenartigen Weitungsbauen hereingewonnen. Diese Abbauweise hat sich 
bewährt ; sie erfolgt heute bei de Beers in einer Tiefe von 360, bei Kim- 
berley in einer solchen von 380 m. 

Es ist selbstverständlich, dass im Angesichte der ungeahnten Bahnen, 
welche der Kimberleyer Bergbau nach und nach einschlagen musste, die 
alte Bestimmung, nach welcher Niemand mehr als zwei Claims gleich- 
zeitig besitzen durfte, nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte. Die 
täglich zunehmenden Betriebsschwierigkeiten Hessen sich nur noch durch 
grössere Bergbaugenossenschaften überwinden. Dergleichen entwickeln sich 
denn auch, so dass wir 1888 in der Hauptsache nur noch grössere Actien- 
gesellschaften in Thätigkeit finden. Aber auch damit war die Sache noch 
nicht in ihr richtiges Gleis gekommen, denn nun begann auch die Ueber- 
production und dieser musste, bei der beschränkten Kaufkraft der Welt 
für Diamanten, ein Rückgang der Verkaufspreise auf dem Fusse nach- 
folgen. Um diesen Uebelstän den der Concurrenz zu entgehen, ist der ganze 
Kimberleyer Bergbau mit 1888 in seine letzte, und man darf wohl sagen 
glänzendste Periode eingetreten. Die verschiedenen Gesellschaften ver- 
schmelzen immer mehr und mehr zu den de Beers Consolidated Mines, 
die über ein Actiencapital von 3 950 000 C S gleich 79 Millionen Mark 
verfügen und heute, cla ihnen nicht nur der ganze de Beers- und der 
Kimberleystock , sondern auch die grössten Theile der Stöcke von Bult- 
fontein und Du Toits pan gehören und da sie sich den Besitz der erst 
neuerdings aufgefundenen grossen Wesselton gesichert haben, die Beherr- 
scher des südafrikanischen Diamantenbergbaues sind. 

Die Zahl der beschäftigten Arbeiter finde ich nur bei Sawyer für 
1888 angegeben; sie betrug damals 1689 Weise und 9755 Kaffern , zu- 
sammen 11444 Personen. Ueberdies verfügte man über 1037 Pferde, 
450 Maulthiere und 224 Ochsen. Mit einem derartigen lebendigen Appa- 
rate und mit einer Anzahl von Dampfmaschinen haben die de Beers Cons. 
Mines in den 15 Monaten vom 1. April 1891 bis zum 30. Juni 1892 
3 338 533 loads blue ground gefördert, also in 12 Monaten 2 670 842 loads 
oder 680 263 cbm. Das entspricht 1615 Auditorien oder einem Würfel 
von etwa 88 m Kantenlänge. Der Gehalt des in den letzten 12 Monaten 


82 


geförderten blue ground an Diamanten hat sich zu 0,92 Karat pro load 
ergeben. Ein Auditorium blue ground würde demnach 1520 Karat oder 
311 g geliefert haben, entsprechend 88,86 ccm, die, als eine solide Masse 
gedacht, einen Würfel von 4,46 cm Kanten länge gleichkommen würden. 

Die gesammte vom 1. Juli 1891 bis letzten Juni 1892 geförderte 
Masse hat dagegen 2 457 174 Karat oder 503,7 kg Diamanten gewinnen 
lassen ; das entspricht 143,9 cdm oder 5,24 dm 3 . 

Es bleiben, um den technisch-statistischen Theil zu vollenden, zu- 
nächst noch ein paar Worte über die Art und Weise übrig, mit welcher 
man die Diamanten aus dem blue ground gewinnt. In der ersten Zeit 
war der am Tage anstehende, mürbe yellow ground von den Kleingewerben 
nur noch etwas zerdrückt, durch Siebe geworfen und mit der Hand durch- 
sucht worden — daher der Name dry diggings. Dieses einfache Verfahren 
war jedoch nicht mehr brauchbar, als man späterhin den frischeren und 
festeren blue ground erreicht hatte. Jetzt musste davon Nutzen gezogen 
werden, dass der letztere nicht wetterbeständig ist, sondern an der Luft 
grusig zerfällt, namentlich dann, wenn Feuchtigkeit und Trockenheit, 
höhere und niedere Temperatur mit einander abwechseln. Bei dem 
neuerlichen Grossbetriebe wird daher die geförderte Masse auf gepflasterten 
Feldern, floors, ausgebreitet und hier ihrem Schicksale, d. h. der Mittags- 
sonne, dem abendlichen Thau und der nächtlichen Kühle überlassen. 
Dadurch zerwittert sie allmählich und ist nach 3 bis 6 Monaten der- 
artig zerfallen, dass sie in verschiedene Korngrössen gegliedert und, da 
man jetzt auch über die vom Vaale herkommende Wasserleitung verfügt, 
einem Wasehprocesse auf Rundheerden übergeben werden kann. Der Ser- 
pentin, welcher ja die Hauptmasse des blue ground bildet und nur eine 
Eigenschwere von 2,7 hat, wird hierbei abgeschwemmt und es bleibt ein 
Gemenge von Diallag, Olivin, Pyrop, Zirkon und den verschiedenen Eisen- 
erzen zurück , d. i. ein Gemenge von Mineralien, deren specifischen Ge- 
wichte zwischen 3,2 und 5,2 liegen. In diesem Gemenge ist auch der 
Diamant (s. G. 3,5) enthalten. Derselbe wird nun auf Tischen mit der 
Hand ausgesucht und zum Schlüsse in einer Mischung von Schwefel- und 
Salpetersäure gekocht, um von den ihm allenfalls noch anhaftenden Silicat- 
partikelchen und sonstigen Fremdkörpern befreit zu werden und ein 
schönes marktfähiges Ansehen zu erhalten. 

Die Grösse und Güte der gewonnenen Steine schwankt natürlich 
zwischen weiten Grenzen. Die kleinsten wiegen 1 / 3 0 Karat oder 7 mg ; 
von diesen gehen also 1 42 857 auf 1 kg ; der grösste seither gefundene 
Stein war ein regelmässig ausgebildetes Oktaeder von 47,6 mm Axenlänge 
und einem Gewichte von 428 y a Karat oder 88 g. Im geschnittenen Zu- 
stande, in dem er auf der Pariser Ausstellung von 18b9 zu sehen ge- 
wesen ist, ehe er in den Besitz irgend eines indischen Nabobs überging, 
wog er nur noch 228 1 / 2 Karat oder 46,8 g .*) 

Die Kimberleyer Steine haben vielfach einen ihren Werth etwas 
herabm indem den Stich ins gelbliche, der mit der Grösse jener an Inten- 

*) Inzwischen ist im Juni 1893 in dem Stocke von Jagersfontein ein Diamant 
von 969 ’/ 2 Karat oder 198.7 g gefunden worden. Dieser Stein, welcher eine un- 
regelmässige Form besitzt, misst (nach Reunert) etwa 6,3 cm in der Länge, 3,8 bis 
5 cm in der Breite und 2,2 bis 3,2 cm in der Dicke.; er dürfte der grösste Diamant 
sein, den man überhaupt bis jetzt kennt. 


sität zunimmt; aber es kommen auch die herrlichsten wasserhellen Steine 
und daneben, als Seltenheiten, wohl auch solche von rothen und blauen 
Farbentönen vor. 

Ich kann endlich, um vollständig zu sein, einen Uebelstand nicht un- 
erwähnt lassen , der freilich den Diamanten unzertrennlich anhaftet : die 
leichte Unterschlagbarkeit, welcher die kleinen und doch so hochwerthigen 
Kryställchen und Körnchen fähig sind. Durch Verschlucken , in einem 
hohlen Zahn , zwischen den Zehen oder sonst wo ist so ein glitzerndes 
Steinchen gar schnell verborgen und an Hehlern und Käufern des ge- 
stohlenen Gutes ist hernach kein Mangel. Die I. D. B.s (Illicid Diamond 
Buyers) sind daher eine in Diamantengegenden niemals fehlende Staffage, 
mit deren verborgenem Thun und Treiben sehr ernsthaft gerechnet werden 
muss. In Kimberley hat man ihnen seit einigen Jahren namentlich da- 
durch das Handwerk zu legen gesucht, dass man die eingeborenen Ar- 
beiter in „Compounds“ casernirt So lange sie auf der Grube beschäftigt 
sind, bewegt sich nun ihr ganzes Dasein lediglich zwischen ihren Arbeits- 
stätten und dem hoch ummauerten Compound , und wenn sie dann ein- 
mal ein paar Wochen lang ihr heimathliches Kraal aufsuchen wollen , so 
werden sie vor ihrer Entlassung erst einer sehr genauen Untersuchung 
und bei vorliegendem Verdachte auch mit Hülfe von Wasser und einer 
guten Dosis Bittersalz einer gründlichen äusseren und inneren Wäsche 
unterzogen; aber trotz aller dieser Vorsichtsm assregeln und anderer, welche 
den Verkauf und die Ausfuhr gestohlenen Gutes zu erschweren trachten 
und mit hohen Strafen belegen, glaubt man, dass jährlich immer noch 
mindestens 1 / 8 aller gewonnenen Diamanten, also Steine im Werthe von 
etwa 10 Millionen Mark veruntreut werden. 

Die jährliche Gesammtproduction wird jetzt von Seiten der de Beers 
Cons. Mines dem Consume angepasst. Die Erfahrung hat nämlich ge- 
lehrt, dass die Welt an Schmuck- und Brauchsteinen jährlich für etwa 
4 Millionen j£, d. i. für 80 Millionen Mark zu kaufen pflegt , also , das 
Karat rohen Diamantes zu 21 M. angenommen, 3,8 Millionen Karat oder 
rund 780 kg. Hiernach wird jetzt, da alle den Preis drückende Concur- 
renz weggefallen ist, die Höhe der Production geregelt. 

Die gesammte Diamantenmasse , welche Südafrika seit 1867 auf den 
Weltmarkt gebracht hat, wird auf Grund der vorhandenen Ausfuhrstatistik 
und auf Grund sonstiger Erfahrungen auf 50 Millionen Karat , d. i. auf 
10 250 kg oder lO 1 ^ Tonne ä 1000 kg geschätzt. 

Da ein 1 kg schwerer Diamant 285 ccm messen würde , so ent- 
sprechen jene 50 Millionen Karat 2,93 cbm oder einem soliden Diamanten- 
würfel von 1,43 m Kanlenlänge. 

Nimmt man weiterhin für die Jahre 1882 bis 1887 den Durch- 
schnittswerth eines Karates zu 22 sh. 5 T / 8 d. oder rund zu 23 M. an, so 
würden jene 50 Mill. Karat einen Werth von 1150 Mill. Mark repräsen- 
tiren. Nach der Schätzung Reunert’s soll sich der Verkaufs werth jener 
50 Millionen Karat sogar auf 70 Millionen £ oder 1,4 Millarde Mark be- 
laufen haben. 

Obwohl ich nun Ihre Geduld schon in sehr reichem Maasse in An- 
spruch genommen habe, möchte ich, um meinen Vortrag zum Abschluss 
zu bringen , trotzdem noch um die Erlaubniss bitten , einen Ueber- 
blick über diejenigen Anschauungen geben zu dürfen , welche man von 


84 


geologischer Seite hinsichtlich cler Genesis des blue ground und der von 
ihm umschlossenen Diamanten ausgesprochen hat. 

Während man, wie ich schon betont habe, bis zum Jahre 1870 den 
Diamant nur in Seifengebirgen , also nur auf secundären Lagerstätten 
kannte, ist derselbe auf den Kimberley-Gruben zum ersten Male in seinem 
Muttergestein angetroffen worden. Man stand also zunächst einer durch- 
aus neuen Thatsache gegenüber und dadurch erklärt es sich wohl auch, 
dass die geologische Beurtheilung derselben anfänglich weit aus einander 
ging. 

Die Einen (Chaper, Cohen , Me unier) wollten jetzt in dem blue ground 
das Product von Schlammvulkanen erblicken, Andere waren der Meinung, 
dass man es mit Einschwemmungen von Oben her zu thun habe, und 
da die heutige Geologie nun einmal unter den Zeichen des Eises steht, hat 
es auch nicht an Solchen gefehlt , welche an die Ausfüllung gigantischer 
Riesentöpfe durch glacialen Schotter gedacht haben (SawyerJ. Die breccien- 
artige Struetur des blue ground und die im letzteren zeitweilig vorkom- 
menden boulders mögen für die Entwickelung derartiger Anschauungen 
massgebend gewesen sein , indessen lassen sich diese letzteren im Ange- 
sichte der Ergebnisse , zu welchen inzwischen die bergmännischen Auf- 
schlüsse und die genauere petrographische Untersuchung des blue ground 
geführt haben, wohl kaum mehr aufrecht erhalten. Alle neuerlich bekannt 
gewordenen Verhältnisse gestatten vielmehr, meiner Ansicht nach, nur 
noch die eine Deutung, dass der blue ground ein eruptives Olivingestein 
ist, welches bei seinem Empordringen in schlottenartigen Hohlräumen Frag- 
mente der Wandgesteine losgerissen und in sich eingebettet hat. Die 
Entstehungsweise der merkwürdigen Schlotten- oder schachtartigen Hohl- 
räume ist hierbei eigentlich das am schwersten Verständliche, indessen 
sind derartige Eruptionscanäle an und für sich nichts Neues. Ich erinnere 
hier nur an denjenigen des Stolpener Basaltes, dem sich manche andere 
an die Seite stellen lassen. 

Ueberdies beweist die dermalige Beschaffenheit des Kimberlites, 
dass die eruptive Masse während oder nach ihrer Erstarrung noch 
weitere Bewegungen erlitten und sich dadurch zu einer Eruptivbreccie 
entwickelt hat. Hierbei mag dann auch das eine oder andere vom Reefe 
losgerissene Fragment starke Abreibungen erlitten und seine auch von an- 
deren Gangconglomeraten her bekannte abgerundete Form erhalten haben. 
Endlich bezeugen die Gliederung der Kimbeilitstöcke in verschiedene 
Colonnen und der im blue ground von de Beers aufsetzende Snake-Gang, 
dass der erstmaligen Eruption auch noch weitere Nachschübe gefolgt sind. 

Auch hierin begegnen uns von anderen Orten her bekannte geolo- 
gische Vorgänge. 

Aber wo und wie ist nun der Diamant entstanden ? 

Da das Wandgestein der Kimberlitstöcke z. Th. aus kohlenstoffreichen 
Schiefern besteht und da der Kimberlit selbst zahlreiche Fragmente dieser 
schwarzen Schiefer einschliesst, so haben Hudleston und Lewis gemeint, 
der aus solchem Schiefer abstammende Kohlenwasserstoff’ sei unter den 
bei der Eruption obwaltenden Temperatur- und Druckverhältnissen durch 
das Magnesiasilicat des Kimberlitmagmas zersetzt und hierauf der Kohlen- 
stoff als Diamant ausgeschieden worden. Cohen erblickt in dem Diamant 
fremde, aus irgend welchen, in der Tiefe vorhandenen Gesteinen abstam- 


inende Einschlüsse des Kimberlites und endlich vertreten Knop, Mo u Ile 
und Reyer die Ansicht, dass das Kimberlitmagma selbst kohlenstoff- 
oder kohlenwasserstoffhaltig gewesen , dass also der Diamant aus diesem 
Magma selbst auskrystallisirt und somit als ein primärer Gemengtheil des 
Kimberlites aufzufassen sei. Knop erinnert, indem er diese Meinung aus- 
spricht, an den bekannten Graphitgehalt des Roheisens und an die weitere 
Thatsache, dass sich das dem Kohlenstoff verwandte Bor aus geschmolzenem 
Aluminium je nach den obwaltenden physikalischen Verhältnissen amorph, 
graphitisch oder als Bordiamant abzuscheiden vermöge. 

Ehe ich meinen eigenen Standpunkt ausspreche, möge es mir erlaubt 
sein, wenigstens an drei den Geologen bekannte Thatsachen zu erinnern : 
einmal nämlich daran, dass die primären Gemengtheile mannigfacher 
Eruptivgesteine, u. a. auch die Olivine mancher Basalte, flüssige Kohlen- 
säure einschliessen und dass wir hiernach zu der Annahme berechtigt 
sind, dass gluthflüssige Magmen unter Umständen mit Kohlensäure im- 
prägnirt gewesen sein müssen ; ein anderes Mal daran, dass der Kimberlit, 
worauf schon Lewis aufmerksam gemacht hat, nach Zusammensetzung und 
Structur eine gewisse Verwandtschaft mit manchen Meteoriten zeigt und 
endlich daran, dass man neuerdings in Meteoriten ausser dem schon längst 
in ihnen bekannten Graphit auch eine demantartige Modification des 
Kohlenstoffes angetroffen hat. Wenn man diesen drei Thatsachen Rech- 
nung trägt und wenn man sich endlich noch daran erinnert, dass in den 
meisten von denjenigen Gegenden, in welchen diamantenführendes Seifen- 
gebirge vorkommt — im Ural, in Indien, auf Borneo, in Neu Süd Wales 
und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika — auch Serpentin, bez. 
Peridotite vorhanden sind, so wird man sich meiner Meinung nach nur 
zu der zuletzt erwähnten, u. a. von Knop vertretenen Auffassung hinge- 
zogen fühlen können, nach welcher, wie ich schon sagte, der Kohlenstoff 
des Diamanten dem peridotitischen Magma von Haus aus angehört und 
der Diamant selbst sich aus dem an Magnesiasilicat reichen Gluthflusse 
bei dessen Erkaltung ausgeschieden hat. Zu Gunsten dieser Ansicht 
spricht auch eins der hier vorliegenden Stücke , das unsere Ereiberger 
Sammlung, wie so viele andere, Herrn Gard ner W illiams verdankt: ein 
Diamantfragment, das mit einem Pyrop verwachsen ist und deshalb wohl 
nur eine und dieselbe Heimath mit diesem wesentlichen Elemente des 
Kimberlites haben kann. 


86 


« - 


IV. Der Losch witz-Blasewitz er Brückenbau. 

Vortrag, gehalten in der naturwissenschaftlichen Gesellschaft „Isis“ am 13. April 1893 

von Geh. Finanzrath CI. Kopeke. 

Um die Mitte der fünfziger Jahre tauchte der Plan auf, die Elbe 
zwischen Hamburg und Harburg zwecks Herstellung einer Eisenbahn zu 
überbrücken, ein Plan, welcher etwa 15 Jahre später zur Ausführung 
gekommen ist. Nach der damals in der technischen Welt herrschenden 
Ansicht erschien es nicht angänglich, Pfeiler in den tiefen Strom zu stellen, 
man hielt es vielmehr für nothwendig, die eigentliche Stromrinne frei zu 
lassen, welche in der Süder-Elbe bei Harburg eine Breite von ca. 300 m 
besitzt und die gegenwärtig mit 3 Trägern von ca. 100 m Spannweite 
überbrückt worden ist. Die Aufgabe war also, eine Oeffnung von 300 m 
ungetheilt zu tiberspannen und dieses war damals und bis vor wenigen 
Jahren — vor dem Bau der Forth-Brücke in Schottland — nur mit einer 
Hängebrücke möglich, weshalb denn auch an die Herstellung einer solchen 
gedacht werden musste. Es zeigte nun aber die einzige Brücke dieser 
Art, nämlich die Röbling’sche 250 m weite Niagara-Drahtbrücke, unge- * 
achtet ihrer Absteifung durch einen hölzernen Gitterträger, eine so geringe 
Steifigkeit, dass man genöthigt war, die Fahrgeschwindigkeit auf derselben 
* nicht über 3 Euss (— 0,9 m) in der Secunde zu steigern, um schädliche 
Schwankungen zu vermeiden, was für den Bahnbetrieb ausserordentlich 
lästig war, indem dadurch die Leistungsfähigkeit dieser Bahnverbindung 
zwischen den Vereinigten Staaten und Canada sehr eingeschränkt wurde. 
Dieser Umstand gab zur Anwendung einer wirksameren Absteifung der 
Hängebrückenconstruction dringende Veranlassung und es wurde daher 
von mir 1857 ein in den Jahrgängen 1860 und 1861 der Hannover- 
schen Ingenieur Vereins -Zeitschrift veröffentlichter Entwurf aufgestellt, 
welcher darauf hinausging, statt Ketten aus einzelnen Gliedern, oder statt 
der Drahtseile eine aus Blech und Winkeleisen zusammengenietete Gurtung 
zum Tragen zu verwenden und dieselbe mit dem Fahrbahnrahmen unver- 
schieblich zu verbinden, bezw. unter Bildung einer doppelten Sichelform 
eine zweite Gurtung anzuwenden, die wegen der Temperatur-Einwirkungen 
nothwendige Beweglichkeit des Ganzen in verticaler Richtung aber durch 
Anbringung von 3 Gelenken zu sichern. In den betreffenden Veröffent- 
lichungen, deren eine auch in dem Civil Engineer and Arehitects Journal, 
January 1861, erfolgte, war auf die Anwendbarkeit der empfohlenen An- 
ordnung bei eisernen Bogenbrücken mit hingewiesen und es sind seitdem 
Bogen- und Hängewerke mit drei Gelenken mehrfach zur Ausführung 
gekommen. Namentlich hat die Anordnung bei Dächern über Bahnbofs- 

G 'es. Isis in Dresden, 1898. — Abli. 4 . 


__ 87 

lind anderen Hallen Anwendung gefunden, von welchen diejenige des 
Manufacture and Liberal Arts-Building auf der Chicagoer Weltausstellung 
mit Sparren von 112,2 m Weite bei 63,4 m Höhe die grösste ist. In 
Deutschland ist u. A. das Dach der Flora bei Charlottenburg und eine 
grössere Anzahl von Bahnhofshallen mit 3 Gelenken versehen. Hänge- 
brücken mit dieser Einrichtung sind in Deutschland der 65 m weite 
Kettensteg über den Main in Frankfurt, in Italien eine Brücke über den 
Tiber in Rom, in Amerika die 244 m weite Brücke über den Monon- 
gahela in Pittsburg. Die neueste ist die Tower-Brticke in London mit 
Seitenöffnungen von 92 m Weite, die sich aus unsymmetrischen, sichel- 
förmigen Hälften von 57 und 35 m Länge zusammensetzen. 

Die Elbbrücke zwischen Loschwitz und Blasewitz ist nun ebenfalls 
eine steife Hängebrücke mit 3 Gelenken in der Mittelöffnung. 

Die gestellten Anforderungen waren folgende : 

Es soll die Mittelöffnung sich über den ganzen Strom erstrecken, in 
den keine Pfeiler gebaut werden dürfen, weil die Gesammtdurchflussweite 
des Stromes ohnehin stark eingeengt ist und der lebhafte Schiffsverkehr, 
insbesondere derjenige der Personendampfer, durch solchen Pfeilereinbau 
sehr behindert und geradezu gefährdet werden würde. Die Fahrbahnbreite 
der Brücke für den Wagenverkebr soll 7 m, die Breite jedes der Fuss- 
wege 2,2 m betragen. Diese Breitendimensionen und deren Yertheilung 
kommen ungefähr den Abmessungen der entsprechenden Bahnen auf der 
Augustusbrücke gleich. Obwohl nun die Fusswege auch ausserhalb der 
Träger hätten angebracht werden können, entschied man sich doch für 
deren Anordnung im Innern, um die Benutzbarkeit des Fahrweges auch 
für den Personenverkehr zu ermöglichen und die Abtrennung der Fuss- 
wege als schmale abgetrennte Bahnen, auf welchen jedes Ausweichen 
durch beiderseitige Wände erschwert ist, zu vermeiden. Es ist aber 
gleichwohl für den Fall der bedeutenden Erhöhung der Brückenbenutzung 
Vorsorge getroffen, dass nachträglich Fusswege an den Seiten hergestellt 
werden können, indem die Querträgergurte über bezw. unter den Unter- 
gurten durchgeführt und durch eine Blechwand verbunden sind, sodass 
beiderseits der Brücke bereits die Ansätze der Fussbahnträger vorhanden 
sind. 

Die Tragweiten sind für die Mittelöffnung 146,68 m, für die Seiten- 
öffnungen je 61,76 m. Die Pfeilhöhe der Mittelöffnung ist 24 m. Um 
sowohl jeden Wechsel zwischen Zug und Druck in den Untergurten zu 
-vermeiden und in letzteren nur Zugspannungen zu erhalten, sowie um 
ferner die zur Herstellung der erforderlichen Widerstandsfähigkeit gegen 
die biegenden Wirkungen der fremden Last in dem Mitteltheil nöthigen 
Versteifungsträger möglichst abzukürzen, ist als Form des Mitteltheiles 
nicht die Parabel, sondern die Hyperbel mit der Form für Metermaass 

y = 1,871)/ 4Öx -f- x 2 

gewählt; in diesen Ausdrücken bezeichnet y die Horizontalabstände vom 
Scheitel, x die Ordinaten. Die Gurte der Seitenträger sind nach Kreisbogen 
von 375 m Halbmesser gekrümmt. Die Fahrbahn steigt vom Ufer bis, 
zur Pilone um 1,392, von da bis zum Scheitel bei mittlerer Temperatur 
um 0,608 m an. Die Abstände der Querträger an den Gurten sind fast 

2 * 


88 


durchweg 3,86 m. Um nun mit Zuhilfenahme von Hängeeisen zwischen 
je 2 Befestigungsstellen der Querträger eine Beanspruchung der Gurte 
auf Biegung zu vermeiden, konnten die Gitterfusspunkte in nicht mehr 
als 2 x 3,86 = 7,72 m Abstand angenommen werden, woraus sich ein 
doppeltes System der Gitter als nothwendig ergab. Machte schon die 
Befestigung der erwähnten Hängeeisen an den Kreuzungspunkten zweier 
Gitterstäbe die Verbindung dieser Kreuzungspunkte durch einen Mittelgurt 
wünschens werth, so noch mehr die Rücksicht auf Vermeidung von Ein- 
biegungen einzelner schwer belasteter Knotenpunkte; dass und wie sehr 
solche Biegungen bei Trägern Vorkommen, welche mit mehrfachen Gitter- 
oder Fachwerksystemen versehen sind, habe ich bei den älteren Trägern 
der Niederwarthaer Elbbrücke mit Hilfe von Libellen beobachten können. 

Eine besondere Sorgfalt bezüglich der Sicherung gehöriger Steifigkeit 
gegen Seitenkräfte erfordern die Pilonen. Da nämlich die Fahrbahn zur 
Vermeidung jeder Einengung durch die Pfeiler in voller Weite frei 
zu lassen war, mussten die seitlich bleibenden Säulen alle Seitenkräfte 
aufnehmen und sind dieselben daher im Grundriss rechteckig in 2,2 m 
Breite hergestellt worden. Die Pilonen sind nicht selbständige Säulen, 
sondern die verticalen Rahmen der Hälfte des Mittel träg ers ; sie bedürfen 
daher keiner Stabilität in der Längsrichtung, sondern sie werden in dieser 
von den Gurten der Träger der Seitenöffnungen gehalten, so dass sie sich 
bei steigender Temperatur nach der Mitte zu neigen. 

Unten stehen die Pilonen auf mit Rolllagern versehenen pyramidalen 
Stahlkörpern, während eine runde konisch geformte Unterlagsplatte die 
Last auf das Mauerwerk überträgt. Beiläufig enthalten diese Unterlags- 
platten je 1 cbm Gusseisen, sie sind 2,88 m im Durchmesser Jgross und 
mit harten Ziegeln in Cement untermauert. Zur Sicherung der festen 
Auflage der Eisenplatte ist das Mauerwerk abgeschliffen worden, eine 
Arbeit, die ich bereits bei mehreren grösseren Brücken habe ausführen 
lassen und die sich durch Ausbleiben jeder unvorhergesehenen Bewegung, 
sowohl Senkung wie Drehung der Unterlagsplatten bewährt hat. 

Die Rollen sind cylindrisch und etwas schräg gelegt in der durch 
einige Versuche begründeten Voraussetzung, dass sich das Eisen um das 
Anderthalbfache des Maasses ausdehnt, welches bei dem Steinpfeiler eintritt. 
Hierbei will ich bemerken, dass bei einem grossen Viaducte in Amerika 
zur Vermeidung von Gleitbewegungen die Verbindungsrahmen der Pfeiler- 
säulen in ihrer Mitte auf dem Mauerwerk befestigt und an den Auflager- 
stellen mit 2 Schichten Rollen über einander in sich kreuzender Richtung 
— natürlich durch Platten getrennt — ausgerüstet sind; soweit zu gehen 
wurde im vorliegenden Falle nicht für nothwendig gehalten, zumal die 
Breitendimension denn doch nur eine mässige ist und die bei der ge- 
troffenen Anordnung noch möglichen Seitenkräfte nicht bedeutend ausfallen 
können. 

Das ganze Mauerwerk besteht aus Stampfbeton mit Sandsteinver- 
kleidung im Aeussern. Die vom Publikum zu betretenden Treppenstufen 
sind aus Granit. 

Die Befestigung der Fahrbahn der Brückenzufahrten besteht aus Stein- 
pflaster; auf der Brücke ist eichenes Holzpflaster 12 cm hoch auf Bohlen, die 
auf Zoreseisen ruhen, in der Ausführung begriffen. Die Fusswege bestehen 



aus Bohlen auf Langsch wellen. Die Zoreseisen liegen diagonal zur Brücke, 
rechtwinkelig zur einen Schaar der Querträger, jedoch in der Mitte zwischen 
zwei solchen noch einmal gestützt. Für die tJeberführung von 2 Pferde- 
bahngleisen werden Ruhrorter Rillenschienen (Phönixschienen) gleich mit 
verlegt. Zur Ueberbrückung der beiden für die Dilatation zu lassenden 
Spalten sind sehr einfache Vorkehrungen getroffen. 

Zu erwähnen sind noch die Neuerungen, welche bei der Brücke zur 
Anwendung gekommen sind und deren Zweckmässigkeit sowohl aus 
Erfahrungen an ähnlichen Bauwerken, wie aus theoretischen Erwägungen 
hervorging. Diese Neuerungen sind hauptsächlich 

1. die Yerbindung der Pilonen mit den Trägerhälften der Hauptöffnung, 

2. die Anwendung von Federn zu den Gelenken, 

3. die Anbringung des Scheitelgelenkes unter der Fahrbahn, 

4. die kreuzweise Anordnung der Querträger, 

5. die Anwendung von mit je ca. 1500 t Schlacken und Roheisen be- 
lasteten Ankern zur Uebertragung der Schubkräfte auf den Erdboden. 

Ist das nähere Eingehen auf diese Einzelheiten, welche in den Jahr- 
gängen der Hannoverschen Zeitschrift von 1860, 1861, 1888 und 1889 
vom Vortragenden behandelt sind, hier ohne Zeichnungen — die im Vor- 
trage zur Ansicht ausgegeben wurden — nicht wohl thunlich, so bleibt 
nur noch übrig, die Gewichte der einzelnen Haupttheile hier anzugeben. 
Diese sind: 


die Anker constructionen 
die beiden Seitenträger 
die beiden Pilonen . . 

die Mittelträger . . . 

Nieten 


450 408 kg 
973 102 
411841 

1 065 621 

97117 

2 998 089 kg 


oder rund 3000 Tonnen Constructions-Eisen. 


Das zur Verwendung gekommene Eisen ist Martin-Siemens-Flusseisen 
und zumeist von der Königin Marienhütte in Cainsdorf, welcher die 
Trägerlieferung übertragen war, selbst producirt; die grösseren Bleche sind 
indess von der Duisburger Hütte, die Stahlauflagen der Pilonen und der 
Anker von Solingen bezogen. 

Bei der Projectirung und Ausführung der Brücke waren als Ingenieure 
hauptsächlich thätig Herr Bau-Inspector Krüger hinsichtlich des gesammten 
Eisenwerks, während Herrn Bau-Inspector Ringel die Pfeiler und Zugangs- 
strassen zur speciellen Bearbeitung und Ausführung übertragen waren. 

Seit Anfang December 1892 ist die Brücke fertig montirt und sind 
seitdem die Fahrbahn- und Geländer-Herstellungen in Ausführung begriffen. 

Die Eröffnung der Brücke für den Verkehr wird voraussichtlich Mitte 
dieses Jahres (1893) erfolgen. 


90 


V. Die Zeolithe im Syenitgebiete des Plauenschen 

Grundes bei Dresden. 

Von E. Zschau in Dresden. 


Der zuerst gefundene Zeolith des Plauenschen Grundes ist ein rother 
Stilbit. Das Mineral gehörte aber nicht dem Syenite an , sondern es 
findet sich in den bekannten, man darf wohl sagen berühmten Melaphyr- 
gängen des Syenits bei der Königsmühle, am südlichen Ende des kurzen 
Eisenbahntunnels. Jedenfalls ist das Mineral schon so lange bekannt, 
wie der Melaphyr eingehender beobachtet worden ist. Durch den Eisen- 
bahnbau sind die Melaphyrgänge vor der Zerstörung durch Steinbruch- 
betrieb gerettet worden , aber leider ist Aussicht vorhanden , dass die 
herrlichen Gänge durch die geplanten Eisenbahn- und Strassenverlegungen 
doch noch zerstört werden , und etwaige mineralogische Aufschlüsse 
werden keineswegs den Verlust aufwiegen, den die Geologie erleiden würde. 

In dem Melaphyre bildet der Stilbit die Ausfüllung mancher der 
kleinen mandelartigen Hohlräume und bietet nichts besonders Ausge- 
zeichnetes. Es ist nur die bezeichnende Spaltbarkeit und der eigenthümliche 
Glanz zu erkennen. Freie Krystalle wurden nicht beobachtet, das Mineral 
zeigte sich nur als einheitliche oder zuweilen auch als strahligblätterige 
krystallinische Masse.*) 

1. Laumontit. 

Das Mineral wurde um die Mitte der fünfziger Jahre durch einen 
Gymnasiasten, Herrn Männel, zuerst aufgefunden und damit die Reihe 
unserer Syenitzeolithe aufs glücklichste eröffnet, Die erste Fundstelle ist 
bis in die Gegenwart der Hauptfundort geblieben und es ist Aussicht 
vorhanden, dass auch in Zukunft das Auftreten des Minerals von Zeit zu 
Zeit wird beobachtet werden können. 

In meinem ersten Berichte über unseren Laumontit (Isis -Zeitschrift 
1857, S. 134 — 138) sind wohl einige Ansichten über das Vorkommen des 
Minerals ausgesprochen worden, welche, gelind gesagt, jetzt als irrthümlich 
anzusehen sind. Ganz besonders bezieht sich dieser Selbstvorwurf auf die 
Annahme, dass manche der dunkeln, meist sehr wenig mächtigen, den 
Syenit aderartig durchziehenden Gesteinsmassen basaltischer (melaphyrischer) 


*) Eine Abbildung der Melaphyrgänge ist zu linden in K. C. v. Leonhard’s 
Lehrbuche der Geognosie und Geologie, S. 168. Stuttgart 1846. Leonhard sagt: 
„Die beigefügte Tafel ist entnommen aus J. Roth’s interessanter Schrift, die Kugel- 
form im Mineralreiche. Dresden 1844.“ 

Oes. Isis in Dresden, 1898. - Abli. 5. 


91 


Natur seien. Erst im Jahre 1882 beobachtete ich in den ersten Brüchen 
am linken Weisseritzufer, aufwärts von der Gasanstalt, das dunkle Gestein 
in grösserer Masse und fand, dass in die dunkle, feinkörnige Grundmasse 
deutliche , scharfeckige Syenitbrocken eingebettet waren. Bei genauerer 
Betrachtung der Grundmasse wurden in derselben gelbe zersetzte Titanite 
erkannt und die Annahme schien nun gerechtfertigt , dass das dunkle, 
gangartige Gestein ein Trümmergestein und die bindende Grundmasse fein 
zerriebener Syenit sei; der Titanit w^ar gleichsam das Leitfossil. Dem 
Stoffe nach ist also wahrscheinlich das Reibungstrümmergestein nicht 
wesentlich von dem Syenite verschieden, und wenn dasselbe besonders 
günstig für die Bildung secundärer Mineralien gewesen wäre , so würde 
dies nicht auf eine abweichende Stoffnatur, sondern mehr auf Gefüge- 
verhältnisse zurückzuführen sein, denn wo das Gefüge gelockert ist, haben 
äussere , zersetzende Stoße (Atmosphärilien) freieres Wirken. In dem 
Syenite als solchem ist ja durch das, wenn auch sparsame, Yorkommen 
von Oligoklas genügendes Material für die Entstehung solcher Mineralien 
wie Laumontit u. s. w. gegeben. Auch der Orthoklas würde durch unter- 
geordnete Bestandtheile , wie z. B. Kalk und Natron genügen, das Yor- 
kommen mancher Zeolithe und des Kalkspaths zu erklären. Die früher 
behauptete Abwesenheit des Quarzes und des Pistazits kann nicht auf- 
recht erhalten werden, denn spätere Funde haben die Anwesenheit beider, 
wenn auch selten, in Gesellschaft von Zeolithen ergeben. 

In dem von der Gasanstalt in Plauen bis zum Wehre beim Forst- 
hause sich erstreckenden Syenitbruche, welcher durch die Arbeit von Dr. 
D o s s über Laraprophyre und Melaphyre (Tschermak , mineralog. und 
petrograph. Mittheilungen, XI. Bd., 1. Heft) grössere Wichtigkeit erlangt 
hat, ist der Laumontit bis jetzt nicht aufgefunden worden, trotzdem dass 
in diesem Bruche gerade das oben erwähnte Reibungstrümmergestein in 
grösserer Masse (gangartig) auftritt. Auch der Syenit ist in ungefähr nord- 
südlicher Richtung im Grossen senkrecht zerklüftet und hat so der Zer- 
setzung Gelegenheit geboten, aber noch keine Spur von Zeolith wurde be- 
merkt. Ebenso hat auch der in bedeutender Mächtigkeit aufgeschlossene 
Lamprophyr nichts geboten von fremden Dingen. 

In neuerer Zeit (1892) ist der Laumontit in dem oberhalb des Wehres 
beim Forsthause gelegenen Bruche vorgekommen. Der Bruch bietet, mehr 
als irgend ein anderer, eine grosse Mannigfaltigkeit des Syenitgesteins und 
besonders auch ausgezeichnete Trümmergebilde. Dieselben sind entweder 
dicht durch das feine Reibungsbindemittel oder auch mehr lose, fast ohne 
Bindemittel. Das dichtere Gestein hat nicht gar selten Drusenräume, 
hauptsächlich mit Carbonaten ausgekleidet, ohne Zeolithe. Die Höhlungen 
und Klüfte der lockeren Masse boten ausser Kalkspath den Laumontit in 
Menge dar , leider zumeist durch Entwässerung zerfallen , so dass die 
Splitter spannengrosse Haufwerke bildeten. Der Laumontit dieser Oertlichkeit 
sitzt meist auf Kalkspath und zeigt fast nur die gewöhnliche einfache 
Gestalt. Die Drusen müssen ursprünglich so schön gewesen sein wie die 
ungarischen. 

Unterhalb Dölzschen an der Thalstrasse sind 4 Syenitbrüche (1, 2,3,4 
von NO nach SW gerechnet), die unmittelbar aneinander grenzen. In 
I wurde bis jetzt kein Laumontit gefunden; in 2, dem grössten und 


schönsten Bruche fand sich der Lanmontit als mehr derbe Kluftaus- 
füllung, ziegelroth und nicht verwitternd, was jedenfalls dem Eisen- 
gehalte zu verdanken ist. Die Begrenzung dieses Laumontits ist entweder 
Syenit oder auch Quarz und grünerdeartige Masse. Als ganz dünne 
Rinden zeigte sich der Laumontit auch noch in engsten Syenitklüften. 
Das Mineral ist roth und die Krystalle liegen auf dem Gesteine, so dass nur 
selten ein Ende zu erkennen ist. Mit krystallisirtem Kalkspath wurde 
der Laumontit sehr selten gefunden und war dann begleitet von Phillipsit. 

Im Bruch 3 wird der Laumontit mitunter angetroffen. Als Interessantestes 
dieser Stelle können vielleicht die kreisrunden 1 bis 2 cm grossen blass- 
rothen Flecken angesehen werden, die engste Syenitklüfte (meist N-S er- 
streckt) in grosser Ausdehnung bekleiden. Nur sehr selten, aus weiteren 
Klüften stammend, wurden flachknollige, etwas strahlige erdige Stücke er- 
halten, die nach dem chemischen Verhalten jedenfalls ein zersetzter Zeolith 
sind. Nach der Aehnlichkeit werden auch die Flecken wohl nichts anderes 
sein. Ich halte das Mineral für zersetzten Laumontit. 

Auf der Grenze zwischen 3 und 4 ist der erste Laumontit gefunden 
worden, und bis heute ist Bruch 4 die Hauptfundstätte geblieben. Der 
Laumontit füllt mit Kalkspath engere und weitere Klüfte und Hohlräume, 
die besonders in mehr zersetztem Gesteine anzutreffen sind. Leider ist 
auch hier der Laumontit meist halb oder ganz zerstört. Begleiter des 
Laumontits sind: Schwerspath (selten) älter als der Laumontit, Kalkspath 
jünger als der Laumontit, Phillipsit! jünger als Laumontit und Kalkspath. 
— Auch auf anscheinend frischem Syenite findet sich der Laumontit, und 
zwar als strahliger Ueberzug, an die in Bruch 3 erwähnten Flecken er- 
innernd, und auch krystallisirt. Die Krystalle zeichnen sich durch grössere 
Frische aus, und besonders die sehr kleinen haben hübschen Glanz und 
sind fast durchsichtig. Gewöhnlich bleiben diese kleinen aber schönsten 
Krystalle unbeachtet. 

Ist der Laumontit ganz in Kalkspath eingebettet, so hält er sich gut. 
Es ist schade, dass man das Mineral nicht durch Säure frei machen kann. 
Salzsäure ist ganz unbrauchbar, nur die Essigsäure lieferte ein erträgliches 
Ergebniss. Ueber das Ueberziehen mit Gummi wurde früher berichtet. 
Die herrlichen ungarischen Laumontite, die anfänglich ganz wasserhell 
erschienen, sind trotz Ueberzug auch trüb geworden. 

Bemerkenswerth mag es sein, dass die rothen, wenn auch nur sehr 
wenig Eisenoxyd führenden Laumontite sich gut halten auch ohne Ueber- 
zug. Ein solcher ziegelrother, körnig krystallinischer, nicht verwitternder 
Laumontit (3 cm starke Kluftausfüllung im Syenite) ergab : 

Kieselsäure — 53,88 % 

Thonerde = 20.73 „ mit Spuren von Eisenoxyd. 

Kalkerde' = 9,28 „ 

Natron = 1,97 „ 

Wasser — 13 96 ,, 

99,82 °/o. 

Zum Vergleiche seien die älteren Analysen Plauenschen Laumontits 
angeführt : 


93 


I. 

Kieselsäure = 51,33% 
Thonerde — 21,98 „ 

Kalkerde = 9,01 „ 

Wasser = 14,93 „ 

Eisenoxyd — 0,14 „ 

Natron — 3,20 „ 

“100,59%. 

I. Gericke, Anm. d. Chem. u. Pharm., 


II. 

Kieselsäure — 52,29 % 

Thonerde = 22,70 „ 

Kalkerde = 9,69 „ 

Wasser = 14,94 ,, 

99,62%. 


. — II. Z sch au, Isis-Zeitschrift 1857. 


Ausser im Plauenschen Grunde kommt der Laumontit bei Dresden 
noch vor: 1) oberhalb Wesenstein am linken Müglitzufer, als Kluftausfüllung 
eines syenitartigen Gesteins; fast nur körnig-krystallinisch, röthlich, selten 
deutlich krystallisirt; 2) in sehr geringer Menge einmal gefunden auf einem 
feinkörnigen Granite in dem Bruche oberhalb der Haidemühle am rechten 
Priessnitzufer. 


Zum Schlüsse will ich es noch unternehmen, einiges über die Gestalt 
unseres Laumontits mitzutheilen , beschränke mich aber im Wesentlichen 
darauf, meinen Wahrnehmungen durch elementare Zeichnungen Ausdruck 
zu verleihen. Die Zeichnungen stellen die Formen von oben gesehen dar 



Fig. 1. Einfachste Gestalt. Säule a und schiefe Endfläche b. a = oc P; 
b = — P ec. Also: ec P. — Poe. 

Fig. 2. Säule a; schiefe Endfläche b; Basis c; Pyramide d. Diese Com- 
bination ist nicht gar selten. 

Fig. 3. Säule a; schiefe Endfläche b; Basis c; Pyramide d; Abstumpfung 
parallel der Klinodiagonale: e ein Pinakoicl; Abstumpfung zwischen 
Säule und schiefer Endfläche: f pyramidale Flächen. 

Fig. 4. Säule a; schiefe Endfläche b; Basis c; Pyramide d; Säulenpina- 
koid e; Hemidoma g; steiles Hemidoma h; steiles Hemidoma i; 
Doma k. 

In dieser Figur sind Flächen, die an verschiedenen Kry stallen 
beobachtet wurden, zusammengestellt. 

Zu bemerken bleibt noch, dass die Flächen i, g, h und e nur 
selten, ja sehr selten gesehen werden; f und k wurden nur einmal 
gesehen, so dass als werthvollste Gestalt nur Figur 2 übrig bleibt. 

Ich halte dafür, dass unser Laumontit, so sehr er auch in Bezug auf 
Schönheit hinter dem ungarischen, von dem ich allerdings nur sehr wenige 
Stücke gesehen habe, zurückstehen mag, in Bezug auf Mannigfaltigkeit 
der Gestalt eine Art Vorzug habe, Hoffentlich wird yon berufener 


94 


Seite einmal etwas ganz Bestimmtes über diesen Gegenstand, die Gestalt, 
gegeben. 

t 

2. Analcim. 

In dem ersten (nördlichsten) Bruche unterhalb Dölzschen ist Ende 
1883 eine gangartige Kluftausfüllung blossgelegt worden, die eine Stärke 
von 1 bis 10 cm hatte und mehrere Meter weit verfolgt werden konnte. 
Die Längserstreckung war ungefähr rechtwinkelig zur Thalrichtung. — Die 
gangartige Masse bestand scheinbar nur aus Kalkspath ohne freie Krystalle, 
schien also nur wenig Beachtung zu verdienen, denn rothe schmale Streifen, 
im Wesentlichen eisenoxydhaltiger Kalkspath, zwischen den reineren Kalk- 
spathpartien waren auch anderwärts in den Kluftausfüllungen des Syenits 
beobachtet worden. Schon hatte ich die ersten Fundstücke des 'Vor- 
kommens wieder fortgeworfen, aber ich nahm doch einige wieder auf und 
glaubte bei wiederholter Betrachtung, die rothe Masse nun als etwas vom 
Calcite Verschiedenes zu erkennen, denn sie zeigte nicht die Spaltbarkeit 
desselben, sondern einen durchaus unebenen Bruch. — Möglichst viel 
mitnehmen und wiederholt betrachten, zum Wegwerfen ist es 
nie zu spät, ist beim Sammeln eine gute Kegel, deren Beachtung 
sich in vielen Fällen höchlichst belohnt. 

Die fraglichen Stücke wurden einem bewährten Mitarbeiter, der mir 
schon manchen erfreulichen Aufschluss verschafft, nämlich verdünnter 
Salzsäure übergeben, um den missgünstigen Kalkspath zu entfernen, 
und der Erfolg war höchst lohnend. Es kamen Draschen schön glänzender 
.Krystalle zum Vorschein, nicht nur roth, sondern auch farblos, manche 
auch trüb und fast oder ganz erdig. Die Säure durfte weder zu stark 
noch gar zu schwach angewendet werden, in beiden Fällen scheint es, als 
wenn die Krystalle stärker angegriffen würden, durch zu grosse Stärke 
oder durch zu lange Einwirkung. Ich nahm etwa 1 Theil gewöhnliche 
Salzsäure auf 5 bis 6 Theile Wasser. Nach der Säurewirkung ist ein 
oft und lange wiederholtes Auswaschen nothwendig, am besten, man stellt 
die Steine mit viel Wasser an einen mässig warmen Ort. 

Die mit Säure freigelegten deutlichen Krystalle konnten nach meiner 
Ansicht nichts anderes sein als Analcim. Später wurden auch gute Kry- 
stalle, von denen der Kalkspath durch Schlagen gelöst, und auch solche 
in von Natur freien Drusen gefunden. Der Fund erfreute mich um so 
mehr, da meines Wissens bis jetzt noch kein Analcim aus Sachsen bekannt 
war. Erst nach und nach, im Laufe von Jahren, ist das Vorkommen mir 
in seiner Gesammtheit so bekannt geworden, dass ich es unternehmen 
darf, Angaben darüber zu machen, wenn auch mit Vorbehalt. 

Ausser den beiden Hauptmineralien, Kalkspath und Analcim, wurden 
noch gefunden : 

1. ein wie rhomboedrisch aussehendes Mineral in sehr kleinen Krv- 
stallen, unmittelbar auf dem Syenite (selten); ich halte es für einen 
Feldspath; die Krystalle bilden Reihen und scheinen immer nur 
auf der Schmalseite der langgestreckten (flachen) Feldspathe des 
Syenits zu sitzen und die freie Ausbildung derselben nach dem 
Kluftraume hin zu sein. Sie entsprachen wohl ähnlichen Gebilden, 
die auch an anderen Stellen des Syenits, in engen Klüften des- 


95 


selben beobachtet wurden, und an denen die fraglichen Krystalle 
zwei Gegenreihen, entsprechend den Feldspathzwillingen , bilden; 

2. kleindrusiger farbloser und auch rother eisenhaltiger Quarz; 

3. rother Zeolith (Analcim) eisenhaltig; 

4. Phillipsit! meist roth, anscheinend quadratisch säulig, mit Pyra- 
midenflächen über den Längskanten der Säule; 

5. Schwerspath, ziemlich selten; 

6. farbloser Analcim, zuweilen gekerbt durch Schwerspath; 

7. Kalkspath, älterer gemeiner, in keilartigen Massen, weiss, auch mit 
rothen wohl quarzigen Ausfüllungen; 

7b. Brauneisen in kleinen Kugeln, wie solche sich namentlich auf 
skalenoedrischem Kalkspathe des Syenits finden; 

8. Kalkspath (edler Kalkspath nach dem Ausspruche eines Stein- 
brechers, Herrn Mai, welcher ein besonders gutes Auge und Ver- 
ständnis für Mineralien hat), schön basische Blätteraggregate bildend, 
und über diesen noch freie flachrhomboedrische Kalkspatbgruppen. 

Diese Aufzählung giebt ungefähr die Altersfolge der Gangmineralien. 
Es ist selbstverständlich, dass die Reihe erst durch Zusammenstellung 
vieler Stücke erhalten weiden konnte. 

Der Analcim ist derb und roth in den unteren Partien, auf diesen 
aber findet sich das Mineral in schön ausgebildeten rothen, glänzenden 
Krystallen, oft sind dieselben theilweise mit einer dicken Haut farblosen 
Analcims bedeckt und durch dieselbe vervollständigt. Auch hier zeigt 
sich also dieselbe Erscheinung wie bei anderen secundären unserer Syenit- 
mineralien, dass die älteren Bildungen durch das Eisen des zersetzten 
Syenits beeinflusst sind. — Die Krystalle sind meist klein, 1 — 3 mm. 
Eine Grösse von 1 cm ist sehr selten. Die Gestalt ist ein reines Ikosite- 
traeder, nicht gar selten aber ist auch das Hexaeder als Heine quadratische 

oder rectanguläre Abstumpfung zu sehen. Also 2 0 2 ocOoc, letztere 

Fläche immer untergeordnet. Ich glaubte auch einmal eine sehr schwache 
Kantenabstumpfung gesehen zu haben. Die Krystalle sind schön frisch 
und glänzend, die rothen durchscheinend, die farblosen bis durchsichtig. 
Durch das Behandeln mit Säure leiden die Krystalle und werden mehr 
oder weniger trübe. Auch durch die Natur können sie verändert sein 
und in kaolinartige Masse umgewandelt werden, doch ist dies selten der Fall. 

In Bezug auf Umwandlung des Analcims mag noch eine Thatsache 
erwähnt werden. Im südlichsten Bruche unterhalb Dölzschen, aufwärts 
am Thalabhange an der nach dem genannten Dorfe führenden Bergstrasse 
gelegen, wurde ein absonderlicher Fund gemacht. — Unter dem Kalk- 
spathe einer dünnen (1 cm) Kluftausfüllung auf ziemlich frischem Syenite 
wurden dunkle, fast schwarze, hübsche, kleine, 1 bis 2 mm grosse Ikosite- 
traeder gefunden, die man auf den ersten Anblick wohl für Granat halten 
konnte. Die Substanz war aber weich und erdig, wie talkartig. Immer- 
hin konnte man annehmen, es mit einem umgewandelten Granate zu thun 
zu haben. 

Die Krystalle sind grünlich-schwarz, zuweilen auch unrein roth-braun, 
meist deutliche Leucitoeder; an einem Krystalle wurde auch eine Würfel- 
fläche gesehen und dadurch der Gedanke alsbald auf Analcim gelenkt. 
In einem Falle zeigten sich die Krystalle auch wie tafelig, als seien sie 


96 


durch ein blätteriges Nebenmineral an vollkommener Ausbildung gehindert 
worden. Die innere Substanz ist nicht nur rein erdig und dunkel, sondern 
in geringem Maasse auch hell, ja wie krystallinisch, besonders an der 
Stelle, wo der Kry stall auf dem Syenite sitzt und ähnliche rundliche Flecken 
bildet, wie sie oben beim Laumontit erwähnt wurden, und auch achtseitige 
Figuren: Durchschnitte des Leucitoeders. 

Ich glaube nicht zu irren, wenn ich dieses Vorkommen für eine 
Analcim-Pseud omorphose halte. Chemische Untersuchung konnte 
wegen der geringen Menge des Materials nicht vorgenommen werden. 


Während der Laumontit und die vorerwähnten Analcim Vorkommen 
als durchaus secundär anzusehen sind, giebt es doch auch ausser dein 
Analcim noch andere Zeolithe des Syenits, die mehr dem Gesteine als 
solchem anzugehören scheinen, indem sie nicht auf Klüften auftreten, 
sondern in dem Gesteine selbst. 

In dem unteren Bruche hinter der Garnisonmühle wurden seit 1883 
bedeutende, viele Kubikmeter grosse Massen einer Syenitabart bloss gelegt 
und abgebaut. Das Gestein bildet gleichsam grosse Linsen im gewöhn- 
lichen Syenite, die von unten nach oben wenig regelmässig gereihet und 
unter einander w r ie durch Verzweigungen verbunden sind. Dieses Gestein 
hat nicht das Parallelgefüge des gewöhnlichen Syenits, sondern ist mehr 
granitisch körnig, meist reich an Hornblende und schwer zersprengbar; 
es enthält gewöhnlich viel Magneteisen, auch wohl grünliches augitisches 
Mineral, Titanit in unvollkommenen, gestörten Krystallen , nur selten sind 
dieselben wohl gebildet, Orthit wurde einmal beobachtet, Quarz scheint 
ganz zu fehlen. An den Grenzen kann das Gestein wohl auch in einen 
Epidotsyenit übergehen, sehr arm an Feldspath, auf Klüften Quarz führend. 

In diesem mehr oder weniger grobkörnigen , bis fast feinkörnigen 
Gesteine finden sich unregelmässige Einsprenglinge, gewöhnlich klein, nur 
ein bis mehrere Centimeter gross, selten bis zu etwa 10 cm in Länge, 
und 1 — 3 cm in Breite und Höhe. Dieselben sind immer von rother 
Farbe und bestehen im Wesentlichen aus Zeolithen, aber sie führen auch, 
obgleich sparsam, Magneteisen (sehr selten deutlich octaedrisch), Horn- 
blende und Glimmer, hierdurch wohl ihre Zugehörigkeit zum Mutter- 
gesteine andeutend. Die kleineren Einschlüsse erscheinen meist frisch, 
wenn sie auch von äusseren Einflüssen keineswegs gänzlich abgeschlossen 
geblieben sind, wie der die in ihnen etwa enthaltenen Drusenräume immer 
ausfüllende Kalkspath beweist. Die grösseren zeigen sich meist sehr ver- 
ändert, der Inhalt zersetzt in eine thonige Masse, diese ist gewöhnlich 
roth durch Eisenoxyd, seltener schmutzig-grün durch Eisenoxydul. 

Die genannten Einschlüsse enthalten : 1) ein dunkelrothes bis licht 
fleischrothes Mineral, durchaus gefügelos derb, nicht sehr stark glänzend, 
aber darin auch bis farblose, stark glänzende krystallinisch e Th eile mit 
eigenthümlicher Streifung auf den für mich nicht deutbaren Flächen. 
Sehr selten wurden beim Schlagen deutliche quadratische Flächen sichtbar. 
Analcim ! 2) ein strahl iges stängeliches Mineral, Natrolith ! 3) seltener 

ein schön glänzendes blätteriges Mineral, Stilbit ! 4) feinglänzende, frische, 

sehr kleine Apatitsäulchen mit Pyramidenflächen ! 5) Kalkspath , ohne 

äussere Gestalt, und wohl noch anderes. 


97 

Am meisten nahm das derbe rothe Mineral (1) meine Aufmerksamkeit 
in Anspruch, und die Hoffnung, dass der Kalkspath vorhandene Drusen 
ausfülle, wurde nicht getäuscht, denn nach Wegnahme des Kalkspaths mit 
Säure wurden kleine Drusenräume frei, welche sehr kleine, anscheinend 
würfelige Krystalle enthielten, deren Zugehörigkeit zur derben rothen 
Masse zweifellos war. Ausser diesen wurden in einigen Fällen auch sehr 
kleine, deutliche Stilbitkrystalle (Heulandit) blossgelegt und ebenso Strahl- 
zeolithnadelchen. Nur in äusserst wenigen Fällen wurden deutliche Kry- 
stalle mit Analcimgestalt wahrgenommen. 

Dass das würfelige Mineral ein Zeolith sei, liess sich chemisch leicht 
darthun; ich dachte wohl an Chabasit, da es mir vorkam, als seien 
wenigstens manche der Würfel etwas schiefwinkelig. Nur in einem einzigen 
Falle glaubte ich an einer Würfelecke drei Analcimflächen zu erkennen. 
Die Krystalle kleiden die Drusen räume ganz gewöhnlich regellos aus, in 
einigen Fällen aber war auch eine Art Parallelismus der Krystalle zu 
sehen, eine Reihe mit Zwischenräumen, als wären die Krystalle Fort- 
setzungen eines einzigen unteren Krystalls. Es wäre ja hochinteressant, 
wenn es sich bestätigen sollte, dass die würfeligen Krystalle sich wirklich 
als Analcim erweisen sollten, ich will es vor der Hand als solchen be- 
zeichnen. 

V. d. L. schmilzt das Mineral ziemlich schwer zu weissem blasigen 
Glase. H == 5 (ungefähr); Y. G. = 2,26 — 2,27. Durch Salzsäure leicht 
und vollkommen zersetzbar, unter Abscheidung von schleimiger Kieselerde. 
Analysen wurden von diesem und anderem Plauenschen Analcim wieder- 
holt ausgeführt, um neben dem Zweifelhaften doch irgend einen Anhalt 
zu gewinnen. 

Ausser in dem körnigen hornbiendereichen Syenite sind ähnliche 
Einschlüsse wie in diesem auch im gewöhnlichen Syenite vorgekommen. 
Als bedeutendste Stellen für dieses Vorkommen sind der Bruch hinter 
der Garnisonmühle und der grosse Bruch (2) unterhalb Dölzschen zu 
nennen. In den meisten Fällen liess aber der Inhalt dieser Einschlüsse 
eine genauere mineralogische und chemische Bestimmung nicht zu, da 
es mir nicht möglich war, hinreichend reines Material auszuscheiden. 

Als eine gewiss nicht unliebsame Thatsache sei nebenbei noch erwähnt, 
dass einmal in dem derben rothen Analcim hinter der Garnisonmühle und 
in dem des grossen Bruches unterhalb Dölzschen äusserst feine Kupfer- 
flimmern gesehen wurden, an den Sonnenstein (Avanturin) erinnernd. 

a) Analysen des derben und würfeligen rothen Analcims aus dem 
Bruche hinter der Garnisonmühle: 


• 

I 

II 

III 

Kieselsäure 

58,16 °/o 

58,44 0/ o 

58,90 °/o 

Thonerde -j- ein ) 
wenigEisenoxyd j 

20,43 „ 

21,56 „ 

19,91 ,, 

Natron 

11,43 „ 

11,09 „ 

11,66 „ 

Kalkerde 

0,37 „ 

0,33 „ 
8,19 „ 

0,33 „ 

Wasser 

8,79 „ 

8,86 „ 


99,18% 

99,61 % 

99,66 %. 


98 


Auch unterhalb Dölzschen (Bruch 1) fand sich einmal ein ähnlich 
dichtes rothes Mineral mit strahligem Zeolithe, wie das hinter der Garnison- 
mühle. Die Analyse ergab : 


Kieselsäure = 58,04% 

Thonerde — 21,91 „ Spur von Eisenoxyd. 

Kalkerde — 0,41 ,, 

Natron = 1 1 ,01 „ 

Wasser = 8,95 „ 


100,32 % 


b) Rothes dichtes Zeolithmineral mit feinstrahligem Zeolith und feinsten 
Magnetitkörnern in gewöhnlichem Syenite. Hinter der Garnison- 
mühle. Die von strahligem Zeolithe freie Masse ergab : 

Kieselsäure — 46,98 % 

Eisenoxyd = 12,78 „ 

Thonerde = 20,35 „ 

Natron = 5,85 „ 

Kalkerde = 6,42 „ 

Wasser — 7,33 „ 

99771 %. 


Nimmt man an, dass alles Eisenoxyd als Magneteisen vorhanden 
gewesen , so würde nach dessen Abzüge der Zeolith ergeben : 

Kieselsäure = 53,60 % 

Thonerde — 23,23 „ 

Natron = 6,67 „ 

Kalkerde = 7,32 „ 

Wasser — 8,36 „ 

99,18%. 

Dieses Mineral giebt vor d. L. eine dunkle Schlacke, und das Pulver 
sintert beim Glühen etwas zusammen. 

c) Analcim, weiss, glänzend, krystalliniscb, und auch deutliche Krystall- 
flächen zeigend. Die Flächen des krystallinischen zeigen die eigen- 
thiimliche Streifung, so dass es aussieht, als seien Krystalle über 
einander gehäuft, die sich gegenseitig an völliger Ausbildung 
gehindert haben. 

Begleiter waren : ein Natrolith, dessen Nadeln in den Analcim hinein- 
ragen (also älter) und ein grau-grünes strahliges Mineral (sehr mild), 
welches man als Epichlorit bezeichnen könnte. Der Natrolith zumeist 
zersetzt zu rother, thoniger Masse, in welcher auch zuweilen winzige, 
ganz frisch gebliebene Apatitkrystalle vorhanden sind. Bruch hinter 
der Garnisonmühle. 

Kieselsäure = 57,32% 

Thonerde = 20,90 „ (Spur Eisen) 

Natron ~ 11,45 „ 

Kalkerde — 0,31 „ 

Wasser == 9,18 „ 

99,16 %. 


99 


d) Analcim von dem Analcimgange unterhalb Dölzschen, Bruch 1, 
Das Mineral krystallisirt, farblos, glasig, enthielt: 

Kieselsäure = 56,09 % 

Thonerde = 21,68 „ 

Natron — 11,49 ,, 

Kalkerde = 0,81 ,, 

Wasser = 9,01 „ 

99^8%. 

e) Rothes krystallinisch-körniges, glasiges Mineral unter dem farblosen 
Analcim, von Anderen auch für Phillipsit gehalten, ergab : 

Kieselsäure = 60,05 % 

Thonerde — 20,02 „ (mit Spur Eisen) 

Natron — 10,56 „ 

Kalkerde = 0,25 „ 

Wasser — 8,84 „ 

“99,72 V 

Trotz des sehr hohen Kieselgehaltes dürfte das Mineral doch vielleicht 
dem Analcim zugerechnet werden , dem Phillipsit aber keinesfalls. 

Anhang. — Epichlorit (?). 

f) Mit dem unter c angegebenen Analcim fand sich ein grau-grünes 
bis gelblich -bräunliches Mineral, dasselbe bildet nur schwache 
strahlige Masse in zeolithischer Gesellschaft (Analcim und Strahl- 
zeolith oder Natrolith , auch kaolinisirter Zeolith und etwas Apatit) 
in körnigem, rothem, etwas zersetztem Syenite. Das Mineral sehr 
weich, talkartig mild, schwer zerreiblich und dabeitalkartig schuppig 
werdend. Nach dem Glühen bedeutend härter und leicht pulverisir- 
bar. Durch Salzsäure vollständig zersetzbar. Das sehr spärliche, 
aber ziemlich reine Mineral ergab : 

Kieselsäure = 40,38%. Eine andere Probe: 38,86 %. 

Thonerde = 16,47 ,, 

Eisenoxyd — 21,04 „ Wohl zum Theil als Oxydul 

Kalkerde — 5,44 ,, [vorhanden. 

Magnesia — 6,94 ,, 

Wasser = 9,30 ,, 

99,57 %. 

Nach diesem Ergebnisse habe ich angenommen, dass das fragliche 
Mineral allenfalls zum Epichlorit oder dessen Verwandten gehören dürfte. 

g) In dem Bruche oberhalb der Garnisonmühle (linkes Ufer), der 
durch mehrere Gangbildungen ausgezeichnet ist, findet sich auch 
ein Gang, rechtwinkelig zur Thalrichtung, auf dem in früher Zeit 
ein Versuchsbau betrieben worden ist. Der Gang ist 5 — 20 cm 
mächtig und besteht aus dünnblättriger Masse, im Ganzen von 
hellrother Farbe. Die Gangmasse besteht zum grossen Theile aus 
weissen Kalkspathblättern, meist parallel zu den Ganggrenzen (wohl 
basische Blätter), und dazwischen aus rothem kleinkörnigen Minerale. 
Der Gang ist begrenzt durch grau-grüne thonige Masse, zersetzten 
Syenit. 


100 


Da das rothe Mineral wegen geringer -Stärke mechanisch nicht wohl 
trennbar war, so wurde der Kalkspath durch verdünnte Salzsäure entfernt, 
aber da auch die rothe Masse als nicht ganz unzersetzbar durch die Säure 
sich erwies, so wurde vor dem Lösen nicht zu fein gepulvert, und nach 
dem Lösen die feineren rothen Theile noch fortgewaschen, so dass man 
annebmen konnte, eine ziemlich unzersetzte Substanz erhalten zu haben. 

Durch Salzsäure mögen ungefähr 20 °/o des Minerals zersetzbar sein, 
die Lösung ergab: Thonerde 2,59%; Eisenoxyd 6,53%. Letzteres wurde 
vorwaltend aufgelöst aus nicht abgeschlämmtem Materiale, es ist wahr- 
scheinlich nur mechanisch beigemengt. Der wirklich zersetzbare Theil 
würde darnach nur etwas über 10% betragen, und dürfte als ein Zeolith 
anzusehen sein, wenn man den Wassergehalt in Betracht zieht. 

Wasser — 2,11 % in nicht abgeschlämmtem Materiale. 

„ — 2,29 „ in abgeschlämmtem Materiale. 

Aufgeschlossen wurde das Mineral mit Soda und mit Elusssäure. 
Die Zerlegung ergab : 

Kieselerde = 61,96 % 

Thonerde = 19,82 „ Spur Eisen nicht getrennt. 

Kalkerde — 0,60 „ 

Kali = 15,09 „ Natron nicht getrennt. 

Magnesia = Spur 

Wasser == 2,29 „ 

99,76 %. 

Anderer Versuch gab: Thonerde = 19,22% 

Kali — 14,87 „ 

Das rothe Mineral zwischen den Kalkspathblättern könnte man dem- 
nach für ein Gemenge aus einem neugebildeten Feldspathe, Zeolith und 
Eisenoxyd, halten. Ich habe dieses Vorkommen hier nur erwähnt, weil 
ich beim ersten Anblicke in etwas an das des Analcims in dem Gange 
unterhalb Dölzschen erinnert wurde. 

3. Natrolith (Strahlzeolith). 

Am öftersten wurde der Natrolith in dem hornblendereichen granitisch- 
körnigen Syenite im unteren Bruche hinter der Garnisonmühle gefunden, 
in Gesellschaft von Analcim, Stilbit und Apatit, sowie etwas Kalkspath. 
Aber auch in gewöhnlichem Syenite am selben Orte fand sich das Mineral 
einmal hübsch roth, frisch, strahlige Aggregate in Bändern bis 10 cm 
Länge und 1 bis 2 cm Dicke. An anderen Stellen des Grundes ist der 
Natrolith nur äusserst selten angetroffen worden, so je einmal in Gesell- 
schaft von Granat; von Pistazit, Quarz, Chlorit; von Pistazit, krystalisirtem 
Feldspath und Quarz; in grosskrystallischem schmalen Bande von Feld- 
spath und Hornblende mit Scheelit zusammen. Alle diese Funde stammen 
aus dem grossen Bruche (2) unterhalb Dölzschen. Im oberen Bruche 
beim Forsthause wurde das Mineral einigemale in sehr kleiner Menge an- 
getroffen, besonders an den Grenzen des knolligen granitischen Syenit- 
gesteins. Die Vorkommnisse eines mehr strahlig blätterigen Zeoliths 
dürften wohl nicht hierher zu rechnen sein. 


101 


Das bedeutendste Vorkommen ist das erst erwähnte, in dem körnigen 
hornblendereichen Syenite, und auf dieses bezieht sich das Folgende. 

Der Natrolith bildet nur strahlige Massen, die Individuen sehr selten 
bis über 2 cm lang und 1 mm dick, meist nur nadelartig oder haarfein. 
Freie Krystalle , nadelartig , wurden nur spärlich erhalten , wenn der die 
kleinen Drusen immer ausfüllende Kalkspath durch Säure entfernt wurde, 
und zwar zuweilen mit dem würfeligen Analcim zusammen. Da der 
Natrolith durch die Säure mehr angegriffen wird als die anderen Zeolithe, 
so gelang es nicht, ein deutliches Krystallende wahrzunehmen. Nach dem 
Ausätzen mit Säure zeigten sich zuweilen neben den stärkeren nadelartigen 
rothen Natrolithen auch ungemein feine Krystallnetze von heller Farbe, 
ähnlich den Rutilnetzen; es könnte dies vielleicht eine spätere Natrolith- 
bildung sein, die in ihrer Gruppirung durch das Kalkspathgefüge bestimmt 
worden ist. Die Farbe des Natroliths ist meist dunkelroth, seltener hell- 
roth bis fast weiss. Das Mineral ist oft ganz in eine thonige rothe, seltener 
fahlgrüne Masse umgewandelt, in der aber die Strahlen mitunter noch 
bemerkbar sind. — Glanz meist gering. V. G. = 2,243 — 2,266. Schmilzt 
v. d. L. ziemlich schwer zu weissem blasigen Glase. 

Die Analyse ergab: 

Kieselerde — 48,04 °/o 
Thonerde = 26,17 „ (Spur Eisen) 

Natron = 13,96 ,, 

Kalkerde = 0,96 „ * 

Wasser = 9,91 „ 

99,04 %. 

4. Stilbit. 

In den Zeolitheinschlüssen des hornblendereichen granitisch- körnigen 
Syenits im unteren Bruche hinter der Garnisonmühle, und zwar nur da 
und in dieser Gesteinsabänderung angetroffen. Das Mineral fast nur im 
Gemenge mit Analcim und Natrolith auftretend, gleichsam weniger selbst- 
ständig als diese beiden, selten allein einen Einschluss bildend, aber auch mit 
Apatit zusammen. Die Farbe ist roth wie die des Fassastilbits , und der 
schöne Perlmutterglanz fehlt nicht auf den frischeren Partien. Durch Aus- 
ätzen mit Säure wurden hübsche Gruppen kleiner Kryställchen erhalten, 
die weniger durch die Säure gelitten hatten als die des Analcims und 
besonders die des Natroliths. Die Länge der sechsseitigsäuligen Krystalle 
war bis zu 2 mm, die Dicke höchstens 1 mm. Die Gestalt ist die in den 
Lehrbüchern (Naumann) bezeichnete : ocPcvd.ooPoc.Poc.OP. Dazu tritt 
in manchen Fällen noch eine Fläche, die ich für 2P gehalten habe. 

Eine chemische Untersuchung ist nicht ausgeführt worden, denn hin- 
reichend frisches Material war nicht genügend vorhanden, und die aus- 
gezeichneten äusseren Eigenschaften waren zur Bestimmung vollkommen 
ausreichend. 

5. Phillipsit (Harmotom-Mineral). 

In der Isis-Zeitschrift von 1857, S. 139 habe ich den Desmin als im 
Plauenschen Grunde vorkommend angeführt. Die sehr deutlichen dünn 
nadelartigen, nur sehr selten 0,5 bis 1,5 mm dicken und dann etwa 2 bis 


102 


5 mm langen Krystalle erscheinen als recht winkelige Säulen mit über_den 
Säulenkanten aufgesetzten Pyramiden-Flächen. Also nach Naumann: ocPoc . 
oc Poc.P. Andere Flächen, die auch nicht selten am Desmin Vorkommen 
sollen, nämlich oc P und OP, konnten nicht bemerkt werden. 

Da der Desmin mit Harmotom und Phillipsit isomorph ist, so könnte 
ich meine frühere Angabe wohl vor mir selbst entschuldigen, besonders wenn 
man in Betracht zieht, dass früher nur ein sehr spärliches Material vorlag. 
Aber die Entschuldigung wird gänzlich hinfällig, denn ich habe früher ver- 
säumt, die pyramidalen Flächen genau anzusehen. Die neueren Funde, 
seit etwa zehn Jahren, haben mich dazu gebracht, das fragliche Mineral 
als zu den Harmotomen gehörig anzusehen, ich glaube es nun als Phillipsit 
bezeichnen zu dürfen. 

Als Fundstellen kommen im Nachstehenden nur die Brüche unterhalb 
Dölzschen 1 bis 4 (von N nach S gerechnet) in Betracht. 

Beim Freimachen des Analcims, aus dem Gange in Bruch 1, vom 
bedeckenden Kalkspathe (mittelst Säure) kam nicht nur Analcim zum Vor- 
scheine, sondern, wenn auch selten, anscheinend quadratische Säulen mit 
über deren Längskanten befindlichen Pyramidenflächen: diese Krystalle, 
meist roth, sind zuweilen mit Analcim theilweise oder ganz bedeckt, daher die 
Meinung, dass das rothe Mineral unter den Analcim etwas anderes sein müsse. 
Die rothen vollen Säulen haben mir auch meinen Desmin-Irrthum nicht ge- 
nommen, sondern dies geschah erst durch Aufdecken der Säulen, welche durch 
die Säure hohl gemacht worden waren, und nur aus einer graugrünen etwas 
warzigen Haut bestanden. Die Ausfüllung dieser Pseudomorphosen hat 
also wohl aus Kalkspath bestanden, und erinnerte mich lebhaft an die 
Pseudomorphosen von Kalkspath (daneben auch Quarz, Epidot, Magnetit) 
nach Granat, von dem entweder auch nur eine dünne Binde übrig geblieben, 
oder dieselbe ist später gebildet worden (Thorbjörnsborgrube bei Arendal). — 
Unsere hohlen Säulenkrystalle zeigten im Innern eine etwas unregelmässige 
Längenwand, gegenüberliegende Säulenflächen verbindend. Ich schloss daraus, 
dass der ursprüngliche Krystall ein Zwilling gewesen. Später wurde weiter 
ein Querschnitt einer verwitterten Säule beobachtet, in dem ziemlich deut- 
lich zwei sich kreuzende Linien zu sehen waren, also eine weitergehende 
Zusammensetzung des Krystalls angedeutet schien, die wohl auf Phillipsit 
hinweisen konnte. Daraufhin wurden die deutlichen frischen Krystalle aus 
Bruch 4 näher angesehen, und die so bezeichnende Federstreifung der 
pyramidalen Flächen in vielen Fällen deutlich wahrgenommen. 

Im Analcimgange (Bruch 1) sind auch freie Drusen mit Analcim und 
Phillipsit vorgekommen. Letzterer meist roth, selten hell, wenig glänzend, 
kaum durchscheinend, meist mehr zersetzt als der Analcim und deshalb 
etwaige Streifung nicht zu sehen. Yon Spaltbarkeit war auch an ziem- 
lich frischen Krystallen nichts zu bemerken. Einige Male wurden ein- 
springende Säulenkantenwinkel gesehen und angelagerte flache Säulen, 
wie sie beim Phillipsit angegeben werden. 

In Bruch 2 wurde der Phillipsit nur in sehr geringer Menge gefunden 
und zwar in Gesellschaft von zersetztem Laumontit, und von säuligem und 
tafeligem Kalkspathe. Die Krystalle sind ganz winzig, aber schön frisch und 
glänzend, gut gestaltet, etwa wie kleine Zirkone aussehend, roth und auch 
honiggelb. Gute Augen können vielleicht die Streifung der Pyramide 
deutlich sehen, ich glaube dieselbe schon bemerkt zu haben. 


103 


Der Bruch 4 ist nicht nur für Laumontit, sondern auch für den 
Phillipsit die Hauptfundstelle. Der Phillipsit ist immer in Gesellschaft von 
Laumontit und Kalkspath, und muss als jüngstes Glied gelten. Die frühere 
Angabe, dass wo Phillipsit auftrete, der Kalkspath fehle, ist falsch. — Der 
Phillipsit ist zumeist schön frisch, glänzend, farblos, auch röthlich und 
gelb, durchscheinend bis durchsichtig. Die Kry stalle sind immer gut ge- 
bildet, fein nadelartig, selten bis 1 mm oder etwas mehr dick und höchstens 
2 bis 3 mm lang; sie bilden Gruppen oder Rinden auf Laumontit und 
Kalkspath, selten sind einzeln stehende und liegende aber recht vollkommene 
Krystallsäulchen, Oft sind die schönen Zwillingsstreifungen wohl bemerk- 
bar, sodass wohl kaum noch ein Zweifel aufkommen kann, dass man es 
mit Phillipsit (Harmotom-Mineral) zu thun hat. 

Ganz besondere Freude und Genugthuung wurde mir gewährt durch 
das Auffinden zweier Krystallkreuze in ganz unscheinbaren Kalkspath- 
Laum ontit-Dru sen . Die Kreuze sind zwar nur ganz winzig, aber deutlich 
beobachtbar, und das Einspiegeln der Flächen aa ist deutlich zu sehen. 
Durch diesen Fund sind meiner Meinung nach alle Zweifel gehoben. — 

Die beifolgende Figur, der Mineralogie Naumann’s, 9. 
Auflage, 1874, S. 365, entlehnt, giebt das Bild des voll- 
kommensten Kreuzes. Auch in der schönsten Phillipsit- 
a druse mit grösseren Krystallen (etwa 0,5 bis 0,8 mm 
dick und 2 bis 2,5 mm lang) ist ein solches Kreuz 
angedeutet , die Einspiegelung der Flächen aa ziem- 
lich gut zu sehen und dazu auch noch die Feder- 
streifung dieser Flächen, die ich bei den kleinen Kreuzen 
nicht zu sehen vermochte. 

Eine chemische Untersuchung ist nicht ausgeführt worden, da ich das 
immerhin seltene und sparsame Material nicht gefährden wollte. Aus 
früherer Zeit befindet sich etwas von unserem Phillipsite im mineralogischen 
Museum, ich habe es damals als Desmin übergeben. Alles in einer Reihe 
von Jahren bis jetzt gesammelte Phillipsitmaterial habe ich zusammen- 
gehalten, denn ein Stück ist in vielen Fällen kein Stück. 

6. Desmin. 

In letzter Stunde wurde die Hoffnung erregt, dass der Desmin denn 
doch noch in die Reihe unserer Zeolithe aufgenommen werden dürfe. 

Beim Ausätzen einer sehr zersetzten Zeolithpartie aus dem dunklen 
Syenite hinter der Garnisonmühle wurden ganz besonders viele der netz- 
artigen, beim Natrolith erwähnten, hellen Gebilde blossgelegt und zwischen 
denselben auch ein paar Kryställchen, dunkelroth, mehr erdig, glanzlos, 
aber die Gestalt deutlich erkennbar. Die Gestalt war anscheinend rectan- 
gulär säulig, mit Pyramidenflächen über den Längskanten, 
und einer basischen Endfläche, also im Ganzen recht wohl 
mit der Desmingestalt: oc P oc . oc P oo . P. OP vereinbar (s. Fig.). 

Ich möchte hierher auch gewisse strahlig blättrige Aggregate 
von meist rothgelber Farbe rechnen, die sich in den Brüchen 
unterhalb Dölzschen und hinter der Garnisonmühle einigemale 
vorfanden, sowohl in gewöhnlichem Syenite, wie auch an den 
Grenzen der dunklen, Kupferglanz und Magneteisen führenden 
Ausscheidungen desselben. Es gelang mir bis jetzt nicht, 





104 


hinreichend reines Material für die Analyse zu erlangen und andere 
Bestimmungen zu ermöglichen. 


Noch einige Worte über die Beziehungen zwischen den Syenite und 
den genannten Zeolithen. — Vom Laumontite und Phillipsite gilt unbedingt, 
dass sie durchaus spätere (secundäre) Abkömmlinge des Syenits (Feldspaths) 
sind, auch vom Analcim kann dies gesagt werden, insoweit er als Gang- 
gebilde auftritt. Dem Gesteine näher, demselben scheinbar angehörig, stehen 
die übrigen, mit Einschluss des Analcims in dem dunkeln Syenite hinter 
der Garnisonmühle, denn in diesen werden mitunter Syenitmineralien, 
namentlich Glimmer, Hornblende und Magneteisen, seltener Feldspath an- 
getroffen, sodass man sich des Gedankens nicht erwehren kann, dass diese 
Zeolithe dem Gesteine gewissermassen angehören. 


Secundär: 


Laumontit, 
- Phillipsit, 
Analcim. 


Primär: 


Analcim, 

Natrolith, 

Stilbit, 

Desmin? 


Jedenfalls dürfte es sehr wtinschenswerth sein, dass unsere Zeolithe 
einmal auch in eine andere Hand gelangten, um ein bestimmteres Urtheil 
über das Ganze zu erhalten. Ich habe das Material zusammengehalten, 
um eine weitere ausgiebigere Bearbeitung zu ermöglichen. 


Nachtrag. 

Noch ein Vorkommen mag hier erwähnt werden, und zwar nur des- 
halb, weil ich einmal glaubte, das fragliche Mineral für einen Zeolith 
halten zu dürfen. Ich hoffe es wird nicht gar zu sehr verurtheilt werden, 
dass meine Angaben hier noch unsicherer sind als bei den Zeolithen. 

Vor vielen Jahren schon fand ich in dem schönsten Bruche unterhalb 
Dölzschen (2) einen mir in hohem Maasse anziehend erscheinenden Kalk- 
spath. Die ältesten Krystalle (seltener beobachtbar) langgestreckte Skalen- 
oeder, daran und darüber flache tafelige Krystalle mit skalenoedrischen 
und Säulenflächen. Die Basis frei, oder auch gänzlich oder theilweise 
bedeckt durch ein flaches Skalenoeder (-^R3). Letztere Gestalt ist auf- 
gebaut aus Tafeln und erscheint treppenförmig. Die Stufen durch Ein- 
spiegeln mit am Ende zuweilen vorhandener Basis deutlich erkennbar. 

Auf einigen dieser Kalkspathdrusen bemerkte ich (leider zu spät, so- 
dass gewiss manches vorloren gegangen ist) kleine sehr regelmässige an- 
scheinend quadratische Pyramiden von röthlicher Farbe bis fast farblos, 
durchscheinend, Glanz meist nicht sehr stark. Die grössten Krystalle erreichen 
nicht 1 mm. Sie sind einfach pyramidal (modellartig wohl gebildet, wie 
ich die Gestalt nur an einigen Xenotimen gesehen habe), zuweilen erscheint 
auch eine Abstumpfung der Mittelkanten, sowie eine zweiflächige Zuschärfung 
an Mittelecken. Ja ich glaubte einmal hemiedrische Pyramidenflächen an 
einer Mittelecke gesehen zu haben. So konnte es kommen, dass ich wohl 
an Scheelit dachte, aber das Vorkommen schien mehr auf Zeolith hinzu- 
weisen, und Herr A. Frenzei nannte mir das Wort Gismondin. 

Einige der winzigen Krystalle wurden nach Möglichkeit von dem 
Kalkspathe frei gemacht und mit Salzsäure behandelt, sie lösten sich unter 


105 


Aufbrausen leicht lind vollständig auf, und die Lösung gab mit Ammoniak 
einen flockigen Niederschlag. So glaube ich bemerkt zu haben. End- 
ergebnis: Also wohl ein Carbonat. Meine Kunst ist zu Ende mit dem 
winzigen Materiale. 

Ich habe von dem spärlichen Materiale nichts weiter durch eigene 
Versuche verdorben, in der Hoffnung, dass ein Mineralog von Beruf sich 
desselben einmal annehmen werde. Es wäre ja hübsch, wenn doch zu- 
letzt ein tetragonales Carbonat zum Vorschein kommen sollte; ist es etwas 
Anderes und nicht weiter zu Beachtendes, so bin ich auch zufrieden, 
denn ich habe meine Belohnung gehabt durch die Freude, die mir die 
kleinen vollkommenen Kryställchen gewährt haben. 

Eine Aussicht, mehr von dem fraglichen Materiale zu erhalten, ist 
kaum vorhanden. 


106 


VI. Ein Titanit-Abkömmling im Syenite des Plauensclien 

Grundes bei Dresden. 

Von E. Zschau in Dresden. 


Im Jahre 1888 (22. December) fand ich auf einem ziemlich stark 
zersetzten Syenite des Plauenschen Grundes (unterer Bruch hinter der 
Garnisonmühle) Rinden eines kleinkrystallinischen Kalkspaths als Decke 
über einem stark angegriffenen Calcite. An derselben Fundstelle wurden 
auch frische unscheinbare Calcitdrusen, sowie kugelig gruppirte flache 
Baiytkrystalle angetroffen. Zierliche gute Barytkrystalle wurden auch er- 
halten, wenn man den Kalkspath mit Säure entfernte. 

Bei genauerer Betrachtung fand ich in dem Syenite kleine, bis 2 mm 
grosse, unregelmässige Druschen, ausgekleidet und angefüllt mit äusserst 
kleinen, meist honiggelben, fein und stark (diamantartig) glänzenden 
Kry stallen. Mein erster Gedanke war, dass man es mit einem neuen 
Titanit-Abkömmling zu thun haben könne, da der gewöhnliche mehr 
erdige und glanzschwache Titanit, wie er im zersetzten Syenite so oft 
beobachtet werden kann, gänzlich fehlte. Selbstverständlich wurden die 
Späthe nun in den Hintergrund gethan. 

Schon aus der sehr grossen Anzahl der Krystalle in einer höchstens 2 mm 
grossen Druse konnte man schliessen, dass dieselben nur etwa 0,01 — 0,1 mm 
gross sein könnten. Nur in wenigen Fällen war mit der Lupe schon in 
den Drusen eine flachtafelige Gestalt erkennbar. Frei gelegte Krystalle 

zeigten unter dem Mikroskop eine hübsche, 
anscheinend quadratische oder rectanguläre 
Gestalt, mit gleichartigen pyramidalen Ab- 
schrägungen an allen vier Seiten, also viel- 
leicht eine quadratische Tafel mit Pyramide 
(Fig. I). Nur ein einziges Mal wurde eine 
Gestalt gesehen wie Fig. II. 

Ich habe mir das Mineral zu deuten 
versucht, und habe gemeint, dass etwa eine 
Umsetzung des gewöhnlichen Titanits in 
Guarinit vorliege; oder dass es Pseudobrookit sein könne, ich konnte 
allerdings die Längsstreifung nicht wahrnehmen , wenn dieselbe auch vor- 
handen sein sollte; als drittes bliebe noch Anatas zu erwähnen. 

Was die Gestalt Fig. II anlangt, so könnte dieselbe allenfalls auf 
Brookit hindeuten; und das Unglück wäre nicht gross, wenn sich heraus- 
stellen sollte, dass Anatas und Brookit neben einander ans dem Titanite 
hervorgegangen wären. 




Oes. Isis in Dresden, 1893. — Abh, 6. 


107 


Was das fragliche Mineral ist, kann ich nicht entscheiden, und wird 
eine genauere Bestimmung von anderer Seite gegeben werden. 

Angefügt mag noch werden, dass das Mineral nur an einer einzigen 
Stelle des oben genannten Steinbruches, und sonst nirgends im Grunde, 
bis jetzt gefunden wurde. Jedenfalls ist es da in einer ziemlich grossen 
Syenitmasse vorgekommen, aber unbeachtet geblieben. In früherer Zeit 
sind der Fundstelle grössere Syenitstücke mit den erwähnten kugeligen 
Baryten entnommen worden, und haben solche Stücke als Gartenschmuck 
(z. B. auf der Brühlschen Terrasse) Verwendung gefunden. Ich glaube 
nicht zu irren, dass diese Ausstattungsstücke das Mineral enthalten und 
eine secundäre Fundstätte sein können, wenn die ursprüngliche versagen 
sollte. 




108 



VH. Beobachtungen Uber die Eierdeckschuppen der 
weiblichen Processionsspinner. 

(Gattung Cnethocampa Stph.) 

Von Dr. H. Nitsche in Tharandt. 

Am 23. Februar 1893 hielt ich in der zweiten Hauptversammlung*) 
unserer Gesellschaft einen allgemeinen Vortrag über die Naturgeschichte 
der Processionsspinner. Derselbe beruhte auf einer Eeihe eingehender 
Studien, die sich namentlich auch auf die Ursache der „Giftigkeit“ ihrer 
Kaupen erstreckt haben. Alles was ich damals an biologischen Thatsachen 
mittheilen konnte, ist inzwischen bereits ausführlich gedruckt erschienen 
in dem 3. Hefte der von Judeich und mir herausgegebenen „Mittel- 
europäischen Insektenkunde“ (S. 902 — 922). Meine Beobachtungen über 
den feineren Bau der Eierdeckschuppen waren aber so eingehender Natur, 
dass sie in den Rahmen des genannten Lehrbuches nicht passten. Ich 
veröffentliche sie daher nachträglich an dieser Stelle und erläutere sie 
durch einige Abbildungen. 

Im Sommer 1887 folgten Professor Altum und ich einer freundlichen 
Einladung von Oberforstmeister von Rössing, den Frass des Eichen- 
Processionsspinners in der näheren Umgebung von Dessau zu besichtigen. 
Bei dieser Gelegenheit fanden wir in einem dem Frassgebiete benachbarten 
Pflanzgarten an der glatten Rinde jüngerer Eichen Haufen von Schmetterlings- 
eiern, welche in mehreren regelmässigen Reihen nebeneinander festgeklebt 
waren. Jede Gruppe enthielt 100 — 200 Eier und hatte die Gestalt eines langge- 
zogenen Sechseckes (5, S. 908, Fig. 268), da die mittleren Reihen etwas 
länger waren als die Randreihen. Professor Altum sprach dieselben sofort als 
Eier des Eichen-Processionsspinners, Cnethocampa processionea L., an und 
beschrieb diese Art der Eiablage bald darauf (1, S. 541). Obgleich ich 
die Richtigkeit der Alt um’ sehen Bestimmung durchaus nicht bezweifelte, 
versuchte ich doch bei Niederschreibung des betreffenden Abschnittes der 
„Mitteleuropäischen Forstinsektenkunde“ die directe Gewissheit zu erlangen, 
dass die Eier von dem Processionsspinner herrührten. Ich untersuchte daher 
mikroskopisch den braunen Kittüberzug, der sie bedeckt und ihnen völlig 
die Farbe der Eichenrinde giebt. Waren die Angaben von Kollar 
( 2 , S. 325 u. 326) richtig, so mussten in diesem Kitt Theile der Haare 

*) ln der kurzen Mittheilung hierüber in den Sitzungsberichten S. 12 dieses 
Bandes hat sich der Druckfehler „Ctenocampa“ eingeschlichen, den ich zu verbessern bitte. 


Oes. Iszs in Dresden, 1893. — Abh. 7„ 


109 


oder Schuppen des Afterbusches des Weibchens enthalten sein. Bei 
Betrachtung des ersten von mir hergestellten Präparates fand ich denn 
auch zahlreiche Bruchstücke brauner Schmetterlingsschuppen und ein 
Vergleichspräparat, das ich aus dem Afterbusche des Weibchens eines 
Eichen-Processionsspinners herstellte, liess die absolute Uebereinstimmung 
der dem Eierhäufchen und dem Afterbusche des weiblichen Falters ent- 
nommenen Schuppen erkennen. Die Richtigkeit der Altum’schen 
Bestimmung stand also fest. 

Es fiel mir aber auf, dass es wirkliche Schuppen und zwar sehr 
grosse, mit ganz charakteristischerer Sculptur versehene waren, nicht, wie bei 
vielen anderen Eierhäufchen, z. B. beim Schwammspinner, Liparis (Ocneria) 
dispar L., wirklich haarartige Wolle. Ferner waren diese Schuppen in 
Grösse, Gestalt und Sculptur vollständig verschieden von denen, welche 
der so ungemein nahe verwandte Kiefern-Processionsspinner, Cnethocampa 
pinivora Tr. , zum Eindecken seiner, an 'den Kiefernnadeln abgelegten Eier 
verwendet, wie diese nicht lange vorher von Dr. Zickerow in Cammin 
beschrieben und abgebildet worden waren (4, S. 74 7). Ich beschloss daher, 
den Afterbusch aller mir zugänglichen Cnethocampa- Arten zu untersuchen. 
Die dritte mitteleuropäische Art, den Pinien-Processionsspinner, Cn. pityocampa 
Schiff., besass unsere Sammlung, dagegen fehlten ihr die beiden noch süd- 
licheren und ihr hoher Preis (2,5 und 12 Mark für ein Exemplar) hielt 
mich von dem Ankäufe zurück. Hocherfreut war ich daher, als der 
bekannte Lepidopterologe Dr. Staudinger in Blasewitz bei Dresden mir 
einige nicht ganz fehlerfreie Exemplare der spanischen Cn. herculeana Rbr. 
und der levantinischen Cn. solitaria Frr. kostenlos zur Untersuchung 
überliess. Ich verfehle nicht, hierfür auch öffentlich meinen besten Dank 
auszusprechen. 

Die Untersuchung dieses reichen Materiales ergab, dass 

1) am Hinterleibe der Weibchen aller 5 Cnethocampa- Arten des 
europäischen Faunengebietes unter einer äusseren Schicht einfach linearer 
Afterwolle ein dichter Wulst sehr grosser, speciell zur Bedeckung der Eier 
bestimmter Schuppen, die ich Eierde ck schuppen nenne, vorhanden ist, 
wie er meines Wissens bei keiner anderen Nachtfaltergattung vorkommt;*) 

2) dass jede dieser äusserlich einander ähnlichen Arten eine ihr speciell 
eigenthümliche nach Grösse, Form, Zeichnung und Sculptur verschiedene 
Form von Eierdeckschuppen besitzt. 


*) Die Afterbüsche der übrigen Nachtfalter, die das Material zum Eindecken der 
Eier liefern, bestehen nämlich aus ganz langen fadenartigen Gebilden, die ent- 
weder jedes für sich einer Schuppe entsprechen ( Porthesia chryrorrhoea L.), oderTheile 
einer lang zerschlitzten Schuppe ( Bornbyx Janestris L.) oder wenigstens eine ganz 
schmale Schuppe darstellen, die nur bei starker Vergrösserung als flache Schuppe 
erkennbar wird ( Orgyia selenitica Esp.). Am nächsten steht den Processionsspinnern, 
was den Afterbusch der Weibchen betrifft, noch Diloba caeruleocephala L. Bei dieser 
Gattung besteht er aus sehr langen fadenartigen Schuppen, die aber am Ende in 
einen breiten, abgerundet dreieckigen Endtheil ausgehen. Dies dürften wohl sicher 
die „geknöpften Fäden“ sein, mit denen nach E. Rofmann die Eier besetzt sein sollen. 
Doch besteht auch bei dieser Gattung der Afterbusch aus einer Schuppenart und 
hat nicht eine äussere verhüllende Bedeckung von eigentlicher After wolle. Ich weise 
übrigens darauf hin, dass eingehenderes Studium der Afterwolle der Nachtfalter noch 
manche interessante Thatsachen zu Tage fördern dürfte, 


110 


1 . 2 . 



Die Lage und Anordnung dieser Eierdeckschuppen ist bei allen 5 Arten 
die gleiche. Der Hinterleib des Weibchens ist stumpf abgerundet und an 
seinem Ende mit einem Besätze gewöhnlicher, langer Afterwolle von an- 
nähernd der Farbe des Hinterleibes bedeckt, so dass man an einem wohl- 
erhaltenen Exemplare nichts Auffälliges bemerkt (Fig. 1). Entfernt man 
dagegen diese äussere Schicht, so liegt unter ihr, dicht ziegelartig über- 
einander gelegt, eine geradezu riesige Menge grosser Schuppen, die eine 
ungefähr halbkugelförmige , dicke Schale auf dem letzten Leibringe ober- 
halb der After- und Geschlechtsöffnung bilden (Fig. 2). 

Befeuchtet man den Hinterleib eines gewöhnlichen, trockenen Sammlungs- 
exemplares zunächst mit Benzin, legt dasselbe eine längere Zeit in ge- 
schmolzenes Paraffin und lässt das herausgenommene Exemplar erkalten, 
so kann man bequem den Hinterleib mit einem Rasirmesser in der Mittel- 
ebene spalten. Löst man dann das Paraffin wieder in Benzin auf, so 
entsteht ein Präparat, in welchem man die natürliche Lage der Eierdeck- 
schuppen und der Afterwolle auf dem Längsschnitt genau übersehen kann 
(Fig. 3). Es tritt jetzt eine geradezu lächerliche Aehnlichkeit des Eier- 
deckschuppenwulstes mit dem unter dem Namen „Tournure“ bekannten 
weiblichen Kleidungsstücke hervor. Das spitze eigentliche Hinterleibsende 
erhält durch diesen Wulst eine gewölbte Abrundung und bauscht die 
deckende Schicht Afterwolle auf. 

Besonders bemerk enswerth ist die geradezu riesige Grösse dieser 
Schuppen im Vergleich mit den Flügelschuppen, sogar bei dem Eichen- 
processionsspinner, der die kleinsten Eierdeckschuppen unter allen 5 Arten 
hat. Bei dem Pinien-Piocessionsspinner werden sie bis über 2 mm lang 
und über 1 mm breit. Uebrigens wechselt die Grösse in einem und dem- 
selben Afterbusche sehr bedeutend, doch überwiegen stets die grossen 
Schuppen an Zahl. 

In der entomologischen Literatur ist mir eine einzige —genauere Er- 
wähnung dieses Verhaltens bekannt und diese ist so versteckt, dass sie 
w r ohl nur wenigen Fachleuten zur Kenntniss gekommen sein dürfte. Der 
Augustiner-Priester Prosper Dallinger beschreibt und zeichnet diese Ver- 
hältnisse bereits 1798 bei dem ,, Fichtenspinner“ Phalaena hombyx 
Pityocampa , wie er fälschlich den Kiefern-Processionsspinner nennt: 

. an dem Ende des rothgelben Hinterleibes über dem After eine 
braune, etwas glänzende Bedeckung, welche aus einer sehr grossen Menge 
aufeinander gehäufter Schüppchen besteht, sie sind sehr leicht und die 
kleinste Bewegung gegen dieselben ist hinreichend, sie zu beben und 
ausfallen zu machen.“ (3, S. 31, Taf. II, Fig. 9.) 

Ebensowenig dürfte es in wissenschaftlichen Kreisen bekannt sein , 
dass Dr. Zick er ow in Cammin in der Gartenlaube in einem auch sonst 
ganz vortrefflichen Aufsatze die Eierdeckschuppen und ihre Lage bei der- 
selben Art gut geschildert hat (4, S, 747), 



111 


Die Verwendung dieser Schuppen ist, soweit ich weiss, nur bei den 
drei bekannteren Arten beobachtet worden. 

Das Weibchen des Eichen-Processionsspinners mischt die Schuppen 
unter den Kitt, mit dem es die an und für sich schneeweissen Eier 
anklebt und so überzieht, dass sie die Farbe der Eichenrinde bekommen. 

Die beiden Nadelholzarten legen ihre Eier an die Kiefernadeln und 
decken dieselben ganz regelmässig mit den Eierdeckschuppen ein. Dies 
wird zwar in der älteren Literatur erwähnt, genauer aber nur von 
Dr. Zickerow beschrieben und abgebildet. Ihre Anordnung auf dem meist